. Ich finde es toll, dass ihr immer wieder neue Themen aufgreift und dabei auch komplexe Inhalte verständlich erklärt. Besonders spannend finde ich die Folgen über Astronomie und Physik. Ich höre euch oft während meiner Fahrten zur Schule oder beim Sport. Macht weiter so! Viele Grüße aus Sachsen!
Wissenschaftsmythen im Fokus
Grund zum Feiern heute beim Spektrum Podcast. Das hier ist nämlich unsere 300. Folge. Unglaublich, aber wahr! Und wir nehmen das mal zum Anlass, uns mit fünf Wissenschaftsmythen auseinanderzusetzen, aus ganz unterschiedlichen Bereichen. Mein Name ist Max Zimmer. Das ist der Spektrum Podcast. Schön, dass ihr dabei seid. Spektrum der Wissenschaft. Der Podcast von detektor.fm.
Ja, 300 Folgen Spektrum Podcast. Seit 2019 machen die Kolleginnen und Kollegen von Spektrum und wir hier bei detektor.fm das jetzt schon zusammen. Und ich selbst habe, wenn ich mich richtig erinnere, nur eine der 300 Folgen ausgelassen. Da war ich, glaube ich, mal krank. Sonst immer hier am Mikrofon. Und was ich besonders schön finde: Viele von euch sind auch immer oder fast immer dabei, fast egal, welche Themen wir hier Woche für Woche besprechen. Dafür erstmal von mir und von allen im Team: Vielen, vielen Dank!
Hörerfeedback
Ja, wir haben euch in den letzten Wochen aufgerufen, uns mal zu sagen, wo und wann ihr uns denn so hört, was ihr vielleicht mit dem Podcast verbindet. Und tatsächlich haben sich viele von euch gemeldet, so wie er hier zum Beispiel:
Liebe Spektrum Podcast Redaktion, hier meldet sich euer Hörer Henning aus Berlin. Herzlichen Glückwunsch zu 300 Folgen und so vielen Jahren Wissenschaftspodcast! Ich bin Hörer der ersten Stunde und seit Beginn an dabei und freue mich immer, wenn ich euch in meinem Podcatcher aufploppen sehe.
Ich habe auch gemerkt, dass ich als Abonnent des Hefts, der ich schon seit 25 Jahren bin, auch leider in meinem Arbeitsalltag gar nicht mehr so richtig gut dazu komme, das Heft zu lesen. Aber umso besser ist es, dass ihr mir dann aus gewählten Recherchen hier nochmal ins Ohr credenzt, was ich in meinem Alltag einfach besser konsumieren kann.
Ich habe nochmal geguckt, was so meine Lieblingsfolgen waren. Ich habe da aus dem Jahr 22 zum Beispiel noch eine Erinnerung: Ihr hattet zum Pride Month eine Folge über Transgender, Geschlecht und Identität aus wissenschaftlicher Sicht gemacht. Fand ich sehr hörenswert. Dann umschifft ihr ja auch nicht die gruseligen Themen. Da gab es eine Folge mit Mike, wie eine Wespe ihre Opfer zu willenlosen Zombies macht.
Und ihr macht ja mittlerweile auch schon Spin-Off-Podcasts. Da ist mir zum Beispiel von den Geschichten der Mathematik die Weihnachtsfolge vom letzten Jahr noch in guter Erinnerung über das Haus vom Nikolaus und eure Schwierigkeiten, das korrekt zu zeichnen. Ja, vielen Dank für den Podcast! Ich höre euch gerne weiter und macht weiter so. Liebe Grüße aus Berlin!
Mythos Gehirn
Ja, Dankeschön kann ich da nur sagen. Freut mich und das Team natürlich sehr. Und die Folge über… werden wir uns noch ein paar solcher eurer Grüße anhören. Manche ein bisschen eingekürzt, da bitten wir um Verständnis. Auf jeden Fall vielen, vielen Dank schon mal an alle, die da mitgemacht haben.
Aber wir wollen natürlich auch in dieser Folge unserem Namen gerecht werden: Spektrum der Wissenschaft im wahrsten Sinne des Wortes. Jede Woche präsentieren wir euch ja eine Folge aus ganz unterschiedlichen Bereichen wie Medizin, Physik, Weltall, KI, Psychologie, Biologie, Archäologie und vieles, vieles mehr.
Und die Jubiläumsfolge heute wollen wir, wie gesagt, zum Anlass nehmen, mit fünf Behauptungen aufzuräumen, die da draußen so rumgeistern und sich irgendwie festgesetzt haben, aber gar nicht stimmen. Und das machen wir mit fünf Spektrum-Redakteurinnen und Redakteuren, die ihr kennt, wenn ihr uns regelmäßig hört.
Und wir wollen starten mit einer Aussage, die ihr bestimmt auch schon mal gehört habt: Wir nutzen nur 10 Prozent unseres Gehirns. Mir begegnet das relativ häufig und ich dachte ehrlich gesagt auch bis vor kurzem, ja, das wird schon stimmen. Aber das ist gar nicht so, weiß Anna Lorenzen. Die ist promovierte Neurobiologin und Redakteurin im Bereich Life Sciences bei Spektrum der Wissenschaft und heute in dieser Folge unter anderem mein Gast.
Hallo Anna! Hallo Marc! Ja, Anna, wir nutzen nur 10 Prozent unseres Gehirns. Das hast du bestimmt auch schon öfter mal gehört. Du sagst aber, das ist falsch. Warum denn?
Ja, also erst mal ist ja unklar, was damit überhaupt gemeint sein soll. Also sind es 10 Prozent der Neurone? Ist es 10 Prozent der Hirnareale oder der gesamten Hirnmasse? Oft fällt auch der Begriff Hirnkapazität, aber da ist auch unklar, was genau damit gemeint ist.
Aber wie auch immer man die Aussage interpretiert, sie bleibt auf allen Ebenen falsch. Und das kann man sich auch ziemlich leicht herleiten. Wenn wir wirklich nur 10 Prozent unseres Gehirns nutzen würden, dann bedeutet das ja im Umkehrschluss, dass 90 Prozent quasi als inaktive Masse brach liegen.
Das Gehirn ist hochplastisch. Vereinfacht gesagt stärkt es Synapsen dort, wo sie häufig gebraucht werden und bildet unwichtige Verbindungen zurück. Also wären 90 Prozent der Neurone zum Beispiel inaktiv, müsste man dementsprechend großräumig Degenerationen im Gehirn sehen. Und das ist ja offenbar nicht der Fall.
Zweitens macht die Aussage aus energetischen Gründen wenig Sinn, denn ganze 20 Prozent des Energieverbrauchs des Körpers gehen auf das Konto unseres Gehirns. Das wäre extrem ineffizient, wenn das dann größtenteils auf der faulen Haut liegen würde. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass sich im Laufe der Evolution ein Gehirn mit 90 Prozent funktionsloser Masse entwickelt hätte.
Und auch eines muss man sich klarmachen: Es gibt keinen Bereich im Gehirn, bei dem Verletzungen nicht zumindest einen subtilen Funktionsverlust zur Folge haben. Sonst könnte man ja an fast beliebiger Stelle rumstochern und nichts würde passieren. Das entspricht nicht der klinischen Evidenz.
Manche Schäden sind deutlich, zum Beispiel wenn Motorik ausfällt. Anderes ist vielleicht weniger offensichtlich im Bereich kognitiver Funktion. Aber immer wird es zum Funktionsverlust kommen. Und heute weiß man, dass je nach Aktivität dieser oder jener Bereich stärker aktiv ist als andere im Gehirn. Aber Arbeitslosigkeit im Gehirn gibt es sicher nicht.
Okay, also egal wie man es deutet, diese 10 Prozent ist immer falsch, sagst du. Interessant, aber dass sich das dann doch so krass durchgesetzt hat. Kann man denn sagen, wo diese Annahme irgendwie herkommt oder diese Behauptung?
Dass es nicht ganz klar Fakt ist, dass der Mythos seit mehr als 100 Jahren besteht und bis heute total weit verbreitet ist. Also da bist du auch nicht der Einzige, der daran festhält. Es gibt auch Umfragen und die zeigen, dass da wirklich sehr viele Leute auch dran glauben.
Und dieser Mythos geht wohl auf eine Zeit zurück, als Wissenschaftler damit angefangen haben, das Gehirn zu erforschen. Ihnen jedoch die Mittel fehlten, um die genaue Funktionsweise wirklich zu erfassen. Und vieles von diesem Mythos beruht wohl auf Fehlinterpretation dieser Experimente.
Und die Aussage, man nutze nur 10 Prozent des Gehirns, wurde sogar einigen berühmten Forschenden zugeschrieben, zum Beispiel Albert Einstein. Aber dafür gibt es überhaupt keine Belege. Und trotzdem geistert dieser Mythos bis heute durch die Medien, zum Beispiel in Science-Fiction-Filmen und Serien.
Er ist Teil der esoterischen Selbstfindungsliteratur, zum Beispiel gepaart mit Tipps, wie man sein volles Potenzial ausschöpfen kann. Natürlich ist das ein hohles Versprechen, aber man sieht, man kann mit diesem Mythos Geld machen.
Ja, das kann ich mir vorstellen. Und Anna, zum Abschluss vielleicht noch die Frage: Wenn es jetzt nicht 10 Prozent sind, kann man denn sagen, wie viel Prozent unseres Gehirns wir so nutzen und unterscheidet sich das womöglich auch von Mensch zu Mensch?
Also im Laufe eines Tages nutzt man vermutlich 100 Prozent des Gehirns. Also es ist ja selbst in Ruhephasen und im Schlaf aktiv und steuert ja auch nicht nur das Denken an sich, sondern auch unbewusste Körperfunktionen.
Allerdings sind nie alle Bereiche gleichzeitig und im gleichen Maße aktiv. Je nach Situation schaltet das Gehirn dynamisch zwischen Netzwerken, zum Beispiel zwischen Arealen, die Aufmerksamkeit steuern, und dem sogenannten Ruhenetzwerk, das beim Tagträumen und der Selbstreflexion aktiv ist.
Das Gehirn arbeitet bereits 24/7 auf Hochtouren. Und was natürlich richtig ist: Man kann bestehende Strukturen durch Lernen, durch Training, durch einen guten Lebensstil stärken. Das Denkorgan ist ja plastisch und formbar, aber nicht in dem Sinne, dass man große Bereiche aus einem Dämmerschlaf wecken müsste. Das ist Unsinn.
Okay, also wir merken uns: Wir nutzen bei weitem nicht nur 10 Prozent unseres Gehirns. Und Anna, dir sage ich vielen, vielen Dank fürs Erklären!
Hörerbotschaften
Sehr gerne! Und ich habe euch ja gesagt, dass wir im Laufe dieser Folge immer mal wieder in eure Grußbotschaften zur 300. Folge reinhören wollen. Und über die hier von Sam habe ich persönlich mich besonders gefreut.
Ja, aktuell stellen sich mir viele Fragen über meine berufliche Zukunft und ich bin tatsächlich am Überlegen, Physik zu studieren. Und gerade diese Naturwissenschaft ist ja doch relativ männerdominiert noch. Und als weiblich gelesene Person fühle ich mich da manchmal ein bisschen vielleicht falsch in diesem Bereich oder bin mir noch nicht so ganz sicher, ob das was für mich ist.
Und ich muss sagen, dieser Podcast, den habe ich jetzt erst vor ein paar Tagen entdeckt, den Spektrum Podcast. Und der macht mir ein bisschen Mut, in diese Richtung zu gehen und meinem Gefühl zu vertrauen, dass mich das interessiert und ich in diesen Bereich gehen möchte. Also vielen Dank euch und alles Gute!
Ja, unbedingt machen, wenn du dich dafür interessierst. Viel Erfolg bei deinem Weg und ja, schön, dass du zuhörst und einen Gruß geschickt hast.
Wir kommen zu unserem nächsten Mythos und der hat sich bei vielen schon in der Schulzeit festgesetzt und er hat mit Evolution zu tun. Es heißt ja Menschenaffen, den Begriff kennt ihr alle. Und wenn wir an Charles Darwin denken, dann meinen viele: Ja klar, wir stammen vom Affen ab.
Nee, sagt Frank Schubert. Der ist Biologe und Redakteur bei Spektrum der Wissenschaft. Ihr kennt ihn wahrscheinlich alle hier aus dem Podcast. Hallo Frank!
Hallo Marc! Herr Frank, wir sind doch so nah mit den Affen verwandt. Was stimmt denn jetzt an dieser Behauptung, dass wir von ihnen abstammen?
Ja, wir stammen vom Affen ab. Das ist also zumindest missverständlich, diese Aussage, und zwar in zweierlei Hinsicht. Also man könnte ja denken, wenn wir vom Affen abstammen, dann sind wir selber vielleicht keine mehr. Wir sind aber Affen.
Also biologisch gesehen gehören wir zur Ordnung der Primaten und dort zur Teilordnung der Affen und dort zur Familie der Menschenaffen. Und andere Menschenaffen, die haben wir alle schon mal gehört, sind Gorillas, Schimpansen und Orang-Utans. Also mit denen zusammen bilden wir die Familie der Menschenaffen.
Genau, also wir sind Affen. Das ist sozusagen das eine Missverständnis, den man da aufsetzen könnte. Und das andere Missverständnis ist bei der Aussage, wir stammen von Affen ab, könnte man denken, wir stammen von heutigen anderen Menschenaffen ab. Und dem ist nicht so.
Sondern wir und die anderen Menschenaffen haben einen gemeinsamen Vorfahren, der schon längst ausgestorben ist, der schon lange nicht mehr lebt. Wann er lebte und wer es war, ist sehr schwer zu ermitteln. Das weiß man nicht genau. Wahrscheinlich vor 18 bis vor 15 Millionen Jahren in dem Zeitraum vermutet man den gemeinsamen Vorfahren der Menschenaffen.
Für die damalige Zeit ist eine Primatengattung nachgewiesen namens Masripitikus. Die lebte im nördlichen Afrika und die Tiere wurden wahrscheinlich 20 bis 30 Kilogramm schwer, besiedelten wahrscheinlich küstennahe Flusslandschaften und ernährten sich vermutlich viel von Früchten und Nüssen.
Und ob die jetzt sozusagen der gemeinsame Vorfahre waren der Menschenaffen, wahrscheinlich nicht. Aber wahrscheinlich standen sie der Stammgruppe der Menschenaffen nahe. Und von dieser Stammgruppe, die entwickelte sich ja dann evolutionär weiter.
Und im Zuge dieser Entwicklung zweigten dann von dieser Stammgruppe nacheinander verschiedene Linien ab. Zuerst die Linie, die zu den heutigen Orang-Utans führte, die zweigte sich vor ungefähr 16 Millionen Jahren ab. Danach spaltete sich die Linie ab, die zu den heutigen Gorillas führte, vor ungefähr 10 Millionen Jahren.
Dann wiederum verzweigte sich das Ganze wieder zweimal. Die eine Linie führte zu den heutigen Schimpansen. Das war ungefähr vor sechs Millionen Jahren diese Abzweigung. Und die andere Linie lief weiter und bildete die Hominini. Zu den Hominini gehört der moderne Mensch und seine fossilen Vorfahren und deren fossile Verwandte.
Es ist ein Stammbaum sozusagen oder vielmehr ein Stammgestrüpp. Und der gemeinsame Vorfahre, den wir Menschenaffen alle haben, der lebt schon lange nicht mehr. Und deshalb sind die heutigen Menschenaffen nicht unsere Vorfahren, sondern unsere Cousins. So könnte man das, glaube ich, sagen. Oder unsere Brüder oder Schwestern oder wie auch immer. Cousin trifft es eher, glaube ich.
Obwohl die Verwandtschaft zum Teil sehr eng ist. Das kann man ja genetisch nachweisen. Mit Schimpansen zum Beispiel stimmt unser Erbgut zu mehr als 95 Prozent überein. Das ist schon doch eine sehr enge Verwandtschaft.
Missverständnisse der Evolutionstheorie
Okay, Frank. Und jetzt, wo die Verwandtschaftsverhältnisse geklärt sind, warum sich diese Behauptung so festgesetzt hat, dass wir von den Affen abstammen?
Da gibt es mehrere Gründe. Das hat seinen Ursprung, glaube ich, im 19. Jahrhundert, als Charles Darwin und Alfred Russel Wallace ihre Evolutionstheorie veröffentlichten. Und das damalige gesellschaftliche Umfeld war ja stark religiös geprägt.
Und deshalb stieß die Evolutionstheorie eben zum Teil auf doch sehr deutliche Ablehnung und wurde sehr heftig diskutiert. Und die Kritiker der Evolutionstheorie spitzten sozusagen die Aussagen der Evolutionstheorie unter anderem zu auf diesen Satz: Der Mensch stammt vom Affen ab.
Das war nach damaligem Verständnis eine unerhörte Behauptung. Vor dem damaligen religiösen Hintergrund war man ja der Überzeugung, dass der Mensch die Krone der Schöpfung sei und so weiter. Und da war so etwas wie „der Mensch stammt vom Affen ab“ das ging gar nicht.
Und das war aber absichtlich zugespitzt, um eben auch zu emotionalisieren, um eben auch die Evolutionstheorie zu diffamieren. Das ist der eine Grund. Und der andere Grund, warum das sich so tief eingeschrieben hat, ist, dass das ja auch eine sehr bildhafte Aussage ist und eine Aussage, die vermeintlich intuitiv sehr naheliegend ist.
Weil andere Menschenaffen sehen ja uns durchaus ähnlich und sie verhalten sich auch ähnlich wie wir, nur sozusagen in uriger Form, also urig in Anführungszeichen. Und dann kann man natürlich schnell auf die Idee kommen: Ja, stimmt, das liegt irgendwie nahe, dass wir von denen abstammen oder so.
Und das ist der andere Grund, warum sich das so tief eingeprägt hat. Und deswegen, weil dieser Satz eben irgendwie einen Punkt getroffen hat in den Menschen, hat er sich dann eben festgesetzt und hat sich tief eingeprägt und wurde dann in Medien, Schulen und Alltag immer wieder reproduziert und so nach und nach zu einer Art Redewendung, die eben bis heute präsent ist.
Ja, absolut! Hört man immer wieder. Deshalb umso mehr vielen Dank, lieber Frank, dass du aufgeräumt hast mit diesem Mythos. Und an dieser Stelle muss man das auch mal sagen: Bei der 300. Folge, vielen, vielen Dank Frank, dass du die ganze Zeit den Podcast so schön organisierst.
Man muss nämlich wissen, Frank ist so mein Sparringspartner bei Spektrum, mit denen wir hier zusammen dann die Themen erörtern und was wir euch da jede Woche so hinlegen wollen. Und da ist Frank von Anfang an dabei, seit 2019, seit 300 Folgen. Deshalb an der Stelle nochmal vielen vielen Dank!
Ja, ich muss danke sagen, Marc, weil das funktioniert einfach immer wunderbar mit uns, mit der Vorbereitung und so weiter. Also ganz toll, danke von mir!
Hörerfeedback und Physik
Sehr, sehr gerne! Und dann würde ich euch gerne noch eine weitere Hörernachricht an der Stelle präsentieren. Bernd aus Essen hat sich bei uns gemeldet. Der hat mal Physik studiert, sagt er, aber nie als Physiker gearbeitet. Aber das Interesse an Wissenschaft, das sei bei ihm geblieben.
Und er hat in der Corona-Zeit unseren Podcast entdeckt und hat dann, sagt er, zuerst alle Folgen, die alten eben, nachgehört und ist seitdem dabei geblieben. Hallo, ich bin Bernd aus Essen, 61 Jahre alt. Ich höre euch meistens abends vor dem Schlafen, nicht zum Einschlafen, sondern weil ich mich dann am besten konzentrieren kann.
Meine Lieblingsthemen sind Quantenphysik und Astronomie. Wenn ich eine Lieblingsfolge nennen soll, dann wohl die Folge „Was ist eigentlich ein Teilchen?“ aus dem Jahr 21. Die höre ich mir immer mal wieder an, wenn ich mich gerade frage, wie die Welt nun eigentlich in echt funktioniert.
Ja, Astronomie, das ist tatsächlich nicht nur bei Bernd, den ihr hier gerade gehört habt, sehr beliebtes Thema, sondern auch bei vielen anderen. Das merkt man immer an den Hörerzahlen. Und deshalb schauen wir jetzt auch mal noch ins Weltall rein, nämlich bei unserem nächsten Mythos.
Schwarze Löcher
Schwarze Löcher, die gehören ja wohl, würde ich mal sagen, zu den faszinierendsten Phänomenen, die da so sind im Universum. Und besonders gerne spreche ich darüber, natürlich mit, das wisst ihr alle, Mike Zeitz. Der ist Physiker und Redaktionsleiter Physical Sciences bei Spektrum und heute mal endlich wieder als Gast hier im Podcast.
Hallo Mike! Hallo Marc, freut mich! Mike, schwarze Löcher, die saugen alles um sich herum ein wie so ein riesiger Weltallstaubsauger. Das ist ein bekanntes Bild, das so existiert. Sieht man auch manchmal in so Darstellungen. Aber das stimmt gar nicht, sagst du. Inwiefern denn nicht?
Ja, das ist tatsächlich eines der größten Missverständnisse zu schwarzen Löchern, dass ein schwarzes Loch alles irgendwie einsaugen würde. Du hast es gesagt, wie so ein kosmischer Staubsauger. Aber das stimmt so nicht, weil erst mal ein schwarzes Loch ist einfach ein Objekt mit einer bestimmten Masse.
Also unsere Erde hat eine gewisse Masse, unsere Sonne hat eine gewisse Masse und ein schwarzes Loch hat auch eine gewisse Masse. Und alles folgt denselben Gravitationsgesetzen. Also schwarze Löcher wirken auch nur über ihre Schwerkraft. Und es gibt jetzt keine Sonderregeln für schwarze Löcher.
Alles hängt bei den Gravitationsgesetzen nur von der Masse ab und vom Abstand, den man dazu hat. Also wenn sich jetzt unsere Erde zum Beispiel, jetzt mal ganz hypothetisch, in ein schwarzes Loch verwandeln würde, von einer Sekunde auf die andere, dann wäre dieses schwarze Loch mit der Masse unserer Erde nur noch so klein wie eine Weintraube.
Also es wäre auf der Erde für uns alle ziemlich ungemütlich, auf so einen kleinen Bereich zusammengequetscht zu werden. Aber um diese kleine Weintraube würde dann weiter der Mond kreisen, wie er es jetzt tut. Die Internationale Raumstation würde weiter drum herum kreisen.
Also alles im Sonnensystem wird sich überhaupt nicht verändern, wenn unsere Erde jetzt plötzlich ein schwarzes Loch wäre. Also es fängt nicht plötzlich dieses schwarze Loch an, die Umgebung noch irgendwie aufzusorgen. Es ist einfach da.
Also das Einzige, was ein schwarzes Loch eigentlich besonders macht, das ist seine Dichte. Die ganze Masse ist auf einen unfassbar kleinen Raum konzentriert. Bei unserer Erde wäre das eben diese Weintraube. Und diese Weintraube, diese Grenze nennt man den Ereignishorizont.
Und wirklich erst dann, erst wenn diese Grenze überschritten ist, dann kann man nicht mehr entkommen. Und dann fällt man unwiederbringlich in so ein schwarzes Loch hinein. Deswegen heißt es auch schwarzes Loch, weil dann nicht mal mehr das Licht entkommen kann.
Aber es wird halt nichts eingesaugt. Man müsste schon wirklich gezielt auf dieses schwarze Loch zusteuern und versuchen, mal in den Weiten des Weltraums so eine kleine Weintraube zu treffen. Also ein schwarzes Loch per se ist erstmal einfach nur Masse und ungefährlich.
Und trotzdem natürlich absolut faszinierend, auch wenn dieser Einsaugmythos jetzt nicht stimmt. Was wissen wir denn heute über schwarze Löcher? Ich weiß, das ist eine große Frage, Mike. Du machst große Augen. Aber was wissen wir heute und was gibt uns noch Rätsel auf? Vielleicht mal kurz zusammengefasst.
Ja, das ist eine Riesenfrage. Auch einfach, weil es schwarze Löcher wirklich überall im Universum gibt. Also in unserem beobachtbaren Universum gibt es ja hunderte Milliarden Galaxien. Und wir wissen heute, dass im Kern jeder Galaxie oder praktisch jeder Galaxie so ein schwarzes Loch steckt.
Und dieses schwarze Loch, das hat da normalerweise sehr, sehr viele Millionen Sonnenmassen. Also auch in unserer Galaxie, in der Milchstraße, ist in der Mitte ein schwarzes Loch mit mehreren Millionen Sonnenmassen. Und da kreisen wir seit Jahrmilliarden gemütlich drumherum.
Also da wurden wir bisher auch noch nicht eingesaugt. Und auch in jeder Galaxie selbst gibt es Abermilliarden Sterne. Und die massereichsten dieser Sterne, die enden selbst auch als schwarze Löcher. Also es gibt extrem viele schwarze Löcher im Weltall.
Und weil das so extrem dichte, so ultrakompakte Objekte sind, sind die aus astronomischer Sicht total spannend. Weil so viel Masse auf so kleinem Raum, das bedeutet, dass sich in der unmittelbaren Umgebung von diesem Ereignishorizont, dass sich da total energiereiche, faszinierende Phänomene abspielen.
Also tatsächlich sind schwarze Löcher sogar eher das Gegenteil von Staubsaugern. Schwarze Löcher, die schleudern aus ihrer Umgebung, also aus der Umgebung von diesem ultradichten Objekt, schleudern die ständig enorm viel Materie raus mit enormer Wucht ins Weltall.
Es gibt zum Beispiel bei schwarzen Löchern in den Kernen von Galaxien sogenannte Jets. Das sind gewaltige Teilchenströme mit irrwitzigen Energien. Und die werden von den schwarzen Löchern da in dem Kern aus den Galaxien rausgeschossen.
Und solche Phänomene, die können die ganze Umgebung enorm stark beeinflussen. Also schwarze Löcher sind überhaupt nicht diese erbarmungslosen Zerstörer, diese Staubsauger, sondern sie sind eher so etwas wie eine gestaltende Kraft im Kosmos.
Und aus theoretischer Sicht sind die total interessant, nicht nur aus astronomischer, sondern auch aus ganz fundamentaler physikalischer Sicht, weil wir hier an diesen schwarzen Löchern, weil sie so kompakt sind, quasi die Grenzen unserer Theorien testen können.
Weil, okay, in der Umgebung von schwarzen Löchern, ich habe es schon gesagt, kann man alles ganz gut erklären mit den bekannten Gravitationsgesetzen. Aber je näher man an so einen Ereignishorizont drankommt und vor allem wenn man ihn überschreitet, was passiert dann eigentlich?
Also das ist die große theoretische Frage der Physik. Was passiert hinter dem Ereignishorizont? Da können wir nicht reingucken. Aber wir wissen, da steckt neue Physik, weil eigentlich mathematisch nach den Formeln, die wir heute so haben, da ist alles unendlich dicht komprimiert im Kern.
Aber wir wissen, das geht nicht. Also Unendlichkeiten sind in der Physik immer ein Zeichen dafür, dass irgendwas nicht funktioniert, dass irgendeine Theorie unvollständig ist. Und weil in schwarzen Löchern alles so extrem dicht, unendlich dicht zusammengequetscht ist, kommt da quasi die Quantenphysik, die für das Allerkleinste zuständig ist, mit den Theorien für das Allergrößte zusammen.
Und in schwarzen Löchern bräuchte man eigentlich eine Theorie der Quantengravitation, um alles zu beschreiben. Und daran müsste sich auch alles messen lassen, was an Quantengravitationstheorien vorhanden ist. Können die schwarze Löcher erklären?
Also das macht schwarze Löcher eigentlich aus astronomischer und aus theoretischer Sicht so enorm faszinierend. Aber es ist definitiv nichts, wofür wir uns fürchten müssen. Also wir können schwarze Löcher ganz entspannt aus der Entfernung beobachten. Unsere Theorien dazu machen. Eingesaugt werden wir nicht.
Fazit
Also wir merken uns: Kein kosmischer Staubsauger, so ein schwarzes Loch. Aber wahnsinnig faszinierend! Und wenn ihr die Themen Quantengravitation oder schwarze Löcher euch auch nochmal ein bisschen genauer anschauen wollt, auf spektrum.de findet ihr ganz viele Artikel dazu.
Aber auch in unserem Podcast-Feed gab es schon einige Folgen dazu, die ihr gerne nochmal nachhören dürft. Und Mike, dir sage ich wie immer: Vielen, vielen Dank fürs Erklären!
Sehr gerne! Und an der Stelle auch noch eine passende Grußbotschaft von einem Hörer namens Paul. Der ist Mathe- und Physiklehrer an einem Gymnasium in Sachsen und hat uns das hier geschickt:
Hallo liebes Spektrum-Team, ich heiße Paul Nachtigall, wohne hier in Meißen in Sachsen und bin Mathe- und Physiklehrer am Gymnasium Coswig. Und euer Podcast begleitet mich wirklich schon seit vielen Jahren.
. Einfach beim täglichen Alltag, egal ob nun Haushalt, beim Autofahren, Zugfahren, einfach die ganze Zeit nebenbei. Und ich finde es vor allem genial, dass moderne wissenschaftliche Themen immer schön zusammengefasst, mit Experten, die gute Informationen aufbereiten und verständlich rüberbringen.
Und weil es ja auch darum ging, welche Folge vielleicht im Kopf geblieben ist, da kam mir sofort die Folge in den Sinn. Das ist natürlich auch wichtig, dass man es schafft, die Gehirne der Kinder möglichst gut zu aktivieren. Das heißt, diesen Podcast habe ich auch schon ein paar Mal weiterempfohlen und natürlich auch direkt die Folge weiterempfohlen.
Und in diesem Sinne: Weiter so! Ich höre euch sehr gern und möchte euch auch gerne weiter so hören. Und alles Gute! Ja, auch da kann ich nur sagen: Vielen, vielen Dank für die Glückwünsche.
Mythos: Krank durch Kälte
Und wir kommen zu unserem nächsten Mythos. Den hat meine Mutter früher schon bemüht: Man wird nämlich krank, wenn man friert oder mit nassen Haaren rausgeht. Das habe ich oft gehört, vor der Schule morgens, wenn ich irgendwie wieder zu spät aufgestanden bin und zu spät geduscht habe und dann im Winter raus bin Richtung Bus.
Und neulich ist es mir auch erst wieder passiert. Da war ich erkältet und habe überlegt, wo das denn jetzt so herkommen könnte. Und dann auch wieder direkt gedacht: Na ja, klar, du warst beim Sport, bist mit nassen Haaren raus, musst dich nicht wundern, Marc. Aber das ist alles so nicht ganz richtig.
Weiß Spektrum-Redakteurin Katharina Menne. Hallo Katharina! Hallo Marc! Ja, Katharina, was ist denn dran an dieser Behauptung? Kurz gesagt: nicht viel. Also im Winter ohne Mantel oder mit nassen Haaren draußen unterwegs zu sein, das macht für sich genommen nicht krank.
Und ich muss sagen, ich spreche da aus Erfahrung. Ich habe mir wahrscheinlich mit zwölf Jahren oder so das letzte Mal die Haare geföhnt, und ich war diesen Winter genau einmal erkältet. Also würde jetzt dieser oft gehörte Spruch, den du zitiert hast, stimmen, wäre ich ja andauernd krank.
Naja, jetzt könnte man sagen, die ist halt abgehärtet. Die macht das ja schon seit vielen, vielen Jahren. Aber der Zusammenhang ist schon ziemlich klar. Also Auslöser von Husten, Schnupfen und Halsschmerzen sind immer Krankheitserreger wie Viren oder Bakterien.
Und nur wenn ich damit in Kontakt komme, weil ich zum Beispiel Tröpfchen einatme, die eine erkrankte Person in die Luft hustet oder niest, dann gibt es ein gewisses Risiko, dass ich mich erkälte. Und ich sage bewusst Risiko. Also nur weil ich die einatme, werde ich ja auch noch nicht krank.
Da gibt es halt ganz, ganz viele Faktoren. Aber ganz klar ist: Wenn die nicht da sind, also wenn ich mich jetzt irgendwie komplett isolieren würde, dann werde ich auch nicht krank, egal ob meine Haare nass oder trocken sind.
Erkältung und Kälte
Worüber allerdings schon Einigkeit in der Wissenschaft besteht, ist die Frage, wie sich die Erkältung verändert. Also wenn du frierst, das kann Erkältung unter bestimmten Umständen begünstigen. Ich sage das jetzt so vorsichtig, weil das ist natürlich gar nicht so leicht zu erforschen.
Also es zeigen vereinzelte Forschungsergebnisse, dass viele Atemwegsviren, darunter zum Beispiel die berühmten Influenza-Viren, die Grippe machen und auch die Coronaviren, die wir ja inzwischen durch die Corona-Pandemie ganz gut kennengelernt haben, unter kalten, trockenen Bedingungen länger überleben und über einen längeren Zeitraum infektiös bleiben.
Also das heißt, auch so ein bisschen kalte Luft beeinflusst zudem die Art und Weise, wie sich der Körper gegen Infektionen wehrt. Da sind wir jetzt bei dem Thema Frieren. Also um den Körper vor dem Auskühlen zu schützen, verengen sich die Blutgefäße zum Beispiel in der Nase, und dadurch wird die Durchblutung gedrosselt.
Und na ja, das ist natürlich so ein Schutzmechanismus des Körpers, weil man dann weniger Wärme an die Umgebung abgibt. Also das heißt, der Körper versucht, warm zu bleiben. Und in der Schleimhaut der Nase und der Atemwege kann diese verminderte Durchblutung die Immunreaktion schwächen.
Also da kommen ja die Viren so mehr oder weniger als erstes rein, wenn ich die einatme. Und das hilft normalerweise dabei, die Viren zu erkennen und dann, dass das Immunsystem in Gang kommt und diese Viren eliminiert.
Weil nun, jetzt sind wir ja schön tief in der Physik, weil nun feuchte Haare dazu führen, dass die Temperatur auf der Kopfhaut sinkt, indem das Verdunsten des Wassers dem Körper Wärme entzieht. Man nennt das ja auch so schön Verdunstungskälte.
Kann es sein, dass man etwas leichter friert und die Immunantwort dadurch heruntergesetzt ist? Also lange Rede, kurzer Sinn: Wenn keine Viren und Bakterien da sind, werde ich nicht krank. Aber wenn ich jetzt mit nassen Haaren rausgehe oder ohne Jacke und friere, dann kann die Immunantwort zurückgesetzt werden.
Kälte als Risikofaktor
So, und jetzt kommt noch ein ganz, ganz großes Aber. Fast entscheidend dafür, dass man im Winter öfter krank ist als im Sommer, das kennen wir ja alle, ist etwas anderes. Nämlich kaltes Wetter veranlasst Menschen natürlich deutlich mehr dazu, Zeit in Innenräumen zu verbringen.
Und das dann auch noch oft in engem Kontakt mit anderen. Naja, und in überfüllten Räumen mit schlechter Belüftung, da können sich dann virushaltige Tröpfchen in der Luft ansammeln, was die Übertragung zwischen Menschen wahrscheinlicher macht.
Also halten wir fest: Kälte ist nicht die Ursache einer Erkältung, sondern nur so eine Art Risikoverstärker. Okay, also allein durch eine wärmere Jacke oder durch Haaretrocknen werde ich das nicht verhindern können.
Vorbeugung gegen Erkältungen
Was kann man denn tun, um gegen Erkältungen am besten vorzubeugen? Ja, wahrscheinlich erinnerst du dich noch, wie wir anderen auch, wie wir alle, was uns so während der Corona-Pandemie eingebläut wurde. Also sowas wie regelmäßig Hände mit Wasser und Seife waschen, mindestens vor dem Essen.
Und wenn man zum Beispiel von der Arbeit, von der Schule oder von dem Einkauf nach Hause kommt, weil man da natürlich ganz viele Sachen angefasst hat. Und wenn man dann, das machen wir übrigens alle mehrfach am Tag, ohne es zu merken, dass man sich mit den Händen ins Gesicht fasst, dann überträgt man auch über Schmierinfektion natürlich manche Viren und Bakterien und wird dann krank.
Das, was ich jetzt als nächstes sage, mache ich persönlich zum Beispiel nicht, aber es hilft auch, dass man Türklinken regelmäßig desinfiziert. Also Dinge, die man besonders oft anfasst. Außerdem ist es immer eine gute Idee, Taschentücher zu benutzen. Die sollte man dann aber sofort wegwerfen.
Dann, das wissen wir auch, glaube ich, noch alle, dass man in die Armbeuge niest und nicht einfach so quer durch den Raum, dass man so möglichst viele schöne Tröpfchen verteilt. Da muss ich sagen, wenn das jetzt jemand so im Zug oder im Büro macht, dann schüttelt es mich auch jedes Mal. Ich denke so: Ah, bitte nicht!
Dann ist kein schöner Begriff, finde ich, aber Social Distancing. Also vor allen Dingen natürlich im Winter volle Innenräume meiden und aufs Händeschütteln verzichten, wenn man schon irgendwie das Gefühl hat, der Gegenüber könnte erkältet sein.
Auch was, was ich persönlich nicht mache, aber das ist natürlich jedem selbst überlassen. Wenn man jetzt tatsächlich nicht krank werden möchte, weil man nächste Woche voll den dringenden Termin hat, da muss man eben Maske tragen in Bus und Bahn.
Also da ist auch definitiv erwiesen, dass das hilft. Und generell gilt, wie so oft: sich ausgewogen zu ernähren, ausreichend zu schlafen, in Bewegung zu bleiben, Stresspegel zu kontrollieren. All das stärkt das Immunsystem und hilft dabei, Erreger abzuwehren.
Eine Sache noch: Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamin C-Präparate haben sich in Studien, um da noch einen Mythos auszuräumen, als wenig wirksam erwiesen. Also da gibt es eine, ich sage mal, keine harte Evidenzlage, dass sie gar nichts bringen.
Aber die Evidenzlage ist jetzt auch nicht so, dass man sagt: Boah, was meine Mama auch immer gesagt hat, ja, hier heiße Zitrone und ganz viel Vitamin C, das verhindert die Erkältung. Also auch das stimmt nicht so.
Zusammenfassung der Mythen
Alles klar, da haben wir gleich mit zwei Mythen aufgeräumt. Vor allem merken wir uns das mit der Kälte und den nassen Haaren, das ist wirklich nicht entscheidend beim Thema Erkältungen. Und Katharina, dir sage ich: Vielen, vielen Dank fürs Erklären!
Sehr gerne! Und ich rate euch aus unserem Spektrum-Podcast, den es jetzt hier seit 300 Folgen gibt, sind ja noch weitere Zusammenarbeiten zwischen detektor.fm und Spektrum der Wissenschaft entstanden.
Da rate ich euch mal, die großen Fragen der Wissenschaft mit Katharina und Carsten anzuhören und auch die Geschichten aus der Mathematik mit Manon Hörter unbedingt mal reinzuhören.
Ja, und nicht nur Sprachnachrichten habt ihr uns geschickt. Unser nächster Gruß, der hat uns schriftlich erreicht, per Mail von Heinz. Nämlich, und der schreibt, dass durch das Deutschlandticket die Züge immer voller werden.
Es ist zwar gut, dass sie benutzt werden, aber es wird immer schwieriger, dann unterwegs sein geliebtes Spektrum der Wissenschaft zu lesen. Und deshalb hört er den Podcast sehr gerne, auch wenn er steht und schwitzt, schreibt er.
Und wenn er ungeduldige Menschen erträgt in der Bahn. Und für ihn sei es einer der stärksten Wege, Interesse zu wecken, aber eben auch Sachverhalte zu erklären. Und er bedankt sich, dass wir das machen.
Ja, und da sage ich natürlich auch: Vielen, vielen Dank fürs Zuhören, Heinz! Und vielleicht interessiert euch ja auch unser fünfter und letzter Mythos in dieser Folge, dass die Erde nämlich flach ist.
Das glauben ja heute sogar noch einige Leute. Gar nicht so wenige, wenn man sich in bestimmten Internetforen herumtreibt. Dabei kennen wir ja heute sogar Bilder aus dem Weltall. Wir können uns die angucken und das Gegenteil zeigen.
Mythos der flachen Erde
Und vor einigen Hunderten von Jahren, im Mittelalter zum Beispiel, da war das natürlich noch ganz anders. Und deshalb dachten damals ja auch alle, die Erde wäre flach. Zumindest liest man das häufig.
Karin Schlott, die widmet sich bei Spektrum vor allem Themen aus der Archäologie und Geschichte. Und sie soll uns mal erklären, ob denn da wirklich was dran ist. Hallo Karin! Hallo Marc!
Ja, Karin, die Erde ist flach. War das denn im Mittelalter so common sense? Also die einfache Antwort lautet: Nein, diese Überzeugung herrschte damals nicht vor. Und den meisten Gelehrten war klar, dass die Erde eine Kugelgestalt hat.
Aber wie so oft, die Sache ist ein bisschen komplexer. Also lasst uns mal aufdröseln, wie das Weltbild damals aussah und woran es liegt, dass sich dieser Mythos von der mittelalterlichen Vorstellung einer flachen Erde bis heute so hartnäckig behaupten kann.
Vorneweg müssen wir vielleicht eine Sache klären: Wenn wir vom Mittelalter sprechen, dann ist damit grob die Geschichte von etwa 500 n. Chr. bis ca. 1500 gemeint. Und zwar in Europa. Und das ist ja auch eine immense Zeitspanne.
Ein Teil davon zählt auch bei einigen als Spätantike, aber es sind locker tausend Jahre. Und in dieser Zeit ist wirklich viel passiert. Es gab zahlreiche Veränderungen und Entwicklungen. Das heißt, eigentlich lassen sich über die damaligen Vorstellungen keine vereinfachten Aussagen treffen.
Wir kommen aber in der Kürze der Zeit nicht drumherum, das zu tun. Versuchen wir es also, uns da irgendwie durchzuhangeln. Also was wissen wir über das mittelalterliche Weltbild? In den Grundzügen entsprach es dem Weltbild der Antike.
Und in der Antike existierte tatsächlich zunächst die Vorstellung, die Erde sei flach. Aristoteles hat dann im 4. Jh. v. Chr. diese Idee widerlegt. Natürlich hat jetzt nicht nur er darüber nachgedacht, aber nach ihm hat eigentlich kaum einer der maßgeblichen griechischen und römischen Naturphilosophen das infrage gestellt, dass die Erde sphärisch, also kugelförmig ist.
Und als einen Beweis nannte Aristoteles z. B. die Mondfinsternis. Also er hat so argumentiert: Bei einer Mondfinsternis erscheint der Schatten der Erde auf dem Mond immer kreisförmig. Und ein solches Schattenbild könne halt eben nur eine kugelförmige Erde werfen.
Übrigens ist das auch heute noch so ein gültiges Argument für die Kugelgestalt. Das heißt jetzt aber nicht, dass die antiken Kosmologen aus denselben Gründen wie wir heute von der Kugelform der Erde überzeugt waren.
Weil für Aristoteles stand auch fest: Die Erde liegt im Zentrum des Kosmos. Sonne und Mond und Planeten bewegen sich um die Erde. Und er hat die Erde auch für unbeweglich gehalten. Also sie würde sich nicht um ihre eigene Achse drehen.
Und in dem kosmologischen Modell von Aristoteles und ja auch in dem von anderen Philosophen der Antike ergab es aber am ehesten Sinn, dass die Erde eine Kugelgestalt hat. Okay, also soweit jetzt mal die Grundlage aus der Antike.
Das Weltbild im Mittelalter
Und wie war es dann jetzt im Mittelalter? Genau, kommen wir zum Mittelalter. Die Überzeugung, dass die Erde im Zentrum des Kosmos steht, also dieses sogenannte geozentrische Weltbild, das bleibt erstmal bestehen.
Und grundsätzlich auch die Idee, die Erde sei statisch und eben auch eine Kugel. Das kommt jetzt daher, dass im Verlauf des Mittelalters die antiken Schriften immer wieder abgeschrieben und so durch die Jahrhunderte weitergegeben wurden.
Und ganz interessant ist dabei auch, dass viele dieser Texte von islamischen Gelehrten ins Arabische übersetzt, kommentiert und weiterentwickelt wurden. So sind sie erhalten geblieben und dann wiederum als Übersetzung ins christliche Europa gekommen.
So, was ist dabei rausgekommen? So ziemlich jedem Gelehrten des Mittelalters war klar, die Erde hat eine Kugelgestalt. Aber gleichzeitig galt es damals auch als anerkanntes Wissen, dass es nur drei Kontinente geben würde: Also Europa, Afrika und Asien, die dann von einem großen Ozean umgeben sind.
Und zum Beispiel wurde auch diskutiert, ob auf der Unterseite der Erdkugel Menschen leben könnten, die also dann aus Sicht von Europa verkehrt herum stehen. Also so richtig quasi um 180 Grad gedreht. Man nannte solche Menschen Antipoden, also Gegenfüßler.
Und diese Vorstellung von den Gegenfüßlern, die taucht schon in der Antike auf und die Debatte ging im Mittelalter weiter. Und viele der christlichen Gelehrten waren aber nicht so wirklich einverstanden damit, weil das könne ja eigentlich überhaupt nicht möglich sein, dass es mit Menschen bewohnte Antipodenregionen gibt, weil da ist ja doch nur Ozean, wie es halt einige dachten.
Da gibt es ja gar kein Land. Und dann gab es auch noch eine andere Vorstellung, nämlich dass die Erde in der Mitte klimatisch so heiß wäre, dass niemand dort leben könnte, also geschweige denn von der einen Seite auf die andere gehen könnte.
Also kann es ja dort auch keine Menschen geben oder können dort keine Menschen existieren. Und dann hat man mal so überlegt: Ja, sollte es dort doch Menschen geben, dann wäre das ja aus christlicher Sicht schon auch ein Problem.
Also wie können die denn von Adam oder von Noah abstammen oder wie können sie Teil oder konnten sie Teil der christlichen Heilslehre sein, wenn es doch unmöglich ist, dort hin zu gelangen? Also das Ganze war laut der Bibel nicht vorgesehen.
Und nach dieser Logik konnte es halt auch keine Gegenfüßler geben. Kurzum, das damalige Weltbild entsprach also nicht in allem dem, wovon wir heute überzeugt sind.
Entstehung des Mythos
Aber wie kam es jetzt dann am Ende zu diesem Mythos? Ja, eigentlich wissen und schreiben Fachleute schon seit mehr als 100 Jahren, dass vor der Neuzeit die allermeisten Gelehrten von der Kugelgestalt der Erde überzeugt waren.
Aber außerhalb von akademischen Kreisen hat sich der Irrtum hartnäckig gehalten. Der ist ja im Grunde auch so Schulwissen geworden. Und einem Mann, dem Historiker und Religionswissenschaftler Jeffrey Burton Russell, dem hat es dann gereicht.
Der hat 1991 ein ganzes Buch über den Mythos veröffentlicht. „Inventing the Flat Earth“ lautete der Titel und lautet auch der Titel noch heute. Und Russell wollte wissen, woher kommt dieser Mythos? Und er hat ihn übrigens „Flat Error“ genannt, also flacher Irrtum.
Und Russell wurde dann im frühen 19. Jahrhundert fündig bei zwei Autoren. Und zum einen bei dem französischen Historiker Antoine Jean Lutron. Und bei ihm, bei diesem Lutron, war Russells Fazit, dass dieser Historiker eine Darstellung verfasst hat, die eigentlich Teil einer, nennen wir es mal, antikirchlichen Erzählung war.
Und Lutron hat das christliche Mittelalter und seine Kirchenväter so dargestellt, als sei es denen darum gegangen, der antiken Wissenschaft eine Theorie entgegenzusetzen, die mit der Bibel vereinbar ist. Und das war dann inklusive eben der flachen Erde.
Den zweiten Autor, den Russell nennt, das ist ein Schriftsteller, nämlich Washington Irving. Und Irving habe den Mythos mit einem Roman salonfähig gemacht. Und zwar einer fiktionalisierten Biografie von Christoph Kolumbus, die ist 1828 erschienen.
Und angeblich habe eben erst Kolumbus durch seine Seereisen bewiesen, die Erde ist gar nicht flach, sondern kugelförmig. So, damit war laut Russell der Flat Error in der Welt und für einige Akademiker auch ein gefundenes Fressen, um eine Sache zu behaupten, nämlich einfach gesagt: Religion ist doof und hat auch schon immer zu unsinnigen Vorstellungen geführt.
Und mit diesen Vorstellungen hat Religion Krieg gegen die Wissenschaft geführt. Und Russell meinte, dass die Erfindung dieses flache Erde Mythos eigentlich Munition liefern sollte. Und zwar Munition gegen die religiösen Gegner des Darwinismus, also der Evolutionslehre.
Und die sollten halt als ähnlich rückständig wie die mittelalterlichen Flacherdler gezeigt werden. Aber der Schuss ist nach hinten losgegangen. Und wir haben noch einen.
Also die ganze Sache hört da nämlich nicht auf im 19. Jahrhundert. Es könnte nämlich auch sein, dass dieser Mythos noch viel früher aufgekommen ist als im 19. Jahrhundert. Und vor ein paar Jahren hat der Religionshistoriker Pablo de Felipe diese Frage nämlich in seiner Doktorarbeit vertieft.
Und de Felipe ist der Ansicht, der Irrtum ist bereits im 17. Jahrhundert, also in der frühen Neuzeit, entstanden. Was lief da ab? Und wir müssen noch ein bisschen davor gehen, nämlich ins 15. und ins 16. Jahrhundert.
Da hatten die Gelehrten nämlich ihr Wissen wirklich neu sortieren müssen. Es gab unglaublich viele Entdeckungsreisen und die lieferten völlig neue geografische Erkenntnisse. Und dann war da auch noch ein Kopernikus, der das heliozentrische Weltbild beschrieben hatte.
Und in der Folge dessen sind den Gelehrten einige Fehler in älteren Schriften aufgefallen und wurden auch rigoros korrigiert. Und dabei eben auch Dinge etwas verkürzt dargestellt. Erinnern wir uns nochmal an diese These von den Antipoden, also diesen Gegenfüßlern oder diesen Gegenfüßlerregionen.
Die haben ja die meisten mittelalterlichen Gelehrten abgelehnt. Aber sie haben nicht die Kugelgestalt der Erde bestritten, sondern sie konnten sich halt theologisch oder kosmografisch einfach nicht vorstellen. Oder für sie war es ja auch ein Problem, dass da irgendwelche bewohnten Gegenden auf der anderen Seite sind.
Jetzt kamen diese neuzeitlichen Entdeckungen und haben das aber widerlegt. Und in der frühen Neuzeit entstand dann daraus so eine verkürzte Gleichsetzung. Also die müssten ja dann auch die Kugelgestalt der Erde abgelehnt haben.
Also zusammenfassend können wir sagen, im Grunde ging es den Gelehrten der frühen Neuzeit darum, sich vom Mittelalter und seinen Lehren abzusetzen. Und später im 19. Jahrhundert wollte man die christlichen Gelehrten samt ihrer Religion diskreditieren, etwa eben in den Debatten um den Darwinismus.
War halt kein so guter Plan, weil schwupps hat man dann auch ein Mittelalter mit flacher Erde. Ja, ein Mittelalter mit flacher Erde. Und das war am Ende eben unser fünfter und letzter Mythos.
Abschluss und Dank
Und den hat aufgeklärt unsere liebe Karin Schlott. Vielen Dank dir! Gerne! Und wir hören zum Schluss dieser Folge noch einen letzten Gruß zu unserem 300 Folgen Jubiläum.
Ja, hallo liebes Spektrum-Team! Ich bin die Svenja aus Bamberg und seit langer Zeit ein großer Fan von euren Wissenschaftspodcasts. Ich finde es super, wie ihr das schafft, wirklich komplexe Themen auf den Punkt zu bringen und auch noch unterhaltsam zu verpacken.
Das ist ganz großartig! Es gibt so viele Themen, mit denen ich mich jetzt durch euren Podcast beschäftigt habe, von deren Existenz ich davor noch überhaupt gar keine Ahnung hatte. Eines meiner Lieblingspodcasts war tatsächlich euer Podcast über den Teilchenbeschleuniger, über das CERN, wo ich erstmals verstanden habe, was so ein Ding überhaupt macht.
Oder auch der Podcast über die Antikörper-Wirkstoff-Konjugate, schwerer Name, und danach aber komplett verständlich, was diese Dinger tun und warum die sinnvoll sind. Und insofern macht weiter so und ich freue mich auf die nächsten 300 Folgen. Bis dann, tschüss!
Ja, ich mich auch, das kann ich euch sagen. Und natürlich auch das ganze Team, dem ich hier an dieser Stelle einmal Danke sagen möchte für die tolle Arbeit jede Woche seit mehr als sieben Jahren.
Vielen Dank an alle Redakteurinnen und Redakteure bei Spektrum der Wissenschaft, die hier Woche für Woche zu Gast sind: Frank Schubert, Manon Bischof, Katharina Menne, Thomas Siebel, Verena Tang, Andreas Jahn, Mike Zeitz, Daniel Lingenhüll, Christiane Gehlitz, Anna Lorenzen, Anna von Hopfgarten, Daniela Mocker, Annette Dörfel, Lisa Bauer, Corinna Hartmann und Lars Fischer.
Ich hoffe, ich habe keinen vergessen. Und das ganze Team bei detektor.fm: Rabea, Stefan, Ina, Tim, Stan, Benjamin, Paula, Wiebke und ja, alle, die ich jetzt vielleicht doch vergessen habe.
Und natürlich vielen, vielen, vielen Dank an euch von Herzen! Vielen, vielen Dank fürs Zuhören! Und jetzt machen wir es kurz. Das war sie also, die 300. Folge vom Spektrum-Podcast.
Seid gern auch kommende Woche wieder dabei. Wie immer am Freitag gibt es dann nämlich eine neue Folge von uns. Bis dahin freue ich mich, wenn ihr den Podcast abonniert, wenn ihr kommentiert, bewertet und teilt. Auch dafür vielen Dank!
Mein Name ist Max Zimmer und ich sage wie immer: Tschüss und macht’s gut! Spektrum der Wissenschaft. Der Podcast von detektor.fm.