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Bild: hpphtns | Shutterstock

Spektrum-Podcast | Schüchterne Blase

Wenn Pinkeln zur Qual wird

Eine schüchterne Blase ist mehr als Nervosität auf öffentlichen Klos. Für Betroffene wird der Toilettengang oft zur unüberwindbaren Hürde. Dabei ist die Störung gut behandelbar.

Die sogenannte schüchterne Blase, medizinisch Paruresis, beschreibt die Unfähigkeit, in Anwesenheit anderer Menschen zu urinieren. Leichte Formen davon kennen viele Menschen. Gerade Männer machen sich häufig Sorgen, wenn das Pissoir nebenan belegt ist. Wer von ausgeprägteren Varianten betroffen ist, hat oft mit starken Einschränkungen zu kämpfen.

Die schüchterne Blase wurde von der Psychologie bereits in den 1950er Jahren beschrieben und wird heute überwiegend zu den sozialen Angststörungen gezählt. Betroffene fürchten oft weniger, dass man sie auf öffentlichen Toiletten hört, sieht oder riecht. Vielmehr scheint sie zu beschäftigen, dass jemand bemerken könnte, dass sie gerade nicht urinieren können. Dadurch entsteht ein belastender Kreislauf aus Erwartungsangst, Anspannung und erneutem Versagen.

Woher kommt die schüchterne Blase?

Im Körper sind dabei psychologische und physiologische Prozesse eng verknüpft. Stress aktiviert den Sympathikus, der die Blasenschließmuskeln kontrahieren lässt. Die Folge ist eine körperliche Blockade, die auch dann bestehen bleibt, wenn der Harndrang stark ist.

Viele Betroffene planen ihre Wege und Aktivitäten um ihre Störung herum. Einige vermeiden soziale Ereignisse, Reisen oder Orte ohne garantierte Privatsphäre.

Zur Verbreitung der schüchternen Blase gibt es unterschiedliche Angaben. Die International Paruresis Association spricht von bis zu sieben Prozent aller Menschen, wobei vermutlich mehr Männer als Frauen betroffen sind.

Therapeutisch hat sich eine schrittweise Konfrontation mit zunehmend schwierigeren Toilettensituationen bewährt. Dabei werden reale Situationen aufgesucht, der Harndrang wird gezielt genutzt, um Erfolgserlebnisse zu schaffen. Auch die Gestaltung öffentlicher Toiletten kann einen therapeutischen Nutzen haben: Mehr Privatsphäre durch höhere Trennwände, besser abgedichtete Kabinen oder Geräuschmaskierung kann dazu beitragen, Scham und Stress zu reduzieren.

Das Problem wird Fachleuten zufolge oft nicht so richtig ernst genommen.

Christiane Gelitz

Christiane GelitzFoto: Spektrum der Wissenschaft

Christiane Gelitz ist Redakteurin bei Spektrum der Wissenschaft. Sie erklärt im Gespräch mit detektor.fm-Moderator Marc Zimmer, wie es zur schüchternen Blase kommt und was Menschen gegen die Störung tun können. Sie geht auch auf aktuelle Untersuchungen zum Thema ein und bespricht die Frage, was wir als Gesellschaft für Betroffene tun können.

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