Ich mag zwar schöne Dinge, aber diese schönen Dinge, die müssen auch funktionieren. Und da ist die Fahrradtasche natürlich ideal. Also besser geht’s gar nicht. Ich kann mir gar nicht vorstellen, irgendwas anderes zu machen. Ich kann gar nicht anders als so arbeiten, wie ich das gerade tue. Kreativ. Wenn ich diese Gespräche nicht mehr hätte, mit allem, was da gerade draußen stattfindet, dann kann ich ja gar keine gute Taschenproduzentin sein. Also das ist zum Beispiel ein Detail, das sieht man eigentlich nicht, aber das hat lange gedauert, bis ich wusste, dass ich das benutzen möchte. Und ich bin von Natur aus extrem aktiv. Also ich kann kaum fünf Minuten still sitzen. Ich weiß nicht, wie ich das hier gerade schaffe. Deswegen ist das Fahrradfahren einfach ideal. Ja, wir haben einfach aus Joke oder das war auch Flos Idee, das Headpacking erfunden. Siehst du nochmal eine Handvoll solcher? Ja, definitiv. Wie viele Handvoll? Das verrate ich jetzt natürlich nicht. Du musst ja nicht sagen, was du da siehst. Ja, es gibt immer Weiterentwicklung. Es hört niemals auf. Hier ist der Antritt der Fahrrad-Podcast auf detektor.fm mit der dritten Januar Ausgabe 2026. Mein Name ist Gerolf Meyer und ich begrüße euch zu dieser Ausgabe. Ihr habt gerade schon ein paar Auszüge aus dem Gespräch gehört, um das es hier gleich geht. Und bevor wir so richtig einsteigen, will ich noch schnell ein kleines Experiment mit euch machen. Schließt mal bitte eure Augen, sofern ihr gerade kein Fahrzeug steuert, und achtet darauf, welches Bild ihr seht, wenn ich euch jetzt den Begriff Bikepacking nenne. Na, hat es funktioniert? Gut. Jetzt haben manche von euch vielleicht ein Gravelbike gesehen, behangen mit allerlei Taschen. Und hier und da ist vielleicht auch so eine richtige Transcontinental-Maschine aufgeploppt, also ein Langstreckenrennrad. Und bei mir ist ja übrigens gerade ein 29er Hardtail aufgetaucht mit Rahmentasche, Snackbags, Frontrolle, allem, was so dazugehört. Und jetzt kommt meine begründete Vermutung: Die meisten der Geräte, die wir jetzt zusammen vor unserem inneren Auge gesehen haben, die hätten wir vor 20 Jahren noch nicht sehen können. Nicht nur, weil es diese Räder noch nicht gegeben hat, sondern auch, weil wir von den meisten Gepäcktransportlösungen, die wir gerade gesehen haben, noch gar kein Bild gehabt haben. Und außerdem Zusatzfrage: Ist dieses über lange Strecken unterwegs sein, Parade, ob nun als Radreise oder meinetwegen auch als Adventure oder Expedition oder Ultra-Cycling-Event, vor 20 Jahren schon so attraktiv gewesen wie heute? Hat das schon so eine breite Wirkung entfaltet mit Dot Watching und Influencing und Bikepacking-Seiten und unzähligen schnell verfügbaren Routen? Ich glaube nicht. Ich finde Radreisen zwar schon immer richtig, richtig gut, aber in meiner Wahrnehmung ist dieses über lange Strecken unterwegs sein in den letzten beiden Jahrzehnten viel attraktiver geworden. Und auch irgendwie cooler und für mehr Menschen funkelnder. Es hat sich auch deutlich entwickelt. Es gibt mehr Strecken, mehr Events, bessere Räder und vor allem auch viel mehr Möglichkeiten, das Gepäck zu transportieren. In den letzten 20 Jahren ist in diesem Bereich einiges passiert. Und wie immer in der Fahrradwelt gibt es konkrete Personen, die bei solchen Entwicklungen eine Rolle spielen und die sie auch ein Stück weit beeinflussen und ab und zu vorantreiben. Und ihr habt es mindestens schon geahnt, wenn nicht gar gewusst: In dieser Ausgabe dieses Podcasts geht es um eine dieser Personen und was sie so macht. Zuckt die Snackbags fest, wir rollen gleich los. Der Fahrrad Podcast von detektor.fm. Gramm Tourpacking ist eine der ersten Firmen in Europa gewesen, die individuelle Bikepacking-Taschen hergestellt hat und das auch weitermacht. Hinter Gramm Tourpacking steht Tine Heil und ich habe Tine im Dezember 2025 in ihrer Berliner Werkstatt besucht und vor ihrer Weihnachtsfeier mit ihr über Gramm und Bikepacking gesprochen. Wenn es ab und zu ein bisschen knarzt im Hintergrund, das sind die beiden Bierbänke, auf denen wir gesessen haben, inmitten von Maschinen und Stoffen und Schnittmustern. Und jetzt geht es los mit unserer Reise durch die Geschichte von Tines Firma und damit ein bisschen auch durch die jüngere Geschichte des Bikepackings in Europa. Ich wünsche euch viel Spaß. Es ist kurz vor Weihnachten 2025. Ich sitze in Berlin Lichtenberg und bin durch eine Tür gegangen, an der draußen wenn ich mich richtig erinnere, Gramm Tourpacking steht. Vor mir sitzt Tine. Tine hat was zu tun mit Gramm Tourpacking und ich möchte wissen, was es damit auf sich hat. Hallo Tine. Hallo Tine, womit fangen wir an? Fangen wir mit Tourpacking an. Was ist Tourpacking? Eigentlich wäre das eine längere Geschichte. Na dann. Ich hatte ursprünglich einen anderen Namen für meinen Brand und aus der Not heraus brauchte ich einen neuen Namen und der sollte international funktionieren. Und dann sind wir irgendwann auf Gramm gekommen, weil es wie Gramm im englischsprachigen Raum funktioniert. Und das Tourpacking hat einfach das beschrieben, was es ist. Also das sollten Taschen für Touren sein. Also du bepackst dein Fahrrad und gehst auf eine schöne große Tour. Okay, solche Taschen sind das. Es sollte vor allem international sein, also verständlich sein. Ja, darum ging es. Stimmt. Und bei Gramm geht es auch. Hat Gramm auch was mit dem Gewicht zu tun? Ja, sicherlich. Okay. Also früher war es üblich, eher schwerere, größere Taschen aus PVC-Material zu haben. Und ich habe versucht, leichtes Segelmaterial, Sailcloth, Packcloth-Material zu verwenden. Und dann lag das einfach auf der Hand. Name war Programm. Im Namen sollte sich einfach auch schon das Thema widerspiegeln. Super. Dann gehen wir mal genau an diese Stelle, an dieses Früher und an dieses Thema und gucken uns das mal ein bisschen genauer an. Denn ich habe so überlegt, Dinge mit dem Rad transportieren, das mache ich eigentlich schon immer. Aber es ist da irgendwann mal was passiert. Da hat sich was geändert. Du hast diese PVC-Taschen erwähnt, die es gibt. Da gibt es große Hersteller in Deutschland, die das machen. So ein guter Standard, ein funktionaler Standard von Taschen, die bestimmte Qualitäten haben, die für ganz viele Menschen funktionieren. Aber für mich persönlich ist so, ich glaube so 2008, 2009, 2010 ist irgendwas anderes aufgekommen. Da habe ich von einem Hersteller aus Alaska zum ersten Mal Taschen gesehen, die anders gemacht waren. Und ich vermute, dass es bei dir auch so einen Moment gab. Oder hast du schon immer gewusst, dass du Tourpacking-Taschen bauen willst? Nein, das ist einfach entstanden. Ist das für dich auch ungefähr in dieser Zeit, die ich jetzt so benannt habe? Ungefähr, ein bisschen später, zwei, drei Jahre später. Also wir können ja hier sicherlich auch Namen nennen. Das waren in den USA und Alaska Porcelain Rocket und Revelate Designs. Die waren die ersten, die Bikepacking gemacht haben, zumindest im 21. Jahrhundert. Und das richtig professionell aufgezogen haben. Die Art der Taschen gibt es natürlich schon viel länger. Ich bin zum Fahrrad gekommen 2011 nach einer langen Reise und bin mit meinem alten Freund Florian Häusler zusammengetroffen, der gerade sein erstes Fahrrad in Leipzig in der Baumwollspinnerei in einer Werkstatt gebaut hat. Und als ich da vorbeigeschaut habe, hat er gemeint: „Martine, mach doch mal Taschen für das Fahrrad hier oder für meine nächste große Reise nach Patagonien.“ Und dann habe ich mich hingesetzt und habe angefangen, Fahrradtaschen zu nähen. Und es war gleich klar, dass ich nicht PVC-Material benutzen möchte, weil erstens, das wird meist verschweißt, Ultraschall verschweißt. Und das konnte ich natürlich nicht machen mit der Nähmaschine. Und zweitens war das Material auch einfach viel zu schwer und ästhetisch nicht dem, was ich verwenden wollte. Und dann habe ich ein bisschen recherchiert und habe herausgefunden, dass es diese Segeltücher gibt, modernes Segellaminat. Und habe mich hingesetzt und habe die ersten Gepäckträger-Taschen und Lenkertaschen gemacht. Also richtig eine Lenkertasche mit Halterung. Die hatte ich später dann auch im Programm, diese Lenkertasche Paris presse Paris. Und mit den ersten Taschen ist Flo nach Patagonien geflogen mit seinem Freund und hat da eine schöne Tour gemacht. Und ich bin mit Freunden nach Kreta mit dem Fahrrad und habe dort auch Taschen getestet. Und dann kamen wir zurück und dann war klar: Okay, also er will Fahrräder bauen und ich werde Fahrradtaschen machen. Du hast den Anschluss bekommen, du hast es einmal ausprobiert und irgendwas daran hat dich auf irgendeine Art und Weise gekriegt. Du hast gesagt: „Ich will Fahrradtaschen machen.“ Warum? Was hat dich damals daran gereizt? Das ist schwer zu sagen. Also ich komme ja aus der Textilindustrie und Modeindustrie und ich habe immer schon genäht. Ich habe das in mir, dass ich Dinge erschaffen möchte und etwas entwickeln möchte und etwas produzieren möchte. Wir haben ja ein bisschen Zeit und ich habe jetzt hier glaube ich also mindestens das zweite Mal, wenn nicht das dritte Mal, habe ich von dir gehört, dass du so einen, ich sage mal, einen textilen Hintergrund hast. Ich glaube, ich habe da auch schon mal was gehört, sogar von deiner Oma. Dann lass uns doch mal, damit wir diese ganze Entwicklung verstehen, also von dir und dann auch von deinen Produkten, da kurz drüber sprechen. Du hast eben gesagt, du kommst aus der Mode- oder Textilbranche. Also ich habe Modedesign studiert, ganz klassisch. Und meine Großmutter war Schneiderin und die hatte einen Betrieb im Ruhrgebiet, im Ruhrpott, in Dortmund in den 60er, 70er Jahren, vielleicht noch Anfang der 80er. Und als ich klein war, habe ich schon an der Nähmaschine mit ihr gesessen. Und wenn sie uns besucht hat, hat sie mir Kleidchen mitgebracht oder wenn ich bei ihr in Dortmund war, ich habe diese Kindheitserinnerung, wie ich in dieses Haus reinkomme und alles ist voll mit Stoffen und Nähmaschinen und ich sitze mit ihr im Wintergarten und sie näht für mich irgendwelche Sachen. Und ja, das trage ich bis heute in mir. Also das ist so die schönste Kindheitserinnerung, die ich habe. Und wenn man in meine Werkstatt kommt, dann sieht man auch hier liegen diese alten Teppiche, hier stehen diese ganzen alten Maschinen, hier ist alles voll mit Stoffen, die Wände sind voll mit Dingen. Das ist eigentlich ziemlich exakt meine Kindheitserinnerung und das Haus meiner Großmutter. Wow, das hast du dir hier nachgebaut, sozusagen. Wahrscheinlich, ja. Sind das auch Maschinen von deiner Großmutter? Nee, aber auch aus der Zeit. Also ich habe hier eine alte Pfaff, sie heißt auch die alte Dame. Die ist von 1960. Die hätte auch bei meiner Oma noch in der Werkstatt stehen können. Also als ich mit meiner Oma zusammen an der Nähmaschine gesessen habe als kleines Kind, da hatte sie die Schneiderei schon nicht mehr. Da war das alles bei ihr zu Hause. Die Schneiderei habe ich nie gesehen. Also die hat sie geschlossen, ich denke, es war Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre, als Karstadt und Hertie angefangen haben, Anzüge und Kleidung von der Stange zu verkaufen und es einfach nicht mehr nötig war, zum Maßschneider zu gehen, wie in meiner Großmutter, und dort sich ein Anzug und ein schönes Abendkleid anfertigen zu lassen. Und da konnte sie dann nicht mehr mithalten. Und das hat sie dann mit ihrer Enkelin. Ja, sie hat das dann noch ein paar Jahre mit mir fortgesetzt. Sie ist leider viel zu früh verstorben. Und ja, ich fühle jetzt ein bisschen dieses Familienerbe fort. Ja, seit ich klein bin sitze ich an der Nähmaschine. Mit zehn hatte ich dann meine eigene, meine erste eigene Pfaff-Nähmaschine. Und ab da an habe ich nur noch genäht. Alles: Kleidungsstücke, Taschen, Bettzeug, was auch immer. Und es war ganz klar, dass ich irgendwas mit Textil machen muss. Und habe dann in Berlin studiert. Und du hast was studiert? Ich habe Modedesign studiert mit Schwerpunkt industrielle Fertigung. Was lernt man da? Da lernt man Schnittkonstruktion. Der Fokus lag auf Damenoberbekleidung und Haken also Herren- und Kinderbekleidung. Und ich habe das Gradieren gelernt. Das bedeutet nicht nur die Schnittkonstruktion zu machen, sondern auch die Schnittkonstruktion in verschiedene Größen zu gradieren. Also S, M, L, XL, was auch immer. Und wie man das Produkt dann am Ende auch vermarktet. Ja, wie man sich präsentiert. Es gab Modemarketing und allen Pipapo, das komplette Programm. Danach habe ich dann bei verschiedenen Designern gearbeitet in Deutschland und Österreich und habe Erfahrung gesammelt in der Branche. Aber um die Zeit 2005 bis 2010 das war die Zeit, als ich fertig war mit dem Studium, wurde man unglaublich schlecht bezahlt in der Modebranche. Das war einfach nicht möglich, bei irgendjemandem zu arbeiten. Und dann von dem Verdienten in Berlin zu leben. Okay, das heißt, du hast das verfolgt, was mit deiner Oma so angestoßen wurde. Du hast den Faden sozusagen aufgenommen und hast das dann gemacht, hast das studiert. Wenn ich das so höre, du sagst, du hast für verschiedene Designer gearbeitet. Und bisher ging es ja auch um Bekleidung. Gab es noch einen anderen Grund darüber hinaus, über die schlechte Bezahlung, dass du dann irgendwie gewechselt bist? Weil Taschen für ein Fahrrad nähen ist ja erstmal an sich irgendwie vielleicht eine schöne Herausforderung. Und das war es, das was ich brauchte. Also ich brauchte Herausforderungen. Das war der Reiz, definitiv etwas zu machen, das es so nicht gibt, kreativ zu sein, sich etwas einfallen zu lassen. Das ist schon mein Ding. Also einfach nur Damenoberbekleidung zu nähen, immer das Gleiche. Und viermal im Jahr eine neue Kollektion zu machen bei einem Designer zu arbeiten, das war einfach nicht mein Ding. Das ganze Fast Fashion-Zeug und auch die Kreativität war da bei mir eingeschränkt, weil ich hauptsächlich Schnittkonstruktionen gemacht habe. Und andere Leute haben sich das Design einfallen lassen. Und Klamotten waren nie so richtig mein Ding. Also es ging mir immer um multifunktionale Produkte, Produkte, die einfach besonders sind. Also wie Taschen zum Beispiel. Also ich habe immer auch schon Taschen gemacht. Ich habe auch in meiner Abschlusskollektion schon Schuhe, Gamaschen, Taschen, Hüte gebracht. Okay, das heißt, ging es dir da, als du Kleidung hergestellt hast, eher um die Funktionen? Weil wenn man das so hört, verschiedene Designer, Mode, vier Kollektionen im Jahr, dies, das. Also natürlich hat Kleidung eine Funktion, aber es hat ja auch immer eine stilistische, modische Funktion. Ja, die hat es am Fahrrad auch. Und das sieht man sicherlich auch in meinen Taschen. Mein Background spiegelt sich da wieder, dass ich Modedesign studiert habe und das auch mit in die Taschen reinbringe. Gehen wir mal Schritt für Schritt weiter. Ich verstehe diese große Affinität zu Stoffen, zu Design, aber auch zum Mechanischen, zur konkreten Verarbeitung. Wie kann ich das lösen? Wie kann ich diese Stoffe in diese und jene Form bringen mit dieser Funktionalität? Es kommt so ein bisschen eine gewisse Frustration dazu, habe ich einen Eindruck über diese Modebranche? Nein, Frustration würde ich das nicht nennen, aber es ist nicht das, was ich machen möchte. Ich mag eher technische Dinge. Und das Fahrrad ist perfekt. Dieses Fahrrad zu bespielen war einfach ideal, weil es ist nicht nur Design und Optik. Es hat ja alles auch einen technischen Hintergrund und das ist auch ein Teil von mir. Ich mag zwar schöne Dinge, aber diese schönen Dinge, die müssen auch funktionieren. Und da ist die Fahrradtasche natürlich ideal. Also besser geht es gar nicht. Man ist irgendwie technisch eingeschränkt und muss sich eine Lösung überlegen. Man möchte Dinge mitnehmen, die wirklich essentiell sind beim Fahrradfahren. Du musst sie irgendwie am Fahrrad befestigen und da eine gute Lösung zu finden, eine Lösung, die wirklich gut funktioniert, aber auch schön aussieht und auch noch leicht ist, das war einfach die Herausforderung. War dir das klar von Anfang an? Also wenn du jetzt sagst, die Fahrradtasche ist ideal, ist das etwas, was dir klar gewesen ist, als Flo dich gefragt hat, ob du Taschen nähen kannst? Oder ist das etwas, was du immer mehr entdeckt hast? Ich würde sagen beides. Das ist eine gute Frage. Also am Anfang war es schwierig. Ich weiß noch, die erste Lenkertasche, die ich gemacht habe, das war wirklich ein schwieriges Produkt. Lass uns doch mal von da Schritt für Schritt vorgehen. Das ist wie deine Reise, wo du das entdeckst, das Potenzial, was da für dich drinsteckt und in diesen Taschen steckt. Wo dir das so offenbar wird, dadurch, dass du verschiedene Taschen entwickelst. Was waren das zum Beispiel für Taschen, diese ersten, die du gebaut hast? Wie bist du an die ersten Taschen rangegangen? Ich denke ganz analytisch. Hier gab es einen Dropbar-Lenker und da musste eine Lenkertasche dazwischen mit einer Halterung. Was macht man dann? Dann guckt man sich an, was es schon auf dem Markt gibt und spricht mit demjenigen, der diese Tasche benutzen möchte. In dem Fall Flo, der auch einen eigenen Kopf hat, auch Designer ist und schon ganz klare Vorstellungen davon hatte, wie das Teil aussehen soll. Dann haben wir uns hingesetzt, zusammen haben ein bisschen darüber gesprochen. Ich habe Schnittkonstruktion gemacht, habe erste Modelle, Prototypen genäht oder Muster. Der Prototyp ist ja eigentlich erst das letzte Stück, bevor es in die Fertigung geht. Vor allem Materialien zu finden war zu dem Zeitpunkt super schwer. Das war 2012 oder 2013. Damals hatte ich dieses X-Pac-Segellaminat noch nicht gefunden und habe nach Alternativen zu PVC gesucht. Ich habe damals wasserdichte Baumwolle, damals Etherproof, heute Ventile entdeckt und habe mir das bestellt. Ich habe daraus die erste Lenkertasche gefertigt und das Material war auch total super. Dann ging es weiter, das war ja erst der Auftakt. X-Pac hast du erwähnt, das sehe ich auch heute öfter in so Beschreibungen von Taschen. Segellaminat sagst du für die Leute, die sich mit Stoffen überhaupt nicht auskennen. Wie würdest du das beschreiben? Was hat es für Eigenschaften? Was ist ein Segellaminat? Das ist ein Gewebe aus PES, also Polyester meistens. Es gibt mittlerweile auch andere Fasern oder Materialien, die benutzt werden. Aber hauptsächlich das VX21, das Expedition X-Pac, das Standardmaterial ist aus Polyester. Das ist ein Gewebe und das wird nochmal laminiert. Das wird auf der Rückseite kaschiert, entweder mit einem Polyester-Taft oder mit einem Baumwoll-Taft. Oder es wird beschichtet mit einer PU-Beschichtung. Okay, kaschiert, Taft, was heißt das? Ein Taft ist auch ein Gewebe. Kaschieren, was ist das? Kaschieren bedeutet, die beiden Materialien zusammenbringen und miteinander verbinden. Laminieren, unter Hitze und Druck werden zwei Komponenten zusammengepresst und dann erhält man ein Material. Das klassische VX21 ist ein Polyester-Gewebe, das auf der Rückseite mit einem Taft, also nochmal mit einem ganz dünnen Gewebe kaschiert ist. Das hat dadurch eine schöne Stabilität, weil es sind eigentlich zwei Materialien, die eine Verbindung eingehen. Dazwischen ist ein ganz hauchdünner Kleber und dadurch wird das Material auch wasserdicht. Zusätzlich hat es dann noch auf der Oberseite eine Imprägnierung. Früher war das eine DWR6-Imprägnierung, also mit Fluorcarbon. Heute, das ist ja jetzt in der EU verboten oder wird gerade abgeschafft, sind das DWR0 Imprägnierungen, also wachsbasierte Imprägnierungen. Dadurch können die eine wahnsinnig hohe Wassersäule garantieren. Ein normales Standard VX21 Expedition X-Pac hat eine Wassersäule von 140 000 Millimeter. Das ist wasserdichter, als man das beim Fahrradfahren benötigt. Okay. Dieses DWR0 und diese anderen Sachen, hat das was zu tun mit diesen sogenannten Ewigkeitschemikalien? Genau, exakt. Das Berliner Wasser ist zum Beispiel extrem belastet dadurch, weil das halt diese Fluorcarbon… Weil so viele Outdoor-Menschen in Berlin wohnen. Man weiß es nicht, ja. Es wird gemunkelt. Ja. Okay. Ja, und das ist halt auf jeder Jacke drauf und das geht durch Abrieb ab, aber hauptsächlich auch durch Wäschen. Also Leute waschen auch ihre Outdoor-Jacken, was man eigentlich nicht machen sollte oder nicht zu oft. Und naja, jedenfalls wird dieses Material gerade aus der EU verbannt und es gibt da neue Regeln. Und die Hersteller hatten vor ein paar Jahren alle das Problem, dass sie jetzt eine Alternative finden müssen. Mittlerweile gibt es einige Alternativen. Es gibt einen Hersteller in der Schweiz, der eine wachsbasierte Imprägnierung produziert und noch andere. Und jetzt gibt es Alternativen. Ich habe noch nie mit jemandem so detailliert über Stoffe gesprochen. Ja, das ist schön. Das hat mir auch noch nie jemand so detailliert darüber erzählt. Das klingt super interessant und ich bin im Kopf immer noch an der Stelle, an der du diese ersten Taschen gebaut hast. Ja. Und an der das wahrscheinlich irgendwas in dir so zum Klingen gebracht hat. Also es hat dich irgendwie angesprochen. Du hast vorhin schon gesagt, das ist das ideale Produkt. Wie lange hat es gedauert, bis du gesagt hast, ich mache das als Unternehmen, ich mache das konsequent? Gesagt habe ich das eigentlich gar nicht. Das ist einfach passiert. Von Anfang an? Nein, natürlich nicht. Ich hatte noch einen anderen Job. Ich habe in der Lasertechnik gearbeitet, um mir meine Brötchen hier zu verdienen in dieser Stadt und habe dann mit Flo zusammen eine Werkstatt gesucht. Die haben wir hier in Lichtenberg gefunden, wo wir gerade auch sitzen und uns unterhalten. Und dann bin ich abends nach also ich hatte den klassischen 9-to-5-Job und nach der Arbeit habe ich mich aufs Fahrrad gesetzt und bin hier in meine Werkstatt gefahren und habe bis Mitternachts Taschen genäht. Und das wurde immer mehr, immer mehr. Und je mehr Taschen on the road waren, desto mehr Nachfrage hatte ich auch. Es war wirklich reine Mund-zu-Mund- Propaganda. Und hat Flo die ganzen Taschen, waren die alle für Flo oder waren die dann auch für? Nein, erstmal für mich, für ihn, für Freunde und so ging es weiter. Dann hatte ich eine ganz rudimentäre Webseite recht schnell, ich glaube ab 2014 oder 2015. Und darüber konnten die Leute mir eine E-Mail schreiben und fragen, ob sie nach einer Tasche fragen. Und dann habe ich die gefertigt. Wenn die dir damals geschrieben haben, so in dieser Zeit am Anfang, als diese Art Taschen zu bauen und Taschen zu fahren noch nicht so verbreitet war wie heute. Wenn die dir geschrieben haben, weißt du warum? Also was sie zu dir geführt hat, haben die das gesagt? Haben die gesagt, warum die was von dir wollen? Damals war es wirklich reinen Mund zu Mund. Also ich habe seit 2015 einen Instagram-Account darüber, vielleicht ein bisschen am Anfang, und Fahrradmagazine, Blogs. Die Tour hat damals schon einen Artikel gemacht. Der Tagesspiegel war mal hier am Anfang. Also es gab viel mehr Printmedien, die mal über uns geschrieben haben. Das hat deutlich abgenommen. Also das ist einfach in diesen letzten zehn Jahren hat sich viel getan in der Medienwelt. Und ja, Blogs natürlich, Foren, also Fahrradforen waren auch ein großes Ding. So Radreiseforum und solche Sachen, wo dann Leute vielleicht eine Tasche gezeigt haben und irgendwer anders hat die gesehen und nachgefragt. Ich konnte ja auch gar nicht so viele Kunden bedienen. Also das war ja, wie viele Taschen konnte ich abends nach der Arbeit nehmen. Und dann war es irgendwann aber so, dass es so viel Nachfrage war, dass ich morgens bei der Arbeit eingeschlafen bin und mein Chef dann irgendwann gesagt hat: „So, Christian, ich denke, Butter bei die Fische, du musst jetzt mal dein Business richtig machen.“ Du bist aber bei dieser Laserarbeit eingeschlafen? Das klingt gefährlich. So ungefähr. Das ist jetzt nur im übertragenen Sinne. Aber es war wirklich so, dass ich mir die Nächte um die Ohren geschlagen habe hier an der Nähmaschine. Und dann war es klar: Ich muss das Vollzeit machen. Wann hast du angefangen, Vollzeit zu machen? 2015. Dann machst du das seit zehn Jahren? Ja, das Gewerbe habe ich schon seit 2013 angemeldet. Also 2013 bis 2015 hatte ich auch einen anderen Namen. Aufgrund von markenrechtlichen Problemen musste ich mir einen neuen Brandnamen suchen. Und seit 2015 ist es Gramm und seit 2015 mache ich es Vollzeit. Du bist nicht mehr in der Laserfirma? Nein. Du schläfst nicht mehr ein dort am Arbeitsplatz, sondern kannst tagsüber das machen, was du sonst abends gemacht hast. Du hast mehr Zeit dafür. Ich vermute, dass du trotzdem weiter noch am Abend gemacht hast. Aber das ist nur eine Vermutung. Du kannst auf jeden Fall ja viel mehr. machen, wenn du dann Vollzeit in so etwas einsteigst. Wie war das strukturiert? Also, hast du angefangen, verschiedene Modelle zu produzieren? Hast du Taschen auf Maß produziert? Was war so dein Angebot in dieser Anfangszeit? Ich habe eigentlich ziemlich genau die Taschen gemacht, die ich selber auch fahren wollte. Was sind das für Taschen? Das waren Taschen im Rahmen, also im Rahmendreieck. Das waren Taschen auf dem Oberrohr. Das waren Lenkerrollen am Lenker, kleine Taschen vorne mit einer Halterung befestigt, Satteltaschen, also klassische Seatbags. Ich habe am Anfang auch Gepäckträgertaschen gemacht, also klassische Panniers. Nicht so groß, nicht 15 bis 20, also nicht 20 Liter, sondern eher 10 bis 15 Liter. Und die Idee war, viele kleine Taschen am Fahrrad zu verteilen, das Gewicht am Fahrrad zu verteilen und nicht klassisch vorne zwei riesengroße Gepäckträgertaschen zu fahren und hinten zwei riesengroße Gepäckträgertaschen. Das Ding war ja auch, dass sich die Fahrräder in der Zeit extrem verändert haben und nicht mehr jeder einen Gepäckträger hinten am Fahrrad hatte. Angefangen hat es eigentlich damit, dass wir den Gepäckträger von hinten nach vorne gepackt haben, beziehungsweise nur noch den vorne am Fahrrad, am Reiserad, gelassen haben und dann die Gepäckträgertaschen vorne dran gehängt haben. Nicht 20, 25 Liter Taschen vorne dran, sondern kleine 10 bis 15 Liter Taschen vorne dran. Dadurch war das Handling des Fahrrads unglaublich gut, auch im Gelände. Ich hatte ein 26 Zoll, oder ich habe hier steht neben uns ein 26 Zoll Reiserad. Das war ideal, das war perfekt. Also das Fahrrad fährt einfach wunderbar, wenn ich vorne kleine Taschen im Radmittelpunkt hängen habe. Und das war die Idee. Das kann ich persönlich nachvollziehen, aber ich stelle mir das so vor, in einer Zeit, in der Leute bei Fahrradtaschen eben an die großen PVC-Taschen denken und das gewohnt sind, dass es die gibt, weil sie einfach auch eben viel aufnehmen, gut funktionieren, wasserdicht sind, dies und das. Stellen wir uns mal vor, so jemand, der das so gewohnt ist, steht vor dir und interessiert sich für deine Produkte, aber er versteht es nicht so richtig. Ja, das hatte ich tausende Male. Das war mein täglich Brot hier. Und du hast jetzt schon mehrere Sachen genannt, von denen ich mir vorstelle, das versteht man, wenn man aus dieser Richtung kommt, vielleicht erst mal nicht. Also, du hast gesagt, mehr Taschen mit geringerem Volumen verteilt am Fahrrad und auch noch von… Lass uns das mal nacheinander durchgehen. Also nur kurz vorab: Die großen Taschen haben natürlich auch genauso ihre Berechtigung. Es gibt für alles, für jeden Geschmack, für jedes Gefilde, für jedes Gelände, für jede Art von Fahrrad oder Untergrund gibt es ja andere Ausstattungsmerkmale. Und das Ding war einfach nur, das eine gab es, das andere gab es noch nicht in Europa. Und in die Nische bin ich reingerutscht. Über die Nische will ich mit dir sprechen. Ich würde mich total anschließen. Also ich benutze auch große PVC-Taschen und ich finde die auch total super. Aber offensichtlich gibt es ja irgendeinen Bedarf dafür. Also es gibt einerseits die Leute, die bei dir das so lang machen, den Backlog, dass du einschläfst in der Laserbude. Und wir wissen, es ist gefährlich, wenn der Laser im Spiel ist. Und dann gibt es aber auch die, wo du sagst, das war dein täglich Brot, das zu erklären. Und mir geht es um diese Erklärung, um diese in Anführungsstrichen neue Art des Radreisens. Ob sie nun Bikepacking, Tourpacking, Randoneuring, whatever heißt. Die drei Sachen, die ich eben angesprochen hatte, die würde ich gern kurz mit dir durchgehen. Jetzt habe ich schon fast vergessen, in welche Reihenfolge ich die genannt habe. Aber ich glaube, das erste war mehr Taschen, die kleiner sind. Ja, was ist die Idee nochmal dahinter? Die Idee dahinter war, dass sich ja auch gleichzeitig noch das ganze Equipment, was man mitnimmt, verändert hat. Also die Zelte waren nicht mehr 5 Kilo riesengroße Tunnelzelte. Man hatte plötzlich kleine, sehr leichte Ultraleichtzelte für zwei Personen um ein Kilo. Genauso die Kocher. Man hat nicht mehr den riesen Trangia-Kocher für eine vierköpfige Familie mitgenommen, sondern halt einen kleinen Gaskocher oder was auch immer, Benzinkocher. Wenn ich nicht so viel Equipment dabei habe, brauche ich auch keine Riesentaschen. Und wenn ich ein leichtes, schlankes, agiles Reiserad habe, möchte ich da auch keine Riesentaschen mit wahnsinnig viel Volumen dranhängen. Weil wenn du viel Volumen hast, dann befürchtest du das. Und diese Entwicklung ist ja gleichzeitig entstanden. Es gab plötzlich neue Arten von Fahrrädern und es fehlte einfach das passende Gepäck dafür. Und die Möglichkeit, das Zelt nicht in eine Gepäckträgertasche zu packen, sondern vielleicht im Rahmen zu verstauen, unter dem Oberrohr in einer Rahmentasche. Und was ist das Problem? Weil du eben gesagt hast, wenn du viel Volumen hast, dann befürchtest du das. Was ist eigentlich das Problem daran? Du hast ein anderes Fahrverhalten, ist ja klar. Und zwar, na ja, das Fahrrad ist halt viel behäbiger. Und wenn man irgendwie mit seinem Fahrrad durchs Gelände hoppelt, damals gab es ja noch kein Gravelbike, aber das war ja so der Weg zum Gravelbike, was Flo zum Beispiel gebaut hat und einige andere Rahmenbauer natürlich auch. Ja, es ging einfach darum, ein leichtes, agiles Fahrrad zu verwenden, eine Art Reiserad. Also ein Fahrrad, mit dem du nicht nur auf der Straße fahren kannst, sondern auch einfach abbiegen, querfeldein rein in die Pampa, über einen Acker zu einem See hin, dort das Zelt aufschlagen, was auch immer. Das heißt, es geht nicht nur um eine neue Art Equipment, um eine neue, ich sag mal, eine neue… Es ist eine komplett neue Branche, die da entstanden ist. Eine neue Art von Fahrrad oder das Bedürfnis der Leute war auch anders. Man wollte nicht nur auf einem Fahrradweg von Berlin nach Rosedom fahren, sondern ein bisschen individualisierter durch die Natur, das Naturerlebnis spüren, irgendwo auf Kopfsteinpflasterwegen unterwegs sein. Und dafür ist es halt unglaublich praktisch, ein leichtes, agiles Fahrrad zu haben, mit dicken Reifen, kleineren Taschen, bisschen weniger Equipment. Und wir waren vorhin noch bei dem Gepäck am Vorderrad, was du erwähnt hast. Und ich glaube, das irritiert auch manche Menschen, die von dieser klassischen Packschule kommen, sag ich mal. Was war nochmal dieser Vorteil vom Gepäck am Vorderrad? Ja, das Fahrrad fährt gut. In der Regel. Also es kommt ein bisschen auf die Geometrie an, aber in der Regel, wenn das Gepäck tief in der Mitte des Vorderrads hängt, dann fährt das Fahrrad sehr gut und ruhig. Das liegt wie ein Brett auf der Straße, ideal. Und hinten ist sowieso schon das meiste Gewicht des Körpers. Wenn man jetzt auch noch anfängt, hinten das Fahrrad enorm zu beladen, hat man ein komplett anderes Fahrverhalten. Das Gepäck im Rahmen ein bisschen zu verteilen, vielleicht hinten noch ein Seatback unter den Sattel zu hängen und Gepäckträgertaschen vorne an einem kleinen Träger zu haben, ist ideal. Und vielleicht noch eine Tasche oben draufzustellen. Das ist ein ganz angenehmes Fahrverhalten in der Regel. Vielleicht dauert das fünf Minuten die Umgewöhnung und dann ist es um einen passiert. Dann möchte man es vielleicht nicht mehr anders haben. Tine macht Rahmen Tourpacking in Vollzeit. Viele Menschen melden sich bei ihr, entweder weil sie sofort wissen, was sie wollen oder weil sie sich das erst mal erklären lassen müssen, dieses Konzept. Wenn dann jemand zu dir gekommen ist und gesagt hat, hier, ich habe mein neues Rad, das habe ich mir vielleicht bei dem und dem Rahmenbauer bauen lassen oder ich habe irgendein Modell. Ich möchte dafür so eine Rahmentasche, die du jetzt hier schon erwähnt hast. Ich möchte auch vorne am Lenker so eine Tasche. So eine Seatback hätte ich auch gern. Was passiert dann bei Rahmen Tourpacking? Wie geht man vor? Was sind die Möglichkeiten? Wir haben verschiedene Möglichkeiten. Wir machen Taschen auf Maß. Das sind unsere Frame Bags. Wir haben Custom Color Taschen. Das bedeutet, man kann sich eine Tasche von der die Schnittkonstruktion bereits vorhanden ist, wie zum Beispiel das Seatback oder die Diamondback, diese Tasche kann man sich in seiner Lieblingsfarbe bestellen. Und wir haben On Stock Taschen, das heißt Taschen, die wir im Webshop verkaufen, die schwarz sind, die bereits vorgefertigt sind, die wir direkt verschicken können. Alle anderen Taschen, also maßangefertigte Frame Bags und Custom Color Seatbacks zum Beispiel, da haben wir eine kleine Wartezeit von zwischen drei und vier Wochen, manchmal auch fünf, sechs Wochen, je nachdem, wie die Auftragslage gerade ist. Und diese Custom Taschen, also die Einzelstücke, die gebaut werden für den jeweiligen Menschen und sein Fahrrad, das ist, wenn ich das richtig im Kopf habe, das womit du angefangen hast, richtig? Oder gab es von Anfang an Standardmodelle? Es gab immer beides parallel. Also Frame Bags habe ich 2016 oder 2017 angefangen. Aber in dieser Zeit damals habe ich jede Tasche Custom gemacht. Also jede Tasche war hier in der Werkstatt von mir oder jemandem anderen angefertigt. Darauf wollte ich hinaus und darüber würde ich gerne mit dir sprechen. Was sind die Schritte, die man gehen muss von Bestellung bis Auslieferung, um so eine maßangefertigte Tasche herzustellen? In der Regel füllen die Leute über die Webseite oder interessierte Kunden und Kundinnen über die Webseite das Kontaktformular aus, zum Beispiel für die Full Frame Bag. Dann melden wir uns zurück. Wir bekommen von dem Kunden oder der Kundin die Schablone zugeschickt. Was für eine Schablone? Eine Pappschablone des inneren Rahmen-Dreiecks. Und wenn diese Schablone hier ankommt, melden wir uns wieder und besprechen diese Schablone nochmal und wie die Tasche im Einzelnen aussehen soll. Also wir telefonieren, wir schreiben E-Mails. Ich fordere eventuell noch Fotos an, falls ich unsicher bin, ob die Schablone auch wirklich so passt. Ich gleiche nochmal ab. Wir besprechen das Material, die Farbe, die Wünsche des Kunden, der Kundin. Was können das für Wünsche sein? Es gibt Leute, die sagen, sie möchten eine sehr stabile Tasche haben, weil sie auf eine Weltreise gehen. Und andere sagen, sie möchten etwas extrem Leichtes, weil sie irgendein Ultra Race vorhaben zu fahren. Wir haben Kunden und Kundinnen, die sagen, sie commuten jeden Tag und sie möchten eine Tasche, die extrem viel, also die zum Beispiel einen Computer aufnimmt. Kommuten, Pendeln, genau. Das sind sehr unterschiedliche Wünsche. Es gibt auch, glaube ich, verschiedene Befestigungsarten, oder? Richtig, ja. Welche denn? Also es kommt darauf an, was das Fahrrad zu bieten hat. Hast du Flaschenhalterösen oder weitere Ösen in den Rohren, also unter dem Oberrohr, im Sitzrohr? Dann können wir die Tasche festschrauben. Dann kann man die Tasche ganz einfach, dann bekommt die Löcher und dann lässt sich die Tasche wunderbar darüber fixieren. Hat der Rahmen das nicht, können wir die Tasche mit Gurten, mit Silikonstraps, mit Klettgurten, mit einer Kordel oder was auch immer befestigen. Da gibt es verschiedene Auswahlmöglichkeiten über unser Kontaktformular auf der Webseite. Und ja, die Befestigungsmöglichkeiten sind divers. Also über Schrauben, Straps, Gummikordeln, was gewünscht wird, können wir alles machen. Und es kommt natürlich auch darauf an, was ist denn am besten auch für den Rahmen? Ist es ein Carbonrahmen, ist es ein Titanrahmen, ist es ein lackierter Rahmen? Das sind alles nochmal Faktoren, die berücksichtigt werden müssen. Carbon scheuert, geht extrem schnell kaputt, muss auf jeden Fall mit Rahmenschutztape beklebt werden, wenn man zum Beispiel so eine Gummikordelbefestigungsoption wählt. Titanrahmen sind recht robust, da ist es eigentlich schnuppe. Lackierte Rahmen können auch unschöne, matte, stumpfe Scheuerstellen bekommen, wo die Tasche anliegt. Das heißt, wir versuchen natürlich, die idealste Befestigungsmöglichkeit für den Rahmen und für den Kunden, die Kundin zu finden. Die Optik spielt in erster Linie bei der Befestigung erstmal keine Rolle. Das ist dann zweitrangig. Erstmal muss die Tasche gut befestigt sein. Ja, wenn ich mich hier umschaue, dann sehe ich sowohl auf Bildern als auch so von den Materialien her und an verschiedenen Beispielen diesen, ich nenne es mal Designaspekt daran. Ich kann mich auch an Ausstellungsstücke erinnern, wo Taschen genau zur Fahrradlackierung abgestimmt waren. Das scheint dann so der nächste Schritt zu sein, den man auch noch gehen kann. Definitiv. Also diese Messetaschen sind natürlich immer noch etwas Spezielles. Wir sind eine kleine Firma, wir haben kein großes Werbebudget und wir hauen bei diesen Messetaschen natürlich ordentlich auf die Pauke. Je auffälliger, desto besser, weil wir werden ja sonst nicht gesehen. Bei Kundentaschen ist es so, dass wir einfach auch ganz klar den Wünschen folgen. Wir lassen uns auch deshalb Fotos schicken und besprechen die Framebacks im Detail. Wir können das Farbschema des Rahmens aufnehmen. Dafür fallen mir so verschiedene Beispiele ein für Taschen von euch, die ihr gemacht habt. Für mich war, seitdem ich das erste Mal von dir, von euch mitbekommen habe, war das eigentlich immer so das, womit ich Gramm assoziiert habe. Also Maßtaschen, oft so Framebacks, die Beispiele, die du genannt hast, Funktionen abgestimmt, Farben abgestimmt, dies, das. Und vor ein paar Jahren, ich kann es nicht genau beziffern, wann, habe ich von einem anderen Produkt von dir mitbekommen, was ein paar Sachen anders gemacht hat. Die Diamond Bag, also eine Lenkertasche oder eine Fronttasche, das ist vielleicht die falsche Bezeichnung. Du kannst es vielleicht bezeichnen. Das kann man nennen, wie man möchte. Also Rando-Tasche. Über die haben wir auf der Beast Walk auch schon gesprochen. Da ist was in dem Beitrag drin, aber die Tasche macht ja noch ein paar Sachen anders. Früher war es so, man hatte ein Fahrrad, man hatte einen Träger, man musste gucken, dass dieser Träger irgendwie an das Fahrrad passt, an die Gabel und hat dann versucht, eine schöne Tasche darauf zu befestigen. So war das üblicherweise die letzten Jahrzehnte. Meine Idee und Flos Idee war es, ein Komplettkonzept auf den Markt zu bringen. Also ein Träger, der sehr schön alleine funktioniert, auf den eine Tasche passt. Man braucht sich keine Gedanken mehr darüber machen, wie man diese Tasche darauf befestigt. Dieser Flo, den du eben erwähnt hast, ist das der gleiche Flo, von dem du vorhin erzählt hast? Ja, das ist er. Ja, richtig. Alles klar. Das heißt, ihr habt das zusammen entwickelt, dieses Konzept. Genau. Er produziert Fahrräder und Gepäckträger und ich mache Taschen. Eigentlich ist es eine Dreierkombination aus Gabel, Träger und Tasche, die wir zusammen gemacht haben. Es gibt diese Gabel. Diese Gabel hat Ösen an den Gabelbeinen und in der Gabelkrone kann ein Träger ganz einfach befestigt werden. Und wir haben eine passende Tasche dazu, die ganz einfach auf diesem Träger befestigt werden kann. Was ist über diesen Gedanken, dass diese drei Sachen aufeinander abgestimmt sind? Was ist darüber hinaus das Neue an der Tasche oder das, was die Tasche aufnimmt und neu macht? Verstehst du, was ich meine? Also eine einfache Befestigung. Eine einfache Befestigung, aufklappbar zur Fahrerseite hin, also während der Fahrt zu bedienen. Hand- und Schaltfreiheit. Was bedeutet Hand- und Schaltfreiheit? Also du kannst auch mit einem schmalen Lenker, einem 38er oder 40er, diese Tasche wunderbar dazwischen befestigen und hast die Freiheit mit dem Bremsschalthebel. Das heißt, du bleibst nicht mit dem Bremsschalthebel irgendwie in der Tasche hängen, wenn du eine Schaltbewegung machst. Genau, deswegen ist die, zum Beispiel Shimano oder was auch immer, ganz gängigen Bremsschalthebel. Und du kannst, deswegen ist die Tasche konisch zugeschnitten. Deswegen wird die nach vorne schmaler. Das hat nicht nur aerodynamische Gründe, sondern es geht dabei auch wieder um die Funktion, dass diese Tasche gut am Fahrrad funktionieren soll. Es ist natürlich auch ästhetisch ganz schön, aber in erster Linie ging es wirklich darum, einfach angenehm schalten zu können und sich da nicht zu verheddern und die Distanz zu haben. Und die Distanz hat die Tasche im Idealfall auch zum Lenker mit Handschuhen, also im Winter. Darum ging es. Also die Form hat sich einfach aus der Funktion ergeben, dass sie am Ende auch irgendwie schnittig und aerodynamisch aussieht, ist schön, aber in erster Linie ging es darum, dass sie gut funktioniert. Ich brauche beim Fahrradfahren eine Tasche, die ich bedienen kann, die mich nicht stört. Und gibt es für dich so etwas wie ein Vorbild, ein Vorläufer dieser Tasche, eine Inspiration, ein Thema, was sie aufnimmt? Ja, grundsätzlich ganz klassische Randonneur-Taschen. Was zeichnet die aus? Dass sie zur Fahrerseite hin geöffnet werden kann, das ist das Hauptmerkmal. Dass sie vor dem Lenker steht, nicht zu hoch ist im Idealfall und dass man sie während der Fahrt bedienen kann. Die klassischen Taschen waren alle mit einem Dekalör, mit so einer kleinen Halterung, die am Lenker befestigt ist, befestigt. Den kann man sich sparen bei der Befestigung unserer Tasche. Die wird ja nur auf den Gepäckträger draufgezogen, vorne und hinten, und braucht deswegen keinen Dekalör. Und darüber hatten wir ja auch auf der Messe kurz gesprochen. Im Grunde genommen ist es die klassische Randonneur-Tasche, die wir ein bisschen moderner interpretiert haben. Ein bisschen moderneres Design, keine Lederpaspel oder irgendwas, könnte man auch noch machen. Aber eigentlich wollten wir eine ganz schlichte Tasche haben, die gut funktioniert. So zieht sich auch ein bisschen dieser rote Faden durch alle meine Taschen durch. Also das Design ergibt sich eigentlich immer aus der Funktion. Dass es am Ende schön ist, ist toll, das möchte ich auch. Aber grundsätzlich gibt es gewisse Nahtführungen und Techniken und Dinge, die angewandt werden müssen, damit eine Tasche gut im Rahmen sitzt. Eine Rahmentasche zum Beispiel. Und die Optik ist zweitrangig für mich persönlich. Also ich habe das an verschiedenen Stellen schon mal erwähnt, dann kann ich das auch hier machen. Also ich nutze diese Tasche auch. Mich hat dieses Thema Rando Bag oder traditionelle französische Tasche hat mich schon immer interessiert. Aber für mich war dieser Dekalör, also diese zusätzliche Befestigung am Lenker und diese ganze Konstruktion immer eine Hürde, die letztlich zu groß war, um letzten Endes mir sowas zuzulegen. Weil es genauer abgestimmt werden muss, schwieriger ist, funktional nicht so einfach an- und abzunehmen und sowas. Also für mich persönlich beantwortet das Produkt so eine Frage, befriedigenden Bedarf sozusagen, den ich da habe. Und ich würde gerne mit dir darüber sprechen, weil das ja ein Serienprodukt ist, was ihr herstellt. Welche Schritte gehst du, bis du von der Idee zu so einem Serienprodukt gelangst? Ja, das ist ein sehr langer Weg, sehr kompliziert. Wie lang? Also erstmal, das ist ganz unterschiedlich. Es kommt auf die Tasche an. Die Diamond Bag war schon ein Härtefall. Also wir haben jetzt gerade auch eine neue Tasche, die ich entwickle. Die ist vielleicht sogar noch spezieller. Ich hoffe, die wird Anfang nächsten Jahres auf den Markt kommen. Aber die Diamond Bag als Beispiel, du hast die Idee, du fängst an darüber zu sprechen, du fängst an Schnittkonstruktionen zu machen, Muster, 3D-Pub-Modelle. Wir haben alles auch digital an der Tasche. Okay, damit fängst du an. Es ist ein extrem langer Weg. Dann hat man das erste Modell gefertigt, fährt damit raus, über Stock und Stahl und kommt zurück, setzt sich sofort wieder in die Werkstatt, fängt an, Dinge zu ändern, Verschlüsse auszuprobieren. Ich habe mir unglaublich viele Gedanken zu Verschlüssen und Methoden, wie wir die Tasche befestigen können, gemacht. Am Ende sind wir einfach bei der Standardbefestigung der Vorgängervariante geblieben. Das heißt, du testest das Prototyp selber, du fährst damit raus, du setzt es wieder um. Du hast eben gesagt, du hast ganz viel über Verschlüsse nachgedacht. Über was hast du noch nachgedacht? Was sind noch so Details, die man vielleicht auf den ersten Blick nicht sieht, wo aber am Ende sehr viel Überlegung, Ausprobieren, Expertise reingeht? Zum Beispiel das Material, das direkten Kontakt mit dem Träger hat. Da haben wir ein Hyperlon-Material. Was kann das? Das heißt heute CSM. Das wurde auch umbenannt, aber viele Leute kennen das unter Hyperlon. Das ist ein vulkanisiertes Material, das hat direkten Kontakt auf dem Träger, das scheuert nicht so stark durch. Es ist auch gleichzeitig ein bisschen, dadurch dass es vulkanisiert ist, also Gummi, rutscht es nicht so extrem. Und wir brauchten einfach etwas, das was anderes ist als X-Pack. Weil so gut X-Pack ist, alles kann irgendwann durchscheuern. Also Reibung ist der Feind eines jeden textilen Materials und da brauchten wir etwas, was gut funktioniert. Das hat eine ganz schöne Haptik, wenn man die Tasche unten, den Boden anfasst und den Rückenbereich, dort wo die Tasche direkten Kontakt zum Träger hat. Das ist ein ganz tolles, hochwertiges Material. Da habe ich lange nachgesucht. Das Material, was ich jetzt habe und gerade verwende, kommt aus Japan. Es wird dort produziert. Sehr, sehr schön. Das ist zum Beispiel ein Detail, das sieht man eigentlich nicht. Aber das hat lange gedauert, bis ich wusste, dass ich das benutzen möchte. Es gibt es auch noch in verschiedenen Stärken und Varianten. Ich weiß nicht, was ich mir alles… Also ich habe mir unzählige Muster zuschicken lassen und Nähproben gemacht. Dann ist es wichtig, dass die Tasche innen drin hell ist. Wir haben innen drin ein helles Material verwendet, ein helles Futtermaterial. Am Anfang war das noch nicht so. Das kam dann erst etwas später. Die ersten Taschen, die wir verkauft haben, sind noch mit einem dunklen Futtermaterial. Aber seit zwei Jahren benutzen wir ausschließlich weißes Futtermaterial. Das heißt, man macht die Tasche auf und man sieht auch im düsteren, dämmerigen Zustand noch den Inhalt der Tasche. So etwas zum Beispiel. Diese Details, Verschlüsse klar. Wir verwenden, um den Taschendeckel zu schließen, Fitlockverschlüsse. Das hat auch ein bisschen gedauert, bis wir sicher waren, was wir da verwenden möchten. Soll ja gut funktionieren, handlich sein, schön aussehen. Die Tasche kann im Idealfall etwas Besonderes sein. Es ist schon gut, wenn die Tasche auch etwas Besonderes ist. Wenn ich selber eine Tasche am Fahrrad habe und benutze, möchte ich, dass sie wie ein kleines Schmuckstück ist. Das versuche ich auch immer noch am Ende in jede Tasche reinzulegen. Also dieses kleine Besondere. Wobei, so wie ich dich jetzt verstehe, dieser Schmuckaspekt über das hinausgeht, was man sonst als Schmuck bezeichnet. Das ist nur im übertragenen Sinne, natürlich. Ja, aber es ist quasi ein erweiterter Schmuckbegriff. Ja, definitiv. Wir haben schon vor einer Weile über diese Volumenprobe gesprochen. Du hast vorhin gesagt, das war eine der aufwendigsten Taschen, rein in Zeit gerechnet. Wie lange hat es gedauert, die Arbeit an der Diamondbag, bis du die erste verkaufen konntest? Über ein Jahr. Die ersten Taschen haben wir selber getestet, haben wir Freunden gegeben zum Testen. Die Entwicklungszeit war immens, weil ich ja natürlich auch nicht fulltime daran arbeiten kann. Also um das mal kurz zusammen oder einen Überblick zu geben: Wir sind hier in der Werkstatt zwei Leute. Lena, sie ist Schneiderin und ich mache alles andere. Das heißt, ich bespreche jede einzelne Tasche mit den Kunden. Ich mache den Versand. Ich kümmere mich um den Einkauf. Und wenn diese ganzen täglichen Aufgaben erledigt sind, dann setze ich mich abends hin und arbeite an einer Neuentwicklung weiter. Das ist anders als in anderen Firmen, wo vielleicht ein ganzes Team an so einer Entwicklung arbeitet. Deswegen dauert es bei uns immer etwas länger. Ich finde, jetzt ein Jahr klingt gar nicht so lang. Ja, doch schon. Wenn man ein Produkt auf den Markt bringen möchte und von der Idee bis zum fertigen Produkt, war es vielleicht sogar noch länger. Ich meine jetzt wirklich also reine Entwicklungszeit von ich fange an, die erste Schnittkonstruktion zu machen, bis das fertige Produkt steht. Und jetzt zeichnet diese Tasche ja außerdem noch aus, dass sie nicht bei euch produziert wird, hier in der Werkstatt, sondern woanders. Genau, also wir haben eine Produktionsfirma in Portugal, aber es werden nicht alle Taschen dort gefertigt. Ein Teil der Taschen wird weiterhin bei uns in der Werkstatt hier gefertigt. Ein Teil dieses Modells. Genau, dieses Modell kannst du auch in blau, rot, grün bestellen, wenn du möchtest. Das hat vier Wochen Lieferzeit. Diese Custom Color Variante wird… Bei uns in der Werkstatt genäht, wird hier zugeschnitten, wird hier angefertigt. Wird von hier verschickt. Alle schwarzen Taschen, die wir im Shop haben, sind auf Lager. Die kosten natürlich auch etwas weniger, weil die jetzt nicht in Einzelanfertigung hier bei uns in Berlin angefertigt wurden. Die können wir direkt am nächsten Tag verschicken. Diese Taschen lasse ich in kleiner Stückzahl in Portugal fertigen. Was ist die Idee dahinter, oder was hat den Ausschlag gegeben, das quasi nach außen zu geben, zu einer Auftragsfertigung? Die Idee dahinter war, wir haben auch bei Custom-Taschen extrem viele schwarze Bestellungen gehabt. Jeder, der eine schwarze Tasche möchte, kann die sich jetzt bei uns einfach kaufen. Die ist sofort lieferbar. Es gibt keine Wartezeit von vier Wochen, und sie kostet dementsprechend auch ein bisschen weniger. Sie hat nicht diesen Custom-Zuschlagpreis. Ich würde sagen, 80 bis 90 Prozent unserer Kunden und Kundinnen wählen eine schwarze Tasche. Und ich habe dann einfach irgendwann gedacht, warum soll ich denn alle Leute warten lassen? Das ist ja verrückt. Ich kann das gar nicht bedienen. Also ich kann gar nicht so viele schwarze Taschen hier fertigen, und das macht auch keinen Sinn. Ich könnte noch mehr Schneider oder Schneiderinnen einstellen, aber wir waren auch zeitweise mal fünf Leute hier. Das war extrem zeitintensiv, und ich habe einfach eine andere Lösung gesucht. Dann habe ich diese schöne kleine Produktion in Portugal gefunden, die jetzt für uns gelegentlich schwarze Taschen anfertigen. Wie schwierig ist es gewesen, die zu finden? Das ist einfach passiert. Wir sind auf einer Messe angesprochen worden und gefragt worden, ob wir Interesse an einer Adresse hätten, wo sowas machbar ist. Dann habe ich erst mal gesagt: Nein, auf keinen Fall, nein, sowas machen wir nicht. Warum hast du erst nein gesagt? Weil ich mir das nicht vorstellen konnte, diese Arbeit aus der Hand zu geben, weil ich dachte, das geht nicht. Das kann nicht so perfekt sein wie bei uns. Also ich muss dazu sagen, ich bin recht perfektionistisch veranlagt. Ich habe Adleraugen, ich sehe sofort jede schiefe Naht in der Regel. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es eine Produktion gibt, die unseren oder meinen Ansprüchen gerecht wird. Dann habe ich einfach ein paar Probetaschen machen lassen und war wirklich beeindruckt. Man muss sagen, Portugal ist bekannt als Textilland, dass sie unglaublich gute Produktionen haben und hochwertige Dinge fabrizieren können. Das ist wirklich beeindruckend, und sie arbeiten unter EU-Standards. Das heißt, die Leute, die dort arbeiten, werden auch angemessen bezahlt. Es gibt Arbeitsschutz. Das ist genau das, was ich gesucht habe. Damit sind wir so in der Gegenwart angekommen von dem, was ihr so macht. Also manche Taschen werden in Portugal gefertigt, die anderen werden hier gefertigt. Ihr seid zu zweit gerade hier. Du hast ein anderes Produkt erwähnt, von einer neuen Tasche, an der ihr dran seid. Wie weit denkst du bei Gramm in die Zukunft? Denkst du zum Beispiel fünf Jahre in die Zukunft? Und wenn ja, was siehst du da? Ja, definitiv. Ich kann mir gar nicht vorstellen, irgendwas anderes zu machen. Ich kann gar nicht anders, als so arbeiten, wie ich das gerade tue. Kreativ. Der Plan für das nächste, also für das kommende Jahr ist und auch für das danach, mehr Produkte auf den Markt zu bringen. Also ich habe viele neue Ideen, und das dauert immer ein bisschen, das umzusetzen, die Realität umzusetzen. Das wird so weitergehen, und ich werde auch immer Custom machen. Also ich kann gar nicht aufhören, das zu machen. Es ist natürlich sehr zeitintensiv und anstrengend, aber die Zusammenarbeit mit Schneiderinnen hier in der Werkstatt, das ist einfach und auch direkt mit den Kunden und Kundinnen. Es gibt mir sehr viel. Das ist ein super interessanter kreativer Input. Kannst du das noch ein bisschen näher beschreiben, was dir daran sehr viel gibt? Wenn ich mir vorstelle, dass ich keine Custom-Taschen mehr machen würde und ich keinen direkten Kontakt mehr zu Kunden hätte und nicht mehr diese tausenden von Farida jedes Jahr sehe, die ich gerade sehe, und Dinge höre. Und wenn ich diese Gespräche nicht mehr hätte, mit allem, was da gerade draußen stattfindet, dann kann ich ja gar keine gute Taschenproduzentin sein. Ich denke, das ist ganz wichtig, dass man den Draht nicht verliert. Sonst fange ich an, nur noch in meiner Werkstatt irgendwie Taschen zu entwickeln und die irgendwo fertigen zu lassen. Das ist nicht das was ich machen möchte. Ich möchte selber Taschen hier fertigen. Also ich freue mich jeden Tag, wenn ich die Werkstatt aufschließe, mir hier meinen Kaffee mache, den Rechner anmache, mich hier hinsetze, mit der Schneiderin schnacke. Jeden Tag die Woche besprechen. Das ist einfach mein Traumjob. Jeden Tag kreativ bin, Lösungen finde. Und gibt es was, wo du sagst, also wenn du die Taschen rausschickst, quasi, also Leute bestellen das Custom- oder Serienmodell und du schickst die Taschen raus, was kommt da so zurück und wie wichtig ist dir das? Also so an Feedback von Leuten oder wenn du einfach weißt, hier ist jetzt die Tasche unterwegs, die ist dort unterwegs? Ja, das gibt uns natürlich ganz viel. Also wir haben hier überall in der Werkstatt Postkarten und Fotos von Leuten, die uns im Nachhinein gedankt haben oder Grüße geschickt haben. Und ja, ich gebe die auch immer direkt weiter an Lena, an unsere Schneiderin. Hier, da hat sich wieder jemand riesig über deine schöne Tasche gefreut, weil letzten Endes mache ich die Schnittkonstruktion, bespreche die Tasche, und sie fertigt die. Und sie gibt da auch viele Stunden Arbeitszeit rein, und dann wird die einfach verschickt, und sie sieht die nie wieder. Und wenn dann ein Dankeschön zurückkommt, ein Dankes-E-Mail mit Fahrrad und Tasche in Südamerika irgendwo oder so, dann zeige ich ihr das immer, und das gibt uns sehr viel. Das ist schon toll. Also das ist auch einfach dieser schöne Teil meiner Arbeit, dass ich ein Feedback habe, dass ich direkt eine Reaktion auch darauf bekomme. Es ist greifbar. Es gibt uns sehr viel, auch ja, den glücklichen Kunden und die glückliche Kundin am Ende zu sehen. Das ist toll. Ja, was ist das Nervigste an dem Job? Was frustriert dich am meisten? Oh, das ist schwer. Gibt es da nichts? Vielleicht, wenn die Satteltasche oder das Feedback „Arschrakete“ genannt wird. Oh ja, weiß nicht, aber ansonsten frustriert mich hier eigentlich gar nicht so viel. Nein, ich denke ich bin auch. Nein, es gibt verschiedene Theorien zum Ursprung dieses Begriffs. Warum nervt dich das? Ich finde, das ist einfach eine unschöne Umschreibung dessen, was es ist. Es gehört sich nicht, und es ist einfach eine Unart. Ja, okay. Es ist auch keine schöne Beschreibung für diese eigentlich schöne Tasche, von der du weißt, wie viel Arbeit da reinfließt. Definitiv. Und auch so, ich sag mal, die Sachen, die jetzt nicht direkt irgendwie mit der Taschenfertigung zu tun haben, sondern die in ganz vielen Unternehmen gemacht werden müssen. Ich kenne das von vielen anderen Leuten, die irgendwie kreativ arbeiten, dass die sagen: „Boah, Steuererklärung, die ist das.“ Diese ganzen Geschichten. Bist du jemand, die das eher sportlich nimmt, wo das dazugehört, oder bist du von sowas genervt? Nein, ich nehme das sportlich. Das ist einfach ein Teil meiner Arbeit, und das weiß ich genauso zu schätzen wie alles andere auch. Also ich mag es gerne, wenn mein Tag voll ist mit verschiedenen Dingen. Also ich viele verschiedene Dinge machen kann, und das ist einfach. Ich mag das genauso. Ich mag es, am Computer zu sitzen und E-Mails zu beantworten. Ich mag es, Rechnungen zu schreiben, genauso wie eine Schnittkonstruktion zu machen, an der Nähmaschine neue Dinge auszuprobieren, Techniken. Ich liebe es, nach Maschinen zu recherchieren. Ich habe einen kleinen Maschinenfetisch und neue Nähmaschinen zum Beispiel. Es gibt gerade eine Maschine, die dich… Wie heißt die? Irgendwas kann die. Das ist die Dicke. Diesen Begriff hat meine Freundin Marianne geprägt, weil es ist eine 1,2 Tonnen schwere Schwenkarmstanze, die wir in Zukunft für unsere Custom Seatbags und Custom Diamondbags verwenden. Sie steht jetzt noch unter meiner Werkstatt und wird an diesem Wochenende hochgeholt hier in meine Werkstatt hinein. Dann werde ich Stanzeisen anfertigen lassen, und dann wird es ab Januar losgehen, Mitte Januar, denke ich, Ende Januar. Und wir können dann Schnittteile ganz einfach, also immer wiederkehrende Schnittteile, vor allem damit stanzen. Ist das so ein bisschen was wie beim Plätzchenbacken? Genau, exakt so. Nur dass die Schnittteile halt größer sind und es gibt noch Verstärkungen zwischen den einzelnen Wänden, also Stahlwänden. Das ist gehärteter Stahl. Also die Stanze hat 20 Tonnen Stanzkraft. Also ich bin ganz beeindruckt. Sicherheitshandschuhe tragen. Sie ist einfach wunderschön. Es ist eine Maschine, eine Spezialanfertigung aus einem VEB-Betrieb aus Weißenfels. Und zwar aus einer Schuhmanufaktur. Ich wollte gerade sagen, die wurde damals dort extra angefertigt. Also dieser VEB-Schuhbetrieb in Weißenfels hatte auch eine Maschinenfertigung. Das heißt, diese ganzen Spezialmaschinen haben die sich dort selbst angefertigt. Und die ist einfach wunderschön. Das ist die schönste Freiamstanze, die ich je gesehen habe. Und es ist ein Traum. Und ich habe sie für einen Apfel und ein Ei bekommen. Ich habe ewig danach gesucht. Ein Freund von mir hatte den Suchauftrag. Er ist nämlich Gebrauchtmaschinen-Spezialist. Und vor zwei Wochen hat er mir geschrieben und meinte, ich habe eine gefunden, die ist perfekt. Und die war einfach aufgrund ihres Gewichts wahrscheinlich so günstig, dass ich sie erstehen konnte. Weil normalerweise sind sie viel teurer. Aber es hat sich keiner getraut, diese Maschine abzuholen. Und ja, ich habe es irgendwie geschafft. Und dann auch noch aus Weißenfels an der Saale. Das war mal eine Schuhhochburg. Es ist super interessant. Also ich bin dann noch ein bisschen da eingetaucht. Und diese ganze Historie ist fantastisch. Und ich habe mich riesig gefreut, als diese alte Maschine nun wieder in einen alten VEB-Betrieb geschoben wurde. Als der Hubwagen hier, als sie abgeladen wurde vom LKW und die Ladebordwand runterging und sie mit diesem Hubwagen hier rein gerollt wurde, ist mir eine Träne runtergelaufen. Ich habe gedacht: Nein, jetzt ist sie wieder in einem alten VEB-Betrieb. Weil es war ja hier mal eine Brotfabrik. Hier wurde das Brot für Ost-Berlin gebacken. Sehr interessanter alter Betrieb. Und für die Leute, die es nicht wissen: VEB, der Volkseigene Betrieb, war so eine sehr weit verbreitete Betriebsform in der Deutschen Demokratischen Republik. Und das ist wirklich Wertarbeit. Diese Maschine ist einfach fantastisch. So etwas wird nicht mehr produziert. Das Volkseigentum musste lange halten. Tine, ich habe mich eben gefragt, was größer ist: Dein Taschenfetisch oder dein Maschinenfetisch? Beides. Ganz am Anfang waren wir so in dieser Zeit, so 2010 ungefähr herum, als es so ein, zwei Firmen in den USA gab, die solche Taschen gebaut haben. Gramm waren die ersten Taschen, die ich damals wahrgenommen habe. In Europa. In Europa hat sich das verändert. Wie hat sich das verändert? Naja, der Markt ist halt viel größer geworden. Es gibt unglaublich viele andere Hersteller, die auch Backpacking-Taschen produzieren. Produzieren lassen, muss man sagen. Es gibt einige kleinere Brands, die so wie ich auch Custom-Taschen machen. Sehr schöne Sachen, sehr schöne Produkte. Und es gibt einen riesigen Markt mittlerweile von etlichen Herstellern, die Taschen in Asien fertigen lassen. Also hauptsächlich in China. Das ist einfach ein großer Markt, mit dem sich sehr viel Geld verdienen lässt. Es gab neulich, du hast mir glaube ich kurz davon erzählt, und ich habe es auch irgendwo auf Insta gesehen, gab es so einen, ich nenne es mal, einen Vorfall mit einer Bananentasche. Ah ja, das war sehr lustig. Kannst du den kurz beschreiben, was da passiert ist und was eigentlich der Hintergrund ist? Ja, wir haben einfach aus Joke, oder das war auch Flo’s Idee, das Headpacking erfunden. Und zwar haben wir auf meinen Helm eine Bananentasche gesetzt. Also ich habe eine Bananentasche kreiert, die exakt die Größe einer Banane hat und eine Banane aufnehmen kann. Und diese Tasche haben wir als Joke gemacht und auf der Bisburg 2024, auf der Fahrradmesse in Dresden, gezeigt. Und wir haben ein Reel davon gepostet und vor kurzem haben wir diese Tasche bei AliExpress entdeckt. Und die wird von einer großen chinesischen Produktionsfirma produziert, die ich sogar persönlich getroffen habe auf der Eurobike in Frankfurt am Main letztes Jahr. Ich war bei denen am Stand und das ist eine Firma, die ist darauf spezialisiert, einfach Taschen zu fertigen, diverse Taschen, für die es Vorbilder gibt. Ja, für die ist es nett umschrieben, ja. Und die haben eins zu eins unsere Tasche kopiert und die kann man jetzt auf AliExpress für 17 Dollar oder so kaufen. Ich habe sehr gelacht und habe das dann gepostet. Und es zeigt aber so ein bisschen, in dem Fall ist es mir egal, aber es zeigt so ein bisschen, wie die Branche funktioniert. Es ist ein bisschen genau das. Und in dem Fall kann man es ja relativ gut identifizieren, weil es halt so eigentlich einmalig ist. Ja, also man kann es auch noch beschreiben, es ist in der Form einer Banane, die sich so über den Helm legt. Ja, und das Label ist an der gleichen Stelle und die Nähte sind exakt genauso. Es ist eine eins zu eins Kopie. Bei der Bananentasche ist es lustig, dass sie da auftaucht, aber so wie du davon erzählst, und braucht es auch nicht lang, um darauf zu kommen, dass das bei anderen Produkten eventuell ein ernsteres Problem ist. Ja, definitiv. Wie ernst ist es und was ist das Problem daran? Also das ist auch schwer zu sagen. Grundsätzlich ärgert es einen natürlich immer, wenn man kopiert wird. Andererseits ist es ja auch eine Bestätigung, dass etwas sehr gut ist. Also in anderen Kulturen ist es ja auch, deswegen wird ja so viel kopiert. In gewissen Ländern ist es eine Art der Wertschätzung, Respektbekundung. Definitiv, ja. Und im europäischen Raum wird das halt nicht so gerne gesehen. Wir sind zu klein, als dass es uns schaden könnte, und wir sind zu flexibel. Wir haben immer wieder neue Produkte, und ich reagiere einfach darauf, indem ich wieder ein neues Produkt habe. Also es schadet uns nicht. Wir sind keine große Firma, die dadurch irgendwelche finanziellen Nachteile hätte, oder zumindest ist es bei mir nicht bemessbar. Und grundsätzlich muss man auch sagen, wird in dieser Branche extrem viel kopiert. Also alles, was mit Textil zu tun hat und Fahrrad ist, Wahnsinn, was da kopiert wird. Also es ist unglaublich. Das hätte ich mir nicht träumen lassen. Früher, jetzt wo ich ein bisschen tiefer in der Materie stecke, sieht man wirklich an jeder Ecke Kopien von allen möglichen Dingen von anderen Rahmenbauern. Werden Fahrradideen übernommen, kopiert. Und ja, möchtest du ein Beispiel nennen? Nein. Die anderen Taschenhersteller, die du genannt hast. Wir kennen es ja so aus der Rahmenbauszene. In dieser Community, sage ich mal, ist ein großer Zusammenhalt. Also vielleicht nicht unter allen, aber es gibt schon sehr enge Freundschaften, und man hilft sich eher, als dass man da in direkter Konkurrenz steht. Ist das in der Taschenszene ähnlich? Ja, definitiv. Auf jeden Fall. Also mittlerweile sind wir alle miteinander befreundet. Man trifft sich auf Messen, quatscht und redet über Stoffe, Materialien, Hersteller. Wir helfen uns gegenseitig. Ja, definitiv. Das ist super. Das ist wunderschön. Also ich weiß, die ersten Jahre, wenn wir auf Messen gegangen sind, also ich mit Fernfahrrädern und Märglas zum Beispiel, und wir auf der Fahrradshow standen oder auf der Kollektiv oder auf der Velo, dass ich immer ganz allein auf weiter Flur da stand und keinen hatte, mit dem ich mich über textile Dinge unterhalten konnte oder über Maschinen, die man braucht und benötigt, um eine Tasche zu fertigen. Und ich war immer ganz neidisch auf die Jungs, die da standen und sich über Rahmenbau unterhalten haben und die ganze Zeit miteinander fachsimpeln konnten. Und ich hatte das nicht. Es hat mir total gefehlt. Und ja, ich glaube, mit der Kollektiv in Berlin fing das an, dass die ersten Backmaker dort auch standen. Der Florian von Vogels und dann auf der Kollektiv. Der Sven von Reisefix zum Beispiel. Und dann sind wir ins Gespräch gekommen. Es war total toll. Ich bin zu allen hingerannt und habe gesagt: Hallo, schön, dass ihr hier seid. Ich bin die Tine von Gramm und lass uns mal schnacken. Und habe sofort gedacht, das Eis muss gebrochen werden. Ich will auf keinen Fall irgendwelches komisches Konkurrenzding oder so am Laufen haben. Auf keinen Fall. Wir profitieren alle so sehr davon, dass wir uns austauschen und nett miteinander sind. Darum geht’s. Das ist schon toll. Das hat sich sehr geändert. Das hat sich wirklich zum Guten geändert. So ein Backmaker, hast du eben gesagt? Ja, ich benutze das so. Das ist so der allgemeine Begriff dafür. Das beschreibt ganz gut, was es ist. Früher hätte man Feinteschner gesagt. Also wenn ich das jetzt als Ausbildung machen wollen würde, dann wäre das die Feinteschnerei. Also es gibt kaum noch Ausbildungsbetriebe. Man könnte auch noch die Sattlerei erlernen. Das wäre auch noch eine Möglichkeit. Könntest du eigentlich ausbilden? Hast du nee, du hast nicht. Bist du Meisterin? Nein, bin ich nicht, aber brauchst du auch nicht für den Textilbereich. Bei Fahrradwerkstätten ist das was anderes, aber bräuchte ich nicht. Ich könnte auch ausbilden, ja. Wir haben jetzt auch eine Anfrage für ein Praktikum, für ein Schulpraktikum. Das wird schön. Dann habe ich noch zwei Fragen. Du hast vorhin gesagt, du hast viele Ideen noch. Wie viele solcher Lücken im Markt siehst du, wie zum Beispiel die Diamondback? Sie scheint mir ein Erfolg zu sein und sie scheint den Nerv zu treffen. Bei anderen, bei mir, du kennst die Geschichten darum. Siehst du noch mal eine Handvoll solcher? Ja, definitiv. Natürlich. Wie viele Handvoll siehst du? Das verrate ich jetzt natürlich nicht. Na, du musst ja nicht sagen, was du da siehst. Ja, es gibt immer Weiterentwicklung. Es hört niemals auf. Also so denke ich. Es gibt immer eine Lösung und eine Möglichkeit, etwas noch besser zu machen. Oder der Markt ändert sich, die Anforderungen an das Fahrrad der Kunden und Kundinnen ändern sich. Jetzt haben wir die ganzen E-Bikes. Es ist die ganze Zeit am Rotieren. Es passieren Dinge, es kehren auch Dinge wieder, die jetzt vielleicht zehn, zwanzig Jahre nicht auf dem Markt waren oder nicht so beliebt waren. Ja, es gibt auf jeden Fall immer Potenzial, noch weiter zu machen, und es wird auch neue Produkte geben. Meine letzte Frage ist, du hast vorhin erwähnt, dass die ersten Taschen, die du gebaut hast, die waren für Flo. Also die waren dafür, dass jemand anders damit Fahrrad fahren konnte. Richtig? Welche Rolle hat das Fahrradfahren wahrscheinlich meistens mit deinen Taschen auch? Welche Rolle hat das für dich inzwischen? Und ist das etwas, was du erst mit der Fertigung entdeckt hast? Ja, in dem Ausmaß definitiv. Also mit dem Fahrrad unterwegs sein war nicht neu für mich. Das habe ich immer schon gemacht. Fahrradfahren von A nach B nach C. Aber dieses exzessive mit dem Fahrrad reisen, also wirklich wochenlang unterwegs sein und vor allen Dingen auch in meiner Freizeit lange Distanzen zu fahren, also diese ganzen Randoneuring- Geschichten, Long-Distance-Kram, das ist währenddessen entstanden. Ist das schwierig für dich, dass es quasi eine Verlängerung deines Berufs ist? Das ist ja für manche Leute sowas sehr schwierig. Oder ist es eher, weil es sowieso so ein… Nein, das ist überhaupt nicht schwierig. Ich lebe meinen Beruf. Ich kann mir gar nichts anderes vorstellen. Und ich bin von Natur aus extrem aktiv. Also ich kann kaum fünf Minuten still sitzen. Ich weiß nicht, wie ich das hier gerade schaffe. Deswegen ist das Fahrradfahren einfach ideal. Also nichts zu tun, mich irgendwo an den Strand zu legen mit dem Buch, würde mich zu Tode langweilen. Und auf dem Fahrrad sitzen im Urlaub oder am Wochenende ist ideal. Ich kann einfach tagelang auf dem Fahrrad sitzen. Und dann komme ich auch mal dazu, abzuschalten und diese innere Ruhe zu erfahren. Das schaffe ich eigentlich nur beim Fahrradfahren, dass ich in so einen Modus komme. Da bin ich ganz ruhig und bin ganz bei mir selber und ich denke auch nicht mehr über die Arbeit nach oder über irgendwelche Dinge. Ich lasse die Natur an mir vorbeiziehen, und das ist fantastisch. Es gibt nichts Schöneres. Ja, schön, dass du das mal gefunden hast. Wie du hast gesagt, man vergisst die Arbeit manchmal, aber kommen dir auch manchmal Ideen auf dem Rad? Ja, natürlich. Definitiv. Ich denke viele beim Fahrradfahren über Taschen nach, über Kleinigkeiten. Und du hast gesagt, dass du das Extreme, die langen Touren, die Reisen, dass es ja das viel gibt. So scheint es mir zu sein. Und du hast vorhin von der Dicken geschwärmt. Gibt es eine Reise, von der du so ein bisschen in die Richtung schwärmst? Also eine, die du gerne mal machen würdest? Du meinst jetzt Fahrradreise? Ja, ich möchte nach Südkorea. Ich möchte gerne in Asien Fahrradfahren. Da war ich noch nicht. Also Japan, Südkorea, da möchte ich gerne mal Fahrradfahren. Auch wenn es sicherlich sehr beschwerlich ist. Vor allem Südkorea, also es hat einen kleinen Küstenstreifen und es ist sehr hügelig, bergig. Aber ich mag die Kultur und ich mag das Essen. Ich mag einfach alles daran. Ja, deswegen möchte ich da gerne unbedingt hin. Und ich habe eine gute, also meine beste Freundin, eine alte Freundin, mit der mache ich ab und zu solche Fahrradreisen. Und ich hoffe, wir haben uns das jetzt eigentlich für 2026 vorgenommen. Ich hoffe, wir schaffen das. Weil das müsste dann auch ein bisschen länger sein. Das müssten dann schon so vier, fünf Wochen sein, damit sich das lohnt. Und ich weiß nicht, ob ich den Betrieb hier in meiner Werkstatt so lange alleine lassen kann. Das müsste ich dann vorab wirklich gut organisieren. Weil dann werden halt drei, vier, fünf, sechs Wochen vor und nach dem Urlaub gibt es ja auch immer noch ein, zwei Tage, wo nicht viel passiert. Gibt es dann keine Custom Flying Bags? Mal schauen. Also Urlaub ist wirklich schwierig. Überhaupt Urlaub zu haben. Ja, sehr. Der einzige Wehmutstropfen an der Selbstständigkeit. Wie lange ist dein letzter Urlaub her? Die letzte Woche, die du mal Urlaub hattest? Ich hatte eine Woche diesen Sommer im August. Da war ich in London. Da bin ich in Borough London gefahren. Da war ich acht Tage weg. Und im April war ich zehn Tage. Da bin ich von Basel nach Girona gefahren mit dem Fahrrad. Das war auch sehr schön. Und das war das erste Jahr seit Jahren, dass ich richtigen Urlaub gemacht habe. Das war das erste Jahr mit zwei Wochen Urlaub. Ich wünsche dir, dass das mit Südkorea und Japan möglichst bald klappt. Und ich bin sehr gespannt auf die mehreren Hände voller Ideen für neue weitere Taschen, die kommen. Ja, du darfst gespannt sein. Danke dir. Danke dir. Ich habe in diesem Gespräch mindestens gelernt, wie viel Liebe man für eine Freiarmstanze entwickeln kann. Und dass es so etwas wie Maschinenliebe gibt. Das ist für mich und sicher auch für euch keine grundsätzliche Überraschung. Schließlich sind wir hier im Fahrradpodcast Antritt, und da geht es ja immer auch um Maschinen, aber immer auch um ein bisschen mehr. Ich freue mich, dass es mit diesem Gespräch mit Tine geklappt hat und ich hoffe, ihr habt so wie ich ein paar Dinge dabei mitnehmen können. Ich finde es grundsätzlich super, solche Geschichten einsammeln zu können. Und jetzt habe ich mal wieder einen der Momente, in denen mir klar wird, wie viele Geschichten in der letzten Zeit im Antritt landen. Es kommt mir um einiges länger vor, aber ungefähr vor einem Jahr erst bin ich nach Pforzheim gefahren und habe dort eine Reportage produziert, in der es um den Tod von Andreas Mandalka geht, auch bekannt als Nathanom. Andreas Mandalka ist am 30. Januar 2024 auf einer Landstraße südlich von Pforzheim totgefahren worden. Und die Reportage dreht sich um diesen Tod, die Folgen und die Gedenkfahrt, die ich dort 2025 begleitet habe. Ich möchte euch hier darauf hinweisen, dass es auch 2026 wieder eine Gedenkfahrt geben wird. Am 31. Januar um 11 Uhr treffen sich Menschen vor der Staatsanwaltschaft Pforzheim, um Nathanom zu gedenken und zur Gedenkstätte zu. fahren. Es wird auch wieder eine Sternfahrt aus vielen unterschiedlichen Richtungen geben. Zum Beispiel aus Karlsruhe, Stuttgart, Darmstadt und Frankfurt am Main. In Berlin gibt es außerdem eine eigene Gedenkfahrt. Schaut dafür am besten nach unter fahrradstadtpforzheim.de. Ich habe die Seite und die Reportage auch hier in den Show Notes verlinkt. Und wenn ihr gemeinsam mit uns absichern wollt, dass wir uns hier im Antritt weiter um solche und andere Fahrradthemen kümmern können, dann kommt doch gern in unser Peloton bei Steady oder Apple Podcasts und unterstützt uns mit einem oder zwei Cappuccini im Monat. Ich begrüße diesmal neu im Peloton Daniel, Christoph, Chris, Benedikt, Heiko und Paul und sage Hallo! Wir freuen uns, mit euch zu rollen. Und wer noch mitrollen will, schaut auch hierfür in die Show Notes. Die nächste Folge dieses Fahrradpodcasts erscheint am 23.01.2013. Ihr erreicht uns bis dahin unter antritt@detektor.fm und auf Mastodon und Instagram. Ich wünsche euch bis dahin gute und sichere Fahrt und natürlich, dass ihr Spaß habt auf dem Rad. Falls euch während dieser Folge, die übrigens vorzüglich von Florian Drechsler geschnitten worden ist, irgendwann eine kleine Idee zu einer Radreise oder auch einer Bikepacking-Tour eingefallen ist, so einfach irgendwie aufgeploppt, wie das manchmal passiert, dann lautet meine klare Empfehlung: Geht der Idee doch einfach nach, wenn ihr könnt. Fahrt am besten dorthin, wo ihr noch nie gewesen seid, und lasst das alles auf euch wirken. Ich kann das jedenfalls nur wärmstens empfehlen. Ciao, bis nächste Woche! Wir hören [Musik: Sonic Youth – Kool Thing]