Hier ist der Antritt, der Fahrradpodcast auf detektor.fm mit der dritten Mai-Ausgabe 2026.
Mein Name ist Gerolf Meyer und ich nehme euch in dieser Ausgabe mit auf einen Außentermin und wir legen auch gleich los. Denn ich bin Ende April auf einer Veranstaltung gewesen, auf der ich unter anderem diese Töne einsammeln konnte.
Das ist der Manta, eine Mischung aus Flugzeug, Einmannzelt und Velomobil. Ich brauche aktuell mit meiner Reiseausstattung etwa 80 Watt Tretleistung, um knapp über 30 einfach zu halten. Und das ist einfach bummeln und schnell fahren gleichzeitig. Also auch diese Freudentränen, wenn ich die miterleben darf, da geht mir das Herz auf. Wo Leute auch wieder was machen können, wo sie sich nicht vorstellen konnten, das zu machen. Das ist so ein Ansporn für mich, das immer weiter zu machen.
Wir sind froh, dass wir Spezialräder herstellen. Also viele haben uns vorher immer ausgelacht, sag ich mal. Aber seit Corona vorbei ist und die Fahrradverkäufe eher zurückgehen, bleiben sie bei uns stabil. Ihr habt es sicher längst erraten und im Titel steht es ja auch: Ich bin nach Freiburg zur Spezialradmesse Spezi gefahren. Und die hat als Thema schon ziemlich lang auf meiner Wunschliste für diesen Podcast gestanden. Denn obwohl ich noch nie da war, hatte ich schon wirklich viel darüber gehört. Und das hat seinen Grund.
Die Spezi war ursprünglich eine Liegeradmesse. Da ging es vor fast 30 Jahren einfach darum, out of the box zu denken. Und Liegerad ist tatsächlich komfortabel und aerodynamisch. Das ist Gabriel Wolf, einer der aktuellen Messeveranstalter der Spezi. Und mit ihm sitze ich am Vormittag des Messesonntags vor den Messehallen in Freiburg. Gabriel spricht auch gleich den Radtyp an, der für mich seit Jahrzehnten symbolisch für die Spezi steht.
Obwohl ich noch nie dort gewesen bin, in meiner Vorstellung ist die Spezi die Liegeradmesse schlechthin. Denn so ist sie mir immer beschrieben worden von Menschen, die am ursprünglichen Messestandort in Germersheim auf der Spezi gewesen sind. Doch dort am Rhein in Rheinland-Pfalz hat die Messe 1996 zum ersten und 2019 zum letzten Mal stattgefunden. Und nach drei Ausgaben in Lauchingen nahe der Schweizer Grenze ist sie 2026 zum ersten Mal in Freiburg zu Gast. Und damit, laut Gabriel, größer als jemals zuvor.
Wir haben 130 Aussteller, nicht Marken, sondern wirklich Aussteller. Und das ist die größte Spezi aller Zeiten. Die zwei Messehallen sind gefüllt. Die Tickets sind ganz klar. Wir hatten gestern noch mit dem Vorverkauf zusammen schon mehr als letztes Jahr in Lauchingen. Wie die Zahl herauskam, das wissen wir erst am Ende des Tages. Aber wir sind super happy und werden auf jeden Fall weit über die 6000 Besucher haben.
Inzwischen hat die Spezi ungefähr 7500 Besucherinnen und Besucher gemeldet. Und mich interessiert, was die alle auf die Messe in Freiburg lockt. Ich bin kein Liegerad-Experte, aber ich wäre überrascht, wenn die 130 Aussteller sich ausschließlich mit dem Thema Liegerad beschäftigen würden. Und natürlich ist das auch nicht so.
Auf der Spezi sieht man, kurz gesagt, das, was im Namen drinsteckt. Es geht um Spezialräder. In den letzten Jahren hat sich die Spezi gewandelt zu einer sehr vielfältigen Fahrradmesse, wo es eben um Lastenräder geht, Velomobile, Liegeräder, auch wenn sie sehr wenig sind mittlerweile. Also das ist der kleinste Teil von der Messe.
Wir haben viele Trikes, dann haben wir eben Seniorinnenräder, wir haben Reha-Bikes. Das ist sehr fest im Bereich von Handbikes zum Beispiel. Da gibt es auch 4×4-Handbikes. Dann ist ein großer Teil halt Inklusionsräder, wo du zu zweit drauf gehen kannst, wo du Personen mit Einschränkungen, Rollstuhl direkt drauf packst. Dann, was habe ich vergessen? Ich muss hier kurz auf den Testparcours schauen. Falträder natürlich. Dann die Kompakträder, die sind immer mehr im Kommen. Das ist ein großes Ding.
Ah ja, und dann die LEV, die Schnittstelle zwischen Fahrrad und Kleinkraftfahrzeug. LEV steht für Light Electric Vehicle. Würde ich jetzt raten? Absolut korrekt. Und da ist gerade richtig Musik drin. Dass Gabriel das so sieht, ist klar, denn er ist seit 2023 einer der Messeveranstalter.
Und ich will an diesem Sonntag selbst schauen, welche Musik drin ist in der Spezi. Dabei ist klar, ein Messetag reicht bei 130 Ausstellern natürlich nicht für ein vollständiges Bild. Ich kann unmöglich an allen Ständen Gespräche führen und mir alles ganz genau anschauen. Ich habe es anders gemacht und mich einfach über die Spezi treiben lassen. Und ich habe mir ganz subjektiv rausgepickt, was mich gerade interessiert oder vielleicht auch Fragen aufgeworfen hat.
Ich kann schon eins vorwegnehmen: Ich habe viele interessante Gespräche geführt und ich bin von dieser Messe auch ein bisschen überrascht worden. Warum das so ist, hört ihr vielleicht in den Interviews raus, die ihr jetzt teilweise etwas gekürzt hören könnt. Und ich wünsche euch viel Spaß mit einem akustischen Messerundgang, der meinen Fahrradwelthorizont ein bisschen erweitert hat.
Hallo, ich bin Gerolf vom Fahrradpodcast Antritt. Wer bist du?
Hallo, ich bin Vivian Detwiele von Eckewerk. Und Vivian, wir stehen jetzt hier vor einem Gerät, einem Fahrrad, das du mir ein bisschen erklären musst. Ich versuche es erstmal so mit meinem Wort zu beschreiben. Also, es sieht so aus wie ein Unterteil von einem Liegerad. Es hat aber auch zwei Stützräder, zwei kleine noch an der Seite, wie so ein Flugzeug. Es hat drinnen wie so eine Liegefläche. Dann liegt was drin, das sieht aus wie ein Schlafsack. Und drüber ist noch wie so eine, ich sage jetzt mal, Plexiglasshaube dazu. Und obendrauf sind kleine Solarpanele, kann man vielleicht dazu sagen. Habe ich das so ungefähr richtig beschrieben?
Ja, absolut richtig. Das ist der Manta, eine Mischung aus Flugzeug, Einmannzelt und Velomobil.
Das ist wirklich auch ein Flugzeug?
Nein, Flugzeug nur, weil es ein Landefahrwerk hat. Es ist ein Zweirad mit Stützrädern, die man während dem Stehen braucht und beim Anfahren. Und dann kann man sie über den Hebel einziehen. Und beim Fahren ist es ein normales Zweirad, wo man auch in die Kurve liegen kann.
Und hast du den Manta entwickelt?
Ja, ich habe den entwickelt. Ich bin jetzt zwei Jahre dran. Ich bin vor zwei Jahren mit dem Fahrzeug nach Marokko gefahren, 7300 Kilometer hin und zurück, und habe jeden zweiten Tag darin geschlafen. Und bin nur eigentlich mit Muskelkraft und Solarzellen unterwegs gewesen.
Dienen die Solarzellen dazu, noch einen Unterstützungsmotor anzutreiben? Ist das ein E-Bike letztlich oder wofür dienen die?
Ja, das ist ein E-Bike. Die Solarpanels, die auf dem Fahrzeug drauf sind, reichen für knapp 40 Kilometer pro Tag an einem schönen Tag. Und die Batterie reicht für 100 Kilometer. Und wenn man zusätzliche Panels dabei hat, wo man ausklappen kann und über Mittag eine Pause machen kann, kann man bis zu 300 Kilometer fahren. Das ist das, was ich in Spanien einmal erreicht habe.
Du hast gesagt, du bist nach Marokko damit gefahren. Hast du den Manta für dich gebaut, um nach Marokko zu kommen? Oder ist es etwas, was du auch anderen Leuten anbietest?
Ja, also ursprünglich ist es so gewesen, dass es diese Vereinigung SunTrip gibt. Die machen jedes Jahr zwei oder drei Rennen, wo es wirklich darum geht, mit Muskelkraft unterwegs zu sein und mit Solarkraft. Und da habe ich mich angemeldet. Und dann ist es halt immer so, wenn man einen Termin hat, dann muss man abliefern. Und dann habe ich das Fahrzeug gebaut und habe dann bis auf den letzten Tag noch daran geschraubt. Und das war vor zwei Jahren. Und seither habe ich das Fahrzeug noch verfeinert. Und jetzt ist es so, dass man es bei mir kaufen kann. Ich habe 16 Wochen Lieferfrist. Man kann auf meiner Webseite die verschiedenen Varianten ansehen und eine Vorbestellung oder Bestellung machen.
Was kostet so ein Manta?
Der Manta, der jetzt so hier steht, kostet knapp 10 000 Euro. Und was würdest du sagen, für wen ist der Manta das richtige Gefährt?
Gute Frage. Man kann natürlich pendeln damit. Der Vorteil ist, es ist geschlossen. Man kann auch im Regen fahren. Ist aber auch natürlich gemacht, um längere Reisen zu machen, da man ja darin schlafen kann. Man kann lange Strecken fahren. Es ist sehr bequem. Und ja, es ist eigentlich ein Fahrzeug für jeden Tag.
Warum heißt das Fahrzeug eigentlich Manta?
Gute Frage. Der Manta ist ja ein Fisch, der fliegt über den Boden im Wasser. Und das ist genau das Gleiche. Man fliegt hier eigentlich, aber man ist auf dem Boden. Darum Manta. Das heißt, das Fahrgefühl ist so eher das des Fliegens, was du hast damit?
Genau, das Fahrgefühl ist so, wie man das Gefühl hat, was ein Manta wahrscheinlich hat, wenn er über die Sandbänke unter Wasser gleitet.
Was muss man machen, damit es gut fährt, damit es sich gut verhält? Was sind so, also bei einem normalen, Entschuldigung, wenn ich normal sage, aber bei einem klassischen aufrechten Fahrrad, was wir so vor Augen haben, könnte ich das ungefähr einschätzen. Hier weiß ich es eigentlich gar nicht. Worauf kommt es hier an?
Es ist so, dass das Fahren muss man erlernen. Es ist so, dass es etwa 40 Starts und Stops braucht, bis man das Ganze mit dem Fahrwerk, mit dem Landefahrwerk im Griff hat. Man kann aber in dieser Zeit natürlich ganz normal mit den Füßen auf den Boden und so starten, wie mit einem normalen Liegefahrrad. Das braucht es eigentlich. Man braucht einfach ein bisschen Zeit, bis man es erlernt hat. Und dann ist es eigentlich ganz normal. Man kann es fliegen, man kann es fahren. Es ist wie Fliegen im Prinzip.
Und ich stelle es mir jetzt so vor, dass man also startet, während die zwei Haupträder und dieses Fahrwerk, was zwei zusätzliche Räder sind, während die alle Bodenkontakt haben. Und dann werde ich es wahrscheinlich irgendwann, diese zwei zusätzlichen Räder, dieses Landefahrwerk, einklappen, während der Fahrt, oder?
Ja, genau. Man fährt an, sobald man das Gleichgewicht hat, zieht man den Hebel. Und dann hat man zwei Räder und fährt so weiter. Und natürlich an der Ampel oder beim Stopp hält man an. Und sobald man das Gefühl hat, beim Fahrrad ist natürlich den Fuß reinzuhalten, dann drückt man den Hebel und dann ist man wieder stabil.
Gibt es ein Detail, auf das du besonders stolz bist? Das ist das Fahrwerk oder ist es etwas anderes?
Ja, das ist schon das Fahrwerk. Es gibt verschiedene Lösungen. Und dass das Fahrwerk von Hand so einfach raus- und reinfahrbar ist, das war wirklich eine Challenge. Da habe ich wirklich viel am Computer und schlussendlich auf dem Schweißbank Sachen immer wieder mal verändert, bis es so funktioniert hat, wie es jetzt geht. Und da bin ich stolz drauf.
Super, danke dir.
Danke. Ich bin jetzt hier auf dem Parkplatz vor der Spezi, also vor der Messehalle, und habe hier so ein bisschen rumgeschaut und habe jetzt Daniel hier getroffen. Daniel ist hier mit einem Gerät, das ich ohne mich wahnsinnig gut damit auszukennen als Velomobil erst mal beschreiben würde. Es ist lila mit so grünen, naja, so erinnert es ein bisschen an so eine Flammlackierung. Ich sehe so ein bisschen Carbon, glaube ich, als Material durch. Manche Leute würden das vielleicht als Zigarre beschreiben. Es hat ein Hinterrad, zwei Vorderräder. Und ich sage erst mal Hallo, Daniel.
Hallo. Ja, ich bin der Besitzer. Das ist ein Velomobil und das ist, wenn man es genau wissen will, ein Milan GT Mark 7. Und ja, das ist mein Reisefahrrad, mit dem ich verrückt lange Strecken fahre.
Von Milan GT habe ich sogar schon mal gehört. Der war auch schon mal Thema bei uns im Podcast. Dann verstehe ich das so, dass du den Milan nicht selbst gebaut hast, sondern dass du ihn dir gekauft hast. Du bist einfach wahrscheinlich enthusiastischer Fahrer.
Ja, genau. So ist es. Ich habe mir den bei einem Händler, der ist für meine Verhältnisse quasi ums Eck in Aichach bei Augsburg gekauft. Und die Dinger werden eigentlich auch in Serie hergestellt, aber halt auf Bestellung. Und nachdem ich jetzt mir eigentlich ein teures Rennrad ursprünglich kaufen wollte und festgestellt habe, die Preisdifferenz ist nicht mehr so groß, habe ich mich tatsächlich für ein Velomobil entschieden als Komfort- und Langstreckenfahrrad.
Also das ist ein super Fahrrad, um Strecke einfach zu machen. Das ist interessant, wenn du sagst, dass du eigentlich ursprünglich ein Rennrad wolltest. Was hat dich dann überzeugt, eher hier zu so einem Velomobil zu greifen?
Die noch höhere Geschwindigkeit einerseits und tatsächlich, dass man sehr bequem fährt. Also man hat keine Probleme mit dem Rücken, Arsch, Hände, Gelenke, irgendwas. Man liegt einfach da sehr bequem drin und kriegt gut Kilometer gefressen. Also noch mal besser als mit dem Rennrad und ohne die Unbequemlichkeit dabei.
Wie setzt du das Rad ein? Was sind so deine typischen Fahrten damit?
Von der Anzahl der Fahrten ist es Pendeln. Das ist tatsächlich auch mein Alltagsrad geworden. Also ich fahre damit meine paar Kilometer zur Arbeit hin und zurück und mache auch kleine Einkäufe. Und Haupteinsatzzweck für mich, wo ich die meisten Kilometer mache, sind meine Langstreckenfahrten. Das ist dann eher so von 300 bis 500 Kilometer am Stück, manchmal auch etwas mehr. Einmal durfte ich eskalieren, dann sind es 1850 Kilometer in einer Woche geworden. Und ich könnte das mit keinem anderen Rad so machen, schon gar nicht als untrainierter Kettenraucher.
Bist du einer von diesen Brevet-Fahrern?
Nein, tatsächlich nicht. Ich habe es ein paar Mal probiert, aber ich mache mir meine Brevets lieber selber. Ich suche mir meine Strecken selber und mache auch mein eigenes Tempo. Beim Brevet ist man ja dann doch genötigt, in Anführungszeichen, irgendwann mal da zu sein. Und man kann es zeitlich schaffen, aber ich habe es lieber ohne Zeitdruck.
Immer wenn ich mit anderen Leuten, die sich nicht so viel mit Fahrrädern beschäftigen, über Velomobile spreche, dann ist die erste Frage, die im Raum steht: Wie sicher ist denn das? Das ist ja so flach. Kennst du das auch? Wirst du das auch gefragt?
Das ist so eine der häufigsten Fragen. Man wird nicht gesehen. Der tatsächliche Sicherheitseindruck ist ein viel, viel entspannterer als mit einem normalen Fahrrad. Ich habe deutlich weniger knappe Überholmanöver oder komische Situationen mit dem anderen Verkehr. Man wird mehr akzeptiert im Verkehr. Und eigentlich, wenn man das fährt, stellt man fest, es ist so ziemlich eines der sichersten Fahrräder. Auch gerade von der Akzeptanz.
Weil man vielleicht auch so ein bisschen, ich sag mal, so ein Kuriosum ist, vielleicht blöd ausgedrückt, aber so Velomobile sieht man jetzt ja nicht täglich im Verkehr, irgendwie zehn Stück, dass man dran gewöhnt ist. Also gibt es so diesen Effekt?
Ja, man ist definitiv ein Ufo im Verkehr und man wird sehr gut wahrgenommen, teilweise sogar störend, dass die Leute im Kreisverkehr vor einem warten und dann einen unnötig vorlassen wollen, anstelle einfach durchzufahren. Also es gibt immer wieder, weil man gesehen wird, zu nette Leute, die dann einem Vortritt gewähren, wo sie es eigentlich gar nicht nötig hätten. Und dann macht es die Situation kompliziert. Das ist so das Maximum. Aber man fällt schon sehr auf. Das ist auch so mit einer der Nachteile, sag ich mal, die man hat. Man muss das akzeptieren können, dass man auffällt wie ein bunter Hund. Das heißt, man wird auch öfter mal angesprochen. Grundsätzlich fast bei jeder Fahrt zwei, drei Leute immer. Also man kommt nicht davon, ohne dass man angesprochen wird. Das geht eigentlich nicht.
Jetzt sind wir hier auf der Spezi. Für mich von außen gesehen ist die Spezi so, ich verstehe sie so als eine Art Klassentreffen so einer Szene, die jetzt sich nicht in diesem, sag ich mal, Massenfahrradmarkt vielleicht immer wieder findet. Korrigiere mich gern, wenn du das nicht so siehst. Aber fühlst du dich als Teil dieser Szene?
Oh ja, also definitiv ist das hier ein Szene-Treffen. Wir kommen, glaube ich, aus halb Europa hier zusammen. Also ich habe jetzt noch nicht mal die längste Anfahrt. Da sind Leute dabei, die kommen aus Berlin auf eigener Achse mit dem Fahrrad hierher, teilweise auch noch weiter. Und das ist unser jährliches Szene-Highlight, wo wir mal die meisten Leute mit denen wir eigentlich sonst Kontakt haben, nicht nur mal schreiben, sondern auch tatsächlich gegenüberstehen.
Aber es ist auch einfach Messe und schön, die Neuheiten zu sehen bei den Herstellern und sich mal wieder ein bisschen Fahrradteile und so. Also jeder Fahrradnerd weiß, Fahrradmesse ist lustig, Fahrradmesse ist interessant, Sachenprobe fahren und so. Aber ja, für unsere Szene ist das auch noch so unser Highlight, so zum Socialisieren.
Wie würdest du diese Szene beschreiben? Was macht die aus?
Am ehesten viel Akzeptanz und Offenheit gegenüber Leuten und Einstellungen. Also es ist eine sehr offene, entspannte Szene, weil jeder ist ein bunter Hund. Und spätestens die Leute mit Velomobile, man kann ja sagen, was man will, aber man muss entspannt sein, um einfach schon so ein Fahrrad zu fahren. Dann wird man auch entspannt gegenüber anderen Leuten. Das ist so eine gute Grundeinstellung.
Was magst du besonders an deinem Milan, wenn du mit ihm fährst?
Oh, das faule bequeme Fahrradfahren. Also mal abgesehen von Bergauf-Passagen, wo halt einfach das Gewicht ein bisschen doof ist, ist es ein sehr, sehr entspanntes, leichtes Vorankommen und halt bequem, sehr, sehr bequem. Ich kann es gar nicht anders beschreiben.
Liegt das an diesem reduzierten Luftwiderstand, den man hat, durch die Verkleidung, durch die tiefe Sitzposition, dass man dadurch, du sagst, faul, aber einfach ein bisschen, vielleicht kann man es auch als energieeffizienter beschreiben, dass man deswegen da so unterwegs ist?
Energieeffizienz trifft es gut. Also ich könnte es sogar ein paar Zahlen nennen. Ich brauche aktuell mit meiner Reiseausstattung etwa 80 Watt Tretleistung, um knapp über 30 einfach zu halten. Und das ist einfach bummeln und schnell fahren gleichzeitig. Und wenn man ein bisschen sportlicher ist, kann man auch ganz schnell weit über 50 km/h erreichen. Und das ist schon so Fahrradfahren und Cheaten gleichzeitig.
Ich finde es immer sehr überzeugend, diese Zahlen sich mal zu vergegenwärtigen. Und trotzdem sind wir ja hier, also ist ja ein Velomobil, haben wir vorhin schon festgestellt, das ist jetzt nichts wirklich Alltägliches. Also vielleicht bei dir zu Hause, weil die Leute dich kennen, die sehen dich dann immer mit dem Milan vorbeifliegen. Aber was würdest du denken, warum ist trotz dieser Effizienz und dieser Dinge, die dich überzeugen, ist es trotzdem eher ein Randphänomen?
Ich denke, für die meisten Leute ist es tatsächlich einmal ein zu ungewohntes Fahrzeug, zu abseits von dem, was man kennt. Und dann sind die Leute einfach mal, sage ich, schamig, sowas überhaupt mal in Erwägung zu ziehen oder finden es verrückt. Die nächste Hürde ist wahrscheinlich auch noch der Einstieg und der Preis sowieso. Also das meiste, was ich höre, wenn ich den Preis nenne, da kann man sich ja ein Auto für kaufen, relativ gesehen. Für mich ist es ja gleichzeitig ein Autoersatz und somit habe ich keine Kosten mehr beim Auto für den Individual. Und dann hat sich das eigentlich auch schon ziemlich schnell wieder reingeholt, der Preis. Und ohne Steuern bei den aktuellen Benzinpreisen ist man schon ganz froh damit.
Deine vierte Spezi, ist das?
Das ist jetzt meine vierte. Ich habe den Milan auch erst seit vier Jahren. Vorher wusste ich nicht mal, dass es eine Spezialradmesse gab. Und die hat, glaube ich, sogar ein paar Jahre davor pausiert. Also die gibt es jetzt noch gar nicht so lange wieder. Und ich denke, ein paar werden noch folgen, auf jeden Fall.
Jetzt ist die Messe zum ersten Mal in Freiburg. Es ist deine vierte. Was ist so dein Eindruck hier?
Kein schlechter. Also ich glaube, wir als Szene müssen uns leider noch an den neuen Standort ein bisschen gewöhnen. Der alte war etwas kuscheliger, der war eher für die Szene gedacht und weniger als Messe. Hier ist es mehr Messe und das finde ich an sich nicht schlecht, weil es mehr Menschen anguckt. Man sieht es deutlich, dass hier deutlich mehr Publikum da ist. Und die Messe soll ja auch nicht auf die Szene spezialisiert sein, sondern auf alle Leute. Und prinzipiell finde ich, das ist eine gute Richtung für die Messe.
Danke dir.
Hallo, ich bin Gerolf vom Fahrradpodcast Antritt. Wer bist du?
Ich bin der Markus Pohl von der Drehzeug GmbH. Markus, wir stehen hier vor einem Fahrzeug, das ich mal kurz versuche zu beschreiben, denn ich bin zum ersten Mal auf der Spezi. Ich habe so ein Fahrzeug noch nie gesehen. Also das Fahrzeug hat vier Räder. Die Räder sind geschätzt ungefähr 20 Zoll groß, sind aber Fatbike Räder. Es hat so einen Schalensitz, wie man das kennt von einem Liegerad. Das ist so ein tieferes Fahrzeug.
Die vorderen beiden Räder sind gelenkt und ich habe interessanterweise vorne so eine Ablage, in die wahrscheinlich Füße reinkommen. Und ich habe eine Kurbel, die mir sehr nach Handbetrieb aussieht. Habe ich das richtig beschrieben?
Das hast du richtig beschrieben, ja. Es ist ein Handbike, also um genau zu sein ein Handquad, also mit vier Rädern halt. Und die Besonderheit daran ist, es hat Allrad. Das heißt, es sind alle vier Räder angetrieben. Es hat eine neige- Kipplenkung. Und das Coole daran ist, es ist für Rollstuhlfahrer designt von einem Rollstuhlfahrer, der unbedingt wieder in die Berge wollte.
Und wir haben dort halt noch den Allrad und auch die automatische mechanische Differenzialsperre, wie ich sie nenne. Wir haben in jedem Rad hier einen Freilauf drin, die Möglichkeit, ganz leicht 40 Prozent Steigung und mehr zu überwinden.
Das klingt super interessant. Ich muss dazu sagen, als du eben neige-Kipplenkung gesagt hast, hast du diesen, wie sagst du dazu?
Ich würde es jetzt vielleicht Lenkdom nennen oder so.
Ja, genau, wir nennen das den Lenkmast.
Ah, den Lenkmasten, so hin und her geneigt.
Genau, der wird hin und her geneigt und damit bewegen sich die Räder, also die Lenkstangen und die treiben dann halt hier die Achsschenkel an und bewegen die Räder nach links und nach rechts. Und ich sehe hier auch noch einen Motor, würde ich sagen. Das ist wahrscheinlich ein Motor?
Also es handelt sich um ein E-Bike letztlich.
Genau, also es ist ein Pedelec. Das ist ein Oli Sport Plus Motor, der hat 85 Newtonmeter und ist sehr gut auf das Handbike abgestimmt, weil die machen dann so eine eigene Software nur für dieses Handbike. Der hat einen sehr sanften Anspruch, ist sehr leise. Man hat den ja vor dem Gesicht und hat ganz viele Torque-Sensoren. Das heißt, wenn man die Kurbel nur so einen Zentimeter bewegt, dann fährt das schon los. Und man kann damit auch wirklich Anfahren am Berg machen. Also wirklich auch an einem steilen Berg. Man kann da stehen bleiben, mittendrin, und dann kann man auch wieder am Berg losfahren.
Und als Rollifahrer ist das ja wichtig, wenn man sich irgendwo verschalten hat oder so, dann muss man wieder vom Fleck kommen. Deshalb haben wir auch ein Getriebe, was standschaltbar ist. Also das ist ein Pinion T1 12. Die hat zwölf Gänge über 500 Prozent Gangspreizung. Und damit wir übersetzen und untersetzen können, haben wir oben noch mal zwei Kettenblätter. Wir doppeln die Pinion noch mal. Das heißt, wir können wie ein Unimog oder wie ein Traktor haben wir so einen Schildkrötengang. Damit kann man dann richtig ackern oder halt über 40 Prozent Steigung berghoch fahren oder mehr. Und das große Kettenblatt ist dann einfach für den Straßengang oder der Rest der Straßengang.
Du hast eben schon gesagt, es ist von einem Rollstuhlfahrer für Rollstuhlfahrer entwickelt. Wir haben jetzt eben hier davor gestanden, also du bist nicht der Rollstuhlfahrer offensichtlich. Kannst du mir trotzdem was zu sagen zu der Motivation? Also ist das jemand, der einfach Lust hatte, im Gelände zu fahren oder was ist die Geschichte dieses Fahrzeugs?
Die Geschichte ist, wir selber als Firma wollten eigentlich ursprünglich mal, also zuallererst einfach Familienräder bauen oder so Fernreiseräder mit Vierrädern. Haben dann aber auf dem Weg dorthin eben zwei superpfiffige Entwickler kennengelernt, die schon seit über sechs Jahren an diesem Handbike-Projekt dran waren. Und lustigerweise wohnen beide gerade mal im Umkreis von zehn Kilometern von uns. Wir haben einen taiwanesischen Getriebehersteller kennengelernt und wir fanden das Projekt dann eben so cool, dass wir gesagt haben, wir machen das zusammen. Haben das dann vorgezogen und haben dann das Handbike-Projekt zuerst gestartet. Und das zweite Modell, was wir jetzt… Eben haben das ist ein Fernreiserad oder ein Familienrad, auch mit Vierrädern. Genau, aber das ist dann eben eine ganz andere Zielgruppe. Das ist dann für quasi Fuß- oder Beinbetrieb.
Hintergrund der Idee
Wie kommt man auf die Idee? Was ist der Hintergrund hinter der Idee, zu sagen, wir wollen Räder herstellen, aber mit Vierrädern? Also, ich habe da mal eine Zeit lang in Zürich gelebt und da bin ich immer jeden Tag mit dem Rad in die Arbeit gefahren. Und da habe ich immer die ganzen armen Leute gesehen, die in dem SUV für zwei Kilometer irgendwie zwei Stunden im Stau gestanden sind auf der Hardbrücke.
Und ich bin da immer vorbeigefahren und habe mir gedacht, das ist eigentlich total bescheuert, weil die sollten sich doch auch ein bisschen mehr bewegen. Und es wäre halt gut, wenn man auch etwas hätte, wo man im Winter halt ordentlich Traktion und halt auch irgendwie kippstabil und halt auch mit Eis irgendwie sicher umgehen kann.
Und da kam eigentlich meine Motivation her, vor ein paar Jahren die Firma zu gründen. Und dann habe ich da ein sehr gutes Team gefunden, die mich jetzt dabei unterstützt. Die Firma heißt Tretzeug, ne? Genau, Tretzeug GmbH. Also von Treten. Genau. Das klingt super spezialisiert.
Erfahrungen und Kundschaft
Dieses Handbike klingt nochmal spezialisierter. Du hast gesagt, da hatte jemand schon die Idee. Es wurde mit diesen zwei Ingenieuren zusammengearbeitet. Wie sind jetzt eure Erfahrungen? Seit wann ist es auf dem Markt und wer ist die Kundschaft?
Also, wir haben jetzt seit 2023 angefangen, haben halt das erste Modell fertig. Wir haben jetzt im Moment so, ich glaube, die 21 Stück sind schon unterwegs. Die Fahrer sind rund um die Kundschaft, hauptsächlich aktive Rollstuhlfahrer. Also die meisten haben halt irgendwie eine Querschnittslähmung, haben irgendeinen Unfall und wollen aber noch sporteln.
Also es waren zum Beispiel Mountainbikesportler oder irgendwie andere Athleten, die einfach gerne sich weiterhin bewegen möchten. Und vor allem die, die halt in die Natur möchten. Es gibt schon ganz viele andere Bikes in dem Bereich, vor allem halt Downhillbikes oder halt Trailbikes.
Also jedes hat sein Für und Wider. Und wir sind halt dann in diesem Pendant. Wir ergänzen diesen Bereich um eben die Kletterer. Also wir sind halt die Abhiller. Denn wir sind, glaube ich, jetzt im Moment so mit dem Allrad und der Traktion also relativ die einzigen, die jetzt halt eine 40-prozentige Steigerung über Geröllfelder und Schneefelder überwinden können.
Einsatzmöglichkeiten
Genau, das sind also alle Leute, die quasi weg von der Straße wollen und wirklich mal wieder in die Berge, in die Natur wollen. Aber genauso gut in der Stadt, wenn halt irgendwie Hindernisse kommen, wie zum Beispiel diese Elektroroller, die mal in Frankfurt am Boden rumliegen oder halt irgendwie andere Hindernisse wie Treppenstufen oder solche Sachen, könnte man damit auch drüberfahren.
Das heißt, man kann damit Treppen runter, würde ich sofort glauben, wenn ich das sehe. Aber kann man auch Treppen hochfahren damit? Man kann Treppen hochfahren. Es hängt natürlich immer davon ab von der Stufenhöhe. So bis 15 Zentimeter, 16 Zentimeter hohe Stufen geht es gut. Und dann ist natürlich auch eine physikalische Grenze erreicht.
Ich habe ein Video da auf YouTube, wo ich so einen Cottbus, so eine Stadttreppe hochfahre. Das kann man sich gerne mal anschauen. Dazu, was kostet so ein? Wir haben den Namen noch gar nicht gesagt. Manul 4×4. Habe ich das richtig ausgesprochen? Der Namensgeber ist eine Gebirgskatze aus dem Himalaya-Gebirge. Das ist so etwas wie ein Luchs.
Preis und Finanzierung
Die Katze wird oft so auf 5000 Höhenmetern gesichtet und kann halt auch sehr gut klettern. Aber natürlich das Wort „manual“ ist auch drin, weil wir einen Handantrieb haben. Genau. Das Manul 4×4 kostet so einen Einstiegspreis von 16.250 Euro. Liegt natürlich daran, weil es eine absolute kleine Serienfertigung ist und halt auch schon aufwendig ist.
Wir haben aber tatsächlich jetzt schon einige Kunden, die das über Crowdfunding auch irgendwie finanzieren konnten. Die Berufsgenossenschaft unterstützt das meistens zu 90 Prozent. Das heißt, wenn es ein BG-Unfall war, sind Versicherungen dahinter stehen. Also wir unterstützen gerne immer, wenn es eine Finanzierungshilfe oder Ideen gibt, wie man es finanzieren könnte.
Individuelle Anpassungen
Wenn ich mir jetzt vorstelle, ich wäre ein in Anführungsstrichen normaler Fahrradhersteller, würde irgendwie Fahrräder herstellen, dann würden Leute zu mir kommen, die würden sagen: „Ja, okay, das gefällt mir, das kaufe ich.“ Aber es gibt ja noch andere. Ich weiß nicht, ob es andere solche Fahrzeuge gibt wie das Manul.
Ich könnte mir aber vorstellen, dass ihr schon für Leute, die das wollen, also die querschnittsgelähmt sind, wahrscheinlich, sind die im Rollstuhl sitzen und dann ins Gelände wollen, dass ihr eine echte Lösung seid, die man wahrscheinlich nicht so oft trifft, oder? Ja, korrekt. Also es ist auch sehr individuell natürlich dann angepasst auf den Kunden.
Deshalb kommen die Kunden natürlich dann auch zu uns. Wir machen mit denen eine richtig ordentliche Probefahrt, so von zwei bis drei Stunden, oft durchs Moor. Und dann fahren wir immer noch den Schlittenberg von meiner Tochter, den wir liebensvoll den Todeshügel nennen, hoch. Und dann schauen wir, was geht und was nicht geht, um zu gucken, was denn notwendig ist.
Feedback und Emotionen
Und wenn das so ist, dass ihr denen also wirklich ein echtes Problem löst, einen starken Wunsch wahrscheinlich erfüllt, wie ist so das Feedback und wie ist eure Beziehung zu den Leuten, die diese Räder kaufen? Also meistens ist es so, wenn wir diesen Schlittenberg oder den Todeshügel überwunden haben, dann sind da Freudentränen dabei, weil sie oft sowas schon seit 20 Jahren nicht mehr gemacht haben und da nicht mehr hingekommen sind.
Und wir bekommen ganz viel Feedback. Die schicken uns dann immer die Touren, die sie gemacht haben, irgendwie per Messenger oder schicken uns Bilder, wo sie gerade sind oder so im Kaunertal oder neben irgendwelchen Gipfelkreuzen. Und dann sind eigentlich durch die Bank sehr, sehr happy.
Und wie happy macht dich das, das mitzubekommen? Sehr glücklich. Also das ist im Moment so etwas Besonderes einfach. Also auch diese Freudentränen, wenn ich die miterleben darf, da geben mir das Herz auf.
Technische Herausforderungen
Was ist das herausforderndste, was euch vielleicht auch ein bisschen unterscheidet bei einem vierräderigen Fahrzeug jetzt im Vergleich zu einem klassischen Fahrrad mit zwei Rädern? Also wo muss ich technisch am meisten Engagement reinstecken, um eine wirklich funktionierende Lösung zu finden?
Also einmal der ganze Antrieb, natürlich, dass man das auf alle vier Räder verteilt. Dann halt so eine Differenzialfunktion auch haben. Ja, und ansonsten Rahmenbau ist natürlich auch anspruchsvoll, dass er die Kräfte aushält. Es ist eigentlich an keiner Stelle des Fahrzeugs irgendwie eine Langeweile dabei.
Aber wir haben wirklich ein sehr, sehr gutes Team und es macht Spaß, immer wieder super gute Lösungen zu finden. Klingt gut. Wie wichtig ist die Spezi für euch? Sehr, sehr wichtig. Ich würde einmal sagen, das ist die schönste Messe oder schönste Bikemesse Deutschlands.
Also wir sind ja immer sehr gut aufgehoben und das Klientel ist einfach top. Dieses Mal haben sie es auch wieder super organisiert. Also ein großes Dankeschön an Wolf und Wolf. Es war wirklich klasse und super, super organisiert und wir kommen gerne wieder.
Gemeinschaft und Austausch
Und was macht das für dich aus? Also du sagst ja gleich so, das ist die schönste Messe. Also über diese Organisationssachen jetzt hinaus, was macht das noch für dich aus? Was ist Spezi? Was es auch so schön macht vielleicht für dich? Vielleicht so ein Gefühl von Familie, weil die Leute alle halt man kennt sich schon.
Also ich meine, man trifft auch immer wieder die. Also viele Leute kommen immer wieder und sehen auch jedes Jahr. Also man trifft sich jedes Jahr dann auch wieder. Was ich irgendwie besonders, was ich gut daran finde persönlich, ist, dass in dieser Familie die nicht alle gleich sind.
Also das sind ja die Fahrzeugkonzepte, die sind ja höchst unterschiedlich. Aber da scheint es so auch einigen Austausch über diese Kategoriegrenzen hinaus zu geben. Genau, das ist eben auch eines der schönsten Sachen. Es ist hier mehr so ein Miteinander.
Das heißt, man kennt ja auch die ganzen anderen Hersteller. Man tauscht sich auch aus, man findet auch neue Ideen. Man kann auch irgendwie was gucken. Wir haben es natürlich auch gucken. Wir haben es dann die anderen gelöst, manche Sachen.
Das ist aber hier insgesamt kein Ellenbogengefühl, sondern man hat so das Gefühl, man kann mit jedem reden und alle helfen sich gegenseitig. Und dass sich ja in dieser ganzen Mobilitätswelt was ändern muss, sind wir uns ja alle einig.
Mobilitätseingeschränkte Menschen
Also es muss irgendwie auf allen Enden und auf allen Ebenen weitergehen. Das ist Miteinander eben ein ganz wichtiger Faktor. Ich bin zum ersten Mal auf der Spezi und ich habe den Eindruck, dass ich hier mehr Menschen sehe, die mobilitätseingeschränkt, glaube ich, die richtige Formulierung sind. Oder die eine Behinderung haben.
Meine Frage an dich ist eigentlich: Würdest du das bestätigen? Ich kann mich nicht direkt an andere Fahrradmessen erinnern, wo der Anteil dieser Menschen größer war. Wo ich doch eigentlich weiß, dass sie auch in der Gesellschaft natürlich einen gar nicht so kleinen Anteil haben. Würdest du meinen Eindruck teilen? Den kann ich teilen, den Eindruck.
Es liegt aber auch daran, weil für dieses Jahr und auch schon die letzten Jahre in der Spezi auch viel mehr Mobilitätskonzepte vorgestellt wurden und dann auch aktiv damit quasi auch, wenn man die Leute ins Boot holen möchte, die halt eben sonst nicht so rum können.
Die trifft man normalerweise nur auf Reha-Messen. Auf den Reha-Messen hast du dann nicht diesen Flair und auch nicht diese ganze Fahrradwelt. Es sind halt vereinzelt Handbike-Hersteller da, aber das ist genau eindrucktelig. Und ich finde es schön, dass es so geöffnet werden konnte.
Vorstellung und Produkte
Hallo, ich bin Gerolf. Wer bist du? Hallo, mein Name ist Anja Wrede. Wir sind hier auf der Spezi zum ersten Mal mit Framerunnern. Framerunner, Racerunner wurden entwickelt vor ungefähr 30 Jahren in Dänemark von zwei Leuten, die im Walker rückwärts auf einer Leichtathletikbahn gefahren sind und sich überlegt haben, sie müssen mal irgendwie was anderes machen.
Da waren Fachbegriffe drin, die müssen wir klären. Walker im Sinne von einfach walking, also nicht running, sondern walking. Oder reden wir da schon über eine andere? Rollator? Ja, Entschuldigung. Also ich wohne in den USA und so, jetzt diese ganzen Fachbegriffe in dem Bereich sind für mich irgendwie kommen eben in Englisch an.
Das ist überhaupt kein Problem, nur damit man es versteht, weil die Leute, die uns zuhören, die sehen ja das nicht. Wir können ja vielleicht auch so einsteigen, dass ich vielleicht mal kurz mit meinen leidenden Augen in diesem Bereich versuche, dieses Fahrzeug zu beschreiben, vor dem wir stehen.
Also es handelt sich um ein Dreirad. Es hat ein Vorderrad und zwei Hinterräder. Das Vorderrad ist gelenkt. Es gibt einen Sattel. Es gibt einen Lenker. Es gibt eine Art Oberkörperstütze, würde ich sagen. Und ich sehe keinen klassischen Antrieb, also keinen Kettenantrieb oder sowas. Ich sehe keine Kette, kein Zahnrad, kein Riemen, keinen Motor.
Einsatzbereich der Framerunner
Und du hast eben, glaube ich, schon gesagt, Frame Runner. Das steckt vielleicht auch ein bisschen drin oder Frame Runner. Das ist ein Fahrzeug, wo man drauf sitzen kann, wie du es gerade beschrieben hast, für Leute mit Balanceproblemen zum Beispiel oder Cerebralparese oder MS, Parkinson’s, alles Mögliche mit Balanceproblemen, was man sich vorstellen kann.
Was ist eine Cerebralparese? Cerebralparese ist, wenn man zum Beispiel bei der Geburt nicht genug Sauerstoff hatte oder das Kind bei der Geburt nicht genug Sauerstoff hatte. Das heißt, manche Körperfunktionen funktionieren dann einfach nicht.
Das sind Leute, die oft im Beruf Rollstuhl sitzen und nicht richtig Kreislaufarbeit machen können. Und bei diesen Fahrzeugen, da können sie richtig loslegen und richtig laufen, richtig schnell laufen auch. Es gibt Wettkämpfe. Es ist jetzt ein paralympischer Sport. Zum ersten Mal 2028 in Los Angeles.
Da sind wir natürlich sehr gespannt drauf, weil es gibt einige Sportvereine in Deutschland jetzt, die das benutzen. Und es ist im Prinzip für viele Leute ein Ganzkörpersportgerät. Sie müssen sich festhalten, müssen lenken und laufen schnell laufen.
Im Sport kann man auch sehen, haben die an den Schuhen manchmal Spikes, damit sie richtig sich abstoßen können. Wir sind eine Firma die in den USA und in Deutschland ansässig ist. Und in Deutschland arbeiten wir im Moment an der Hilfsmittelnummer, damit eben auch Leute, die nicht so viel Geld haben, das zum Beispiel von der Krankenkasse bezahlt bekommen.
Motivation und Produktion
Wie bist du Herstellerin dafür geworden? Was ist deine Motivation, dein Hintergrund? Also ich bin Fahrradhändlerin seit 35 Jahren. Ich habe in meiner Heimatstadt Potsdam angefangen und bin 2006 in die USA ausgewandert mit der Idee, Fahrräder oder Fahrzeuge für Leute mit Behinderungen herzustellen.
Und die USA hat jetzt einfach etwas mit meinem Lebensabschnitt zu tun. Aber mein Mann und ich, wir haben da nie aufgehört. Wir produzieren immer noch Fahrräder in Taiwan und in den USA, vertreiben die in den USA, aber eben auch wieder in Deutschland.
Und wie kamst du zu dieser Motivation, zu dieser Idee, Fahrräder für diese Leute anzubieten? Also mein erstes Fahrradgeschäft in Potsdam, was ich hatte, das waren Leute ohne Behinderung. Und das hat mir auch immer Spaß gemacht.
Aber irgendwie habe ich dann mal irgendwann ich glaube in Bochum bei Trimobil ein Praktikum gemacht. Und die Dankbarkeit ist einfach total anders. Ich kann viel besser mit Leuten arbeiten, denen ich Ideen geben kann, Sport zu machen oder eine Freizeitbeschäftigung zu finden, die hilfreich ist, die einfach Spaß macht, wo Leute auch wieder was machen können, wo sie sich nicht vorstellen konnten, das zu machen.
Das ist so ein Ansporn für mich, das immer weiter zu machen. Wenn man sich dann vornimmt, okay, ich möchte mich um Fahrzeuge für diese Menschen kümmern, was macht man dann? Was ist dann der nächste Schritt dazu, dass man dann eben die Herstellerin ist?
Produktion und Kosten
Also habt ihr eine eigene Produktion, lasst ihr woanders produzieren? Also wir produzieren im Prinzip nur in Taiwan, weil die Kosten einfach, wenn man entweder in Europa oder in den USA produziert, einfach zu hoch sind.
Und viele dieser Sportgeräte, wenn man sich das jetzt so anguckt und hier über die Spezi geht und sich die Preise anguckt, das ist schon alles sehr hochpreisig. Und wir arbeiten im Behindertenbereich, wo viele Leute nicht sehr viel Geld haben.
Und wir wollten die Kosten so niedrig wie möglich halten. Und das ist einer der Gründe, warum wir in Taiwan produzieren und nicht in einem anderen Land. Was kostet so ein Gerät, wie wir das jetzt hier vor uns stehen haben, was wir eben beschrieben haben? Die liegen ungefähr bei circa 2000 Euro.
Kommt ein bisschen darauf an, was für Spezialteile man braucht. Aber im Prinzip sind alle Anbauteile an den Race Runnern Standard-Fahrradteile. Also ist im Prinzip nichts dran, außer vielleicht die Feststellbremsen hinten. Das sind so Rollstuhlbremsen.
Aber der Lenker, die Bremsen vorne und Sättel, das sind alles Standard-Fahrradteile, die jeder Fahrradhändler reparieren kann. Wie wichtig ist dann die Spezi gerade für euch? Also für uns ist die Spezi ein erster Eindruck.
Eindruck und Stimmung
Dadurch, dass wir es hier zum ersten Mal zeigen, ist es ein sehr guter Eindruck von den Leuten zu sehen, wie das angenommen wird. Und soweit würde ich sagen, ist es sehr positiv. Und ich bin mir sicher, dass wir nächstes Jahr wieder hier sind.
Wie würdest du die Stimmung und das Publikum hier beschreiben auf der Spezi? Ich bin sehr motiviert. Also die Leute kommen teilweise super mutig hier an und versuchen alles. Die probieren im Prinzip alles aus.
Es ist schon manchmal so, dass man sie ein bisschen bremsen muss oder die Leute Schlange stehen, um einfach Sachen auszuprobieren. Manchmal erschließt sich der Sinn für dieses Produkt nicht so schnell. Aber wenn wir es dann erklären, ist klar, was es ist.
Es ist ja eben, wie gesagt, es ist im Leistungssport und im Freizeitsport vertreten. Da müssen die Kunden und Kundinnen sich irgendwie erst mal ein Bild von machen. Ich bin zum ersten Mal auf der Spezi. Ich kann dir mal kurz meinen Eindruck schildern, den ich jetzt so habe.
Diversität auf der Spezi
Ich finde es auffällig divers. Also ich war schon auf vielen Fahrradmessen. Du sicher auch. Du hast gesagt, du hast über 30 Jahre Erfahrung in der Fahrradbranche. Ich habe aber vorhin mich gefragt, ob ich schon mal auf einer Fahrradmesse war, auf der ich zum Beispiel so viele mobilitätseingeschränkte Menschen gesehen habe.
Und mir ist da jetzt nichts, also keine weitere eingefallen. Würdest du das teilen? Absolut, ja, gibt’s nicht. Das ist einzigartig. Also die Spezi, die Entwicklung war ja tatsächlich so, dass das in Germersheim von einem Fahrradgeschäft ausging.
Und die haben sich eben gewünscht, dass man alle diese total verschiedenen Fahrzeuge einfach mal zusammenbringt und auch die dazugehörigen Leute, die so total unterschiedlich sind. Also das macht die Spezi einfach aus. Fahrräder, die man noch nie gesehen hat oder Fahrzeuge, die man vorher noch nie gesehen hat und die Leute, die auf einmal was finden, was sie benutzen können.
Also du hast recht, es ist absolut divers. Es ist wirklich super interessant. Super, ich danke dir. Anja. Ja, bitteschön.
Vorstellung von Hasebikes
Hallo, ich bin Gerolf. Wer bist du? Hi, ich bin Marc von Hasebikes. Marc, was macht Hasebikes? Wir stellen Dreiräder und Tandems her für Menschen mit und ohne Behinderung. Vorhin hat jemand zu mir gesagt, Hasebikes hat ein Produkt im Programm, das hat mein Leben verändert.
So, das klingt jetzt arg nach Marketing-Sprech, aber er hat es mir wirklich so gesagt. Hast du eine Idee, also du nickst gerade, hast du eine Idee, was es für ein Produkt sein könnte? Ja, das wird sehr wahrscheinlich das Catweazle One sein beziehungsweise das Catweazle allgemein.
Das produzieren wir jetzt seit über 30 Jahren und können dabei mittlerweile auf alle möglichen Einschränkungen eingehen. Also zum Beispiel können wir einen Schulterlenker machen für Menschen, die körperlich geschädigt sind. Wir können das Ganze einseitig einstellen, zum Beispiel beim Schlaganfall und so.
Also das wird definitiv das Produkt gewesen sein. Es kann aber auch das Pino gewesen sein, unser Tandem, weil nämlich auch dieses Produkt für alle eingestellt werden kann. Und das Produkt wird vor allem für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen und Blinde produziert, weil man da ein Tandemfahrrad hat, wo man sehr nah beieinander ist und sich gut unterhalten kann während der Fahrt.
Catweazle und Pino
Es war das zweite, es war das Pino. Aber lass uns mal kurz über das Catweazle sprechen und vielleicht auch etwas über euch als Firma. So wie ich das jetzt verstehe, sind das wahrscheinlich zwei sehr wichtige Produkte bei euch. Und du hast gesagt, ihr stellt Fahrzeuge ja für Menschen mit und ohne Behinderung. Ist das von Anfang an der Ansatz gewesen von Hasebikes?
Ja, tatsächlich schon. Also Marek Hase, der auch immer noch unser Chef ist, der das damals erfunden hat. Der hat sein Fahrrad ein Nebeneinander-Parallel-Tandem erfunden, um seinen Freund mitzunehmen, der blind war oder immer noch ist.
Und genau so ist das Ganze entstanden. Also der wollte halt, dass er das gleiche Fahrrad-Feeling bekommt, wie er es selber immer gespürt hat, weil er ist ein super begeisterter Fahrradfahrer. Immer noch fährt jede Strecke mit dem Rad. Da müssen auch wir Mitarbeiter immer mithalten.
Und genau, er möchte einfach, dass jeder dieses schöne Gefühl vom Fahrradfahren kriegt. Du hast beim Catweazle einen Begriff benutzt, den ich glaube ich noch nicht gehört habe. Ein Lenker, was war es? War es ein Rumpflenker oder was? Kannst du bitte nochmal sagen? Das war ein Schulterlenker.
Schulterlenker und Anpassungen
Ein Schulterlenker? Was ist ein Schulterlenker? Ein Schulterlenker ist so eingestellt, dass man mit der Schulter lenkt, also keine Arme benötigt. Du hast vorhin schon gesagt, kontergarengeschädigte Menschen. Das war so ein… kannst du das nochmal einordnen für Leute, die das noch nicht gehört haben? Was ist das kontergarengeschädigt?
Genau, das sind ja die Menschen, die oft kurze Arme haben oder teilweise gar keine Arme. Und die können dann halt mit dem Schulterlenker super fahren. Wir haben aber auch Lenkstangen, die extrem lang gemacht wurden, sodass man dann auch, wenn man jetzt zum Beispiel sehr kurze Hände hat oder Arme, da auch mit lenken kann.
Also wir können wirklich auf alles Mögliche eingehen. Zuletzt, also eine sehr schöne Geschichte, die ich immer erzähle, die habe ich letztes Jahr erlebt. Wir machen ja auch schon Räder für Kinder und Jugendliche.
Und da hatten wir jetzt ein Mädchen, die Leonie, da elf Jahre alt. Für die wurde extra noch eine neue Art erfunden, und zwar eine Kopfbremse. Also sie kann mit ihrem Kopf nach hinten gehen und dadurch bremsen, quasi wo man sonst nur seine Kopfablage hat.
Kann sie die dann nach hinten drücken, weil sie das mit ihren Händen durch Spastiken, die sie hatte oder immer noch hat, kann sie selber nicht mit den Händen bremsen und kann das jetzt halt mit ihrem Kopf machen, weil den kann sie gut kontrollieren. Und das ist so ein Produkt, das wurde zum Beispiel letztes Jahr jetzt extra für sie entwickelt von unserem Konstruktionsteam.
Pino und Lastenfahrräder
Weil Marek ist wichtig, dass jeder Fahrrad fahren kann. Ja. Das zweite Produkt, was du genannt hast, was auch von jemand anders genannt hat, ist das Pino. Da sagen die Leute, die es kennen, die sagen, das ist ein Stufentandem. Ich habe es vor Augen, aber vielleicht nicht alle, die das jetzt hören. Was ist ein Stufentandem nochmal?
Ja, ein Stufentandem ist, dass es teleskopierbar ist beziehungsweise dass die Personen in einer Art Stufenposition sitzen. Also der Vordermann oder die Vorderfrau, die mitfährt, nicht die Person, die sagt, wo es lang geht, also sehr ungewöhnlich.
Die Person sitzt ein Stück weiter unten, also mehr in so einer Art Liegeposition. Und der Hintermann oder die Hinterfrau, die Person, die dann am Ende entscheidet, wo es lang geht, die sitzt wie auf einem normalen Fahrradsattel und lenkt dann die Person, die vorne sitzt, mit.
Ja, genau so kann man sich das vorstellen. Es lässt sich komplett einstellen in der Länge von einem Meter bis zwei Meter Körpergröße. Kann man vorne mitfahren und hinten genauso. Also es ist variabel einstellbar. Vom Kind bis zum Erwachsenen kann man dann quasi alle mitnehmen.
Unternehmensgröße und Produktion
Ihr habt hier einen vergleichsweise großen Stand auf dieser Messe. Wie groß ist Hasebikes als Hersteller? Wie viele Leute arbeiten bei euch? Wir sind mittlerweile 110 Mitarbeiter, kommen aus dem Ruhrgebiet, haben da vier große Hallen und stellen da auch die Räder her auf einem alten Sechengelände in Waltrop, also in der Nähe von Dortmund.
Ihr stellt die her? Heißt das, ihr macht auch den Rahmenbau selbst oder werden die zugeliefert? Die Rahmen werden zugeliefert, genau. Also die haben wir ausrangiert. Die werden jetzt teilweise in Polen, also beim Kettwiesel, werden sie in Polen hergestellt.
Beim Pino ist es aktuell noch Taiwan. Da sind wir aber gerade dran, dass wir das demnächst auch über Portugal machen, weil wir wollen jetzt noch mehr ein Made in Europe sein. Tatsächlich ist es ein bisschen durch Corona und Co. passiert, jetzt auch durch die Kriege, weil wir dadurch so ein bisschen Lieferschwierigkeiten bekommen haben und gemerkt haben, wir müssen wieder mehr Richtung Europa, was die Rahmen angeht.
Also die Fahrräder werden aber komplett bei uns zusammengebaut. Also nur der Rahmen kommt quasi aus dem Ausland. Wir haben jetzt über zwei Modelle gesprochen und bei beiden haben wir auch über Menschen mit Einschränkungen so ein bisschen gesprochen.
Weitere Modelle
Du hast vorhin gesagt, ihr baut Räder für Menschen mit und ohne Behinderung. Was wäre jetzt ein Beispiel für ein Rad für Menschen ohne Behinderung? Würdest du sagen, das sind dann noch andere Modelle oder sind das auch schon die beiden? Also anders gefragt, was baut ihr noch so neben diesen beiden wichtigen Modellen?
Genau, wir haben das Pino auch nochmal umgearbeitet in ein Lastenfahrrad, sodass man dann statt dem Tandem auch ein Lastenfahrrad benutzen kann. Es ist aber schon so, dass dieses Catweazle auch von Menschen ohne Behinderung gefahren wird, zum Beispiel.
Also das Dreirad, das ist auch immer wieder beliebt, auch für ältere Menschen, zum Beispiel, die jetzt vielleicht nicht unbedingt eine Behinderung haben, sondern einfach nur Gleichgewichtsstörungen oder sonst. Was für die wird das auch immer beliebter, wo wir auch ganz froh darüber sind, weil die oft ja die haben so eine erste Hürde, die sie erstmal nehmen müssen.
Aber die wird zum Glück immer kleiner und es wird immer gefragter, weil natürlich auch der Fahrradverkehr immer sicherer wird.
Das merken wir vor allem hier in Freiburg sehr schön ausgebaute Fahrradwege. Genau, aber beim Pino, das wird auch viel von Familien gefahren, weil man halt das Kind mitnehmen kann und dann unten Lasten reinpacken kann, den Wocheneinkauf und Co. Also zu zweit gut unterwegs ist.
Und bei den Lastenrädern haben wir dann auch schon, dass man Kleinkinder vorne in einem großen Korb mitnehmen kann. Wobei für uns immer das Wichtigste ist, dass man so schnell wie möglich auch selber mitpedalieren kann, damit das Kind nicht nur in der Kiste mitgefahren wird. Also wenn ich es jetzt mal ganz einfach zusammenfasse, sind es alles Räder, die ein bisschen darüber hinausgehen, was so ein klassisches Fahrrad mit dem Diamantrahmen und zwei gleichgroßen Rädern so kann. Verstehe ich das richtig? Ja, auf jeden Fall.
Du hast gesagt, 110 Angestellte seid ihr. Das ist ja wahrscheinlich mehr als viele der Firmen, die hier ausstellen. Wir haben ja ganz viele kreative Lösungen an ganz vielen Ständen. Bei euch klingt das schon nochmal nach einer anderen Nummer. Das muss man ja auch alles irgendwie finanzieren und am Laufen halten. Wie gut geht es euch in diesem Bereich, den ihr abdeckt als Unternehmen?
Wir sind froh, dass wir Spezialräder herstellen. Also viele haben uns vorher immer ausgelacht, sage ich mal. Aber seit Corona vorbei ist und die Fahrradverkäufe eher zurückgehen, bleiben sie bei uns stabil. Also man merkt einfach, der Bedarf ist da. Die Menschen werden immer älter, gerade in Deutschland. Die Menschen mit Behinderung kennen ja auch teilweise gar nicht alle die Räder. Die werden auch immer bekannter. Ja, also uns geht es wirklich gut. Wir sind mit unseren Mitarbeitern stabil geblieben, jetzt nach Corona. Nicht so wie andere Fahrradhersteller.
Warum wurde ihr ausgelacht? Ausgelacht, ja, weil die Räder so speziell sind und wir nicht auf den Zweiradmarkt gegangen sind. Also zumindest nicht auf den klassischen. Wir haben ja nur das Tandem als Zweirad. Und man wurde natürlich schon, also wenn wir jetzt auf einer großen Messe sind, wie zum Beispiel der Cycling World in Düsseldorf oder auf der Eurobike damals in Frankfurt, dann wird das schon immer so ein bisschen belächelt, unsere Räder. Hier auf der Spezi sind wir ganz normal, da sind wir einer von vielen.
Aber ja, ich glaube, es hätte keiner vorher gedacht, von dem Zweiradmarkt, dass wir doch auch so stabil bleiben. Und jetzt, seit 1994 gibt es uns, dass wir da weiterhin so stetig wachsen und da jetzt mittlerweile halt weltweit verkaufen können.
Potenzial für Wachstum
Siehst du da Potenzial für weiteres Wachstum? Also vielleicht nicht mal nur bei euch, sondern generell für diesen Bereich der Fahrradbranche? Auf jeden Fall. Aber ich glaube, dafür müsste leider auch in der Politik ein bisschen mehr passieren. Weil die meisten Leute trauen sich, das Fahrrad nicht zu fahren, aus Sicherheitsgründen im Stadtverkehr, weil sie dann auf der Straße fahren müssen, wenig Fahrradwege zur Verfügung haben und so.
Also ich glaube, wenn diese Infrastruktur noch besser klappen würde, also ein Beispiel ist zum Beispiel Holland oder Norwegen. Da verkaufen sich unsere Räder deutlich besser als in Deutschland, weil die Leute sich da sicherer fühlen. Also wenn das in Deutschland auch in Zukunft hoffentlich noch passiert, würde das wahrscheinlich auch das Wachstum noch deutlich fördern. Also für alle im Dreiradbusiness, nicht nur für uns.
Bedeutung der Spezi
Wie wichtig ist die Spezi für euch? Sehr wichtig. Deswegen sind wir auch einer der Hauptsponsoren. Man sieht ja überall immer wieder Hase-Logos auf dem Testparcours oder auch draußen beim Eingang. Ja, also hier sind Freunde, Familie kommen hierhin, haben schon das dritte Catweasel oder so in der Garage stehen. Also ja, hier sind unsere Fans, sage ich mal, vorhanden. Und deswegen ist die Spezi natürlich super wichtig für uns.
Was ihr hier gehört habt, ist eine Auswahl der Gespräche, die ich auf der Spezi geführt habe. Und vielleicht geht es euch schon damit so wie es mir mit diesem kompletten Messesonntag gegangen ist. Ich fand den total interessant, aber irgendwie auch noch mehr.
Ich habe eine Weile darüber nachgedacht, was dieses Meer ausmacht, und mir sind ein paar Dinge dazu eingefallen. Zum einen ist da diese Liegeradwelt, aus der die Spezi sich entwickelt hat, und die ist für mich einfach faszinierend, weil sie eben schnell ist und anders und ein bisschen eigensinnig. Und Menschen, die Dinge anders machen, die finde ich grundsätzlich erstmal ziemlich interessant.
Dann ist da diese wirklich sehr entspannte Messeatmosphäre, die längst nicht nur mit dem guten Wetter an diesem Sonntag in Freiburg zu tun hat, sondern irgendwie auch mit diesem familiären Gefühl, das in dem einen oder anderen Gespräch angeklungen ist. Und dabei ist mir aufgefallen, dass dieses familiäre Gefühl aber sehr zugänglich gewesen ist.
Und das hat man ja nicht immer bei solchen Zusammenhängen und Szenetreffs. Es ging auf der Spezi in meiner Wahrnehmung wenig um bestimmte Namen, um ein bestimmtes Image, um Abgrenzungen und um Trends, sondern ich habe sehr viel über konkrete Bedürfnisse gesprochen mit Menschen, die es als ihre Aufgabe begreifen, diese Bedürfnisse zu erkennen und im besten Fall zu befriedigen. Vielleicht gerade deswegen, weil sie nicht so im Fokus liegen.
Ich habe mal nachgeschaut, das Statistische Bundesamt gibt für 2023 4 bis 5 Millionen Menschen in Deutschland mit körperlicher Behinderung an oder auch 7 bis 9 Millionen schwerbehinderte Menschen. Ich kann nicht genau einschätzen, was das im Einzelnen bedeutet und auch nicht, wie sichtbar diese Behinderungen jeweils sind und wie sie sich genau auswirken.
Aber ich kann nach ziemlich vielen Besuchen auf ziemlich vielen Fahrradmessen sagen, dass ich bisher keine Fahrradmesse erlebt habe, auf der das Thema so ernst genommen worden ist wie auf der Spezi. Ich denke auch nochmal an den Titel dieser Messe und ich finde es fast logisch, dass sich das, was in der Spezi drinsteckt, mit der Zeit wandelt.
Das ist nicht mehr die schwerpunktmäßige Liegeradmesse von der mir so oft erzählt worden ist, wahrscheinlich auch weil Liegeräder und leider auch Tandems nicht mehr die Rolle im Fahrradmarkt spielen, die sie mal gespielt haben. Theoretisch könnten sich bestimmte Fahrräder und Fahrzeuge aber auch in der anderen Richtung aus dieser Bezeichnung Spezialrad heraus bewegen, wenn sie alltäglicher werden, wie zum Beispiel das Cargo Bike in all seinen Spielarten, das natürlich auch eine große Rolle auf der Spezi gespielt hat und das inzwischen aus dem Alltag von sehr vielen Menschen nicht mehr wegzudenken ist.
Ich bin jedenfalls gern auf der Spezi gewesen, habe dort einiges mitgenommen, und wenn es möglich ist, werde ich auch wieder dort sein. Die nächste Ausgabe der Spezialradmesse findet am 24. und 25. April 2027 in Freiburg statt.
Die kommende Ausgabe dieses Fahrradpodcasts gibt es deutlich früher, die erscheint nicht in einem Jahr, sondern in einer Woche, am 22. Mai, und ihr erreicht uns bis dahin unter antritt@detektor.fm sowie auf Instagram und Mastodon.
Und wenn ihr gut findet, was wir hier machen, schaut doch mal in die Shownotes. Dort steht, wie ihr den Antritt für nur ein Cappuccino im Monat unterstützen könnt. Und das ist mal klar, ohne die Menschen, die das jetzt schon tun, wären solche Geschichten wie diese hier von der Spezi nicht möglich.
Insofern sage ich ganz herzlichen Dank allen Unterstützerinnen und Unterstützern und wünsche allen, die hier zugehört haben, ein schönes, möglichst langes Wochenende und gute Fahrt, egal mit welchem Fahrrad oder Spezialrad. Und das ist ja auch nur eine Frage der Perspektive. Bis nächste Woche. Lasst es euch gut gehen. Ciao.
[Musik: La Sécurité – Deny]