Beim Urknall hat sich aus dem Nichts unser Kosmos gebildet, und alles, was wir heute kennen, ist daraus entstanden. Aber war das Universum anfangs vielleicht gar nicht leer? Neue Forschung stellt jedenfalls die klassische Urknall Theorie in Frage. Darum geht es heute bei uns hier im Spektrum Podcast. Mein Name ist Max Zimmer. Schön, dass ihr dabei seid. Spektrum der Wissenschaft – der Podcast von detektor.fm. Komplett still, leer und vor allem kalt – so stellen wir uns unsere Welt vor dem Urknall vor. Nach der gängigen Theorie begann das Universum mit einer winzigen unvorstellbar schnellen Ausdehnung, quasi aus dem Nichts. Und alles, was existiert, resultiert daraus: Raum, Zeit, Materie – der Ursprung aller bekannten Teilchen soll eben in diesem Urknall liegen. Doch was wäre, wenn das gar nicht stimmt? Oder jedenfalls nicht so, wie wir es uns bisher erklärt haben? Was wäre, wenn der Anfang des Kosmos nicht kalt und leer war, sondern heiß, dicht und voller Teilchen von Anfang an? Genau das schlägt eine neue Theorie vor, die sogenannte warme Inflation. Die stellt diese klassische Vorstellung vom Urknall radikal in Frage. Und damit würde sich unser Bild vom Urknall und damit eben auch von unserem Universum grundlegend ändern. Richtig spannend also, und deshalb wollen wir über diese neue Forschung sprechen. Und das tue ich heute mit Manon Bischoff. Sie ist Physikerin und Redakteurin bei Spektrum der Wissenschaft. Hallo Manon! Hi Max! Ja Manon, vielleicht wiederholen wir das mal für den Anfang. Hilf mir auch: Wie ist denn bisher so die Idee vom Urknall? Schilder das doch vielleicht mal für einen Einstieg kurz. Kurz? Gute Einstiegsfrage! Ja, um überhaupt sagen zu können, wie es zum Urknall kam, muss man sich halt das Universum auch heute angucken. Und was wir merken, ist, das Universum dehnt sich aus. Also egal, wo wir hingucken, weit entfernte Galaxien entfernen sich fast alle von uns. Und die einzige Erklärung ist: Naja, der Raum wird halt größer. Und wenn man das jetzt zurückverfolgt, also je weiter man ja wegguckt, desto älter sind ja auch die Galaxien, die man sieht, weil das Licht ja Zeit braucht, bis es zu uns ankommt. Da sieht man, ja auch schon früher hat sich das Universum halt ausgedehnt. Und da kommt diese Urknalltheorie auf einmal her, dass man sagt: Ja, wenn man das extrapoliert und immer weitergeht, dann müsste ja quasi irgendwann mal alles in einem Punkt gewesen sein. Also Raum, Zeit, Materie, alles. Ja, das ist die Idee. Das ist die Idee. Und es gibt noch mehr Gründe, die dafür sprechen. Und zwar, wenn man sich halt jetzt anschaut, sieht das Universum ziemlich homogen aus. Also egal, wo man hinguckt, es sind ungefähr gleich viele Galaxien und sonst irgendwas in alle Raumrichtungen. Und das war wohl auch schon immer so, weil das erste Licht, das wir wahrnehmen können, also das jüngste quasi im jungen Universum, also das älteste, das ist rund 300.000 Jahre nach dem Urknall wahrscheinlich entstanden. Und auch da sieht man, alles war ziemlich homogen damals. Also von überall erreicht uns ungefähr dasselbe Licht mit derselben Energie. Und das muss man ja irgendwie erklären. Also warum war das alles so gleich verteilt? Vor allem, wenn man halt auch noch guckt. Also wir wissen, das Universum ist ungefähr 13,8 Milliarden Jahre alt. Und es ist aber super, super, super groß, was wir sehen. Also der Durchmesser beträgt ungefähr fast 100 Milliarden Lichtjahre. Das heißt, eigentlich, weil alles ja nur mit Lichtgeschwindigkeit miteinander wechselwirken kann, dürfte das ja gar nicht verbunden sein. Also der Teil ganz weit entfernt in die eine Richtung dürfte überhaupt nichts mit dem Teil in die andere Richtung zu tun haben. Und trotzdem sieht ja alles sehr homogen aus. Das ist ja irgendwie komisch. Das heißt, die Schlussfolgerung ist: Naja, es muss nur einen Zeitpunkt gegeben haben, wo doch irgendwie alles connected war, wenn man so will. Genau, und da kommt dann halt die Inflation ins Spiel. Und damit meine ich nicht Geld, das Wert verliert, dass alles teurer wird. Nee, damit meine ich halt wirklich die kosmische Inflation. Und die besagt, dass sich Raum und Zeit irgendwann einfach – es ist eine Phase gab im jungen Universum, ganz, ganz jungen Universum, wo sich alles unglaublich schnell, unglaublich riesig entfaltet hat. Also du kannst dir das so vorstellen wie so ein Luftballon, dass man den aufbläst und auf einmal werden die Abstände zwischen zwei Punkten auf der Oberfläche immer, immer größer und das halt in extrem kurzer Zeit. Und so kann man sich vorstellen: Okay, am Anfang war irgendwie alles ganz nah beieinander und alles hat miteinander gewechselt. Und dann gab es diesen Inflationszustand, wie so eine Explosion, und alles ist auseinandergeflogen, ziemlich schnell, und hatte gar keine Zeit, sich neu zu ordnen. Deswegen sehen wir noch diese Homogenität. Verstehe, okay. Und also all das zusammengenommen spricht irgendwie dafür, dass es mal einen winzigen kleinen Punkt gegeben haben muss, nämlich vor dem Urknall, aus dem das quasi alles entstanden ist. Genau. Und das Spannende ist jetzt, was mir auch nicht so ganz klar war. Also ich bin immer davon ausgegangen, Urknall heißt, Raum und Zeit sind in dem Moment entstanden und alles war halt quasi nur so ein Raum und ein Zeitpunkt und es ist immer größer geworden. Aber tatsächlich ist das nicht unbedingt die gängige Ansicht. Also wenn Physikerinnen und Physiker von Urknall sprechen, meinen die damit ganz unterschiedliche Sachen. Und viele meinen dann auch wirklich einfach diesen Inflationsmoment, als das Universum halt so gewaltig angewachsen ist. Und was dabei auch noch mit reinkommt, ist: Unser Universum heutzutage, wenn man sich es anschaut, ist ziemlich flach. Also das ist jetzt schwer zu beschreiben, weil die Raumzeit drei plus eine Dimension, also drei Raumdimensionen plus eine Zeitdimension, ist irgendwie schwer, sich was Vierdimensionales vorzustellen. Aber man kann mit verschiedensten Mitteln nachweisen: Offenbar gibt es da nicht allzu viel Krümmung. Und wenn man das erklären möchte, braucht man halt eben auch diesen Inflationsmoment. Und man kann sich so vorstellen: Ich habe ja gesagt, aus einem kleinen Stück Zeit, einem kleinen Stück Raum entsteht auf einmal ganz schnell das, was wir heute kennen. Aber keiner sagt, dass es nichts außerhalb dieses Stück Raum-Zeit gab. Also es könnte durchaus sein, dass es schon ein Universum gab und eben nur ein ganz kleines Raum-Zeit-Stück. Und dieses Universum kann auch total gekrümmt und weird sein. Und wir kennen das gar nicht. Aber wenn man irgendwo reinzoomt in was, was gekrümmt ist, zum Beispiel uns, kommt ja auch die Erde erst mal flach vor, wenn wir da drauf rumlaufen. Und wir sehen die Krümmung erst, wenn wir uns davon entfernen. Und so kann man sich das da auch vorstellen. Also wenn man da jetzt irgendwie so ein super weirdes Universum hat, sich ein Mini Raum-Zeit-Stück rausnimmt und dieses auf einmal mit Inflation total aufbläst, dann würde man das Universum, wie wir es heute kennen, das flach und homogen ist, vielleicht rausbekommen. Okay, also die Idee von Inflation ist das, was du beschrieben hast mit dem Luftballon. Im Englischen ist ja auch „inflate“ quasi den Luftballon aufblasen. Genau. Okay, so und jetzt das ist jetzt mal soweit das gängige Bild. Jetzt gibt es aber Forschung, darauf wollen wir auch hinaus, die dieses Bild so ein bisschen in Frage stellt. Vielleicht erst mal: Woher kommt die auf einmal? Genau, also dieses Bild, was wir haben, dass auf einmal irgendwas aufgeblasen wird, das ist zumindest ziemlich weit verbreitet und auch recht akzeptiert. Jetzt ist die Frage aber: Was genau wird da halt so aufgeblasen? Und das gängige Bild, das ist die kalte Inflation. Da geht man davon aus, dass einfach der Raum früher, der da so aufgeblasen wird, dass der leer war. Also dass da eigentlich so gut wie nichts ist, außer dem sogenannten Inflatonfeld, was auch immer das ist. Also da gibt es sehr viele verschiedene Theorien. Aber im Prinzip ist das dafür verantwortlich, dass es diese Inflation gibt. Das ist die kalte Inflation. Und dann muss man ja irgendwann mal erklären: Wo kommen denn jetzt unsere Elementarteilchen und sowas her? Und da wird halt meistens gesagt: Ja gut, dieses Inflatonfeld, whatever, das zerfällt irgendwann und dann hat man da die ganzen Teilchen wie Elektronen, Photonen und so weiter, was wir halt in unserer Welt beobachten. Aber wie das zerfällt und wie das alles zustande kommt, das ist so schwammig. Also das weiß man halt noch nicht wirklich. Und da gibt es auch nicht so wahnsinnig gute Theorien dazu. Und jetzt gibt es Forschung, wie du ja schon gesagt hast, die das Ganze so ein bisschen in Frage stellt. Die kommt von Marco Drewes, Sebastian Zell und Kim Berghaus. Das sind zwei Physiker und eine Physikerin. Und die schauen sich an, wie es auch anders sein könnte und was so vielleicht ein bisschen schlüssiger für uns wirkt. Denn was wir wissen, also um jetzt noch mal ganz kurz über die Geschichte unseres Universums zu sprechen: Es gab diesen Urknall oder diese Inflation. Danach sehen wir erst mal nichts. Man geht davon aus, dass es da wie so eine Art Ursuppe gab. Also ganz dicht gepackte Teilchen, in dem Fall Quarks und Gluonen, das sind die, die der starken Kernkraft unterliegen, dass die total gequetscht waren auf engem Raum, sich da frei bewegt haben. Und da konnten Photonen gar nicht durchkommen. Das heißt, also das Licht, was es damals gab, das können wir gar nicht sehen, weil sich das gar nicht verbreiten konnte. Also egal, wie weit wir in die Vergangenheit gucken, wir können diesen Zustand nicht sehen. Wir können es aber in Teilchenbeschleunigern nachstellen. Hat man auch schon gemacht. Also da wissen wir: Okay, diese Art von Zustand gibt es wohl. Und dann kommt halt irgendwann diese kosmische Hintergrundstrahlung, also eben dieses älteste Licht, was man sehen kann und woraus man alles ableiten kann. So, und ihr Gedanke war, es wäre ja irgendwie sinnvoller, eine Art warme Inflation zu haben. Also sozusagen dieser Raum, bevor er sich ausdehnt, ist schon mit unseren Quantenfeldern, also mit den Teilchen bevölkert, die wir ja kennen. Weil das erklärt ja auch, warum wir die danach auch immer noch haben. Die drei Forschenden, die ich jetzt gerade genannt habe, das sind auch nicht die ersten, die sich das überlegt haben. Die Idee gibt es ja schon viel länger. Das Problem war, es hat halt überhaupt nicht funktioniert. Also wenn man das gemacht hat und gesagt hat: Ja, es gab früher keinen leeren Raum, sondern halt eben auch schon diese Quantenteilchen, dann haben die, wenn man das berechnet hat und sich angeschaut hat, dann kam halt raus, dass die Quanten, also das Inflatonfeld, was auch immer es ist, aber mit diesen Teilchen wechselwirken würde. Und das würde dazu führen, dass es weitere Teilchen gibt, die am Ende die Inflation bremsen. Also es könnte gar nicht zu dieser schlagartigen Inflation kommen. Und deswegen hat man gesagt: Okay, diese warme Art der Inflation, die kann es offenbar gar nicht geben. Und ja, deswegen ist die klassische Kosmologie, sag ich jetzt mal, oder die klassische Inflationstheorie eben eine kalte, dass man sagt: Aus dem Nichts entstand quasi alles. Okay, und was haben die jetzt konkret gemacht oder herausgefunden? Ja, jetzt die drei Forschenden haben gezeigt, dass warme Inflation doch funktioniert, um das jetzt mal kurz auszudrücken. Und zwar haben sie sich eben angeschaut: Okay, wir nehmen uns jetzt einen Zustand in der Raumzeit her, in dem sowohl dieses Inflaton ist. Also da haben sie sich auch eine ganz bestimmte Art von Inflatonfeld angeschaut, nämlich Axionen, die das erklären könnten, die aber halt eben auch erklären könnten, warum sich unser Universum so ausdehnt. Also die sind so der heiße Scheiß, sag ich mal. Das Ding ist nur, es gibt auch Experimente, die sie nachweisen sollen, aber die meisten vielversprechenden werden gerade noch aufgebaut. Also wahrscheinlich wirst du in den nächsten Jahren bestimmt mal darüber sprechen. Alles klar. Genau. Und die haben sich genau das angeschaut. Also wenn das Instanton eben so ein Axionfeld ist, haben sich angeschaut, wie das mit den Elementarteilchen, die wir halt kennen, wechselwirken würde. Haben ja die anderen auch gemacht, habe ich ja schon gesagt, funktioniert nicht. Aber die haben halt noch was beachtet, was die anderen nicht gemacht haben. Und zwar: Also erst mal sind Berechnungen mit Quantenfeldern einfach die absolute Hölle. Also da kommen dauernd Unendlichkeiten raus, alles super kompliziert. Man muss sehr aufpassen. Also an sich ist es echt nicht einfach. Und dann ist es ja normalerweise so, dass Teilchen superschnell miteinander wechselwirken. Also wenn zwei irgendwie aufeinandertreffen und aneinander streuen, die sind in der Regel super schnell. Ja, das passiert in sehr kurzen Zeitabständen. Das heißt, man beachtet in solchen Fällen in der Regel nicht, dass zum Beispiel mit der Raumzeit irgendwas passiert. Aber während der Inflation, das ist ja so, dass sich die Raumzeit superschnell ausdehnt und zwar so schnell, dass es in dem Moment auch eine wichtige Rolle spielt. Und die drei Forschenden haben das halt jetzt berücksichtigt. Die haben gesagt: Ja, klar, es kann alles irgendwie miteinander wechselwirken. Die können aneinander streuen. Aber wir müssen berücksichtigen: Hey, dazwischen dehnt sich die Raumzeit immer wieder aus. Und das macht den entscheidenden Unterschied. Weil indem die das berücksichtigt haben, haben sie gemerkt: Krass, diese zusätzlichen Teilchen, die sonst entstehen würden und diese Ausdehnung bremsen würden, die kann es dann doch gar nicht geben. Also diese Teilchenproduktion wird unterdrückt. Die Inflation kann genauso stattfinden, wie wir es uns erhoffen, sag ich jetzt mal, damit unsere physikalischen Modelle funktionieren und zwar auch mit unseren Elementarteilchen. Also wir müssen nicht fordern, dass durch irgendeinen Prozess, den keiner versteht, von dem auch nicht wirklich jemand weiß, wie er jetzt vonstatten geht, das Inflatonfeld auf einmal irgendwie zerfällt und aus dem Nichts alles entsteht, sondern es ist so: Naja, offenbar gab es diese Teilchen, vielleicht gab es die ja auch schon vorher. Vor allem, wenn wir davon ausgehen, dass wir sowieso in einer größeren Art von Universum eingewettet sind, dass es das alles vorher schon gab und unser Universum einfach daraus dann noch entstanden ist. Und kannst du nochmal konkret erklären, warum verändert das jetzt vielleicht das Bild, was wir im ganzen Ablauf dann haben? Also das Bild, was wir haben, ist ja wirklich, dass aus dem Nichts alles entstand. Das wird dann halt nochmal radikal auf den Kopf gestellt, sondern es wird gesagt: Nee, das war alles vorher vielleicht auch schon da. Und Inflation ist halt ein Prozess, der dann dazu geführt hat. Das verlagert jetzt natürlich die Frage, weil man sich dann ja fragt: Ja gut, wo kam das denn jetzt her? Kann man halt nicht wirklich was zu sagen, aber es verändert die Art, wie wir den Urknall halt einfach sehen. Und es liefert halt auch eine Erklärung, die irgendwie stimmiger ist, auch aus teilchenphysikalischer Sicht, um halt zu erklären, wie unser junges Universum sich entwickelt hat. Ja, und man muss ja sagen, es gibt sehr, sehr viele unterschiedliche Inflationsmodelle. Das habe ich ja schon gesagt. Also vor allem auch sehr viele kalte Inflationsmodelle. Und ja, genau die Frage ist ja: Was ist denn dieses Inflationsfeld und so weiter? Also es gibt sehr viele Mutmaßungen und man kann jetzt erstmal relativ wenig messen. Also ich kann nicht so weit in die Zeit zurückgucken. Das geht nicht mit unseren Teleskopen oder sonst irgendwas, weil ja das Licht gar nicht herkommt. Im Teilchenbeschleuniger haben wir nicht genug Energie und solche Zustände nachzustellen. Das heißt, man ist jetzt erstmal auf Theorien angewiesen. Und da hat man halt trotzdem so ein paar Anhaltspunkte, dass man sagt: Naja, so eine Theorie ist ja schon gut, wenn die möglichst einfach gehalten ist. Also wir jetzt nicht 15 neue Teilchen einführen müssen, die alle irgendeine Masse haben, damit das dann irgendwie passt. Das ist irgendwie nicht so zufriedenstellend, sondern dass es möglichst einfach gehalten ist. Diesen Punkt erfüllt die warme Inflation von denen. Also die Forschenden sagen wirklich nur vorher: Okay, es gibt dieses Axion und das muss bestimmte Eigenschaften haben. Also es darf nur eine gewisse Masse oder Energiebereich haben, damit das funktioniert. Das heißt aber gleichzeitig auch, dass es an sich auch falsifizierbar ist. Also man kann nach diesem Teilchen suchen und wenn man das nicht findet, dann kann man direkt sagen: Okay, ihre Theorie war zwar nice, aber ist offensichtlich falsch. Und das ist bei vielen anderen Modellen teilweise ja nicht so. Ja, jetzt wissen wir ja aber auch von der wissenschaftlichen Community, dass sie natürlich irgendwie neuen Ideen gegenüber offen sein soll. Aber das ist ja oft auch, wenn man Sachen lange so gemacht hat, ist wahrscheinlich menschlich. Dann ist man vielleicht auch skeptisch, wenn sowas radikal in Frage gestellt wird. Was spricht denn dafür, dass die recht haben? Also es wurde jetzt, also wie gesagt, so ganz genaue Daten hat man natürlich nicht. Aber wir haben ja schon Beobachtungsdaten von unserem Universum. Also ich habe ja schon gesagt, die kosmische Hintergrundstrahlung, dieses erste frühe Licht, was wir messen können. Und tatsächlich haben die relativ schnell, also die Forscher haben genau das gemacht, wie man es halt in der Physik publiziert. Die haben erstmal quasi ein Preprint, also noch nicht begutachtetes Paper hochgeladen. Das wird in der Physik häufig so gemacht auf Archive. Und haben es dann erst bei einem Journal eingereicht. Und dadurch hatte die Community schon ein paar Monate Zeit, sich das anzuschauen, wenn sie wollte. Und da gab es direkt ein paar, die das spannend fanden, die sich das angeschaut haben und die geguckt haben: Hey, passt das zu den Beobachtungsdaten, die wir bisher haben? Und hatten da ein ganz gutes Modell, mussten da eigentlich nur die Parameter eintragen von dem, was die jetzt vorhergesagt haben für ihre Teilchen. Und da kam raus: Ja, das würde passen an sich. Also mit den Daten, die man bis jetzt hat. Und jetzt, wie gesagt, wenn man das halt wirklich weiter nachweisen möchte, muss man halt jetzt warten auf die Experimente, die zu Axionen da gemacht werden, die jetzt in den nächsten Jahren stattfinden. Aber was für mich da immer spannend ist als Nichtwissenschaftler, ist auch so ein bisschen die Frage: Wie kann es denn überhaupt sein, dass man jetzt, ich sage mal plötzlich – ich weiß, es ist verkürzt – aber so plötzlich nochmal auf eine ganz andere Idee kommt quasi und womöglich so lange falsch lag mit dem, was man dann eben angenommen hat über unsere Welt? Ist ja doch eine sehr grundlegende Annahme auch. Ja, total. Also ich glaube, was man da halt wirklich sagen kann, ist, dass so Quantenberechnungen, wie gesagt, super, super kompliziert sind. Also du kannst da die Formeln sind bekannt von denen, von denen wir denken, dass sie zumindest unser Universum ganz gut modellieren. Aber das sind Differenzialgleichungen. Das heißt, die hängen jetzt nicht einfach nur von einem Ort und einer Geschwindigkeit ab, sondern auch von den Ableitungen. Und solche Gleichungen zu lösen, also das kannst du nicht exakt lösen. Und es hat auch oft einfach keine exakte Lösung. Und deswegen ist man auf Näherungsverfahren angewiesen. Die sind aber auch nur bedingt funktionierend, die und so weiter. Also die Mathematik dahinter ist unfassbar kompliziert. Das braucht alles sehr, sehr viel Zeit. Und wenn du dann auch noch so Sachen mit berücksichtigen willst, wie: Hey, die Raumzeit ändert sich da vielleicht noch, es ist einfach krass. Also wenn du jetzt noch sagen würdest: Vielleicht ist die da ja auch noch gekrümmt, dann musst du halt noch mal was Neues rechnen. Also ja, es ist super, super kompliziert. Es erfordert sehr, sehr viel Arbeit, solche Berechnungen zu machen. Und oft auch noch irgendwie Computerunterstützung oder so. Und deswegen können da dann am Ende Kleinigkeiten, von denen man gedacht hat: Ah, das hat vielleicht gar nicht so einen großen Effekt. Also wir berücksichtigen jetzt erstmal nicht, dass sich die Raumzeit in dem Moment ausdehnt, auch wenn das natürlich wichtig ist. Aber bei den Wechselwirkungen wird es schon nicht so wichtig sein. Doch, kommt raus: Doch, es hat einen erheblichen Effekt. Und wenn man das jetzt vielleicht noch genauer rechnen würde, würde vielleicht noch mal ein bisschen was Neues dazu kommen. Und deswegen passiert da halt dann doch noch mal viel. Okay, ja, ich verstehe. Und sag mal, wie wird denn dieses neue Modell oder dieser neue Ansatz jetzt so aufgenommen? Also wie gesagt, die ersten Interessierten haben das Paper ja schon aufgegriffen und haben sich das angeschaut. Und ich habe mit den Forschenden gesprochen. Die meinten auch: Ja, die haben schon ein bisschen Rückmeldung bekommen. Die Leute waren natürlich interessiert. Das muss ich dann natürlich noch bewähren. Also das ist ja klar. Aber erstmal war da auf jeden Fall Neugier und Interesse. Ja, du hast ja gerade gesagt, muss ich noch bewähren. Was bedeutet das denn genau? Also das ist jetzt erstmal ein Modell, habe ich so verstanden. Und wie könnte man denn so etwas wie eine warme Inflation dann auch tatsächlich nachweisen oder das zumindest irgendwie härter machen? Ja, genau. Also wie gesagt, diese Berechnung ist ja die Frage, ob andere das auch reproduzieren können, ob man vielleicht einen leicht anderen Ansatz wählen kann oder noch irgendwelche Details, sage ich jetzt mal, berücksichtigt. Also die Näherung quasi besser macht, was dann dabei rauskommt. Andere Sachen sind: Naja, gibt es mehr kosmologische Daten in nächster Zeit, die vielleicht das eine oder das andere weiter bestätigen oder nicht? Genau. Und dann halt natürlich alles steht und fällt ja damit. Also generell in der Inflation ist eine große Frage: Wodurch kommt die dann zustande? Also was hat denn diese Energie überhaupt gehabt, um Raum und Zeit so auseinanderzutreiben in so kurzer Zeit? Und das ist ja eben dieses Inflaton, das halt postuliert wird. Aber bis jetzt weiß man nicht wirklich, was es ist. Und wenn man halt eben ein potenzielles Teilchen dafür finden würde, wüsste man: Okay, es ist offenbar dieses Teilchen. Warum es da ist, ist dann nochmal eine metaphysische Frage wahrscheinlich am Ende. Aber dann hätte man einen Anhaltspunkt: Okay, da passen immerhin die Puzzleteile zusammen. Aber es ist halt immer so in Naturwissenschaften: Man hat halt ein Modell und man hofft, dass es gut zu dem passt, was man sieht. Ja, absolut. Und vielleicht können wir zum Ende nochmal ein bisschen verdeutlichen, was würde denn so ein Beweis der warmen Inflation für unser Bild vom Ursprung des Universums bedeuten? Ja, es würde, wie gesagt, so ein bisschen die Fragen, die wir uns stellen, verlagern. Also es würde dann nicht mehr heißen: Hey, aus dem Nichts entstand irgendwie was, sondern es würde sagen: Okay, cool, dieser Urknall oder diese Inflation, die gab’s, die hat Raum und Zeit auseinandergeblasen. Da war aber schon was. Also die hat etwas auseinandergeblasen, wo schon Elementarteilchen quasi möglich waren oder existiert haben. Die Frage ist dann: Wo kamen die her? Gab es da noch mehr davor? Genau, das sind alles Fragen, die man sich dann stellen kann. Ob die jeweils eine Antwort finden, ist eine andere Sache. Aber es ändert ja schon nochmal das Bild, was wir, finde ich, vom Universum haben. Gerade wenn man denkt: Okay, wir sind jetzt wirklich nur aus einem Raumpunkt, einem Zeitpunkt entstanden und das Universum hat sich genau so entwickelt, wie wir es jetzt sehen und nur einmal quasi dann. Stellen sich ja auch ganz viele Fragen: Wie kann es sein, dass alles genauso ist, dass irgendwie Leben entstehen kann, dass sich Galaxien gebildet haben? Das ist ja, wenn man so will, ein Riesen-Zufall, weil die Naturkonstanten mussten ja genau so sein. Man kriegt immer Kopfschmerzen, finde ich, wenn man über so etwas nachdenkt. Aber wenn man sich denkt: Okay, vielleicht war das ja gar kein Einzelereignis, sondern es gab dieses gekrümmte, weirde Universum und in verschiedenen Punkten ist genau das abgelaufen, dass es eine Inflation gab und daraus sind mehrere Universen entstanden. Also ist alles super spekulativ, aber ich finde für mich macht das dann mehr Sinn, dass man sagt: Ja klar, Leben konnte ja nur in dem Teil entstehen, wo die Naturkonstanten quasi gepasst haben. Deswegen nehmen wir das auch so wahr, weil sonst gäbe es uns ja gar nicht. Und dass das nicht nur einmal stattgefunden hat, sondern ganz häufig vielleicht, finde ich die zufriedenstellendere Antwort. Aber sieht nicht jeder so, vielleicht. Ja, aber ich weiß voll, was du meinst. Es ist einfach, sobald man quasi an den Ursprüngen des Universums rangeht, stellen sich natürlich auch gleich wieder die ganz, ganz großen Fragen. Sobald man da was irgendwie dran ändert, weil das ist halt wie dieses Bild von den ganz vielen Dominosteinen, die umfallen. Wenn du an den ersten rangehst, dann ändert sich bei dem letzten halt auch ziemlich viel. Also voll, voll spannende Forschung da zur warmen Inflation. Und wenn ihr das Ganze nochmal nachlesen wollt, dann empfehle ich euch Manons Artikel. Den findet ihr auf spektrum.de. Unbedingt mal reinlesen. Und ja, Manon, dir sage ich vielen, vielen Dank fürs Erklären. Ja, danke dir für die Zeit. So, und das war’s für diese Woche von uns hier beim Spektrum Podcast. Euch vielen, vielen Dank fürs Zuhören. Seid gerne auch kommende Woche wieder dabei. Wie immer freitags, ihr wisst, gibt’s eine neue Folge von uns. Bis dahin würde ich mich freuen, wenn ihr den Podcast abonniert, wenn ihr die Folge teilt, bewertet und likt und gerne auch rumschickt. Das hilft uns sehr. Auch dafür vielen, vielen Dank. Mein Name ist Max Zimmer und ich sage Tschüss und macht’s gut. Spektrum der Wissenschaft der Podcast von detektor.fm.