Die Bio-Branche ist nach wie vor ein Wachstumsmarkt. Der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln ist im vergangenen Jahr um 6,7 Prozent gestiegen. Im gleichen Zeitraum wuchs die Anbaufläche in Deutschland aber nur um 1,1 Prozent. Das heißt, die ProduzentInnen hierzulande können den Bedarf an biologisch erzeugten Lebensmitteln nicht decken. Die Lücke schließen Erzeuger aus dem Ausland. Diese Zahlen gab der Spitzenverband der Branche, der BÖLW, zum Start der Biofach Mitte Februar heraus. Die Biofach ist die Weltleitmesse für Bio-Lebensmittel. Hier kommen Akteure aus aller Welt zusammen. Aber auch wenn sich die Branche auf der Messe zukunftsfähig inszenierte, bleibt Bio vorerst eine Nische. Aktuell liegt der Bio-Anteil am gesamten Lebensmittelumsatz bei 6,6 Prozent. Wie die Bios die Brücke aus der Nische in den Mainstream schlagen wollen, darum geht es in dieser Folge. Ihr hört den Klima-Podcast von detektor.fm. Ich bin Ina Lebedjew. Hi! Mission Energiewende! Der detektor.fm Podcast zum Klimawandel und neuen Energielösungen in Kooperation mit Lichtblick, Deutschlands größtem reinen Ökostromanbieter mit Solarlösungen, intelligenter E-Mobilität und 100 Prozent Ökostrom.
Wie schafft es eine Branche, die vor allem für ihre traditionellen Werte bekannt ist, am Puls der Zeit zu bleiben? Wie wird unser Ernährungssystem resilient und zukunftsfähig? Das waren zwei zentrale Fragen, die in diesem Jahr auf der Biofach verhandelt wurden. Rund 2.200 Ausstellende aus aller Welt und 32.000 Besuchende kamen dafür Mitte Februar in Nürnberg zusammen. Die diesjährige Ausgabe stand unter dem Motto „Growing Tomorrow – Young Voices, Bold Visions“. Was das in der Praxis bedeuten kann, das hat sich meine Kollegin Marisa Becker genauer angesehen. Sie war auf der Messe unterwegs und hat unter anderem die neuesten Food-Trends der Bio-Branche für uns mitgebracht. Hallo Marisa! Hallo Ina! Du warst auf der Biofach unterwegs und hast dich mit VertreterInnen der Branche ausgetauscht. Was beschäftigt die Bios aktuell? Einmal ist es genau das, was du auch schon angesprochen hast, nämlich die Frage danach, wie sich der wachsende Bio-Sektor einfach zukunftsfähig aufstellen kann, ohne seine Werte zu verlieren. Denn natürlich ist es so, dass die Bios total unter Druck stehen, seit man Bioprodukte quasi überall kaufen kann. Im Supermarkt und Discounter stehen sie neben den günstigen Eigenmarken. Und hinzu kommt, dass die Marktmacht im Bereich des Lebensmitteleinzelhandels in Deutschland sehr stark konzentriert ist und die Händler deshalb über eine sehr große Macht verfügen. Das heißt, als Bio-Erzeuger steht man oft vor dem Dilemma: Entweder man verkauft seine Ware womöglich zu günstig und gefährdet damit seine eigene wirtschaftliche Existenz, oder man verliert womöglich seine Absatzmärkte im Lebensmitteleinzelhandel. Und damit geraten die Standards, die aber sozusagen den Kern vom Bio ausmachen, unter Druck.
Und was will die Branche tun, um dem etwas entgegenzusetzen? Das ist eine super spannende Frage, über die ich mit Anne Baumann gesprochen habe. Sie ist Teil der Geschäftsführung und Vorständin der AÖL, der Assoziation ökologischer Lebensmittelherstellerinnen und Hersteller und eben Mitglied der Biofach-Trend Jury. Das ist eine Runde, die aus mehreren BranchenkennerInnen besteht und die zu jeder Messe gemeinsam schaut, was die Branche aktuell bewegt. Und in diesem Jahr war einer der großen Trends, die sie identifiziert haben, Reframing Organic, also Bio neu zu erzählen. Das kann zum einen bedeuten, dass ich Prozesse im Unternehmen nochmal ganz neu anschaue und wirklich schaue, wo sind wir tatsächlich effizient und welche Prozesse sind vielleicht ein bisschen altbacken, sind vielleicht zu hierarchisch beispielsweise oder nicht hierarchisch genug, im Sinne von organisiert genug. Also da müssen sich Unternehmen nach innen weiterentwickeln. Genauso anzuschauen, was in der Verarbeitung beispielsweise, aber auch in der Landwirtschaft im Handel möglich ist. Was können wir mit Digitalisierung, KI und so weiter erreichen? Was gibt es da an neuen Möglichkeiten? Was gibt es an Prozessmöglichkeiten in der Verarbeitung beispielsweise, die ich nutzen kann für mich und so, die bisher vielleicht noch keine Rolle gespielt haben bei uns? Und nach außen hin hin zum Endkonsumenten, sozusagen zur Konsumentin, ist es eben genau die Frage: Wo kann ich die Leute abholen? Wo stehen sie in ihrem Leben, dass wir die Leute ein bisschen mehr dort abholen, wo sie sind? Und dann darauf zu vertrauen, dass sie vielleicht dann durch Genuss am Produkt, durch coole Produkte, durch leckere Produkte, durch fancy Produkte, die irgendwie ihrem Lifestyle entsprechen, dass sie dadurch dann zur Nachhaltigkeit kommen. Das heißt, einerseits können zum Beispiel durch neue Technologien wie KI Kosten gespart werden, andererseits müssen sich aber auch die Produkte mehr an den Bedürfnissen der Menschen orientieren, zum Beispiel an Gesundheit und Geschmack. Beides sind ja auch Kernwerte von Bio.
Und ich hatte dazu tatsächlich ein sehr spannendes Gespräch mit einem Hersteller, der ein veganes Produkt herstellt. Und der hat gesagt, wir schreiben inzwischen gar nicht mehr vorne drauf, dass wir vegan sind, denn wir wollen im Endeffekt wie die Pommes sein. Er hat gesagt, das sei so sein Prime Standard. Leute kaufen die Pommes nicht, weil sie vegan ist, sondern die kaufen sie, weil sie lecker ist und weil sie gut schmeckt. Und das ist das, was sich auch in den Foodtrends der Messe gespiegelt hat. Jetzt bin ich aber natürlich neugierig: Welche Bio-Foodtrends gab es denn auf der diesjährigen Messe überhaupt? Also dieses Jahr gab es vier große Produkttrends, die sich aber auch teilweise überschneiden, muss man sagen. Die basieren so auf den neuen Produkten, die auf der Messe vorgestellt wurden. Und ein Trend heißt „Colorful by Nature“. Und damit ist gemeint, dass Bioprodukte nicht mehr nur in so klassisch braunen Papierverpackungen, sage ich jetzt mal ganz klischeehaft, angeboten werden, sondern auch so ein richtig buntes Marketing gesetzt wird und dass die Produkte selbst auch bunter werden. Okay, wie meinst du das? Also ein Hersteller hat zum Beispiel eine blaue Nussbutter rausgebracht, die übrigens hervorragend geschmeckt hat, muss ich ehrlich sagen. Und die wird mithilfe von Spirulina, also dieser Algenart, gefärbt. Colorful by Nature eben. Und da sieht man, die Bio Branche findet inzwischen eben auch in Supermärkten und Drogerien statt. Und da muss sie einfach optisch auch mit konventionellen Herstellern mithalten und auch herausstechen können. Und das tun inzwischen selbst absolute Bio-Urgesteine.
Okay, spannend! Was waren die anderen Trends? Ein riesengroßes Thema auf der Messe war Fermentation. Fermentation ist ja so für sich genommen eine uralte Technik. Also machen Menschen schon total lange, bei der Mikroorganismen wie Bakterien oder Hefen letztendlich Zucker und andere Stoffe umwandeln, wodurch dann Säure, Alkohol oder Gase entstehen. Und das macht die Produkte dann haltbarer oder gesünder und eben auch bekömmlicher. Und das nutzen inzwischen Hersteller aus ganz, ganz unterschiedlichen Bereichen. Ich habe zum Beispiel Fleischersatzprodukte probiert, die aus fermentierten Gemüseresten bestehen, oder auch Schokoladenersatz aus der Frucht des Johannesbrotbaums, die dann eben fermentiert wird. Und das Ergebnis schmeckt wirklich, also nicht direkt wie Schokolade aus Kakao, aber es kommt dem sehr nahe und ist wirklich sehr, sehr lecker. Mein persönliches Highlight aus diesem Bereich Fermentation war aber tatsächlich Verano. Das ist ein Aufschnitt für Brot, der aus Gemüse hergestellt wird. Es wird wirklich auch so ganz dünn, so in Scheiben geschnitten, wie so Putenbrust. Irgendwie war so mein erster Gedanke dazu. Vom Namen her erinnert das natürlich an Serrano-Schinken. Genau, aber es gibt wohl auch das spanische Wort für Sommer. Das ist wohl auch Verano und es könnte auch sozusagen daher kommen. Also das lässt sozusagen der Hersteller offen. Wir haben da nämlich auch drüber gesprochen. Und war total mein erster Gedanke: Aha, Verano, Serrano. Aber das ist quasi nicht die einzige Interpretation, die dazu möglich ist. Und diesen Aufschnitt, den gibt es eben auf Basis von Rotabete, Steckrübe und Sellerie. Und die werden in einem Verfahren, was sozusagen wirklich diesem Serrano-Schinken-Verfahren sehr ähnelt, über fünf Wochen lang wild fermentiert. Und das Ergebnis ist wirklich richtig, richtig lecker.
Spannend! Okay, wie kann ich mir denn das geschmacklich vorstellen? Jetzt läuft mir hier fast das Wasser im Munde zusammen, ohne dass du was darüber gesagt hast. Ja, also im Endeffekt ist es so ein ganz zarter, würziger Aufschnitt. Also wirklich von der Konsistenz her eben wie so eine Putenbrust. Also sehr lange her hatte ich das letzte Mal gegessen, aber so stelle ich mir das vor. Und man schmeckt die Grundzutat schon noch so ein ganz bisschen durch, aber wirklich nur sehr dezent. Und dafür stehen so diese würzigen Aromen sehr im Vordergrund. Also es ist sehr, sehr geschmackvoll einfach und lecker. Und es ist auch ein Clean Label-Produkt, übrigens. Also es hat nur ganz, ganz wenige Inhaltsstoffe und ist eben sozusagen durch dieses Fermentationsverfahren haltbar. Und du hast da jetzt nicht tausend Konservierungsmittel drin. Und deswegen ist es irgendwie schon eine sehr besondere Alternative und hat mich auch sehr beeindruckt, weil so etwas gab es einfach bisher noch gar nicht. Und dieser Fermentationstrend, der wurde auf der Messe „Precision Meets Tradition“ genannt. Der passt auch mega gut zum anderen Trend, den es gab. Der hieß nämlich „Oh My God“ und meint sozusagen Produkte, die gut für die Darmgesundheit sind.
Okay, das heißt also welche, die dem Darmmikrobiom irgendwie helfen oder? Genau, also ich habe ja so einen Trendrundgang mitgemacht und habe da zum Beispiel so eine funktionelle Schokolade kennengelernt. Und die ist deshalb funktionell, weil sie nur ganz wenige Zutaten enthält und die Süße aus den Ballaststoffen kommt. Das heißt, die Riegel werden zum Beispiel mit Jahrkornwurzel, gemahlenen Datteln oder Erdmandelmehl, ich sage mal in Anführungszeichen, gesüßt, weil es ist nicht richtig süß in dem Sinne. Okay, aber schmeckt es denn überhaupt wirklich wie Schokolade? Naja, nicht direkt. Also es ist schon ein Unterschied. Du könntest jetzt nicht in einer Blindverkostung sozusagen sagen, probier mal das und probier mal das und niemand schmeckt einen Unterschied. So ist es nicht. Also es ist schon was anderes, irgendwie auch was Eigenes. Aber es ist sehr lecker und kann eben wie Schokolade verwendet werden. Es gab Pralinen und Riegel, Tafeln, so wie man sich das eben vorstellt.
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Aha, okay. Damit ist die Branche ja auch ziemlich nah am Zeitgeist, würde ich sagen. Also laut dem Ernährungsreport des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat 2025 ist den Deutschen neben dem Geschmack, das sagen 98 Prozent der Befragten, vor allem wichtig, dass Essen eben gesund ist. Das sagen 90 Prozent der befragten Personen und dass es leicht zuzubereiten ist, was immerhin noch 57 Prozent der Befragten wichtig ist. Hat sich das, also dieses leicht zuzubereiten, auch auf der Messe wieder gespiegelt? Total! Also der zweite Branchentrend, den die Jury identifiziert hat, war auch tatsächlich „Perfectly Simple“. Und hier spiegelt sich genau dieses Bedürfnis nach Einfachheit wieder. Also die Leute wollen einerseits keine langen komplizierten Inhaltsstofflisten und andererseits haben sie einfach oft nicht die Zeit, ewig in der Küche zu stehen. Und dass immer mehr Produkte entwickelt werden, um auch dieses Bedürfnis zu bedienen, das hat sich auf jeden Fall gezeigt. In diesem Jahr wurde zum Beispiel zum zweiten Mal der Biofach Startup Award verliehen und der ging in diesem Jahr an Pack Satt. Die stellen Convenience-Produkte in Bio-Qualität her. Das heißt, du hast einen Beutel aus Papier, also es kann tatsächlich auch danach ans Altpapier. Gibst dann aber Wasser in diesen Beutel rein und dann hast du in wenigen Minuten so eine vollwertige, proteinreiche Mahlzeit. Und mit ihrem Konzept haben sie auch die Jury überzeugt. Ich habe Zelda Morina gefragt, warum sie sich für Pack Satt entschieden haben. Sie ist die Head of Rewe Startup Lounge National und Teil der Jury der Startup Awards gewesen. Ja, das war eigentlich klar und eindeutig schon vom Pitch her, weil die Gründerin einfach für ihre Themen gebrannt hat. Und sie hat auch geschafft, in dieser kurzen Zeit einfach den Mehrwert ihrer Produkte richtig rüberzubringen. Und ich meine, wir waren ja viele Händler da und jeder bewertet ja aus einer anderen Brille raus. Aber letztendlich hat sie uns halt alle berührt, weil sie auch ganz klar erklärt hat, dass in dieser Branche, in der Kategorie der Fertiggerichte einfach ein Wachstum da ist. Und ja, auch die Kunden hier eine Innovation verlangen oder erwarten, weil hier Jahre nichts passiert ist. Also das heißt, der Kunde möchte sich eben nicht nur konvenient ernähren, sondern möchte sich halt bewusst und gesund ernähren mit regionalen Zutaten und gesunden Zutaten. Und das hat sie halt einfach super vermarktet. Das heißt, dieser Trend zu Convenience der ist nicht nur auf die Bio-Branche beschränkt, sondern findet eben im gesamten Lebensmitteleinzelhandel statt. Und mit dem Mehrwert gesund und regional hat das Bio-Produkt dann eben besonders gute Argumente. Ich habe es vor Ort auch probiert und es schmeckt wirklich ganz gut. Ja, klingt ja natürlich irgendwie auch spannend mit dieser Geschichte, dass man in einen Papierbeutel Wasser tut. Also wenn ich sozusagen an die Mittagspausen denke und die Mikrowellengerichte, die hier im Büro öfter mal auf dem Tisch landen, dann ist halt einfach auch viel Plastik im Spiel. Trotzdem bleibt eine zentrale Herausforderung bestehen. Wir haben das Thema zu Beginn schon mal angeschnitten. Die Anbaufläche in Sachen Bio wächst nicht genug, um die Nachfrage zu bedienen. Woran liegt das? Das hat unterschiedliche Gründe. Vielleicht ganz kurz zur Einordnung: Aktuell liegt der Bio-Anteil der Gesamtanbaufläche in Deutschland bei rund 11 Prozent. Und das Ziel der Politik liegt aber bei 30 Prozent bis 2030. Das ist also eine ganz schön große Gap, die es dann auch sozusagen zu erfüllen gibt. Und das Ziel gilt aber ehrlicherweise für viele, mit denen ich gesprochen habe, jetzt schon als unerreichbar. Denn dafür müssten die Anbauflächen um ungefähr 12 Prozent pro Jahr wachsen. Und aktuell sind wir, das hast du auch schon eingangs gesagt, bei ungefähr einem Prozent Wachstum pro Jahr. Das heißt, wir haben da wirklich eine große Lücke. Und ein Grund für die niedrigen Umstellerzahlen sind eben auch die enormen Investitionskosten, die man für den Umbau eines Stalls aufwenden muss. Und natürlich auch der Verwaltungsaufwand, der mit so einer Zertifizierung, die für Bio eben nötig ist, auf einen zukommt.
Und was sagt die Politik dazu? Bundeslandwirtschaftsminister Alois Reiner war ja zur Eröffnung der Messe da und hat dort eine Rede gehalten. Genau, also aus der Politik kommen unter Alois Reiner tatsächlich gemischte Signale. Er sagt zum Auftrag der Messe, dass sich auch die Biolandwirtschaft eben auf Kürzungen einstellen müsse. Das ist ja gerade so das, was überall im Raum steht. Und insbesondere das Bundesprogramm ökologischer Landbau soll da geprüft werden. Das unterstützt aber tatsächlich LandwirtInnen bei der Umstellung auf Bio. Und ja, insofern ist das kein besonders positives Signal, was damit einfach gesendet wird. Wenn wir eben an dieses 30 Prozent Ziel denken, an einer anderen Stelle wiederum sind sich aber der Bundeslandwirtschaftsminister und Anne Baumann vom AÖL einig. Für die Unternehmen, ich spreche ja als AÖL-Vertreterin für Verarbeitungsunternehmen, ist es so, dass alles, was an Regulatorik auf uns zukommt, immer auf Verhältnismäßigkeit und auf Mittelstandstauglichkeit geprüft werden sollte. Weil Bio zeichnet sich aus noch durch einige viele heterogene Strukturen. Und wenn wir die erhalten wollen, weil so es wirklich möglich ist, dass ein Wertschöpfungskettensystem resilient bleibt, wenn wir diese Heterogenität erhalten wollen, dann müssen die ganzen Regularien für die Unternehmen irgendwie handhabbar sein. Das heißt, nicht, dass wir nicht volle Pulle in Richtung Nachhaltigkeit gehen sollten. Also unbedingt festhalten am grünen Deal. Wir müssen etwas verändern, sonst zerstören wir uns und unseren Planeten selber. Und daran müssen wir unbedingt etwas ändern. Aber ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass Unternehmen dann richtig innovativ sein können, wenn sie unternehmerische Freiheiten haben. Und die brauchen wir. Kurzum, es geht um den Abbau von Bürokratie. Und das hatte Alois Reiner den LandwirtInnen in Aussicht gestellt. Die Bio-Branche ist also bereit für die Zukunft, sucht aber dringend weitere Mitstreiter.
Darf ich dich zum Abschluss noch fragen, was dein ganz persönliches Highlight gewesen ist auf der Biofach in Nürnberg? Voll gerne! Also ich persönlich fand den Spirit auf der Messe einfach extrem ansteckend. Also man hat wirklich gespürt, dass man auf der Messe von einer Branche ist, die sich einfach gerade im Aufschwung befindet und die ganz, ganz viele spannende Geschichten zu erzählen hat. Und das war wirklich einfach ein sehr schönes Erlebnis. Und geschmacklich muss ich ehrlich zugeben, auch wenn es vielleicht ein bisschen stehhaft ist, ich bin jetzt irgendwie ein Matcha-Fan. Ich habe das vor ein paar Monaten zum ersten Mal probiert, war ehrlich gesagt überhaupt nicht begeistert, fand es total furchtbar. Und diesmal hat es mir echt gut geschmeckt. Und ich habe da so ein bisschen die Theorie, dass es ist wie mit Mate. Beim ersten Mal ist es furchtbar und umso häufiger du das sozusagen zu dir nimmst und probierst, umso besser wird es. Und ich bin jetzt echt an dem Punkt, wo ich sagen muss, schmeckt echt gut. Und das ist auf jeden Fall etwas, was mir jetzt sozusagen langfristig bleibt. Und in welcher Form hat dich Matcha überzeugt? Ich habe da tatsächlich so einen Fertigmix, einerseits sozusagen für eine Matchalatte in Pulverform ausprobiert, der war sehr, sehr lecker. Und dann gab es dort Schokolade aus geröstetem Matcha. Und das war krass! Das habe ich noch nie probiert. Du hast diese Schokolade aus normalem Matcha probiert und dachtest, ja, schmeckt nach Matcha. Dann hast du aus geröstetem Matcha probiert und dachtest, das ist eine völlig andere Liga, eine völlig andere Geschmackswelt. Und schon spannend, was du quasi aus diesem gleichen Pulver alles machen kannst. Ja, beeindruckend! Also meine Kollegin Marisa Becker war auf der Biofach in Nürnberg unterwegs und hat dort mit Menschen aus der Branche gesprochen, aber natürlich sich auch durchprobiert. Vielen, vielen Dank für die Eindrücke, Marisa! Gerne! Das war der Klimapodcast von detektor.fm für heute. Wenn ihr über die nächsten Folgen rund um Klimaschutz informiert sein wollt, dann folgt doch dem Podcast in eurer Lieblings-App. Und wir sagen Dankeschön fürs Zuhören. Produziert hat diese Folge Wiebke Stark. Und ich bin Ina Lebedjew. Macht’s gut. Bis bald! Tschüss! Mission Energiewende! Der detektor.fm-Podcast zum Klimawandel und neuen Energielösungen in Kooperation mit Lichtblick, Deutschlands größtem reinen Ökostromanbieter mit Solarlösungen, intelligenter E-Mobilität und 100 Prozent Ökostrom.