Das neue Jahr ist da, und wenn ihr zu den Menschen gehört, die sich gute Vorsätze machen, dann habt ihr euch vielleicht auch vorgenommen, gesünder zu leben, mehr Sport zu machen und vielleicht sogar auch ein bisschen abzunehmen. Dabei ist etwas mehr Körperfett nicht immer, bzw. nicht überall überhaupt ein Problem. Gefährlich kann vor allem eine bestimmte Art von Bauchfett werden, das sogenannte viszerale Fett. Was das ist, warum es Probleme machen kann und wie man das wieder loswird, das schauen wir uns heute nochmal genauer an. Ich bin Jessi Jus, schön, dass ihr dabei seid. Vielleicht wurde euch schon mal eingeredet, euer Bauch wäre zu dick, und das wäre aber gar nicht gut. Tatsächlich kann man aber einer Person gar nicht ansehen, ob sie zu viel Bauchfett hat. Denn es ist das sogenannte viszerale Fett, das Probleme macht. Das Fett, das tief im Bauchraum sitzt und sich wie ein Polster um unsere Organe legt. Immer mehr Menschen haben zu viel von diesem viszeralen Fett. Warum das so ist und welche Folgen das haben kann, darüber hat mein Kollege Marc Zimmer mit Frank Schubert von Spektrum der Wissenschaft gesprochen. Und ihn erstmal gefragt: Was ist das überhaupt, viszerales Fett? Das ist ein Fettdepot im Unterleib, was sich zwischen den Organen befindet. Es umhüllt innere Organe wie den Magen, den Darm, die Leber, die Bauchspeicheldrüse und die Nieren. Und das brauchen wir. Das ist für unseren Körper unentbehrlich, weil es unsere Organe mit Energie versorgt und sie auch schützt vor Stößen und anderen Kraftentwirkungen. Naja, und man bezeichnet das als viszerales Fett, weil es die Eingeweide, also die Viszera, umkleidet. Also der Begriff kommt einfach vom Organ, quasi das Kleid fürs Organ, sozusagen. So, und du hast auch gerade schon gesagt, wir haben das alle. Es kommt nur quasi darauf an, wie oft dann eben auf die Menge an oder auf die Dosis. Woher weiß ich denn jetzt, wenn ich mir meinen Bauch anschaue, um welche Art von Fett es sich handelt? Das ist nicht einfach zu sagen, weil von außen kann man das natürlich schlecht unterscheiden. Also man kann es schlecht unterscheiden vom Unterhautfett. Es ist weniger auffällig als das Unterhautfett, kann man, glaube ich, sagen. Auch wenn die beiden von außen nicht immer leicht zu unterscheiden sind. Also so ein typisches Zeichen für üppiges Viszeralfett ist der sogenannte Apfeltyp. Das ist, wenn man einen runden Bauch aber schlanke Gliedmaßen hat. Das ist relativ typisch für Männer. Das sieht man sehr oft bei korpulenten Männern. Der andere Typ ist der sogenannte Birnentyp. Das ist bei üppigem Unterhautfett, sieht man eher bei Frauen. Birnentyp ist, wenn es so üppige Rundungen an Hüften, an Oberschenkeln und an Gesäß gibt. Und man kann sich als Faustregel merken: Ein erhöhter Bauchumfang oberhalb einer gewissen Grenze deutet auf erhöhte Mengen von Viszeralfett hin. Und als problematisch gelten 102 cm Bauchumfang bei Männern und 88 cm bei Frauen. Okay, und wenn ich mir jetzt dieses viszerale Fett quasi anschaue, du hast es ja unterschieden zu diesem Unterhautfett, was man jetzt so als, ich nenne es jetzt mal, normales Fett. Was macht dieses viszerale Fett denn nun gefährlicher als das andere? Und was für Folgen kann es vielleicht auch haben, wenn man zu viel davon hat? Ja, dieses Viszeralfett, das baut sich relativ schnell auf und auch schnell wieder ab. Und das führt dazu, dass es doch verstärkt dafür sorgt, dass die Blutfettspiegel erhöht sind und dass auch das Arteriosklerose-Risiko, also das Gefäßverkalkungsrisiko, erhöht ist. Deswegen ist es problematischer als das Unterhautfett, weil es sich eben schneller mobilisieren lässt und schneller mobilisiert wird im Körper. Die Fettzellen des Bauchfetts stehen in einem regen Informationsaustausch mit anderen Organen. Die setzen diverse Signalmoleküle, diverse Signalstoffe frei. Darunter sind Signalstoffe namens Cytokine, die Entzündungen fördern, unter anderem. Die hemmen auch die Freisetzung einer Substanz namens Adiponektin. Diese Substanz oder diese Hemmung führt dazu, dass die Insulinempfindlichkeit unseres Körpers heruntergeregelt wird, was sozusagen die Diabetesneigung verstärkt und was den Körper so ein bisschen in Richtung metabolisches Syndrom schiebt. Metabolisches Syndrom nennt man ja die Kombination aus erhöhten Blutzuckerwerten, aus gestörtem Fettstoffwechsel, aus Bluthochdruck und starkem Übergewicht. Und das Ganze wird eben wahrscheinlicher, wenn solche Signalstoffe freigesetzt werden vom Bauchfett. Diabetes Typ 2 wird wahrscheinlicher, das Diabetes Typ 2-Risiko steigt und auch das Risiko für die koronare Herzkrankheit. Viszerales Fett entzündet sich relativ leicht, weil eben diese Signalstoffe auch entzündungsfördernd sind. Und das kann dann zu einer sogenannten Fibrose auch führen, also zu so einer Vernarbung des Fettgewebes, was dann wiederum zur Folge hat, dass sich das Fett nicht mehr richtig mobilisieren lässt. Genau, also aus all diesen Gründen ist eben dieses Viszeralfett problematisch. Und wie entsteht das jetzt genau? Also was sind die Ursachen dafür? Na ja, ganz wichtig für die Entstehung von Fettdepots ist natürlich erstmal der Energiehaushalt des Körpers. Also wenn die Energiezufuhr immer wieder den Energieumsatz des Körpers übertrifft, dann hat man sozusagen einen Plus, und dann droht Übergewicht. Und besonders schwierig in dem Zusammenhang oder besonders problematisch ist halt natürlich die hochkalorische Ernährung, die wir eben in den westlichen Ländern leider eben ein sehr hohes Angebot davon haben, die eben sehr oft angeboten wird. Und hochkalorische Ernährung also sehr kalorienreiche Ernährung ist eben besonders schwierig in Verbindung mit Bewegungsmangel. Zu hochkalorischer Ernährung gehören hochverarbeitete Lebensmittel, die eben sehr reich an Zucker und an Fett sind, die mit einer sehr starken Energiezufuhr einhergehen und mit einer sehr hohen glykämischen Last. Glykämische Last bezeichnet das Maß, in dem der Blutzucker erhöht ist durch die Nahrungszufuhr. Lebensmittel mit einer sehr hohen glykämischen Last führen eben zu sehr stark und langfristig länger anhaltenden Blutzuckerspiegeln. Und das begünstigt den Aufbau von Körperfett und damit auch den Aufbau von Viszeralfett. Aber was jetzt genau darüber entscheidet, ob wir eher Unterhautfett oder eher Viszeralfett aufbauen, das weiß man gar nicht so genau. Also das unterscheidet sich von Mensch zu Mensch auch. Manche Menschen neigen stärker dazu, Bauchfettdepots anzulegen als andere. Andere neigen eher zu Unterhautfettdepots. Man weiß, dass männliche Geschlechtshormone eher so eine viszerale Fetteinlagerung fördern. Deswegen sieht man ja diesen Apfeltyp eben sehr oft auch bei korpulenten Männern. Frauen neigen eher so zum Anlegen von Unterhautfettdepots. Bei Frauen kommt es oft erst nach der Menopause zu einer verstärkten Einlagerung von Bauchfett. Offensichtlich spielen da Geschlechtshormone eine Rolle. Dann gibt es auch genetische Faktoren. Zum einen ein Krankheitsbild namens Lipodystrophie. Das besteht darin, dass der Aufbau von Unterhautfettdepots gestört ist und dass unnormal viel Bauchfett, Viszeralfett, eingelagert wird. Und dieses Krankheitsbild geht einher mit besonders schwerem Diabetes und vorzeitiger Alterung. Da spielen genetische Faktoren eine Rolle. Und dann spielt auch das Darmmikrobiom eine Rolle. Inwiefern hat der Darm einen Einfluss? Die Darmflora, also die Mikroben, die in unserem Darm leben, Bakterien unter anderem, die spielen eine große Rolle. Das weiß man inzwischen recht gut, unter anderem aus Tierversuchen an Mäusen. Man weiß, wenn man die Darmflora von stark übergewichtigen Tieren auf normalgewichtige Tiere überträgt, dann werden die vorher normalgewichtigen Tiere ebenfalls stark übergewichtig. Also spielt die Darmflora da anscheinend eine große Rolle. Und man weiß, dass ähnliche Mechanismen auch beim Menschen wirken. Man weiß, dass bei stark übergewichtigen Personen ein Ungleichgewicht besteht zwischen verschiedenen Bakteriengruppen der Darmflora. Eine Rolle spielen da zum Beispiel die sogenannten Bacteroidota. Das ist eine Bakteriengruppe, die unterrepräsentiert ist bei stark übergewichtigen Personen, während die Bacillota, das ist eine andere Bakteriengruppe, eher überrepräsentiert sind. Und diese verschiedenen Bakteriengruppen haben unterschiedliche Eigenschaften. Die unterscheiden sich darin, wie gut sie den Nahrungsbrei verwerten, der sich durch den Darm bewegt. Die unterscheiden sich darin, wie schnell sie die Nahrungsstoffe aus diesem Nahrungsbrei weitergeben an den Wirt, also an uns, jetzt in dem Fall. Und deshalb unterscheiden sie sich eben darin, wie stark jetzt beispielsweise unser Blutzuckerspiegel ansteigt, nachdem wir irgendwas gegessen haben. Das hängt eben stark davon ab, welche Bakterien wir im Darm haben, weil die Bakterien eben einen Großteil der Verdauungsarbeit für uns erledigen. Man weiß, dass die Darmflora von stark übergewichtigen Personen weniger divers ist als die von normalgewichtigen. Also die ist artenärmer, was die Bakterien betrifft. Und vor allem infolge des westlichen Ernährungsstils büßt unser Mikrobiom, unsere Darmflora, an Vielfalt ein. Also sehr energiereiche und sehr hochverarbeitete Lebensmittel wie Fast Food und Snacks sind eher ungünstig, weil die werden überwiegend im oberen Teil des Darms verdaut. Deswegen kommt im unteren Teil des Darms nicht mehr so viel an von denen, aber dort haben wir die meisten Darmbakterien. Und wenn wir eben sehr hochverarbeitete Lebensmittel sehr intensiv konsumieren, dann laufen wir Gefahr, die Darmbakterien im unteren Teil des Darms schlecht zu versorgen mit Nährstoffen. Die hungern dann und gehen zum Teil zugrunde, und dann verarmt die Darmflora. Das weiß man eben mittlerweile aus Untersuchungen. Ja, manche Mikroben wie die Bacillota wirken sich negativ auf den Stoffwechsel aus und gewinnen halt an Einfluss bei stark verarmter Darmflora. Frank Schubert und Marc Zimmer im Spektrum Podcast über viszerales Fett und warum das gesundheitlich Probleme machen kann. Das war hier nur ein Ausschnitt. Die komplette Folge vom Spektrum Podcast könnt ihr euch aber natürlich auch anhören. Die verlinke ich euch nochmal in den Shownotes. Da geht es dann nochmal genauer um die alles entscheidende Frage, wie man dieses viszerale Plätzchenfett aus der Weihnachtszeit denn jetzt wieder loswird. Spoiler: Schon mal, viszerales Fett baut sich zwar besonders schnell auf, man kann es dafür aber auch besonders schnell wieder abbauen. Bleibt mir noch, Danke zu sagen an unseren Audio Producer Benjamin Serdani, der diese Folge produziert hat. Und ich bin Jessi Jus. Wir hören uns hier nächste Woche wieder. Bis dahin, ciao!