Schon in der Schule lernen, die Welt zu verändern. Das ist die Idee, der Kern des Lernformats FRIDAY, das in Deutschland entwickelt wurde. Dabei arbeiten Schulkinder und Jugendliche vier Stunden pro Woche an eigenen Projekten, die sie in ihrer direkten Umgebung umsetzen. Wie das konkret aussieht, das gucken wir uns heute an. Ihr hört den Klima-Podcast von detektor.fm. Ich bin Ina Lebedjew. Hi!
Mission Energiewende
Mission Energiewende – Der detektor.fm-Podcast zum Klimawandel und neuen Energielösungen in Kooperation mit Lichtblick, Deutschlands größtem reinen Ökostromanbieter mit Solarlösungen, intelligenter E-Mobilität und 100 % Ökostrom. Kinder sind von Natur aus neugierig. Sie stellen Fragen, um die Welt zu verstehen. Und sie lernen am besten durch Spielen und indem sie selbst erleben und echte eigene Erfahrungen machen. Selbstwirksamkeit, also dieses Gefühl, das sagt: Ich kann selbst etwas bewegen, das ist bei dem Lernformat FRIDAY ganz wichtig. Wir fragen uns heute: Was können Kinder eigentlich konkret fürs Klima tun? Zusammen mit meiner Kollegin Zoe Neidhardt war ich in einer Grundschule zu Gast, in der die SchülerInnen freitags an Projekten für mehr Nachhaltigkeit arbeiten.
Projekte für mehr Nachhaltigkeit
Und jetzt ist es Messerschaft. Wo ist es? Ich verleg mal. Wo sind die Bretter? So mitten da reinzugreifen ist vielleicht schon eine gute Idee. Zusammen mit anderen Kindern kramt Selma in einer Besteckschublade. Und sie suchen Schneidebretter aus den Küchenschränken, denn sie wollen gleich Obst und Gemüse schnippeln. Hinter ihnen auf dem hellblauen Tisch im Speiseraum steht schon ein gelber Plastikkorb bereit. Darin diesmal Äpfel, Birnen, rote Paprika. „Ich hab kein Schmiede.“ „Und willst du mit?“ „Nee, ich kann keine Apfel. Da gibt es keine Kinder.“ „Das hört sich schön an. Können wir das mal haben?“ „Na klar, das hört sich schön an.“ Wie Selma schneidet. Zehn Kinder sind um den Tisch versammelt, auch Selma und Konrad. Die beiden Kids gehen in die dritte Klasse. Manchmal machen sie gemeinsam Obstsalat. An anderen Freitagen hatten sie schon Orangen, Äpfel, Bananen, Salat, Weintrauben und ich glaub Kiwi noch, diese Südfrucht Papaya. Heute landen mundgerechte Apfelstückchen, Paprikaschnitze und Birnenspalten auf bunten Plastiktellern. Dann zieht die Gruppe los und versorgt die Kinder anderer Projektgruppen mit Vitaminen. Auf allen Etagen, über das ganze Schulhaus hinweg gibt’s gesunde Pausensnacks eben für alle. Und zwar jeden Freitag. Denn freitags sagt Selma: „Da retten wir Essen.“ „Ja, da retten wir Essen. Das ist der Freitag. Da haben wir halt verschiedene Projekte, wie man die Welt besser machen kann. Und da haben halt manche rettende Tiere, wir retten Essen. Da ist halt nicht wirklich Schule.“
Freies Lernen in Projektgruppen
„Nicht wirklich Schule?“ Das bedeutet, dass die Kinder frei lernen in Projektgruppen, dass sie sich mit Themen beschäftigen können, für die sie sich wirklich interessieren, in ihrem eigenen Tempo. Indem sie recherchieren, Leute anschreiben, erkunden, malen, häkeln, backen. Indem sie vorlesen oder Pflanzen umtopfen. Und zwar überall im Schulhaus. Die Gruppen treffen sich auf dem Flur, im Keller, sogar im Auwald nebenan. Der Tag ist komplett bewertungsfrei, erklärt Karin Brunner, Schulleiterin an der DPFA Regenbogen Grundschule Leipzig. „Das Lernformat haben wir jetzt bereits im vierten Schuljahr. Das heißt, wir sind 2022 damit gestartet. Das orientiert sich an den 17 Nachhaltigkeitszielen der UNO. Und an dem Tag können die Kinder selbst organisiert sich also schon mit Hinblick auf diese Ziele selbst Projekte suchen und auch altersübergreifend lernen.“ Die 17 Nachhaltigkeitsziele der UN. Dazu gehören zum Beispiel bezahlbare und saubere Energie, Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen sowie Maßnahmen zum Klimaschutz. Am Friday beschäftigen sich die Kids, den ErfinderInnen des Konzepts zufolge, also mit gesellschaftlichen und ökologischen Herausforderungen. Sie fragen sich zum Beispiel: Wird es in 30 Jahren noch Bäume geben? Was führt zu Konflikten, Terror und Flucht? Warum gibt es Rassismus und was können wir gegen Armut tun?
Positive Veränderungen durch das Lernformat
An mehr als 250 Schulen in Deutschland gibt es den Friday inzwischen schon, von Flensburg bis ins Allgäu. Bei Schulleiterin Karin Brunner und ihrem Team an der Regenbogen Grundschule kam der Impuls vor ein paar Jahren über das Buch zum Thema: Die Publikation „Friday – Die Welt verändern lernen für eine Schule im Aufbruch“ von Margret Rassfeld. „Nach der Corona Zeit haben wir schon festgestellt, dass die Kinder irgendwie ruhiger wieder kamen, introvertierter, sich weniger zugetraut haben. Wir haben uns mit diesem Lernformat versprochen, dass das Thema Selbstwirksamkeit steht ja dort im Mittelpunkt, dass wir damit die Kinder wieder mehr aus sich herausholen können. Das war so der Hauptgedanke. Und dann haben wir das quasi oder in einem pädagogischen Tag uns dem Thema gewidmet. Dann war dieses große Glück, dass das ganze Team sich dafür sozusagen begeistern konnte und da sind wir gestartet. Mehr oder weniger war es ein ziemlicher Kaltstart, aber das, was wir uns damit erhofft haben, ist definitiv eingetreten. Wir merken ganz viele positive Veränderungen bei den Kindern durch dieses Lernformat. Der Drang, einer Sache nachzugehen, der innere Antrieb, die Freude, die Leidenschaft, die sogenannte intrinsische Motivation gibt bei der Projektarbeit die Richtung vor und setzt Verborgenes frei. Also es sind zum Beispiel eben, sag ich mal, Fähigkeiten und Talente, die die normale Stundentafel jetzt so nicht abbildet und wir auch gar nicht so aus den Kindern herauslesen könnten oder herauskitzeln könnten, wie darüber, wenn die einfach aus ihrem eigenen Interesse her ein Thema bearbeiten und auch genau das machen können, was sie jetzt daran interessiert und in welcher Form, wie sie das präsentieren oder wie sie sich damit beschäftigen.
Vielfältige Projekte an der Regenbogen Grundschule
An der Regenbogen Grundschule in Leipzig gibt es unterschiedlichste Projekte. Zum Beispiel die Vorlesekumpels. Die Grundschulkinder eignen sich da Texte an, üben Lesen und gehen dann in eine Kita in der Nachbarschaft, um den jüngeren Kids dort vorzulesen. Bildungsarbeit von Kindern für Kinder, von der alle was haben. In der Friemelstube häkeln, nähen, stricken die Kinder der Gruppe aus alten Materialien und Stoffen neue Sachen. T-Shirts werden bedruckt, Portemonnaies gebastelt. Außerdem gibt es noch Gruppen, die ein Naturtagebuch führen, die sich um Bienen kümmern und Podcasts machen. Und eben die Frühstücksgruppe, bei der die Kinder Lebensmittel retten. Warum eigentlich? Frage ich Konrad. „Weil das sehr unterhaltsam ist und auch ich liebe Essen und deswegen habe ich mich für das Projekt entschieden.“ Konrad, Selma und die anderen Kinder der Frühstücksgruppe werden am Friday von Benjamin Kaul unterstützt. Er ist Erzieher und stellvertretender Hortleiter an der Regenbogen Grundschule. Er erklärt, wie dieses Projekt überhaupt zustande kam: „Wir haben in die Brotdosen von Kindern geguckt. Da waren Chips dabei, da waren Gummibärchen dabei. Manche hatten gar nichts dabei und irgendwie kam dann so die Idee auf: Vielleicht könnten wir ja was vorbereiten, von dem alle Kinder irgendwie was haben. Wir machen so ein gesundes Pausenfrühstück und verteilen das dann am Freitag. Und so ging das ursprünglich mal los. Und dann haben wir gestartet. Und das kam sehr gut an und hat dann immer mehr Fahrt aufgenommen. Wir haben dann Schulfeste teilweise versorgt. Wir wurden für Preise nominiert. Sind mit der Gruppe auch nach Berlin gefahren zu einer Preisverleihung. Also ist dann immer größer geworden. Vom gesunden Frühstück in der Pause hat das Projekt dann aber eine ganz neue Wendung genommen. Die Kinder haben es aktiv weiterentwickelt. Stichwort intrinsische Motivation. Das kam dann eben einfach von den Kindern, dass die gesagt haben: „Brötchen schmieren ist ganz cool, aber vielleicht gibt es da noch was anderes.“ Und beim Mittagessen fällt auf: „Okay, da wird viel weggeschmissen.“ Sie sehen das ja jeden Tag. Das war so ein bisschen die Idee: Vielleicht können wir da ja was in die Richtung machen. Und so hat das dann quasi angefangen zu schauen: „Okay, was könnten wir mit den Lebensmitteln machen? Wo fallen Lebensmittelabfälle an, die eigentlich noch gut zu verwenden sind?“ Da sind wir auf den Rewe hier direkt neben der Schule gekommen und eben auf unsere eigene Essensversorgung, die da eben Lebensmittel übrig hat, die einfach nicht weggeschmissen werden müssten.
Aktives Handeln der Kinder
Schon mittwochs um die Mittagszeit fangen die Kids an zu fragen: „Was wird von der Schulspeisung bis zum Ende der Woche übrig bleiben? Was können wir umverteilen, um es dann gemeinsam mit allen anderen Kindern zu verbrauchen?“ Auch hier kommt ganz klar der Drang, durch selbst etwas zu verändern, erklärt Erzieher Benjamin Kaul. „Was man merkt, ist vor allem, dass sie ins Tun kommen wollen. Also, dass sie aktiv werden wollen, dass sie das schnibbeln, das verteilen, dass wer übernimmt was, wer geht auf welche Etage. Das ist das, was die meiste Motivation bringt.“ Beim theoretischen Teil räumt der Erzieher ein, sieht es da schon noch ein bisschen anders aus. Infos recherchieren, E-Mails schreiben, fremde Erwachsene ansprechen, die weiterhelfen könnten, das fällt nicht ganz so leicht. Das müssen die Kinder in der Grundschule Schritt für Schritt lernen. Und es kostet einfach oft noch Überwindung. Da muss man manchmal ein bisschen einen extra Motivationsschub geben. Aber alles, was so praktisch ist, also Kinder wollen machen und Kinder wollen tun. Und das ist, finde ich, das, was man am meisten merkt. Wenn man Kinder einfach mal machen lässt und einfach mal auch Ideen spinnen lässt, kommt da ganz viel raus, wo man sagt: „Ja, mega um die Ecke gedacht, dreimal wäre ich so nie draufgekommen, aber lass uns das einfach mal probieren.“ Das Ausprobieren, das Tun und Machen rege Denkprozesse an. Die Kinder würden sich Gedanken machen, zum Beispiel über Konsum und Klima. „Wenn ich so zurückdenke, als ich neun oder zehn Jahre war, da war das, glaube ich, für mich absolut noch kein Thema. Und wenn man sich jetzt mit den Kindern unterhält, dann leben viele vegetarisch. Viele gucken: „Okay, was gibt’s beim Mittagessen? Was möchte ich essen? Was möchte ich nicht essen? Wo kommen auch meine Klamotten her? Also kaufe ich mir jetzt irgendwie was Neues oder gehen wir vielleicht irgendwie in irgendwelche Second-Hand-Läden und gucken, was es da Cooles gibt? Oder können Sachen noch recyceln und upcyclen, die irgendwie wir hier noch haben? Es gibt ja auch Gruppen, die das quasi machen. Und ich glaube, diese Vielfalt an Projekten im Haus sorgt auch für so einen Blick fürs Ganze.
Lebensmittelrettung und Engagement
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Selbstorganisation und Verantwortung
Konrad hatte vorhin schon erzählt: „Wir haben quasi übrig gebliebene Sachen, die auch wir einfach von der Masse und von der Zeit her nicht mehr verarbeitet kriegen. Haben wir in so einem Foodsharing-Fahrrad quasi gepackt, hier oben in Connewitz um die Ecke. Und jetzt war die Überlegung: Können wir sowas vielleicht einfach selbst organisieren? Können wir uns das hier vor die Schule stellen? Wir haben hier hinten einen großen Forschergarten, bei dem quasi Sachen angebaut werden. Die Sachen, die da übrig bleiben, weil das ist auch immer eine ganze Menge, können wir die irgendwie für die Gruppe mitverwenden? Damit die am Ende nicht weggeschmissen werden müssen, wenn die irgendwann einfach zu lange liegen. Können wir das für die ganze Schulgemeinschaft irgendwie möglich machen, dass wir vor der Schule ein Regal aufstellen und da wird reingepackt, was wir halt übrig haben, und alle können sich was wegnehmen?
Die Welt verändern im eigenen Alltag
Die Welt verändern. Wo fängt man da an? Am besten im eigenen Alltag. Im Schulgebäude, im Kiez finden die Kinder Lehrkräfte und ErzieherInnen an der Regenbogen Grundschule in Leipzig. Aber da sagt Schulleiterin Karin Brunner: „Mussten sie erst hinkommen. Das muss man schon sagen. Am Anfang war es halt sehr viel: Wir retten die Delfine da oder es war halt sehr viel im Außen, sehr weit weg. Und das haben wir dann halt versucht: Mensch, denk doch mal an unsere Region. Was können wir selber tun? Und ich glaube, das ist jetzt im vierten Jahr schon deutlich besser, dass die Kinder einfach in ihre unmittelbare Nachbarschaft und bei sich selbst schauen. Und die meisten Kinder spüren halt wirklich: Das habe ich selbst initiiert. Ich erreiche damit was, ich erziele eine Wirkung. Und ja, die sind aus unserer Sicht selbstbewusster geworden.
Fazit
Und Selma und Konrad die sind sich zwar einig darüber, dass sie es lieben, freitags Essen zu retten, aber manchmal findet Selma, könnte es auch schon ein bisschen mehr sein. „Und dann sind alle Kinder satt geworden, hoffe ich zumindest.“ „Ich glaube, es ist nicht alle satt geworden. Es war mir wenig.“ „Ich habe gesagt, hoffe ich, sind es aber nicht.“ „Warum willst du denn das wissen?“ „Weil ich, naja, ich habe immer noch Hunger jetzt.“ Wie Schulkinder lernen, die Welt zu verändern, das haben uns die Kids an der DPFA Regenbogen Grundschule in Leipzig im Rahmen des Friday gezeigt. Und das war es für diese Woche mit dem Klima-Podcast von detektor.fm. Wenn euch gefällt, was wir hier machen, dann lasst uns bitte gern ein Abo da und teilt den Podcast mit Menschen, die sich für Klima-Themen interessieren könnten. Danke fürs Zuhören. Die Redaktion für diese Folge hatten Zoe Neidhardt und ich, Ina Lebedjew. Produziert hat diese Folge Wiebke Stark und ich bin Ina Lebedjew. Macht’s gut, bis nächste Woche. Tschüss!
Mission Energiewende – Der detektor.fm-Podcast zum Klimawandel und neuen Energielösungen in Kooperation mit Lichtblick, Deutschlands größtem reinen Ökostromanbieter, mit Solarlösungen, intelligenter E-Mobilität und 100 % Ökostrom.