Besonderheiten des Meisterkurses
Aber das ist bei uns schon was Besonderes. Also wenn hier Meisterkurs ist, dann sind unsere Fahrradstände vorm Gebäude alle vollbelegt. Man kann nicht einfach Arzt werden oder sich Arzt nennen. Und wenn wir eine gewisse Qualität auch im Handwerk behalten müssen, dann ist das zumindest schon meine Meinung, dass wir da eine Qualitätssicherung über eine Prüfung machen sollen.
Die Menschen im Fahrradhandwerk
Was sind das für Menschen, die da zu euch kommen? Also für die ist das Fahrrad mehr als nur Beruf, sondern man lebt das quasi. Deswegen wollen, glaube ich, doch einige Menschen bei uns eben diesen Meisterkurs besuchen, weil man bei uns im Zuge des Meisterkurses einen Rahmen baut. Womit hat das was zu tun? Ist das dieser viel besprochene Fachkräftemangel etwa? Darüber hinaus ist es, glaube ich, ziemlich sinnstiftend, auch zu sehen, wie viele Leute man mobil hält mit unserem Beruf.
Der Fahrrad-Podcast
Hier ist der Antritt der Fahrrad-Podcast auf detektor.fm mit der ersten Märzausgabe 2026. Mein Name ist Gerolf Meyer und falls sich jemand gemeinsam mit mir wundern möchte, wo die ersten zwei Monate dieses Jahres bitte schön hin sind, dann stimmt bitte jetzt mit mir ein. Okay, danke. Vielleicht passiert es ja in jedem Jahr, dass man sich immer mal wieder wundert, wie schnell so ein paar Monate vergehen. Vielleicht ist aber diesmal auch ein bisschen besonders, weil in den vereisten Wochen zumindest an Draußenfahren nicht so wirklich zu denken gewesen ist.
Sorgen um die Form
Ich habe jedenfalls gleich bei mehreren Menschen festgestellt, dass sie sich etwas Sorgen um ihre Form gemacht haben, weil da tolle Dinge im Frühlingskalender stehen. Aber eben so wenig ging im Januar und Februar, zumindest draußen. Ich bin auch einer von diesen Menschen und ich habe mir dann gedacht: Na gut, wenn wir alle zusammen langsam vor uns hinstochern, dann ist es auch irgendwie okay und eh dieser wunderschöne Sport in Stress ausartet.
Rückblick auf die letzte Ausgabe
Wir haben da ein schönes Gespräch zum Rumbummeln in der letzten Ausgabe gehabt und zum unter zu hohen Druck setzen, und das möchte natürlich niemand. Wird schon alles werden und bei großartigen Sonnenaufgängen und perfekt gezirkelten Serpentinen schaut eh niemand bei Verstand auf die Uhr. Apropos letzte Ausgabe: In der haben wir mit unseren Unterstützenden über ihre Themen gesprochen und wir werden das ab jetzt wie angekündigt ungefähr einmal im Quartal machen.
Einladung zum Antrittstreffen
Wer da mit dabei sein will, findet den Link zu Steady in den Shownotes und wir freuen uns wie Bolle, wie Christian sagen würde, über Justin, Matthias, Nora und Michael, die hier mit aufgesprungen oder zurückgekehrt sind. Die vier und alle anderen bekommen dann in den nächsten Tagen auch eine Einladung zu unserem zweiten Antrittstreffen in diesem Sommer hier in Leipzig. Und wenn ihr die auch haben wollt, dann springt doch einfach auch noch mit auf.
Ausbildung zum Zweiradmechaniker
Wir rollen jetzt hier alle zusammen los und drücken ein bisschen die Schulbank, aber keine Angst, hier geht es nicht um eure Horrorfächer, sondern darum, wie man eigentlich Zweiradmechanikerin oder Zweiradmechaniker wird. Das habe ich nämlich nur so ungefähr gewusst und mir gedacht, ich frage einfach mal nach bei jemandem, der sich damit auskennt und der mir endlich mal erklären kann, was alles dazu gehört zu so einer Ausbildung und was drinsteckt. Ich wünsche euch viel Spaß mit dem Gespräch. Let’s go!
Maschinenliebe im Fahrradhandwerk
Menschen lieben Maschinen. Das ist in vielen Gesprächen in diesem Podcast immer wieder deutlich geworden und es hat sicher auch etwas damit zu tun, was uns diese Maschinen ermöglichen. Wir nennen diese Maschinen Fahrräder und damit die funktionieren, muss es Menschen geben, die sie herstellen, die sie warten und reparieren können. Das sind dann die Menschen in der Fahrradwerkstatt. Doch welche Wege in einer Fahrradwerkstatt gibt es eigentlich und was erwartet einen auf diesem Weg?
Gespräch mit Jan Paulus
Darum geht es in diesem Gespräch, das ich mit Jan Paulus von der Bundesfachschule Zweirad in Frankfurt am Main führen kann. Jan ist dort in der Lehrgangsleitung beschäftigt und nimmt sich Zeit für meine Fragen und ich sage Hallo an den Main. Hallo Jan! Moin Gerolf! Du arbeitest an der Bundesfachschule Zweirad. Das klingt irgendwie bundesweit. Seid ihr etwa so etwas wie die Zentrale für Zweiradmechanik in Deutschland oder wie kann ich das verstehen?
Die Bundesfachschule Zweirad
Nicht ganz. Wir gehören zur Handwerkskammer Frankfurt Rhein-Main und wie viele andere Handwerkskammern in Deutschland auch, betreiben wir Berufsbildungszentren. Dort finden Lehrgänge für Auszubildende und MeisterInnen oder werdende MeisterInnen statt. So haben wir auch mehrere Bildungszentren und ein Teil davon ist die Bundesfachschule Zweirad. Das ist ein Titel, den haben wir mal verliehen bekommen von der Bundesinnung vor langer Zeit, wahrscheinlich Anfang der 90er oder wahrscheinlich 92 war es im richtigen Sinne.
Ausbildung in der Zweiradmechanik
Bei uns lernen Azubis und MeisterInnen oder werdende MeisterInnen ganz viel über Fahrräder und Motorräder und E-Bikes natürlich auch. Ja. Und wenn die euch das verliehen haben, diesen Titel, also dieses Bundes, also hat das irgendwie einen überregionalen Bezug oder ist das einfach, haben die damals so entschieden, weil sie es gut fanden als Titel? Ich glaube schon, dass wir relativ stark engagiert sind, was das Zweirad angeht.
Besonderheiten der Ausbildung
Also wir haben große Werkstätten, wir machen Sachen wie Fahrradrahmenbau, was glaube ich auch relativ selten ist in Deutschland oder auch in Europa. Das macht uns, glaube ich, besonders und aufgrund dessen haben wir diesen Titel quasi verliehen bekommen. Und wir gehen da auf Pflichten mit ein. Also ich darf auch in der Bundesinnung mitwirken in verschiedenen Ausschüssen und Gremien und dort mitgestalten.
Regionale Berufsschule
Ja, und du hast schon gesagt, dass die Handwerkskammer Frankfurt Rhein-Main seid. Ihr dann sowas wie eine quasi regionale Berufsschule oder ein regionales Ausbildungszentrum auch? Könnte man das dazu sagen? Im Prinzip schon. Also alles, was so im Rhein-Main-Gebiet eine Ausbildung im Handwerk macht, kommt zu uns und besucht Lehrgänge und eben auch die Meisterinnenschulen, die liegen auch bei uns.
Berufsbezeichnungen im Handwerk
Jetzt kenne ich in diesem Handwerksbereich was das Fahrrad betrifft mehrere Berufsbezeichnungen, also Zweiradmechanikerin oder Zweiradmechaniker und auch Zweiradmechatronik. Über welches Berufsbild sprechen wir konkret? Tatsächlich beginnt man in der Regel, wenn man eine Karriere im Handwerk anstrebt, die mit einer Ausbildung. Die Ausbildung im Zweiradbereich heißt Zweiradmechatroniker und die gibt es getrennt in Fahrrad und Motorrad.
Ausbildungswege und Meistertitel
Es gibt zusätzlich im Fahrradbereich noch den Fahrradmonteur. Das ist eine verkürzte Ausbildung und jetzt wird es ein bisschen unlogisch, leider, aber das können wir nicht ändern. Der Meister oder die Meisterin heißt tatsächlich Zweiradmechanik. Das ist so. Das liegt daran, dass die Berufsbilder immer so Stück für Stück überarbeitet werden und eben dieser Mechatronik-Teil noch nicht bei den Meisterinnen Einzug gehalten hat. Aber natürlich müssen wir uns auch mit Elektronik beschäftigen in dem Bereich.
Organisatorisches zur Ausbildung
Ja, also Mechatronik, vermute ich, kommt dann so aus Richtung Pedelec, E-Bike, wahrscheinlich da rein. Absolut, beziehungsweise im Motorradbereich ist es ja deutlich mehr verankert. Also ohne Elektronik fährt kein Motorrad. Lass uns am Anfang noch mal über so ein bisschen Organisatorisches sprechen. Du hast es eben schon angerissen mit den verschiedenen Berufsbildern und Meistern, hast du auch erwähnt. So ganz grundsätzlich: Wie ist diese Ausbildung, dieser Ausbildungsweg in Deutschland organisiert? Da gibt es doch sicher ein Organigramm.
Durchlässigkeit des Bildungssystems
Ja, also kann man schon sagen, wobei unser Bildungssystem dahingehend so ein bisschen durchlässig ist. Also es ist zum Beispiel möglich, auch einen Quereinstieg zu machen, was jetzt nicht überall, glaube ich, so gang und gäbe ist. Wie ich gerade eben so ein bisschen erwähnt habe, fängt man eigentlich mit einer Ausbildung an. Die dauert je nachdem, welche Ausbildung man macht, dreieinhalb Jahre. Also bei uns ist der reguläre Weg dreieinhalb Jahre Ausbildung. Man kann die auch verkürzen. Es gibt wie immer viele Ausnahmen.
Meisterprüfung und Weiterbildung
Und wenn man dann quasi den Titel als Gesellin hat, dann kann ich mich auch bewerben für einen Meister. Das heißt, einen Antrag stellen, dass ich die Meisterprüfung ablegen kann. Und dann besucht man in der Regel noch einen Kurs, der dauert nicht ganz so lang. Bei uns ist es jetzt roundabout ein halbes Jahr und dann führt man den Meisterentitel her.
Duale Ausbildung
Okay, und wenn man bei euch Gesellin oder Geselle werden will oder mit eurer Hilfe, dann ist man wahrscheinlich nicht nur bei euch, sondern ja auch immer in einem Betrieb. Absolut. Man könnte es ausrechnen, aber man verbringt bei uns gar nicht so viel Zeit in unserem Berufsbildungszentrum. Die Hauptzeit verbringt man tatsächlich im Betrieb, also arbeitet in einem ganz normalen Betrieb. Ich glaube, das ist auch was ganz Besonderes, was Ausbildung ausmacht.
Berufsschule und ÜLUs
Dann geht man in die Berufsschule und könnte man sagen, ist damit das duale System abgegolten oder der Begriff. Aber in Wirklichkeit, vor allem im Handwerk, geht man dann noch zu sogenannten ÜLUs. Das sind Lehrgänge, die immer ein spezifisches Thema haben und die finden bei uns statt. Insgesamt sind das sieben Wochen Zeit, die man bei uns verbringt.
Inhalte der Ausbildung
Und da gibt es dann Lehrgänge, in denen es um Elektro geht, in denen es um Grundlagen Metallbearbeitung geht. Natürlich Laufradbau, da werden wir schon sehr spezifisch, wenn es ums Fahrrad geht. Was lernt man noch? Ganz viel über Bremsen natürlich. Und bei uns ist es, glaube ich, eher so ein Wechsel zwischen praktischen Unterrichtsinhalten und theoretischen. Das heißt, tatsächlich sehen unsere Räume so aus, dass wir einen kleinen Theorieraum haben und direkt neben dran ist eine große Werkstatt mit zwölf Arbeitsplätzen.
Praktische Umsetzung des Gelernten
Und dort setzt man quasi das, was man theoretisch gelernt hat, auch praktisch direkt um. Wie ist es dann so aufgebaut? Also du hast jetzt schon gesagt, Bremsen zum Beispiel spielt eine Rolle. Gibt es da so verschiedene Themenblöcke? Kann ich mir das so richtig vorstellen? Genau, also Bremse ist ja jetzt ein schönes Thema, wo man es, glaube ich, auch gut erklären kann.
Mechanische und hydraulische Bremsen
Das heißt, natürlich sind Felgenbremsen bei uns irgendwo wichtig oder spielen bei uns eine Rolle. Und dann ist das Ganze mechanisch angesteuert. Dann können wir zur mechanischen Scheibenbremse übergehen. Heute eher wahrscheinlich gang und gäbe ist die hydraulische Scheibenbremse. Die müssen wir genauso besprechen. Und da geht es natürlich dann um Hebelgesetze und Hebel, die da irgendwo auf die Bremse einwirken, dass wir überhaupt eine Chance haben, zum Stoppen zu kommen.
Theorie und Praxis der Bremsen
Und irgendwann wird dieser mechanische Hebel hydraulisch betätigt. Und dann haben wir noch ein hydraulisches Übersetzungsverhältnis. Und das ist eher so ein Theorieblock. Und dann montieren wir tatsächlich ganz viele Bremsen und probieren die aus, entlüften die, kürzen Leitungen. Der Gedanke hinter diesem Hylos ist auch so ein Stück weit, Unterschiede auszugleichen.
Vielfalt der Fahrradwerkstätten
Also es gibt ja durchaus Betriebe, die sehr viel E-Bikes machen. Und es gibt Betriebe, die sind ein reiner Rennradladen oder sehr sportlich orientiert. Letztendlich, wenn ich diese Ausbildung habe, darf ich ja alles können und soll ich alles können, oder vieles zumindest. Die Chance gibt es bei uns, dass auch jemand, der nicht so viel an E-Bikes schraubt, an E-Bikes schraubt. Und eben jemand, der nur an Rennrädern mit Felgenbremse schraubt, was ja auch Geschichte ist im Prinzip. Auch was an Hydraulikbremsen.
Abdeckung der Ausbildungsinhalte
Ja, und dann spricht man hier wahrscheinlich nur beispielhaft über die Bremsen. Ich stelle mir das so vor, dass ihr dann wahrscheinlich so sage ich mal Komponente für Komponente oder Bereich des Rades für Bereich durchgeht. Absolut. Wir decken mittlerweile viel ab. Auch Federgabeln, das machen wir tatsächlich noch nicht so lang. Es ist auch relativ kostenintensiv, sowas abzubilden, natürlich immer. Vor allem, wenn man will, dass jeder Teilnehmende oder jede Teilnehmende da wirklich intensiv auch die Chance hat, zu üben an sowas.
Breites Spektrum der Ausbildung
Aber ja, also von der Schaltung über Bremsen, Federgabeln, E-Bikes, ja, decken wir schon sehr viel ab. Ja, jetzt haben wir schon ziemlich viel über Inhalte gesprochen und über Struktur dieser Ausbildung. Dann sprechen wir mal auch noch über einen ganz wichtigen Teil dieser Ausbildung, nämlich die Menschen, die diese Ausbildung machen wollen.
Die Motivation der Teilnehmenden
Was sind das für Menschen, die da zu euch kommen? Ich glaube, wir haben nicht unbedingt das typische Handwerkspublikum, ehrlicherweise. Das heißt, wir haben intrinsische Motivation, haben wahrscheinlich sehr viele Gewerke. Das möchte ich nicht sagen. Aber das ist bei uns schon was Besonderes. Also wenn hier Meisterkurs ist, dann sind unsere Fahrradstände vorm Gebäude alle vollbelegt.
Idealismus im Handwerk
Und wenn dann parallel noch so eine ÜLU läuft, dann wird es richtig eng auf dem Hof, was Fahrräder angeht. Das sind alles Leute oder sehr viele Leute dabei, die sehr idealistisch unterwegs sind. Also für die ist das Fahrrad mehr als nur Beruf, sondern man lebt das quasi. Damit haben wir natürlich, sage ich mal, als Lehrkräfte auch relativ leichtes Spiel.
Begeisterung für das Lernen
Also zu unterrichten, auch wenn wir sehr früh anfangen, also in den ÜLUs um 7:30 Uhr sind dann trotzdem immer sehr viele Leute sehr pünktlich und wollen wirklich was lernen. Und das bereitet uns einen halben Spaß. Das klingt gut. In den letzten Wochen ist hier in diesem Podcast immer wieder das Stichwort Maschinenliebe aufgekommen.
Identifikation mit dem Handwerk
Das klingt mir jetzt auch ein bisschen so. Also eben Leute, die eine hohe Identifikation haben und die Bock drauf haben, da was zu lernen zu diesem Gegenstand. Auf jeden Fall. Also dass irgendwie defekte Bauteile mitgebracht werden und wir die zusammen angucken, das hat man jetzt nicht überall in allen Gewerken. Und das ist bei uns auf jeden Fall was Tolles.
Quereinsteiger in der Ausbildung
Vielleicht kann man noch ergänzen, dass es bei uns auch relativ viele Quereinsteigende gibt. Also im ersten Moment möchte man denken, eine Ausbildung beginnt man irgendwie mit 17 oder 16 Jahren in dem Bereich. Aber wir haben auch immer wieder Leute, die deutlich älter sind, die irgendwie entscheiden: Okay, ich habe ein Studium abgeschlossen und habe jetzt eine Weile am Schreibtisch gesessen, sage ich mal so provokant.
Der Wunsch nach praktischer Arbeit
Und die dann feststellen: Nee, ich möchte lieber was mit Händen machen, ich möchte Laufräder bauen und möchte was lernen. Und das bereichert mit Sicherheit auch unseren Unterricht. Wie ist so das Geschlechterverhältnis oder das Genderverhältnis? Kannst du dazu was sagen? Also bei uns gibt es auf jeden Fall auch einige Frauen im Gewerk, aber es ist natürlich irgendwo noch die Minderheit, leider.
Vielfalt im Handwerk
Weil tatsächlich, wenn das bunt gemischt ist, merkt man auch, dass der Unterricht mehr Spaß macht, irgendwie der Ausgleich. Und wir haben tatsächlich auch immer wieder Leute, die sich zum Beispiel kein Geschlecht zuordnen, was vielleicht man auch nicht unbedingt vom Handwerk jetzt vermuten möchte. Aber da sind wir offen. Jeder darf teilnehmen bei uns an den Lehrgängen und jeder hat das Recht, ja, was zu lernen.
Herausforderungen im Geschlechterverhältnis
Ja, wenn du sagst, das ist noch die Minderheit oder das klingt für mich so, als wäre es jetzt nicht so ausgeglichen, also wären es mehrheitlich irgendwie männliche Teilnehmer. Hast du eine Idee, wo das herkommt? Hängt das zusammen mit so einem, sage ich mal, tradierten Berufsbild der Fahrradschrauber oder was könnte da dahinter stehen?
Prägung durch das Elternhaus
Ja, also die Frage ist ja auch immer, wie kommt man dazu, eine Ausbildung zu machen? Irgendwoher muss ja dieser Gedanke entstehen: Ich fange jetzt eine Ausbildung an, ich interessiere mich für Fahrräder. Und da erfahren wir als Menschen natürlich relativ viel Prägung von Elternhaus, von anderen Schulen und sowas.
Bedeutung der Vorbilder
Und das kann man, glaube ich, über mich schon sagen: Ohne meine Eltern hätte ich mit Sicherheit oder wahrscheinlich mit Sicherheit keine Ausbildung in dem Gewerk angefangen. Und die haben mich quasi dorthin gebracht, dass ich das mache. Und wenn wir das halt nicht aufbrechen, dann wird das, glaube ich, schwierig, da mehr Leute reinzubringen.
Engagement für mehr Vielfalt
Wir merken ja aber schon, dass es in unserer Branche relativ viel Engagement gibt, mehr Frauen ins Gewerk zu holen. Ich glaube, neulich gab es auch irgendeine Veranstaltung in Wiesbaden, glaube ich, wo sich Frauen aus dem Zweiradbereich getroffen haben und darüber gesprochen haben. Ich habe da jetzt nur am Rande mitgekriegt, irgendwie über Instagram und sowas. Ich bin mal gespannt, was dabei rauskommt.
Women in Cycling
Ja, ich glaube, da sprechen wir über Women in Cycling, ne? Genau. Wer da was nachhören will aus dem Sommer 2025, da habe ich auf der Eurobike auch ein Gespräch zu geführt. Die Menschen, die zu euch kommen, hast du schon gesagt, die haben eine ziemlich hohe intrinsische Motivation. Die bringen auch mal defekte Teile mit und dann schauen die sich die zusammen mit euch an.
Voraussetzungen für die Ausbildung
Was müssen die noch mitbringen? Was muss man so, also nicht als Teil, sondern was ist eine gute Voraussetzung, um diesen Berufsweg einzuschlagen? Also der Abschluss ist mit Sicherheit nicht verkehrt. Wenn man so ein gewisses Grundverständnis hat von Mathematik, das ist, glaube ich, schon nicht verkehrt. Physik ist natürlich genauso wichtig und damit kann man, glaube ich, ganz gut einsteigen.
Praktische Erfahrungen sammeln
Also mit einer Grundschulbildung sozusagen. Und darüber hinaus lernt man relativ viel. Also auch im Betrieb, das Miteinander auf einmal irgendwie schon auf der Arbeit stehen, das ist ein hartes Learning, glaube ich. Aber dafür ist Ausbildung irgendwie da. Natürlich geht man auch viel mit Menschen um, mit Arbeitskolleginnen und denen man begegnet auf der Arbeit und sowas.
Einstieg in die Fahrradwerkstatt
Und ja, also ich glaube, da lernt man recht viel und die Hürde ist nicht so groß, eine Ausbildung anzufangen. Wenn man jetzt so dieses Ziel hat, irgendwie die Fahrradwerkstatt irgendwie attraktiv scheint und man möchte dahin, muss man in Deutschland zwingend über eine Schule wie eure gehen oder gibt es auch noch andere Wege in die Fahrradwerkstatt?
Regulärer Ausbildungsweg
Also der reguläre Weg wäre, ich suche mir einen Ausbildungsbetrieb und unterschreibe da einen Ausbildungsvertrag. Der liegt dann tatsächlich bei uns. Also wir sind quasi diejenigen, die über diese Ausbildungsverhältnisse wachen, könnte man vielleicht so sagen. Und das ist erst mal so der reguläre Weg in die Fahrradwerkstatt.
Quereinstieg in die Branche
Es gibt aber natürlich auch andere Wege. Also angenommen, ich habe ein abgeschlossenes Studium in dem Bereich, weiß nicht, Maschinenbau oder sowas in die Richtung, dann kann ich auch so einen Quereinstieg zum Beispiel machen. In der Regel ist das auch mit Praxis verbunden. Also ich muss eine gewisse Zeit nachweisen, die ich in der Werkstatt verbracht habe und dort gearbeitet habe.
Selbstständigkeit in der Fahrradwerkstatt
Und dann kann ich so einen Quereinstieg in den Meisterbrief machen. Jetzt gibt es ja in der Fahrradwelt ziemlich viele Menschen, die auch ohne Ausbildung richtig gut schrauben können, einfach weil sie sich schon seit Jahrzehnten teilweise mit Rädern beschäftigen und für sich selbst, für die Familie, für den Freundeskreis sich um die Räder kümmern.
Meisterpflicht im Handwerk
Können die grundsätzlich in Deutschland auch eine Fahrradwerkstatt eröffnen oder ist das nicht möglich? Ist das nicht erlaubt, sage ich mal? Im Prinzip ist es nicht erlaubt. Es geht so ein bisschen darum, dass man natürlich im Blick behalten möchte, wer schraubt da und liegt da überhaupt die Fachkompetenz vor.
Qualitätskriterien im Handwerk
Also ich will niemandem abstreiten, dass er das gut kann. In der Ansicht ist es ja auch ein tolles Gewerk, was man sich selbst beibringen kann. Allerdings gibt es eben dieses Qualitätskriterium Meisterbrief. Da gibt es eine Handwerksordnung und da gibt es Anlage A und dort sind wir eben verortet mit unserem Gewerk.
Sicherheit im Handwerk
Man sagt so in die Richtung, dass da natürlich gewisse Gefahren vorausgehen. Also ganz praktisch gesagt: Wenn unsere Bremsen versagen, das darf uns einfach nicht passieren. Und deswegen sagt man, muss man, wenn man sich selbstständig machen will mit einer Werkstatt eben einen Meisterbrief vorweisen. Ist das dann das, was man auch mit diesem Begriff Meisterzwang beschreibt?
Diskussion um den Meisterzwang
Meisterzwang, genau. Meisterpflicht. Es gibt viele, viele Wege dahin. Aber ich sage mal, wenn wir es mit anderen Berufen vergleichen, das ist ja auch so. Also man kann nicht einfach Arzt werden oder sich Arzt nennen. Und wenn wir eine gewisse Qualität auch im Handwerk behalten müssen, dann ist es zumindest schon meine Meinung, dass wir da eine Qualitätssicherung über eine Prüfung machen sollten.
Diskussionen über die Meisterpflicht
Aber es gibt ab und zu schon so Diskussionen darum, oder? Also es scheint so ein bisschen so ein Thema zu sein. Also ich kenne das so aus einigen Gesprächen und eben gerade auch aus der Richtung, so: Ich will hier irgendwas mit Fahrrad machen. Wir haben keinen Meister. Dass Leute dann manchmal davon irgendwie genervt sind, ob das nun nachvollziehbar ist oder nicht. Das ist schon so ein Thema.
Potenzial im Fahrradhandwerk
Absolut, ist das ein Thema. Also das diskutieren wir auch, wenn wir auf Messen sind, wie der Eurobike, wie der Bespoked. Das sind Gespräche, die sprechen wir oder die diskutieren wir da immer wieder. Ich glaube aber tatsächlich, dass auch in unserem Gewerk einfach noch super viel Potenzial schlummert.
Investitionen in Bildung
Das heißt, wir müssen, glaube ich, relativ viel mehr in Bildung investieren in Zukunft, auch irgendwie in die Qualität mehr reinstecken. Und deswegen kommen wir, glaube ich, nicht drum herum, da eine Sicherung zu haben. Es gibt noch weitere Wege. Es gibt zum Beispiel auch die Möglichkeit, seine Sachkunde darzulegen und sowas zu zeigen, dass ich das kann.
Sachkunde und Selbstständigkeit
Da gibt es auch wieder natürlich gewisse Beschränkungen, wann ich so eine Sachkunde ablegen darf und nicht. Und dann darf ich auch in dem Bereich mich zum Beispiel selbstständig machen. Also es gibt Mittel und Wege, aber ich glaube auch, dass wir eine Qualität sicherstellen müssen.
Der klassische Ausbildungsweg
Jetzt wäre es auch ein bisschen komisch, mit dir die ganze Zeit über Wege an euch vorbei zu sprechen. Deswegen will ich lieber mit dir darüber sprechen, oder nicht ganz an euch vorbei, aber Wege, die nicht den klassischen Weg gehen. Ich will aber mit dir eigentlich über diesen klassischen Weg sprechen. Mal angenommen, jemand kommt zu euch, hat diese intrinsische Motivation, sagt: Ich beginne jetzt hier so eine Ausbildung.
Dauer der Ausbildung
Wie lang dauert sowas? Also wie gesagt, regulär die Ausbildung dreieinhalb Jahre. Unser Meisterkurs hier dauert jetzt, ich muss kurz grob überlegen, ich glaube, es sind sieben Monate und dann kommen noch Prüfungen. Also man kann relativ schnell relativ weit hochsteigen, sozusagen, oder den Meisterbrief auch machen.
Verkürzung der Ausbildungszeit
Aber man kann es sogar noch schneller machen, indem man die Ausbildungszeit verkürzt. Das ist bis auf zwei Jahre möglich. Und dann ist man schon relativ kurz dabei, sage ich mal. Also wie gesagt, in dreieinhalb Jahren kann man einen Meister machen. Und den Meister brauche ich, wenn ich auf diesem klassischen Weg eine Werkstatt eröffnen will, wahrscheinlich.
Gesellenbrief und Walz
Genau, ja. Und wenn wir jetzt mal noch vor die Meisterausbildung gehen, also die normale Ausbildung, wenn man die abschließt, diese dreieinhalb Jahre oder vielleicht hat man sie auch verkürzt, was ist man dann? Ist man dann Geselle oder Gesellin? Absolut. Also man kann sich dann Geselle beziehungsweise Gesellin nennen und darf in der Werkstatt regulär arbeiten und ist voll ausgebildet, natürlich.
Reisende Gesellen
Also man hat dann, glaube ich, ein recht großes Wissenspaket. Ich habe ein paar Mal Menschen getroffen, die dann auch noch richtig als Geselle auf der Walz waren. So ein ganz klassisches Element einer Handwerksausbildung. Also dann als reisende Gesellen, sagt man, glaube ich, dazu. Absolut, ja.
Walz im Zweiradhandwerk
Habt ihr dann auch noch was mit sowas zu tun oder machen die das dann für sich, weil sie ja schon ihren Gesellenbrief haben? Ja, also ich glaube, das findet bei uns nicht typisch statt. Es gibt durchaus Gewerke, in denen das recht häufig passiert. Also die Holzgewerke sind da, glaube ich, ganz vorne mit dabei. Oder generell die Baugewerke. Da geht man oft auf die Walz.
Beispiele aus der Praxis
Ich habe auch schon von Zweirad-Mechatroniker-Gesellinnen gehört, die auf die Walz gegangen sind. Aber wahrscheinlich können wir die an zwei Händen abzählen. Einer davon hat zum Beispiel mal beim Alex Klaus, also Portus, damals einen Rahmen gebaut. Und das war natürlich wohl ein Lastenrad. Und da mussten mehrere Gesellen mit drauf fahren können. Das war, glaube ich, was sehr Spannendes.
Faszination für das Fahrrad
Aber also theoretisch ist es möglich. Ja, jetzt haben wir vorhin schon darüber gesprochen, was die Leute mitbringen und diese große Faszination für diesen Gegenstand. Auch darum dreht sich dieser Podcast ja immer wieder. Wir versuchen das immer wieder abzuklopfen. Oder ich versuche das ein bisschen rauszufinden, was es eigentlich ist, was Menschen so an diesem Gegenstand fasziniert.
Ich könnte mir vorstellen, dass du da einen ziemlich guten Einblick hast, weil du hast ja die Leute, die das nicht nur hobbymäßig betreiben, sondern die sagen. Okay, das ist ein Berufsweg für mich. Hast du eine Idee davon?
Also, ich hatte es, glaube ich, gerade eben schon mal ganz kurz gesagt, dass wir ein relativ einfaches Gewerk sind oder dass man relativ die Schwelle, irgendwie einzusteigen, recht klein ist. Also ich kann mir mit relativ wenig Werkzeug schon recht viel reparieren. Wenn ich das mit anderen Gewerken vergleiche, einmal im Feinwerkbereich, wo wir irgendwie fräsen und Drehbänke brauchen, das ist natürlich ein ganz anderer Kostenaufwand. Und die Logistik dahinter ist aufwendiger.
Und bei uns kann ich, blöd gesagt, mit einem Inbusschlüsselsatz schon recht viel zerlegen und recht viel selber machen. Irgendwie ist das Fahrrad glaube ich auch so etwas, was lange Zeit relativ baukastenmäßig unterwegs war. Also ich kann den Vorbau einfach austauschen gegen eine andere Länge. Das verändert sich natürlich gerade. Dafür gibt es gute Gründe. Aber das ist auf jeden Fall etwas, wo man viel mit rumspielen kann.
Und ich habe es gerade eben von den Fahrradständern vor unserem Haus gehabt, dass es tatsächlich immer toll ist zu sehen, was da für Fahrräder vorfahren, was da geschraubt wird und ausprobiert wird. Und dann stellt man auch fest, okay, ich habe mir jetzt eine andere Kurbel eingebaut und auf einmal schaltet es nicht mehr schön. Woran liegt das? Es liegt irgendwie an der Kettenlinie und sowas. Also da gibt es so spannende Sachen, die man relativ leicht erfahren kann, relativ leicht ausprobieren kann.
Ich glaube, das ist etwas sehr Faszinierendes an unserem Gewerk und an der Maschine, natürlich. Ja, ich könnte mir auch vorstellen, dass es was damit zu tun hat, dass es ein relativ überschaubares Gerät ist, was sich auch in vielen Bereichen erklärt. Also ich kann es anfassen, ich kann es fahren, ich kann es auseinanderschrauben und ich kann es mechanisch verstehen, was da passiert.
So, ich habe jetzt so als Gegenstück Flugzeugmechanik im Kopf, wo ich eine Riesenmaschine habe und dann weiß ich nicht, was man als Flugzeugmechaniker macht. Aber vielleicht ist jemand nur für irgendwie ein kleines Teil in der Turbine zuständig oder so. Dann kann man das Ding ja nicht fliegen und vielleicht weiß man auch gar nicht, wie, weiß ich nicht, kenne ich mich mit Flugzeugen nicht aus, aber wie das Fahrwerk funktioniert oder so.
Also würdest du mir dazu stimmen, dass es vielleicht damit zu tun hat, dass es eben dann doch irgendwie überschaubar ist und eben von Auseinandernehmen bis zur Anwendung, ich kann damit losfahren, dass damit was zu tun hat?
Ja, also kann man auf jeden Fall sagen, beziehungsweise man kann es, glaube ich, sogar an den, ich würde es jetzt mal Disziplinen nennen, in unserem Gewerk. Hydraulik ist relativ simpel zu verstehen. Wir haben eine Flüssigkeit, wir haben auch da Übersetzungsverhältnisse. Das wird dann schon ein bisschen komisch, aber es ist trotzdem sichtbar.
Und ähnlich ist es natürlich bei Mechanik. Und was für uns immer so eine große Herausforderung darstellt, ist zum Beispiel, Elektronik zu vermitteln, weil die zu sehen und wahrzunehmen, das ist deutlich komplexer. Also wir können Strom anfassen, sollten wir aber nicht. Sehr gut. Und das ist auf jeden Fall etwas, was ganz schwer zu verstehen ist. Was ist Stromspannung, Widerstand? Wie verhält er sich? Wie interagieren diese Parameter?
Und genau da merken wir, das ist eher schwierig. Ich glaube, wahrscheinlich bildet das genau das ab, was du wahrscheinlich gerade beschrieben hast. Der Strom ist da und sehen wir auch an Verkaufszahlen, dass ja, wir haben ja neulich über das Mountainbike gesprochen. Also da hat das elektrifizierte Rad das nicht elektrifizierte so lange deutlich überholt, was Verkaufszahlen anbelangt.
Wie würdest du das sagen in der Ausbildung? Wie viel ist da quasi E-Bike-Technik? Also welche, die sich konkret mit Strom befasst und wie viel ist noch diese klassische Mechanik? Kann man das so ungefähr anteilig sagen?
Ich sag mal, ein E-Bike hat auch Bremsen. Ein E-Bike hat natürlich auch, also deswegen kann ich jetzt nicht sagen, dass der Strom viel, viel mehr Platz einnimmt, weil wir gewisse Sachen haben, die sich natürlich beide Komponenten teilen, Biobikes und E-Bikes. Aber klar, also alleine der Grundlehrgang Elektrotechnik, der dauert zwei Wochen. Wenn man das auf diese sieben Wochen rechnet, dann ist das schon relativ viel Zeit, die da draufgeht.
Und dasselbe würde ich auch für den Meisterkurs sagen. Auch da beschäftigen wir uns relativ viel mit Elektrotechnik und Elektromotorentechnik, natürlich. Und was natürlich auch dazu kommt, ist, dass wir eine rechtliche Komponente haben, die bisher für uns nicht so die Rolle gespielt hat. Also an Fahrrädern konnte man relativ viel umbauen und bei E-Bikes ist das nicht mehr ganz so einfach.
Da gibt es viele Sachen, die wir beachten müssen. Natürlich technischer Natur, aber auch rechtlicher Natur. Und das ist wahrscheinlich im Jahre 2026 auch, also wäre es fatal, wenn man diese ganzen elektrischen, elektronischen Sachen nicht abbilden würde in der Ausbildung.
Und mir fallen auch gerade Menschen ein, die ich kenne, die aus so, sage ich mal, klassisch mechanischen Fahrradwerkstätten, also aus Läden, die sich vor allen Dingen mit unmotorisierten Fahrrädern beschäftigen, gewechselt sind in dezidierte E-Bike-Geschäfte und die sich da auch mit einer großen Faszination reinarbeiten.
Und wo dann eben zum Beispiel eine bestimmte Softwarekenntnis oder so, gerade wenn man da auch diese intrinsische Motivation hat dazu, wo das auch richtig gut, sage ich mal, für die Karriere ist, weil man sich da wirklich noch einfach zum Experten ausbilden lassen kann.
Also war ich neulich beeindruckt von so einem Gespräch, wo ich gemerkt habe, okay, da hat sich jemand richtig reingefuchst und es ist so ein neues Feld, was aufgegangen ist. Ja.
Also man kann das, glaube ich, auch verstehen. Es findet so ein Wandel in den Werkstätten statt. Also meine Ausbildung, ich muss mal drüber überlegen. In meiner Werkstatt hatte ich zwei Computer und das waren fünf Arbeitsplätze.
Und heute ist eigentlich ein Arbeitsplatz in der Fahrradwerkstatt ohne Computer fast nicht mehr denkbar, weil wir so viele E-Bikes reparieren und ich ja eine Diagnose da fahren muss, unter anderem, wenn ich eine Wartung mache und sowas oder wenn ein Fehler am System auftritt.
Und dann brauche ich einfach einen Computer. Also ich glaube, so wird sich das weiter wandeln. Wir müssen viel mehr auf Arbeitsschutz achten. Mit einem Lithium-Ionen-Akku gehen natürlich auch gewisse Gefahren einher, was die Lagerung angeht und sowas.
Das wird unser Gewerk oder verändert es gerade und es wird sich auch noch weiter verändern. Mir fallen diese großen Akkuschränke ein in Werkstätten, die da stehen müssen und wo ich auch Geschichten kenne, dass es gut ist, dass diese großen Schränke da waren und da ein gewisser Schutz auch vorhanden war.
Nun haben wir beide im vergangenen Herbst auf der Rahmenbaumesse Beespoke in Dresden gesprochen. Du hast es eben schon erwähnt, dass du auch dort gewesen bist. Und ich habe hier im November 2025 mit Markus Straußner gesprochen, auch bekannt für seine Marke Tante Mackie. Markus ist nun gar nicht auf der Stromseite unterwegs, sondern beim gemufften Stahlrahmen und der gibt bei euch auch Rahmenbaukurse.
Was muss ich mir unter diesen Rahmenbaukursen vorstellen? Ja, wahrscheinlich ist es für uns ein gewisses Aushängeschild oder deswegen wollen, glaube ich, doch einige Menschen bei uns eben diesen Meisterkurs besuchen, weil man bei uns im Zuge des Meisterkurses einen Rahmen baut.
Der Rahmenbau ist etwas sehr Spezielles und vielleicht ergänzt das sogar das, was du gerade gesagt hast. Warum ist bei uns das so etwas Besonderes? Man kann was selber bauen oder selber verändern an einem Fahrrad, selber da was herstellen, eine Kombination.
Und das ist natürlich die Königsdisziplin, irgendwann den eigentlichen Rahmen herzustellen und sich damit auseinanderzusetzen. Und genau das macht man bei uns im Meisterkurs. Aber man kann den Kurs natürlich auch so buchen, einfach wenn man Interesse daran hat.
Da kenne ich euch schon so als, sage ich mal, eben das, was euch auszeichnet, wo ihr wirklich so einen, sage ich mal, bundesweiten Ruf habt. Klar, es gibt auch Rahmenbaukurse, die man bei Rahmenbauern einfach machen kann, aber an so einer Schule direkt, die kenne ich vor allen Dingen euch.
Ihr seid da die Ersten, die mir einfallen. Du hast es jetzt eben schon beantwortet, so ein bisschen, warum ihr das macht. Was würdest du sagen, wenn man im Rahmen dieses Meisterkurses so einen Rahmenbaukurs belegt? Hat man vor allen Dingen was davon, wenn man jetzt wirklich Rahmenbauer werden will? Oder kann man da einfach auch als Meister, zukünftige Meisterin, was von mitnehmen? Und wenn ja, was?
Ja, also ich glaube, dass das so ein schöner Einstieg ist in das Thema Rahmenbau. Also du hast den Markus erwähnt, bei dem war das so. Der hat hier, glaube ich, vorher gefangen dafür. Aber jetzt noch deutlich mehr auch aktive Rahmenbauer, die bei uns angefangen haben.
Und ich glaube nicht, dass man, wenn man diesen ersten Rahmen gebaut hat, dann Rahmenbauer ist oder Rahmenbauerin ist, sondern ich glaube, man muss noch ganz, ganz viel mehr lernen. Also Praxis braucht man natürlich und man muss viel üben. Das ist schon etwas sehr Spezielles.
Und im Prinzip sind es eigentlich mehrere Disziplinen. Also ich kann keinen Fahrradrahmen bauen, ohne irgendwie zu wissen, wie ein Fahrrad funktioniert. Ich muss aber vielleicht auch wissen, wie Fügetechnik funktioniert. Das geht in Richtung Metallbau, aber auch Feinwerktechnik. Also wie fräse ich und wie stelle ich gewisse Drehteile her?
Das muss man wahrscheinlich auch wissen. Wir erfüllen eins davon und nicht auf jeden Fall voll ausreichend. Man lernt aber so viel bei diesem Rahmenbau. Man muss das natürlich planen im Voraus. Man muss es organisieren. Habe ich die richtigen Bauteile da?
Man lernt auch über Materialien natürlich ganz viel, wenn wir über die Rohre an sich natürlich reden. Wie sind die dimensioniert? Welche Bandstärke habe ich? Welches Material ist das? Es ist einfach noch alles. Es sind sehr viele Normen, zum Beispiel, ist auch was Spannendes.
Die Normen, wie nah oder wie viel Platz muss vorne an der Kurbel sein? Fußfreiheit, absolut diskutables Thema, wenn man das haben möchte. Das ist schon etwas Individuelles. Aber grundsätzlich gibt es ja diese Regeln und ob man die befolgt oder nicht, das bleibt jedem selbst überlassen, glaube ich.
Oder da muss man halt dann Verantwortung dafür übernehmen, wie man es macht. Aber das lernt man auch dabei. Und natürlich dann ganz praktisch auch Fügetechnik, Metallbearbeitung ist auch mit drin.
Ja, und was ich noch interessant daran finde, ist auch so etwas wie, ich denke mir eine eigene Geometrie aus. Ich muss nicht irgendwie an dem vorhandenen Fahrrad oder kann nicht nur auf die vorhandenen Räder, die es so gibt, zurückgreifen, sondern ich kann wirklich mal überlegen, wie könnte so ein Fahrrad diesen und jenen Zweck erfüllen, so fahren.
Und dann kann man das auch einfach ausprobieren. So, das finde ich auch ziemlich attraktiv daran, weil das habe ich ja sonst auch an keiner anderen Stelle, dass ich mein eigenes Fahrrad erschaffe, egal ob ich später mal ganz viele davon bauen will oder nie wieder eins.
Ja, absolut. Also daran liegt auf jeden Fall eine der großen Herausforderungen für unsere Teilnehmenden, also für die Meisterkurs-Teilnehmenden, sich eine Geometrie auszudenken und dass die funktioniert.
Zum einen für die Person, die nachher das Fahrrad fährt, aber natürlich auch diese ganzen anderen Gesichtspunkte, wie zum Beispiel passt der Muffenwinkel jetzt da drauf oder nicht und lässt sich das überhaupt auf die Art und Weise umsetzen?
Und wie gesagt, man kann dann sehr viele Späße machen, über die man bisher nicht so verfügen konnte. Also ich möchte an der Stelle eine Gewindeöse haben, wo normal keine sitzt, dann kann man das natürlich machen. Anschraubpunkte sind wichtig.
Wenn ich mir das so anhöre, überlege ich jetzt mal, über welche Themen wir hier gesprochen haben, dann habe ich so den Eindruck, das ist schon eine ziemliche Rundum-Ausbildung, die man da bei euch mitnehmen kann.
Also da sind sehr viele Themen abgedeckt. Habt ihr genug Interessenten für diese Ausbildung? Also ich glaube, in den letzten Jahren gab es oder ich weiß, dass es in den letzten Jahren eine ziemliche Steigerung gab.
Mit Sicherheit hat dieser Radfahrt-Boom in Corona dazu beigetragen. Das hat uns tatsächlich auch sehr herausgefordert. Also wir sind irgendwie von 30 Azubis im Jahr hier in Hessen auf 70 hochgegangen, was natürlich extrem war.
Da sind auch die Prüfungsausschüsse zum Beispiel an ihre Grenzen gekommen, aber auch einfach unser Bildungszentrum, auch räumliche Kapazitäten wurden da gesprengt. Und das flaut so ein bisschen ab in der Ausbildung. Also es werden da noch mal ein bisschen weniger. Es sind jetzt round about 50, die dieses Jahr angefangen haben.
Und im Motorradbereich ist es so ein bisschen zum Beispiel anders. Da war jetzt eher eine Flaut und wir haben jetzt nochmal ein sehr starkes Jahr, also über 30. Und im Meisterbereich oder Meisterinnenbereich, da haben wir auf jeden Fall auch noch eine Warteschlange sogar und würden eigentlich gerne machen, aber auch da machen uns aktuell so Kapazitätsgrenzen durch die Rechten.
Ja, wenn du sagst, ihr habt diesen Corona-Aufschwung so bemerkt, bemerkt ihr dann auch so diese schwierige Phase nach Corona, dass es da auch wieder von den Neuanmeldungen ein bisschen abflaut? Oder ist es weiterhin so attraktiv, dass ihr eigentlich gucken müsst, wie kriegen wir die alle hier unter bei uns?
Das ist jetzt weiter aus der Fall. Aber wir merken, dass schon ein Wandel in der Branche stattfindet. Ich habe das ganz praktisch. Neulich hat ein Meisterkollege beziehungsweise Selbstständiger, der hier in Frankfurt auch einen großen Laden hat, sich mit dem Thema Betriebswirtschaft beschäftigt mit den Teilnehmenden.
Und er fragte immer, was wollt ihr verdienen? Und die Zahl ist nochmal runtergegangen. Also da sind wir nochmal so überrascht gewesen, wie es doch so einen Peak auch gab in der Corona-Zeit und wie das jetzt nochmal bescheidener wird, um es so auszudrücken.
Ah, das heißt, das Wunschgehalt ist runtergegangen, die Zahl, meinst du? Genau, also das hat sich auf jeden Fall verändert.
Okay, das ist interessant. Ich habe so ein bisschen vorher darüber nachgedacht. Ich bin regelmäßig in Fahrradwerkstätten. Ich bin sehr gern dort. Ich gucke da gern Leuten über die Schulter. Und manchmal darf ich auch selbst was machen.
Ein Problem, was ich aus vielen Gesprächen kenne, sowohl von der Werkstattseite als auch von der Seite von Kundinnen und Kunden, also Leuten, die einfach Fahrrad fahren und ihr Fahrrad irgendwo gewartet haben möchten, ist, dass viele Werkstätten über lange Zeit ausgebucht sind.
Womit hat das zu tun? Ist das dieser viel besprochene Fachkräftemangel etwa? Irgendwo vielleicht ja. Also wir brauchen auf jeden Fall mehr Fachkräfte. Deswegen stehen wir diesem Thema Quereinstieg auch relativ offen gegenüber oder denken auch immer darüber nach, welche Möglichkeiten gibt es da, die wir schaffen könnten.
Ich glaube aber auch, dass sich, haben wir auch schon mal gerade eben darüber geredet, dass sich die Werkstatt ändert. Also Werkstatt war ja lange Zeit auch irgendwie was, wo man gerne war. Also ich bin super gerne auch in Fahrradläden noch und gucke mich um.
Und das war auch immer so ein Genießen. Aber es gibt auch irgendwie natürlich sowas wie produktive Stunden und sowas, die man leistet. Und ich glaube, dass wir da früher nicht so gut waren, würde ich auch über mich sagen.
Dass ich während meiner Ausbildung tatsächlich relativ viel anwesend war in meiner Werkstatt. Aber abgerechnet habe ich definitiv nicht meine komplette anwesende Zeit. Und ich glaube, dass da relativ viel Potenzial schlummert für Fahrradwerkstätten.
Das heißt, wie wickeln wir Aufträge ab? Wie findet eine Dialogannahme statt? Wie schnell wird das Rad dann repariert? Wie sind die Warnflüsse bei uns? Wie findet Lagerhaltung statt, sodass das Teil, was ich brauche, tatsächlich dann auch da ist, wenn ich es brauche?
Und wie geht das Fahrrad wieder aus dem Laden raus? Und man merkt, dass sich da viel ändert, wenn es um digitale Terminvergabe geht und sowas. Also online selber buchen und sowas. Da sind wir, da entwickelt sich im Moment ganz viel.
Und da versuchen wir natürlich auch, insbesondere in der Meisterschule, natürlich so ein bisschen zu unterstützen und das zu entwickeln. Ja, gegen das, was du jetzt meintest, geht das so in Richtung unbezahlte Überstunden?
Also es wurde nicht alles abgerechnet, die Zeit, die man da verbracht hat? Oder geht es eher um das, wofür das Unternehmen dann bezahlt wird? Meintest du das?
Ja, also ich bin acht Stunden anwesend im Laden, jetzt typischerweise. Aber ich rechne nur vier Stunden Arbeitszeit quasi ab gegenüber Kunden. Da gibt es viele Gründe für, warum das so ist.
Das kann natürlich sein, dass ich selber nicht effizient arbeite. Es kann sein, dass die Wege vielleicht in der Werkstatt zu lang sind, dass die Prozesse nicht optimal gestaltet sind, dass mein Warenwirtschaftssystem irgendwelche Sachen macht, die ich nicht mache.
Also es gibt viele Sachen, die wir da, glaube ich, optimieren könnten in unseren Abläufen und damit natürlich irgendwo selber effizienter arbeiten, aber natürlich auch die Wartezeit in den Fahrradläden verkürzen können.
Markus hat in dem Gespräch, das ich mit ihm geführt habe, auch ein Thema angesprochen, was ich auch schon von vielen anderen gehört habe. Das ist so eine gewisse, ich nenne es mal, Anspruchshaltung an Fahrradwerkstätten.
Also so direkte Verfügbarkeit, Werkzeugausleihe, wenig Bezahlung dafür, die manchmal, natürlich nicht bei allen, aber bei manchen Kundinnen und Kunden wohl irgendwie zutage tritt, dass Leute da reinkommen und sagen, ich brauche jetzt das und ihr seid doch eine Werkstatt, warum habt ihr jetzt keine Zeit?
Ist es auch so, dass das vielleicht nicht nur in den Köpfen innerhalb der Branche, sondern auch außerhalb noch so ein Bild von so einer Fahrradwerkstatt drin ist, was einfach nicht mehr so richtig passt und funktioniert?
Ja, also wie gesagt, dieser Wandel, also auch der Anspruch an den Fahrradladen ist, glaube ich, was ganz anderes geworden. Früher, also auch beim Ausbildungsbetrieb, gab es so eine Selbstschrauberwand.
Also da waren tatsächlich Werkzeuge gehangen, die man sich dauerhaft ausleihen konnte. Aber irgendwie sind die ja auch dahin gewandert und so was. Und das hat man damals auf jeden Fall gemacht aus einem gewissen Idealismus.
Ich werde ja auch nicht vergessen, mein Werkstattmeister, der hat auch, wenn jemand Junges reinkam, der den Schlauch nicht flicken konnte oder einen Platten hatte, dann hat er halt gesagt, hier, da ist der Montageständer, geh da ran und ich zeige es dir, wie es geht.
Und das ist natürlich super cool und ich bin auch dankbar darum, dass mir das so beigebracht wurde. Auf der anderen Seite ist halt tatsächlich die Frage, ist das, wenn wir irgendwann vernünftige und faire Löhne haben wollen, realistisch, so was weitermachen zu können?
Ja, und wenn du das so sagst, wenn wir irgendwann faire Löhne haben wollen, ich wollte dich sowieso gerade fragen nach der Bezahlung. Klingt für mich danach, als würdest du die Bezahlung aktuell nicht als fair bezeichnen.
Ja, ganz so ist es nicht. Also es hat sich einfach in den letzten Jahren viel getan. Wir werden schon deutlich fairer. Aber wie gesagt, ich sehe es schon so, wenn wir in der Branche, wir selber uns auch weiterentwickeln und einfach mal dafür sorgen, dass die anwesende Zeit, dass wir die auch wirklich in Kundenaufträgen abwickeln, dann verändert sich das schon.
Also unser Stundensatz muss nicht unbedingt viel höher werden. Und die sind ja schon in den letzten Jahren gestiegen. Aber ich glaube auch, dass wir einfach auch in uns noch weiterarbeiten können.
Okay, und das könnte ja auch dann in der Konsequenz dazu führen, wenn dementsprechend andere Löhne, du hast fair gesagt, gezahlt werden, gezahlt werden können, weil mehr wirklich geleistete Arbeitszeit abgerechnet wird, dass dann eventuell der Beruf noch attraktiver wird und dass vielleicht dann auch diese Wartezeiten zurückgehen.
Absolut. Also ich glaube, der Beruf wird generell attraktiver. Also natürlich sorgt das auch für mehr Kosten.
Also ich finde, so ein schönes Beispiel ist der elektrische oder pneumatische Montageständer in der Fahrradwerkstatt. Auch ich glaube, man hat das angefangen, so vor zehn Jahren roundabout, hat das Einzug gehalten, dass immer mehr Läden das haben.
Und es ist absolut sinnvoll. Es ist rückenschonend, insbesondere wenn die Läder jetzt schwerer werden. Wir haben mittlerweile hier auch in unserer Werkstatt zwölf elektrische Montageständer. Und das ist unfassbar.
Also ich will irgendwo hingucken. Normalerweise, früher hätte ich mich runtergebeugt. Jetzt fahre ich das Rad ein Stückchen höher und gucke drunter, kann halt viel besser daran arbeiten. Und insgesamt wird unser Job auch aktiver.
Und klar, wenn man auch dann zum Beispiel in so einer Metropolregion wie hier in Frankfurt Rhein-Main gut wohnen und leben kann, dann möchte ich diesen Job natürlich auch gerne machen.
Ja, und das können wir auch noch ganz klar sagen. Die Räder werden nicht einfach schwerer, weil irgendwie mal ein paar Komponenten so ein bisschen stabiler werden oder so, sondern wir haben plötzlich einen Motor, wir haben Akkus dabei und wir reden davon, von einigen Kilogramm Gewicht.
Also, oder kann man auch, wahrscheinlich würde ich mal so schätzen, zehn Kilo mehr. Ja, beziehungsweise andersrum. Hier in Frankfurt ist es ja schon extrem, wie viele Lastenräder hier rumfahren.
Auch das ist natürlich auch was. Also auch in meiner Ausbildung habe ich viel an Liegerädern geschraubt und die wurden dann über so Gurte an die Decke gezogen. Und leider das Aufhängen hat ewig gedauert.
Und das ist heute mit entsprechenden Anrichtungen einfach viel effizienter möglich. Über deine Ausbildung werden wir auch gleich noch sprechen. Vorher will ich dich noch fragen, wenn wir jetzt so über Änderungen in der Werkstatt sprechen, also wie da sich Dinge anpassen sollten.
Wenn wir auf die Ausbildung schauen, gibt es für dich Aspekte in der Ausbildung, die du gern ändern würdest, wenn du könntest? Oder würdest du sagen, das, was wir hier Stand jetzt anbieten, das ist die perfekte Berufsvorbereitung?
Ich glaube, dass unsere Ausbildung an sich auf fachlicher Ebene mittlerweile eigentlich ganz gut ist. Wir haben auf jeden Fall noch so Schwankungen und für die gibt es gute Erklärungen.
Also ich kann nicht überall so ein Leistungszentrum oder, ich nenne es mal Leistungszentrum, wie hier hinstellen mit so einer Werkstatt, die so ausgestattet ist. Das sind auch einfach große Kosten, die damit anhergehen.
Und wir kompensieren die dadurch, dass wir quasi aus ganz Hessen Azubis zu uns kommen, dass wir eine entsprechende Auslastung bieten. Das ist auf jeden Fall so, was, glaube ich, verbessert werden könnte.
Was auch so was ist, wo ich mir manchmal darüber Gedanken mache, wie findet Ausbildung statt? Also wie wird in den Schulen ganz praktisch gelehrt? Wie wird bei uns gelehrt? Didaktisch können wir da, glaube ich, wahrscheinlich auch noch ein bisschen was draufpacken, methodisch so ein bisschen.
Da liegt auf jeden Fall, glaube ich, auch noch viel Potenzial, mit dem wir auch viel mehr Leute abholen können. Meintest du mit Schule jetzt wirklich das, was wir als Schule kennen? Oder meintest du die Berufsschule?
Also ich meine die Berufsschule und zum Beispiel die Abstimmung von Berufsschule und unserem Unterricht. Wir sind hier mit der Schule, die Heinrich-Kleiner-Schule, ist das hier in Frankfurt, die für die Azubis aus Hessen auch zuständig ist, im Austausch.
Und wir reden viel mit denen über Inhalte auch. Aber ich glaube, da können wir noch viel mehr machen. Also es wäre ja irgendwie irgendwo ein Traum, wenn dort auch gerade Bremsen behandelt werden, wenn das bei uns der Fall ist.
Da stehen uns natürlich auch viele Sachen im Weg. Es gibt Lehrpläne für Berufsschulen. Die haben andere Pläne, Unterweisungspläne. Aber trotzdem glaube ich, könnte man dort noch viel mehr bewegen.
Bedeutet das, dass ihr nicht den kompletten, sage ich mal, Berufsschulteil abbildet in so einer Ausbildung, sondern dass ihr da auch noch mit Berufsschulen zusammenarbeitet, in denen es dann vielleicht nicht um die zweiradspezifischen Dinge geht? So eine Ausbildung? Ist es so?
Ja, ich sag mal, wir… Wir kümmern uns sehr viel um Technik und um das, was da irgendwie so passiert. In Berufsschulen findet noch viel, viel mehr statt. Also auch die Grundlagen, Mathematik, ich glaube, Deutschunterricht, Politikwissenschaften, so etwas findet ja natürlich auch statt. Und das ist auch ganz wichtig, glaube ich, dass es da stattfindet. Und ich glaube, wir könnten noch viel mehr sozusagen verknüpfen.
Und wenn quasi irgendwann alle Azubis in ganz Deutschland dasselbe erfahren haben an Inhalten, das wäre natürlich, und vielleicht sogar Methodik, Bremsen natürlich auch ein Stück weit immer eine Weiterentwicklung, wenn ich so etwas festschreibe. Das sehe ich schon auch. Aber da könnten wir, glaube ich, noch besser werden.
Einstieg in die Fahrradwelt
Dann reden wir jetzt mal noch über dich persönlich. Du hast schon zwei Sachen gesagt. Also, du hast früher auch, also bist natürlich auch den Weg durch eine Werkstatt gegangen. Du hast Liegeräder erwähnt und du hast auch gesagt, dass du jetzt natürlich auch in der Lehre bist, bei euch, also in der Lehrtätigkeit. Wie bist du dazu gekommen, dahin, wo du jetzt bist? Wie ist dein Einstieg in diese Fahrradwelt gewesen?
Also, ich bin ja ein Fahrrad gefahren, gehe mal zur Schule, natürlich und sowas. Und irgendwie, Fahrräderschrauben, das geht so miteinander einher. Man hat mal einen Platten, dann muss man da halt irgendwie ran. Dann habe ich ein Praktikum im Fahrradladen gemacht und das hat mir, glaube ich, sehr viel Spaß gemacht.
Ich hatte dann das Glück, dass dieser eher spezielle Betrieb mich dann auch in eine Ausbildung übernommen hat. Mit speziell meine ich aber selbst verwaltet. Das heißt, es ist auch, glaube ich, etwas, was durchaus hin und wieder bei uns vorkommt, dass Betriebe selbst verwaltet sind. Also alle, die dort arbeiten, dürfen zum Beispiel mitreden. Und das hat mich natürlich auf jeden Fall geprägt, und die Charaktere, die in dem Laden unterwegs waren.
Die Rolle der Liegeräder
Und Liegeräder haben da auch eine gewisse Rolle gespielt. Absolut. Also, Liegeräder waren da gemufte Stahlrahmen, wurden bei uns verkauft, ganz früher sogar mal gebaut in den Ursprüngen dieses Ladens. Das hat man aber nicht weitergemacht. In dem Fall haben wir mit Patria zusammengearbeitet und so sind auch viele Maßrahmen entstanden. Und so ist natürlich auch irgendwie diese Faszination von Stahlrahmen schon sehr früh an mich weitergegeben worden.
Tägliche Arbeit und Verantwortung
Okay, und jetzt so deine tägliche Arbeit, die du jetzt so machst. Du bist in der Lehre, aber du bist auch, ich habe vorhin, ich schaue es nochmal nach, auf der Webseite steht Lehrgangsleitung. Also, was machst du so alles bei euch?
Wie bin ich? Also, vielleicht hier noch hingekommen. Ich habe ja hier auch meinen Meister gemacht. Das Zwischenstück können wir auch noch mitnehmen. Ich habe hier auch meinen Meister gemacht, war dann vorher noch in verschiedenen Fahrradläden, vielleicht sogar eine kleine Walz gemacht, viel gesehen, auch mal bei einem Hersteller eine Weile gearbeitet. Das war auf jeden Fall auch, glaube ich, etwas, was mich sehr geprägt hat.
Und dann habe ich hier meinen Meister gemacht, war dann auch noch mal eine Weile im Handwerk draußen, also in Betrieben unterwegs. Aber wurde dann irgendwann hier angefragt, ob ich nicht auch einen Rahmenbaukurs mit betreuen möchte und habe das sehr gerne natürlich gemacht. Und so bin ich hier reingerutscht.
Und mittlerweile sind wir hier drei festangestellte Mitarbeiter, die für den Zweiradbereich zuständig sind. Also Vollzeit. Das ist noch gar nicht so lange her. Ich glaube, dass jetzt so zwei oder ein Jahr, dass wir zu dritt sind. Die Stelle gibt es, glaube ich, schon zwei Jahre. Also die drei Stellen.
Ich bin hier vor fünf Jahren eingestiegen und da hat sich irgendwann ergeben, dass quasi jemand diesen Teil leiten soll. Und das Glück hat mich getroffen, dass ich hier diesen Leitungsposten quasi machen darf.
Aufgaben und Herausforderungen
Und was mache ich hier? Stundenpläne ist auf jeden Fall ein Thema, was nicht so schön ist, weil es relativ komplex ist, abzubilden. Ansonsten mache ich Unterricht in Meisterkursen, als auch ÜBUS mache ich auch selber noch. Das ist auch tatsächlich etwas, was sehr viel Spaß macht.
Und wir versuchen auch, so ein bisschen mitzugestalten, immer ein bisschen. Das heißt, ich sitze mit in der Bundesinnung oder bin bei manchen Veranstaltungen dabei und bin da beratend tätig. Ich kenne Innungen als Begriff, aber auch das ist etwas, wo ich die Struktur überhaupt nicht kenne.
Die Rolle der Bundesinnung
Ganz kurz, wenn du sagst, du sitzt mit in der Bundesinnung, was macht die Bundesinnung? Im Prinzip kann man sich das so vorstellen, dass das Handwerk auf zwei Säulen beruht. Die eine Säule sind die Handwerkskammern. Das ist quasi der Gedanke dahinter, dass auch das Handwerk irgendwie vertreten sein soll, politisch.
Und deswegen haben wir die Handwerkskammern. Wir haben natürlich auch Aufgaben wie das Führen der Lehrlingsrolle, was ich schon mal erwähnt habe. Das sind hoheitliche Aufgaben. Aber auf der anderen Seite gibt es natürlich auch eine fachliche Ebene, weil die Handwerkskammern vertreten alle Gewerke.
Deswegen gibt es bei uns auch so viele verschiedene Werkstätten, von Holz über Metall, Zahntechnik, also auch Zweirad. Und die Innungen vertreten die einzelnen Disziplinen des Handwerks. Also es gibt eine Zweiradinnung und in der Regel werden die im Regional zusammengeschlossen.
Also es gibt eine hessische Zweiradinnung und wenn man alle Zweiradinnungen in Deutschland zusammenschließt oder die, die zumindest zusammengeschlossen sein wollen, dann gibt es so etwas wie eine Bundesinnung. Die Bundesinnung macht letztendlich eine fachliche Vertretung des Zweiradgewerkes, des Zweiradhandwerks.
Freude an der Arbeit
Okay, da haben wir auch da noch einen kleinen Einblick rein von den Aufgaben, die du persönlich hast bei euch. Was macht dir am meisten Spaß? Worauf freust du dich am meisten? Stundenpläne sind es nicht, das haben wir schon mitbekommen.
Ja, Stundenpläne sind es nicht. Was mache ich besonders gerne? Also der Rahmenbau ist schon immer sehr faszinierend. Also jetzt den ganzen Januar haben wir Rahmen gebaut und so daraufhin fiebern. Das ist schon toll, wobei ich nach den drei Wochen auch tatsächlich sehr froh bin, wenn 30 Rahmen fertig sind und wir 30 zufriedene Teilnehmende haben, die mit einem Rahmen nach Hause gehen.
Aber das ist eine sehr, sehr anstrengende Arbeit, tatsächlich auch körperlich und dreckig vor allem auch. Und nach den drei Wochen reicht es mir dann auch wieder. Ich werde im Sommer noch einen Rahmen bauen, aber das reicht dann auch für dieses Jahr.
Abschluss und Einladung
Aber du scheinst dich darauf zu freuen. Stell mir uns mal vor, zum Abschluss, du triffst einen jungen Menschen oder vielleicht auch jemand Quereinsteigerin, Quereinsteiger, jemand, der mit diesem Gedanken spielt und weiß aber noch nicht so recht, hat vielleicht auch noch eine andere Alternative, ein ganz anderes Berufsbild vor Augen und fragt dich so: Warum soll ich zu euch kommen? Was ist dein Top-Argument?
Also zu euch in die Zweiradmechanik Mechatronik? Ja, also ich würde tatsächlich sagen, das Hobby zum Beruf zu machen, ist etwas ganz Tolles. Wir sind ein Beruf mit Zukunft und vor allem nicht nur irgendwo eine Zukunft, da ist, sondern auch eine Zukunft, die wir gestalten können.
Also das, was ich gerade eben gesagt habe zu Effizienz und so weiter, das können wir selber gestalten. Wir können gestalten, wie wir arbeiten wollen und wie wir unser Geld verdienen wollen. Und ob das jetzt mit pneumatischen oder elektrischen Montagestellen ist, das bleibt letztendlich uns überlassen. Darüber hinaus ist es, glaube ich, ziemlich sinnstiftend, auch zu sehen, wie viele Leute man mobil hält mit unserem Beruf.
Wann beginnt bei euch der nächste Ausbildungsjahrgang? Also im Herbst wahrscheinlich? Genau. Also die Ausbildungen beginnen immer so im Herbst, wenn man sie regulär anfängt. Wie gesagt, manchmal gibt es ja Ausnahmen.
Und die Meisterkurse beginnen bei uns tatsächlich so Spätsommer, auch eher mit Wirtschafts- und Pädagogikunterricht, weil ich dafür ausbilden, wenn ich MeisterIn bin. Da wird man aber nicht sofort reinrutschen jetzt. Also, da muss man ein bisschen Geduld mitbringen.
Das wollte ich gerade fragen: Sind die schon voll für dieses Jahr? Ja, auch leider schon für nächstes Jahr. Wie gesagt, uns beschäftigt das sehr, inwiefern wir da Möglichkeiten schaffen, noch mehr Leute und Menschen irgendwie diesen Meisterbrief nahe zu bringen.
Aber wir sind da auch noch, ich habe noch nicht die Top-Lösung gefunden, wie wir das machen, weil theoretisch wäre auch die Möglichkeit, noch einen Sommerkurs zu machen. Aber im Sommer soll man ja eigentlich im Fahrradladen stehen und Fahrräder reparieren.
Ja, manche sagen sogar mal, man soll im Sommer Fahrrad fahren. Ja, das ist aber, glaube ich, nicht ganz so einfach für viele Menschen in der Branche. Da muss man immer in den Süden fahren. Auch ein bekanntes Problem.
Dank und Ausblick
Jan Paulus ist in der Lehrgangsleitung an der Bundesfachschule Zweirad in Frankfurt am Main. Und Jan, vielen Dank, dass du mit mir über all diese Themen gesprochen hast und so ein bisschen mir Einblick gegeben hast in einen Bereich, von dem ich weiß, dass er existiert, aber dessen Struktur ich bisher nie so richtig verstanden habe, was mir nie so richtig klar war.
Und dieses Gespräch hat mir da einiges gebracht. Ich hoffe, einigen, die das hören, geht es auch so. Ja, dann wünsche ich dir einfach eine gute Zeit, sage dir Danke und vor allen Dingen wünsche ich dir natürlich viel Spaß bei dem Rahmen, den du im Sommer bauen willst.
Vielen, vielen Dank auch, dass ich hier sein durfte. Cool, danke. Jan Paulus von der Bundesfachschule Zweirad.
Und ich habe euch gleich noch den Link zu der Ausgabe mit Markus Straußner, aka Tante Mäcki, zum Rahmenbau reingepackt, in der noch mehr Maschinenliebe drinsteckt und auch zu dem Gespräch mit Isabel Eberlein und Angela Franke von Women in Cycling, das ich auf der Eurobike 2025 geführt habe. Das Thema haben wir ja auch kurz angetippt.
Die nächste Ausgabe dieses Podcasts erscheint am kommenden Freitag, also dem 13.03. Ihr erreicht uns unter antritt@detektor.fm sowie bei Instagram und Mastodon.
Und falls ihr euch beim Gespräch über die Ausbildung so ein bisschen erinnert habt an Schul- und Ausbildungszeiten und dieses Gefühl vor Prüfungen, wenn man denkt, man hat viel zu wenig aus dem Unterricht behalten. Oder wenn ihr euch fragt, was eigentlich in diesem Januar und Februar passiert ist, weil draußen Radfahren wird es in den meisten Fällen nicht gewesen sein.
Alles nicht so schlimm. Kennen wir wahrscheinlich alle. Und hier ist der Song mit dem passenden Titel „Things I Don’t Remember“ von Ugly Casanova. Und ich wünsche euch viel Spaß damit und selbstverständlich gute Fahrt. Am besten in dem Frühling. Bis nächste Woche. Ciao.
[Musik: Ugly Casanova – Things I Don’t Remember]