So, und ich sag’s ganz ehrlich: Wenn man zwei kleine Kinder hat, in meinem Fall jetzt, geht’s jetzt, werden die ein bisschen größer und langsam geht’s so beide Richtung Schule.
Aber wenn die so ganz klein sind und du hast die ganze Zeit so ein Baby an dir dran und die ganze Zeit eine Verantwortung über irgendwas, natürlich sehe ich nicht immer geil aus. Natürlich sind nicht meine Haare immer gewaschen oder ich laufe da irgendwie aufpoliert rum.
Und dann ist das vielleicht auch für einen Partner auch erstmal eine Umstellung. Ja, natürlich, dass der das akzeptieren soll, da brauchen wir nicht drüber reden. Ja, aber es ist eine Umstellung, dass auch die Partnerin zum Beispiel gestresst ist, nicht ausgeschlafen ist, dass sie nicht mehr diese frechen süßen Gags die ganze Zeit macht.
Das ist ein Wachsen auch in der Beziehung und die Sexualität muss da irgendwie mitwachsen oder sich anpassen, dass sie sich verändert. Das ist in Stein gemeißelt. Das kann ich auf jeden Fall allen sagen. Ja, egal wie fröhlich ihr rumgebummst habt, das wird sich verändern.
Mama konkret, der Podcast
Und damit herzlich willkommen bei Mama konkret, dem Podcast von Julita und dem Podcast Radio detektor.fm. In der letzten Folge haben wir über den weiblichen Zyklus gesprochen.
Heute geht es um ein Thema, über das viele nach Kindern plötzlich weniger sprechen, nämlich Sex, Lust, Nähe und Partnerschaft. Denn zwischen Schlafmangel, Mental Load und Familienalltag verändert sich oft auch das Liebesleben.
Aber warum eigentlich? Und wie finden wir als Eltern wieder näher zueinander? Ich bin Julie, zweifach Mama und deine Host. Und wie immer bekommst du hier meinen ehrlichen Blick als Mama, von dir das Wissen und Impulse, die du direkt mit in deinen Alltag nehmen kannst.
Und heute ist Toya Diebes, Speakerin, Unternehmerin und Content-Kreatorin bei mir. Viele kennen sie online als Toya Girl. Sie spricht offen über Beziehung, Weiblichkeit, Mental Load und moderne Mutterschaft. Schön, dass du da bist, liebe Toya.
Hallo! Hallo! Du bist hier und ich freue mich wirklich sehr, denn ich muss sagen, jedes Mal, wenn ich auf deinen Account gucke, du inspirierst mich schon, was das Thema moderne Mutterschaft, Weiblichkeit und so weiter angeht.
Und ich fall jetzt gleich schon mit der Tür ins Haus. Ja, weil du bist ja auch Mama. Warum deiner Meinung nach verändert sich Sexualität durch Elternschaft so stark? Beziehungsweise warum verändert sich das Liebesleben nach Kindern so stark?
Du kannst gerne von dir persönlich sprechen oder vielleicht hast du auch irgendwie so eine Meinung oder so. Yes, das ist meine persönliche Meinung, die habe ich mir irgendwie gebildet.
Aber das wäre, glaube ich, so eine Frage, die wir vielleicht mal zusammen besprechen könnten, weil es betrifft, glaube ich, fast alle Mütter. Also ich musste gerade erst mal lachen, weil ich hier dann sitze und das beantworten soll.
Das ist wohl eine Frage, die sich alle Paare irgendwann stellen müssen, obwohl sie vielleicht vor Kindern denken, ach, uns passiert das nicht, weil wir sind sexuell so geil drauf und wir verlieren das auch nicht aus dem Blick.
Und so. Ich glaube, sobald Kinder da sind, oft ist es ja auch schon, wenn du schwanger bist, dass der eine Partner sagt, schwanger bin ich, aber jetzt nicht mehr. Oder auch die Frau.
Oder die Frau sagt, nein, oder das ist genau das Gegenteil. Die Frau sagt, jetzt bin ich aber, weil die Hormone durchdrehen, jetzt bin ich aber besonders geil. Warum willst du jetzt nicht?
Also da fängt das, glaube ich, einfach schon an. Und mit Kindern, ja gut, also alle Eltern, die wissen, was Kinder für eine Arbeit auch sind, was die für Bedürfnisse haben, auch nachts.
Dann schlafen die da am Schluss ja eh alle irgendwie mit dir im Bett, egal ob du das willst oder nicht, gefühlt. Wo soll denn da der Sex aufhören? Ganz ehrlich, ich finde es richtig cool, dass du auch Arbeit gesagt hast.
Also es gibt ja auch Mütter und Frauen, die trauen sich gar nicht so richtig zu sagen, dass Mutterschaft Arbeit ist. Ich finde, es ist eine Arbeit. Ich finde, es ist ein 24/7-Job.
Und weil du gerade sagst, nachts, wo soll man denn da noch Sex haben? Also ja, es ist ein 24/7-Job. Und wenn ich mir das vorstelle, ich habe ja noch ganz andere Seiten an mir, nämlich eigentlich auch eine Julie, die einen Partner hat, ein Liebesleben hat und auch noch eine eigene Persönlichkeit hat.
Wo soll das irgendwie noch alles reinfitten? Ich persönlich fand immer, Schlaf, also Schlafmangel hat mich komplett verändert irgendwie. Und ich muss dir ganz ehrlich sagen, ich habe null, null Liebesleben-Ambitionen gehabt in den ersten zwei Jahren.
Ich glaube, es lag wirklich auch krass an meinem Schlafmangel. Ganz ehrlich, weil die letzte Energie, die mir geblieben ist, irgendwie, die habe ich halt wirklich für mich, vielleicht fürs Duschen und für keine Ahnung, mal irgendwie ein Buch lesen oder irgendwas aufgekauft, aber bestimmt nicht für mein Liebesleben.
Ich muss es ganz offen und ehrlich sagen. Ich weiß nicht, wie das bei dir war, aber das habe ich komplett depriorisiert. Es war für mich wirklich keine Priorität.
Vielleicht leiden auch die Väter darunter oder Partner darunter, weil wir ja, weil ich gar keine Lust habe oder viele Mütter gar nicht so die Lust haben. Ich weiß nicht, wie das für die anderen ist.
Vielleicht denken die sich, die Partner, ja, ich habe aber Lust, aber meine Frau hat irgendwie nicht so richtig Lust. Mein Mann hat da auch nie wirklich was dazu gesagt. Aber ich kann für mich sprechen, ich habe da gar keine Energie irgendwie gehabt für sowas.
Ja, total verständlich. Ich fand das ganz, ganz krass. Und ich habe mich irgendwann auch gefragt, trotzdem, ob das normal ist. Weißt du, spricht auch keiner drüber.
Also ich meine, wenn ich jetzt so mal so mich umhöre im Freundeskreis, Bekanntenkreis, setze ich abends nicht an den Tisch und sag so bei einer Flasche Wein: „Wie oft habt ihr so im Monat, keine Ahnung, irgendwie Sex?“ Ich habe keine Ahnung.
Und irgendwann, wenn du nicht selber mal auf das Thema kommst oder selber mal ansprichst, sagt ja auch keiner was. So, wie viel ist denn eigentlich? Gibt es ein Normal? Weiß ich nicht.
Gibt es ein Normal, was das Liebesleben, Sex, irgendwie so, keine Ahnung, ich weiß nicht, zweimal im Jahr, zweimal im Monat, zweimal in der Woche? Ich glaube, es gibt kein Normal.
Ja, absolut. Ich finde es total, aber man stellt sich ja die Frage. Also ich habe wirklich gedacht, ist das jetzt nur ich oder geht es auch anderen so? Hast du dich das jemals gefragt, ob das normal ist?
Ja, ob das normal ist. Ehrlich gesagt, ich habe das als total normal empfunden, weil ich mich überhaupt nicht mit der Frage auseinandergesetzt habe, wo gerade jetzt da der Sex reinpasst.
Ich glaube, das hängt auch ganz stark davon ab, was man für eine Beziehung führt und welche Kommunikation man in der Beziehung hat. Es gibt viele Paare, denen fällt es total schwer, generell auch ohne Kinder über Sexualität zu sprechen.
Und wenn dann auch noch Kinder da sind, und es ist ja irgendwann auch ein Elefant im Raum, dass man selber weiß, okay, bisher hatten wir vielleicht, weiß ich nicht einmal in der Woche Sex und jetzt ist es irgendwie alle drei Monate.
Und bei manchen ist es halt dann noch länger eine Zeit lang, dass man, glaube ich, ganz lange als Paar auch um diesen Elefant rumtänzelt. Und wenn er dann angesprochen wird, dann ist er da und dann kann es halt auch ganz schnell komisch werden, weil dann vielleicht die eine Person sagt, so hey, wir haben irgendwie gar keinen Sex mehr.
Stimmt, wir haben gar keinen Sex mehr. Und dann muss man, glaube ich, auch ganz doll aufpassen, dass das nicht zum Problem wird. Stimmt, weil wenn es dann so eine ganz lange Zeit ist, wo nichts passiert, dann kennt, glaube ich, jeder, dass diese, ich nenne es jetzt mal, Überwindung da ist, zu sagen: „Na Schatzi, wollen wir heute mal wieder Sexytime?“
Und alleine diese Frage zu stellen, das ist als Elternpaar ja schon eine Terminsache, weil man gerade, wenn die Kinder sehr klein sind, überlegen muss: Okay, wann schläft das Kind? Schläft das durch? Schläft das jetzt bei uns im Elternbett? Wo bumsen wir denn dann?
Also es muss ja irgendwie schon geplant werden. Bin ich geduscht? Habe ich hier irgendwo noch Muttermilch? Also es muss alles organisiert werden. Und davon muss man sich frei machen.
Ich finde das aber so unsexy. Also weißt du, was ich meine? Das ist doch ein, wie sagt man so schön, so ein Party Crusher oder was? Wie nennt man das? Also Party Crusher oder was?
Ja, da muss man sich dran gewöhnen, glaube ich. Ich fand das immer voll schwer, weißt du? Ich habe auch von Paaren gelesen, die tatsächlich sich im Terminkalender wirklich irgendwie einen Tag angemalt haben oder eine Blume hingemalt haben oder keine Ahnung was, weil die gesagt haben: So, alle zwei Wochen verabreden wir uns dann und dann für ein…
Ich finde das ganz schlimm. Und dann geht das schon. Ich kenne ehrlich gesagt kaum ein Paar, die das nicht so machen. Und Hauptsache, wir machen dat. Und ich denke mir jetzt mal so, das geht bei mir nicht.
Es funktioniert einfach nicht, weil wenn ich da keinen Bock drauf habe, habe ich da keinen Bock drauf. Aber wird so ein bisschen als Hack kommuniziert manchmal, weißt du? Hält die Beziehung frisch.
So, verabrede dich einfach, dann läuft das schon. Aber apropos verabreden, ich glaube, das ist ein Punkt, gerade mit Kindern im Haus: Wann, wie und wann willst du das machen?
Also da würde ich mich, glaube ich, oder ich war am meisten entspannt, wenn ich jetzt zum Beispiel meine Mama hätte, mein Papa, wo ich weiß, ich kann meine Kinder da mal vorbeibringen, ich kann die abgeben oder irgendjemand, der meine Kinder mal auch für eine Weile nimmt.
Dann kann ich auch abschalten, weil ich nicht ständig das Gefühl habe: Ah, ich habe jetzt was gehört. Ah, vielleicht ist da jemand wach. Vielleicht kommt da jetzt irgendwie ein Kind rüber oder so.
Und man muss halt auch wirklich abends noch die Energy haben. Ich weiß nicht, also mein Mann kam platt von der Arbeit und ich war platt vom Tag mit meinen Kiddies noch in der Elternzeit.
Und wenn beide irgendwie out of energy sind, also ich frage mich wirklich, wie das funktionieren soll. I have no idea. Also wahrscheinlich ist es doch relativ normal. Vermutlich geht es ganz vielen Müttern und Vätern auch so.
Du hast ja vorhin gesagt, Kommunikation ist ja wichtig. Wenn einmal der Elefant im Raum steht, dann schwebt das so ein bisschen als negatives Thema eventuell im Raum. Ich frage dich jetzt einfach mal, so hast du Tipps? Hast du wirklich, hast du eine Idee?
Für was genau meinst du? Wie man das Thema kommunizieren kann, dass man zu wenig Sex hat, meinst du? Ja, wie man das einfach mal sagen kann oder könnte. Hast du da irgendwie eine Idee?
Also Kommunikation finde ich ist sowieso das Allerwichtigste in der Beziehung. Ist jetzt auch egal über was. Und auch wenn man vielleicht sich dabei unangenehm fühlt, ein Bedürfnis auszusprechen, dann muss man sich aber, also man hofft ja immer als Person, dass der Partner sich darum kümmert.
Also man selber will ja, dass der Partner dann kommt: „Mensch, Schatzi, du siehst aber wieder gut aus“ oder „Hey, ich hätte mal wieder Bock auf dich.“ Also man wartet ja die ganze Zeit darauf.
Und ich glaube, davon muss man sich sofort verabschieden. Wenn man selber was möchte und einem selber was fehlt, dann muss man es unbedingt ansprechen, weil von alleine passiert meistens gar nichts.
Und es kann sein, dass die andere Person genauso denkt. Und dann steht ihr da und habt eventuell den gleichen Wunsch oder das gleiche Bedürfnis. Keiner fühlt sich mehr gesehen.
Die eine Person denkt so: „Cool, mir macht ja keiner mehr ein Kompliment.“ Die andere denkt sich: „Toll, der will mich gar nicht mehr.“ Also da baut sich dann so ein Ungeheuer auf.
Und letzten Endes liegt es einfach nur daran, weil man selber nicht ausdrückt, was man eigentlich möchte. Und ich glaube, das ist wirklich der erste Schritt.
Weil dieser Elefant, von dem ich rede, der ist eigentlich gar nicht so groß. Eigentlich ist das ziemlich klein. Man muss es einfach nur aussprechen. Und wenn es sich für einen selber komisch anfühlt, verstehe ich.
Aber meistens für den anderen ist es eben nicht so. Ich fand gerade total gut, wie du von dieser Erwartungshaltung kurz gesprochen hast. Nur weil ich denke, mein Mann sagt gar nicht mehr von wegen: „Hey, du siehst aber toll aus.“
Und startet irgendwelche Ernährungsversuche auch mal so zwischendurch oder mal eine Umarmung oder so. Man hat so eine automatische Erwartungshaltung oft an den Partner. Da gebe ich dir recht.
Es ist nicht nur in der Partnerschaft so, das ist ja überall im Leben so. Man hat immer das Gefühl: „Mich sieht keiner.“ Das ist das Urproblem, warum man eine Unsicherheit hat.
„Mich fragt wieder niemand. Mich sieht wieder niemand. Ich ziehe immer den Kürzeren.“ Wenn man das selber nicht kommuniziert, wenn du was willst, musst du das wirklich ausdrücken.
Du musst das sagen. Sonst von nix kommt nix. So banal, dass es auch klingt. Das klingt für mich so ein bisschen so, als hättest du das auch, wärst du auch total gewachsen.
Daran gewachsen, kann das sein? Dass du früher anders gedacht hast oder das noch gar nicht so gelebt hast, wie du es jetzt tust? Weil für mich klingt das so von Anfang an.
Ich bin ein sehr direkter Mensch. Find ich sensationell. Ich bin ein sehr direkter Mensch. Ich sage aber nicht, dass das bei mir alles glatt läuft.
Also man braucht jetzt nicht denken, dass ich hier jeden Tag die beste Version meiner selbst bin oder die beste Beziehung führe, die man sich vorstellen kann. Jeder hat irgendwie so seine Issues.
Und ich habe auch einen schlechten Tag, wo ich mir denke: „Jetzt nervt der mich.“ Oder mein Mann denkt sich: „Jetzt hat die Alte hier wieder ihren Stuhl nicht reingeschoben.“
Oder so. Das sind ja oft auch diese Kleinigkeiten, wo man dann genervt ist vom anderen. Da fällt einem natürlich nicht als Erstbestes ein: „Jetzt sage ich dir mal, wie geil die heute aussieht.“
Und ich sage es ganz ehrlich: Wenn man zwei kleine Kinder hat, in meinem Fall jetzt, geht es jetzt, werden die ein bisschen größer und langsam geht’s beide Richtung Schule.
Aber wenn die so ganz klein sind und du hast die ganze Zeit so ein Baby an dir dran und die ganze Zeit eine Verantwortung über irgendwas, natürlich sehe ich nicht immer geil aus.
Natürlich sind nicht meine Haare immer gewaschen oder ich laufe da irgendwie aufpoliert rum. Und dann ist das vielleicht auch für den Partner auch erstmal eine Umstellung.
Ja, natürlich, dass der das akzeptieren soll, da brauchen wir nicht drüber reden. Aber es ist eine Umstellung, dass auch die Partnerin zum Beispiel gestresst ist, nicht ausgeschlafen ist, dass die nicht mehr diese frechen süßen Gags die ganze Zeit macht.
Das ist ein Wachsen auch in der Beziehung und die Sexualität muss da irgendwie mitwachsen oder sich anpassen, dass die sich verändert. Das ist in Stein gemeißelt.
Das kann ich auf jeden Fall allen sagen. Egal wie fröhlich ihr rumgebummst habt, das wird sich verändern. Ich mache dir das immer noch, aber alle Trailer.
Egal wie fröhlich ihr rumgebummst habt. Ja, so ist es. Aber auch wenn du selber total schlodderig rumläufst, zumindest dich selber so wahrnimmst, Haare ungewaschen, das nehmen auch andere so wahr.
Man fühlt sich vielleicht nicht mehr ganz so wohl in seinem Körper, wenn man denkt: Mensch, es hängt und irgendwas ist schlaff und ich fühle mich nicht so fit.
Vielleicht gibt es auch welche, die nicht zufrieden sind mit ihrer Figur. Mein Gott, wo ich auch immer schon sage: „Mutti, ganz ehrlich, ihr habt Kinder gekriegt. Bitte, bitte, bitte kommt mal wieder klar. Guckt nicht so viel Instagram, wirklich.“
Muss gerade ich sagen. Aber bitte guckt euch nicht die Videos an. Ich sehe so aus nach Postpartum, sechs Wochen und irgendwelche Tipps, wie man ganz schnell wieder mit den Trainings die innere Mitte findet.
Bitte, bitte, guckt es euch nicht an. Klar, wenn du einmal in dieser Bubble drin landest, in dem Algorithmus bist du da drin und kriegst nur noch so ein Zeug ausgespielt.
Aber wenn du dich selber schon vielleicht ein bisschen unwohl fühlst, also ich fühle mich auch schon so schnodderig und podderig. Ganz ehrlich, du strahlst ja auch nicht, ich sage jetzt mal überspitzt formuliert, du strahlst ja auch nicht eine Sexgöttin aus.
Also du strahlst es ja auch nicht aus, wie von wegen: „So hey, ich fühle mich geil.“ So läufst du ja auch nicht rum. Irgendwie.
Also die Ausstrahlung ist, glaube ich, auch das, was es ausmacht. Teilweise so nonverbale Kommunikation finde ich halt auch. Weißt du, du sendest ja auch Signale an andere Menschen aus.
Wenn du irgendwie so da den Alltag bestreitest und auch sehr viel mit dir und dem Kind zu tun hast, dann sendet das Signale aus. Verstehe ich schon auch irgendwie, dass der Partner dann nicht sagt: „So hey, wollen wir mal?“
Also der merkt es ja auch. Der sieht doch, dass du mit ganz anderen Themen beschäftigt bist. Also ich versetze mich jetzt auch mal in den Partner hinein, wenn ich jetzt mal so darüber nachdenke.
Und auf der anderen Seite erwarten wir aber, der könnte doch mal wieder kommen und mal ein bisschen irgendwie mal anfangen, irgendwie keine Ahnung, bisschen näher mir zu geben oder irgendwie so langsam mal da irgendwie was zu machen oder so.
Kann ich auch irgendwie verstehen, dass der Partner da vielleicht nicht oder Partnerin da irgendwie so mit drauf springt.
Thema weiblicher Körper
Thema weiblicher Körper wollte ich ganz gerne noch mal mit dir bequatschen, weil gerade du übrigens, deine Schlüpfer sind ein Traum. Ich hab die auch bei mir in der Schublade zu Hause.
Sag die Marke gerne mal. Batz, Leute! Batz! Richtig. Ich hab da ein paar in der Schublade und tatsächlich habe ich gemerkt, es fängt ja auch schon damit an, wie man auch sich selber wahrnimmt und wie man sich um sich selber kümmert.
Also sprich, wenn ich jetzt einen bequemen Schlüpper anhab, der schön aussieht, in dem ich mich wohlfühle oder auch irgendwie ein Kleid trage, wo ich mich wohlfühle, macht das ja auch was mit mir.
Und ich finde es immer so cool, wie du auch darüber sprichst, über diesen weiblichen Körper. Hadert nicht ständig mit euch. Guckt euch normale weibliche Körper an und vergleicht euch nicht ständig miteinander und seid doch einfach dankbar dafür, was ihr habt.
Ja gut, so sage ich es glaube ich nicht. Also mir geht das ehrlich gesagt voll auf den Sack, wenn Frauen immer sagen: „Sei zufrieden mit dem, was du hast und wie du aussiehst.“
Und so, weil das kannst du einer Frau hundertmal am Tag sagen, dann nickt die Frau das ab und wenn die dann nach Hause geht und sich vor den Spiegel stellt, dann sagt die: „Nee, wenn du es nicht fühlst, das ist total normal.“
Und ich würde mal behaupten, ich bin 89er Jahrgang, ich bin Millennial, ich bin aufgewachsen mit einem flachen Bauch von Paris Hilton und Christina Aguilera.
Mir wurde das reingeschossen in die DNA, dass ich mich immer zu dick fühle. Und das ist in unserer Generation oder bei den Millennials, glaube ich, total normal.
Ich glaube, es ist eher wichtig, dass man selber nicht so streng zu sich ist. Also es ist völlig in Ordnung, dass du nicht sagst: „Mein Körper ist schön, wie er ist und ich bin zufrieden, wie er ist.“
Ich bin das auch nicht. Es gibt Stellen in meinem Körper, die finde ich fürchterlich. Und es ist auch mein Recht, dass ich die fürchterlich finde.
Aber ich versuche da halt nicht so streng zu sein. Du hast es auch gesagt, du hast halt nur mal Menschen rausgepresst und dein Körper hat da was vollbracht.
Dafür sieht er halt an manchen Stellen halt nicht mehr, war halt eine Baustelle und die Baustelle ist an ein paar Stücken halt nicht mehr so ganz zu Ende gebaut worden.
Und das ist auch völlig in Ordnung so. Mir geht das halt nur auf die Nerven, dass Frauen die ganze Zeit dazu gedrängt werden, sich durchzuoptimieren.
Also eine Frau ist das Ziel, auch von der Gesellschaft, ist nie, dass die Frau zufrieden ist. Auch von Marken nicht. Das Ziel ist immer: Du kannst noch ein bisschen dünner werden, du kannst noch ein bisschen jünger werden, ein bisschen glatter, ein bisschen sportlicher.
Ein bisschen geht noch. Und das ist einfach in uns drin. Und ich glaube, es ist auch schwer rauszukriegen.
Aber wenn du das weißt, dass eigentlich das Status quo ist, dass du nie zufrieden sein wirst, weil die Gesellschaft das nicht will, dann hast du schon eine Menge gewonnen.
Total, ja. Ja, und ich finde halt, wenn man den Kreis schließt, wenn du halt als Frau nicht zufrieden mit dir selbst bist und von mir aus kannst du deine Stellen haben, wo du sagst: „Ich finde dich kacke“ und das ist mein gutes Recht.
Aber wenn die Grundwahrnehmung wirklich negativ ist, weil du sagst: „Ich kann mich nicht im Spiegel angucken“, dann finde ich das schon auch einen Faktor, der dazu führt, dass eben auch, ich sag jetzt mal, das Liebesleben unter anderem, was heißt darunter leidet, aber das ist bestimmt ein Faktor, der dazu führt, dass das einfach auch wenig oder nicht existent ist.
Weil ich finde, gerade wir Mütter haben schon damit zu kämpfen. Das ist jetzt nicht nur der Schlafmangel und ich habe keine Energie mehr und ich habe keine Lust mehr.
Ich finde schon auch, Selbstwahrnehmung ist auch ein Faktor, der da mit rein spielt. Der Körper verändert sich, also bei den meisten. Und das hat halt ein Mann nicht.
Also ein Mann kriegt halt keine Kinder. Also der Körper, gut, viele sagen, sie werden mitschwanger, weil sie mehr essen oder weiß der Geier was.
Aber weißt du, was ich meine? Männer haben ja nicht diese schwerwiegenden körperlichen Veränderungen. Aber der weibliche Körper verändert sich extrem, wenn man ein Kind kriegt.
Ob du das jetzt willst oder nicht, ist halt so. Und das finde ich schon, ist ein Faktor, der mit rein spielt. Und Männer haben es halt nicht.
Also sorry, aber die können es auch nicht fühlen. Natürlich können sie es nicht fühlen, weil sie es nicht haben.
Aber das ist etwas, wo ich mir manchmal noch so ein bisschen mehr, naja, Verständnis, ich weiß nicht, ob das das richtige Wort ist, aber auch noch mal so ein bisschen mehr Offenheit mir manchmal wünsche, einfach von anderen Menschen oder auch vom Umfeld.
Weil, ist doch normal. Du meinst, dass die Frau sich nicht mehr… Ja, ist doch normal, dass Frauen sich vielleicht nicht mehr so wohlfühlen in ihrem Körper nach Kinderkriegen.
Was ist denn daran so schlimm? Also jetzt mal ganz ehrlich, wie du gerade schon vor uns erst mal gesagt hast: „Du hast ein gutes Recht zu sagen, ich bin nicht zufrieden mit meinen Beinen oder was auch immer.“
Ist doch okay zu sagen: „Ich fühle mich halt gerade aber nicht so gut da drin.“ Und vielleicht kann man auch mal eine Weile in dem State so bleiben. Ja, es ist legitim.
Abschluss
Magst du noch irgendwas sagen? Hast du irgendeine Message, die du noch sagen willst an Mütter, an Frauen, die dir wichtig sind oder so?
Also ich glaube, es ist super wichtig, dass man sich Zeit gibt nach einer Geburt mit dem Kleinkind. Man muss Geduld haben mit dem eigenen Körper, mit den Hormonen.
Das dauert teilweise bis zu zwei Jahren. Ich weiß, dass Frauen mit viel Körperlichkeit zu kämpfen haben. Dann kommt der Haarausfall, deine Brüste sehen nicht mehr so aus, wie sie mal aussahen.
Dein Gewebe ist anders. Deine ganze Libido ist anders, als sie vorher war. Und das kann super frustrierend sein, nicht nur für einen selber, sondern das kann sich natürlich dann auch auf die Partnerschaft übertragen.
Und es gibt, glaube ich, wenig Hilfetipps dazu geben, weil das so individuell ist, wie man das fühlt. Und es kann aber erdrückend sein, dieses Gefühl.
Und man darf einfach sich nicht zu viel Druck machen, dass das sofort alles wieder so ist, wie es vorher ist. Wird es nicht sein. Es wird anders sein.
Und sich da weiterzuentwickeln, da muss man sich drauf einlassen. Hauptsache man ist nicht so streng mit sich selbst, vor allem nicht mit dem eigenen Körper.
Und ich weiß, dass auf Social Media einem Bilder gezeigt werden, die definitiv nicht der Realität entsprechen. Auch wenn es da um Care-Arbeit geht oder um Body Positivity, die ja vor allem von schlanken Frauen präsentiert wird, die Body Positivity und selten von Frauen, die dann vielleicht wirklich in dieses Genre reinpassen würden.
Ey, du wirst wenn du dein Handy in die Hand nimmst, sofort ein Druckgefühl erfahren. Das ist ein Tipp, den ich geben kann. Wenn du das Gefühl hast, es ist alles zu viel, alle mögen es besser als du, alle sehen besser aus als du, das ist alles eine Lüge.
Leg einfach dein scheiß Handy weg. Danke. Ja, leg es weg, mach eine Pause. Hast du es selber schon mal gemacht? Machst du das? Ja, natürlich.
Ist aber schwer, das Handy wegzulegen. Ich finde es schwer. Ja, einfach gesagt, mach eine Pause, mach Digital Detox.
Okay, das finde ich total wundervoll, dass du das noch mal so gesagt hast. Und vor allem das: Sei nicht so streng mit dir. Wundervolles Credo.
Das war Toya Diebes, Speakerin, Unternehmerin und Content-Kreatorin. Danke dir für dieses offene und ehrliche Gespräch.
Und an dich da draußen: Wenn du dich heute ein kleines bisschen weniger allein gefühlt hast, dann hat diese Folge genau das getan, was sie sollte.
Das war Mama konkret, der Podcast über Mutterschaft von Julie Tan und dem Podcast Radio detektor.fm. Danke an das Team hinter den Kulissen.
Für Audio und Video waren verantwortlich: Tim Schmutzler, Benjamin Serdani und Clemens Möller. Gäste, Recherche und Redaktion: Ina Lebedjew.
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