Hier ist der Antritt, der Fahrrad-Podcast auf detektor.fm mit der ersten Oktober-Ausgabe 2026. Mein Name ist Gerolf Meyer und ich verrate euch jetzt mal ein Geheimnis: Ich bin jemand, den man wahrscheinlich einen Fahrrad-Nerd nennen könnte. Vielleicht ist das hier in den letzten Jahren rübergekommen. Mich faszinieren diese Geräte, die Erlebnisse, die sie möglich machen, und die Geschichten der Menschen, die sich mit Fahrrädern beschäftigen. Ich stecke ziemlich tief drin in diesem Fahrradthema, und für mich ist die Beschäftigung damit nicht nur Leidenschaft, sondern auch Beruf.
In den letzten Ausgaben ist es hier um sehr spezielle Fahrräder gegangen, und ich habe mit Menschen gesprochen, die, so wie ich, tief im Thema stecken. Wahrscheinlich noch auf ganz andere Art, weil sie selbst Fahrräder bauen und damit handeln. Doch diese Perspektive ist nur eine Seite der großen Fahrradgeschichte, die täglich von ganz vielen Menschen weitergeschrieben wird. Und ich finde es lohnenswert und auch ein bisschen wichtig, immer mal wieder mit einer anderen Brille aufs Radfahren zu schauen. Denn das Fahrrad ist, wie wir wissen, ein ziemlich gutes Multifunktionswerkzeug, und das bedeutet, dass auch sehr pragmatische Fahrradfahransätze richtig gut funktionieren können und vor allem spannend sind.
Von einem dieser Ansätze habe ich in den letzten Wochen Wind bekommen, und ich bin der Geschichte nachgegangen. Ihr könnt sie hier hören, und ich wünsche euch viel Spaß damit. Wir gehen rein. Antritt, der Fahrradpodcast von detektor.fm. Hier im Antritt sammeln wir Fahrradgeschichten. Wir wollen wissen, wie Menschen mit dem Fahrrad unterwegs sind und was sie dabei erleben. Wir nennen das Ausfahrt des Monats, und darin kann alles stecken: Der kurze Sprint zum Bäcker, die Reise um den Globus, Nachtfahrten oder Urlaubsgeschichten oder auch der tägliche Pendelweg zur Schule und auf Arbeit. Nehmt uns einfach ein Stück mit.
Radurlaub in Slowenien
In dieser Ausgabe sprechen wir über einen Radurlaub, der vielleicht etwas anders gewesen ist als manche Geschichten, die hier schon zu hören gewesen sind. Denn Maria ist im Juli 2026 zu einer Urlaubsreise nach Slowenien aufgebrochen mit einem Fahrrad namens Adventure, das sie sich auf einem Kleinanzeigenportal organisiert hat. Ich freue mich, dass ich mit Maria über ihre Slowenienreise sprechen kann, und ich sage Hallo in die Nachbarschaft hier in Leipzig. Hallo Maria!
Maria, du hast in diesem Jahr Urlaub in Slowenien gemacht. Was reizt dich an Slowenien?
Die Natur reizt mich an Slowenien, und ich hatte mich in dem Jahr vorher ein bisschen mit der Geschichte Jugoslawiens beschäftigt und bin da so über Slowenien quasi gestolpert. Also die besondere Rolle Sloweniens in dieser Zeit im Zerfall, dann ja, oder die gesamte Geschichte Jugoslawiens von der Gründung bis zum Zerfall, oder wie man es nennen möchte. Ja, ich weiß gar nicht, ob es der richtige Begriff ist. Slowenien ist irgendwie das Thema, beziehungsweise es gibt einen historischen Hintergrund, wie ich so gerade raushöre.
Welchen Urlaubsplan hast du dir überlegt? Wo soll das hingehen?
Ich wollte auf jeden Fall in Ljubljana starten, in der Hauptstadt, und von da aus dann nach Italien. Und habe mir dann eine gute Route ausgesucht und bin da über ein paar Orte gestolpert, die ich interessant fand und die auch einfach ganz pragmatisch quasi auf der Route lagen. Ja, und du hast das von Anfang an als Fahrradurlaub geplant, soweit ich weiß. Du hast allerdings während der Planung noch gar kein Fahrrad gehabt. Was hast du dann gemacht?
Ja, also ich fahre sehr gerne Fahrrad und habe eigentlich immer ein Fahrrad, aber es hatte sich so ein bisschen herausgestellt, dass ich mein Fahrrad zwar mitnehmen kann nach Slowenien, aber es von dort aus nicht mehr nach Hause bekommen werde. Und deswegen habe ich mir einfach bei eBay Kleinanzeigen geguckt, was es so für billige Damenräder gibt. Genau, habe mir da eins besorgt quasi.
Okay, ist es auch ein billiges Damenrad geworden?
Ja, das hat 50 Euro gekostet. Ist so 26 Zoll, was vielleicht ein bisschen zu klein war, aber auch trotzdem ging. Und genau, das war dann so ein bisschen die Reise mit dem Fahrrad zusammen. Also ich habe dann das Gefühl, es war so eine schöne Zeit mit dem Fahrrad.
Ah, okay, ihr habt euch dann so ein bisschen kennengelernt.
Wir haben uns kennengelernt, und es war eine sehr gebundene Beziehung. Ja, okay, das ist ja manchmal so. Wie nah vor Abreise, wie viel Zeit ist da noch gewesen, als du das geholt hast?
Ja, eine Woche.
Okay, eine Woche, dann konntet ihr euch kurz kennenlernen. Mal so das erste Date mit dem Rad, wenn ich mal dieses Bild irgendwie so weiter mache. Was hast du denn eingepackt für das Rad? Also hast du irgendwelche Werkzeuggeschichten oder sowas mitgenommen?
Ja, ich habe so einen Reifenschlauch. Also ich kenne mich gar nicht aus mit Fahrrädern. Alles, was ich jetzt sage, ist jetzt so, was ich so handelsüblich benennen würde. Das ist überhaupt kein Problem. Also eine Fahrradpumpe, so eine kleine Handpumpe, einen Schlauch und so ein Flickset mit so, genau, wo man Teber und Pflaster, sage ich mal. Ich hatte schon mal einen Fahrradreifen auch gepflickt vor ein paar Jahren und dachte, gut, dann habe ich jetzt alles dafür, falls was ist.
Ja, noch irgendwelches Werkzeug, irgendwie so ein Multitool oder sowas?
Multitool? Ich glaube, ich hatte so einen Imbusschlüssel mit so einem, was man bei Ikea auch manchmal hat, wo so ganz viele zusammen sind.
Die Reise beginnt
Top! Wie ist es dann losgegangen in den Urlaub? Wie bist du nach Slowenien gekommen? Zug, hast du glaube ich schon erwähnt?
Genau, ich bin mit dem Zug angereist und hatte auch einen Fahrradplatz reserviert. Das war ganz wichtig, weil es wirklich konkret, es war jetzt kein großes Fahrradabteil oder so, sondern es ist eine Aufhängung pro Fahrrad, und die hat auch noch eine Nummer. Und deswegen, genau, bin ich dann mit dem Zug nach Ljubljana gefahren und habe mir dann Ljubljana angeguckt, zwei Tage, und bin dann losgefahren.
Die erste Tour nach, ich weiß gar nicht mehr, Franzdorf, genau, ist da der ehemalige deutsche Name. Und das war so ein Campingplatz, genau, und das war quasi die erste Tour, ungefähr so, weiß ich nicht, 35 Kilometer ungefähr waren das.
Warum Franzdorf? Was gab es da zu sehen?
Einen sehr schönen Campingplatz, und da sind so, ich weiß gar nicht, wie das hieß, Teufelsschlucht, glaube ich, hieß das. Und da konnte man halt schön wandern, und es war sehr abgelegen. Das fand ich schön, den Gegensatz quasi zwischen dieser sehr schönen und auch touristischen und inhaltlichen Großstadt, quasi Ljubljana, und dann diesem kleinen Dörfchen, wo irgendwie der nächste Einkaufsmarkt zehn Kilometer entfernt war. Und genau, aber da so eine schöne Natur einfach.
Wie hast du navigiert, als du da unterwegs warst?
Mit einer App, mit einer Komoot-App ist das gewesen, genau. Und die hat mich da so also auf jeden Fall, es waren ja drei Fahrradtouren, und die erste da nach Franzdorf hat die mich total sehr kompetent geleitet. Da konnte ich mich immer gut drauf verlassen, wusste dann irgendwann, okay, das zieht viel Akku, das zieht nicht so viel Akku. Ich hatte eine Powerbank mir noch eingepackt, ja, damit das funktioniert mit der App.
Wenn du sagst, auf der ersten Tour, also auf dem ersten Abschnitt hat es gut funktioniert, klingt danach, als wäre es bei den anderen Abschnitten vielleicht gar nicht so gewesen. Wie ging es denn weiter von Franzdorf?
Ja, also das war dann die sehr überraschende Tour, sage ich mal, weil Komoot hatte da gesagt, ja, also wenn ich es in Erinnerung habe, ungefähr so auch ein paar dreißig Kilometer, zweieinhalb, drei Stunden, dreieinhalb Stunden vielleicht oder so. Da stand schon irgendwie, ich weiß nicht, ob du das kennst, diese App, da ist dann so Fitnesslevel, und da gibt es irgendwie Fitnesslevel eins bis drei, und da stand halt Fitnesslevel drei. Und dann dachte ich so, naja, was soll das jetzt schon sein für drei Stunden Fahrradtour? Das kann ja jetzt nicht so doll sein.
Und hatte das noch meinem Host da erzählt am Campingplatz, und dann war die so, ach so, ja, da fährst du hin jetzt, weil ich bin dann nach Posttäuschne, heißt es glaube ich, da gibt es so Höhlen und bla bla bla. Okay, auf jeden Fall war das der Weg. Und dann hatte ich noch kurz mit meinem Mann telefoniert und habe gesagt, ich fahre jetzt los und habe dann gesagt, ich muss mal auflegen, es wird ein bisschen steinig, und der Anstieg ist irgendwie so hoch.
Und ich habe aber mich sehr auf die App verlassen, weil ich weiß, ich hatte auch keine andere Ahnung, wie ich es jetzt sonst machen sollte und musste ja dahin. Und das war dann so, dass mich das halt durch diese, ich weiß nicht, was das dann ist, gesteinige, steinige, abgelegene Wald-Gebirgsfahrtstrecke geführt hat. Das war sehr abenteuerlich. Das hat dann acht Stunden gedauert. Das Fahrrad ist natürlich auch kaputt gegangen unterdessen, weil ich damit natürlich nicht gerechnet habe, dass es so gebirgig ist. Genau, und habe da einfach viel erlebt auf dem Weg. Also man kommt dann auch sehr ins Nachdenken oder in sich ermutigen. Das war auf jeden Fall die interessanteste Tour, die ich jemals überhaupt gefahren bin.
Herausforderungen und Erlebnisse
Okay, das ist spannend. Gib uns mal noch ein paar Eckdaten. Also ich habe jetzt rausgehört, Fitness Level 3, also 3 von 3, steinig und so. Was bedeutet das? Also weißt du, wie weit es ungefähr hoch ging? Weil ich glaube, es ging ordentlich hoch, ne?
Ja, also ich habe keine Ahnung von dem Ganzen gehabt. Ich habe dann nur gesehen, dass da stand, was ich irgendwie zurückgelegt habe oder so, 800 Höhenmeter und 20 % Steigung stand dann da. 20 % Steigung ist sozusagen also so steil. Ich hatte ja auch noch meine Gepäcktaschen quasi hinten am Gepäckträger, und das war aber so steil, und es ging auch dann so eine sehr wendige Straße hoch, die kaum befahren wurde, was ich auch gut nachvollziehen kann im Nachhinein, dass ich also abgestiegen bin natürlich und das Fahrrad halt diese ganzen Kilometer da hochgeschoben habe.
Aber ich musste es so festhalten quasi, durfte nicht groß bremsen und musste relativ starr sein in der Bewegung, weil es halt schnell zur Seite kippt oder halt ich dann auch natürlich die Sorge hatte, dass es nach unten rollt wieder und ich irgendwie genau. Aber das hat dann irgendwie gut geklappt, halt auf seine Art.
Ich habe ein Foto gesehen, da sind so zwei große Gepäcktaschen hinten am Gepäckträger dran. Also das wahrscheinlich, wenn du sagst Campingplatz, wahrscheinlich hast du auch ein Zelt mitgehabt oder so?
Achso, ne, ein Zelt hatte ich nicht mit. Ich hatte so eine schöne Hütte da auf dem Campingplatz. Aber ja, das waren die Taschen und der Rucksack.
Du hast gesagt, das Fahrrad ist kaputt gegangen auf diesem Abschnitt. Was ist da kaputt gegangen?
Ja, das ist kaputt gegangen. Das war schon nicht so super einsatzbereit, als ich losgefahren bin. Ich hatte von Anfang an so Probleme mit dem Sattel, weil diese Sattelstange eigentlich nicht richtig reingepasst hat in dieses Sitzrohr. Und deswegen musste man, habe ich das so mit Gaffer Tape, dass das halt so hält, dass der Sitz jetzt nicht nach unten drückt. Aber natürlich durch die Steigung, dass ich da halt schon mit viel Kraft auf dem Fahrrad saß, sage ich mal, hat sich dann der, also der Sattel hatte sich dann verabschiedet. Und dann war man wirklich ganz tief, so tief wie es ging. Ich war ja aber auch ein 26-Zoll-Fahrer. Das war wie irgendwie im Kindergarten Fahrradfahren, so ein bisschen.
Und dann ist das Schutzblech hinten abgebrochen oder so eine Schraube hatte sich gelockert, sodass der Gepäckträger, wenn auf das Schutzblech dann gedrückt hat und das auch nochmal so ein bisschen gebremst hat. Ja, das ist dann da kaputtgegangen an dem Fahrrad, und dann ging die Luft auch langsam raus aus dem Hinterreifen. Aber das war nicht so schlimm. Aber es war auf jeden Fall, also ich musste dann auch lachen.
Ich glaube, wir können es vielleicht noch ergänzen, weil wir haben hier vor der Aufnahme telefoniert gestern. Und da hast du mir gesagt, dass es auch eine Nabenschaltung, eine Dreigang-Nabenschaltung hat. Theoretisch das Fahrrad. Aber ich glaube, die hat auch nicht richtig funktioniert.
Die hat aber nie funktioniert. Ja, Single Speed sagt man dann dazu. Ja, aber ich, ja, das ist ein heroisches Unterfangen. Also es gibt Leute, die sagen, ich fahre extra im Gebirge ohne Gangschaltung, weil das ist irgendwie cooler. Es gibt Leute, die definieren irgendwie ihr Fahrradfahren da teilweise drüber. Es gibt auch Leute, die suchen so eine Anstiege und solchen Untergrund. 20 % ist auch wirklich, also das ist super knackig. Ich glaube, da steigen auch die meisten Leute mit Gangschaltung ab.
Interessant finde ich jetzt, dass du das so erzählst. Das sind acht Stunden gewesen. Es sind die ganzen Sachen kaputt gegangen, die du aufgezählt hast, und du sagst, das war aber trotzdem eine sehr interessante Erfahrung, und du musstest lachen. Was ist denn interessant für dich daran gewesen? Was macht das aus?
Also ich habe tatsächlich in vielen Lebenslagen so einen Hang zum Pragmatischen. Ich mag das gerne, wenn es unkompliziert ist und man trotzdem viel erreichen kann. Und ich glaube, das war das auch so ein bisschen. Also für mich war da wichtig, ich hatte mir Nutella-Brötchen geschmiert. Ich wusste, ich habe meine Packung Kinder Country Riegel und drei Liter Wasser. Und das war alles klar, dass das funktioniert. Und der Rest war halt dann der Weg, wie der so funktioniert.
Also ich hatte natürlich auch Lust auf Abenteuer, aber ich wollte mich jetzt nicht in irgendwie unangenehme Situationen bringen oder sowas. Es hat sich dann einfach so ergeben, würde ich sagen. Auch ein bisschen naiv, aber so ist das halt. Ich kenne das auch so ein bisschen, dass man manchmal in so Situationen kommt und vielleicht sucht man die auch manchmal.
Also vielleicht auch so Leute, die sich ganz doll mit ihrem Fahrrad identifizieren. Letzten Endes wollen die sich wahrscheinlich auch oft an irgendwelche Grenzen bringen. Und ich habe dann manchmal, wenn ich in solche Situationen komme, auch so ein Ding, dass ich so denke, okay, das ist jetzt hier irgendwie absurd. Und ich bin aber auch, weil es so absurd ist und manchmal ich mich da so als kleines Menschlein irgendwo fühle in irgendeiner Situation.
Also habe ich fast manchmal so etwas wie Dankbarkeit oder so. Ich finde es irgendwie cool, dass ich das so erleben kann, weil das so eine spezielle Situation ist. Kannst du das nachvollziehen? Also kennst du es auch?
Ja, also ich war meinem Körper sehr dankbar, tatsächlich, was der da gemacht hat. Da war alles top und dankbar und auch ein Gefühl von so einer, wie so ein bisschen so einer irrsinnigen Freiheit. Also ich musste jetzt nichts, ich hatte einen Sturzhelm vergessen. Den habe ich mir von einer Freundin geborgt, die ich vorher noch mal getroffen hatte. Das hat sich alles so einfach lebendig angefühlt und dass man das schon hinkriegt, irgendwie.
Fahrrad und Freiheit
Irrsinnige Freiheit finde ich einen wirklich schönen Begriff. Ich habe es in der Anmoderation schon so ein bisschen angedeutet. Also für viele Leute, mit denen ich hier in diesem Podcast spreche, spielt das Fahrrad so als Gegenstand an sich eine richtig große Rolle. Da wird auch vor solchen Reisen das gesamte Setup immer wieder verändert und optimiert. Und wenn man da unterwegs ist, dann kann es auch so ein großer Freudenquell sein, wenn das alles richtig gut funktioniert, was man sich da überlegt hat.
Und manchmal sprechen Leute dann davon, sie wären so eins mit ihrem Rad geworden und freuen sich so darüber, dass das eben alles so hinhaut. Und du hast jetzt, wie wir gehört haben, in Sachen Fahrrad einen ganz anderen Ansatz als diesen. Und ich frage mich, hast du sowas trotzdem gespürt? Also so Momente, in denen einfach diese Maschine irgendwie für dich auch, wenn sie nicht so gut funktioniert hat und das Gaffer nicht gehalten hat und so, wo du trotzdem gedacht hast, irgendwie ist das geil, was ich mit diesem Ding hier für 50 Euro von Kleinanzeigen erleben kann?
Ja, ich habe auch generell, aber würde ich schon sagen, auch wenn meine Ansprüche vielleicht an die Gegenstände ein bisschen geringer sind oder anders, habe ich schon auch immer dann eine Beziehung auch zum Fahrrad, zum Beispiel oder zu einem Lieblingspullover oder keine Ahnung. Es ist mir schon nicht egal. Vielleicht habe ich da mehr Interesse daran, dass es auch differenzierte Gefühle zu den Gegenständen geben kann und der Gegenstand dann auch irgendwie das nicht leisten muss und ich das kompensiere oder irgendwie so.
Ist jetzt ein bisschen sehr, aber wenn man jetzt die Ebene ansprechen will, würde ich so sehen. Ja, und wenn es vielleicht darum geht, sowas wie so eine irrsinnige Freiheit oder so zu erreichen, dann hast du das halt einfach auch, sage ich mal, total ökonomisch erreicht, weil du hast einfach nicht so viel investiert und dir nicht so einen Kopf gemacht und bist trotzdem da hingekommen.
Mich interessiert auch so deine Sicht auf das, was ich so eben beschrieben habe. Also so Fahrradleute, die man vielleicht manchmal so als Nerds oder so beschreibt, also die sich so viel mit diesem Gegenstand beschäftigen, weil sie sich irgendwas davon versprechen. Hast du da irgendeinen Blick drauf, irgendeine Außensicht? Wie wirkt das auf dich?
Also ich habe viel Interesse daran zu sehen, wie Leute so ihren Kram regeln und wie sie das so ausstaffieren. Das ist ja auch irgendwie ein Ausdruck von Kreativität, wenn man da an seinem Fahrrad drum werkelt und jetzt das neuste Dinge sich da kaufen will und so und da irgendwie so Spezialwissen hat. Das finde ich schön. Es ist aber nicht so, ich habe nicht so viel, was da bei mir andocken könnte in der Art, mich damit zu beschäftigen.
Aber ich kann das gut nachvollziehen, weil es einfach schön ist, wenn man eine Leidenschaft für was hat.
Weiterreise nach Triest
Wie ist es denn weitergegangen nach diesen 8 Stunden 20?
Also ich bin bei so einem Ehepaar, die hatten ihre Garage ausgebaut, aber das klingt jetzt so ein bisschen dividanisch. Aber das war ein übelst schönes Airbnb. Bin ich angekommen, hatte auch nochmal gesagt, ich komme ein bisschen später und so, und dann stellte sich raus, dass das so Fahrradnerds sind, tatsächlich. Und es war Sonntagabend dann schon, und die haben mich ganz freundlich, fast schon freundschaftlich da empfangen.
Und ich habe gesagt, sorry, ich bin ein bisschen zu spät, das Fahrrad ist kaputt gegangen und so. Und dann hat der Host da einfach mein Fahrrad genommen und hat gesagt, er würde mal kurz das mit in die Werkstatt nehmen. Und dann hat er das für mich halt repariert innerhalb von einer halben Stunde oder Stunde. Da bin ich schon aus allen Wolken gefallen. Das ist so auch so herzlich.
Und dann hatte ich noch gefragt, ob irgendwie in der Nähe ein Restaurant auf hat oder so, und dann waren die so traurig bei mir und haben gesagt, leider nicht, aber wir kochen dir einfach schnell was. Und dann haben die dann noch für mich Hähnchen Gulasch gekocht und haben mir Knackwurst selbst gemacht. Einfach übelst. Also das war ein richtig schönes Ankommen nach so einer strapaziösen Fahrt oder Schieberei, besser gesagt auch.
Ja, und manchmal ist ja auch so, dass solche Sachen, die eigentlich erstmal ärgerlich klingen, es geht irgendwas kaputt und so, dass die dann wieder so Dinge auslösen, die dann eben so total cool sind. Ich kenne das auch, ich hatte das neulich erst im Urlaub. Da hat was nicht funktioniert, dann musste ich dann in irgendeinen Radladen, und erst durch diesen Effekt bin ich dazu gekommen, dass ich da Kontakt mit jemanden hatte, der einfach total herzlich war.
Also ohne irgendwelche Vorbedingungen. Und dann denke ich mir immer so, ja, manchmal hat man auch einfach Glück, wenn so Dinge dann einfach mal nicht funktionieren, weil man dann Lösungen finden muss.
Ja, und es hat ja was Verbindendes gehabt, weil die waren halt auch so fürs Fahrrad quasi, und das war dann schöner Zufall. Das verbindet dann irgendwie, dass man quasi dasselbe Interesse hat. Super!
Wie ging es dann weiter von dort?
Von dort aus dann bin ich dann mit dem Fahrrad da zu den Höhlen gefahren. Das hat alles super geklappt und dann nach Triest. Das waren, glaube ich, 60 Kilometer oder so, oder 65, irgendwie sowas. Und da hat das Fahrrad gut gehalten, aber der Sattel hat es dann wieder nicht ganz gemacht. Also wenn das halt nicht passt, dann passt das eben nicht. Der ist mir dann wieder so runtergerutscht quasi, dass ich wieder so ein bisschen ungünstig saß.
Genau, die Tour war aber weitestgehend okay, wobei man schon gemerkt hat, dass die Art, wie man mit Fahrradfahren umgeht im Vergleich jetzt Slowenien-Italien schon ein bisschen anders war. Also ich habe schon gemerkt, so 10 Kilometer, 20 Kilometer vor der Grenze zu Triest, dann fingen die Leute an mit Hupen. Ich habe dann auch gedacht, ist irgendwas falsch oder so? Darf man nicht auf der Straße fahren? Aber ich habe es dann auch nicht mehr rausgekriegt. Es waren bestimmt so drei, vier Autos, die dann gerutscht haben, aber dann dachte ich, gut, dann ist es so.
Und das lief aber eigentlich ganz gut. Aber ich hatte das auch unterschätzt, das Airbnb da in Triest. Also Triestes Zentrum ist natürlich schön flach am Hafen und so, aber die Wohnungen sind natürlich auch auf einem Hügel mit einer gewissen Steigung. Und dann hat es mich ein bisschen schon wieder daran erinnert gehabt, weil das auch sehr, sehr steil war. Also das ist auch nicht ohne, da die Straßen.
Aber dann habe ich auch gedacht, komm, bist du ja jetzt auch schon gewöhnt. Und das war dann quasi mein letzter Stopp in Triest. Genau, dann habe ich mir das da angeguckt, und das Fahrrad durfte sich aber ausruhen.
Ja, das hat es ziemlich sicher verdient, so nach dem, was du erzählst. Ich erinnere mich auch, ich bin mal auch nach Triest so runtergefahren. Ich fand das so eine tolle, so die letzten Kilometer, so eine tolle Abfahrt runter an die Adria. Man sieht das Meer, man kommt irgendwie an.
Du nickst und sagst, ja, also für mich war das damals eine längere Tour, die dort das Ziel hatte. Und das war wirklich so, ich finde, am Meer ankommen immer total gut. So irgendwie so ein Erhebnisgefühl. War es das für dich auch?
Also so, wie du das mit den Emotionen beschreibst, war es vielleicht nicht ganz so doll für mich, weil das war irgendwie, also die ganze Tour war für mich wichtig. Und das Ankommen war, da hatte ich schon irgendwie das Gefühl, ich habe das jetzt gut gemeistert und geschafft. Und da war das Meer, weiß ich nicht, das war dann eigentlich, bin ich total wasseraffin. Und überall, wenn ich in den Urlaub fahre, muss überall immer Wasser sein.
Und es wird gebadet bis zum bitteren Ende. Aber irgendwie hat mich das Wasser da nicht so umgehauen, tatsächlich. Jetzt wurde es erst, hm, ja, muss ja auch nicht sein. Ist glaube ich auch so ein sehr romantisches Bild, da irgendwie anzukommen. Egal, das ist ja dann meine Geschichte, um die geht es hier gar nicht.
Es ist eine Weile her, dass ich in Slowenien war, und so viel habe ich gar nicht gesehen von dem Land. Jetzt so von Ljubljana nach Triest bist du gefahren. Gibt es irgendwas, wo du sagen würdest, okay, Gerolf, wenn du da irgendwo hinfährst, fahr da hin. Das war wirklich cool.
Ich weiß nicht, ich würde gerne noch mehr sehen von Slowenien. Ich glaube, dass das, was ich mir ausgesucht hatte jetzt in Slowenien vielleicht nicht die, es gibt bessere Hotspots, glaube ich. Aber zum Beispiel dieser Bledersee oder es gibt so einen türkisen schönen Fluss, der durch Slowenien läuft, Sotschatal. Ja, genau. Das hatte ich mir aber nicht ausgesucht.
Das sieht auch ganz toll aus. Für mich war diese Reise auch einfach so ein, ja, was Symbolisches für Unabhängigkeit und Erkunden. Und ich fand jeden Stopp da sehr schön. Aber ich würde sagen, man muss da einfach die Leute auch genießen können. Und man findet da überall was Tolles. Also ich habe da irgendwie überall was Schönes gefunden.
Klingt so, als wäre das für dich so ein gelungener Urlaub.
Voll! Das war es auf jeden Fall. Also ich finde, die Art des Reisens fand ich sehr angenehm. Also ich war froh, dass ich jetzt nicht auf einen Zug, Bus oder sonst irgendwas angewiesen war. Ich habe keinen Führerschein, deswegen ist Fahrrad dann die einzige Option, wie ich mich selber fortbewegen kann. Und ja, ich fand das für mich war es auf jeden Fall sehr gelungen.
Ich spreche hier ja einmal die Woche mit Leuten übers Radfahren und über Fahrräder. Auch oft so darüber oder versuchst du rauszufinden, was so dieser Reiz eigentlich ist. Also worum es eigentlich geht, warum so viele Leute irgendwie so eine Beziehung zu diesem Gegenstand und zu diesem Reisen damit haben.
Kannst du das für dich irgendwie beschreiben, wo du sagst, das macht es für mich aus, mit dem Rad unterwegs zu sein?
Da ist schon das Gefühl von Unabhängigkeit da. Und aus eigener Kraft und Vermögen sich fortzubewegen und zu bestimmen, wo man wie ankommt und was man dabei erlebt und was man da mitnehmen will und was nicht.
Also ich fahre auch in Leipzig eigentlich nie mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Ich fahre immer mit dem Fahrrad. Das ist einfach für mich ein Modell, wie ich mir das Gefühl verschaffen kann. Naja, frei ist immer so ein Großbild, aber irgendwas hat es ja damit. Irgendwas willst du damit auch haben, da zu verhalten. Auch ja, und Freiheit kommt ganz oft.
Und interessanterweise, egal um welche Spielart es geht und wie nah oder fern man jetzt dem Thema ist oder sich mit diesem Gegenstand beschäftigt. Ich würde es immer noch ein bisschen kombinieren mit so einer, ich sag mal, so etwas wie Berührbarkeit.
Also man ist halt irgendwie ausgesetzt. Und du sagst, du bist mit den Leuten in Kontakt gekommen. Und ich finde, das ist beim Fahrrad immer total gut, weil du hast halt keinen Käfig um dich rum und du bist manchmal auch darauf angewiesen auf Leute.
Ja, auf jeden Fall. Aber ich habe das auch beim, ich meine, das ist jetzt nicht ein Fahrrad-Podcast, aber ich habe das auch beim Laufen zum Beispiel. Also einfach alles, wo man das Gefühl hat, es ist aus der eigenen Kraft heraus bewegt sich was.
Das denke ich jetzt immer und es ist ja, ich weiß nicht, ob es beim Fahrradfahren ist. Das wirst du besser wissen, aber beim Laufen zum Beispiel ist es so, dass man sich ulkigerweise ja immer grüßt, wenn man joggt. Ich liebe das.
Ich würde gerne am liebsten, das habe ich dann auch auf den in Slowenien und auch auf dem Weg nach Trieste. Ich liebe das, wenn man dann die Leute so grüßen kann, völlig random. Würde man im Auto auch nicht machen.
Genau, also ich kann genau nachvollziehen, was du sagst. Ich muss eben schmunzeln, weil ich habe neulich auf dem Tandem die Ermahnung bekommen, dass ich in der Abfahrt nicht alle grüßen soll. Ich soll meine Hand am Lenker lassen, also beide nach Möglichkeit.
Aber wir haben es auch unfallfrei, ohne also mit einer Hand teilweise am Lenker runter geschafft. Jetzt müssen wir natürlich am Ende dieser Geschichte noch aufklären, wie es mit dir und dem Fahrrad weitergegangen ist, weil da gibt es ja noch so einen ganz interessanten Abschluss.
Was ist dann passiert? Das war ja sozusagen, das ist ja relativ genau, wenn man mit der Zugbindung von Trieste zum Beispiel. Ich bin dann von Trieste nach Wien gefahren, den Zug, und auch da war wieder das wichtig, dass man eine Fahrradreservierung hat.
Und das war auch wieder dieses Konkrete, also ein Fahrrad, eine Aufhängung. Und es war aber klar, dass es keine Fahrradreservierung mehr gibt. Und deswegen habe ich dann beschlossen, dass ich, ich hatte vorher noch meinen Host gefragt, ob die vielleicht das Fahrrad haben möchte.
Dann können sie damit ein bisschen rumfahren oder so, aber die hatten da leider keine Verwendung. Und habe dann das Fahrrad natürlich unangeschlossen in Trieste am Hauptbahnhof geparkt, bis der nächste Fahrradfahrer es findet.
Das heißt, es ist jetzt völlig unserer Fantasie überlassen, was damit passiert ist. Also vielleicht hat es ja jemand gefunden und vielleicht ist ja jemand zurückgefahren nach Ljubljana oder in eine andere Richtung. Man kann das so bedeutungsvoll aufladen, dieses Ganze.
Ja, ganz unbedingt. Es sind keine Grenzen gesetzt. Wir können da jetzt alles, die Reise geht weiter. Jemand anderes wird jetzt damit verreisen oder ein Stück von mir und von meiner Reise ist immer in Trieste, wie man es nehmen will.
Wunderbar. Wird es denn eine neue, eine andere Fahrradreise geben für dich? Ach, schön wäre es. Ich würde gucken, wie es nächstes Jahr so ist.
Das war ja auch relativ spontan, deswegen gucke ich mal, was dann nächstes Jahr ansteht an Reisen und gewollten Herausforderungen. Maria aus Leipzig ist mit einem Fahrrad, das sie sich eine Woche vor einem Urlaub organisiert hat, für 50 Euro durch Slowenien gefahren, von Ljubljana nach Trieste.
Dabei sind einige Dinge passiert. Wir haben darüber gesprochen. Maria, ich danke dir für diese schöne Fahrradgeschichte und wünsche dir einfach, dass die nächste Reise auch wieder so wird, dass sie so viele positive Sachen irgendwie rausbringt, so wie ich das jetzt hier mitgenommen habe.
Vielen Dank. Ja, danke dir auch. Was für eine schöne Geschichte. Ich freue mich, dass ich hier im Antritt über so viele verschiedene Fahrradgeschichten sprechen kann.
Und ich danke in dieser Woche meinem Kollegen Stanley Baldauf nicht nur für den schönen Schnitt dieser Ausgabe, sondern auch für den Tipp, denn Stan hat mir von Marias Slowenienreise erzählt.
Slowenien ist übrigens schon mehrmals bei uns Thema gewesen. 2025 haben wir zum Beispiel mit Steve aus Ljubljana gesprochen, der zu einer Reise mit dem Club Fahrrad zur kroatischen Insel Kres aufgebrochen ist.
Und 2020 ging es mit Downhill-Profi Nina Hoffmann um ihren Sieg beim World Cup Rennen in Maribor. Ich habe euch beide Ausgaben in den Show Notes verlinkt.
Und wenn ihr einmal dort seid, will ich euch nochmal auf zwei Termine hinweisen. Am kommenden Freitag, also am 9.10., sind Christian und ich im Rahmen der Soon Podcast Week in Düsseldorf abends in der schicken Mütze zu Gast.
Wir nehmen dort einen Live-Podcast mit Publikum auf und es wird um die schicke Mütze selbst gehen, denn das ist ein Radladen, der ein paar Dinge anders macht. Und wir interessieren uns dafür, was dahinter steckt.
Ihr findet den Link zur Veranstaltung und zu den Tickets in den Show Notes. Und außerdem ist dort auch ein Link zu unserem Live-Podcast im Rahmen des Podcast Pudel Festivals in Dresden.
Dort sind wir am 7.11. zu Gast und es wird um ein richtig spannendes Thema gehen: BMX und mehr in der DDR ist unser Thema. Und ich freue mich auf beide Live-Podcasts schon jetzt.
Holt euch gerne ein Ticket, kommt vorbei und natürlich sind wir auch nach den Aufzeichnungen in Düsseldorf und Dresden für euch ansprechbar.
Die nächste Ausgabe dieses Fahrrad-Podcasts erscheint am 9.10. Ihr erreicht uns unter antritt detektor.fm sowie auf Instagram und Mastodon.
Und ich wünsche euch allen gute Fahrt, egal mit welchem Rad, natürlich. Ciao.
[Musik: Lily Konigsberg – Free Byrd]