Ozeane und ihre Erforschung
Ozeane machen über zwei Drittel der Erdoberfläche aus. Und je nach Definition gelten nur etwa 5 bis 20 Prozent der Ozeane als wissenschaftlich erforscht. In dieser Folge besuchen wir drei Ozeane und fragen, warum die nachtaktive Gabelschwanzmöwe seltsame Klicklaute von sich gibt, welche Rolle Sand in Mombasa spielt und ob und wie sich das Klima verändern könnte, wenn die Atlantikströmung Amok sich abschwächt. Mein Name ist Wieland Mikolajczyk. Wie gut, dass ihr zuhört. Das Forschungsquartett – Wissenschaft bei detektor.fm in Kooperation mit der Max Planck Gesellschaft.
Die Gabelschwanzmöwe
Möwe – der inoffizielle Vogel des Strandurlaubs. Das Kreischen über dem Wellenrauschen, das Fotomotiv auf der Seebrücke und das aus der Hand geklaute Fischbrötchen. Eine Möwenart fällt aber nicht in die Urlaubskategorie. Was die Gabelschwanzmöwe von anderen Möwen unterscheidet, das habe ich Dr. Kameran Safi vom Max Planck Institut für Verhaltensbiologie gefragt.
Nun, die Gabelschwanzmöwe, die ja auch Eulenmöwe genannt wird, ist die einzige Möwe, die nachts jagt – ausschließlich nachts. Deshalb auch dieser Vergleich mit den Eulen. Die Gabelschwanzmöwe unterscheidet sich unter allen Möwen dadurch, dass sie sich wirklich spezialisiert hat, nachts auf Jagd zu gehen. Alle anderen Möwen, die wir so kennen, die sind tagsaktiv und schlafen nachts. Das Leben, das die Gabelschwanzmöwe führt, ist also tatsächlich eher so ein Eulenleben.
In ihrem Naturreal ist sie aber nur Möwe, mit einer kleinen Ausnahme, dass sie dann halt auch nicht ganz so küstennah jagt, wie wir es von den Möwen gewohnt sind, sondern eher pelagisch, also weit draußen im Meer. Das klingt jetzt ein bisschen schwierig. Ich stelle mir vor, sich nachts auf dem Meer zurechtzufinden. Gibt es irgendwie eine biologische Spezialausrüstung, die die Gabelschwanzmöwe besitzt, um nachts überhaupt etwas zu sehen und dann eben auch jagen zu können? Klar, muss sie wohl haben. Ansonsten, ich meine, wenn man auf dem Pazifik unterwegs ist und es ist Neumond, dann ist es tatsächlich sehr, sehr dunkel.
Spezialisierte Augen
Nun, die Gabelschwanzmöwe verfügt über spezialisierte Augen, ähnlich wie die Eulen oder Katzen. Haben sie ein Tapetum lucidum. Das ist eine Schicht hinter den Sensoren in den Augen, die das Licht zurückwirft. Und somit haben die Gabelschwanzmöwen in ihren Augen, die auch außergewöhnlich groß sind für Möwen, sozusagen ein Restlichtverstärker-System, mit dem sie das wenige Licht, das in der Nacht über dem Ozean herrscht, verstärken können und viel besser im Dunkeln sehen als wir das tun würden.
Ansonsten, es ist schon ein bisschen ein Rätsel. Also die Schwierigkeiten, die die Gabelschwanzmöwen bewältigen, sind ja auch mit einem Grund, warum wir sie überhaupt untersuchen. Wie ist das überhaupt möglich? Auf dem Speiseplan von der Gabelschwanzmöwe stehen vor allem Kalmare, also Tintenfische und Tiefseefische. Wie kommt denn die Gabelschwanzmöwe überhaupt an Tiefseefische?
Die Gabelschwanzmöwe hat sich spezialisiert auf diese kleinen Kalmare. Die kennen wir vom Grillrestaurant. Die Arbeitshypothese, sagen wir mal so, ist, dass die Gabelschwanzmöwe die Kalmare beziehungsweise ihre Beute an der Oberfläche absucht. Weil sie eine Möwe ist, kann sie nicht weit tauchen. Sie kann höchstens ins Wasser plumpsen. Das heißt, sie geht nachts auf Jagd. Und das ist genau die Zeit, zu der dann sehr viele Plankton und Kalmare nach oben wandern.
Tagesrhythmus der Planktonarten
Das heißt, es gibt so einen Tagesrhythmus innerhalb der Planktongesellschaft in den Meeren, bei der in der Nacht sehr viele Arten aus der Tiefe des Ozeans nach oben steigen, wo halt das Gewässer produktiver ist. Da sind die Algen zum Beispiel, die tagsüber gewachsen sind. Allerdings ist es so, dass diese Tiere das Licht scheuen. Die sind anfällig auf die Jagd. Und dadurch, dass sie sich die Nacht auswählen, um zur Oberfläche zu kommen, sind sie geschützter. Diese Lücke sozusagen im System nutzt die Gabelschwanzmöwe.
Aber wie sieht sie denn die Kalmare, die im Wasser drin sind? Und da ist unsere Hypothese, dass es die Biolumineszenz ist, die die Gabelschwanzmöwe anleitet. Wenn jetzt diese Kalmare und diese Fische selbst auf der Jagd nach kleineren Organismen sind, dann lösen diese Mikroorganismen, die im Wasser sind, durch die Bewegung der vielen Tiere, die jetzt da aktiv sind, an der Oberfläche Biolumineszenz aus.
Das kennt man vielleicht von Fernsehen oder ich weiß nicht, wenn Sie vielleicht Avatar gesehen haben. Das ist tatsächlich so, dass durch Bewegung im Wasser leuchten Mikroorganismen, Bakterien senden dann Licht, chemische Reaktionen, Lichtemissionen aus. Und das sieht sehr ätherisch aus, ist aber deutlich sichtbar. Und diese Aktivität unter Wasser leuchtet sozusagen den Weg der Gabelschwanzmöwen.
Klicklaute der Gabelschwanzmöwe
Es gibt auch Berichte über seltsame Klicklaute, die diese Möwen von sich geben. Könnte es sein, dass wir hier einen Seevogel vor uns haben, der eine Form von Echolot zur Jagd benutzt, also wie Delfine oder auch wie Fledermäuse? Das ist unser Hauptuntersuchungsobjekt. Kann die Gabelschwanzmöwe diese Klicklaute, das Rattern, das man hört in der dunklen Nacht, wenn man über den Pazifik bei Galapagos unterwegs ist, nutzt sie das um durch die zurückkehrenden Echos von der Wasseroberfläche die besser zu sehen in der Dunkelheit, wie Fledermäuse es tun oder wie zum Beispiel Ölvögel in den Tropen tun?
Das nachzuweisen, ist tatsächlich die Mission der letzten Expedition gewesen. Wir haben hierzu dann auch Tonaufnahmen gemacht bei den Gabelschwanzmöwen und gucken uns jetzt im Augenblick tatsächlich an, in welcher Höhe über Wasser machen sie diese Laute. Was könnte die Funktion dieser Laute sein, unabhängig davon, dass wir wissen, wo sie waren und vielleicht auch durch diese Tonaufnahmen erfahren können, was sie gerade gemacht haben.
Aufzucht der Küken
Sie hatten schon vorhin gesagt, dass die Gabelschwanzmöwe ziemlich weit rausfliegt von den Galapagos-Inseln aus gesehen, um Nahrung zu suchen. So 100 Kilometer Entfernung. Wie funktioniert das dann mit der Aufzucht eines Kükens? Ich kann mir vorstellen, einerseits nachts jagen zu gehen, ist schon ein bisschen gefährlich, aber dann auch noch diese 100 Kilometer, die schafft man ja auch nicht immer eben so schnell. Wie funktioniert das mit der Aufzucht?
Das ist eine gute Frage. Wenn wir uns unsere gewöhnlichen Möwen vorstellen, das Gute ist, die Galapagos-Inseln sind eigentlich ein Archipel, in dem sehr viele Tiere keine Feinde haben. Bei der Gabelschwanzmöwe ist das nicht ganz so. Auf den Inseln leben Bussarde, die tatsächlich auch Jungvögel jagen. Allerdings gibt die Kolonie bzw. die Anzahl der Tiere, die so eine Vogelkolonie sind, Meeresvogelkolonie sind, gibt den einzelnen Tieren ein bisschen Schutz.
Da ist es aber so, dass die Bussarde tagsüber arbeiten, jagen. Und da ist es so, dass die Gabelschwanzmöwen ja in der Kolonie sind. Und wenn jetzt so ein Bussard über eine Gabelschwanzmöwenkolonie drüber fliegt, dann steigen alle Adulten auf und wehren sich natürlich gegen diesen Fressfeind. Nachts aber ist es so, dass die Jungtiere alleine tatsächlich auf den Felsen sitzen. Da gibt es auch nicht groß ein Nest oder so. Die Eier werden auf den nackten Felsen gelegt.
Orientierung und Energie
Und die Jungtiere sitzen in Nischen und warten darauf, dass ihre Eltern dann frühmorgens wieder zurückkommen. Es scheint so weit zu klappen. Die lange Distanz und tatsächlich, dass man überhaupt zurückfindet bei dunkler Nacht zur Insel, wo man halt auch brütet. Ich denke, das ist eine weitere interessante Orientierungsfrage. Und dann auch energetisch natürlich eine Frage. Es ist eine weite Distanz. Da herrscht Wind, Wellengang. Also nichts für zarte Seelen.
Was wir aber gesehen haben, dadurch, dass wir jetzt mit sehr hochauflösenden GPS-Geräten das Verhalten und die Bewegung der Tiere verfolgt haben, ist, dass die Gabelschwanzmöwe Thermik über Wasser nutzt. Das war auch unbekannt. Das ist eine Konstellation, bei der das Wasser wärmer wird als die Außenluft. Und dadurch, dass das Wasser wärmer ist, steigt die über der Wasseroberfläche aufgewärmte Luft auf.
Durch Gravitation sinkt die kalte Luft, steigt die warme Luft. Und mit dieser steigenden Luftsäule steigen die Gabelschwanzmöwen auf. Ähnlich wie die Greifvögel bei uns. Wenn man Rotmilan zum Beispiel zuguckt, dann sieht man, wie Rotmilane in einer Thermik kreisend aufsteigen. Und genau so machen das die Gabelschwanzmöwen offensichtlich auch. Sie steigen in Thermiken auf. Und dann gleiten sie sozusagen umsonst aus der Höhe zu ihrem Ziel. Das war vorher zuvor auch ganz unbekannt.
Sand und Küstenstädte
Von der Gabelschwanzmöwe im Pazifik geht es jetzt an die Küsten des Indischen Ozeans. Die Emmy Noether Gruppe S Ant am Max Planck Institut für ethnologische Forschung untersucht die Zukunft von Küstenstädten im Indischen Ozean. Eine der Forscherinnen der Gruppe ist Teresa Kremer. Sie ist momentan in Mombasa in Kenia. Dort forscht sie zu Sand und ich wollte als erstes von ihr wissen, wie die Küsten in Kenia und Mombasa überhaupt aussehen.
Kenias Küste ist auf jeden Fall sehr divers und ist vieles. Aber wenn ich jetzt auf das Landschaftliche eingehe, dann ist sie geprägt von weißen Sandstränden, von Palmen, von Mangrovenwäldern, von einem anthropisch heißen Klima und auch den Monsunwinden, die eine große Bedeutung haben, auch geschichtlich gesehen und in der Entwicklung der Küste. Die haben ein komplexes Handelsnetzwerk über den Indischen Ozean hinaus entwickelt, das bis ins 12. Jahrhundert reicht.
Das hat zu einem großen kulturellen Austausch und Migrationsbewegungen geführt, die bis heute zu sehen sind. Die Küste ist dann nicht nur weiße Sandstrände und Palmen, sondern es ist auch zu sehen in der Architektur und zu spüren in der Diversität an Menschen, an Sprachen und im Essen. Mombasa ist die größte Stadt entlang der Küste und als Hafenstadt hat es eine große und lange Bedeutung bis heute.
Wahrnehmung von Sand
Für die meisten von uns ist Sand einfach nur ein Baumaterial, zum Beispiel in Beton oder für andere auch wiederum ein Strandgut, wenn sie am Strand sind. Beim Sandburgenbauen ist es sogar gleichzeitig beides. Wie wird denn Sand in einer Stadt wie Mombasa wahrgenommen? Zunächst ist es auch in einer Stadt wie Mombasa Baumaterial und Strandgut.
Ich finde es wichtig, bei der Frage auch einmal kurz noch mal zurückzutreten und zu überlegen, wie Menschen allgemein Sand wahrnehmen. Da erinnere ich mich an ein Interview mit einem Anwohner in Deutschland, der aufgrund von Sandabbau sein Land verlassen sollte, dass er davon sprach, dass Sand nicht nur ein Rohstoff ist, der auf den Abbau wartet, sondern Land und Identität und Wohnraum auch für andere Lebewesen.
Das ist ein grundsätzliches Infragestellen von Sand ausschließlich eben als Rohstoff oder als Strand nur für den Tourismus oder als ästhetisches Material. Was ich in Mombasa erfahren habe, ist, dass der Sandabbau floriert und bestehende Regeln, die existieren gegen illegalen Sandabbau, aber nicht gut durchgesetzt werden und ein Riesennetzwerk an verschiedenen Menschen involviert sind.
Veränderungen durch Sandabbau
Und dieser Abbau, der führt auch zu einer großen Veränderung von der Landschaft. Und das führt dazu, dass Menschen, die jetzt mehr im Sandabbau tätig sind, aber vorher in der Landwirtschaft zum Beispiel tätig waren, dass dadurch auch ihre Geschichten und ihr Wissen von Bodenbeschaffenheit, ihr Wissen von Landwirtschaft auch einer Veränderung ausgesetzt sind.
Und ein spannender Einblick ist auch das Wissen von Fischern, mit denen ich viel Zeit verbracht habe. Mombasa hat wirklich traumhaft schöne Strände, wie schon gesagt, insbesondere auf den ersten Blick. Aber bei genauerem Hinsehen ist es auch frustrierend, wie nah am Strand gebaut wird. Und mit vielen Fischern habe ich darüber gesprochen, wie sich die Küste verändert durch ihre Arbeit und welche Rolle der Sand dabei spielt, dass er kommt und geht und mit Gezeiten zusammenhängt.
Und dieses Wissen reicht über viele Stadtpläne oder Schutzmaßnahmen hinaus und zeigt ein breiteres Verständnis auch vom Zusammenspiel von Sand und dem Meer und dem Ozean, von verschiedenen Saisons und auch Schutzmauern und dass das nicht etwas ist, was man einfach so kontrollieren kann, sondern dass das zusammengedacht werden muss.
Vielfältige Nutzung von Sand
Ein kleiner Zusatz noch, einfach nur als kleiner Einblick, was auffällt, wenn der Blick auf Sand gepolt ist. Also was ich in der Stadt gesehen habe: Erdnüsse werden geröstet auf heißem Sand. Es wird eine bestimmte Art von Sand und Ton genutzt für Pottery. Am Strand werden Sandsäcke gefüllt von Fischern, um die Boote zu beschweren. Sand wird genutzt als Fahrradständer. Ja, einfach nur, da gibt es viel zu entdecken, wenn man genau hinschaut.
Sie haben vorhin gesagt, dass die Küste von Kenia sehr unterschiedlich ist, also sehr divers. Wie verändert sich die Küste denn gerade, beziehungsweise wie hat sie sich in den letzten Jahren verändert? Ja, das ist eine spannende Frage und die Küste ist immer in Veränderung. Was die letzten 30 Jahre, sage ich mal, dominiert, ist eine rapide Bebauung der Küste bis direkt an den Strand.
Küstenerosion und Bebauung
Und dass die Küste auch von Erosion gleichzeitig betroffen ist oder gefährdet ist, beziehungsweise das Bebauen, das verstärkt auch Küstenerosion. Und ich denke mittlerweile ist das auch weit bekannt, dass eben, wenn jetzt Küstenschutzmauern gebaut werden, dass das nicht jetzt nur schützt vor steigendem Meeresspiegel, sondern durch die ganzen Bewegungen von Sedimenten, von Gezeiten, häufig die Probleme einfach nur verlegt werden, ein paar Kilometer weiter südlich des Strandes zum Beispiel.
Und ja, da fällt mir ein, wie ein Hotelmanager auch zu mir meinte: Ja, wenn wir in das natürliche Gebiet sozusagen unsere Mauern bauen, dann müssen wir auch damit rechnen, dass wir auf das zurückgeschlagen werden, lose übersetzt. Und ja, ich denke in meiner Forschung auch immer, also mit Machtverhältnissen, mit Wissensproduktion, wer dominiert gewisse Narrative und was sagt das allgemein auch über Politik, Wirtschaft und das Leben aus.
Zugang zu Ressourcen
Und ja, wenn ich da an die Frage denke, wie die Veränderung der Küste aussieht, dann ist da eben auch zu sehen, dass ja unterschiedlicher Zugang besteht, in wer darf an der Küste wie bauen. Und dass eine natürliche Veränderung der Küste, was jetzt Erosion zum Beispiel betrifft, wird ja dann auch nur ein Problem, wenn es Eigentum gefährdet. Wer entscheidet eigentlich darüber, wo Sand aufgeschüttet wird und wo Schutzmauern entstehen? Und wer wird bei dieser Planung denn überhaupt nicht beachtet?
Als ich letzte Woche nach über einem Jahr nochmal hier in Mombasa ankam und an einen Ort gegangen bin, wo Sand und andere Baumaterialien verkauft werden, da habe ich den Ort fast nicht wiedererkannt. Es wurden Häuser, also kleine Hütten, die sie gebaut hatten, abgerissen. Und ihnen wurde mitgeteilt, dass sie den Ort räumen müssen. Und wenn man die Geschichte von den Menschen, die diesen Sand dort in der Stadt verkaufen, zurückverfolgt, das machen die jetzt schon seit 30 Jahren, aber sie haben nie ein Recht auf den Ort gehabt und sind alle privat dort am Arbeiten.
Machtunterschiede und Resilienz
Ja, das heißt, der nächste Ort muss gesucht werden, wo sie dieses Business durchführen können. Und Ähnliches habe ich auch jetzt in meinem Besuch bei den Fischerleuten gesehen, wo jetzt ihre Hütte im Schatten von einem riesigen Gebäude steht, was letztes Jahr noch nicht da war. Also Leute mit Geld haben auf jeden Fall mehr Freiheiten, auch wenn einige Gesetze und Regularien herrschen, dass zum Beispiel kein Sand abgetragen werden darf und dass zum Beispiel eine 60 Meter Pufferzone an der Küste eingehalten werden darf, wo innerhalb der nicht gebaut werden soll, passiert beides trotzdem regelmäßig.
Also für Entwicklungen des Hafens wird Sand aus dem Ozean abgesaugt und es werden auch Häuser, wie jetzt im Fall, das ich gerade beschrieben habe, neben dem Fischerhütte, wird auch gebaut. Also es ist auf jeden Fall da ein großer Machtunterschied zu erkennen. Ja, es ist trotzdem aber auch zu erleben, dass sehr viel immer an Einfallsreichtum und Kreativität und an Resilienz auch vorhanden ist, trotzdem so mit diesen verschiedenen Dynamiken umzugehen. Aber ja, vieles ist da dominiert auf jeden Fall von Wirtschaft.
Lehren aus Mombasa
Sie sind Teil des Projekts S Ant oder Sand und das Projekt blickt auf die Zukunft von Küstenstädten im Indischen Ozean oder am Indischen Ozean. Was können wir denn von den Menschen in Mombasa und anderen Regionen am Indischen Ozean über einen gerechteren Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen lernen? Also kurz zu S Ant, also Sand, genau. Und wir haben irgendwie diesen kleinen Dot Sandkorn da eingefügt, um auch zu zeigen, dass es mehr als nur um Sand geht, also dass der Blick auch gebaltet werden muss.
Kleine Info dazu: Wir alle in unserem Projektteam arbeiten ja als Sozialanthropologinnen eng mit den Menschen vor Ort zusammen. Teilweise mehr als ein Jahr sind wir vor Ort. Und was wir aus all unseren verschiedenen Forschungen lernen können, ist, dass die Welt und der Umgang mit natürlichen Ressourcen nicht als technisches Gut oder Feld zu verstehen ist und nicht nur mit technischen Lösungen, also nicht ausschließlich zu lösen ist.
Und ja, also der Ozean und die Küstenstädte sind keine zu 100 Prozent planbaren Räume oder Bausteine, sondern es ist ein dynamisches, belebtes Ökosystem und wir als Menschen sind Teil davon. Und ja, wir alle haben den Menschen viel zugehört und mehr eben über diese Zusammenhänge erfahren. Uns ja dafür offen zu sein und flexibel dafür zu sein, Nuancen nicht zu vereinfachen und Lösungen immer im jeweiligen Kontext und in der Zusammenarbeit zu verstehen und verankert, vor allem in den Lebensrealitäten der Menschen zu entwickeln, das ist total wichtig.
Beispiele aus der Forschung
Also im Fall von Javed Kaisar, der in Bangladesch seine Forschung macht, sehen wir zum Beispiel, dass Bissen von Sand und Erde und Lehm den Rohingya-Refugees dabei hilft, ihr eigenes Landwirtschaftssystem aufzubauen in einer Gegend, die keine fruchtbare Erde liefert. Und ihr Bissen über ein Material, was auch durch Erinnerung und Identität und Zusammenhalt sich geformt hat, erlaubt ihnen eine gewisse Eigenständigkeit inmitten von unmenschlichen Bedingungen.
Oder auch in Tarini Mongas Forschung in Goa lernen wir zum Beispiel, dass nachhaltiges Ressourcenmanagement auch voraussetzt, dass Materialien nicht nur nach ihrem unmittelbaren Marktwert zu bewerten sind, sondern eben auch ihre Funktion in lokalen Ökosystemen und Lebensweisen zu berücksichtigen. Und Lukas Lay, der Projektleiter, der ist mittlerweile in Marseille gelandet für seine Forschung, aber auch dort als Küstenstadt gibt es auch ähnliche oder interessante Vergleiche zu ziehen.
Und auch dort zeigt er, dass nachhaltiges Ressourcenmanagement eben eine sorgfältige Abstimmung von Materialeigenschaften, von Umweltverträglichkeit und gesellschaftlicher Akzeptanz erfordert, anstatt natürliche Ressourcen eben auch allein nach dem ökonomischen oder technischen Kriterien zu bewirtschaften. Und ja, ich glaube, das ist wenn wir alle unsere Forschung zusammennehmen, zeigt es, dass Sand nicht gleich aber nicht nur Sand ist.
Und ja, wie wichtig es ist, auch geglaubte Kategorisierungen in Frage zu stellen und damit einhergehende Ausbeutungen aufzudecken und mehr darauf schaut, wie ein gemeinsames Gedeihen von Mensch und Natur möglich ist und das anzustreben. Das ist auf jeden Fall, was wir in unseren einzelnen Interviews und Gesprächen jeweils im lokalen Kontext immer wieder raushören.
Der Atlantik und seine Bedeutung
Vom Indischen Ozean an Kinyas Küste geht es nun zum Atlantik. Er ist einer der großen Faktoren für das Klima und Wetter in Europa. In den letzten Wochen gab es wegen des Atlantiks und seiner Strömung Amok mehrere alarmierende Schlagzeilen und hysterische YouTube-Videos. Was da mit dem Atlantik und seiner Strömung gerade passiert, das wollte ich von Prof. Dr. Jochem Marotzke, dem wissenschaftlichen Mitglied und Direktor am Max Planck Institut für Meteorologie in Hamburg wissen.
Um das besser zu verstehen, habe ich erst einmal gefragt: Was genau ist die Atlantische Meridionale Umweltszirkulation, kurz Amok? Ja, ist leider ein sehr sperriger Begriff und ist auch ein nicht ganz so einfaches Konzept, aber man muss sich schon einen Moment Zeit nehmen, das richtig sich anzuschauen. Ich glaube, wir kennen das alle, jedenfalls hier in Westeuropa, in Deutschland.
Wir haben alle in der Schule gelernt, der Golfstrom wärmt Europa. Es ist der Golfstrom, der dafür sorgt, dass es bei uns so schön warm ist. Und das ist nicht komplett falsch, aber auch nicht komplett richtig. Denn worauf es geht, ist Folgendes: Den Golfstrom gibt es, ist natürlich ein sehr berühmter Strom vor der amerikanischen Küste. Er verlässt die Küste, sie geht dann quer über den Atlantik als Nordatlantikstrom so in unsere Gegenden.
Klimawirkung der Atlantik-Zirkulation
Und der Golfstrom trägt zum Klima bei, auch zum warmen Klima. Es ist gar nicht so sehr, dass der Golfstrom an sich da ist. Was man braucht, und da kommt die Amok ins Spiel, ungefähr die Hälfte des Golfstromwassers sinkt irgendwo im nördlichen Nordatlantik bis in große Tiefen ab. Und dieses Absinken erfolgt, weil das Wasser sehr stark abgekühlt wird.
Und die besondere Klimawirkung der Atlantik-Zirkulation, die kommt durch dieses Zusammenspiel von Golfstrom, geht nach Nordwesten, Wasser kühlt ab, sinkt in große Tiefen und geht als kaltes Wasser zurück. Und es ist diese Kombination: warmes Wasser geht nach Norden, sinkt ab, geht zurück. Das macht die Klimawirkung. Deswegen interessieren sich alle dafür.
Und genau dieses Zusammenspiel, Strömung nach Norden, Absinken, Strömung nach Süden, das ist die Umwälzzelle. Umwälzen im Sinne von: Erst ist die Strömung an der Oberfläche, an der Tiefe geht sie zurück. Und wichtig ist diese Unterscheidung. Deswegen, wenn wir Atlantik und Pazifik miteinander vergleichen, der Pazifik hat sein Gegenstück zum Golfstrom, nennt sich Kuroshio, aber der Pazifik hat kein Gegenstück zu dieser Umwälzzelle.
Unterschiede zwischen Atlantik und Pazifik
Im Pazifik gibt es kein Absinken in große Tiefen. Deswegen hat der Pazifik längst nicht diese Klimawirkung. Und deswegen sind wir Ozeanografen sehr unglücklich darüber, wenn einer sagt, der Golfstrom wärmt Europa. Denn wäre das richtig, dann würde ja der Kuroshio den Westen Amerikas erwärmen. Tut er aber nicht auf diese Weise. Und insofern ist dieser sperrige Begriff Amok wirklich wichtig.
Sie haben gerade schon gesagt, Amok ist für das Klima hier wichtig. Wie beeinflusst das denn uns? Also was würde passieren, wenn es nicht mehr da wäre? Zunächst einmal muss man sagen, dass die Amok bewirkt, dass der Atlantik ungewöhnlich viel Wärme aus den niederen Breiten in hohe Breiten in den Norden bringt. Und was die Amok auch macht, sie klaut Wärme aus der Südhemisphäre und bringt sie in die Nordhemisphäre.
Im Südatlantik ist es so, dass die Wärme aus kalten Regionen in warme Regionen gebracht wird. Das kennt man ja von natürlichen Systemen nicht. Eigentlich denken wir in natürlichen Systemen, da wird immer die Wärme vom Warm zu Kalt gebracht. Nicht so im Südatlantik. Also der Südatlantik funktioniert wie ein Kühlschrank. Ganz ungewöhnlich.
Und würde die Amok nicht da sein oder würde sie plötzlich schwächer werden, dann würde das bedeuten, die Südhemisphäre wird wärmer und bei uns wird es kälter. Und zwar deutlich kälter, denn der Atlantik ist verglichen mit dem Pazifik ein eher kleiner Ozean. Der Atlantik ist nur halb so breit wie der Pazifik, aber er hat 50 Prozent mehr Wärmetransport. Und das kommt alles durch die Amok.
Also, es ist ein außergewöhnlicher und außergewöhnlich starker Transportmechanismus. Das macht den Atlantik so besonders und das macht die Amok so besonders. Und ohne die Amok wäre es hier in Europa deutlich kälter. In den letzten Wochen wurde in den Medien immer wieder über die Abschwächung der Amok gesprochen. Sonst wird darüber quasi gar nicht berichtet.
Also, mir war das vorher kein Begriff. Warum schwächt sich die Amok denn jetzt ab und ist das denn eigentlich überhaupt ein Problem? Vielleicht muss man so von hinten aufrollen. Falls die Amok sich deutlich abschwächt, kann das ein Problem sein, denn sie wärmt Europa um ungefähr zwei bis drei Grad, kann man sagen. Auch hier muss ich ein bisschen ausholen, um das zu erläutern.
Es wird gerne der Unterschied gemacht zwischen Winter in Europa und Winter in Labrador. In Labrador, also an der Ostküste Kanadas, sind die Winter 15 Grad oder so mehr kälter als hier bei uns. Da wird immer gesagt, das ist entweder der Golfstrom, das ist die Amok. Das stimmt so aber überhaupt nicht, denn wir würden Äpfel und Birnen vergleichen. Labrador hat ein kontinentales Klima, also eher ein Klima, das zu vergleichen ist mit Sibirien, auch wenn es am Meer liegt.
Vergleichen müssten wir Westeuropa mit dem Westen Nordamerikas. Wenn man dann ein bisschen genauer hinguckt, stellt man fest, es ist hier bei uns im östlichen Nordatlantik ungefähr zwei bis drei Grad wärmer als im nordwestlichen Pazifik. Jetzt könnte man sagen, was sind schon zwei bis drei Grad unter Freunden? Klingt ja wie gar nichts.
Aber hier ist ein Vergleich nützlich. Wenn man sich anschaut, wie die kältesten Winter in Großbritannien waren, und es gibt 300 Jahre alte Temperaturaufzeichnungen, wir können also bis ins 17. Jahrhundert zurückgucken, dann stellen wir fest, drei Grad, das ist ungefähr der Unterschied zwischen einem normalen Wintermonat und dem kältesten, den wir gesehen haben, dem kältesten Winter, wo die Temse zugefroren ist. Will sagen, diese drei Grad, die sind richtig, richtig viel.
Und das ist also sozusagen die Maßzahl. Es gibt auch noch eine andere wichtige Maßzahl, die wir überlegen müssen, denn die Befürchtung ist, dass sich die Amok durch die globale Erwärmung abschwächt. Kann ich gleich auch noch erläutern, warum wir das befürchten, warum das zu erwarten ist. Da könnte man sagen, gut, im Extremfall geht die Amok auf null runter, vielleicht wäre es drei Grad kälter.
Aber das Ganze findet ja vor dem Hintergrund der globalen Erwärmung statt, der CO2-induzierten Erwärmung. Da ist es so, Europa erwärmt sich zurzeit ungefähr doppelt so schnell wie das globale Mittel. Da können wir jetzt auch eine einfache Rechnung aufstellen. Das globale Mittel erwärmt sich, erhöht sich um zwei Grad. Das würde vermutlich für Europa bedeuten, vier Grad wärmer.
Wenn sie kühlen wollen, muss also eine schwächere Amok gegen diese vier Grad ankämpfen. Und eine der vielen ganz großen Fragen über die Amok ist eben genau die: Selbst wenn sich die Amok abschwächt, überholt die Abkühlung die globale Erwärmung oder dämpft sie sie lediglich? Wie sieht das aus? Es ist eine der ganz großen Unbekannten.
Was Sie in den Medien meistens nur lesen, ist eine, leider ist eine quasi Gleichsetzung: Amok wird schwächer, Europa wird kälter. Und in dieser Gleichsetzung wird leider außer Acht gelassen, dass wir auch noch die CO2-induzierte Erwärmung haben. Und da kommt aber auch so ein bisschen dann die Aufregung her. Jede Meldung, jede Veröffentlichung, wir sehen eine Abschwächung, wir befürchten eine Abschwächung, wird gleichgesetzt mit einer Befürchtung einer drastischen Abkühlung in Europa.
Aber das muss man halt differenziert betrachten. Man muss diese beiden Effekte gegeneinander abwägen. Sie haben gerade gesagt, okay, wir wissen noch nicht so ganz genau, ob sich die Amok abschwächt. Wann könnte das denn passieren oder wie lange dauert sowas? Das ist vielleicht die zweite ganz große Unbekannte, die wir haben.
Also, vielleicht muss man ja nochmal sagen, warum erwarten wir das denn? Der Grund, warum wir eine starke Umweltzirkulation im Atlantik haben und keine im Pazifik, liegt daran, dass der Atlantik deutlich salzreicher ist als der Pazifik. Damit das Wasser absinken kann, reicht es nicht, dass es kalt wird. Es muss auch salzreich genug sein.
Im Atlantik ist das der Fall, im Pazifik ist das nicht der Fall. Und jetzt erwarten wir durch die globale Erwärmung, dass der nördliche Ozean, also der nördliche Atlantik, dass der salzärmer wird. Es süßt sich aus durch mehrere Effekte. Wir denken eigentlich, es wird mehr regnen. Wir sind ganz sicher, das Meereis wird schmelzen und wird deswegen Süßwasser, relativ süßes Wasser in den Atlantik einbringen, was jetzt zur Zeit noch als Eis draufschwimmt.
Und wir erwarten auch, dass der grönländische Eisschild partiell schmelzen wird. Das ist Süßwasser, das in den Atlantik fließt. Also, alle Effekte gehen in die Richtung, dass der Salzgehalt runtergeht. Und dann ist es denkbar, dass so ein Teufelskreis in Gang gesetzt wird. Der nördliche Atlantik wird süßer an der Oberfläche.
Das Wasser kann nicht mehr so gut absinken. Aber wenn es nicht mehr so gut absinkt, kommt aus dem Süden nicht nur weniger Wärme nach, es kommt auch weniger Salz nach. Denn die Zirkulation selbst hält ihren eigenen Salzgehalt aufrecht. Und von daher kann man sich vorstellen, dass dieser Teufelskreis alle dämpfenden Faktoren aushebelt und deswegen die Amok wirklich sogar zum Stillstand kommt. Vielleicht sogar abrupt zum Stillstand kommt.
Der Teil ist gut verstanden, da sind sich alle einig. Und da sind sich auch alle einig, dass vermutlich die Amok sich abschwächen wird im 21. Jahrhundert. Und wenn Sie dann fragen, wann, wie stark, kann es abrupt erfolgen, kann es irreversibel erfolgen, kann das zu einer Abkühlung kommen? Das ist da, wo die riesige Ungewissheit einsetzt und man ehrlicherweise sagen muss, wir wissen es nicht.
Wir können nichts davon ausschließen. Aber wir wissen es nicht, und wir haben teilweise Schwierigkeiten, auch das Risiko zu beziffern. Und da ist auch der Kern des Streits unter Forschenden. Manche sagen, doch, ich traue mich, dieses Risiko zu beziffern: 30 Prozent, 50 Prozent. Ich gehöre zu denen, die sagen, können wir nicht. Ich traue mich nicht, dieses Risiko zu beziffern. Es ist da, aber ich weiß nicht, wie hoch es ist.
Und da scheiden sich eigentlich die Geister. So, eine Frage zur Amok wird Ihnen denn zu wenig gestellt? Es sind eigentlich zwei. Ich fange erstmal mit der Vergangenheit an. Was ja auch durch die Medien gegeistert ist, sind so Aussagen: Wir wissen, die Amok hat sich in den letzten 100 Jahren abgeschwächt.
Und die Frage, die mir zu wenig gestellt wird, hier ist die nach dem Gesamtschau der verschiedenen Beobachtungsmethoden, die sich eben widersprechen. Und auch da ist es eine wahre Kakofonie an Ergebnissen zur Stärke der Amok über die letzten 40, 50, 60 Jahre. Und es wird zu wenig die Frage gestellt, ob denn wirklich alle diese Schlussfolgerungen, die alle auf Beobachtungen beruhen, ob die wirklich alle gleichgültig sind.
Und meine Bewertung ist, das sind sie nicht. Und die zuverlässigeren Messungen sagen über die letzten 50 Jahre oder so eine stabile Amok, und wir können diese Abschwächung einfach nicht robust diagnostizieren. Das ist der eine Teil, der mir zu wenig gestellt wird.
Und man sieht das auch in der Rezeption von Arbeiten. Jede Arbeit, die sagt, Abschwächung der Amok beobachtet, Abschwächung der Amok erwartet, kriegt eine Menge Aufmerksamkeit. Und die Arbeiten, die sagen, es gab eine sehr wichtige Arbeit vor zwei, drei Jahren: Der Golfstrom ist konstant geblieben. Golfstrom ist ein Teil der Amok.
Also, ist nicht die Amok gemeint, aber ist vermessen worden. Der Golfstrom ist über 40 Jahre konstant geblieben. Die ist ziemlich untergegangen. Also, entwarnende Arbeiten haben es relativ schwer in der Aufmerksamkeitsökonomik.
Die andere Frage, die mir zu wenig gestellt wird, es gibt Hunderte von Simulationen der Amok, auch für die Zukunft. Die sind auch wichtig. Das ist das, was sie haben, und damit wird gearbeitet. Wieso trauen wir eigentlich diesen Simulationen? Wieso trauen wir den Abschwächungen, die da oft simuliert werden?
Und weswegen mir diese Frage zu wenig gestellt wird, ist dieses: Das sind Simulationen mit Klimamodellen, die haben Ozeankomponenten. Aber diese Ozeankomponenten, die haben eigentlich das, was wir eine laminare Strömung nennen. Die sind nicht oder kaum turbulent.
Also, keine Wirbel. Das, was wir aus der Atmosphäre kennen: Luft ist turbulent, das verwirbelt sich alles und so weiter, mit allen möglichen Folgen. Und wir fangen jetzt erst so richtig an, die Turbulenz in den Ozeankomponenten unserer Klimamodelle richtig darzustellen. Ist etwas, was meine Abteilung zur Zeit mit Hochdruck verfolgt.
Wir schreiben deswegen keine Arbeiten über die Amok im Jahr 2100, weil diese Simulationen extrem aufwendig sind. Wir kriegen mit Mühe und Not die letzten 35 Jahre simuliert, weil der Aufwand enorm ist. Aber die Strömung, die wir dort sehen, sind nicht zu vergleichen. Es ist komplett anders, wenn man es vergleicht mit den Standard-Klimamodellen, dem Standard, den wir dort sehen.
Und wir wissen, das, was wir darstellen in unseren Modellen, so sieht der Ozean wirklich aus. Der Ozean ist turbulent. Man muss hingehen. Und diese Frage ist dann das, was aus diesen ganzen Modellen teilweise mit ausgefeilten statistischen Verfahren dann rausgezogen wird.
Basiert das dann wirklich auf physikalisch verlässlichen Grundlagen? Die Antwort wissen wir eigentlich: Tun sie nicht. Und insofern kriegt man viel Aufmerksamkeit mit Analysen von Modellen, die doch fundamentale Schwachstellen haben und die nicht so aussehen wie die wahre Welt.
Und der Teil wird mir viel zu wenig behandelt und im Diskurs behandelt. Denn es kann sein, dass diese Modelle bei all ihren Schwächen durchaus richtige Ergebnisse liefern. Aber das wäre eine große Überraschung.
Also, das wäre eigentlich das erste Mal, dass etwas, was komplett anders aussieht als die Wirklichkeit, wenn man so drauf guckt, trotzdem das richtige Ergebnis liefert. Und diese Diskussion, die findet mir viel zu wenig statt, sowohl in der Fachwelt als auch in der Öffentlichkeit.
An dieser Stelle herzlichen Dank an Dr. Kameran Safi vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie, Theresa Krämer vom Max Planck-Institut für ethnologische Forschung und Dr. Jochem Marotzke vom Max-Planck-Institut für Meteorologie für ihre Zeit und die spannenden Gespräche.
Außerdem vielen Dank für die Produktion dieser Folge. Die kam diese Woche von Benjamin Serdani. Damit kommen wir zum Ende des Forschungsquartetts für diese Woche. Immer donnerstags erscheint eine neue Episode. Wir freuen uns, wenn ihr dann wieder reinhört und wenn ihr einem wissenschaftsbegeisterten Menschen vom Podcast erzählt.
Ich bin Wieland Mikulajczyk. Vielen Dank fürs Zuhören. Bleibt neugierig und bis zum nächsten Mal. Das Forschungsquartett – Wissenschaft bei detektor.fm in Kooperation mit der Max Planck Gesellschaft. Untertitel im Auftrag des ZDF für funk 2017.