Antritt des Fahrradpodcasts
Hier ist der Antritt, der Fahrradpodcast auf detektor.fm mit der August-Ausgabe 2026. Mein Name ist Gerolf Meyer und ich gehe in dieser Ausgabe mit euch auf die Langstrecke. Bevor wir das tun, möchte ich euch kurz auf eine schon in der letzten Folge angekündigte Serie hier im Antritt hinweisen. Ich werde mich in den kommenden Wochen unter anderem mit dem Thema Fahrrad und Bahn beschäftigen. Genauer gesagt mit dem Radtransport im Nah- und Fernverkehr. Denn mir fällt immer wieder auf, dass das für viele Menschen ein interessantes und auch kompliziertes Thema ist. Und ich möchte nachhören, welche Probleme es gibt, woran das liegt und wie vielleicht auch Lösungen für diese Probleme aussehen könnten.
Dafür könnt ihr mir gerne eure Erfahrungen mit dem Radtransport in der Eisenbahn und eure Fragen dazu per Sprachnachricht schicken. Entweder per Mail an antritt@detektor.fm oder an eine WhatsApp-Nummer, die ich euch in den Shownotes verlinkt habe. Ich bin gespannt, was da alles reinkommt und bedanke mich schon jetzt für die Nachrichten, die schon eingegangen sind.
Langstreckenrennen
Das Thema ist aber noch Zukunftsmusik hier im Antritt, denn erstmal geht es in dieser Ausgabe auf eines der bedeutendsten Langstreckenrennen mit einer bewegenden Geschichte. Stellt die Lichtkegel ein und lasst uns durch Europa rollen. Wir klicken ein: Der Fahrradpodcast von detektor.fm. Seit 2013 gibt es das Transcontinental Race und man kann mit Sicherheit sagen, das ist eines der wichtigsten Ultra-Cycling-Rennen überhaupt. In jedem Jahr geht es von wechselnden Startorten zu einem ebenfalls wechselnden Ziel in Europa. Die Fahrerinnen und Fahrer planen ihre Routen dabei selbst und sie sind lediglich an festgelegte Checkpoints, an Parcours und die strengen Regeln des Self-Support gebunden.
2026 hat das Transcontinental Race von Trondheim in Oslo nach Kalamata in Griechenland geführt und erstmals hat es dabei eine Flinterwertung gegeben, also eine Wertung für Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, nicht-binäre, trans- und agender Personen. Und ich freue mich, dass ich in dieser Ausgabe des Antritts mit der Gewinnerin der Flinterwertung beim Transcontinental Race 2026 sprechen kann. Sarah Bosslet aus Hinterzarten im Schwarzwald ist im Antritt zu Gast und ich sage: Hallo Sarah und herzlichen Glückwunsch!
Gespräch mit Sarah Bosslet
Hallo und ja, danke für die Glückwünsche und danke, dass ich da sein darf. Sarah, ich freue mich, dass du hier bist und ich habe mir überlegt, wie wir hier mit den ganzen Themen, die auf dem Tisch liegen, umgehen. Und ich habe mich dann vor allen Dingen gefragt: Also, du hast vor ungefähr fünf Wochen in Trondheim am Start des TCR gestanden und seitdem ist wahnsinnig viel passiert. Aber kannst du dich daran erinnern, was dir in Trondheim in Norwegen am Start durch den Kopf gegangen ist?
Ja, also ich habe mich vor allem gefreut, dass es jetzt endlich losgeht. Denn die Vorbereitung auf so ein TCR ist einfach unfassbar intensiv. Wie du gerade schon gesagt hast, es ist alles self-supported, man muss die Strecke selbst planen. Es steckt so viel einfach in dieser Vorbereitung, dass man am Ende da am Start steht. Und ich fand es einfach super schön, am Start zu stehen und dann ist auch erstmal so ganz viel Druck von mir abgefallen.
Wenn da so viel drinsteckt und das so aufwendig ist, ist es wahrscheinlich auch anstrengend. Warum hast du dich für das TCR angemeldet? Was ist deine Motivation gewesen? Was bedeutet dieses Rennen für dich?
Das Rennen bedeutet unfassbar viel für mich. Also vor zwei Jahren bin ich das erste Mal beim TCR gestartet. Damals war es mein allerallererstes Ultra. Ich wollte einfach sowas mal machen, diese Herausforderung suchen und schauen, wie ich das schaffe. Und seitdem ist ganz, ganz viel passiert. Also 2024 habe ich es geschafft, in der Cut-off-Time anzukommen. Das fand ich super toll und war voll die Erfahrung für mich. Und da habe ich dann meinen Partner kennengelernt, Mohit. Leider hatten wir aber nur ein halbes Jahr zusammen Zeit, weil er dann bei einem Weltrekordversuch durch Südamerika vom Auto überfahren wurde.
Und seitdem bedeutet dieses Rennen noch viel mehr für mich, weil ein paar Tage später Lost Dot, die Organisatoren, gepostet haben, dass sie ihm an der Startlinie eine Gedenkminute schenken wollen. Und das war für mich so der Punkt, wo ich gesagt habe: Okay, wenn so ein großes Rennen das macht, dann will ich da auch am Start sein. Ich wusste zu dem Zeitpunkt aber noch gar nicht, wie ich jemals wieder Fahrrad fahren soll. Und das hat mich aber so gepusht und beflügelt, dass ich das irgendwie dann 2025 auch geschafft habe, am Start zu stehen und wieder so ein Rennen gefahren bin.
Und deswegen hat es für mich so eine ganz, ganz große emotionale Bedeutung einfach. Und ich bin diesem Rennen unfassbar dankbar, dass es das gibt und dass sie quasi meine und Mohits Geschichte auch so ein bisschen aufgenommen haben und er da irgendwie so ein bisschen weiterlebt. Deswegen gibt mir das total viel. Und gleichzeitig finde ich, ist es einfach das vollkommenste Rennen, weil man einfach alles hat. Also man durchquert einen Kontinent, man muss alles selbst planen und ja, das ist für mich so das Rennen.
Flinterwertung und Emotionen
Ja, das klingt wirklich nach einer wahnsinnigen Tiefe, also mit all den Geschichten, die da noch für dich dranhängen, dieser besonderen Geschichte mit Mohit. Und ich habe es in der Anmoderation schon gesagt: Du hast also die Flinterwertung gewonnen. Nach zwölf Tagen, elf Stunden und einer Minute bist du in Kalamata in Griechenland als erste Flinterperson durchs Ziel gefahren. Ist dir das bei der Durchfahrt bewusst gewesen, dass du gewonnen hast? Und wie hat sich das dann angefühlt, wenn so ein für dich wichtiges Rennen, wenn du das gewinnen kannst?
Ja, also ich glaube, so ein bisschen konnte ich das begreifen, was ich da gerade geschafft habe, aber nicht so komplett. Also es war einfach mega emotional für mich. Ich wusste schon, dass ich jetzt die erste Flinterperson bin, die in Kalamata ankommt und dass ich einfach gerade was ganz, ganz Großartiges geschafft habe. Und gleichzeitig, also auch für die Organisatoren war meine Ankunft irgendwie so ein ganz emotionaler Punkt, weil hinter meinem Sieg halt einfach so eine große Geschichte steckt. Und das ganze Orga-Team, die haben auch irgendwie alle Tränen verdrückt, als ich dann ankam. Deswegen war das schon so etwas, wo ich dachte: Okay, krass, also ich habe das jetzt irgendwie geschafft. Ich habe das größte Rennen gewonnen und ja, verrücktes Gefühl.
Wenn wir nochmal kurz zurück zum Start gehen: Hast du dir das vorstellen können? Hast du am Start gedacht: Okay, ich könnte das gewinnen, es gibt eine Möglichkeit? Ist das ein Ziel für dich gewesen oder wie hat sich der Blick auf deinen Finish entwickelt über die Zeit?
Ne, also Sieg konnte ich mir niemals vorstellen. Das war für mich komplett raus, weil Jana Kesenheimer auch am Start war und ich dachte: Okay, Jana gewinnt das auf jeden Fall. Mein Ziel war aber schon, unter die Top 3 zu fahren, also Top 3 in der Flinterwertung, weil Mohit das vor zwei Jahren zu mir gesagt hat. Also er hat mich irgendwie ein paar Tage gekannt und meinte dann so: Ja, du hast irgendwie das Potenzial, da irgendwann mal Top 3 zu fahren. Damals habe ich gesagt: Ja, nee, kann ich mir gar nicht vorstellen.
Und das war schon auch so ein bisschen mein Antrieb, vor allem dieses Jahr mich bestmöglich vorzubereiten und halt wirklich das Beste aus mir rauszuholen und dann eben die Möglichkeit zu haben, irgendwo unter die Top 3 zu fahren. Also das war schon das Ziel, aber es war nie der Gedanke, dass ich es irgendwie gewinnen könnte.
Routenplanung und Herausforderungen
Ich habe es in der Anmoderation schon gesagt: Man plant beim Transcontinental Race seine Route selbst zwischen dem Start, den Checkpoints, dem Parcours und dem Ziel. Du hast auch schon gesagt, dass die Vorbereitung wahnsinnig anstrengend war. Wie hast du diese Route geplant und was hat die in diesem Jahr ausgemacht?
Ja, ich glaube, dieses Jahr das Besondere war, dass es einfach eine Nord-Süd-Durchquerung war. Das gab es so in den Jahren davor noch nie. Also normalerweise ist es irgendwie von West nach Ost. Ich glaube, einmal ging es von Ost nach West, aber nie dieses Nord-Süd. Und der Start in Norwegen, das war schon etwas ganz Besonderes. Also Norwegen war auch somit das absolute Highlight der ganzen Route. Genau, und wie habe ich geplant? Also man hat diese Checkpoints, wie du gesagt hast, und zu diesen Checkpoints gehört noch ein Parcours, also ein kleiner oder größerer festgelegter Streckenabschnitt, den man verpflichtend fahren muss. Der ist meistens landschaftlich auch einfach super schön und gleichzeitig auch super anspruchsvoll.
Also in Norwegen gab es zwei Parcours, also Parcours 1a und 1b, und die waren beide Gravel. Und man fährt halt eigentlich mit einem Rennrad mit ein bisschen breiteren Reifen. Also ich fahre 35 Millimeter, aber ohne Profil. Genau, und dann plant man von Checkpoint zu Checkpoint oder von Parcours zu Parcours. Und das ist auch wirklich zeitlich sehr aufwendig, weil man halt unendlich viele Alternativen irgendwie ausprobiert. Und dann gibt es von den Organisatoren noch so Bandroads, die man eigentlich fahren dürfte mit dem Rad, aber die als zu gefährlich angesehen werden, die man dann eben ausplanen muss und nicht in seiner Route haben darf.
Genau, deswegen nutze ich auch ungefähr alle Routenplaner-Tools und probiere mich da so ein bisschen rum und baue immer mal Alternativen ein. Und dann am Ende, nach ganz, ganz vielen Stunden, habe ich meine fertige Route. Nach welchen Kriterien entscheidest du dann? Also ich kann mir vorstellen, die Extreme sind vielleicht, man optimiert es für die kürzeste Strecke oder man optimiert es für die wenigsten Höhenmeter oder ich weiß nicht, was noch alles reinspielt. Also wie entscheidest du dich dann: Okay, für diese 300 Kilometer in Norwegen wähle ich diese und jene Route?
Ein ganz entscheidender Faktor ist noch die schnellste Straße. Also man versucht möglichst irgendwie große Straßen zu wählen und vor allem im Balkan ist es irgendwann entscheidend, dass man eben nicht auf kleinen Schotterwegen dann irgendwie nochmal landet oder auf Straßen, die halt irgendwie total kaputt sind, weil das bremst einen total aus. Und also ich schaue mir auch ganz viel mit Google Street View vorher an, wie das da aussieht und ob das jetzt Sinn macht, diese Straße zu nehmen. Genau, und dann möglichst wenige Höhenmeter und dann lieber mal einen Umweg. Es sei denn, also ich wäge das immer so ein bisschen ab und vergleiche dann Höhenmeter und Kilometer, was irgendwie mehr Sinn macht. Also ich fahre grundsätzlich gerne Höhenmeter und mag das Flache eigentlich gar nicht so, aber das Flache ist halt einfach schneller.
Etappen und Ernährung
Okay, dann können wir nochmal abrunden für die Leute, die es nicht mitverfolgt haben. Also es gab diese zwei Parcours in Norwegen, es gab einen, glaube ich, mit zwei Teilen in Tschechien und Slowakei. In Sarajevo und Bosnien gab es einen Parcours oder war es ein Checkpoint? Ne, ein Parcours, genau. Und in Leskowik in Albanien gab es auch einen und dann das Ziel in Kalamata in Griechenland.
Okay, diese aufwändige Planung, die du erwähnt hast, wie lange hat die ungefähr gedauert? Wann hast du angefangen, dich auf diese Strecke vorzubereiten?
Die erste grobe Streckenplanung habe ich vielleicht Ende April, Anfang Mai angefangen und hatte da dann, ich glaube, alles einmal grob geplant und einen kleinen Teilabschnitt ein bisschen genauer. Ich glaube, das war irgendwie von der Fähre, also das vielleicht noch als Besonderheit dieses Jahr. Es war wieder eine Fähre mit drin, nachdem man Skandinavien durchquert hat, von Schweden nach Polen. Also die meisten haben von Schweden nach Polen die Fähre genommen. War eine Fähre drin. Und dann diesen ersten Abschnitt von Polen, den hatte ich dann relativ genau geplant. Und dann hatte ich so zwei Wochen ein bisschen intensivere Planung. Das war um Pfingsten rum, aber während einer Bikepacking-Tour mit meinem Papa. Er musste meinen Laptop schleppen, damit ich Route planen kann, sonst hätte das irgendwie alles nicht funktioniert. Sehr gut! Genau, also da bin ich ihm auch sehr dankbar, dass er das gemacht hat.
Und dann hatte ich eigentlich gar keine Zeit mehr. Also ich bin Lehrerin und in der Schule, die letzten Schulwochen waren dann halt einfach super viel los. Und ich musste mich auch noch um ein neues Fahrrad und um mein Setup und alles kümmern und hatte dann gar nicht mehr viel Zeit, meine Route zu planen. Und ich hatte bis dahin erst so richtig ins Detail, ich glaube, den letzten Abschnitt geplant, also irgendwie von Checkpoint 3 ins Ziel oder von der Fähre bis ins Ziel vielleicht sogar. Aber dieser allererste Teil durch Norwegen, da wusste ich: Okay, ich habe das irgendwann mal so grob geplant, aber das ist nicht so ausgereift.
Und tatsächlich habe ich dann in den letzten zwei Tagen vor Rennstart das finalisiert und da echt noch viel Zeit investiert. Genau, aber am Ende hat alles gepasst. Ich war super zufrieden mit meiner Route. Ich glaube, ich hatte ein paar gute Entscheidungen getroffen. Einen kleinen Teil hätte ich vielleicht anders gemacht, aber ja, bei 4.800 Kilometern ist das okay.
Vorfreude und Rhythmus
Wie viel Vorfreude empfindest du dabei, wenn du dich in so Karten auf verschiedenen Seiten bei verschiedenen Tools so rein vertiefst? Ist da Vorfreude mit im Spiel?
Ja, schon. Am Anfang, das so grob zu planen und ein bisschen: Okay, da fahre ich jetzt irgendwie lang, das macht schon Spaß. Irgendwann, so gegen Ende der Routeplanung, wenn es wirklich um die allerkleinsten Details geht, dann macht es nur noch so ein bisschen viel Spaß, weil dann versucht man halt irgendwie jeden kleinen Teil, wo Komodride wird, GPS oder irgendwas halt da was Dummes einplant, dann noch rauszubauen. Und das ist wirklich extreme Detailarbeit. Also bei einer normalen Bikepacking-Tour ist es egal, aber beim TCR ärgert man sich halt super, wenn man dann irgendwo da steht und so denkt: Was ist das jetzt?
Aber gleichzeitig ist es auch ganz witzig, weil man schaut sich dann schon verschiedene Abschnitte mit Google Street View an und dann während dem Rennen das wiederzuerkennen, weil man das ja schon mal gesehen hat, das ist immer ein cooles Gefühl. Ich bin auch immer bei so Planungssachen. Also ich fahre nicht solche Rennen, aber ich fahre sehr gerne mit dem Rad einfach in den Urlaub. Ich finde es immer spannend, diesen Abgleich zwischen der Vorstellung, die man entwickelt, wenn man auf eine Karte guckt. Da entsteht bei mir so ein Bild und dann, wenn ich wirklich da bin. Und eigentlich ist es nie so, wie ich es mir vorgestellt habe. Und das finde ich immer cool, weil dann war ich zweimal in dieser Landschaft.
Ja, das stimmt. Ja, das nur von meiner Seite dazu. Aber hier geht es ja um dein Rennen von Norwegen bis nach Griechenland. Du hast so viel Zeit da reingesteckt, so viel Detailarbeit, das zu planen. Du fährst dann los in Norwegen. Ich habe mich so gefragt, was für ein Rhythmus entwickelt sich dann in so einem Rennen? Also wie teilen sich so eine zwölf Tage, also fast zwei Wochen mit Höchstleistung? Wie teilt sich das ein? Entwickelt sich ein Rhythmus? Gibt es vielleicht so etwas wie Etappen? Du hast vorhin schon gesagt, Norwegen war so besonders. Wie ist das für dich gewesen?
Ja, also Rhythmus ist gutes Stichwort. Das war eigentlich mein Hauptplan, dass ich auf mich schaue, mein eigenes Rennen fahre. Und ich habe mir als Ziel gesetzt, am Tag mindestens 17 Stunden Rad zu fahren, mit dem noch höheren Ziel, das auszudehnen auf 18 Stunden oder so und halt irgendwie noch effizienter zu sein. Letztes Jahr hat das schon ganz gut funktioniert, weil so Kilometeretappen kann man nicht planen. Also ein TCR, da kann alles passieren. Und egal, wie viel Routenplanung man gemacht hat und wie viel Zeit man da investiert hat, es kann immer wieder eine Strecke kommen, die halt viel länger dauert, als man denkt.
Und dann ist man am Ende irgendwie frustriert, weil man nicht da angekommen ist, wo man ankommen wollte. Und letztes Jahr war das für mich voll das gute Ding, dass ich halt irgendwie einfach nach Zeit gefahren bin und dann halt am Tag dann froh war: Ja, okay, ich habe diese 17 Stunden geschafft, ich war effizient genug, ich habe noch irgendwie eine Schlafpause. Genau, also Schlaf war mein Ziel, immer in Schlafzyklen zu schlafen. Und da habe ich dann versucht, einmal drei Schlafzyklen, also viereinhalb Stunden zu schlafen und im Wechsel mit drei Stunden. Weil letztes Jahr habe ich, glaube ich, konstant vier Stunden geschlafen, also nicht nach Schlafzyklus.
Das hat ganz gut funktioniert, aber dieses Jahr habe ich festgestellt, dass es viel, viel besser ist, wenn ich in Schlafzyklen schlafe, weil ich dann viel fitter war. Also auch mit drei Stunden Schlaf, ich war echt fit. Und genau, das hat echt gut geklappt. Und so habe ich versucht, einen Rhythmus irgendwie dann zu finden.
Heißt das mit dem Schlafzyklus viereinhalb und drei Stunden, dass du also eine Nacht viereinhalb schläfst und dann die nächste drei und dann ist das damit gemeint?
Genau, ja, also so war das Ziel. Aber am Anfang des Rennens hat man noch keinen Rhythmus. Also der Start ist abends um acht. Das heißt, die erste Nacht fährt man erstmal durch, weil man hat sowieso so viel Adrenalin und ich könnte da gar nicht schlafen. Das heißt, man ist erstmal 24 Stunden am Radfahren und dann, ja, nach 24, 25 Stunden oder so hatte ich dann meine erste Schlafpause von viereinhalb Stunden. Das war dann auch echt gut. Und dann wollte ich danach meinen Rhythmus finden.
Also die nächste Nacht habe ich dann drei Stunden geschlafen, weil es dann schon Richtung Fähre ging. Also ja, so viel zum Thema Etappen. Die erste Etappe war wirklich halt diese Fähre, weil es viele Fähroptionen gab und man das halt irgendwie so teilen musste, dass man möglichst wenig Zeit verschwendet. Und mein Ziel war dann, also ich habe die Schlafpause gemacht und am übernächsten Abend wollte ich die Fähre dann nehmen, also zwei Tage später. Und habe die auch schon gebucht und bin dann ja irgendwann nach drei Stunden Schlaf halt wieder losgefahren.
Und zuerst kam dann noch diese, also ich war immer noch in Norwegen, dann kam die Oslo-Fähre, also um den Oslofjord einmal zu queren durfte man auch eine Fähre nehmen. Und die hatte ich dann irgendwann morgens um 8 Uhr genommen und habe dann festgestellt: Okay, es sind noch irgendwie 550 bis nach Malmö, also 550 Kilometer und es ist Rückenwind. Und ja, also ich habe eigentlich noch anderthalb Tage Zeit bis zur Fähre, aber ich habe auch noch ein bisschen mehr als 24 Stunden bis nach Malmö. Vielleicht kann man das ja schaffen. Beziehungsweise dachte ich mir in dem Moment auch schon: Ja, okay, Camille, die Frau, die zweite geworden ist, mit der ich die ganze Zeit eigentlich ein Kopf-an-Kopf-Rennen hatte, mit der war ich zusammen auf der Oslo-Fähre und da hatte ich irgendwie schon so das Gefühl: Okay, sie versucht das.
Und dann war für mich auch so der Punkt: Okay, ich muss das jetzt auch versuchen. Es ist mega, mega hart. Also an Tag drei bin ich dann 660 Kilometer gefahren. Das ist eigentlich komplett bescheuert. Und da nochmal eine ganze Nacht durchzufahren und ja, ich war 30 Stunden oder so unterwegs. Das macht man zu Beginn von so einem Rennen eigentlich nicht. Also ich fand es selbst echt irgendwie dumm und gleichzeitig aber auch super clever, das zu probieren, weil am Ende hat es sich ausgezahlt und ich hätte mich geärgert, wenn ich es halt nicht gemacht hätte.
Durchschnittliche Leistung
Aber bis zur Fähre hat es gar keinen Schlafzyklus oder gar keinen Rhythmus. Gut, 660 Kilometer am Stück an einem Tag, das klingt wirklich, also ich glaube für die meisten Leute, die hier zuhören, ist das einfach eine unvorstellbare Leistung. Aber auch so in deinem normalen Rhythmus sozusagen in den 17 Stunden, die du dir vorgenommen hast, damit man so ein bisschen besser ein Gefühl dafür bekommt: Was ist so eine normale Streckenlänge, die du in diesen 17 Stunden zurückgelegt hast?
Ja, am Tag so ungefähr 400 Kilometer. Also ich glaube, am Ende über die kompletten 12 Tage gesehen hatte ich knapp unter einem 400 Kilometer Schnitt pro Tag. Also es kommt auch ein bisschen auf die Höhenmeter und sowas an. Also es gab auch mal Tage, die waren dann irgendwie 300, keine Ahnung was. Aber es gab auch viele Tage mit über 400. Ja, also da nochmal an der Stelle muss ich einfach sagen: fetten Respekt. Das klingt wirklich, ja, also unvorstellbar für viele, für mich inkludiert. Eine wahnsinnig krasse Leistung.
Und jetzt waren wir schon, waren wir ganz viel in Skandinavien, Norwegen und Schweden. Dann ging es weiter nach Polen, Tschechien, Slowakei und dann weiter südlich. Hast du da auch so eine Einteilung, wo du sagen würdest: Also waren die Etappen dann so von Checkpoint oder von Parcours zu Parcours? Oder wie hat sich das dann für dich entwickelt?
Ja, man fährt dann eigentlich schon von Parcours zu Parcours oder von Checkpoint zu Checkpoint, weil das halt so der nächste Meilenstein ist. Und so das dazwischen ist halt immer irgendwie so eine Transferphase. Also von der Fähre von Polen bis zum Parcours in Tschechien war es auch schon nochmal eine lange Strecke. Also das war dann schon so, ja, irgendwie nochmal zwei Tage, bis man dort war. Und dann ging es aber schon ein bisschen schneller. Aber man hat immer den nächsten Checkpoint als Ziel. Oder am Ende war dann auch wieder eine Fähre. Dann ist wieder die Fähre das Ziel. Also es gibt immer so kleine Meilensteine, die man dann irgendwie abhaken will.
Ernährung während des Rennens
Wenn man 17 Stunden am Tag Rad fährt und da so um die 400 Kilometer im Durchschnitt macht, wie ernährt man sich? Wie ernährst du dich unterwegs?
Ja, eigentlich nur von Schrott. Also am Anfang, die ersten 24 Stunden, die sind noch relativ okay, weil man kann halt irgendwie auch Gels und Getränkepulver und sowas mitnehmen. Und für die ersten 24 Stunden hatte ich auch vorgekochte Gnocchi dabei. Das war ganz cool, das war echt noch was Gutes zu essen. Und dann wird es halt irgendwann Tankstellen-Nahrung. Also bei mir waren ganz viele Snickers und Mentos immer auf dem Speiseplan. Also ja, vor allem Mentos, das ist so etwas, das würde ich niemals im Alltag essen. Aber beim Rennen finde ich es eigentlich ganz cool, weil man hat was zu tun, man muss wirklich kauen und man ist beschäftigt.
Also auch gerade bei so Abfahrten, wenn der Puls runtergeht und man wird irgendwie richtig müde, dann kaut man halt irgendwie Mentos, weil man bleibt dann wacher. Und ansonsten, ja, dann halt irgendwie mal so ein Sandwich oder so. Also ich habe nie in einem Restaurant gegessen, also außer auf der Fähre. Die Fähre, das war dann schon das absolute Highlight, dass man Frühstücksbuffet bekommt, sechs Stunden schlafen kann und nochmal Abendessen-Buffet. Aber das war das einzige Mal, dass ich normales Essen gegessen habe und sonst alles irgendwie auf der Hand, schnell einmal einkaufen, alles mitnehmen, so viel man irgendwie irgendwo reinbekommt.
Mentos und Schlaf
Snickers kenne ich, mag ich auch selbst so im Notfall. Mentos ist mir total neu. Hat so etwas, es ist ja so ein Kaubonbon, hat das wirklich einen Ernährungseffekt oder geht es vor allen Dingen um das Kauen, wie du gesagt hast, dass man dadurch weniger ermüdet?
Ja, beides. Es hat ja schon auch Zucker. Also es ist ja schon einfach eine Süßigkeit und ja, also es hat schon ein paar Kalorien. Und so viel Mentos, wie ich gegessen habe, habe ich, glaube ich, schon Kalorien aufgenommen.
Okay, super. Also Mentos ist mir wirklich neu. Die andere Frage, die sich stellt, also neben vielen, wenn man sich da versucht, so ein bisschen mit reinzudenken in dem, wie du da unterwegs bist: 17 Stunden fährst du, dann hast du ein paar Pausen, wo du dich wahrscheinlich dann verpflegst, versorgst, alles, was man da so machen muss. Wie schläfst du?
Also ich versuche auch da im Wechsel Hotels und draußen schlafen. Also ich habe ein Schlaf-Setup, was auch schon komfortabel ist. Also eine Isomatte und einen guten Down-Schlafsack und ein Kopfkissen. Also so kann ich auch echt gut draußen schlafen. Ich habe das dieses Jahr auch relativ häufig gemacht. Also vor allem am Ende, die letzten zwei, drei Tage habe ich nur noch draußen geschlafen, weil es auch einfach schneller ging oder schneller geht.
Aber der große Vorteil, im Hotel zu schlafen, ist halt einfach, dass man eine Dusche hat. Also ich könnte mir niemals vorstellen, zwölf Tage komplett ohne Dusche zu fahren. Also jeden zweiten Tag ist es dann schon angenehm, zu duschen und die Sachen zu waschen. Dann ging es gegen Ende auch über den Balkan und eins der häufigsten Balkan-Klischees, das mir begegnet, sind immer wieder Hunde.
. Also immer wieder sagen mir Leute: „Ich weiß nicht, ob ich da draußen schlafen kann, weil dann kommen diese Hunde.“
Ich bin selbst schon ein paar Mal über den Balkan gefahren. Mich hat da noch nie irgendwie ein Hund so wirklich gefährlich angegriffen. War das für dich ein Thema, weil du sagst, du hast viel draußen geschlafen, vor allem gegen Ende?
Ja, war auf jeden Fall ein Thema. Also vor zwei Jahren ging die Strecke vom TCR auch am Ende durch Griechenland und da waren die Hunde ganz schlimm. Und die letzten zwei Jahre TCR habe ich am Ende auch gar nicht mehr draußen geschlafen, weil ich dachte: „Okay, irgendwie hier macht es keinen Sinn, draußen zu schlafen.“
Das war dieses Jahr komplett anders. Also es gab schon Hunde, aber die Schlafplätze, die ich gefunden habe, da hatte ich nie irgendwo einen Hund in der Nähe gesehen. Deswegen war das da dann echt entspannt. Und ja, ich habe auch in Griechenland dann draußen geschlafen, aber dort war echt kein Hund weit und breit.
Und Hunde, ja, es gab schon ein paar Hunde, die ein Problem waren, aber es war nicht so schlimm wie gedacht. Also ich habe es mir schlimmer vorgestellt.
Umgang mit Hunden
Wie gehst du damit um, ganz konkret? Wenn ein Hund, also wenn der zum Problem wird, also der droht, dich anzugreifen, vermute ich mal, steckt dahinter, was machst du?
Also erst mal anschreien, abbremsen, und oftmals beruhigt er sich dann ja schon. Und wenn ich merke: „Okay, der ist jetzt irgendwie total aggressiv und ich kann hier jetzt nicht einfach vorbeifahren“, dann steige ich ab und habe das Fahrrad zwischen mir und dem Hund und versuche dann langsam weiterzulaufen.
Ja, irgendwann lässt er dann auch nach oder geht immer noch weiter mit mir mit. Dann muss ich halt noch weitergehen. Ist ein bisschen nervig, aber so kam ich bisher eigentlich immer ganz gut.
Eindrücke von der Reise
Wenn man das dann macht, in so kurzer Zeit so quer durch Europa zu fahren, wie viel bekommst du mit von den Ländern, von den Regionen, von den Landschaften? Wie wirkt es auf dich und ändert sich das vielleicht auch über die Reise? Bist du vielleicht irgendwann voll von Eindrücken oder was bleibt da bei dir hängen?
Also ich glaube, von den Landschaften der Länder bekomme ich schon viel mit und sehe einfach total viel. Da bleibt auch viel hängen. Und ja, ich versuche gerade selbst, das für mich so ein bisschen zu sortieren, was die einzelnen Länder so ausgemacht haben.
Und ja, auf meinem Instagram-Account poste ich jetzt immer von jedem Land, durch das ich gefahren bin, das Highlight und Lowlight. Und das ist für mich irgendwie auch total schön, das irgendwie alles nochmal so Revue passieren zu lassen und wirklich ein High und ein Lowlight rauszufinden. Da bleibt dann schon mehr hängen.
Und gleichzeitig man durchquert halt so viele Länder in so kurzer Zeit. Man hat das Gefühl, dass irgendwie alles schon Monate her ist. Also dieser Start in Trondheim, das fühlt sich so an, als wäre das ein halbes Jahr mindestens her.
Genau, was man nicht so viel oder wovon man nicht so viel mitbekommt, sind die Menschen. Also man hat halt einfach gar keine Zeit, irgendwie für eine Interaktion. Genau, man fährt halt schnell durch das Land.
Überraschungen und Erlebnisse
Ich wollte dich sowieso nach Überraschungen fragen, die du unterwegs erlebt hast, die du vielleicht nicht erwartet hast. Und jetzt hast du schon erwähnt, es gibt diese High- und Lowlights. Können wir jetzt sicher nicht für jedes Land besprechen, aber kannst du uns ein Highlight und ein Lowlight nennen?
Ja, das Highlight, das ist irgendwie was, was ich wirklich gar nicht erwartet habe beim Rennen. Ich stand plötzlich in einem Einkaufszentrum, also ungewollt. Das war in Tschechien. Ich habe da meine Route durch so eine Stadt geplant, ich glaube, es war Ostrava.
Und es gab eine Sperrung von einer Brücke. Und die Brücke ging irgendwie über einen Fluss, über eine Autobahn, über alles Mögliche. Und ich wusste nicht, wie ich da jetzt rüberkomme. Und dann bin ich so eine Fußgängerbrücke entlang.
Und die Fußgängerbrücke war aber keine normale Fußgängerbrücke, die dann am Ende irgendwie wieder in der Treppe oder sowas endet, sondern die ging direkt in ein Einkaufszentrum. Und dann stand ich halt in diesem Einkaufszentrum mit meinem Fahrrad, also so eine riesige Shopping Mall.
Und dachte mir so: „Okay, ich fahre hier halt irgendwie gerade 5000 Kilometer durch Europa und stehe jetzt in einer Shopping Mall mit meinem ganzen Zeug.“ Ich fand es in dem Moment einfach unfassbar witzig, weil das ist einfach was, was ich niemals erwartet hätte.
Genau, das war mein lustiges Erlebnis. Und Lowlight, oh je, ich würde sagen, der Punkt, in dem ich dachte, ich kann das Rennen nicht gewinnen, weil es mir gerade körperlich zu schlecht geht.
Also das war ganz konkret in Serbien auf dem Weg nach Bosnien. Da wurde es halt mittlerweile dann schon heiß. Und ich habe immer das Problem, dass ich so einen Hitzeausschlag bekomme an meinen Beinen. Also das sind dann einfach so Ausschläge an meinen Beinen, der aussieht wie Sonnenbrand, aber es ist kein Sonnenbrand.
Und das führt dann auch immer dazu, dass ich schon so ein bisschen hitzekrank werde und so einen halben Hitzschlag habe. Genau, ich habe gemerkt, dass es irgendwie gerade so, dass ich die Energie verliere und dachte, das wäre ein Hungerast.
Bin dann in den Supermarkt und habe mir Zeug gekauft und habe da dann schon gemerkt, dass ich irgendwie kurz davor bin, dass mir schwindelig wird und so. Und dann dachte ich: „Oh Gott, was ist das denn jetzt?“
Und dann saß ich mit meiner Pizza vor dem Supermarkt und bin einmal komplett zusammengebrochen, weil ich gemerkt habe: „Okay, mein Körper, der kann gerade einfach nicht mehr.“ Und nur wegen so einem bescheuerten Ausschlag kann ich jetzt einfach gerade nicht weiterfahren.
Aber eigentlich fühle ich mich ja nur fit und gut. Und habe jetzt irgendwie fünf Tage geführt und es war immer nur knapp. Also ich hatte nie mehr als eine Stunde Vorsprung vor Kami. Das war die ganze Zeit ein Kopf-an-Kopf-Rennen.
Aber ich habe immer knapp halt geführt und dachte mir dann so: „Ja, ich will das jetzt auch bis zum Ende schaffen“, weil der Ehrgeiz war dann einfach da, dass ich das gewinnen will. Und ja, das hat mich in dem Moment einfach so runtergezogen.
Und davor habe ich mich auch so gestresst mit diesem Tracker, weil ich ständig irgendwie geschaut habe, wie der Abstand ist. Und da der Abstand sich nie verändert hat, egal was ich gemacht habe, war ich einfach mega gestresst. Und das war glaube ich wirklich mein absolutes Lowlight.
Und dann habe ich aber für mich gesagt: „Okay, ich schaue jetzt nicht mehr auf den Tracker. Ich fahre jetzt nochmal mein eigenes Ding, so wie ich mir das am Anfang auch vorgenommen habe.“ Weil ich kann sowieso nicht beeinflussen, was sie macht. Und dann wurde es auch besser.
Aus dem Loch herauskommen
Wie bist du aus diesem Loch da rausgekommen? Also als du mit diesem Hitzeausschlag und der Pizza da saßt und gedacht hast: „Okay, deswegen falle ich jetzt hier zurück.“ Also wie kommt man da wieder raus?
Ja, genau. Also das war dann dieser Gedanke: „Okay, ich weiß, dass nach einer Schlafpause geht es mir wieder besser.“ Also ich kenne das mit diesem Ausschlag und am nächsten Tag ist es besser. Aber ich brauche dann einfach irgendwann diese Schlafpause.
Ich glaube, es war 19 Uhr ungefähr. Also es war schon denkbar, dann auch bald die Schlafpause zu machen. Und dann habe ich mir gesagt: „Ja, okay, ich will noch irgendwie bis nach Bosnien fahren.“ Das waren, glaube ich, noch so 60 Kilometer. Und das ist flach, das schaffe ich jetzt noch.
Habe mir dort dann ein Airbnb gebucht. Das war mir auch ganz wichtig, dass ich da einen ordentlichen Schlaf habe und irgendwo drin schlafen kann. Und habe halt für mich selbst auch beschlossen: „Ich schaue jetzt nicht mehr auf den Tracker.“
Ich wusste, dass ich am nächsten Tag an Checkpoint 3 bin. Und habe mir dann aber auch gesagt: „Okay, wenn ich jetzt an diesem Checkpoint als zweite Frau ankomme, dann ist es auch okay.“
Also ich muss jetzt nicht als erste Frau an Checkpoint 3 ankommen, weil von dort sind es immer noch, keine Ahnung, 2000 Kilometer bis ins Ziel. Also noch eine weite Strecke. Und diese Schlafpause, die hat mich wirklich gerettet.
Also das Airbnb, das war toll. Die Frau hat meine Sachen gewaschen. Ich bin morgens mit komplett frischen Sachen losgefahren und hatte einen tollen Schlaf. Also es war wirklich wie so ein Reset-Button.
Und bin dann ganz ohne Stress zum Checkpoint. Kam dort an und meinte auch, dass ich jetzt fahre, ohne auf den Tracker zu schauen. Und habe dann aber trotzdem irgendwann gefragt: „Ja, okay, wie vielte bin ich denn?“
Und die haben mir dann gesagt: „Ja, du bist immer noch die erste Frau.“ Und dann dachte ich so: „Okay, cool.“ Und bevor ich dann aber losgefahren oder nee, als ich losgefahren bin, kam Camille an. Also unser Abstand war fünf Minuten.
Rolle der Platzierung
Ich wollte dich das sowieso fragen: Die Rolle der Platzierung und wie man das verfolgt, klingt jetzt so danach, als hättest du das die meiste Zeit im Rennen beobachtet und auf dem Schirm gehabt, oder?
Ja, also bis zu dem Punkt, ja. Also am Anfang, ja, man schaut immer mal so ein bisschen auf den Tracker, wo man jetzt irgendwie so rumfährt und so. Und wer so um einen herum unterwegs ist.
Aber das mit der Platzierung, das war für mich vor allem am Anfang nie Thema. Also zur Fähre hin wusste ich, dass wir zwei Frauen sind, die es probieren. Beziehungsweise dachte ich am Anfang noch die dritte Frau: „Okay, wenn sie Gas gibt, dann schafft sie das auch.“
Ich hätte es auch irgendwie ganz schön gefunden, wenn wir irgendwie dann zu dritt auf dieser Fähre gewesen wären. Und da war ich aber immer noch entspannt. Also da war für mich nicht so das Thema: „Okay, ich muss das jetzt gewinnen, weil wir sind ja nur noch zwei.“
Sondern ja, ich wollte halt weiterhin mein Ding machen. Und dieser Siegesgedanke kam erst bei Checkpoint 2, weil ich dort dann halt als erste Frau ankam. Und dann dachte ich, also da bin ich total beflügelt losgefahren.
Auch da hatten wir nur 20 Minuten Abstand. Also ich habe sie gesehen, weil das war so eine Sackgasse. Als ich weggefahren bin, ist sie hochgefahren. Ist das das in der Slowakei gewesen? Niedere Tatra, glaube ich, ne?
Genau, das war in der Slowakei. Und man konnte nicht über oder durch den Nationalpark, weil das nur zum Wandern ist und nicht irgendwie mit dem Rad zu durchqueren. Und dann ab dem Zeitpunkt dachte ich mir: „Okay, also ich kann das irgendwie gewinnen. Ich will das gewinnen.“
Und da, weil ich so beflügelt losgefahren bin, dachte ich mir so: „Okay, und jetzt fahre ich auch irgendwie einen Zeitvorsprung raus.“ Und da das halt nicht funktioniert hat und ich ständig diesen Tracker gecheckt habe, weil Camille und ich einfach, wir hatten auch denselben Rhythmus.
Also ich glaube, wir sind von der Leistung ungefähr gleich gefahren und Schlafrhythmus und alles, das war immer ähnlich. Deswegen hat sich dieser Zeitabstand nie irgendwie geändert. Und ja, dann hat mich das aber wirklich so gestresst, weil sich einfach nichts ändert.
Und dieses Nicht-mehr-auf-den-Tracker-Schauen hat dann viel mehr gebracht. Und dann hatte ich auch wieder Spaß daran, weil davor war es schon irgendwie einfach stressig.
Der entscheidende Moment
Gab es irgendwann den Moment, an dem du gewusst hast: „Okay, ich kann das wirklich gewinnen.“ Also es ist jetzt ab jetzt wahrscheinlich. Und wenn ich so und so weiterfahre, dann gewinne ich das Ding. Hat es den gegeben? Wie weit vor dem Ziel, wie weit vom Ziel entfernt ist es gewesen?
Also zunächst war es immer der Wunsch und mein riesiger Ehrgeiz, dass ich das gewinnen will. Und also abends habe ich immer auf den Tracker geschaut, um zu sehen, wie sieht es da halt so aus.
Und meinen entscheidenden Push habe ich nach Parcours 4 in Albanien gemacht. Also es ging ja von Bosnien dann erst nochmal über Serbien, Montenegro, Kosovo bis nach Albanien. Und in Albanien gab es ja in Nordalbanien diesen Parcours 4.
Und Checkpoint 4 war kurz vor der griechischen Grenze, also viel weiter südlich. Und den kompletten Teil eigentlich von Checkpoint 3, also von Sarajevo bis Parcours 4, den kannte ich schon.
Also entweder vom TCR von vor zwei Jahren und von der Rückfahrt vom TCR vor zwei Jahren. Da bin ich mit drei anderen von Istanbul nochmal zurückgefahren im Rad. Und wir sind über Mazedonien am Ohridsee durch Albanien dann zurückgefahren.
Und deswegen wusste ich auch für den Teil habe ich halt eigentlich einen Vorteil, weil ich kenne das. Ich weiß, dass meine Route gut ist und habe mir dann auch vorgenommen: „Ich will bis zum Ohridsee nach Mazedonien fahren, nach Parcours 4 und dort übernachten.“
Weil wir damals auch dort übernachtet haben. Und für mich war das gleichzeitig so ein bisschen Urlaubsgefühl, weil ich dachte: „Okay, cool, ich kann am See übernachten. Ich kann kurz in diesen See springen, weil das ist meine Outdoor-Dusche. Und wann macht man das schon mal beim TCR, wenn man halt einfach möglichst effizient unterwegs sein will?“
Genau, Parcours 4 hat aber dann ewig gedauert. Also der war viel, viel anspruchsvoller als gedacht, weil es echt viele Höhenmeter waren und auch super steile Höhenmeter. Und dann habe ich dann gemerkt: „Okay, das ist ziemlich weit noch bis zum Ohridsee.“
Aber gleichzeitig dachte ich mir: „Das ist mein entscheidender Move vielleicht“, weil die anderen zwei, also Lea hat aufgeholt, die ist eine Fähre später gefahren als dritte Frau und war aber dann gleich auf mit Camille nach Parcours 4.
Und beide haben am Ende von Parcours 4 übernachtet. Und ich bin halt bis 2 Uhr nachts weitergefahren, ich glaube 70, 80 Kilometer mehr bis zum Ohridsee und wusste genau, wo ich dort schlafen will.
Und ja, ich glaube, das war so mit mein entscheidender Rennmove, der irgendwie so von der Taktik einfach total clever war, weil die zwei sind am nächsten Tag oder als sie aufgestanden sind, haben sie erst mal gesehen, dass ich schon viel weiter bin.
Und auch wenn ich dann noch schlafe, man muss das ja erst mal einholen. Und ich glaube, mental ist das halt echt herausfordernd. Und deswegen war das meine Hoffnung, dass das irgendwie sich ausgehen könnte und ich damit halt das irgendwie gewinnen kann.
Der Gedanke war auch: „Jeder Tag, der noch kommt, ich starte immer später in den Tag. Das heißt, ich bin ja frischer. Und das ist am Ende vielleicht das ausschlaggebende, um das zu gewinnen, weil unsere Abstände halt einfach so kurz sind.
Und wenn ich drei Stunden später gestartet bin und drei Stunden weniger in den Beinen habe, dann habe ich am Ende vielleicht noch den entscheidenden Punch, halt irgendwie die zehn Minuten vor ihr anzukommen.
Zieleinlauf und Emotionen
Wie war euer Abstand im Ziel? Ich glaube viereinhalb Stunden. Du hast vorhin schon gesagt, es sind bei den Leuten, die im Ziel standen, Tränen geflossen. Ich weiß gerade nicht mehr genau, ob du das auch über dich gesagt hast.
Kannst du uns den Zieleinlauf beschreiben? Und hast du in dem Moment das schon alles irgendwie fassen können oder wie realisiert man das dann? Und was macht man dann, wenn man so ein Ding gewonnen hat?
Ja, also Tränen sind bei mir auch geflossen und Tränen sind auch schon ganz häufig vorher geflossen. Also nochmal zu der Frage vorher: Ich wusste, dass ich das gewinne nach der griechischen Grenze.
Also irgendwann, ja, so keine Ahnung, 100 Kilometer nach der griechischen Grenze, weil ich da gesehen habe: „Okay, der Abstand ist echt groß.“ Und ja, da war für mich klar: „Ich gewinne das.“ Da sind dann auch schon Tränen geflossen.
Und dann zum Ziel, also am Ende der Finish-Parcours, der war echt hart. Also es waren 170 Kilometer mit 3800 Höhenmetern oder so. Der hat auch viel länger gedauert als gedacht. Also der war richtig herausfordernd, auch nochmal mental, weil ich da auch dann einfach ins Ziel kommen wollte und nicht mehr so wirklich geschlafen habe.
Wie lange hat der gedauert, wenn du sagst, viel länger als gedacht? Ich glaube, ich habe elf Stunden gebraucht. Also ich bin abends nachmittags irgendwann rein, ja so 17, 18 Uhr und morgens um sieben bin ich, ach nee, 13, ja 13 und bin dann morgens um sieben angekommen.
Genau. Oder um acht sogar. Also ich habe auch zwischendrin noch ein paar Power-Naps gemacht, weil das dann doch nicht mehr funktioniert hat. Und ja, habe sehr gelitten.
Und hast du es im Ziel gleich realisiert oder ist es oder was passiert so, ich sag mal, ein paar Minuten, nachdem du ins Ziel bist? Also was kommt dann?
Ja, also ich wollte den letzten Tag eigentlich genießen. Also auch diesen Finish-Parcours, weil ich ja wusste, ich gewinne das. Und das hat irgendwie halt schon nicht so funktioniert, weil es war super, super heiß.
Und dann war ich super, super müde. Und ja, und dann hatte ich schon so ein bisschen die Angst: „Okay, ich komme jetzt im Ziel an und bin so komplett emotionslos.“ Und das war dann aber nicht so.
Also der letzte Berg runter nach Kalamata, da habe ich schon Rotz und Wasser geheult, weil ich auch einen Song mir angehört habe, den ich ja total mit Mohit verbinde. Und er hat halt immer an mich geglaubt.
Und das hat mich da auch irgendwie dann so gepusht, dass ich den kompletten Downhill schon geweint habe. Und dann kam ich auch im Ziel an und war irgendwie total überwältigt einfach von allem.
Ich glaube, so richtig begreifen, dass ich so ein großes Rennen oder das meiner Meinung nach größte Rennen gewonnen habe, das kam da nicht an. Aber dass ich schon was Großes geschafft habe und jetzt irgendwie da bin, das war mir schon bewusst.
Botschaft an andere
Jetzt werden dieses Gespräch vielleicht ein paar Leute hören, die auch schon mal beim TCR mitgefahren sind oder die andere Ultra-Races fahren, die das irgendwie nachvollziehen können, was du da machst und das vielleicht auch kennen mit diesem Rhythmus, mit dieser Planung, mit diesem Schlaf und allem, was dazugehört.
Und es werden sicher aber auch Leute hören, die zu dieser Art des Radfahrens keine Beziehung aus eigenem Erleben haben. Also es gibt ja auch Leute, die fahren einfach gerne Rad, aber das ist dann okay, wenn das irgendwie 50, 60 Kilometer am Tag sind.
Es gibt ja ganz viele verschiedene Arten, Rad zu fahren. Was würdest du sagen, also wenn wir uns jetzt vorstellen, jemand fragt dich, der keinen Bezug hat zu diesem Ultra-Cycling und fragt dich: „Warum machst du das?“ Kannst du das in Worte fassen? Hast du eine Antwort darauf?
Ja, also mein erster Impuls, das zu machen, war, diese Herausforderungen zu suchen und selbst zu schauen, ob ich das schaffe. Das ist immer noch ein Antrieb und gleichzeitig auch einfach darin immer besser zu werden.
Und gleichzeitig auch diese große emotionale Seite. Also für mich wurde das irgendwann auch zur Art der Trauerbewältigung und es hat mir total viel gebracht. Und ich finde aber auch super schön zu sehen, wie man es einfach aus eigener Kraft schafft, so einen ganzen Kontinent zu durchqueren in so kurzer Zeit.
Also ich könnte mir niemals vorstellen, von Norwegen nach Griechenland mit dem Auto zu fahren. Also das ist für mich unvorstellbar und total bescheuert. Aber mit dem Fahrrad, ja, mit dem Fahrrad ist es irgendwie schön und man sieht ja auch was von der Landschaft.
Man bekommt vielleicht irgendwie eine Inspiration, wo man gerne mal hin würde, so als Urlaubsziel oder um entspannt Bike zu packen. Genau, das sind so meine Antriebe.
Entwicklung und Leidenschaft
Ich habe in einem anderen Podcast mit dir auch gehört, dass du, wenn ich das richtig notiert habe, 2021 deine erste Bikepacking-Tour gemacht hast. 2021, ja. Oder 2020? Ja, okay. Also dann reden wir von sechs Jahren.
Und von außen gesehen kommt mir das so vor, wenn ich mir das vorstelle, also das ist ja nicht so viel Zeit. Und mir kommt so vor, als hättest du da wie so eine Welt mit ganz vielen Höhen und Tiefen entdeckt und dir vielleicht erschlossen.
Weil auf einmal ist dieses Rennen da und auf einmal ist diese Art Rad zu fahren da und dann lernst du dort deinen Partner kennen. Und es passiert, also ihr habt eine Wahnsinn, es wirkt nach außen so, dass ihr eine wahnsinnig gute Zeit zusammen gehabt habt.
Und dann passiert sowas Tragisches: Er kommt ums Leben. Dieses Rennen hat das auf dem Schirm, sprich das auch an, feiert das, gedenkt seiner. Du fährst dieses Rennen, dann gewinnst du das auch noch.
Und er hat dir auch gesagt: „Du kannst das gewinnen.“ Also von außen gesehen denke ich mir: „Okay, da hat sich so eine komplett neue Welt aufgetan, in der du dann wahnsinnig gut bist.“ Ist das Bild richtig, was ich da habe?
Ja, also ich finde, das ist ein super gutes Bild und es beschreibt es auch richtig gut. Also ich hätte niemals gedacht, dass sich mein Leben so entwickelt, wie es sich jetzt entwickelt hat.
Also vor allem auch mit allen Tiefen, aber auch gleichzeitig jetzt mit den Höhen und diesem Gewinnen vom TCR. Also das hätte ich mir niemals gedacht, dass es so weit kommt und dass ich irgendwie so eine große Leidenschaft in sowas finde.
Also ich hatte früher auch schon eine ganz große Leidenschaft im Schwimmen. Ich war Leistungsschwimmerin, aber dann irgendwie nochmal in dem Radfahren, auch da strukturiert zu trainieren und mich so darauf vorzubereiten und einfach so reinzufuchsen und immer wieder Dinge zu optimieren und immer besser zu werden, das hätte ich niemals gedacht nach meiner Leistungssportzeit.
Und gleichzeitig finde ich, ja, es gibt mir halt einfach so viel. Also wie du schon beschrieben hast, es hat mein Leben komplett umgekrempelt. Ich habe Mohit kennengelernt, war die glücklichste Person und hatte voll Bock, das irgendwie mit ihm auch gemeinsam zu machen.
Und ja, habe da auch durch ihn total viel mitgenommen, was mich auch jetzt immer noch angetrieben hat oder antreibt. Und dann gleichzeitig daraus halt irgendwie Kraft zu schöpfen, dass es dieses Rennen gibt und weiterzumachen und selbst mich weiterzuentwickeln, das war oder ist schon eine extreme Entwicklung.
Fazit
Ich finde das eine faszinierende Geschichte. Also auch wenn man mal so zwei Schritte zurücktritt und das vielleicht gar nicht mit dieser Fahrradbrille sieht, diese Möglichkeit, dass einem im Leben irgendwie Dinge begegnen können.
Also ja, wie so eine völlig neue Welt. Und es wirkt nicht so, als hättest du so etwas vorher auf dem Schirm gehabt, auf dem Zettel. Und dann in sechs Jahren tut sich da so ein ganz neues Koordinatensystem, in dem man sich da befindet, irgendwie auf.
Finde ich auch bei aller Tragik und aller Traurigkeit, die da drin steckt, finde ich das auch irgendwie eine gute Nachricht, weil das ja bedeutet, das kann alles passieren. Man hat nicht alles auf dem Schirm im Leben und dann auf einmal geht sowas auf und hey, du bist die Gewinnerin.
Ja, also das stimmt auf jeden Fall. Für mich ist es halt auch wichtig, als Botschaft mitzugeben, dass man niemals aufgeben sollte. Also das hat mich schon immer ausgezeichnet, auch in meiner Schwimmkarriere, dass ich irgendwie auch Verletzungen durchgestanden habe.
Und jetzt finde ich noch viel, viel mehr. Also klar, nach dem Unfall ist für mich eine komplette Welt zusammengebrochen und ich habe mich niemals mehr auf dem Fahrrad gesehen, weil ich einfach dachte: „Ich kann das nicht.“
Und das aber dann doch noch mal zu schaffen und ich habe daraus einfach so viel Kraft geschöpft, das hätte ich niemals gedacht. Also man muss einfach irgendwie versuchen, Dinge, die einen selbst begeistern, trotzdem weiterzumachen.
Und genau das ist auch das, was Mohit gewollt hätte, dass ich nicht aufhöre mit dem, was ich liebe und was er geliebt hat. Und da so viel Kraft zu finden, damit hätte ich nicht gerechnet.
Und ich hätte auch nicht gedacht, dass mir das wirklich so viel hilft in meiner Trauerbewältigung. Aber das hat sich wirklich alles richtig gut entwickelt und es hat sich ausgezahlt, nicht aufzugeben und weiterzumachen.
Ich habe eigentlich noch ganz viele Fragen, aber ich muss langsam hier zum Schluss kommen, zeitlich. Aber die wichtigsten Fragen nehme ich mir jetzt trotzdem noch raus.
Du bist Lehrerin. Ich gehe mal davon aus, dass deine Schülerinnen und Schüler, dass die schon davon mitbekommen haben, was du da so machst. Was sagen die dazu?
Ja, die sind ganz große Fans! Also, ich glaube, während dem TCR war meine komplette Schule ein riesiger Fan. Ich bin auch ganz gespannt, wie das ist, wenn die Schule jetzt wieder beginnt.
Ich bin an einem privaten Gymnasium in Hinterzarten, am Birkelehof, und wir sind an einem Internat. Das habe ich glaube ich nicht gesagt. Und deswegen sind wir auch so eine kleine familiäre Gemeinschaft, so ein bisschen.
Also, wir haben 180 SchülerInnen und kleine Klassen, und man kennt dann schon irgendwie jeden. Ich habe auch das große Privileg gehabt, dass ich eine Woche quasi unbezahlten Urlaub bekommen habe, weil die Ferien erst später gestartet sind.
In dieser Woche hat eine Kollegin mir irgendwann gesagt, dass auf dem Schulgelände alle SchülerInnen irgendwie so fragen: „Ja, haben Sie schon Frau Bossleit gesehen? Ja, wo ist sie denn?“ Und keine Ahnung. Also, ich glaube, es haben alle mega mitgefiebert.
Ich bin ganz gespannt, wie das ist, wenn die Schule losgeht und dann irgendwie alle auf mich zukommen. Ja, das ist spannend, und ich bin mega dankbar, auch einfach so eine Schule gefunden zu haben, die mir so den Rücken stärkt und wo alle so mitfiebern mit dem, was ich mache. Und sie finden das gleichzeitig total verrückt. Also, verständlicherweise finde ich auch, so von außen betrachtet, was ich tue. Aber sie haben auch mega Respekt davor und sind voll die Fans.
Klingt super! Und ich vermute mal, dass es den jungen Menschen oder den jüngeren Menschen auch einiges mitgibt, wenn sie das von der Lehrkraft so miterleben.
Zukunftsperspektiven
Apropos Zukunft: Wie geht es weiter für dich? Stehst du nächstes Jahr wieder beim TCR am Start? Was sagst du? Schwierige Frage. Also, als ich ins Ziel kam oder so ein paar Tage danach war das so ein ganz großes Thema in meinem Kopf, weil die letzten Jahre war es eigentlich immer klar, dass ich das nochmal fahren will. Auch wenn ich letztes Jahr gesagt habe: „Ja, okay, mal schauen, wie die Route wird, blablabla.“
Aber es war eigentlich schon relativ klar, dass ich das nochmal fahren will, vor allem, weil es für mich emotional so einen großen Stellenwert hat. Ja, dieses Jahr ist jetzt anders. Also, ich habe das gewonnen. Mehr kann ich in diesem Rennen halt ja eigentlich nicht erreichen. Also, ich kann im GC, also overall, noch ein bisschen weiter nach vorne fahren. Ja, und ich könnte mir auch vorstellen, dass ich das schon noch besser machen kann als dieses Jahr.
Aber es ist dieses Jahr eigentlich schon ziemlich perfekt gelaufen. Also, ja, so viele Stellschrauben gibt es nicht. Nur was irgendwie das Training vorher angeht, da könnte ich noch mehr trainieren, und ich weiß, dass ich das kann. Aber so viel mehr rauszuholen gibt es halt nicht.
Deswegen TCR: Ich glaube nicht, dass dieses Kapitel für mich komplett abgeschlossen ist, einfach aus diesem emotionalen Grund und weil ich so viel mit diesem Rennen verbinde und das immer in meinem Herzen sein wird. Und immer ein ganz, ganz großer Teil meines Lebens sein wird. Deswegen weiß ich, dass ich wahrscheinlich irgendwann dann nochmal am Start stehen werde. Aber ob es nächstes Jahr so ist, keine Ahnung. Vielleicht brauche ich eine neue Herausforderung.
Podcast mit Carlotta
Wir können das ja beobachten und können hier noch auf etwas völlig anderes hinweisen. Sehr beliebte Gespräche in diesem Podcast sind die beiden mit Carlotta Schumacher, die ich geführt habe in den letzten Monaten und Jahren. Und du machst einen Podcast zusammen mit Carlotta. „Planlos mit Plan“ heißt der. Da will ich noch kurz drauf hinweisen.
Und was ist der planlose Plan für diesen Podcast? Wird man dort weiter dazu etwas hören können, wie sich dein Ultra Cycling entwickelt? Ja, auf jeden Fall! Also, Carlotta und ich haben uns auch 2024 beim TCR kennengelernt. Wir sind sogar zusammen ins Ziel gefahren, weil am Ende die Regel für die Frauen geändert wurde, dass man gemeinsam fahren kann in der Nacht. Genau.
Und dadurch hat sich auch eine große Freundschaft entwickelt. Und wir machen jetzt mittlerweile auch einen gemeinsamen Podcast. Und ja, der Titel ist so ein bisschen Programm. Also, oft haben wir halt einfach keinen Plan, was wir jetzt in unserem Podcast besprechen. Vor allem Carlotta ist einfach Carlotta. Sie ist ein chaotisch-liebevoller Mensch und ist sehr viel unterwegs.
Und deswegen ist es immer schwierig, irgendwie gemeinsame Zeit zu finden, um einen Podcast aufzunehmen. Aber der Hintergedanke war von uns auch so: „Okay, wenn wir einen gemeinsamen Podcast haben, dann bekommen wir auch mehr von dem mit, was wir halt die ganze Zeit über das Jahr so machen.“ Deswegen werden wir auf jeden Fall weiterhin unsere Geschichten, unsere Abenteuer, unsere Ultras da teilen. Genau.
Und dann bekommt man auch auf jeden Fall mit, was ich weiterhin mache.
Freundschaft und Unterstützung
Klingt danach, als wäre die Freundschaft mit Carlotta auch etwas, was dir quasi das TCR ermöglicht hat. Ist das so? Ja, auf jeden Fall! Also, Carlotta spielt einen ganz großen Faktor. Vor allem letztes Jahr – also der Unfall von Moitz war am 12. Februar und wir waren für ein gemeinsames Rennen im April angemeldet, also als Pair: Das Race Across Spain.
Und da war für mich klar: „Okay, das ist zu früh, das schaffe ich nicht. Also, da kann ich niemals fahren.“ Und dann kam Carlotta aber bei mir vorbei und meinte so: „Hey, ich fahre das mit dir.“ Und ich bin ihr da unendlich dankbar, dass sie das gesagt hat und dass sie das mit mir gemacht hat.
Also, sie ist davor noch das andere Race gefahren und hatte irgendwie drei Tage Pause, die sie im Bus verbracht hat, um dann mit mir das nächste Rennen zu fahren. Und das aber mit ihr als Pair zu fahren, das war, glaube ich, genau das Richtige. Also, weil sie Moitz auch gekannt hat und einfach so eine ganz, ganz große Stütze für mich war.
Und gleichzeitig sie aber auch einfach so viel Power ausstrahlt und mir auch gezeigt hat, wie man effizient fahren kann. Genau, also das war ein ganz entscheidender Punkt. Und ja, bin ihr sehr dankbar.
Das sagt Sarah Boslett aus Hinterzarten, die die Flinterwertung des Transcontinental Race 2026 gewonnen hat. Und Sarah, ich sage dir ganz vielen Dank dafür, dass du so offen mit mir darüber gesprochen hast, wie dieses Rennen in diesem Jahr für dich gelaufen ist.
Aber auch darüber, was dir das Ultra Cycling bedeutet und welche Höhen und Tiefen für dich damit verbunden sind. Ja, vielen Dank und vor allen Dingen viel Spaß und viel Erfüllung auch in Zukunft bei dieser wunderbaren Art, Rad zu fahren.
Ja, danke! Danke! Es hat sehr viel Spaß gemacht, hier zu sein. Schön, das freut mich. Danke, bis bald! Danke, ciao!
Ich weiß nicht, wie es euch geht. Mich hat diese Geschichte von Sarahs TCR-Sieg sehr beeindruckt. Einerseits natürlich, weil es so eine große sportliche Leistung ist und andererseits aber auch, weil ich in dem Gespräch eine Ahnung davon bekommen habe, was dieser Sport Menschen bedeuten kann und welche Geschichten damit verbunden sein können.
Wenn ihr Sarah folgen wollt, dann schaut einfach in die Show Notes. Dort habe ich ihren angesprochenen Podcast mit Carlotta Schumacher verlinkt.
Und wenn euch die Folge gefallen hat, dann lasst uns doch eine Bewertung oder einen Kommentar auf den Plattformen eurer Wahl da. Uns hilft das, für noch mehr Leute sichtbar zu sein, und ich finde es auch immer gut, Feedback zu bekommen für das, was ich hier jede Woche mache.
In der kommenden Woche geht es nämlich wie gewohnt weiter hier im Antritt. Am Freitag, dem 4. September, ist es soweit. Und wenn ihr den Antritt etwas eher hören wollt und uns mit einem oder zwei Cappuccini im Monat auf Apple Podcasts oder Steady unterstützen könnt, dann folgt gern dem Link in den Show Notes.
Seit meiner letzten Aufzählung ist unser Antritt-Peloton auf diesem Weg wieder gewachsen. Christian und ich sagen ganz herzlichen Dank für die Unterstützung an Ulrich, Sven, Andreas und Klaus.
Und ich mache mich mit neuem Rückenwind auf die nächste Produktionsetappe. Hier läuft jetzt noch der Song, den Sarah mit ihrem verstorbenen Partner Mohit verbindet und den sie mir freundlicherweise genannt hat.
Und wenn ihr euch für die Songs interessiert, die wir hier jede Woche spielen, ihr findet den Link zu unserer Spotify-Playlist auch in den Show Notes.
Ich sage danke fürs Zuhören und für euer Interesse an so vielen unterschiedlichen Formen des Radfahrens, die wir hier in jeder Woche ausloten können. Und ich wünsche euch allen gute und sichere Fahrt. Bis bald! Ciao!
[Musik: Harmony – Sat Siri]