Krankentage in Deutschland
14,5 Tage, das sind fast drei Wochen, in denen die Menschen in Deutschland aus Krankheitsgründen nicht arbeiten. Ist das wirklich richtig? Ist das wirklich notwendig? Mit dieser Aussage hat Bundeskanzler Friedrich Merz Anfang des Jahres eine ziemliche Debatte ausgelöst. Ja, und auch für Verärgerungen gesorgt, und ich finde auch zu Recht, denn erst mal ganz allgemein: Wer schon mal eine ausgewachsene Erkältung hatte, so wie ich mit den Resten, mit denen ich hier zu kämpfen habe, weiß, das kann gut und gerne mal sieben Tage dauern. Und dann liegt man wirklich flach oder sollte zu Hause bleiben, wenn man seine Kolleginnen und Kollegen nicht anstecken möchte. Und da hat man ja schon die Hälfte dieser 14 Tage. Sind ja schon krank.
Ursachen der Krankentage
Aber ganz unabhängig davon ärgert mich persönlich tatsächlich, dass hier nur gefragt wird: Ist das wirklich richtig? Als gäbe es ja ein richtig oder falsch. Wir sollten doch lieber fragen: Warum sind denn die Menschen krank? Was macht sie krank, dass sie zwei Wochen im Jahr sich krankschreiben lassen müssen? Und genau das wollen wir heute versuchen. Denn 14,5 Krankentage, darüber würden sich in Sachsen-Anhalt viele freuen.
Podcast-Start
Und damit: Schön, dass ihr wieder mit dabei seid zu Dazwischen mit Marie und Katja. Und heute schon Folge 2. Und ich glaube, ich kann sagen, großer Freude, denn der Release letzte Woche, der war schon auch für uns ziemlich aufregend, oder Marie? Ja, ich war auf jeden Fall aufgeregt, vor allem, weil ich die Sorge hätte, zu groß gesagt. Ich habe mich halt gefragt: Was ist denn, wenn die Leute unsere Folge total blöd finden? Deshalb freue ich mich, dass Christian jetzt hier ist, denn der hat auch den Newsletter mitbetreut und weiß, wie die Folge wirklich ankam bei unseren Hörerinnen und Hörern.
Feedback und Erfolge
Ja, ich freue mich auch, wieder hier zu sein im Studio. Und ich kann schon mal die erste Angst nehmen. Also, die Leute fanden es nicht blöd, und wenn, dann haben sie sich zumindest nicht bei uns gemeldet. Also, das kann natürlich auch sein, dass Leute es blöd fanden, aber ganz im Gegenteil: Die Leute, die sich bei uns gemeldet haben, haben gesagt, dass sie es sehr, sehr gut fanden. Wie sagt man so schön im Internet-Sprech? Wir haben sehr viel Flausch bekommen, also sehr, sehr viele positive Rückmeldungen.
Was man auch sagen kann, ist, dass es mittlerweile wirklich, und da bin ich auch sehr dankbar, hunderte Leute sind. Also insgesamt ist der Podcast schon ein paar tausend Mal runtergeladen worden, aber hunderte Leute haben es abonniert. Es gibt irgendwie hunderte Leute, die den Newsletter auch abonniert haben. Also, es ist Wahnsinn! Wir haben ja bei null angefangen am Donnerstag. Jetzt ist ja noch nicht mal eine Woche, also jetzt eine Woche rum. Also, das ist auch für unsere Verhältnisse ein sehr, sehr erfolgreicher Start.
Reaktionen aus Sachsen-Anhalt
Und was man auch sagen kann, und es freut mich natürlich auch, ist: Wir haben sehr, sehr viele Leute in Sachsen-Anhalt erreicht. Viele Sachsen-Anhalterinnen und Sachsen-Anhalter haben uns geschrieben auf diversen Kanälen, per Mail, soziale Netzwerke und so weiter. Aber auch die Fachöffentlichkeit hat das irgendwie mitbekommen. Also Medienbranchendienste wie DWDL oder Tori2 oder Flurfunk oder so haben auch über den Start vom Newsletter und vom Podcast berichtet. Und das heißt ja auch, dass man da irgendwie wahrgenommen wird. Also Dazwischen hat schon mal was ausgelöst.
Lob und Anregungen
Und um es mal sehr konkret zu machen: Unser Lob, was wir bekommen haben, zum Beispiel hat bei Instagram Janett geschrieben: „Hört da mal rein, ich bin schon Fan.“ Bei Mastodon gab es viel Lob, übrigens auch viele neue Followerinnen und Follower. Und da heißt es zum Beispiel kurz und knapp: „Die erste Folge ist sehr gelungen, danke!“ Oder auch: „Vielversprechende erste Folge.“ Und Thomas Giegold schreibt in seinem Blog über Dazwischen: „Das hier ist nicht die Ostdeutsche Allgemeine Zeitung mit einer Agenda, sondern echter Journalismus.“ Oh, das geht doch runter wie Öl! Das ist ein ordentliches Lob, ohne Frage.
Und neben diesem ganzen Lob und auch dem Flausch gibt es wirklich auch sehr, sehr konkrete Ideen und Anregungen, die uns erreichen. Zum Beispiel auch per Mail. Michael hat uns geschrieben aus Niedersachsen, also auf der anderen Seite, wenn man so will. Und das ist auch das Thema seiner Mail. Er schreibt nämlich: „Ich komme ursprünglich aus Schöningen in der Nähe von Hötensleben, Helmstedt, das sogenannte Zonengrenzgebiet. Daher habe ich zwar mit Baujahr 96 die Teilung nur noch vom Hörensagen mitbekommen, jedoch die tiefen Risse der Menschen vor Ort gesehen und auch gehört. Daher finde ich diesen Podcast hier auch so spannend. Mehr Geschichten über die Landschaft und die Menschen können Sie daher auch die Grenzerfahrungen mit aufnehmen.“ Das ist also sein Wunsch. Spannender Hinweis! Also ich finde, das hat auf jeden Fall Potenzial für eine eigene Folge.
Umfrage zu Sachsen-Anhalt
Was mich noch interessieren würde: Christian, wir haben ja auch im Newsletter gefragt: Fühlen Sie sich als Sachsen-Anhalter oder Sachsen-Anhalterin? Was haben die Leute denn geantwortet? Ja, ganz erstaunlich! Ein bisschen anders als die Umfrage von Marie vielleicht so vermuten lassen würde. Es waren doch eine deutliche Mehrheit, fast zwei Drittel irgendwie so zwischen 55 und 65 Prozent schwankte das immer so ein bisschen bei der Umfrage. Aber eine deutliche Mehrheit, das kann man sagen, ist natürlich nicht repräsentativ, aber für so ein erstes Stimmungsbild vielleicht auch ganz interessant.
Ja, genauso wenig wie eine Straßenumfrage in dem Sinn repräsentativ, sondern eher der Moment, in dem man da draußen ist. Aber egal, wir freuen uns wirklich, dass gleich bei der ersten Ausgabe des Newsletters auch so viele Menschen bei der Umfrage mitgemacht haben. Und auch, dass wir wirklich so viel Feedback zu unserer ersten Folge erhalten haben, wie du jetzt gerade vorgestellt hast. Also wirklich gerne mehr davon, und zwar egal ob Lob, konstruktive Kritik oder spannende Hinweise.
Krankentage in Sachsen-Anhalt
Schreibt uns bitte eine Mail, und zwar an dazwischen@detektor.fm oder beispielsweise im dezentralen sozialen Netzwerk Mastodon. Dort findet ihr uns als dazwischen@social.detektor.fm. Ihr könnt uns aber auch bei Facebook oder Instagram schreiben. Sucht halt einfach nach detektor.fm. Wir haben ja am Anfang Friedrich Merz gehört. Er hat die 14,5 Krankentage kritisiert, die die Deutschen im Durchschnitt haben. Jetzt muss man dazu sagen, er spricht da von Arbeitstagen. Also, wenn man das mal in Werktage übersetzt, sind es 19,5.
Und vielleicht kannst du mal raten, am Anfang, Marie, wenn wir jetzt in diese Folge einsteigen und in unser Thema: Wie viele Krankentage die Leute in Sachsen-Anhalt im Durchschnitt haben? Okay, du hast ja schon vorne ein bisschen gesagt, Sachsen-Anhalt würde sich wünschen, es wäre nur so wenig. Das heißt, es müssen mehr sein. Wir gehen jetzt von den 14,5 aus. Ja, lass uns von den Werktagen ausgehen: 19,5. Okay, wenn das mehr sind, dann würde ich sagen: Vielleicht 22? Ja, da bist du immer noch sozusagen ein bisschen drunter. Im Schnitt sind es nämlich knapp 26.
Also die Zahl schwankt so ein bisschen, je nachdem, mit welcher Krankenkasse, mit welchen Daten man gerade arbeitet. Aber Sachsen-Anhalt hat in ganz Deutschland die meisten Krankentage. Und das wurde natürlich auch vermeldet. Und diese Schlagzeilen, die haben mich irgendwie angestachelt, mir das mal so ein bisschen genauer anzuschauen. Denn was hilft uns das jetzt, diese Schlagzeile an sich? Wir wollen ja verstehen, was ist da eigentlich los? Warum ist das so?
Altersstruktur und Krankheiten
Wenn ich aber jetzt so spontan einfach mal drüber nachdenken würde, ist das eigentlich ja gar nicht so überraschend. Sachsen-Anhalt hat den höchsten Altersdurchschnitt von allen Bundesländern. Also auch sehr alte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die vielleicht auch ein paar mehr Krankheiten haben und deshalb öfter mal krankgeschrieben werden müssen. Genau, also da sprichst du schon ein super wichtiges Thema an. Wir sind vor Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen das älteste Bundesland.
Und um das jetzt mal ganz konkret zu machen: Der Altersdurchschnitt für Deutschland insgesamt liegt laut Statistischem Bundesamt bei ungefähr 45. Am jüngsten sind natürlich die ganz großen Städte, also Berlin und Hamburg zum Beispiel. Und die Menschen in Sachsen-Anhalt, die sind im Durchschnitt 48,3 Jahre alt. Also das ist schon ein ordentlicher Unterschied. Und dieser Altersdurchschnitt erklärt ziemlich viel, aber eben auch nicht alles. Also lass uns mal so ein bisschen tiefer reingehen.
Krankheiten im Alter
An welche Krankheiten denkst du denn, wenn du so an hohes Alter denkst? Rücken. Wobei, wie gesagt, hat man auch mit Anfang 30. Verautest du dich? Also auf jeden Fall Rücken. Ich würde sagen, vielleicht auch irgendwelche Gelenkerkrankungen. Genau, das sind die großen Themen, die wir auch in Sachsen-Anhalt sehen. Wir haben also diese durchschnittlich sehr alte Bevölkerung. Und natürlich sind wir eben bei solchen Krankheiten ganz vorne mit dabei.
Also wir haben die meisten Fälle von Kniegelenksarthrose in Deutschland. Genauso Rheuma, Osteoporose. Wir belegen Platz 2 bei Hüftgelenksarthrose und eben auch bei Rückenschmerzen. Das sind alles Probleme, die natürlich vor allem im höheren Alter auftreten. All diese Krankheiten fasst man zusammen unter so einer großen Kategorie. Die nennt man Muskel-Skelett-Erkrankungen. Und die sind je nach Krankenkasse für zwischen 14 und 19 Prozent der Fehltage verantwortlich. Also echt nicht wenige.
Sozioökonomische Faktoren
Und ich habe darüber auch mit den Krankenkassen vor Ort gesprochen. Und Steffi Sochan von der Techniker Krankenkasse in Sachsen-Anhalt hat mir dazu Folgendes gesagt: „Zum einen muss man natürlich sagen, ja, wir sind ein Bundesland mit einer sehr alten Bevölkerung. Aber gerade Gesundheit zielt ganz viel auf soziodemografische Faktoren ab. Das heißt, dazu gehört das Einkommen, dazu gehört die Bildung. Und da denke ich mal, haben wir in Sachsen-Anhalt halt eine Grundlage, wo wir im bundesweiten Kontext noch Nachholbedarf haben.“
Ja, das hätte ich jetzt auch so gedacht. Also, dass da der soziale und finanzielle Background eine Rolle spielt. Denn wenn man an medizinische Versorgung denkt und vor allem, wie ich die nutze, auch ganz allgemein wie ich auf meinen Körper achte, da ist ja schon wichtig, klar, einerseits habe ich das Wissen dazu und den Zugang, also befinde ich Dinge in meiner Nähe, aber auch: Kann ich mir das leisten? Kann ich mir die gesunde Ernährung leisten? Kann ich es mir leisten, einen Sportkurs zu besuchen? Oder auch Angebote von Krankenkassen? Weiß ich, dass es die gibt? Und wo gibt es die in meiner Nähe?
Einfluss des sozioökonomischen Status
Ja. Ganz genau. Also je niedriger der sogenannte sozioökonomische Status ist, also es ist so eine Kombination aus Bildung, Beruf und Einkommen, desto höher ist eben auch das Risiko für bestimmte Krankheiten. Wie genau das zusammenhängt, dazu gibt es ganz viele Studien. Und das gibt den Gesundheitsatlas der AOK. Da ist das wirklich super aufgearbeitet. Wer da mal reinschauen will, das ist total interessant. Und da sieht man zum Beispiel: Das Risiko, an Osteoporose zu erkranken oder zum Beispiel auch für Rückenschmerzen, das hängt ganz eng mit dem sozioökonomischen Status zusammen.
Und der ist in Sachsen-Anhalt mit Blick auf Deutschland unterdurchschnittlich. Also haben wir da jetzt ja mit dem Altersdurchschnitt quasi schon zwei Faktoren dafür, dass die Krankentage so hoch bei uns sind: Geld und Alter. Genau. Und eigentlich eben auch noch Bildung, das hast du ja eben selber schon gesagt.
Krankheitsspirale
Und jetzt kommt noch was dazu, was man so unter die große Überschrift packen könnte: Wer krank ist, der wird oft noch kränker. Denn viele Krankheiten befördern sich gegenseitig. Also die klassische Abwärtsspirale. Ja, ganz genau. Also nehmen wir mal zum Beispiel die Rückenschmerzen. Unter denen leiden in Sachsen-Anhalt mehr als ein Drittel aller Leute. Und Rückenschmerzen, die treten sehr häufig bei Menschen auf, die adipös, also übergewichtig sind. Und da habe ich mal gelesen, dass das sogar jede zehnte Person in Sachsen-Anhalt betrifft.
Ja, so ist es. Und das ist in Sachsen-Anhalt leider auch ein unguter Platz 1 in Deutschland. Adipositas birgt aber noch ganz andere Gefahren als Rückenschmerzen. Also zum Beispiel Diabetes. Das ist natürlich kaum überraschend, dass Sachsen-Anhalt auch da die meisten Diabetes-Fälle in ganz Deutschland hat. Zumal auch da zusätzlicher Faktor für das Diabetes-Risiko wiederum der sozioökonomische Status. Haben wir eben schon mal drüber gesprochen.
Also da dreht sich die Spirale sozusagen mehrfach um sich selbst. Und um diese Spirale jetzt nochmal weiterzudrehen: Viele Menschen mit Diabetes haben dazu auch noch Bluthochdruck. Das wiederum erhöht das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Und auch davon hat Sachsen-Anhalt deswegen mit die meisten Fälle. Also danke dafür, Katja. Ich würde sagen, das hat es aus mich, hast du jetzt deprimiert.
Psychische Erkrankungen
Ja, ich verspreche, wir bleiben da jetzt nicht stehen. Wir schauen gleich auch nochmal wo man vielleicht auch gut ansetzen kann. Lass uns vorher, auch wenn es weh tut, trotzdem nochmal ganz kurz bei den Depressionen bleiben. Denn Sachsen-Anhalt auch da ganz weit vorne liegt. Ja, tatsächlich sind psychische Erkrankungen eine der Hauptursachen für Krankentage in Sachsen-Anhalt. In einigen Landkreisen sogar die häufigste. Je nach Krankenkasse gehen zwischen 13 und 20 Prozent aller Krankentage im Land auf psychische Erkrankungen zurück.
Und da wollte ich zuallererst mal so ein bisschen verstehen, warum das so ist. Steffi Sochan von der Techniker Krankenkasse sagt dazu folgendes: „Wir haben schon im Jahr 2013 angefangen, unsere Versicherten zu befragen, wie es ihnen geht, wie die psychische Belastung ist. Und da muss man einfach sagen, wenn man das alle paar Jahre durchführt, sieht man: Die Belastung wird immer stärker. Und dann fragen wir uns natürlich: Woran liegt denn das? Und was uns da gespiegelt wird, da ist ein großer Bestandteil die Arbeitsverdichtung im Arbeitsleben. Das empfinden die Menschen zunehmend als Stress.
Es gehört mit dazu auch die Unsicherheit in der Gesellschaft, die Unsicherheit um die eigene Existenz, wenn es um den Verlust von Arbeitsplätzen geht oder dass es schwer ist, einen unbefristeten Arbeitsvertrag zu bekommen. Und natürlich auch insgesamt, das trifft dann noch mehr auf Sachsen-Anhalt zu: die familiären Belastungen. Ich will da bloß mal andeuten das Thema Pflege. Wenn Angehörige im Pflegefall jemanden pflegen, ist das ein hohes Stresspotenzial.
Suizidrate und Versorgungslage
Also man hört ja schon so ein bisschen raus: Es gibt jetzt nicht die eine Antwort. Da spielen also schon viele Faktoren mit rein. Fakt ist aber, es ist in Sachsen-Anhalt wirklich ein riesiges Problem. Und das geht so weit, dass Sachsen-Anhalt auch die höchste Suizidrate in Deutschland hat. Und weil das ein ziemlich sensibles Thema ist, packen wir euch mehr Infos, Hilfsangebote, Kontaktmöglichkeiten in die Show Notes.
Genau. Und was für mich an diesem Thema schon ziemlich fatal ist: Es gibt in Sachsen-Anhalt sowieso schon eine eher schlechte psychotherapeutische Versorgungslage. Jetzt kommen ja ganz aktuell diese Honorarkürzungen bei den Psychotherapeutinnen dazu. Und das hat neben den finanziellen Auswirkungen auf die Therapeutinnen auch eine Signalwirkung. Das hat mir die Psychologin Christina Goye von der Uniklinik in Magdeburg erzählt.
Und solche Entwicklungen wirken dem aus meiner Sicht gesellschaftlich entgegen, weil sie ein Signal setzen. Ein Signal im Psychotherapeut, der sowieso schon der schlechtest bezahlteste Facharzt in Deutschland ist oder Fachcommunity. Das ist ein Signal, was da bundesweit gegeben wird, was sicherlich nicht dazu führt, dass sich Menschen mit psychischen Erkrankungen oder eben auch mit suizidalen Gedanken gesehen fühlen oder das Gefühl bekommen, sie sollten damit offen umgehen.
Historische Zusammenhänge
Was ich im Gespräch mit Christina Goye total spannend fand: Sie sagt, das mit der mentalen Gesundheit in Sachsen-Anhalt, das ist schon extrem lange ein Problem. Und das hat für mich einen sehr erstaunlichen Zusammenhang zu unserer letzten Folge hergestellt. Hör mal, wir befinden uns in Mitteldeutschland, wir befinden uns auf preußischem Boden. Hier war die Suizidrate auch schon immer erhöht oder schon sehr viel länger. Also es ist nicht Sachsen-Anhaltinisch seit 1991.
Wow, also ich bin ein bisschen sprachlos, weil ich finde, das ist wahnsinnig spannend und gleichzeitig auch eine extrem erschreckende Aussage. Ich frage mich, ob sie dir da noch ein bisschen mehr sagen konnte, warum das so ist. Denn ich hätte jetzt so mit meinem laienhaften Wissen die Theorie oder den Gedanken, dass ich weiß, dass psychische Erkrankungen oder bestimmte ja auch familiär weitergegeben werden können und daher das vielleicht kommt, dass sich das über Generationen weitergetragen hat.
Epigenetik und Traumata
Genau, also bei Traumata zum Beispiel weiß man das ja, dass Epigenetik da tatsächlich eine Rolle spielt. Das wird hier ein Faktor sein, aber es gibt eben ganz, ganz viele, die da eine Rolle spielen. Ich wollte die Aussage vor allem mitbringen, weil ich das so in Bezug auf unsere letzte Folge so spannend fand. Und wenn ihr die noch nicht gehört habt, dann hört da unbedingt mal rein. Da haben wir nämlich versucht zu erklären, wie Sachsen-Anhalt eigentlich zu dem Bundesland geworden ist, das es heute ist.
Ausblick und Lösungen
Aber jetzt lasst uns noch mal von den Ursachen zu den Auswirkungen kommen. Also Patientinnen und Patienten mit Depressionen haben zum Beispiel, das habe ich glaube ich vorhin schon mal angedeutet, auch häufiger Rückenschmerzen. Und da fängt dann die Spirale eben wirklich schon wieder von vorne an. Okay, also wir haben jetzt ganz viel darüber gesprochen, was mögliche Ursachen und Krankheiten sind, weshalb eben die Krankentage in Sachsen-Anhalt so besonders hoch sind.
Bitte, Katja, ich hoffe, du hast doch ein paar positive Sachen mitgebracht. Wie kommen wir da raus? Lass uns doch vielleicht mal darauf schauen, was die Menschen in Sachsen-Anhalt selber tun könnten. Also ein Faktor war ja das Alter und die Altersstruktur. Daran können sie selbst sehr wenig machen.
Herausforderungen der Gesundheitsversorgung
Ja. Und selbst wenn man jetzt zum Beispiel mehr junge Menschen ins Land holen würde oder vielleicht auch halten könnte, dann würde das zwar den Durchschnitt verändern in Sachsen-Anhalt, aber besser ging es den einzelnen Menschen dann natürlich trotzdem nicht. Also der Altersdurchschnitt spielt aber tatsächlich eine ganz große Rolle, vor allen Dingen auch im doppelten Sinne. Denn der spielt ja nicht nur bei den Patientinnen und Patienten eine Rolle, sondern auch eben bei den Ärzten und Ärztinnen.
Es gibt nämlich auch dort einen ganz großen Anteil an älteren Menschen, die teilweise schon bald in Rente gehen oder manchmal sogar schon über das Rentenalter hinaus arbeiten. Und das stellt natürlich auch die Gesundheitsversorgung vor Ort vor große Herausforderungen. Wir haben jetzt schon teilweise wirklich so absurde Fahrtwege von 90 Minuten bis zum nächsten Facharzt. Und das bedeutet im Zweifel natürlich auch, dass Menschen bestimmte Vorsorgeuntersuchungen nicht machen, dass dann Krankheiten erst sehr spät diagnostiziert werden.
Politische Verantwortung
Also da muss die Politik ran an dieses Thema, weil das wirklich einen Unterschied macht. Steffi Sochan von der TK sagt auch: „Patientinnen und Patienten können selber etwas tun, um das System zu entlasten. Das Problem, was wir in Sachsen-Anhalt natürlich haben durch diese hohe Krankheitslast, ist natürlich auch die entsprechende Versorgung eine Herausforderung, sodass wir schauen müssen: Wie können wir den Bedarf tatsächlich auch in allen Bereichen anbieten?
Wir müssen aber darauf appellieren, sagen: Das System steht schon an der Grenze der Finanzierbarkeit. Und wenn dann die Erwartungshaltung ist: Egal, wie ich mit meiner Gesundheit umgehe, das System wird schon retten. Von diesem Standpunkt müssen wir als Gesellschaft runter.“ Mich hat das so ein bisschen an diese Corona-Zeit erinnert, wo wir ja auch immer schon viel über die Belastbarkeit des Systems Gesundheitsversorgung gesprochen haben.
Und Steffi Sochan sagt eben: „Wir müssen da auch selber eigenverantwortlich handeln und besser auf unsere eigene Gesundheit achten, weil dieses Versorgungssystem eben schon so am Rande der Belastbarkeit steht.“ Bei dieser Eigenverantwortung, da spielt ja dann doch aber auch wieder der sozioökonomische Status rein. Denn es braucht, wie du ja vorhin auch erklärt hast, sowohl Bildung als auch ein entsprechendes Einkommen, damit ich mich eben auch gesund verhalten kann oder eben alle Angebote nutzen.
Bildung und Gesundheitsverhalten
Ja, genau. Das ist eine super wichtige Aufgabe, weil beides, was du gerade angesprochen hast, wirklich ganz direkte Auswirkungen auf sowohl die Lebensqualität, aber auch die Lebenserwartung der Menschen hat. Also wo man vielleicht am meisten Spielraum hat oder wo ich das Gefühl habe, da könnte man am ehesten dran arbeiten, ist die Bildung. Denn Sachsen-Anhalt hat im Moment die Situation, dass jeder zehnte Schüler ohne Hauptschulabschluss die Schule verlässt. Das ist, finde ich, wirklich eine erschreckende Zahl.
Und natürlich ist das ein Thema für sich, weil es hat natürlich auch viel mit Strukturen zu tun. Wir haben einen Lehrermangel, und da, wo wenig Lehrer sind, kann man schlechter individuell fördern. Das ist sozusagen ein ganz eigener Themenbereich, wo jetzt auch die Krankenkassen nicht viel machen können. Aber da passiert dann eben Folgendes: Da gehen Leute eben nicht nur mit weniger Gesundheitswissen raus, sondern eben auch mit fehlenden Schulabschlüssen. Das bedeutet im Normalfall eben auch Jobs, die jetzt vielleicht nicht super gut bezahlt sind. Also wirklich niedriger sozioökonomischer Status. Und damit steigt dann auch das Risiko, krank zu werden.
Handlungsbedarf
Genau, das haben wir ja schon besprochen. Und da braucht es unbedingt ganz schnelle Ideen. Und zusätzlich ist jeder Einzelne gefragt. Denn es gibt mindestens zwei Bereiche, da könnte jede und jeder direkt anfangen, zumindest alle, die es betrifft. Zum einen Raucher. Das sind in Sachsen-Anhalt 27 Prozent der 18- bis 64-Jährigen. Und beim Rauchen, da denken wir ja immer vor allem so an Lungenkrebs. Aber tatsächlich erhöht Rauchen das Risiko für fast alle Krebsarten. Und Sachsen-Anhalt ist deswegen bei der Häufigkeit auch immer auf den ersten Plätzen.
Und es befördert eben auch so Krankheiten wie Osteoporose. Also niedrigere Raucherquote, das würde auf jeden Fall einen Unterschied machen. Jetzt nur aus der Sicht der Wissenschaft. Ich will ja jetzt gar nicht so eine persönliche Wertung mit reinbringen. Und lass mich raten: Der zweite Bereich, der betrifft Alkoholkonsum.
Ja, genau. Und auch hier will ich jetzt gar nicht so den Zeigefinger heben. Es geht jetzt auch nicht um das Feierabendbierchen oder das eine Glas Wein. Aber in Sachsen-Anhalt sind überdurchschnittlich viele Menschen alkoholsüchtig. Und das befördert neben Leberschäden auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und eben auch psychische Probleme. Alles Dinge, die in Sachsen-Anhalt leider eine große Rolle spielen.
Zuckerkonsum und politische Maßnahmen
Und dann so als dritter Bereich vielleicht noch, den wir alle besser kontrollieren könnten, kommt eben noch der Zuckerkonsum dazu, der direkten Einfluss hat auf Adipositas auf Diabetes. Also ja, das sind eben so drei doch relativ große Bereiche. Und ich finde, da kann man jetzt auch nicht nur so auf das Verhalten der Leute pochen. Da muss man eben auch politisch nachsteuern.
Und das sagt auch Steffi Sochan von der TK: „Wir müssen einfach auch schauen, dass der Zucker, der Alkohol und auch der Tabakkonsum entsprechend begrenzt wird.“ Es deckt sich ja auch mit den Empfehlungen, die wir diese Woche von der Expertenkommission der Bundesregierung gehört haben. Ganz konkret macht das René Bethke von der AOK Sachsen-Anhalt. Die AOK ist ja auch sehr aktiv, fordert die Zuckersteuer.
Und das muss man einfach angehen. Und da ist aber auch die Diskussion ja immer unter einem vollen Gange. Die ist bis zum Bundestag inzwischen eingezogen. Bei der Tabaksteuer sieht man das ja schon, dass dort auch an der Schraube gedreht wurde. Und ich bin der Meinung, wenn jetzt zum Beispiel eine Zuckersteuer oder eine Tabaksteuer erhoben wird, dann wäre mir eigentlich am liebsten, dass dieses Geld nicht ins Staatshaushalt geht, sondern wie genau dafür eingesetzt wird, dort zu forschen, dort auch was zu unternehmen, um dort auch wieder in vielen Jahren bessere Lösungen hinzukriegen.
Ich wiederhole mich: Einige Länder zeigen, dass man da auch einen guten Stellhebel hat. Und damit sind wir schon mittendrin in den Dingen, die aus Sicht der Expertinnen und Experten passieren müssten. Aber natürlich muss man auch sagen: Bei so komplexen Gesamtgemengelagen da dauert das natürlich auch, bis man die ersten Ergebnisse sieht.
Es gibt sehr konkrete Ideen und Projekte, um das Problem von mehreren Seiten anzugehen. Das eine ist natürlich die Versorgungslage vor Ort. Damit Menschen sich um ihre Gesundheit kümmern können, muss es Ärzte, Fachärzte und Krankenhäuser geben. Und das ist in vielen Regionen schon ein großes Problem.
Da gibt es doch aber zum Beispiel schon seit einer Weile die Landarztquote, wo eben Menschen Medizin studieren können, die nicht das Top-Abitur haben, den NC, den Numerus Clausus, den man eigentlich braucht, wenn sie sich verpflichten, danach eben zehn Jahre in unterversorgte Regionen zu gehen. Genau, die hat man 2020 eingeführt. Da hat man bisher auch schon so 130 Studierende dafür gewonnen. Aber so ein Medizinstudium, das dauert ja auch ein bisschen. Wir werden also erst noch sehen, wie erfolgreich die jungen Ärzte und Ärztinnen dann wirklich in den Regionen ankommen.
Das betrifft ja aber vor allem die Hausärzte. Wenn du mal an die Notfallversorgung denkst, dann ist es natürlich schon richtig schlimm, wenn wie zum Beispiel in Havelberg ein Krankenhaus schließen muss. Stimmt, das ist auch schon ein Weilchen her. Ja, das war auch 2020. Und das finde ich irgendwie so beeindruckend. Da wird dann eben auch aus der Not eine Tugend gemacht.
Es gibt da in Havelberg den Verein Pro Krankenhaus, und der hat seit 2020 dafür gekämpft, dass es trotz dieser Krankenhausschließungen eine medizinische Grundversorgung in Havelberg gibt. Und seit Ende letzten Jahres gibt es dort nun ein medizinisches Versorgungszentrum, wo man jetzt eben nach und nach verschiedene Fachärzte dafür gewinnen will.
Ja, das mit den Wartezeiten für Fachärzte ist ja auch ein Problem, auch in vielen Städten schon lange. Und dafür muss ich eben gar nicht mal so weit aufs Land rausfahren. Ich habe das schon in Leipzig erlebt, wo ich ja seit einer ganzen Weile lebe. Aber ich höre das eben auch von meiner Familie aus Dessau oder von Freundinnen und Freunden, die in anderen Regionen in Sachsen-Anhalt leben.
Genau, und in den ländlichen Regionen gibt es eben nicht nur diese Wartezeiten. Da kommen teilweise auch noch so absurde Fahrwege mit dazu. Auch hier gibt es ein ganz spannendes Projekt: Ein Forschungsverbund der Uniklinik Magdeburg und der Otto von Gericke Universität. Die versuchen, Forschung, Praxis und regionale Akteure an einen Tisch zu kriegen, um dann wirksame Lösungen für die Gesundheitsversorgung in Sachsen-Anhalt zu implementieren und umzusetzen.
Forschungsverbund und seine Teilbereiche
Spannend, aber wie arbeitet denn dieser Verbund? Die haben drei Teilbereiche. Der erste beschäftigt sich mit Notfall und Intensivmedizin. Der zweite mit psychosomatischer Medizin. Ich erkläre gleich nochmal, was das ist. Und der dritte macht Kohortenforschung, befragt also Bürgerinnen und Bürger in Sachsen-Anhalt: Wie geht es ihnen und wie zufrieden sind sie eben mit der medizinischen Versorgung?
Und im Prinzip versucht man in allen Bereichen vor allem erstmal die aktuelle Situation und den Bedarf zu erfassen und dann eben zu schauen, welche wissenschaftlich schon erprobten Methoden würden hier helfen, um eben die Versorgungslage zu verbessern.
Okay, Forschung finde ich immer super. Wichtig ist aber das, was dann da rauskommt. Gibt es schon Ergebnisse? Ja, da sprichst du sozusagen einen ganz wichtigen Punkt an. Dieser Forschungsverbund arbeitet quasi in der Implementierungsforschung. In den USA gibt es das schon ziemlich lange, hier ist es relativ neu.
Und in diesem ganz konkreten Projekt muss man jetzt sagen, die haben im letzten Jahr erst angefangen. Das heißt, man steht hier noch ziemlich am Anfang. Aber sie haben zum Beispiel schon in mehreren Städten wie zum Beispiel Thangerhütte, Salzwedel, Havelberg, Stendal und Gadelingen Gruppendiskussionen und auch so Workshops gemacht, um eben rauszukriegen, wie es den Menschen vor Ort geht und wo sie Lücken in der medizinischen Versorgung wahrnehmen.
Außerdem ist jetzt gerade eine Bürgerbefragung gestartet. Da gibt es so 10.000 Teilnehmende, also es ist schon eine relativ große Zahl, um dann nochmal so ein bisschen in die Tiefe zu gehen. Und die Hoffnung ist halt, dass man in den nächsten Jahren wichtige Daten sammeln kann. Dann würde ich sagen, fragen wir im nächsten Jahr auf jeden Fall mal nach.
Ja, also ich bleibe da auf jeden Fall in Kontakt, weil ich das wirklich auch richtig spannend finde, was sie da machen. Es gibt innerhalb dieses Forschungsverbundes noch ein Pilotprojekt mit dem Krankenhaus in Stendal. Da will man ein sogenanntes psychosomatisches Telekonsil einfügen.
Psychosomatik und Telekonsil
Das ist ein relativ schwieriges Wort. Einfügen, aber Psychosomatik vielleicht mal einfach erklärt bedeutet, dass ich körperliche Symptome habe, aber aufgrund von einer psychischen Erkrankung oder von psychischer Belastung. Und das ist so eine Fachrichtung, die man halt in vielen Krankenhäusern überhaupt nicht hat.
Und deshalb hat man sich überlegt, man möchte so ein psychosomatisches Telekonsil einführen. Und was genau das ist, das hat mir Christina Goyer aus diesem Forschungsverbund mal erklärt. Also für die, die es gar nicht kennen: Konsildienst bedeutet ja, ich bin in einem Krankenhaus wegen irgendeiner somatischen Geschichte und dann kann ich Konsildienst anfordern von allen anderen Fachrichtungen.
Und das gibt es genauso für die Psychosomatik. Deswegen ist das ein psychosomatischer Konsildienst. Und das Tele besagt einfach, wir befinden uns dann in Krankenhäusern im Norden von Sachsen-Anhalt, wo eben nicht in diesen Krankenhäusern eine psychosomatische Abteilung existiert, dass die Leute ein Tablet kriegen.
Also die Behandler sagen: Hey, ihr braucht ein Konsil. Oder der Patient, die Patientin sagt es selber. Und dann über ein Tablet findet das Konsil statt, was sonst face to face stattfindet. Und wir können eine erste Einschätzung machen, eine erste Diagnostik fachärztlich. Sollte dieser Mensch sich in der Ambulanz vorstellen? Sollte der zu uns kommen, um doch vielleicht was Tagesklinisches oder eine stationäre Behandlung anzuschließen? Verweisen wir an ambulante Psychotherapeuten und so weiter.
Aber das ist erst möglich, wenn wir dieses Konsil stellen und eine Diagnostik vornehmen. Und das ist sozusagen das Ziel, den Menschen zu ermöglichen, in den Krankenhäusern im Norden Sachsen-Anhalt, wo das bisher nicht stattfinden kann. Ja, und damit eben auch die psychologische Versorgung vor Ort zu verbessern.
Infrastruktur und Krankenkassen
Ja, und cool ist ja dann auch, wenn diese grundlegende Infrastruktur einmal aufgebaut ist, kann man das ja dann auch mit allen Fachärzten machen. Genau, also das wäre in kleineren Krankenhäusern oder vielleicht sogar in Hausarztpraxen in den ländlichen Regionen echt ein riesiger Gewinn.
Du hast ja mit verschiedenen Krankenkassen vor Ort gesprochen. Was machen die denn, um dem hohen Krankenstand in Sachsen-Anhalt entgegenzuwirken? Die Ideen und Ansätze sind da total vielfältig und beginnen schon bei den ganz Kleinen. Dazu vielleicht nochmal Steffi Suchanke von der TKA und René Bethke von der AOK.
Für uns ist natürlich jede Krankheit, die wir verhindern, immer die beste Variante. Wir legen den Fokus auf Gesundheitsförderung und Prävention. Wir müssen sowohl in den Kitas, in den Schulen aber auch am Arbeitsplatz und auch später letztendlich auch bei den Senioren vermitteln, dass es wichtig ist, Gesundheit als eigenverantwortliches Thema zu bedienen.
Wir starten mit über 1500 Maßnahmen in Kindergarten, Schule, Hort, wo wir die Kinder auch schon abholen wollen, dort letztendlich sich richtig zu ernähren. Wir haben einen sehr guten Ansatzpunkt über die Landfrauen gefunden, wo wir wirklich zwei Themen angehen. Wir gehen regionale Ernährung an in Verbindung mit Nachhaltigkeit.
Bei der AOK setzt man sich außerdem über die Landesvereinigung Gesundheit sehr stark dafür ein, dass das Schulfach Gesundheit eingeführt wird, um eben die Gesundheitskompetenz schon bei Schülerinnen und Schülern zu erhöhen. Das finde ich auch total spannend. Das zielt dann ja wahrscheinlich aber vor allem auf Themen wie gesunde Ernährung und Bewegung ab.
Wir haben heute ja aber auch sehr viel über psychische Erkrankungen gesprochen. Wie sieht es denn da aus? Ich war ehrlich gesagt überrascht, auf wie vielen Ebenen das schon eine Rolle spielt. In der AOK ist man allein in Sachsen-Anhalt jährlich mit 1500 Firmen in Kontakt, wo man Stress-Screenings unter den Angestellten durchführt und eben auch so ganz individuell schaut, wie kann man für Mitarbeitende zum Beispiel mit Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen oder eben auch aus ganz anderen Gründen den Stress reduzieren.
Die schauen zum Beispiel in ihre Daten, in welchen Firmen die Krankenstände sehr hoch sind und gehen dann direkt in den Kontakt und bieten zum Beispiel Führungskräfteseminare an, um eben auch dafür zu sensibilisieren, dass Chefs und Chefinnen für die psychische Gesundheit der Mitarbeitenden verantwortlich sind.
Und bei der Techniker Krankenkasse gibt es ganz viele niederschwellige Angebote zu dem Thema im Netz. Also wir haben zum Beispiel auch auf unserer Internetseite dann Angebote, wo man einen entsprechenden Fragenkatalog mal durchgeht und dann für sich sagt: Was kommt denn da raus? Ist da eine Empfehlung? Du müsstest vielleicht mal einen Arzt aufsuchen oder mach mal ein paar Entspannungsübungen.
Das heißt, erstmal ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, bin ich hier auch gefährdet, von meinem Stress in eine psychische Erkrankung abzudriften oder habe ich jetzt vielleicht nur ein Gefühl, dass mir es nicht gut geht? Also allein schon mal den Test. Man kennt das ja aus vielen anderen Medien. Man kann anhand von Fragebögen sich selber mal gegenproben.
Dann gibt es Möglichkeiten, die wir auch online anbieten, wenn es zum Beispiel darum geht, wenn schon jemand mal eine psychische Erkrankung hatte, dass man immer wieder intervenieren kann und dass man das auch online bei uns tätigen kann. Das heißt, der Zugang oder die Hemmschwelle des Zugangs ist relativ gering und man hat die Möglichkeit, einfach auch mal vorher schon Begleitung zu bekommen.
Angebote in der Regelversorgung
Was gibt es für Angebote auch in der normalen Regelversorgung? Viele können aufgrund der Komplexität des Systems gar nicht erkennen, wo er mit seinen Sorgen auch richtig aufgehoben ist. Und da sind wir ein relativ guter Wegweiser mit unseren Angeboten, auch im Online-Format.
Ja, also klingt erstmal super niedrigschwellig. Ich glaube trotzdem, dass bei solchen Angeboten die Offenheit der Person, die das nutzen soll, eine große Rolle spielt. Denn zumindest habe ich das oft erlebt, gibt es schon auch in gewissen Generationen die Haltung: Bei uns kommt so etwas nicht vor.
Und wenn ich nicht offen bin zu suchen oder selbst wenn ich nicht suchen muss, wenn mir jemand das gibt, ich werde es nicht nutzen, wenn ich nicht bereit dafür bin, mir vielleicht einzugestehen, dass ich da mal was testen sollte oder Hilfe annehmen sollte. Also da sind wir wieder bei dem Punkt Eigenverantwortung.
Genau, und da sehe ich eben auch solche Ansätze, wie in die Firmen reinzugehen und eben auch Führungskräfte wirklich zu sensibilisieren, dass sie mit drauf schauen, dass du eben nicht immer alle komplette Verantwortung auf Individuen abschiebst, sondern eben auch guckst, wie kann ich die Strukturen verändern.
Deswegen finde ich diesen Ansatz so spannend, den man da bei der TK zum Beispiel, aber auch in anderen Krankenkassen wählt. Ich will ein letztes Projekt nicht unerwähnt lassen, weil wir haben ja schon drüber gesprochen, viele Menschen in Sachsen-Anhalt mit Rückenschmerzen zu kämpfen haben.
Die AOK hat gemeinsam mit der Uniklinik Magdeburg ein Versorgungsprogramm für Langzeit-Rückenschmerz-Patienten gegründet. Das muss man sich so vorstellen, dass da Ärzte, Psychologen, Psychotherapeuten und auch Schmerztherapeuten gemeinsam eben aus allen möglichen Blickwinkeln auf die Patienten schauen. Und das finde ich total spannend und irgendwie auch zielführend.
Und von solchen Zentren gibt es nur ganze vier in Deutschland. Also das finde ich schon irgendwie spannend, dass es sowas eben auch in Magdeburg gibt. Klingt fast so, als müssten wir uns auch das mal in einer eigenen Folge anschauen.
Ja, ich sehe schon, ich werde jetzt hier die Gesundheitsbeauftragte im Podcast. Katja, vielen, vielen Dank für die ganzen Infos, für die Zahlen, die du mitgebracht hast. Ich fand es total interessant. Ich habe voll viel mitgenommen, vor allem über diese vielfältigen Projekte.
An der Stelle aber auch von uns gesagt: Gesundheit funktioniert auch nur mit einem gut funktionierenden Gesundheitssystem. Und da erleben wir ja gerade, dass da einiges im Argen liegt. Die Frage der Finanzierung ist ein Riesenproblem, steigende Beiträge, die die Menschen extrem belasten. All das ist für uns aber ein ganz eigenes Podcast folgendes Thema.
Deshalb sind wir an dieser Stelle nicht ganz so stark darauf eingegangen. Genau, also hier ging es ja eher darum zu schauen, wo haben die Menschen in Sachsen-Anhalt selbst Anknüpfungspunkte, um sozusagen Dinge vielleicht auch im Kleinen zu verändern. Und mir hat es auch viel Spaß gemacht.
Ich liebe das ja, mich in Zahlen reinzufuchsen. Also es war total spannend, sich mal die ganzen Gesundheitsdaten für Sachsen-Anhalt anzuschauen. Hier im Podcast werden wir in jeder Episode neben unserem großen Thema der Woche ja immer auch noch etwas detaillierter in die einzelnen Regionen Sachsen-Anhalt schauen.
Wir stellen euch zum Beispiel Helden und Heldinnen des Alltags vor, die also bei sich vor Ort etwas Besonderes für den Ort und die Gemeinschaft geschaffen haben. Es kann aber auch ein Lieblingsort von euch Hörerinnen und Hörern sein, sozusagen als Tipp, wo wir unbedingt mal hin müssen, wenn wir da noch nicht gewesen sind.
So wie letzte Woche der Tipp von Annette aus Halle. Oder wir haben so wie heute Veranstaltungen aus der Region für euch. Marie, was hast du mitgebracht? Ja, ich habe passend zum Thema etwas mitgebracht, und zwar einen Tipp aus der Region Dessau-Anhalt Wittenberg.
In Aaken an der Elbe gibt es nämlich einen Kneipp Wasser- und Gesundheitspark, und dort wird am Samstag, 4. April, die Saison eröffnet. Start ist 10 Uhr mit einem gemeinsamen Ankneipen, und im Anschluss gibt es noch eine geführte Radtour. Also wer möchte, 40 Kilometer durch die Elbauenlandschaft mit Fährüberquerung, habe ich gelesen.
Also ich finde, das klingt total schön für so einen Samstag. Manche schwören ja auch aufs Kneippen. Hast du das schon mal gemacht? Ehrlich gesagt, trifft man mich eher in Kneipen als beim Kneippen. Hätte ich jetzt mal vorsichtig so formuliert.
Aber ich finde auch, das mit der Radtour, das klingt doch nach einem netten Ostersamstag. Und das Wetter soll ja auch ein bisschen besser werden am Wochenende. Und natürlich, du sagst es, es ist Ostern, und das bedeutet in ganz vielen Regionen Osterfeuer und überhaupt ganz viele verschiedene Osterveranstaltungen.
Und ausgewählte Highlights findet ihr in unserem Newsletter. Habt ihr Hinweise, Tipps oder vielleicht auch Lieblingsorte für uns, dann wollen wir das unbedingt wissen. Oder noch viel besser: Hört uns also gerne Audios. Die könnt ihr ganz leicht per Sprachnachricht aufnehmen und dann versenden an dazwischen@detektor.fm.
Und wenn ihr noch tiefer in Sachsen-Anhalt eintauchen wollt, dann abonniert auch unsere Newsletter, denn dann bekommt ihr jede Woche noch mehr Geschichten und Facetten aus Sachsen-Anhalt direkt in euer Postfach. In dieser Woche lest ihr da beispielsweise natürlich ganz viele Veranstaltungstipps für das Osterwochenende.
Nächste Woche Donnerstag gibt es hier im Podcast dann eine neue Folge von Dazwischen, und da geht es nach Dessau-Roslau, in die Stadt, in der ich aufgewachsen bin. Ich bin dort im Mitmachlokal verabredet. Was das ist, wie das funktioniert und warum es Orte wie diesen eigentlich überall braucht und warum das auch noch gut für unsere Demokratie und unser Miteinander sein kann, das alles erfahrt ihr in der nächsten Folge am Donnerstag. Bis nächste Woche.