Wir brauchen Chips, und zwar dringend. Mikrochips, die stecken ja quasi in allen Geräten, die wir heute so benutzen. Und wir sind krass abhängig von den USA, was das betrifft. Denn aktuell stammen nur rund 10 Prozent der weltweit produzierten Chips hier aus Europa. Das soll sich aber ändern. Unser Thema heute im Spektrum-Podcast. Mein Name ist Marc Zimmer. Schön, dass ihr dabei seid. Spektrum der Wissenschaft, der Podcast von detektor.fm.
Ja, ohne Mikrochips geht gefühlt gar nichts mehr. Kaum ein elektronisches Gerät kommt noch ohne sie aus. In Smartphones zum Beispiel stecken allein rund 50 dieser Chips drin, in Verbrennerfahrzeugen mehr als 1000, und sogar Waschmaschinen sind heute teilweise darauf angewiesen. Vom Bedarf, der durch KI noch entsteht, da wollen wir gar nicht erst anfangen. Also damit lässt sich eine Menge Geld verdienen. Und dabei ist quasi die ganze Welt von den USA abhängig, denn die US-Firma Nvidia hat so eine Art Monopol, könnte man fast sagen, aufgebaut. Europa dagegen ist hier ziemlich abgehängt, was diese Mikrochips betrifft, aber das soll sich ändern. Und der Schlüssel, der könnte eine neue Art von Chip sein, der sich stärker am menschlichen Gehirn orientiert. Und darüber will ich sprechen mit Manon Bischoff. Die ist Physikerin und bei Spektrum der Wissenschaft Redakteurin für Mathematik, KI und Physik. Und sie hat so eine Chipfabrik besucht. Hallo Manon.
Hi Marc. Manon, dann nimm uns doch mal mit. Du warst in Dresden. Wo denn genau und wie sah es da aus? Genau. Also ich war mit einer Pressereise in Dresden unterwegs, also genauer gesagt im Norden von Dresden. Und dort haben wir verschiedene Plätze abgeklappert. Also wir haben uns angeschaut, wie eine Fabrik von Infineon gebaut wird, wie eine Fabrik vom europäischen Ableger von TSMC gebaut wird. Und wir waren in Global Foundries. Das ist halt eben so eine Chipfabrik, eine der größten in Europa. Und ja, also was wir dort gesehen haben, erstmal natürlich waren sehr, sehr viele Kräne. Überall wurde halt gebaut. Wie gesagt, die Chipfabriken, die schießen dort gerade so aus dem Boden. Und aber Global Foundries ist da schon länger, ist auch schon ganz fertig. Und die hat einen Reinraum, der ist 60.000 Quadratmeter groß. Und ich weiß nicht, ob du schon mal in einem Reinraum warst, auch persönlich.
Tatsächlich ja. Ach cool, ich habe gehört, das ist super selten. Ich weiß auch nicht, gibt es da irgendwie Abstufungen noch oder so? Ich habe mal tatsächlich einen Studijob gemacht in einem Pharmaunternehmen in der Produktion. Da musste man durch so eine Schleuse durch, aber vielleicht ist das nochmal krasser gewesen, wo du jetzt warst. Ja, es gibt verschiedene Arten von Reinräumen, und ich habe das das erste Mal gesehen, als ich Monk geguckt habe. Ich weiß nicht, die Serie? Ja, klar. Und da hat er ja irgendwann diese Krise, weil die Müllabfuhr nicht funktioniert und alles ist dreckig. Und dann wird er in so einen Reinraum gebracht, und alles ist super sauber. Also ein Reinraum, da muss alles rein sein, da darf halt kein Staub sein. Und es gibt verschiedene Abstufungen, je nachdem, wie viele Verschmutzungen halt erlaubt sind pro Kubikmeter Luft, zum Beispiel. Und Chipfabriken sind da halt schon sehr, sehr streng. Also genau, als wir dort rein sind, also wir durften nichts mit reinnehmen. Ich durfte auch kein Handy mitnehmen, leider. Das heißt, ich konnte selbst keine Bilder machen, aber wir hatten dann eine Kamera dabei. Die wurde halt vorher extra sauber gemacht und so. Dann mussten wir uns halt umziehen. Also wir haben aus den Straßenklamotten raus, dann haben alle in weißen Shirts, eine graue Jogginghose bekommen und so weiße Schuhe, wie auf so einer Bowlingbahn. Dann hatten wir halt noch Mundschutz, das waren wir ja alle von Corona gewohnt. Dann Handschuhe, eine Haube für die Haare, dann so ein ganz dünner Körperanzug. Und dann gab es halt nochmal eine zweite Schicht, nochmal eine Haube, dann irgendwie nochmal eine zweite Schicht Handschuhe. Also ja, musste alles abgedeckt sein. Und dann konnten wir halt rein in diesen Reinraum, und es war halt wahnsinnig laut. Also waren total viele Maschinen, so große. Die Luft war halt wahnsinnig trocken. Also ich habe gemerkt, dass meine Augen halt direkt so trocken wurden und die so leicht tränten. Und es war halt auch sau warm in diesen ganzen Schichten, die ich anhatte. Ja, und dann an der Decke war so ein kilometerlanges Schienensystem. Da sind so kleine Wagen entlang gepflitzt, und in denen waren halt eben diese Kassetten voll mit Mikrochips.
Jetzt ist das ja eine Produktionshalle immer noch. Also da wird ja nicht am offenen Herzen operiert. Warum denn dieser krasse Schutz, bevor man da reingeht? Ja, die Elektronik ist halt zum Teil echt nur so ein paar Nanometer groß. Und wenn da jetzt so ein Staubkorn drauf landet, dann kann es halt einen Kurzschluss geben. Also da läuft ja Strom lang, und dann ist halt einfach alles kaputt. Und es dauert halt teilweise Monate, um so einen Wafer voll mit Chips anzufertigen. Das heißt, man hat dann halt durch Staub einfach monatelange Arbeit kaputt gemacht. Also man muss dann halt aufpassen, dass da halt echt keine Feuchtigkeit, kein Schmutz, keine kleinen Partikel und so weiter.
Okay, das ist ganz schön anspruchsvoll. Und das alles, um eben diese wertvollen Chips zu schützen. Vielleicht, Manon, steigen wir mal so in die ganze Sache ein. Warum sind denn Chips heute so wichtig? Also du hast ja am Anfang so schön gesagt, Mikrochips sind halt in so gut wie allen elektronischen Geräten. Also du hast ja aufgezählt: Smartphones, ungefähr 50, Verbrennerfahrzeuge, mehr als 1000. Waschmaschinen haben Chips, irgendwie alles, was elektronisch ist. Und die meisten davon können auch zumindest theoretisch in Europa gefertigt werden, bis auf eine Sorte. Und das sind halt die Mikroprozessoren, von denen man halt am meisten hört, nämlich die, mit denen halt Grafikkarten betrieben werden. Also halt genau die Mikroprozessoren, auf denen so große KI-Modelle wie GPT CLOT und so weiter halt entwickelt werden und auch laufen. Und ja, also ich meine, wer die leistungsfähigsten Chips hat, der entscheidet halt darüber, wer die besten KI-Modelle entwickeln kann. Und hier scheint es ja so, als wäre Europa eigentlich abgehängt, beziehungsweise eigentlich die ganze Welt fast bis auf die USA. Weil die US-Firma Nvidia da ja ein Monopol, eigentlich muss man schon so sagen, aufgebaut hat. Und wie konnte das soweit kommen? Also warum gibt es das zum Beispiel bisher kaum aus Europa oder gar nicht? Ja, das habe ich mich auch gefragt, weil ich bin ja jetzt auch keine Expertin auf Technikfragen. Und also solche Chipfabriken zu bauen, das habe ich halt dort gefragt, das ist halt natürlich extrem teuer, kann man sich vorstellen. Also schon die, die jetzt hochgezogen werden da in Dresden, kosten sehr viel Geld. Aber wenn man halt die Chipfabriken, die diese Mikrochips, die diese wirklich nanometergroßen Chips bauen will, die sind doch mal viel, viel teurer. Und um die Chips überhaupt anzufertigen, braucht man so eine Maschine, die nur in den Niederlanden hergestellt wird von ASML. Und die Mikrochips, diese ganz kleinen, die werden auch in Taiwan hergestellt bei TSMC. Und die wiederum werden dann in den USA von Nvidia zusammengesetzt. Und Nvidia war natürlich clever. Also die haben nicht nur diese Hardware, diese Grafikkarten, die wahnsinnig gut sind, die haben auch so ein ganzes Software-Ökosystem aufgebaut. Und darauf beruht inzwischen eigentlich ein Großteil der modernen KI-Software. Also ich weiß noch, dass ich während meines Studiums auch auf Grafikkarten programmieren musste, aber für was ganz anderes, für so eine Physik-Sache. Und damals haben wir auch CUDA benutzt. Und das ist halt eben die Programmiersprache, die von Nvidia kommt und die nur auf Nvidia läuft. Und wenn man jetzt eben andere Hardware nutzen wollen würde, also andere Grafikkarten, da muss man halt extrem viel Aufwand betreiben, weil man halt eben nicht diese ganzen CUDA-Anwendungen und alles, was drumherum gibt, was Nvidia gebaut hat, von der Software halt nutzen kann. Also es muss sich halt extrem lohnen, dass man halt auf was anderes zurückgreift. Manu, vielleicht fällt mir gerade noch ein, weil wir immer von Nanometern sprechen. Man muss vielleicht auch wirklich nochmal sagen, wie klein das hier alles ist. Weil man denkt jetzt vielleicht an irgendeine Platine, die man mal gesehen hat, weil man sein Handy aufgekloppt hat oder weil, keine Ahnung, der Rechner früher auf dem man gezockt hat, irgendwie sowas drin war. Aber wir reden wirklich hier auf mikroskopischer Ebene eigentlich. Ja, also ein Nanometer ist ein Milliardstel Meter. Ja, das ist super klein. Also es ist etwa zehnmal so groß wie ein Atom. Also nur um das mal so ein bisschen eine Größenordnung zu haben. Nicht, dass man schon mal ein Atom gesehen hätte, aber so klein, ja.
Ja, okay, und deswegen weiß man auch, warum ein Staubkorn dann so viel Schaden anrichten kann, weil das potenziell sogar größer ist. Ja, genau. Okay, gut. Also wir haben jetzt die Situation, dass wir so eine Art Monopol haben in den USA bei Nvidia. Und man versucht das jetzt, sag ich mal, zu ändern. Das ist ja auch Teil dessen, was du von deiner Reise aus Dresden mitgenommen hast. Wie denn? Genau, also man muss halt zukunftsorientiert dann denken. Also die Frage ist ja, ob Grafikkarten für immer die beste Lösung für KI bleiben. Und die sind nämlich extrem energieintensiv. Also das hört man ja immer wieder, wie viel Strom KI verbraucht. Und die Frage ist, vielleicht gibt es ja einen ganz anderen Ansatz, um KI-Chips zu bauen, die wesentlich energiesparender sind. Und zu diesem Thema gibt es zum Glück in der EU und insbesondere halt auch in Deutschland und Dresden viel Forschung und teilweise sogar schon marktreife Produkte.
Ja, und das bringt mich auch zu meiner entscheidenden Frage, nämlich warum eigentlich Dresden? Also okay, da gibt es eine TU, das weiß ich, insofern, aber of all places, why Dresden? Ist schön dort. Das stimmt allerdings, ja. Ja, also man muss dazu sagen, man muss dafür halt ein bisschen weiter ausholen. Also aktuell stammen nur rund ungefähr 10 Prozent der weltweit produzierten Chips überhaupt aus Europa. Und das soll aber nicht so bleiben. Also das möchte Europa halt ändern. Und deswegen gibt es den European Chips Act, der 43 Milliarden Euro an Fördermitteln bereitstellt. Und mit dem Ziel, halt eben diesen Marktanteil von 10 Prozent bis zum Jahr 2030 zu verdoppeln. Also bis 2030 sollen 20 Prozent der weltweit produzierten Chips aus Europa stammen. Das ist so das Ziel. Und federführend dabei sind halt eben Dresden und die Umgebung. Also die Region wird auch als Silicon Saxony beworben inzwischen. Es soll so ein Silicon Valley in Europa sein. Und die Politik und die EU-Projekte, die haben halt Chip-Herstellern Anreize gegeben, sich dort niederzulassen. Also man konnte sich halt als Region bewerben, und Dresden hat das halt bekommen. Und teilweise werden halt die Chipfabriken mit Fördergeldern gefördert, und es wird denen halt attraktiv gemacht, dass die halt dorthin kommen. Und auch Dresden und Umgebung versuchen da halt viel zu machen. Also die haben jetzt mittlerweile internationale Schulen, die bauen den ÖPNV aus und so weiter. Die reden halt auch mit den Leuten und den Arbeitgebern, wie sie es halt attraktiver machen können, damit Fachkräfte halt dorthin kommen. Weil tatsächlich gibt es auch in Deutschland nicht genug Fachkräfte. Es wird zwar auch ausgebildet in dem Bereich, aber genau, teilweise müssen die halt noch aus dem Ausland kommen. Und was ich auch sehr spannend fand, als ich vor Ort da mit den Leuten geredet habe, ist, dass TSMC überall auf der Welt so baugleiche Chipfabriken aufbaut. Also fast baugleich. Die sehen wohl, also offenbar ist es so, weil die ihre Mitarbeitenden halt von Standort zu Standort verschieben, je nachdem, wo es halt Bedarf gibt. Und das Ziel ist quasi, egal wo sie sind, ob sie jetzt in Mexiko stehen, in Deutschland oder in Taiwan, die laufen in diese Fabrik rein, und alles sieht ziemlich genauso aus. Und sie bewegen sich da drin und wissen genau, wo was steht und müssen gar nicht lang angewiesen werden. Und deswegen, also TSMC zum Beispiel bringt halt wohl seine eigenen Bauarbeiter und seine eigenen Mitarbeiter und so mit. Genau, da werden jetzt nicht so viele Stellen von denen vor Ort geschaffen, was natürlich jetzt auch nicht unbedingt optimal ist für die Region. Trotzdem landet da natürlich a eine Menge Geld und b eine Menge Know-how. Und man kann das mit Silicon Saxony und der Wortschöpfung ein bisschen belächeln. Aber natürlich im Silicon Valley sind ja über die Jahre und Jahrzehnte auch unfassbar viele Synergien entstanden. Also diese Unternehmen pushen sich gegenseitig, und deshalb ist es auch der Standort, der es ist. Warum dann nicht klein anfangen? Weil das muss man sicherlich auch dazu sagen, bei dem ganzen Thema Chips und Monopole und Zukunftsfragen, das ist alles auch sehr politisch.
Total, ja. Also als ich da auch recherchiert habe, und es ändert sich ja auch sehr viel immer wieder in dem Bereich, aber genau, Politik spielt da eine ganz, ganz große Rolle. Und Chip-Herstellung ist schon lange nicht mehr einfach nur ein technisches Thema, sondern es prägt halt wirklich die politische Tagesordnung. Und als Beispiel: 2022 haben die USA zum Beispiel so ein Exportverbot für leistungsstarke KI-Beschleuniger, wurde das genannt, also halt eben so Chips nach China verhängt. Also das heißt, chinesische Unternehmen durften halt gewisse Nvidia-Grafikkarten, die halt besonders gut für Sprachmodelle waren, nicht mehr kaufen. Und als Grund waren halt Sicherheitsbedenken. Und es war jetzt ziemlich überraschend für die Welt, als die Trump-Regierung halt Teile dieser Exportbeschränkungen 2025 wieder zurückgenommen hat. Und auch Europa war halt teilweise davon betroffen. Also die beiden Administrationen, die haben tatsächlich auch den Export der KI-Chips in manche europäische Länder beschränkt. Und dieser Schritt wurde zwar auch wieder umgekehrt, aber das könnte sich ja jederzeit ändern. Also wir sind ja stark abhängig halt davon, ob wir die bekommen oder nicht. Und deswegen versucht halt die EU immer unabhängiger zu werden. Und gerade deswegen sind ja auch solche Ziele wie Silicon Saxony, wo es halt Fabriken auch von Playern aus der ganzen Welt und halt auch von deutschen Unternehmen gibt, so wertvoll.
Ja, und es ist ja auch nicht nur eine wirtschaftliche Frage, sondern auch sicherheitspolitisch. Da spielt das ja sicherlich alles eine große Rolle. KI und Chips und so weiter. Und klar, da will man sich natürlich in diesen unsicheren Zeiten dann auch ein bisschen unabhängiger machen als Europa. Aber das ist sehr sehr spannend, vor allem weil der Weg dahin, vielleicht, wenn ich dich richtig verstanden habe, und deinen Artikel über eine neue Art von Chip führen soll. Und zwar möchte man, du kannst gleich erklären, was das bedeutet, das menschliche Gehirn nachbauen. Neuromorph nennt sich das Ganze. Dann erklär mal.
Genau, also Deutschland setzt halt bei KI-Chips eher auf Innovation. Also vor allem an Universitäten wird darauf gesetzt. Und ich habe ja schon angeteasert, also der Nachteil aktueller Chips für KI sind halt die Ressourcen, also dass die wahnsinnig viel Strom und so weiter verbrauchen. Und wenn man sich jetzt anschaut, das menschliche Gehirn, das braucht halt nur ganz wenige Watt an Leistung, und es übertrumpft halt Sprachmodelle noch heute irgendwie bei vielen Aufgaben. Also das ist super energieeffizient. Und wie das genau gelingt im Detail, ist halt bis heute nicht ganz klar. Aber was wir wissen, auf jeden Fall ist, dass unser Gehirn völlig anders aufgebaut ist als die Hardware, die wir heute benutzen in Rechnern. Und deswegen ist es schon, also das ist auch keine neue Forschungsfrage, sondern seit den 80er und 90er Jahren versuchen Fachleute schon, das menschliche Gehirn irgendwie elektronisch nachzubauen. Und dieses Forschungsfeld wird als neuromorphes Rechnen halt bezeichnet. Es erscheint ja auch erstmal irgendwie super naheliegend, gerade aus der heutigen Perspektive. Also die meisten KI-Systeme, diese großen, die fußen ja auf neuronalen Netzen, also in der Software. Und die ist ja am Aufbau vom Gehirn orientiert. Das heißt, die Software versucht ja schon, unser Gehirn zu kopieren, aber die Hardware halt eben noch nicht. Und deswegen erscheint es erstmal so naiv gesehen naheliegend zu sagen, hey, man könnte doch eins zu eins Software auf die Hardware übertragen, sodass irgendwie jede Prozessoreinheit ein Software-Neuron halt ist und ja quasi das physische dasselbe ist wie das, was halt drinnen abläuft in der Maschine. Das erscheint erstmal naheliegend. Das Problem ist, unser Gehirn ist halt ein riesiges Netzwerk. Also wir haben ja echt Millionen und Abermillionen von Neuronen. Das Ganze so physisch umzusetzen, erstmal schon mal ein bisschen schwierig. Das andere ist dann noch, wenn man einmal so ein Netzwerk wirklich aus Hardware aufgebaut hat, dann kann man in der Größe und in der Struktur halt nicht mehr viel variieren. Also man hat dann halt ein Programm, was da drauf läuft, aber ich kann jetzt nicht sagen, ich möchte, dass mein neuronales Netz ein bisschen anders aussieht. Vielleicht brauche ich ja mehr Neuronen hier, die mit dem hier verbunden sind. Und wenn ich das hart verkabelt habe, ist es sehr, sehr starr. Und ein weiteres Problem ist, man muss für solche Systeme völlig neue Software schreiben. Und zwar vom Grund auf. Und ja, das sind alles sehr große Herausforderungen.
Wie weit ist man denn dabei? Es geht so, sage ich mal. Also es ist halt super, super schwer, Anwendungen auf neuromorphe Hardware zu entwickeln. Und das, obwohl es wird jetzt schon seit Jahrzehnten echt an neuromorphen Rechnern und so geforscht. Und trotzdem gibt es jetzt noch nicht diese eine Anwendung, wo man sagt, da haben wir echt einen Durchbruch erzielt. Also es wird viel versucht, aber es ist sehr, sehr schwerfällig. Und deswegen haben auch einige schon den Ansatz verlassen. Andere sagen, nee, wir stehen kurz davor, so einen Durchbruch zu haben, wie das halt oft so ist. Es gibt aber etwas, was schon wesentlich ausgereifter ist und auch schon marktreif, kann man sagen. Und das ist ein hybrider Ansatz. Und da gibt es eine Firma in Dresden, die heißt SpinCloud. Und die ist halt neuromorph inspiriert, aber nicht streng neuromorph. Also nicht dogmatisch. Ja. Nicht dogmatisch. Ich habe mit Christian Meier, einem der Gründer dieser Firma und der auch Prof an der Uni Dresden gesprochen. Und er meinte, dass einige Fachleute ein bisschen zu dogmatisch da sind, dass sie sagen, nee, wir müssen eins zu eins das Gehirn kopieren. Und er nutzt einige Merkmale des Gehirns. Also zum Beispiel in unserem Gehirn ist es so, dass quasi die Berechnungen und die Speicher, also da, wo wir Dinge speichern und uns erinnern, dass die dezentral im Gehirn verteilt sind. Also wir haben sowohl quasi die Synapsen, die als eine Art Speicher, und unsere Neuronen sind die Art Rechenzentren. In Computern ist es ja komplett anders. Da haben wir ja einen Speicher an der einen Seite, ein fettes Gerät und den Prozessor, der halt die Berechnungen macht, an der anderen Stelle. Ja, genau. Und die Informationen müssen immer wieder hin und her geschickt werden. Und das frisst total viel Strom. Also dieses Hin- und Herschicken, das ist halt ein großes Problem. Und das zum Beispiel wird bei SpinCloud verändert. Also die haben auch diesen dezentralen Aufbau, ähnlich wie beim Gehirn. Und sie haben auch den Vorteil, dass sie die einzelnen Bauteile, die gerade nicht gebraucht werden bei einer Berechnung, zum Beispiel, dass sie deren Energie einfach nachregeln können. Also die können sagen, ah, dieser Bereich wird gerade nicht gebraucht, da schalten wir mal so die Energie runter, sodass die gerade keinen Strom verbrauchen. Und das ist bei heutigen Rechenanwendungen, also bei Grafikkarten oder so, geht das gar nicht. Da ist alles immer an, und das verbraucht natürlich auch mehr Strom. Aber anders als rein neuromorphe Ansätze basiert trotzdem die ganze Maschine, die die haben, auf ganz normalen Rechenkernen. Das heißt, die können ganz normale Programme ausführen. Und das ist eben ein entscheidender Vorteil, weshalb es halt jetzt schon viel einfacher nutzbar ist. Weil man kann im Prinzip heutige Software nehmen, man muss die nur leicht umschreiben. Das geht wohl, aber automatisiert. Und kann dann das Programm auf diesem SpinNaker-Chip, so heißt der halb neuromorphe Chip, ausführen. Und die haben das mit Sprachmodellen gemacht und haben halt festgestellt, sogar ohne die Sprachmodelle krass zu optimieren, braucht es ungefähr 18 Mal weniger Energie als auf gewöhnlicher Hardware. Das ist ja schon mal was. Das ist auf jeden Fall schon mal was. Und das ist was, was halt auch die ganzen KI-Firmen auch mittlerweile natürlich merken. Und auch immer mehr in neuromorphe Technologie rein investieren oder zumindest so ein paar Projekte laufen lassen und sich das auch angucken. Und was ich besonders beeindruckend fand, war, dass seit 2025 die US-amerikanische Forschungseinrichtung Sandia National Laboratories einen Supercomputer mit diesen SpinNaker-Chips aus Dresden betreibt.
Ah, krass. Ja, okay. Also die nutzen das schon. Und als ich mit Christian Meier da gesprochen habe, war der halt sehr stolz, natürlich darauf, und hat das erzählt, war aber irgendwie auch sehr frustriert, weil er meinte, in Europa, da wird das nicht gekauft. Und da lässt man lieber die Finger davon von seinen Chips und von den neuromorphen Chips oder generell, weil man sich halt eben nicht auf diese neuen Technologien direkt einlassen will.
Mhm, okay. Ja, gut, das ist vielleicht eh so ein bisschen die Grundfrage, inwiefern ist das Problem schon erkannt und inwiefern wird einiges getan. Also du kannst ja aus Dresden auch irgendwie berichten, dass da natürlich viel am Entstehen ist und so weiter. Aber wir haben ja auch gesagt, es hat eine sehr große politische Komponente und auch, woher gibt es Gelder und sowas. Was muss denn immer nur abschließend noch getan werden, damit in Zukunft eben Europa auch stärker A seine eigenen Chips los wird und B, dass man da eben auch ein bisschen autonomer wird? Ja, das ist eine gute Frage. Also ich denke, die Frage ist natürlich, also wenn man jetzt in aktuelle Technologie investieren will, wie aktuelle Grafikkarten, dann bräuchte man halt ein Werk, wo halt eben diese Chips in Europa gebaut werden. Das ist aber derzeit wohl nicht geplant, eben wie gesagt, weil die zu teuer sind. Dafür reichen wohl die Fördersummen nicht so richtig aus. Was ich sonst nur sagen kann, ist, dass laut Christian Meyer, wie gesagt, er der Meinung ist, dass man in Europa relativ konservativ ist und meistens erstmal schaut, was machen die USA und nicht so ein bisschen ja, dieses Risikoreiche, wir versuchen mal einen ganz neuen Ansatz oder so da rein zu investieren, dass ihm das so ein bisschen fehlt. Und er sagt, dass er ein bisschen enttäuscht war, gerade auch als DeepSeek aufkam. Darüber hatten wir ja auch mal im Podcast gesprochen. Das war dieses KI-Modell aus China, das alle überrascht hatte, weil es halt eben deutlich weniger Ressourcen gebraucht hat, als man immer dachte. Und er sagte, ja, DeepSeek war so ein Moment, wo auf einmal in der Forschungswelt klar wurde, hey, schau mal, also vielleicht sind unsere Annahmen gar nicht alle richtig. Vielleicht müssen wir einfach mal was wagen, was versuchen. Und er hatte gehofft, dass es in Europa auch so ein bisschen einen Schwung gibt, dass man in der Technologiebranche, dass man sich vorwagt und auch was probiert. Und er meinte aber, dass in seinem Gefühl zumindest dieser Moment sehr schnell wieder vorbei war und man einfach nicht mehr viel darüber gesprochen hat. Und dass das so ein bisschen schade ist, dass man nicht eben Neues wagt und Neues versucht. Merkt euch auf jeden Fall die Stichworte Dresden und Neuromorph, wenn es um die europäische Chips-Zukunft geht. Und wenn ihr das alles nochmal nachlesen wollt, dann könnt ihr Manons Artikel finden auf spektrum.de. Da findet ihr auch nochmal Fotos, auch immer noch aus dem Reinraum, glaube ich, waren welche dabei. Genau, ja. Das kann man sich dann auch nochmal ein bisschen besser vorstellen. Und ja, Manon, dir sage ich vielen, vielen Dank fürs Erklären. Ja, danke dir für die Einladung. Sehr, sehr gerne. Danke. Euch auch fürs Zuhören. Von uns war es das für diese Woche beim Spektrum-Podcast. Aber natürlich, wie immer, gibt es eine neue Folge von uns dann schon kommenden Freitag. Schaltet auch gern dann wieder ein. Und bis dahin gerne abonnieren, kommentieren, bewerten und teilen. Das hilft uns sehr. Auch dafür vielen, vielen Dank. Mein Name ist Max Zimmer und ich sage Tschüss und macht’s gut. Spektrum der Wissenschaft, der Podcast von detektor.fm. Spektrum der Wissenschaft.