Fast 60 Prozent der Männer machen keinen einzigen Tag Elternzeit. Die, die Elternzeit machen, machen diese oft, also drei Viertel davon, machen diese obligatorischen zwei Partnermonate. Und von denen wiederum gibt es nur ein Drittel der Männer, die wirklich ohne dass die Frau parallel zu Hause ist, Elternzeit nehmen. Und genau das ist aber das, was man braucht: Alleine verantwortlich sein, um zu sehen, wie dieser Alltag sich akkumuliert. Denn jedes kleine Ding – also alles, was wir aufgezählt haben: die Wäsche zu machen, ans Essen zu denken, an die U-Untersuchung zu denken, an den Turnbeutel zu denken – das ist ja alles nicht so viel oder so komplex. Aber die Summe macht es ja einfach. Und ich glaube, das fühlt man erst, wenn man in dieser Rolle ist.
Mama konkret – der Podcast. Und damit herzlich willkommen! Das ist Mama konkret, der Podcast von Juli Tan und dem Podcast Radio detektor.fm. Heute sprechen wir über etwas, das man nicht sieht, aber ständig spürt: Mental Load. Über das Funktionieren, über Schuldgefühle und über die Frage, warum so viele Mütter erst merken, wie erschöpft sie sind, wenn eigentlich gar nichts mehr geht. Heute bekommst du meinen Vibe als Mutter, Fachwissen von einer Expertin und ganz wertvolle Tipps, die du für dich mitnehmen kannst. Hi, ich bin deine Host Juli Tan und das hier ist meine Gästin heute: Patricia Kamarata, Autorin, Speakerin, Podcasterin und eine der wichtigsten Stimmen, wenn es um Mental Load, Gleichberechtigung und Vereinbarkeit geht. Schön, dass wir heute sprechen, liebe Patricia. Vielen Dank für die Einladung! Gerne.
Ich möchte ganz gerne heute einmal direkt mit dir in dieses Alltagsthema einsteigen. Und ich habe hier mal ein paar Sätze aufgeschrieben, die so ganz klassisch für so einen Mamakopf sind. Und zwar viele Gedanken, die uns Mütter so durch den Kopf gehen: Parallel: Wann ist nochmal der Elternabend? Ist noch Wechselkleidung im Tagesrucksack im Hort? Ich muss noch den nächsten Vorsorgetermin für den Kinderarzt ausmachen. Oder da fällt mir ein: Nächste Woche ist ein Kindergeburtstag und wir haben noch kein Geschenk besorgt. Ja, also das fühlt sich ja oft an wie so ein ganz normaler Familienalltag. Und man denkt halt einfach: Ja, das gehört halt alles dazu.
Jetzt frage ich dich einfach mal: Glaubst du denn, dass dieses ständige Mitdenken, also diese ständigen Fragen im Kopf und diese parallelen Projekte und Gedanken im Kopf, kann das irgendwann eigentlich mal problematisch werden? Das kann problematisch werden, weil das natürlich Überhand nehmen kann, wenn das vor allem auch sehr stark auf den Schultern einer einzigen Person lastet. Eine Familie hat ja meistens mehrere Mitglieder. In so einer klassischen heteronormativen kleinen Familie gibt es ja auch einen Vater, der ja auch diese Dinge im Kopf haben könnte. Aber in der Realität ist es eben oft so, dass es doch meistens die Mütter sind, die diese unendliche To-do-Liste – weil nichts anderes ist es ja – im Kopf haben und die diese Verantwortung trägt, dass der Familienalltag funktioniert und zwar für alle Familienmitglieder. Man denkt ja oft eben nicht nur an die ein, zwei, drei Kinder mit, sondern tatsächlich auch ganz viel an die Termine des Mannes und was sonst auch alles im Haushalt anfällt. Und wenn man ein bisschen älter ist und Mutter ist, hat man ja auch Eltern. Und da werden Eltern eben oft auch hilfsbedürftig, irgendwann pflegebedürftig vielleicht sogar. Und das kommt auch noch on top. Und wenn es dann zu viel wird, dann kann das auch eine wirkliche Belastung werden. Dann ist es aber eben kein Mental Load in dem Sinne, sondern es ist ein Mental Overload. Ein Mental Overload, tatsächlich, ja genau.
Jetzt ist es ja so, dass – also ich kenne auch einige Freundinnen oder aus dem Bekanntenkreis – so der Satz: „Ich komme schon klar. Es ist viel, aber ich komme schon irgendwie zurecht.“ Also man ist teilweise dann tatsächlich mehrere Jahre dauerangespannt, merkt das auch. Aber viele sagen: „Es ist jetzt halt so und irgendwie komme ich schon zurecht.“ Warum fühlen oder warum funktionieren denn so viele Mütter einfach lange und dann merken sie erst relativ spät, dass sie wirklich überlastet sind? Also nicht nur belastet, wie du es gerade schon mit dem Overload gesagt hast. Warum merken die erst so spät, dass sie überlastet sind? Dann ist es ja auch schon meistens schon fast zu spät, oder? Ja, also ich glaube, das hängt ganz stark an unserem Mutterbild. Also dass wir auch glauben, das gehört irgendwie dazu. Das ist normal. Bis hin dass wir ja auch so vielleicht auch liebgemeinte Sprüche haben, die diese Überlastung auch glorifizieren, dass man so etwas sagt wie: „Mütter sind Superhelden.“ Und natürlich beschweren sich Superheldinnen nicht, dass sie irgendwie zu viel im Kopf haben und noch die ganzen To-dos haben und noch quasi in den meisten Fällen ja auch eine Erwerbstätigkeit. Ja, und das führt dazu, dass wir uns ja selber sagen: „Das ist normal, das gehört zur Mutterschaft dazu.“ Man sagt ja auch dann oder hört auch solche Sachen wie: „Du hast dich ja selber entschieden, die Kinder zu kriegen. War ja klar, dass sich dein Leben ändert.“ Also wir sind da auch ein bisschen gnadenlos, wenn wir hören, dass jemand sagt: „Also irgendwie ist es doch ganz schön viel.“ Und das führt dazu, dass eigentlich jede Mutter das auf sich bezieht, die dann irgendwann eben sagt: „Ja, also vielleicht muss ich mich besser organisieren. Vielleicht mache ich irgendwas nicht richtig. Vielleicht stelle ich mich wirklich an.“ Dann guckt man vielleicht noch irgendwie auf Instagram, dann sieht man quasi diese hochpolierte, wunderschöne Welt der weißen Wohnungen, mit quasi alles ist aufgeräumt. Die Kinder haben immer frische Sachen an. Beige Wohnungen. Genau. Also es ist nicht leicht, quasi wirklich da rechtzeitig festzustellen und zu sagen: „Also irgendwie wird es doch ganz schön viel und ich benötige Unterstützung. Ich brauche Hilfe.“ Weil wir uns diesen Schuh auch selber so stark anziehen. Also wir glauben auch, das gehört zu unserem Frausein dazu, so ein bisschen sich so um andere kümmern, auch immer so ein bisschen gestresst sein, so viel im Kopf zu haben. Das empfinden wir als gar nichts Fremdes. Und das muss uns auch ja vor allem niemand von außen sagen: „Kümmer dich jetzt mal“, sondern quasi wir ziehen uns den Schuh schon selber an. Ganz oft.
Das heißt, du hast das total gut jetzt irgendwie ausgedrückt, weil ja es geht nicht nur um die Organisation, sondern, wie du gerade schon das gut beschrieben hast, um Emotionen. Also egal, wie sehr man in der Mutterrolle aufgeht und dann vielleicht noch berufstätig ist, trotzdem hat eine Mama Schuldgefühle. Also ich habe das jetzt mal ein bisschen pauschalisiert, aber ich selber aus eigener Erfahrung hatte auch schon meine Schuldgefühle. Ich sage es ganz offen und ehrlich: Ich habe das Gefühl gehabt, ich bin nicht genug für meine Kinder da und auch nicht perfekt oder auch nicht sehr gut vorbereitet in meinem Job. Ich hatte immer das Gefühl, irgendwas kommt zu kurz. Und je mehr ich mich angestrengt habe oder je mehr Zeit ich investiert habe, desto besser ist es aber nicht geworden. Also das ist ein Trugschluss irgendwie. Ja, man ist da sehr in diesem Hamsterrad der Optimierung auch. Und jede Minute, die wir uns aber durch eine Optimierung rausschälen, die wird ja nicht genutzt, dass wir uns hinsetzen und dann mal irgendwie einen Tee trinken auf dem Sofa und fünfe gerade sein lassen, sondern da springt einfach ein neues To-Do dazu und das kriegen wir dann auch noch erledigt. Und dann wird es wieder ein bisschen optimiert. Dann haben wir wieder ein bisschen Puffer, aber auch den nutzen wir nicht für uns. Und so befindet man sich eben da wirklich in so einer Teufelsspirale.
Du hast vollkommen recht. Und dieses Beispiel gerade, wenn man mal ein bisschen Zeit hat, also ein bisschen Luft, dann könnte man sich ja mit einer Tasse Kaffee oder Tee aufs Sofa setzen. Ja, warum machen wir das dann aber nicht? Kann es sein, dass man schon automatisch so ein gewisses Level erreicht hat, wo man dann auch gar nicht so einfach abschalten kann? Ich kenne das von mir selber, weil dann denke ich: „Ah, jetzt habe ich 10 Minuten Zeit, aber da könnte ich ja noch die Zeit sinnvoll nutzen. Da könnte ich ja noch, keine Ahnung, den Wäschehaufen noch schnell zusammenlegen oder ich könnte noch irgendwie dieses genau eine Bild im Wohnzimmer aufhängen, was schon seit zwei Wochen auf dem Boden steht. Warum ist das denn so? Warum kann man denn nicht bewusst sagen: „Jetzt habe ich Zeit, jetzt kann ich sie für mich nutzen“? Ich glaube, weil das nicht in unserem Bild von Mutterschaft enthalten ist. Also die Mutter, die auf dem Sofa sitzt und vielleicht gibt sie in den Medien die Latte-Macchiato-Mutti, die im Prenzlauer Berg rumhängt. Aber das ist ja Quatsch. Also die gibt es ja nicht wirklich. Und wir haben kein Bild von uns, wie wir als Mütter wirklich mal nichts tun. Und das liegt ja auch daran, dass der Alltag unendlich ist. Also die Spülmaschine ist gerade ausgeräumt, dann steht ja oben auf der Anrichte schon wieder alles bereit, um die wieder einzuräumen. Und so ist es mit den Wäschebergen, mit den Hausaufgaben, mit allem. Also wenn wir selber nicht stoppen, der Alltag stoppt nicht. Und diesen Hebel im Kopf umzuschalten und sich zu sagen: „Genau, das ist aber der Grund, warum wir Pause machen können. Denn die Spülmaschine ist total geduldig. Die wartet jetzt einfach auch. Und der Wäscheberg, der wartet auch. Und es ist wirklich nichts gewonnen, wenn man sich jede freie Minute eben mit einer weiteren Tätigkeit ja quasi füllt. Und selbst dann sagen wir mal so Situationen wie: Man hat einen Arbeitsweg oder man bringt die Kinder zum Sport oder so. Da rattert ja dann wieder im Kopf die To-do-Liste, dass man sich fragt: „Was ist eigentlich nächste Woche? Was steht da an? Ach, die Schwiegermutter hat Geburtstag. Wir müssen auch mal wieder zum Zahnarzt.“ Das heißt, selbst diese Phasen, wo man sagt, man macht da ja nichts, die sind aber im Kopf eben gerade dann auch mit Mental Load sehr gefüllt. Klassischerweise vorm Einschlafen, direkt wenn man aufwacht, abends, wenn man sich hinsetzt und sagt: „Jetzt gucken wir mal irgendwie noch eine Serie oder so.“ Also diese geistige To-do-Liste, die kann eben – und das ist das Tückische – die kann einfach die ganze Zeit laufen. Und die müssen wir selber stoppen. Also die kann niemand anders stoppen. Richtig. Ja, da hast du recht, weil es geht unendlich weiter. Genau, wenn wir nicht einfach mal die Bremse betätigen. Stimmt.
Ich habe mal meine Mamas gefragt auf Instagram. Ich habe eine Mama-Community und ich habe mal gefragt, ganz direkt: Hast du Mental Load? Also hast du das Gefühl, dass du einfach eine große Belastung hast? Ja, im Alltag, der sich Mental Load nennt. Und das Ergebnis ist jetzt nicht so überraschend. Also 92 Prozent haben eindeutig mit Ja geantwortet. Und das finde ich halt schon krass, weil 92 Prozent ist schon eine sehr hohe Zahl, finde ich. Und Studien zeigen ja auch, zum Beispiel, Frauen leisten ja nach wie vor deutlich mehr unbezahlte Arbeit als Männer. Also hier Erziehungsarbeit, Haushalt, Alltagskoordination und so weiter. Und sie tragen auch allgemein ja die meiste Verantwortung. Also ich sage mal, noch die meiste Verantwortung für ein Kind. Was meinst du, warum kippten die Verteilung in vielen Beziehungen so nach dem ersten Kind? Kind wird geboren und selbst bei Paaren, die vor sich einig waren, dass sie alles genau gleich aufteilen, machen dann doch die Erfahrung, dass das kippt. Woran liegt denn das? Ja, das ist tatsächlich eine relativ banale Sache, die auch ganz gut untersucht ist. Nämlich man spricht gar nicht konkret über: Was wird sich denn ändern? Sondern man spricht sehr, sehr allgemein, wenn überhaupt davon. Und es ist so, dass in diesen Phasen, wo sich was ändert, also wo wirklich was Großes passiert, da besprechen wir uns nicht explizit, sondern wir greifen eher auf so implizite Geschlechterrollen zurück, die wir im Kopf haben. Und das ist sozusagen das Problem. Also es ist was ganz Schleichendes. Es ist nicht, dass man vorher was besprochen hat und dann halten sich Partner oder Partnerin da nicht dran, sondern wir haben so eine implizite Vorstellung von Mutterschaft und was dazu gehört. Dem Mann geht es genauso. Männlichkeitsbilder, die sind ja viel stärker dann wieder auf dieses Versorgertum ausgerichtet, was sich ja in so paradoxen Ergebnissen zeigt, wie das Väter zum Beispiel mehr Erwerbsarbeiten als Männer, die keine Kinder haben. Wo man sich so denkt: Die werden doch eigentlich zu Hause gebraucht. Aber sie investieren mehr Zeit in die Erwerbsarbeit, einfach weil das ihre Vorstellung von dieser Rolle ist. Und so driftet man dann auseinander, ohne dass man eigentlich böse Gedanken hat oder sowas absichtlich tut. Und dieses Schleichende ist eben auch so tückisch, weil es kommt irgendwann so ein Kipppunkt, wo sich das Paar dann auch quasi anguckt und denkt: „Was ist denn jetzt los?“ Weil die Frau spürt das kontinuierlich. Es kommt immer was on top und kommt was on top. Und sie arbeitet damit natürlich schon verbalisiert vielleicht einiges nicht. Oder es kommt auch nicht so an beim Partner, dass es wirklich auch was ist, was jetzt bedrohlich wird, was bearbeitet werden muss. Und dann platzt das plötzlich. Also es gibt so einen schönen Satz von dem Oskar Holzberg, das ist ein Paartherapeut, der gesagt hat: „Wenn aus Überforderung Forderung wird.“ Und das ist genau, was dann bei vielen Paaren passiert, nämlich dass man dann nicht in der Situation ist, wo man Dinge gut miteinander bespricht, sondern es platzt. Die Emotionen sind da. Man fühlt sich auf der Beziehungsebene verlassen, nicht gesehen. Und dann ballert man quasi eine Forderung nach der anderen aus. Und da hat der Partner oft gar keine Chance. Also was soll man anders tun, als sich so zu fühlen mit dem Rücken zur Wand und zu sagen: „Was ist jetzt hier los?“ Dann ist ja eigentlich das, was du gerade gesagt hast, dass man halt versäumt oft, dass man sich regelmäßig austauscht darüber, was sich gerade verändert. Und dann wäre das ja eigentlich ganz ratsam, wenn man – also ich spiele das jetzt mal weiter – wenn man jetzt als Paar, Kind ist jetzt auf der Welt, man geht arbeiten, Frau erst mal nicht. Wenn man sich bewusst sagt: „Okay, einmal in der Woche machen wir einen Abgleich. Wir reden darüber, wie wir uns beide fühlen aktuell und was es mit uns macht.“ Jetzt ist es natürlich eine ideale Vorstellung, aber wahrscheinlich ist das auch schwer umzusetzen oder in der Realität. Ja, also wir haben diese Gesprächskultur auch gar nicht. Also das ist auch nicht Teil von unserer Vorstellung von romantischer Liebe. Da sagen wir so etwas wie: „Wir lesen uns die Wünsche von den Augen ab und dann passiert das irgendwie wunderhaft.“ Aber so kriegt man ja einen Alltag nicht hin. Aber was du sagst, das ist genau das, was nötig wäre, nämlich dass wirklich sich Zeit nehmen, sich explizit Zeit nehmen. Und das glaube ich, einmal in der Woche, wenn man wirklich über diese Metaebene sprechen will, sehr, sehr ehrgeizig. Ja, wenn man so etwas schafft wie einmal im Monat, dann ist das wirklich eine super Sache. Und da gibt’s auch Methoden, zum Beispiel das Zwiegespräch. Das klingt erst mal so ein bisschen komisch, aber das ist so ein ganz formalistischer Rahmen, dass man sagt: „Wir nehmen uns jeweils 20 Minuten, wo wir genau über diese Themen sprechen. Wie fühlen wir uns gerade? Was ist gut gelaufen? Was war schwierig? Was macht das mit mir?“ Und so weiter. Und jeweils, also jeder Partner kriegt diese 20 Minuten und der andere hört einfach erst mal nur zu, ohne zu kommentieren, sondern man gibt wirklich diesen Platz.
Und was mir vielleicht auch wichtig wäre zu ergänzen, weil du jetzt auch gesagt hast: Also am Anfang bleibt die Frau zu Hause und der Mann geht weiter Erwerbsarbeiten, was natürlich auch total verbindet in diesen Konflikten, ist die gleiche Erfahrung zu haben. Und die gleiche Erfahrung kann man ja nur haben, wenn der Mann sich auch beteiligt, zum Beispiel eben auch durch Elternzeit, ausgedehnte Elternzeit und auch eine Elternzeit, wo er mal ganz alleine ist. Und das passiert nach wie vor wahnsinnig selten. Es wird immer davon geredet, jetzt wie toll die Männer machen Elternzeit und so. Man muss sich aber die Statistik vor Augen führen. Also fast 60 Prozent der Männer machen keinen einzigen Tag Elternzeit. Die, die Elternzeit machen, machen diese oft, also drei Viertel davon, machen diese obligatorischen zwei Partner-Monate. Und von denen wiederum gibt es nur ein Drittel der Männer, die wirklich ohne dass die Frau parallel zu Hause ist, Elternzeit nehmen. Und genau das ist aber das, was man braucht: Alleine verantwortlich sein, um zu sehen, wie dieser Alltag sich akkumuliert. Denn jedes kleine Ding, also alles, was wir aufgezählt haben: die Wäsche zu machen, ans Essen zu denken, an die U-Untersuchung zu denken, an den Turnbeutel zu denken – das ist ja alles nicht so viel oder so komplex. Aber die Summe macht es ja einfach. Ja, absolut. Das fühlt man erst, wenn man in dieser Rolle ist. Und dann werden die Gespräche auch viel einfacher, weil dann kann man sich angucken und sagen: „Hey, wir haben das beide total unterschätzt. Wir haben uns das anders vorgestellt.“ Und dann ist es auch viel wertschätzender und so. Und deswegen wäre das so wichtig, dass man nicht einfach von Anfang an sagt: „Na ja, so wird ja oft die Biologie rangezogen. Die Frau bleibt erst mal zu Hause und der Mann geht weiter Erwerbsarbeiten.“ Sondern dass man sich wirklich überlegt: „Wie schaffen wir das, dass auch der Mann oder egal, also sozusagen, dass beide gleichermaßen diese Erfahrungen auch erleben können?“
Ich fand es total schön, dass du gesagt hast, dass es ja nicht nur darum geht, dass der andere auch mal die Sicht des Partners einnehmen kann. Wenn der Mann jetzt zum Beispiel mal alleine zu Hause ist, weil du, wie schon am Ende schon mal sagtest, man nimmt dem anderen die Erfahrung oder die Erfahrung wird einem genommen. Jetzt am Beispiel Vater mit einem Säugling oder mit einem Baby oder einem Kleinkind zusammen Zeit zu verbringen und zwar sehr intensiv Zeit zu verbringen mit allen Höhen und Tiefen. Mental Load ist ja kein neues Thema. Also spätestens bei der Pandemie, finde ich, hat es noch mal deutlich gezeigt. Also während der Corona-Pandemie hat es ja noch mal deutlich gezeigt, dass Familien, die ja ganz schnell wieder so in alte Rollenverteilungen zurückfallen können. Sind wir denn jetzt, Stand jetzt 2026, ein Stückchen weiter? Du hast gerade gesagt, ein Drittel der Männer, hast du gerade gesagt, ein Drittel der Männer, näher ein Drittel von den Dreivierteln und so weiter. Also genau, ein Drittel von den Dreivierteln. Sind wir denn jetzt in 2026 ein Stückchen weiter oder drehen wir uns immer noch um dieselben Fragen? Kann man das sagen, irgendwie? Oder ja. Also ich würde da gerne was Optimistischeres sagen. Aber wenn man sich zum Beispiel den Gender Care Gap anguckt, der ist so ein bisschen zurückgegangen. Also die Differenz ist ein bisschen kleiner. Aber wenn man dann genau guckt, also zum Beispiel – also du meinst mit dem Gender Care Gap, meinst du – Verzeihung, bitte für die Unterbrechung – meinst du, dass die Kluft zwischen Frau und Mann, wer zu Hause die Erziehungsarbeit übernimmt? Meinst du das mit Gender Care Gap? Ja, also die Sorgearbeit, nicht nur die Erziehung, sondern dazu gehört ja auch Haushalt, ja, solche Tätigkeiten. Genau, den hattest du schon angesprochen. Der ist, den alten Wert weiß ich jetzt nicht, aber 2025 ist der bei 43,4 Prozent, die Frauen mehr machen. Das sind 76 Minuten am Tag. Das klingt erst mal nicht so viel, aber rechnet man das auf das Jahr hoch, dann sind das immerhin 20, 24 Stundentage. Diejenigen, die mehr Sorgearbeit leisten, weniger schlafen, weniger Zeit mit Hobbys verbringen können, weniger Freundinnen treffen können, weniger entspannen können, sich weniger in Ehrenämtern oder außerhalb ihrer Erwerbsarbeit irgendwie engagieren können. Das läppert sich schon ganz schön zusammen. Und vor allem ist es ja auch nicht ein Acht-Stunden-Tag, wollte ich mal sagen. Das sind ja dann fließende Übergänge. Also das können bis zu 24 Stunden manchmal sein, wenn man jetzt zum Beispiel noch ein Baby hat oder so. Genau. Und dann gibt es eben auch so Zahlen, dass man sagt: „Ah ja, also in der häuslichen Arbeit ist der Anteil bei den Männern auch gestiegen.“ Aber wenn man dann noch mal genauer reinguckt, dann ist es halt leider, weil die Frauen weniger machen als früher. Also so bestimmte Dinge, die unsere Mütter ganz selbstverständlich noch gemacht haben im Haushalt, wie alles zu bügeln, bis auf die Socken und die Unterhose und so, was machen. Kennst du jemanden, der bügelt noch? Ich kenne niemanden mehr. Genau, ich kenne wirklich keinen, der noch bügelt. Und solche Aufgaben, die haben Frauen quasi über Bord geworfen. Und dann ändert sich natürlich das Verhältnis. Also die Frauen machen so ein bisschen weniger insgesamt und dadurch steigt dann sozusagen der Anteil. Aber es hat sich insgesamt halt nicht so viel geändert. Und auch die Monate, die Väter Elternzeit nehmen, sind ganz stark stagniert. Also das ist so bei 3 irgendwas Monate. Und das hat sich die letzten Jahre einfach nicht geändert. Und das liegt, glaube ich, wirklich daran, dass – also da wird es jetzt sehr komplex – aber die Fördermaßnahmen, also was sich der Staat so denkt, wie man Familien entlastet, das ist halt alles sehr ausgerichtet auch auf ein ganz veraltetes Modell, was die meisten Paare gar nicht mehr leben, nämlich dass es einen Alleinverdiener gibt und jemand dann eben dauerhaft zu Hause ist und die Sorgearbeit macht. Und das ist nicht mal mehr bei einem Drittel der Familien der Fall. Das heißt ja eigentlich auch, dass die Frauen mit der Zeit gehen und auch irgendwie ein Stück weit sich verändern, sich anders verhalten, auch ein Stück weit ausbrechen. Ich sage es mal, Beispiel bügeln, auch wenn es banal klingt. Ja, aber ich kenne es, kein Mal, der bügelt. Aber es passt nicht zusammen. Also die Politik und die Gesellschaft ist noch nicht so weit. Könnte man das so sagen? Also das passt ja irgendwie nicht zusammen. Dann, es werden die falschen Sachen gefördert. Also das passt nicht zusammen. Und das führt dazu, dass die Frauen halt sehr stark strugglen. Also diese höhere Mental Load oder die höhere Belastung mit der Familienarbeit, die hängt ja auch eben wiederum daran, dass die Erwerbsquote der Frauen, also im Osten nicht so sehr da war, die schon immer hoch, aber eben im ehemaligen Westdeutschland ja stark gestiegen ist. Und das ist natürlich eine Doppeltbelastung. Und das ist aber ja auch richtig und wichtig, weil wenn man dann wieder auf die Zahlen guckt, was Rente angeht und so weiter, ist es für die Frauen natürlich total wichtig, nicht weiterhin in diesem Abhängigkeitsverhältnis zu ihren Partnern zu bleiben. Absolut, das ist ein super wichtiges Thema. Da könnte man auch noch mal so tief einsteigen. Es ist komplex und super wichtig.
Ich wollte dich mal was fragen: Du hast jetzt 2020 ein Buch veröffentlicht: „Raus aus der Mental Load Falle: Wie gerechte Arbeitsteilung in der Familie gelingt.“ So, nun ist es ja aber so, dass viele Mütter denken: „Ich habe jetzt nicht auch noch die Kraft, mich damit auseinanderzusetzen, das Buch zu lesen und schon wieder hier lösungsorientiertes Denken und mich da noch drum zu kümmern.“ Ohne jetzt mal dein Buch gelesen zu haben. Vielleicht hast du denn für uns hier eventuell so alltagstaugliche oder einfache Tipps, irgendwie so ganz simple Vorgehensweisen, die du uns mit an die Hand geben kannst oder mit nach Hause geben kannst, die vielleicht schon simpel sind, aber vielleicht doch eine größere Wirkung entfalten können? Ja, auf alle Fälle. Also das Buch hat ja genau das zum Inhalt, nämlich so einen bunten Blumenstrauß an Sofortmaßnahmen irgendwie anzubieten, dass man sich da was raussuchen kann. Und es gibt ganz banale Dinge, wie zum Beispiel wirklich ganz stark seinen Alltag zu strukturieren und ganz viele Routinen und Rituale einzubauen, weil alles, was im Detail neu entwickelt wird, macht natürlich Mental Load. Und umgekehrt: Viele Routinen im Alltag, die bedeuten wenig Mental Load. Also wenn es um den Essensplan geht, dass man zum Beispiel grob sagt: „Wir machen jetzt…“ Nicht mehr so fancy Sachen, sondern wir machen ganz fest: Es gibt montags immer Nudeln, und dann variieren wir die Sauce. Finde ich toll. Und Dienstag gibt es immer Brotzeit, und Mittwoch gibt es immer Crepes. So kann man das quasi gestalten, dass man nicht so grundsätzlich immer alles neu planen muss. Oder man sagt, es gibt einen Spielplatzdienstag. Da gehen wir immer auf den Spielplatz, egal was ist. Das machen wir. Oder wir teilen auf in Papa-Wochen an ungeraden Kalenderwochen und Mama-Wochen an geraden Kalenderwochen. Und das sagen wir auch ganz stur: Das ist jetzt das Gesetz. Und wenn zum Beispiel Kinderkrankentage kommen, dann ist eben die Person, die in dieser Woche verantwortlich ist, dran mit den Kindergarten-Tagen oder auch dem Geburtstagskuchen. Einen Geburtstagskuchen, den wir jedes Jahr wieder backen. Und sich da wirklich auch immer ein bisschen so zu trennen von dem, was man vielleicht selber dann auch an Ideen und Ansprüchen hat. Und sich sagen: In 20 Jahren wird sich das Kind für immer und ewig diesen Kuchen wünschen und sagen, weil es ein ganz warmes, herziges Gefühl hat. Und denkt so: Ach Mensch, bei mir gab es immer diesen tollen Schokokuchen in meiner Kindheit. Das ist ja schon fast ein positiver Effekt, der daraus entsteht, nebst Organisation und dem Überbordwerfen von mentalen Lasten, von weiteren Punkten, die sich im Kopf breit machen. Dass sich daraus so Rituale ergeben, das ist ja sogar noch ein positiver Nebeneffekt. Das finden Kinder auch schön, weil man schafft eine Erwartbarkeit, und diese Erwartbarkeit ist auch wieder etwas ganz Entlastendes. Ich kann mich erinnern, als Mama immer diese Fragen beantworten musste: Was gibt es zu essen? Wann gehen wir dahin? Wann passiert das? Richtig, richtig. Irgendwann hat man es dreimal gesagt: Es gibt montags immer Nudeln. Was gibt es? Ah, es ist Montag. Gut, dann wird irgendwann auch nicht mehr gefragt. Das ist auch so eine Entlastung, dass man eben nicht immer die Verantwortliche ist, die alles im Kopf hat, sondern es gibt quasi so Rituale, und die kennen dann auch alle. Dann wird auch irgendwann nicht mehr gefragt. Also sowas hilft wirklich ungemein.
Zum Schluss würde mich noch interessieren: Was verändert sich denn emotional, mental und körperlich, wenn ein Paar sich die mentale Last teilt? Was verändert sich? Verändert sich da was körperlich? Verändert sich da was emotional? Verändert sich da was mental? Oder andersrum gefragt: Was passiert denn, wenn ein Paar sich da nicht darum kümmert und die mentale Last eben nicht teilt? Was steht da auf dem Spiel für Paare, wenn sie es nicht tun? Und was passiert, wenn sie es tun? Ja, also es steht wirklich auf dem Spiel, letztendlich die Beziehung, weil wir das eben nicht auf der Sachebene diskutieren, sondern man fühlt sich verlassen, man fühlt sich nicht gehört. Und das hat ganz schwerwiegende Auswirkungen auf die Beziehung und auf die Partnerschaft. Und nicht nur individuell kann sich das auch ganz stark auf die Gesundheit auswirken. Diese Dauererschöpfung, die ist sozusagen auf dem Weg quasi in den Burnout. Also da muss man auch ganz, ganz stark aufpassen. Aber auch in der Dynamik. Man merkt ja selber, wenn man immer so angespannt ist, man verliert so den Humor irgendwie. Man mag sich auch selber nicht mehr. Man ist irgendwie… Also das ist dann auch für die ganze Umwelt schwierig. Man findet auch, dass man selber… Man findet auch nicht schön, quasi. Ich bin keine entspannte Mutter, ich schreie vielleicht irgendwie rum und so. Und das macht natürlich auch was mit den ganzen Beziehungen. Ja, natürlich. Und da wirklich die Notbremse zu ziehen und zu sagen: Nee, das will ich nicht. So will ich nicht sein, so will ich nicht leben. Nicht mit meinem Partner, nicht mit meinen Kindern. Und da frühzeitig das Gespräch zu führen und zu gucken, wie können wir das abwandeln. Also wo können wir Abstriche machen? Welche kleinen Hacks gibt es, um den Alltag zu erleichtern? Das ist ganz, ganz wichtig, weil dann erhält man nämlich genau das: Diese Resilienz, um mit Krisen umzugehen, mit unerwarteten Situationen. Denn das ist ja Familienalltag. Also man plant irgendwas Schönes, und dann wird ein Kind krank, die Kita fällt aus, was weiß ich. Also so ist einfach Familienleben. Aber man hat diese Resilienz irgendwann nicht mehr, um damit entspannt umzugehen. Und die muss man wiederherstellen. Und das ist ganz wichtig für das Individuum und auch für die Paarbeziehung und die Beziehung zu den Kindern. Ja, absolut. Weil man sagt ja immer so schön: Happy Mom, Happy Kids. Aber da ist definitiv was dran.
Jetzt gib uns doch mal den anderen Ausblick, also das Gegenteil: Wenn man die mentale Last teilt, schön 50/50. Verändert sich da was emotional, mental? Ich meine, die Antwort liegt wahrscheinlich auf der Hand. Aber hast du da irgendwie tatsächlich… Kannst du da was sagen, was man deutlich spürt? Also gibt es eine Veränderung? Also was man, glaube ich, wirklich selbst als Betroffene ganz stark spürt, ist wirklich, dass der Humor wieder ins Leben zurückkommt. Also diese Leichtigkeit, wie man sich selber eben vor den Kindern auch kannte. Dass irgendwo Chaos ist und man kann darüber lachen oder man drückt sich und sagt: Das war jetzt wieder eine wilde Geschichte und so. Und das ist wirklich etwas, was man innerlich so stark merkt. Dieses Dauerangespanntsein im Vergleich zu der Leichtigkeit, die man wieder hat. Und das tut so gut und ist so wichtig. Und das wiederum ist ja die Spirale in die andere Richtung, dass man dann auch wieder merkt, das ist auch für alle umliegenden Menschen wieder viel einfacher, und die können dann auch wieder besser kooperieren. Und ja, also das ist aber definitiv, wo ich jetzt sagen würde: Daran merkt man das selber am meisten, dass man sich so wiedererkennt. Also dass man so wieder denkt: So ein Mensch war ich mal. Du erzählst das gerade so, innerlich in mir schon so, da geht es schon so voll auf im Herzen. Nee, das ist toll. Das ist ein guter Ausblick. Ich finde, das ist auch ein mutmachender Ausblick, weil ich behaupte mal einfach, dass wir mindestens alle einmal schon mal an dem Punkt standen: Ey, was ist hier los? Wie kann ich mich hier irgendwie rausmanövrieren? Vielen, vielen Dank Patricia, auch jetzt noch mal zum Schluss die Tipps für deine klaren ehrlichen Worte. Und das Gespräch war extrem wichtig. Ich danke dir von Herzen dafür. Ja, ich danke auch.
Das war Patricia Kamarata, Autorin von „Raus aus der Mental Load Falle“ und „Musterbruch“. Sie ist außerdem Speakerin und Podcasterin. Und an dich da draußen: Wenn du dich heute ein kleines bisschen weniger alleine gefühlt hast, dann hat diese Folge ihren Job gemacht. Das war’s heute von Mama konkret, dem Podcast über Mutterschaft von Julie Tan und dem Podcast Radio detektor.fm. Ein großes Dankeschön geht raus ans Team hinter den Kulissen. Für Audio und Video waren Tim Schmutzler und Benjamin Serdani verantwortlich. Gäste, Recherche und Redaktion: Ina Lebedjew. Ich bin Julie Tan, deine Host. Danke dir von Herzen fürs Zuhören. In zwei Wochen gibt es eine neue Folge unseres Mütter-Podcasts, und ich freue mich schon sehr, wenn du wieder dabei bist. Wenn dir gefällt, was du hier hörst, erzähl gern anderen davon. Teile die Folge oder den Podcast-Feed mit Müttern, Freundinnen, Kolleginnen. Einfach mit allen, für die diese Themen wichtig sind. Danke dir und ganz viel Liebe für dich.