Es ist noch die Zeit der guten Vorsätze, und die Nummer eins dabei ist eigentlich immer: mehr Sport treiben. Aber warum fällt uns das eigentlich so schwer? Und warum fällt es einigen Menschen schwerer als anderen? Wie schafft man es, sich zum Sport zu motivieren? Darum geht es heute bei uns hier im Spektrum-Podcast. Mein Name ist Max Zimmer. Schön, dass ihr dabei seid! Spektrum der Wissenschaft, der Podcast von detektor.fm.
Habt ihr euch etwas vorgenommen fürs neue Jahr? Und wenn ja, was? Ich denke mal, bei vielen von euch wird sicherlich mehr Sport machen dabei gewesen sein. Das ist ja so einer der beliebtesten und häufigsten Vorsätze jedes Jahr. Das sehe ich in meinem Bekanntenkreis, das sieht man aber auch an den sehr, sehr vollen und gut besuchten Fitnessstudios im Januar. Und dass Sport gesund ist, das wissen wir ja alle. Trotzdem fällt es vielen Leuten eben schwer, sich regelmäßig zu bewegen. Umfragen zufolge bezeichnet sich fast jede zweite Person in Deutschland als Sportmuffel. Und woran liegt das? Natürlich, die Frage: Fehlt uns da einfach Disziplin, oder ist es einfach nur nicht der richtige Sport gewesen bisher? Und warum empfinden manche Menschen Bewegung so als pure Freude und haben immer die Motivation, während andere sich zu jedem Training zwingen müssen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich zum Beispiel die Sportpsychologie.
Und so viel kann ich schon mal verraten: Spaß am Sport ist kein Zufall, sondern entsteht eben dann, wenn bestimmte psychologische Grundbedürfnisse erfüllt sind. Und Daniela Mockert, die ist stellvertretende Chefredakteurin von Spektrum der Wissenschaft und hat sich eben gerade mit der Sportmotivation beschäftigt. Und sie ist heute mein Gast hier im Podcast. Endlich mal wieder! Hallo Daniela!
Hallo Max! Schön, mal wieder bei dir im Podcast zu sein. Ja, schön, dass du mal wieder da bist. Und ich steige doch gleich mal mit der Frage ein: Wie geht es denn dir mit guten Vorsätzen dieses Jahr? Ja, ich habe mir dieses Jahr vorgenommen, vor allem mehr Zeit mit Dingen zu verbringen, die mir Freude bereiten und die mir gut tun. Da ist Sport im Prinzip inkludiert, weil ich Sport auch gerne mache. Meistens so ein bis zwei Mal pro Woche. Und ich mir manchmal wünschen würde, dass ich noch ein bisschen mehr Zeit dafür hätte, beziehungsweise dass ich mir ein bisschen mehr Zeit dafür nehmen würde.
Ich glaube, da bist du in guter Gesellschaft, wahrscheinlich. Mehr bewegen, mehr Sport machen. Ich habe es eben schon gesagt, das ist, glaube ich, schon einer der beliebtesten Vorsätze, oder? Ja, genau. Man könnte sagen, mehr Sport treiben oder allgemeiner formuliert, sich mehr bewegen, ist eine Art Dauerbrenner unter den Neujahresvorsätzen. Also, wenn man sich aktuelle Umfragen von Ende 2025 anschaut, dann haben je nach Umfrage und Altersgruppe immer so 40 bis 60 Prozent der Befragten angegeben, dass sie sich 2026 gerne mehr bewegen würden oder dass sie mehr Sport treiben würden. Und andere beliebte Vorsätze für 2026 sind übrigens, mehr Geld zu sparen, sich gesünder zu ernähren und gerade bei der jüngeren Altersgruppe auch mehr Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen und häufiger mal das Handy zur Seite zu legen.
Interessant, okay. Gleichzeitig gibt es aber super viele Sportmuffel, wahrscheinlich, ne? Ja, also der Vorsatz, mehr Sport zu treiben, berührt sich ja auch daher, dass viele Menschen zumindest das Gefühl haben, sich zu wenig zu bewegen. Du hast es ja gerade schon erwähnt: In einer Umfrage aus dem Jahr 2023, die von einer deutschen Krankenkasse durchgeführt wurde, hat ungefähr die Hälfte der Befragten angegeben, ein Sportmuffel zu sein. Und auch acht von zehn Befragten waren der Ansicht, dass sie aktiver sein müssten. Und das passt auch ganz gut zu Untersuchungen, die darauf hindeuten, dass sich ungefähr ein Drittel der Menschen in Deutschland tatsächlich zu wenig bewegt.
Ja, das sind schon enorme Zahlen. Und da stellt sich natürlich die Frage, auch individuell: Warum fällt es denn vielen Leuten so schwer, regelmäßig Sport zu treiben? Dafür gibt es natürlich zahlreiche Gründe. Ein Grund, der oft genannt wird, ist Zeitmangel. Oder anders formuliert: Viele Menschen schaffen es nicht, Sport gut in ihren Alltag zu integrieren. Manche haben vielleicht das Glück, dass sie nah an der Arbeit wohnen und dass sie den Weg dahin dann mit dem Fahrrad oder zu Fuß zurücklegen können. So kann man sich wunderbar so kleine Sport- und Bewegungseinheiten schaffen, die man auch einfach automatisch einlegt, ohne dass man viel darüber nachdenken muss. Und für andere kommt das eher nicht in Frage, vielleicht weil sie viel zu weit von ihrem Arbeitsplatz entfernt wohnen. Vielleicht müssen sie sogar eine längere Pendelstrecke zurücklegen. Und dann steht man natürlich viel eher vor der Frage: Wie bringe ich jetzt Sport eigentlich am besten fest in meinem Alltag unter?
Es gibt in dem Zusammenhang übrigens Untersuchungen, die darauf hindeuten, dass sich auch die Möglichkeit, Homeoffice zu machen, in dieser Hinsicht negativ auf das Bewegungspensum vieler Leute ausgewirkt hat. Außer man schafft es natürlich, sich durch die Zeit, die man sich dann spart, mehr Zeit für richtige Sporteinheiten zu nehmen. Also zum Beispiel dann häufiger mal nach Feierabend direkt joggen zu gehen oder einfach in der Mittagspause eine Runde spazieren zu gehen. Also, weil man den Arbeitsweg quasi nicht hat, bewegt man sich ja logischerweise weniger. Also, interessanterweise, ich stelle das nicht nur beim Arbeitsweg fest. Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich bewege mich zu Hause einfach auch viel weniger, weil die Wege einfach noch mal kürzer sind und man viel eher, glaube ich, dazu tendiert, einfach vor seinem Rechner zu hocken und dann kaum aufzustehen.
Das ist wirklich so, hast du recht. Ja, stimmt. Wenn ich jetzt in einem Großraumbüro bin, muss ich ja einfach so auch schon mal weitere Wege zurücklegen. Es ist weiter in die Kantine als jetzt zu Hause in die Küche zum Mittagessen und so. Stimmt. Ja, okay. Also der Faktor Zeitmangel ist also das eine. Genau, das ist der eine Aspekt. Und dann gibt es natürlich auch Menschen, die mit körperlichen Einschränkungen oder bestimmten Erkrankungen zu kämpfen haben und auch deshalb vielleicht schwerer Sport machen können. Dann gibt es natürlich sozioökonomische Gründe, die eine Rolle spielen. Also vielleicht kann ich mir das Fitnessstudio oder den Sportkurs gar nicht leisten. Und dann schränkt das natürlich auch automatisch meine Möglichkeiten ein, Sport zu machen. Und ein ganz entscheidender Faktor ist dann natürlich das Thema Spaß und Motivation. Also wenn ich keine Freude an Sport und Bewegung habe, dann muss ich mich natürlich noch mal viel mehr aufraffen, als wenn ich eine Sportart gefunden habe, die mich wirklich begeistert und die ich auch gerne mache.
Ja, und da sind wir bei der großen Frage, Daniela: Wie schafft man es denn, Freude am Sport zu haben? Ja, um Freude an Sport zu haben und intrinsisch motiviert zu sein, also durch die Handlung selbst motiviert zu sein, ist es ganz wichtig, dass ich ein Sportangebot habe, das meine psychologischen Grundbedürfnisse erfüllt. Und das haben auch der Sportpsychologe Jens Kleinert und der Sportwissenschaftler Dennis Dreiskämper unterstrichen, mit denen ich vorher gesprochen habe. Und die Idee mit den Grundbedürfnissen, die fußt auf der Selbstbestimmungstheorie von den beiden US-Psychologen Edward Deci und Richard Ryan. Und ihr zufolge müssen drei Bedürfnisse befriedigt sein, damit wir Freude an einer Handlung haben können und damit wir eben intrinsisch motiviert sind. Und das ist zum einen das Bedürfnis nach Kompetenz, dann das Bedürfnis nach Autonomie und dann das Bedürfnis nach sozialer Eingebundenheit.
Und was heißt das jetzt? Kompetent fühle ich mich, wenn ich den Eindruck habe, dass ich dazu fähig bin, eine Handlung auch effektiv auszuführen. Also wenn ich zum Beispiel Herausforderungen bewältigen kann, wenn ich die Möglichkeit habe, Erfolge zu erzielen und meine Fähigkeiten weiterzuentwickeln. Mein Bedürfnis nach Autonomie wird befriedigt, wenn ich selbst mitentscheiden und so ein bisschen mitgestalten kann. Und sozial eingebunden bin ich, wenn ich eben das Gefühl habe, dass ich zu einer Gemeinschaft dazugehöre oder wenn ich über meine Tätigkeit positive Beziehungen zu anderen Menschen aufbauen kann. Und das gilt jetzt erstmal für Tätigkeiten ganz allgemein. Genau, das gilt für Tätigkeiten ganz allgemein, also nicht nur für Sport. Und alles, was ich im Prinzip aus einer intrinsischen Motivation heraus machen möchte und wo ich wirklich auch Freude dran haben will, da müssen diese Grundbedürfnisse erfüllt sein. Diese Grundbedürfnisse hat erstmal jeder Mensch, und ein Sportangebot muss natürlich nicht alles davon gleichzeitig erfüllen, aber es muss eben die Grundbedürfnisse erfüllen, die mir besonders wichtig sind und aus denen ich vielleicht auch Sport machen möchte. Und nur wenn das der Fall ist, dann habe ich eben auch Spaß und bin intrinsisch motiviert.
Und inwiefern spielt denn unsere Persönlichkeit bei so Sportvorlieben auch eine Rolle? Ja, ich habe ja schon ein bisschen angedeutet, gerade dass die Grundbedürfnisse für Menschen ganz unterschiedlich wichtig sein können und dass die Grundbedürfnisse auch zu verschiedenen Zeiten im Leben unterschiedlich wichtig sein können. Und die Persönlichkeit spielt dabei auch eine Rolle. Es gibt zum Beispiel Untersuchungen, die zeigen, dass Menschen, die eher neurotisch sind, die also eher emotional instabil und ängstlich sind, mehr Freude an Sport haben, wenn sie das Gefühl bekommen, kompetent zu sein. Also wenn sie zum Beispiel positives Feedback bekommen oder Lob von einem Trainer oder einer Kursleiterin. Und Personen, die weniger verträglich sind, sind im Gegensatz dazu im Schnitt eher mit Sportangeboten zufrieden, die ihnen viel Selbstständigkeit ermöglichen. Also zum Beispiel, wenn man viel Freiheiten im Trainingsplan hat oder vielleicht sogar flexibel entscheiden kann, wann trainiert werden soll, wie man sich warm macht, welche Übungen man jetzt genau machen möchte. Das ist da ein entscheidender Aspekt.
Und was ich ganz spannend finde: Soziale Eingebundenheit scheint tatsächlich vor allem für introvertierte Menschen wichtiger zu sein. Wahrscheinlich, das ist so eine Vermutung der Forscher, weil extrovertierte Menschen auch außerhalb von Sport leichter soziale Beziehungen knüpfen können. Aber für introvertierte Menschen scheint das eben wichtig zu sein. Und da scheint gerade auch Sport eine Möglichkeit zu sein, nochmal andere Menschen kennenzulernen und mit anderen Menschen vielleicht auch ins Gespräch zu kommen.
Interessant! Weil man hätte eigentlich gedacht, dass Introvertierte eher weniger diesen sozialen Kontext suchen beim Sport. Ja, das war auch die These der Forscher, die das untersucht haben. Und sie haben dann eben festgestellt, das Gegenteil ist tatsächlich eher der Fall. Also eigentlich ganz spannend. Ja, total! Genau, und alles in allem stimmt die Persönlichkeit natürlich nur so Tendenzen. Das sagt auch Jens Kleinert sehr deutlich. Also das heißt jetzt nicht, dass ich aufgrund meiner Persönlichkeit auf bestimmte Sportangebote oder sogar bestimmte Sportarten festgelegt bin.
Okay, verstehe. Und wie ist es denn mit den Motiven, aus denen ich Sport mache? Also wir haben ja über die Vorsätze gesprochen. Also die dahinterliegenden Motive sind ja dann oft: Ich will irgendwie gesünder sein oder muss man auch sagen: Ich will besser aussehen, zum Beispiel. Ja, also solche Motive spielen natürlich eine wichtige Rolle beim Sport. Die gehören in die Kategorie, die Psychologen als extrinsisch bezeichnen würden, weil die Motivation hier im Prinzip nicht aus der Handlung selbst kommt, sondern eher daraus, dass ich ein bestimmtes Ziel erreichen möchte. Und das kann natürlich ganz unterschiedlich stark motivieren. Also wenn ich zum Beispiel von meinem Arzt immer zu hören bekomme: „Machen Sie doch mal mehr Sport, sonst bekommen Sie Gesundheitsprobleme“, dann motiviert mich das natürlich weniger, als wenn ich selber überzeugt bin, dass ich Sport brauche, um gesund zu sein und mich vielleicht auch selbst als gesundheitsbewusste Person sehe. Aber auch hier gilt: Je besser ein Sportangebot an sich auf meine Motive zugeschnitten ist, aus denen ich Sport machen möchte, desto höher ist immer die Chance, dass ich auch motiviert bin und am Ende dabei bleibe.
Okay, also um das nochmal zu sortieren: Diese intrinsischen Geschichten, das ist so, was das Sportangebot selber quasi für mich bereithält und was ich damit verbinde. Ich bin da autonom, ich kann das irgendwie und habe einen sozialen Kontext. Und diese extrinsischen Sachen sind eher so, was jetzt von außen kommt. Also ich höre: Ich sollte gesünder leben oder ich sehe auf Social Media oder wo auch immer: Ich muss eigentlich besser aussehen. Das wären extrinsische Sachen dann. Genau, also auch sowas wie: Ich möchte gesünder sein, ich möchte fitter sein, ich möchte abnehmen, ich möchte besser aussehen. Das sind so ganz klassische Beispiele für extrinsische Motive. Wie gesagt, selbst dann, wenn wir uns selber dieses Ziel stecken. Der Unterschied liegt eben darin: Bei extrinsischen Motiven kommt die Motivation quasi von außen, also durch ein Ziel von außen. Und bei der intrinsischen Motivation kann man sagen, ist die Handlung einfach selbst so toll und die macht mir selbst so viel Freude, dass ich automatisch dabei bin.
Alles klar, verstehe. Und dann stellt sich natürlich für viele Menschen, die es auch mehr Sport machen wollen, die Frage: Wie erkennt man denn früh, das ist ein Sportangebot für mich, das passt zu mir? Ja, also ganz wichtig, wenn ich einen Sport suche, der mir Freude macht, ist, dass ich mich eben als erstes frage: Warum will ich denn Sport machen? Was ist mir wichtig? Welche Grundbedürfnisse sind mir eben auch besonders wichtig? Und dann suche ich mir ein Sportangebot, das vielleicht schon ein bisschen darauf zugeschnitten ist und probiere einfach mal für ein paar Wochen konsequent aus. Und danach kann ich dann ganz bewusst gucken und analysieren: Was hat mir Spaß gemacht? Welche Situationen haben mir vielleicht besonders gut gefallen? Und das kann ich dann weiter ausbauen. Weil oft ist es tatsächlich gar nicht die Sportart selbst, die das Problem ist, sondern eher das Sportangebot. Also wenn ich zum Beispiel Sport vor allem machen möchte, um Menschen zu treffen und mit denen in Kontakt zu kommen und ich fange jetzt an zu joggen, bin dann aber in einer Laufgruppe, die vielleicht für den nächsten Marathon trainiert, dann kann das natürlich sein, dass es total an meinem Bedürfnis vorbeiläuft, weil ich gar keine Absicht habe, das Ganze in irgendeiner Form kompetitiv zu machen oder vielleicht bis an meine Grenzen zu gehen in diesem Sport. Und deshalb ist es wichtig, dass man sich also überlegt: Was will ich von diesem Sport und was muss der mir bieten, damit der mir Spaß macht? Und da hilft natürlich, dass man viele Sportarten auf sehr unterschiedliche Art und Weise ausführen und auch variieren kann.
Die Frage ist ja immer: Wie lange bleibt man dann dabei oder wie lange sollte man es probieren? Ja, also Jens Kleinert, mit dem ich gesprochen habe, der sagt relativ klar: Drei bis vier Wochen sollte man schon ausprobieren. Und wenn man in der Zeit aber wirklich gar nichts dieser Sportart abgewinnen kann, dann sollte man auch überlegen, sich was anderes zu suchen. Denn wenn eine Sportart zu mir passt, dann sollte ich eigentlich von Anfang an schon so kleine Glücksmomente erleben.
Jetzt ist Anfangen ja das eine, und das Entscheidende ist ja aber auch, dann dabei bleiben, langfristig dran zu bleiben. Wie schafft man das? Also abgesehen davon, dass ich mir natürlich anschaue, dass das Sportangebot am besten zu meinen Bedürfnissen passt, ist es natürlich auch immer hilfreich, wenn ich mir einfach Tipps von Profis hole oder von Leuten, die eine Sportart eben schon sehr lange ausführen. Und dann kann ich zum Beispiel besser einschätzen: Was für ein Equipment brauche ich vielleicht? Die können mir ein paar Tipps geben. Die können mir auch helfen, dass ich so Trainingsfallen vermeide, also Dinge, die ich falsch mache und die dann vielleicht meine Motivation wieder killen oder die im schlimmsten Fall sogar dazu führen, dass ich mich vielleicht verletze oder meiner Gesundheit beim Sport schade.
Und Daniela, Frage zum Schluss noch, weil ich das auch von mir selber kenne: So Leute, die gerne Sport machen, selbst die kommen ja immer mal wieder in so, ich nenne es mal, Motivationstiefs. Also einfach Phasen, in denen man eben den Allerwertesten nicht hochkriegt. Was kann man denn da vielleicht tun? Ja, das ist eine ziemlich gute Frage, denn selbst wenn man einen Sport gefunden hat, der einem total Spaß macht und bei dem man auch grundsätzlich erstmal intrinsisch motiviert ist, dann ist es natürlich immer so, dass ich im Alltag einfach auch mal müde bin oder ich bin schlecht drauf. Und in den Situationen gibt es tatsächlich ein paar Tricks, die helfen. Die hat mir auch Jens Kleinert verraten. Und der erste Tipp ist, dass man sich am besten vorher schon überlegen sollte, wann man Sport machen möchte. Also wenn ich etwas regelmäßig tun möchte, und das gilt jetzt nicht nur für Sport, sondern im Prinzip auch für alle anderen Dinge, die ich mir vornehme, dann wissen wir aus der Motivationsforschung, dass es immer hilfreich ist, wenn ich mir Routinen dafür schaffe. Weil je mehr ich über irgendwas nachdenken muss und je mehr ich mit mir selbst darüber verhandeln muss, ob ich das jetzt tue oder nicht, desto höher ist die Chance, dass ich es am Ende eben nicht tue. Und es hilft, wenn ich mir Pläne mache. Also zum Beispiel, wenn ich sage: Jeden Dienstag und Donnerstag ziehe ich mir direkt nach Feierabend um 17 Uhr die Joggingschuhe an und gehe erstmal eine Runde laufen. Dann ist das eben viel hilfreicher. Und je konkreter die Pläne sind, desto besser. Das ist ein bisschen wie dieses Beispiel vom Anfang. Also wenn ich jeden Tag mit dem Fahrrad zur Arbeit fahre, dann muss ich darüber irgendwann gar nicht mehr nachdenken. Ich mache es einfach.
Genau, das ist die eine Vorgehensweise. Und was eben auch sehr hilft, ist, wenn ich eine hohe Selbstwirksamkeit habe. Also wenn ich zum Beispiel genau weiß, wie ich mein Training gut absolvieren kann. Also ich weiß: Welche Schuhe ziehe ich an? Wo laufe ich lang? Welches Tempo wähle ich? Wie lange mache ich meine Sporteinheit? Auch das sind Dinge: Je weniger ich darüber nachdenken muss und je weniger Unsicherheit damit verknüpft ist, desto leichter fällt es mir überhaupt, damit anzufangen.
Ja, das klingt gut. Und ich kann noch einen Tipp von mir dazugeben: Mir hilft immer, wenn es gar nicht mehr läuft, sich neues Equipment zu holen. Zum Beispiel neue Laufschuhe oder so. Das ist vielleicht kein ganz professioneller Tipp, aber mir hilft das immer, weil man die dann ausprobieren will. Den Trick kenne ich. Ich bin auch wahnsinnig leicht zu motivieren, indem ich mir ein neues Gadget anschaue, und dann benutze ich das. Also mich persönlich motiviert meine Fitnessuhr. Ich gehöre zu den Menschen, wenn das Ding sagt: „Geh jetzt deine 10.000 Schritte“, dann gehe ich meine 10.000 Schritte. Und ich habe das wirklich ein Jahr lang durchgezogen, ohne groß darüber nachzudenken, weil ich gesagt habe: Das ist das Ziel, und das mache ich jetzt. Also ich bin sehr leicht mit solchen Spielereien zu begeistern.
Ja, aber dafür muss man sich eben auch ein bisschen kennen und auch ein bisschen wissen, wo man gepackt werden kann von bestimmten Motivationen. Genau, also ein Trick, der, glaube ich, auch bei sehr vielen Menschen funktioniert, ist, dass man sich einfach soziale Verbindlichkeit schafft. Also ich frage eine Freundin, ob wir nicht zusammen Badminton spielen gehen wollen. Dann verabreden wir uns, und dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ich eben auch komme, weil sonst würde ich ja diese andere Person hängen lassen. Also das ist auf alle Fälle hilfreich. Körperliche Aktivierung hilft auch. Wenn ich gerade auf der Couch abhänge, dann erstmal aufstehen, sich vielleicht beherzt auf die Schenkel klopfen, mal strecken, um überhaupt erstmal so ein bisschen aus diesem Schlafmodus wieder rauszukommen. Und am wichtigsten oder am wirkungsvollsten ist es natürlich, wenn ich es schon vor dem Training schaffe, so eine Art Vorfreude aufzubauen. Also an dem Punkt ist die Forschung noch nicht so weit, aber wahrscheinlich hilft es, wenn man sich zum Beispiel schon mal versucht, in die Situation hineinzuversetzen und sich vorzustellen, wie es dann gleich ist, wenn ich zum Beispiel durch den Wald laufe mit der klaren Luft oder das entspannte Gefühl, wenn ich gleich auf der Yogamatte stehe.
Und ich würde sagen, hier schließt sich der Kreis dann auch thematisch ganz wunderbar wieder. Absolut! Ja, ich kenne das auf jeden Fall auch. Und dann, wenn ich keine Lust habe, zu laufen, stelle ich mir meistens die Brücke vor, über die ich da immer laufe, wo man so schön über den Fluss hier gucken kann. Dann geht das immer irgendwie ein bisschen mit der Motivation.
Ein total spannendes Thema und total spannende Ansätze, die du uns hier berichtet hast aus der Forschung. Denn Motivation, egal ob es jetzt beim Sport ist oder bei anderen Tätigkeiten, geht uns natürlich alle an. Und speziell mit dem Thema Sport und Fitness habt ihr euch bei Spektrum.de auch gerade in einem Themenschwerpunkt eben zum Jahresstart und den vielen guten Vorsätzen beschäftigt. Da gibt’s, empfehle ich euch allen, auch noch viele andere spannende Artikel, beispielsweise zu Muskelgedächtnis und auch zur Frage, warum man eigentlich trotz mehr Sport häufig nicht abnimmt. Große Empfehlung, schaut euch das mal an auf Spektrum.de.
Und dir, liebe Daniela, sage ich vielen, vielen Dank, dass du mal wieder da warst. Ciao! Das war’s für diese Woche vom Spektrum-Podcast. Vielen, vielen Dank euch fürs Zuhören. Seid gern auch kommende Woche wieder dabei. Wie immer am Freitag gibt’s dann eine neue Folge von uns. Und bis dahin freue ich mich, wenn ihr den Podcast abonniert, kommentiert, bewertet und gern auch fleißig teilt. Das hilft uns sehr. Auch dafür vielen Dank! Mein Name ist Max Zimmer und ich sage Tschüss und macht’s gut! Spektrum der Wissenschaft, der Podcast von detektor.fm.