Unterirdische Wärmespeicher gelten als Schlüsseltechnologie für unsere Energieversorgung der Zukunft. Denn die Idee ist, dass wir überschüssige Energie im Sommer unter der Erde speichern und sie dann im Winter, wenn wir sie brauchen, nutzen können. Eine super Idee, aber diese Technologien müssen noch beweisen, dass sie nicht nur für kleine Siedlungen, sondern vielleicht auch für ganze Städte funktionieren und die durch den Winter bringen. Darum geht es heute bei uns im Spektrum-Podcast. Mein Name ist Max Zimmer. Schön, dass ihr dabei seid. Spektrum der Wissenschaft, der Podcast von detektor.fm. Ja, die Energiewende ist wahrscheinlich eine der größten Herausforderungen, die wir gerade alle so zu meistern haben. Und wir denken da ganz oft natürlich erstmal an Strom. Aber ein Großteil unserer Energie wird nicht als Strom, sondern als Wärme verbraucht. Jetzt gerade in der Heizperiode merken wir das auch alle. Und klar ist, wir müssen in Zukunft effizientere, klimaschonende Energiequellen entwickeln. Das ist das eine. Eine andere Baustelle ist aber eben auch die Frage, wie wir Wärmeenergie besser speichern können. Und da gibt es einen großen Hoffnungsträger, nämlich unterirdische Speicher. Die Idee ist ziemlich simpel: Die überschüssige Wärme aus Kraftwerken und der Industrie wird gespeichert, sodass wir sie dann im Winter, wenn sie gebraucht wird, nutzen können. Erste Projekte gibt es da schon, aber auch noch eine Menge Herausforderungen. Und all das hat sich Thomas Siebel gerade angeschaut. Der ist Redakteur bei Spektrum der Wissenschaft und heute mein Gast hier im Podcast. Hallo Thomas! Hallo Max! Thomas, wie funktionieren saisonale unterirdische Wärmespeicher, so nennt man das grundsätzlich? Ja, das Grundprinzip hast du gerade genannt. Man nimmt Wärme, die im Sommer zu viel da ist, presst sie in den Untergrund. Der Untergrund speichert die Wärme und im Winter holt man sie wieder raus. Das hört sich jetzt total einfach an. In Wirklichkeit ist es ein bisschen komplizierter, aber vielleicht gar nicht so viel. Tief unter der Erde gibt es Achtung: Gestein und Wasser. Und dort unten ist es auch ein bisschen warm, aber nicht heiß. Zumindest nicht dort, wo man jetzt so ohne weiteres mal hinbohren kann. Also wenn man jetzt zum Beispiel ein Loch von 500 Metern Tiefe bohrt, dann ist es dort unten, naja, je nachdem, wo man rauskommt, 20 bis 30 Grad warm. Und durch dieses Loch, das man dann gebohrt hat, kann man zum Beispiel heißes Wasser runterpumpen. Heißes Wasser, das man zum Beispiel vorher aufgeheizt hat mit der Überschusswärme von Kraftwerken, von Rechenzentren, von Solaranlagen, die auch alle im Sommer laufen und zusätzlich Wärme produzieren, die dann keiner braucht. So, da pumpt man dann beispielsweise 90 Grad heißes Wasser runter und dadurch wärmt sich dort unten in der Tiefe, also das Gestein oder das Grundwasser, auf, nimmt die Wärme auf. Und das Tolle ist, dass die Wärme dort unten ziemlich lange gespeichert werden kann. Das heißt, sie dissipiert gar nicht mal so schnell. Die bleibt dort unten. Und so funktioniert im Prinzip das Beladen eines Wärmespeichers. Im Winter geht man dann wieder hin und holt die Wärme wieder raus und speist sie zum Beispiel in ein Fernwärmenetz ein oder heizt damit ein Gebäude, das in der Nähe des Speichers steht. Aber wie holt man die Energie dann zurück von da unten? Also im Grunde geht es genauso, wie man die Wärme reinbringt. So holt man sie wieder raus, eben auch über Wasser. Dieses Mal pumpt man kein heißes Wasser von oben nach unten, sondern man pumpt das dann aufgewärmte Wasser von unten wieder nach oben an die Oberfläche, beheizt dann mit diesem Wasser Gebäude oder man speist die Wärme ein in Fernwärmenetze, beispielsweise. Dadurch kühlt sich das Wasser ab und dann pumpt man es eben wieder runter. Alles geht also über Wasser als Energieträger. Ich muss da ein bisschen in die Technik einsteigen. Es gibt also zwei Speichersysteme: den Aquiferspeicher und den Erdwärmesondenspeicher. Besonders interessant ist vor allem mal der Aquiferspeicher. Vielleicht erst mal zu dem Namen: Ein Aquifer ist eine wasserführende Steinsschicht, also poröses Gestein, und in den Poren ist Wasser drin, das möglichst auch nicht allzu schnell fließt. Am besten fast gar nicht fließt. Das ist so mehr oder weniger statisch dort drin in dem Gestein. Das ist dort gespeichert. Da kann man jetzt eben runterbohren und pumpt dieses Wasser aus diesem Gestein nach oben. Dieses Grundwasser heizt man dann eben über der Erde auf mit Überschusswärme, die es dort eben so gibt. Einige hundert Meter entfernt von dieser Stelle macht man eine zweite Bohrung und pumpt dort das Wasser dann eben wieder zurück in die gleiche Aquiferschicht. So, dann hat man eine wasserführende Schicht eben im Untergrund auf, sagen wir mal, 300 Meter oder 500 Meter, je nachdem, wie man es auslegt. In dieser Schicht gibt es dann eine heiße Zone und eine kalte Zone. Im Sommer nimmt man eben Wasser aus der kalten Zone, heizt das Wasser an der Erdoberfläche auf und pumpt das dann in die heiße Zone. Im Winter läuft das Ganze umgekehrt und die Wärme entnimmt man dann eben. Das kann man überall machen, wo es solche Aquiferschichten gibt. Die gibt es ziemlich häufig in Deutschland. Ungefähr die Hälfte der Fläche in Deutschland würde sich dafür anbieten. Ganz besonders Norddeutschland, eigentlich fast ganz Norddeutschland. Das süddeutsche Molassebecken würde sich dazu anbieten. Also im Prinzip südlich der Mittelgebirge bis hin zu den Alpen, der Oberrheingraben. Die haben alle solche Gesteinsschichten. Da würden sich solche Speicher tatsächlich anbieten. Und wo es sowas nicht gibt, wo man beispielsweise in die Tiefe bohrt und nur Granit findet oder vielleicht auch Trinkwasser gewonnen wird oder es irgendwie in Konflikte mit der Trinkwassernutzung kommen könnte, mit der Trinkwassergewinnung, dort könnte man eine zweite Art von Speicher bauen. Das sind die sogenannten Erdwärmesondenspeicher. Da wird also ein Rohr runter verlegt und in diesem Rohr zirkuliert Wasser, ohne dass sich das irgendwie vermischt mit dem Grundwasser in dem Untergrund. Also es ist getrennt. Man heizt das Wasser wieder oben an der Erde, nimmt seine Wärme ab an das umliegende Gestein und strömt dann wieder nach oben. Das sind die zwei verschiedenen Arten von Speichern, um Wärme im großen Stil unter der Erde zu speichern: Aquiferspeicher und Erdwärmesondenspeicher. Verstehe. Okay. Und was ich wirklich interessant fand, es klingt ja alles so ein bisschen, zumindest für mich, noch nach Zukunftsmusik, aber es gibt sogar sowas schon länger unter einem der bekanntesten Gebäude in Deutschland, nämlich im Berliner Reichstag. Ja, genau. Das hat mich auch überrascht bei der Recherche. Das ist ja schon irgendwie mal ein zentraler Ort in Deutschland, aber von diesem Speicher haben die meisten Leute eigentlich noch nie was gehört. Dabei sind eigentlich fast alle schon mal darauf herumgetrampelt, wenn man so will. Das sind genau genommen zwei Speicher: ein Kältespeicher und ein Wärmespeicher. Der Wärmespeicher befindet sich 300 Meter unterm Tiergarten, meine ich. Und ja, in der Nähe vom Reichstagsgebäude gibt es also ein Blockheizkraftwerk, das versorgt den Reichstag und die umliegenden Parlamentsgebäude mit Wärme und Strom. Und die Überschusswärme im Sommer wird dann eben genommen und unten, 300 Meter tief unter den Tiergarten, gepumpt. Und im Winter wird die wieder rausgeholt und dann werden der Reichstagsbau und die Parlamentsgebäude damit beheizt. Und es gibt noch einen zweiten Speicher, der Kältespeicher. Der ist sogar noch viel besser. Der ist 30 bis 60 Meter tief, ist eigentlich unmittelbar vor dem Reichstagsgebäude. Und dort pumpt man also im Winter 11 Grad warmes Wasser hoch aus dem Untergrund und kühlt es eigentlich direkt vor dem Reichstagsgebäude auf 6 Grad runter und pumpt es dann wieder runter. Man muss sagen, der Wärmespeicher funktioniert gar nicht mal ganz so gut. Also so ein bisschen die Lastspitzen kann der abfangen. 5 Prozent der Wärmeenergie, die man im Winter braucht, dort im Reichstag, kann der beitragen. Aber der Kältespeicher läuft richtig gut. Also die Gebäude müssen dort ja klimatisiert werden. Und dieser Kältespeicher liefert also 40 Prozent der Kühlenergie, die man im Sommer braucht, hat mir eine Sprecherin des Bundestags mitgeteilt. Das ist ein ziemlicher Pionier dieser Technik. Also wenn man Experten hier aus dem Bereich befragt, dann reagieren die immer so ein bisschen, als wenn man seine Eltern nach ihrem ersten Auto befragt. Dann haben sie immer ein bisschen romantisch und cool, dass man das hatte und so. Aber so richtig optimal ist es vielleicht auch noch nicht gewesen. Ja, also das war das erste größere Projekt für so einen saisonalen Wärmespeicher. Und ja, ist eigentlich schon ein echter Meilenstein in der Arbeit daran. Aber heute kann man es eben auch besser machen. Man hat viel Erfahrung gesammelt. Ja, was machen denn so neuere Projekte dann anders und welche gibt es da vielleicht schon? Also gerade dieser Aufbau, dass man hier zwei Aquiferen unter dem Reichstag anzapft, die in unterschiedlichen Tiefen liegen, das ist so ein bisschen überholt. Heute macht man das anders. Heute setzt man nur auf ein einzelnes Aquifer, das dann, wie ich es eben schon gesagt habe, einen kalten und einen warmen Bereich hat. Und das Wasser fließt immer entweder vom kalten zum warmen Bereich im Sommer oder vom warmen zum kalten Bereich im Winter. Das ist das eine. Und heute versucht man, solche Speicher eben viel, viel größer zu bauen, als das damals am Bundestag oder am Reichstagsgebäude passiert ist, um damit dann eben nicht nur einzelne Gebäude zu beheizen, sondern möglicherweise sogar ganze Stadtteile, Stadtviertel. So ein Speicher entsteht gerade gar nicht so weit weg vom Reichstag, im Südwesten Berlins, am Industriepark Adlershof. Der Wärmeversorger dort, BTB, baut den zusammen, unter anderem mit wissenschaftlicher Unterstützung durch das GFZ, Helmholtz Zentrum für Geoforschung. Geospeicher Berlin nennt sich dieser Speicher. Und dort soll ab 2027, also im großen Stil, Sommerwärme eingespeichert werden und dann der Südosten Berlins damit im Winter beheizt werden. Also 20 Prozent des Heizbedarfs soll dieser Speicher dann bereitstellen. Im Moment ist da nicht viel mehr als ein 400 Meter tiefes Loch, das führt dann runter in so eine Sandsteinschicht, die mit Wasser gefüllt ist. Und 400 Meter, das ist vielleicht noch wichtig zu erwähnen, das ist weit unterhalb der Schichten, die Berlin zur Trinkwasserversorgung nutzt. Also Berlin gewinnt Trinkwasser bis 150 Meter Tiefe. Das heißt, dieser Aquiferspeicher ist weiter runter und auch isoliert von diesem Wasser, das man für Trinkwasser verwendet. Und was vielleicht noch interessant ist: Also dieser Stadtteil wird jetzt zum größten Teil heute durch ein Holzheizkraftwerk beheizt. Also 60 Prozent der Wärmeenergie stammt aus diesem Kraftwerk und der Rest wird dann beigetragen durch Steinkohlekraftwerke, zum Beispiel, also durch fossile Energien. Und die will man ja aus dem Stromsystem oder aus dem Energiesystem rausdrängen. Jetzt könnte man natürlich sagen, okay, das Holzheizkraftwerk könnte man beispielsweise größer bauen. Und die Berliner sagen, aber nee, machen wir nicht. Wir lassen es einfach im Sommer weiterlaufen. Und die Wärme braucht dann zwar keiner, aber die zwacken wir ab und pumpen sie in den Untergrund und holen sie im Winter wieder. Ein ziemlich spannendes Projekt. Die Berliner sind zuversichtlich, beziehungsweise die haben sich das berechnet, dass sie ungefähr 85 Prozent dieser Wärme, die sie dort einspeichern, auch wieder rauskriegen aus dem Speicher. Eine ganz gute Quote, würde ich sagen. Absolut, ja. Da steckt einiges drin. Und du hast ja auch schon gesagt, das Potenzial für solche Orte in Deutschland ist relativ groß. Was muss man denn beachten, wenn man Orte für solche Speicher sucht? Also man braucht eigentlich drei Punkte, die passen müssen für so einen Speicher. Man braucht einmal den passenden Untergrund. Da bin ich gerade drauf eingegangen: Grundwasser führende Gesteinsschichten. Das Wasser darf dort auch nicht zu schnell fließen, sonst wird die Wärme ja gleich davongetragen, die man dann unten reinpumpt. Aber so einen Untergrund findet man wirklich in großen Teilen Deutschlands, auch unter Großstädten wie Köln, Frankfurt, Hamburg, München. Was man noch braucht, sind Wärmequellen. Also irgendwelche Orte, an denen Wärme entsteht, die man im Sommer einfach nicht nutzen kann, die dann ansonsten verschwendet ist. Und man braucht Abnehmer. Also typischerweise Städte, die über ein Fernwärmenetz verfügen, wo man diese Wärme dann eben auch im großen Stil wieder einspeisen kann. Auf den passenden Untergrund bin ich eingegangen. Dort, wo man keine tollen Aquifergesteine im Untergrund hat, dort eignen sich dann eben noch die Erdwärmesondenspeicher, von denen ich erzählt habe. Die kann man im Prinzip überall bauen, also auch mitten ins massive Gestein rein oder eben auch dort, wo Trinkwasser gewonnen wird. Dieses System in sich abgeschlossen ist, wird das Grundwasser im Prinzip nicht verwendet. Man könnte im Prinzip durch Grundwasserschichten durchbohren und unterhalb der Grundwasserschichten dann so einen Speicher bauen. Was vielleicht noch erwähnenswert ist, ist, dass diese Speichertechnologien eben oberirdisch kaum Platz in Anspruch nehmen. Man sieht das bei dem Reichstagsspeicher. Man sieht nichts von ihm. Dadurch eignen sie sich für Städte eben total gut. Also man braucht praktisch keine großen Gebäude oder sowas, kann aber enorm viel Energie im Untergrund speichern. Außerhalb der Städte, wo das Platzangebot ein bisschen größer ist, da gibt es dann vielleicht auch andere Möglichkeiten, Wärmeenergie noch zu speichern. Welche alternativen Speichertechnologien gibt es denn vielleicht da noch? Ja, also gerade in ländlichen Gebieten wären Erdbeckenspeicher auch nochmal interessant. Das sind im Prinzip so optisch gesehen große Schwimmbäder, elf Meter tief, die mit Wasser gefüllt sind. Und das Wasser kann man eben auch aufheizen. Zum Beispiel in Hechingen in Baden-Württemberg wird das gemacht. Dort gibt es so einen Erdbeckenspeicher, also ein großes Becken, das im Sommer über die Wärme von Solarkollektoren auf 95 Grad aufgeheizt wird. Und die Wärme bleibt dort ziemlich lang gespeichert und im Winter wird damit eine Wohnsiedlung beheizt von 1500 Menschen, die dort wohnen. Auch eine super Lösung, ziemlich einfach. Man braucht eben nur ein bisschen Platz dafür für diese dann doch relativ großen Erdbecken. Was man relativ häufig sieht in Städten mittlerweile, sind solche Behälterspeicher. Das sind so bis zu 50 Meter hohe Stahltanks. Ich bin ja jetzt hier gerade in Heidelberg. Also in Heidelberg gibt es einen ganz markanten Stahltank. Die werden lokal auch öfter mal als Thermoskanne bezeichnet. Die gibt es in vielen Städten. In Berlin, in München sind gerade welche entstanden. In Rostock gibt es einen großen, Frankfurt plant mit sowas. Also sieht man überall. Die eignen sich aber eher für kurzfristige Speicherung von Wärme. Also Pufferspeicher fürs Fernwärmenetz sind das. Die nehmen Solar und Windenergie auf und wandeln die im Prinzip wie einen Wasserkocher in Wärme. Dann wird das ein paar Stunden oder Tage später ins Fernwärmenetz eingespeist. Aber über Monate speichert man darin eigentlich nichts. Dafür wäre das zu teuer und zu ineffizient. Was noch ganz cool ist: Es gibt auch Eisspeicher. Man kann tatsächlich Wärme in Form von Eis speichern. Da macht man sich den Phasenübergang von flüssig zu fest zu Nutze. Also wenn Eis entsteht, dann entsteht auch eine Kristallisationswärme. Naja, möchte ich jetzt nicht so tief ins Detail gehen, aber das ist auch ganz spannend. Zum Beispiel in Berlin gibt es ein interessantes Projekt. Da wird ein stillgelegter U-Bahn-Tunnel verwendet. Der wurde mit Wasser geflutet und das Wasser wird dann im Winter im Prinzip gefroren. Und über dieses Wasser, das quasi die ganze Zeit hin und her schwankt zwischen fest und flüssig, lässt sich dann relativ viel Energie auch zwischenspeichern. Und darüber wird im Winter dann ein nahestehendes Bürogebäude beheizt. Ganz, ganz interessante Lösung. Aber tatsächlich ist es so, wenn man das Ganze im großen Maßstab angeht und ganze Stadtviertel beheizen will, dann muss die Energie unter die Erde, tief unter die Erde. Dort kann richtig viel Energie gespeichert werden. Und damit das Ganze wirtschaftlich wird, müssen diese Speicher groß werden. Das wollte ich auch gerade noch ansprechen. Also wie wirtschaftlich ist denn das Ganze? Daran werden diese Speicher ja auch gemessen werden. Ja, so ist es. Und leider kann ich da noch gar keine ganz konkreten Zahlen nennen, weil man ist ja im Moment noch so in der Phase, in der man Erfahrungen sammelt mit diesen Speichern. Ich sage mal, die Technik ist eigentlich klar und man weiß, wie sie aussehen soll. Man weiß auch, dass sie funktioniert. Die abschließende technisch-ökonomische Analyse steht noch aus. Aber wenn man Experten befragt, dann sagen die schon, dass das alles in einem Rahmen ist, der sehr vernünftig ist. Zum Beispiel habe ich mit Marie Claire Gehring darüber gesprochen. Die arbeitet am Berliner Rainer Le Moyen Institut. Und die hat für die Stadt Berlin mal die Potenziale von solchen Wärmespeichern durchgerechnet. Und sie ist eben zu dem Schluss gekommen, dass die Wärmegestehungskosten um 30 Prozent sinken, wenn man solche Saisonalspeicher dann eben in die Fernwärmesysteme mit einbaut. Und die könnten also insgesamt so etwas wie ein Drittel des Quartierswärmebedarfs in Berlin decken. Und mit Ingo Sass vom GFZ habe ich darüber auch noch gesprochen. Der hat das Ganze mal ein bisschen näher durchgerechnet mit seinen Mitarbeitern an der TU Darmstadt. Der ist unter anderem auch Professor an der TU Darmstadt. Und der ist zu dem Schluss gekommen, dass die Wärmegestehungskosten im Moment noch etwas über den Großhandelspreisen von Erdgas liegen, aber auch unter den Gaspreisen für Haushalte, die eben Haushalte heute bezahlen müssen. Das heißt, das ist schon ein ganz vernünftiger Bereich. Man kann davon ausgehen, dass die Erdgaspreise höher gehen in den nächsten Jahren, während dann die Gestehungskosten für Wärme aus saisonalen Speichern auch sinken, einfach weil man mehr Erfahrung mit der Technik hat und die Technik ausgereifter wird. Und der Professor Sass, Ingo Sass, verweist eben auch noch auf die Erfahrungen, die man bislang schon mit der Geothermie hat. Und er sagt, sämtliche Anbieter von Fernwärme, die Geothermie bei sich im Netz haben, können Wärme heute schon günstiger anbieten als Fernwärmebetreiber, die rein auf fossile Energien setzen. Und er meint, dass Saisonalspeicher das Ganze noch verstärken würden. Also genaue Zahlen habe ich noch nicht. Das sind ja Einschätzungen, die ich wiedergeben kann. Aber diese Speicher scheinen schon wettbewerbsfähig zu sein. Und das Ganze wird sich noch verstärken in den nächsten Jahren, wenn die fossilen Energieträger teurer werden. Okay, Thomas, eine Sache wollte ich auch unbedingt noch fragen, weil diese Idee von einer Menge Energie unter der Erde irgendwo parken, birgt das irgendwie Gefahrenpotenziale? Also hat das ein Sicherheitsrisiko? Also auf sowas bin ich nicht gestoßen während meiner Recherche. Und ich weiß, da hält vielleicht sowas nach wie die Diskussion ums Fracking zum Beispiel oder sowas. Aber man muss wirklich sagen, das ist eine ganz andere Technologie. Hier wird Wärme über Wasser in den Untergrund gepumpt und auch wieder rausgeholt. Das Einzige, was vielleicht nicht passieren sollte, ist, dass man Grundwasserschichten verwendet, die eben für die Trinkwasserversorgung wichtig sind und dann anfängt, dieses Wasser auf Temperaturen nahe des Siedepunkts zu erhitzen. Das sollte eben nicht passieren. Passiert auch nicht. So ein Trinkwasser möchte keiner in seiner Leitung haben. Also es werden da keine Chemikalien oder sowas in den Untergrund gepumpt, die einem da Sorge bereiten müssten. Wenn man von hier aus in die Tiefe bohrt, dann kommt man durch mehrere Aquiferschichten durch, die voneinander isoliert sind. Und wenn man tief genug bohrt, dann ist man weit unterhalb der Schichten, die für die Trinkwassergewinnung relevant sind. Und da kann man sich temperaturmäßig dann auch richtig austoben und Wärme hoher Temperatur einspeichern, ohne dass es da irgendwelche Risiken gibt. Das ist zumindest so meine Kenntnis jetzt nach der Recherche. Also von großen Gefahren habe ich da tatsächlich nicht gelesen oder gehört. Alles klar. Also das ist schon mal gut. Und wir haben gehört, das Potenzial ist groß. Es gibt auch erste Projekte. Vor welchen Herausforderungen steht man denn noch so auf technischer Seite? Also die Speichertechnik an sich ist jetzt vielleicht gar nicht mehr so die große Herausforderung. Das hört man auch so von den Forschenden, die daran arbeiten. Es geht jetzt eigentlich darum, dass man es einfach mal macht und Erfahrungswerte gewinnt. Wie baut man das? Welche Betriebsparameter wären die optimalen? Das heißt, mit welchem Druck pumpt man das Wasser darunter? Wie viele Bohrungen braucht man? Solche Erfahrungen sammelt man jetzt. Aber dass es funktioniert, ist eigentlich schon klar. Ich glaube, wenn das Berliner Projekt jetzt mal in Betrieb geht 2027, dann werden die Business Cases, die da möglich sind, auch klarer. Und dann ist wohl auch davon auszugehen, dass dann wirklich mehr Speicher dieser Art noch entstehen. Was wirklich schwierig wird, ist, solche Speicher dann auch in großer Zahl zu bauen. Und da fehlt es vor allen Dingen an Bohrtechnik. Man soll es nicht glauben, aber es muss richtig viel gebohrt werden, um das Wärmesystem mithilfe solcher Speicher klimaneutral zu kriegen. Professor Sass meint, dass man allein für die Geothermie im Moment um die Klimaziele der Bundesregierung zu erreichen, 1000 Kilometer Bohrung pro Jahr setzen müsste. Nur für die Geothermie. Wenn man jetzt noch Saisonalspeicher dazu baut, müssten noch mal 1000 Kilometer dazu. Er meint, für die Bohrindustrie ist das eine Riesenaufgabe. Die hätten sowas schon mal geschafft, solche Bohrraten zu schaffen. Und zwar in den 70ern, als hier in Deutschland noch nach Gas gebohrt wurde. Und da müsste die Industrie jetzt eben wieder hinkommen. Aber es fehlt da noch an der Technik. Bohrungen funktionieren ein bisschen anders bei solchen Fällen wie bei Gasbohrungen. Gasbohrungen brauchen noch dünne Durchmesser, Bohrlochdurchmesser. Und es fehlt am Personal. Also das sind so die großen Herausforderungen, dass man die Industrie fit kriegt, solche Bohrungen in diesem Maßstab zu setzen. Die Technik der Wärmespeicher an sich, da bedarf es nicht mehr allzu viel Forschung. Da kann man im Prinzip, wenn man die Erfahrung jetzt gesammelt hat von den Projekten, die im Moment laufen in Darmstadt oder in Berlin beispielsweise, da kann man im Grunde dann loslegen. Und wie steht es um die Gesetzeslage? Also oft sind ja auch rechtliche Hürden dann noch im Weg. Das ist schon noch ein Punkt. Also bislang, wie gesagt, wurden solche Speicher im großen Maßstab noch nicht gebaut. Und die Gesetzeslage gab es die längste Zeit auch nicht her. In Deutschland gibt es ein Bergrecht. Und das steht den saisonalen Wärmespeichern im Moment noch im Weg. Es ist nämlich so, dass wenn man Bergrecht an einem Ort hat, dann erstreckt sich das in seiner Gültigkeit von der Oberfläche bis zum Erdmittelpunkt. So, und wenn man jetzt an einer Stelle beispielsweise aus 50 Metern Tiefe Grundwasser fördert, dann darf man das Gestein unter dieser Schicht nicht mehr verwenden, um einen geothermischen Speicher zu bauen. Was von Experten dann also jetzt gefordert wird, dass es sowas wie eine unterirdische Raumplanung gibt, mit der der Untergrund also je nach Tiefe unterschiedlich genutzt werden kann. Sowas gibt es im Moment eben noch nicht. Aber möglicherweise kommt das demnächst. Alles klar, Thomas. Und wenn ich jetzt so nach deinem Fazit fragen würde, also welche Bedeutung könnten solche Speicher dann eben für die Wärme- und Energiewende entwickeln und wo stehen wir aktuell? Also man braucht sie auf jeden Fall, um das Wärmesystem flexibler zu machen. Im Moment haben wir ein paar kleine Speicher. Da gibt es gar nicht so wenige. Also das sind diese Erdbeckenspeicher beispielsweise und auch diese Pufferspeicher, die Behälterspeicher, vor denen ich erzählt habe. Aber diese großtechnischen Speicher, die entstehen jetzt eben im Rahmen dieser Demo-Projekte. Ich gehe davon aus, dass die im größeren Maßstab gebaut werden in nächster Zeit. Und der Ausbau wird jetzt tatsächlich auch von politischer Ebene weitergetrieben. Anfang Dezember hat der Bundestag ein Gesetz verabschiedet, das Geothermie- und Wärmespeichergesetz. Und da sollen solche Speicher, solche unterirdischen Speicher eben weiter gefördert werden. Also Abwärme von Rechenzentren und so weiter soll weiter im Untergrund gespeichert werden. Und auch der Bundestag hat jetzt kürzlich dem Geothermie-Beschleunigungsgesetz, so soll das ungefähr heißen, zugestimmt. Anfang Dezember war das. Sollen solche unterirdischen Speicher eben auch weiterhin noch gefördert werden, unter anderem indem sie priorisiert werden bei der Zulassung. Und also ich gehe davon aus, dass wir solche Speicher wirklich deutlich häufiger oder dass wir sie häufig sehen werden in den nächsten Jahren und dass sie ein zentraler Bestandteil unseres Energiesystems werden. Saisonale Wärmespeicher also als Schlüsseltechnologie für die Wärme- und Energiewende. Spannendes Thema und mehr dazu könnt ihr gerne alles noch mal nachlesen in Thomas‘ Artikel auf spektrum.de. Und Thomas, dir sage ich vielen, vielen Dank fürs Erklären. Vielen Dank ebenfalls, Max. Und das war’s von uns für diese Woche vom Spektrum-Podcast. Vielen, vielen Dank euch fürs Zuhören. Seid gern auch kommende Woche wieder dabei. Wie immer gibt’s dann freitags eine neue Folge von uns. Und bis dahin würden wir uns freuen, wenn ihr den Podcast abonniert, kommentiert, bewertet und natürlich teilt. Das hilft uns sehr. Auch dafür vielen, vielen Dank. Mein Name ist Max Zimmer und ich sage Tschüss und macht’s gut. Untertitel im Auftrag des ZDF für funk 2017.