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Foto: Sean Pavone | shutterstock

Forschungsquartett | Infrastruktur

Nachhaltige, gerechte und sichere Infrastruktur — aber wie?

In dieser Folge dreht sich alles um Ideen für Infrastruktur: von antikem Beton über Strompreise bis zum Schutz vor Hardware-Trojanern.

Das Forschungsquartett — dieses Mal in Kooperation mit der Max-Planck-Gesellschaft

Die ewige Infrastruktur der Römer

Obwohl Beton das Fundament moderner Bauwerke bildet, verursacht die Zementherstellung bis zu acht Prozent der weltweiten CO₂‑Emissionen. Forschende des Max-Planck-Instituts für Festkörperforschung suchen daher im Kooperationsprojekt RICIMER nach dem Geheimnis des antiken römischen Betons, der seit zwei Jahrtausenden den Witterungen standhält. Ein Schlüsselelement ist das Mineral Strätlingit: Bei Feuchtigkeit quillt es in Rissen des Betons auf. Damit verschließt es Risse und der Beton heilt sich quasi selbst. Im antiken Beton findet sich übrigens viel Vulkanasche und weniger Kalk, wodurch die Römer wesentlich CO₂‑ärmeren Zement benutzten als wir heute.

Müllverbrennung statt Vulkanasche

Um heutige Infrastruktur auch CO₂‑ärmer zu bauen, suchen die Forschenden gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Bauphysik nach einer Alternative zu dem antiken Beton. Da natürliche Vulkanasche eine begrenzte Ressource ist, wird die Nutzung anorganischer Bestandteile aus Müllverbrennungsasche als Ersatzstoff erprobt. Nach dem Aussortieren von störenden Metallen und Gläsern ähnelt die Mineralogie dieser Aschen der antiken Vulkanasche. Dennoch stehen einer industriellen Nutzung bisher strenge Baunormen und wirtschaftliche Faktoren im Weg.

Man muss immer einen Kompromiss finden zwischen Wirtschaftlichkeit und dem, was man am Ende halt haben möchte.

Prof. Dr. Robert Dinnebier, Leiter der Röntgenographie am Max-Planck-Instituts für Festkörperforschung

Prof. Dr. Robert Dinnebier, Leiter der Röntgenographie am Max-Planck-Instituts für FestkörperforschungFoto: MPIfF

Gerechte Kostenverteilung bei der Energiewende

Die Stromversorgung ist ein Teil unserer kritischen Infrastruktur: Ohne Strom geht nichts. Dabei gelten Strompreise häufig als Resultat von Angebot und Nachfrage, doch in der Realität ist die Strombepreisung ein zutiefst politischer Prozess. Max Willems, Doktorand am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung, untersucht, wie in Europa die Strompreise entstehen und so die Kosten der Energiewende gesellschaftlich ausgehandelt werden. Die Energieerzeugung macht dabei nur einen Teil des Endverbraucherpreises aus. Der andere Teil setzt sich aus Netzentgelten, Steuern und Umlagen zusammen.

Strombepreisung gibt uns einen sehr guten Einblick darin, wie die Belastung der Energiewende gesellschaftlich ausgehandelt wird.

Max Willems, Doktorand am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung im Forschungsbereich Politische Ökonomie

Max Willems, Doktorand am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung im Forschungsbereich Politische ÖkonomieFoto: MPIfG

Auffällig dabei ist, dass private Haushalte und Industrie häufig sehr unterschiedliche Preise bezahlen. In Ländern wie Deutschland zahlten private Haushalte zeitweise doppelt so viel für Strom wie die Industrie, da Unternehmen vielfach von Abgaben befreit wurden. So finanzierten die privaten Haushalte die Energiewende für die Industrie mit, die aber auch davon profitiert. Um eine gesellschaftliche Spaltung zu verhindern und die Akzeptanz der Energiewende zu sichern, plädiert Willems für gerechtere Verteilungsmodelle, die zum Beispiel Gemeinden an den Gewinnen von Wind- und Solarkraftwerken beteiligen.

Unsichtbare Gefahren für IT-Infrastruktur

Neben Software-Viren bedrohen sogenannte Hardware-Trojaner die Sicherheit der IT‑Infrastruktur. Da die Fertigung von Hochleistungs-Mikrochips extrem teuer ist, werden Schaltungen selbst für sensible Systeme bei externen Chipherstellern bestellt. Die meisten Fabriken dafür stehen in Ostasien. Dabei besteht das Risiko, dass bösartige Manipulationen oder sogenannte Kill-Switches eingebaut werden, mit denen Angreifer ganze Mobilfunk- oder Stromnetze aus der Ferne lahmlegen könnten. Prof. Dr. Christof Paar vom Max-Planck-Institut für Sicherheit und Privatsphäre erforscht diese gezielten Manipulationen auf den Chips und wie ein Schutz davor aussehen könnte. Vor allem Nachrichtendienste seien an diesen Sicherheitslücken interessiert. Allerdings fehlt bisher ein dokumentierter Fall in kommerziellen Endgeräten. Es existieren aber begründete Hinweise darauf, dass gezielte Hardware-Schwachstellen angegriffen werden, um zum Beispiel Verschlüsselungen zu schwächen.

Das Angreifermodell ist halt brutal stark, wenn gegnerische Chipfabriken vollen Zugriff auf die Chips haben und auch die ganze Funktionalität verstehen.

Prof. Dr. Christof Paar, Gründungsdirektor des Max-Planck-Instituts für Sicherheit und Privatsphäre

Prof. Dr. Christof Paar, Gründungsdirektor des Max-Planck-Instituts für Sicherheit und PrivatsphäreFoto: Judith Büthe | MPG

Wege zur technologischen Souveränität Europas

Eine Möglichkeit, sich gegen Hardware-Trojaner zu wehren, ist das Zurückholen der Halbleiterproduktion nach Europa. Dazu gibt es bereits eine EU‑Initiative: den European Chips Act. Diese stößt jedoch auf wirtschaftliche Hürden und ständige Re-Investitionskosten durch das Mooresche Gesetz. Das besagt, dass sich die Anzahl der Transistoren auf einem Mikrochip etwa alle zwei Jahre verdoppelt. Prof. Dr. Christof Paar hält das Erreichen der technischen Souveränität für sehr schwer. Gleichzeitig sei der Versuch aber auch wichtig. Dabei bieten Ansätze wie das Open-Hardware-Movement und eine Teilsouveränität durch die heimische Fertigung sicherheitskritischer Komponenten jedoch vielversprechende Lösungswege.

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