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Foto: Khongtham | shutterstock
Bild: Khongtham | shutterstock

Forschungsquartett | Superreiche in den Medien

Warum Milliardäre unsichtbar bleiben

Armut ist statistisch gut erfasst — und Medien berichten regelmäßig über Menschen in Armut. Der Großteil der reichsten Menschen bleibt für die Öffentlichkeit dagegen nahezu unsichtbar. Eine neue Datenanalyse zeigt, wie die deutsche Reichtumselite in den Medien unterrepräsentiert bleibt.

Das Forschungsquartett — dieses Mal in Kooperation mit der Max-Planck-Gesellschaft

Superreiche häufig medial unsichtbar

In kaum einem Industrieland ist das Vermögen so ungleich verteilt wie in Deutschland. Während die ärmere Hälfte der Bevölkerung rund 1,5 Prozent des Gesamtvermögens besitzt, vereinigen die reichsten 0,1 Prozent mehr als ein Fünftel auf sich. Über die genaue Zusammensetzung dieser Spitze fehlen der Öffentlichkeit jedoch meist verlässliche Daten.

Die Wissenschaftlerin Emma Ischinsky vom Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung hat in einem Forschungsprojekt rund 150.000 Presseartikel analysiert, um die Sichtbarkeit der reichsten Personen des Landes zu kartografieren. Das Ergebnis: Ein Viertel dieser Elite taucht in der Berichterstattung nicht auf. Diese mediale Unsichtbarkeit folgt laut der Studie Mustern, die eng auch mit der Geschichte der Vermögen verknüpft sind. Während sogenannte Selfmade-Milliardäre der Nachkriegszeit wie Sportler und Unternehmerinnen oft als Symbole des wirtschaftlichen Aufstiegs inszeniert werden, bleiben Familien, deren Reichtum in der NS-Zeit begründet wurde, im Schatten.

Wir beobachten eine Form der ‚selektiven Ignoranz‘, bei der insbesondere historisch belastete Familiengeschichten systematisch aus der öffentlichen Erzählung herausgehalten werden.

Emma Ischinsky, Doktorandin am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung

Emma Ischinsky, Doktorandin am Max-Planck-Institut für GesellschaftsforschungFoto: Astrid Dünkelmann | MPIfG

‚Selfmade-Milliardäre‘ am häufigsten in den Medien

Gleichzeitig konzentriert sich das öffentliche Interesse auf eine Minderheit: Lediglich 1,5 Prozent der Superreichen generieren die Hälfte aller Namensnennungen in der Presse. Oft handele es sich dabei um Personen, die durch eigene Medienhäuser oder eine aktive Selbstvermarktung die Deutungshoheit über ihr Image behielten. Für die große Mehrheit der Milliardäre und Millardärinnen gilt dagegen: Wer unsichtbar bleibt, taucht in der gesellschaftlichen Debatte über Verteilungsgerechtigkeit nicht auf.

Mehr Transparenz über Reichtum?

Diese Stille ist laut Ischinsky ein Problem für die demokratische Gesellschaft. Wenn die Öffentlichkeit nicht erfährt, wer über welche Ressourcen verfügt, fehlt die Grundlage für eine kritische Auseinandersetzung mit wirtschaftlicher Macht. Ihre Studie legt nahe, dass mediale Unsichtbarkeit dazu beiträgt, den Status quo zu stabilisieren und Privilegien vor öffentlicher Debatte zu schützen.

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