Was ich wirklich aufgehört habe, ist, mich in der PMS-Phase, also kurz vor der Periode, dafür zu blamen, dass ich gerade irgendwie es nicht alles hinbekomme. Das ist cool. Also, dass ich nicht noch mich selbst zum Feind habe und so. Das hättest du jetzt aber besser machen können. Ja, nee. Oder sich Vorwürfe machen. Ja, genau, diese Vorwürfe. Also Scham und Schuld.
Mama konkret, der Podcast. Herzlich willkommen zu Mama konkret, dem Podcast über das echte Leben von Müttern, über mentale Last, Identität, Körperwissen und alles, was uns im Alltag wirklich bewegt. Heute sprechen wir über ein Thema, das Millionen Mütter betrifft und trotzdem noch viel zu selten ernst genommen wird: den weiblichen Zyklus in der Mutterschaft. Denn Mutterschaft bedeutet oft funktionieren, organisieren, tragen und mitdenken. Aber unser Körper lebt nicht in To-Do-Listen, Meetings und Familienkalendern. Er lebt in Rhythmen. Und viele Frauen spüren spätestens nach Schwangerschaft und Geburt: Der Zyklus ist nicht mehr derselbe. Beschwerden verändern sich, PMS wird stärker, die Energie schwankt anders und gleichzeitig laufen Alltag und Verantwortung einfach weiter. Warum wir als Mütter lernen sollten, mit unserem Zyklus zu leben, statt gegen ihn. Warum so viele Frauen unnötig leiden und deshalb dieses Thema endlich mehr Platz in unserer Gesellschaft braucht, darüber tausche ich mich heute mit Verena Ewald aus. Sie hat Psychologie in Mainz studiert, ist Logopädin, selbst zweifach Mama, spielt Improvisationstheater und setzt sich seit Jahren intensiv mit dem Thema weiblicher Zyklus auseinander. Schön, dass du da bist, Verena.
Hallo Julie, danke für die Einladung. Ich freue mich total. Verena, bevor wir jetzt hier ein paar Fragen uns gegenseitig stellen und ein bisschen mehr uns darüber austauschen wollen: Wie bist du denn dazu gekommen, dich mit dem Thema weiblicher Zyklus intensiv zu beschäftigen? Also ganz am Anfang stand, dass ich selber schwanger war mit einem Mädchen. Das war jetzt erstmal so: Ach, okay, ich werde jetzt Mädchenmama. Das war jetzt erstmal nichts Besonderes. Und dann bin ich schwanger geworden mit meinem Sohn und habe festgestellt: Warum muss mir eigentlich eine App sagen, dass ich schwanger sein könnte? Denn während der Periode kann man ja nicht schwanger werden. Kann man doch. Genau, je nachdem, wie lange das dann ist und so weiter. Und das war dann so ein Moment, wo ich festgestellt habe: Oh, ich habe irgendwie sogar keine Ahnung. Und habe damals ja schon Improtheater gespielt, du hast es ja gerade schon gesagt. Und währenddessen habe ich auch die Weiterbildung zur systemischen Beratung gemacht. Und da geht es ja viel auch um Anteilarbeit. Und dann kam so dieses Thema alles zusammen: Wie kriegen wir das denn jetzt irgendwie so ein bisschen aufgearbeitet? Wieso stehe ich da und denke mir: Das muss doch eigentlich ich wissen, oder? Ja, genau. Und wie soll ich das in dem Fall dann irgendwann ja auch meiner Tochter erklären? Weil wir sind ja schon auch irgendwo die Vorbilder. Absolut. Und dann stand ich da und dachte mir: Ich habe selber überhaupt gar keine Ahnung, obviously. Und schon so ein bisschen. Und gleichzeitig aber dann nicht genug, um quasi vorzubereiten. Also ich weiß nicht, kennst du die ganzen Hormonlinien und so weiter? Und ich schäme mich dafür, muss ich schon fast sagen, dass ich es nicht kenne. Und ich stimme dir da absolut zu. Ja, warum finde ich meine Schwangerschaft über eine App oder ja, vielleicht über den Frauenarzt selber oder über den Schwangerschaftstest aus dem DM heraus und nicht irgendwie selber, dass ich das vorher irgendwie selber an mir selbst merke? Aber ich finde ja nicht nur das krass, dass ich eigentlich gar nicht so richtig, bevor ich Mutter wurde, überhaupt einen Plan über meinen Zyklus habe, sondern was ich total krass finde, ist, dass sich mein Zyklus auch irgendwie verändert hat, seit ich Mutter bin. Und erst da habe ich dann in Ehrlichkeit angefangen, mich mit meinem Zyklus auseinanderzusetzen. Weil da habe ich erst mal richtig gespürt, was der jeden Monat mit mir macht. Also ich weiß nicht, wie es dir geht. Vielleicht habe ich es auch verdrängt, aber vor meinen Geburten war der Zyklus für mich so: Ja, der lief so nebenher. Also im Prinzip hat mein Zyklus mit mir gelebt oder leben müssen, sage ich mal besser so. Und nach meinen Schwangerschaften habe ich mit dem fucking Zyklus gelebt, Mann. Also ich muss mich jetzt meinem Zyklus anpassen, weil der gibt ganz genau den Ton an, wo es hier bei mir lang geht im Monat. Ich weiß nicht, wie es dir geht, ob du das auch krass anders empfindest nach den Geburten als davor.
Voll. Also ich habe das dann schon in der Schwangerschaft gemerkt, als ich dann festgestellt habe: Wow, Hormone, die kicken ganz schön rein. Also positiv wie negativ. Und da habe ich gemerkt: Okay, der Körper übernimmt. Und das war mit jahrelang. Vorher habe ich die Pille genommen und dann war das alles so relativ safe und plain. Und da war das alles irgendwie noch manageable. Und plötzlich übernimmt der Körper. Ja, genau. Und dieses völlig unvorbereitet sein darauf, dass ich hier gerade nicht mehr die Regie habe im Leben, sondern dass der Körper übernimmt. Ja. Und das ist jetzt immer im Kleinen wie im Großen immer noch so der Fall. Dann habe ich danach auch die Pille nicht mehr wieder angesetzt. Und dann kickte quasi nochmal wie so eine, keine Ahnung, das musste ich erst mal alles lernen. Ja, ich auch. Also ich habe ja früh angefangen, die Pille zu nehmen. Damals war das halt einfach so, das kann man mittlerweile schon damals sagen, dass man so ganz unbedacht dann tatsächlich auch einfach zum Frauenarzt gegangen ist und sich hat die Pille verschreiben lassen, weil es halt einfach so war. Ob das jetzt gut ist oder schlecht ist, ja, jetzt dahingestellt. Ja, da schließe ich mich an. Also ich habe mit 16, kann ich auch so sagen, habe ich meine erste Pille verschrieben bekommen. Die war auch irgendwie angeblich niedrig dosiert oder wie auch immer. Aber ich habe es auch nicht hinterfragt. Also ich habe mich nicht damit beschäftigt: Okay, was steckt in der Pille drin und was macht die jetzt genau mit meinem Körper, sodass sie dafür sorgt, dass er eben nicht schwanger werden kann. Und was auch irgendwie gar nicht so untypisch war, ist: Ich hatte Freundinnen in meinem Freundeskreis, die gesagt haben: Hey, komm, ich fahre in drei Wochen ans Meer in den Urlaub. Ich nehme jetzt die Pille, keine Ahnung, zwei, drei Monate halt durch, um halt einfach meine Periode zu verschieben. Und das hat man nicht hinterfragt. Das hat man angenommen, man hat es als Lösung genommen, also als vermeintliche Lösung. Es war natürlich bequem, es war praktisch. Und ganz ehrlich, ich bin keine Fachfrau. Ich kann mich auch nicht über dieses Pillenthema jetzt hier irgendwie auslassen, aber ich kann nur von meiner eigenen Erfahrung sprechen. Also ich kann dir nur zustimmen: Pille regelt, weil die hat einen ganz klaren Rahmen und man kann es steuern. Wenn du aber keine Pille nimmst, also keine zusätzlichen Hormone, ja, dein Körper regelt. Und da muss man sich einfach auch darauf einlassen, weil dein Körper weiß am besten, was am besten für dich ist. Und ich finde, ich habe mir mal eine Frage aufgeschrieben: Warum wird der Zyklus von Müttern gesellschaftlich noch immer so wenig mitgedacht? Und weißt du was? Ich habe mir gerade selber gedacht: Alter, warum wird der Zyklus von uns Müttern von uns immer noch so wenig mitgedacht? Also ich will jetzt hier nicht die Gesellschaft auch sofort blamen, sondern wir müssen ja erst mal damit anfangen, dass wir denn mitdenken oder? Also dass wir vielleicht so ein bisschen nach unserem Zyklus leben. Genau, also es ist ja die Frage: Wir sind ja Teil der Gesellschaft. Und wenn ich mir jetzt angucke, ich habe mit 16 angefangen, die Pille zu nehmen, dann kam zwischendurch mein NuvaRing, also hormonell verhütet. Und dann habe ich das irgendwann abgesetzt, wo dann klar war: Ich will schwanger werden. Ja, und dann habe ich aber natürlich überhaupt keine Erfahrung gehabt. Also ich habe ja quasi immer nur den Fake-Zyklus quasi erlebt und dachte: Ach so, das ist es. Und dann habe ich festgestellt: Oh Gott, das ist was ganz anderes. Und das mitzubekommen, also diese Lernphase zu haben, vielleicht kommt das jetzt halt dadurch, dass wir in den letzten Jahren, also vermehrt jetzt in den letzten zehn Jahren, habe ich so das Gefühl, es kommt jetzt immer auch durch Social Media viel mehr ins Bewusstsein und viel mehr nach vorne. Jetzt fangen auch Menschen an, sich wirklich darüber zu unterhalten. Es ist kein Tabuthema mehr. Das hört auf, aus dieser Tabuthemaszene herauszukommen, aus dieser Bubble. Und dass man da dann sagt: Okay, wir lernen jetzt alle gemeinsam quasi auch wir Frauen, wie wir jetzt damit umgehen. Und das hat mich vor allen Dingen damals auch interessiert, als ich mich dann länger damit beschäftigt habe, war das dann so aus der systemischen Perspektive: Hätte ich das Wissen, was ich jetzt habe über Zyklus, damals beispielsweise in der, keine Ahnung, wann habe ich meine Periode bekommen? Ich glaube mit 14. Und dann waren alle ja irgendwie beschäftigt mit pubertieren. Und wir hatten natürlich alle nicht gleichzeitig unsere Periode als Mädchen. Und wenn ich heute mein Zykluswissen auf damals übertrage, ja, da wird mir einiges klar. Okay, oh, da war jemand, die war nicht irgendwie blöd mit mir oder die hatte nicht irgendwie, verstehst du, was ich meine? Ja, du meinst, dass du es so gerne miteinander interagierst. Dass ich sage: Okay, heute bin ich echt, es geht mir echt nicht gut. Ich habe vielleicht gerade Krämpfe oder es ist alles irgendwie ungewohnt. Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Ich habe so ein bisschen Kopfschmerzen, whatever. Oder PMS heutzutage überhaupt kein Thema. Aber PMS habe ich bestimmt auch, also Symptome vor der Periode habe ich bestimmt auch in meiner Jugend gehabt, natürlich. Aber weißt du, was ich? Da werde ich auch ein bisschen bitchy. Ja, aber weißt du, wie das bei mir? Also ja, unterschreibe ich so, aber bei mir war es zum Beispiel so: Ich hatte bestimmt die Symptome auch früher, bloß es wurde so einfach so ein bisschen negiert auch. Also ganz ehrlich, nur weil du eine Periode hast, kommst du jetzt nicht zur Klassenarbeit oder was. Oder später im Berufsleben, die ersten Jahre im Berufsleben, Anfang 20, hat man da nicht ein Verständnis dafür entgegengebracht, dass man sich vielleicht so schlecht fühlen kann und so erschöpft, dass man auch sich vielleicht einfach mal krank meldet einen Tag, weil man seine Periode hat, weil man Krämpfe hat, weil man erschöpft ist, weil man Kopfschmerzen hat, weil man mental komplett überfordert ist. Undenkbar, weil was stellst du dich so an? Also hallo, die anderen schaffen das doch, machen das doch auch. Und ich finde heute, also zumindest mein Gefühl ist, das mehr angekommen. Wenn eine Frau heute sagt: Hey, ich fühle mich heute nicht gut, ich habe meine Periode, dann finde ich, gefühlt hat man da mehr Verständnis für und ist ein bisschen aufgeklärter und sagt: Okay, she’s on her period. Sie braucht einfach Zeit für sich. Und auch Männer, ich rede jetzt nur von meinem Partner, lernen so langsam tatsächlich auch da ein bisschen mitzuziehen. Also wenn ich schon merke, ich habe meine Periode, ich will mich zurückziehen, dann merkt mein Mann: Okay, sie will sich zurückziehen und ich lasse sie auch sich zurückziehen. Ich komme da nicht hinterher und frage: Was ist los? Was hast du eigentlich gerade? Was ist passiert? Sondern er weiß: Okay, die möchte einfach für sich sein jetzt hier die ein, zwei Tage und will ein bisschen ihre Energie sparen. Genau, und wenn wir das jetzt mal auf die Pubertät zurückziehen: Da will sich jemand zurückziehen. Es war bestimmt genauso, also dass der Körper quasi so etwas gesagt hat wie: Menschen, es ist alles gerade zu viel. Und dann kommt es vielleicht und dann spürt man das auch als Freundin zum Beispiel. Und selber ist man aber gerade high end im Eisprung. Und dann denkst du so: Findet die mich jetzt irgendwie doof oder findet die mich komisch oder haben wir gerade ein Problem? Und man sucht die Lösung dann im Außen, anstatt zu sagen: Ach so, du hast deine Periode, ja okay, dann lasse ich dir den Raum. Und man macht sich da keine Platte in dem Sozialgefüge dann in dem Sinne. Also das sind schon so ein paar Sachen, die dann systemisch dann auch mit einhergehen. Und jetzt eine Frage an dich, ein kleiner Bruch, aber ist ja gleiches Thema. Du redest davon, damals als Jugendliche und so weiter: Wo stehen jetzt in deinem Mama-Alltag aktuell die größten Konflikte mit dem Zyklus? Also was ist für dich die herausforderndste Zyklusphase in dem Alltag als Mutter? Ich kann auch gleich sagen, was für mich ist, aber was ist das für dich? Luteale Phase, also Post-Eisprung bis hin zu… Das ist für dich die herausforderndste Phase? Nee, bis… Also erstmal der Zeitraum nach Eisprung Richtung, also wenn quasi Progesteron einkickt und es weitergeht. Und dann der schlimmste Tag ist quasi der Tag vor der Periode. Also dieses klassische PMS oder was? Genau, also der Hormonabfall, der dann halt so einkickt. Erzähl mal, was passiert. Typische Situation zu Hause: Ich bin der Monsterdrache, wirklich. Ich bin die Drachenmama, ehrlich. Ich habe so eine kurze Leitung. Das auf der einen Seite, also da ist quasi no bullshit policy. Also da kommt nicht mehr so viel Verständnis für die Außenwelt. Und gleichzeitig aber auch, du hast es auch sehr diplomatisch ausgedrückt, genau so eine… Ja, aber auch so ein bisschen so eine Weltangst. So: Oh Gott, wie soll ich den Alltag jetzt schaffen? Also die Angst kommt schon auch irgendwie, geht so ein bisschen mit rein. Wie kriege ich das jetzt hin? Also als wenn man so gerade verlassen wird von sich selber, was ja quasi auch der Fall ist. Also die Hormone sind in der Achterbahn, fahren komplett nach unten. Und du bist von einem High Progesteron kickst du runter. Das ist wie jetzt, wenn du auf der Achterbahn bist, so ein plötzliches Tief. Und als Mutter kannst du dich ja dem auch nicht entziehen, weil du hast ja trotzdem, du musst Kinder versorgen, hast Termine, du hast deinen Job, du hast deinen Haushalt. Du musst emotional verfügbar sein, also weiterhin deine Kinder begleiten, korregulieren, no matter what, egal ob du jetzt hier deine Achterbahnfahrt nach unten hast oder sie irgendwann wieder nach oben hast. Du musst ja trotzdem irgendwie funktionieren. Ich habe da viel von meinen Kindern selber gelernt, muss ich sagen. Also in diesem Prozess, wo ich da sehr viel für mich geforscht habe und in dem Sinne eher so im Alltag danach, wie kann ich anders darauf reagieren, war so erstmal festzustellen: Okay, das bin ich jetzt gerade, das wird sich jetzt auch gerade nicht ändern. Und gleichzeitig: Hey, meine Kinder flippen auch zwischendurch mal aus, aber die bouncen dann so schnell wieder zurück. Also die blamen sich nicht dafür. Also was ich wirklich aufgehört habe, mich in der PMS-Phase, also kurz vor der Periode, dafür zu blamen, dass ich gerade irgendwie es nicht alles hinbekomme. Das ist cool. Also, dass ich nicht noch mich selbst zum Feind habe und so. Das hättest du jetzt aber besser machen können. Oder sich Vorwürfe machen. Ja, genau, diese Vorwürfe. Also Scham und Schuld. Genau, das ist so. Meine Tochter streitet sich dann auch, keine Ahnung, mit meinem Sohn und dann sind die irgendwie, keine Ahnung, fünf Minuten. Und ich fahre dann vielleicht auch mal irgendwie aus. Es wäre jetzt gerade einfach zu viel. Und dann geht man aufs Klo und denkt sich: Okay, das war jetzt gerade, das war jetzt okay, dass das jetzt so ist. Ich bin hier nicht perfekt. Ja, finde ich cool. Und es beantwortet auch schon so ein bisschen die Frage, die ich manchmal aus dem Kopf habe: PMS ist ja schon schwierig manchmal. Aber ich finde, gerade in der Mutterschaft ist PMS halt richtig krass hart manchmal, weil du halt eben dann oft, gerade wir Mütter, haben ja oft so ein Schuldgefühl. Jetzt bin ich aus meiner Haut gefahren. Oh, das hätte ich jetzt besser juggeln können. Also da hätte ich jetzt mal ein bisschen ruhiger bleiben können und überhaupt hätte ich jetzt das eine noch mit dem anderen verbinden können. Dann hätte ich das schon mal weggeschafft. Hätte ich schon mal von der To-Do-Liste irgendwie streichen können. Und neben mir hätte ich noch mein Kind korregulieren können. Warum habe ich das jetzt schon nicht hinbekommen? Also ich finde, man macht sich halt auch so schnell genau diese Vorwürfe. Ich mache das auch. Also ich mache mir regelmäßig Vorwürfe, wobei das besser geworden ist, muss ich sagen, weil ich eben mich mit dem Zyklus besser auseinandersetze. Wo ich sage: Hey, es ist so, ich brauche etwas mehr Ruhe. Oder hey, die Geduld ist nicht mehr so da in der Form, wo ich sie sonst einfach mehr da habe. Und weißt du was? Das sage ich dann meinen Kindern. Ich sage meinen Kindern: Weißt du was, Schatz? Die Mama hat gerade ihre Periode oder ich bin kurz davor. Es kann sein, dass ich ein bisschen ungeduldiger bin heute und morgen vielleicht auch. Aber weißt du, ich versuche mein Bestes zu geben. Aber ich sage das, ich benenne das. Ich benenne das Gefühl, was ich habe. Also ich sage dann auch immer schon so, wenn ich es ausspreche und sage: Boah, ich bin gerade echt, mir geht es gerade irgendwie nicht gut. Und ich kann da nicht so schnell denken oder ich kann nicht so viel auf einmal. Ja, kann man auch sagen. Ich kann nicht gerade so viel auf einmal. Können wir das bitte nacheinander machen? Und ich will dir ja auch zuhören, aber ich schaffe das gerade nicht gleichzeitig zu kochen und dir zuzuhören. Ja, genau. Weißt du was? Ich habe die Erfahrung gemacht, Kinder verstehen das unglaublich gut. Voll. Die verstehen das total gut. Dann habe ich noch mehr angewöhnt, einfach mir ein bisschen zu helfen. Mönchspfeffer, ich weiß nicht, hast du schon mal Mönchspfeffer ausprobiert? Ja, ich bin schon im Game. Du bist schon lange im Game, wahrscheinlich, ne? Okay, krasser Shit. Mönchspfeffer hat mir persönlich geholfen, mich ein bisschen da einzupengen. Ist reguliert, sortiert. Hast du noch irgendwie andere Sachen auf Lage? Was machst du so, um die PMS-Symptome ein bisschen zu lindern oder generell dich ein bisschen besser durch den Zyklus zu manövrieren? Hast du noch ein paar Tipps? Also das, um nochmal so ein bisschen die Idee von vorher aufzugreifen: Warum oder wofür war es so lange irgendwie kein Thema und wie ist es jetzt gekommen und wieso haben wir da noch nicht so wirklich Ahnung davon? Ich glaube, uns fehlen halt einfach gute Geschichten drumherum. Also da kommen jetzt so ein bisschen die Infospielerinnen durch, die sich damals gefragt haben: Hey, Zyklus ist ein Langformat, das ist ein Storytelling, was da passiert und wie kann ich mich da gut als Hauptfigur in diesem Storytelling dann irgendwie bewegen in unterschiedlichen Formen? Und die Idee ist dahinter zu sagen: Hey, Zyklus ist in dem Sinne für mich persönlich, bereitet uns wofür gibt es den überhaupt und warum kommt er jeden Monat? Und so. Also angenommen, jetzt mal ganz angenommen, das wäre alles richtig so und das wäre was Gutes für uns, also für uns Frauen, dass wir uns jeden Monat wieder aufs Neue dieser Heldenreise oder Heldinnenreise, die wir da durchstehen, stellen und wir da immer wieder durchgehen. Das ist die Frage: Okay, in welchem Raum bin ich jetzt gerade unterwegs? Und die Idee ist halt zu sagen: Alles, was wir im Zyklus haben, bereitet uns auf eine gewisse Lebensphase in unserem Leben vor. Also das ist so meine Idee. Und sowohl Hormonenabfall oder so, das ist so ähnlich. PMS und das kommt dann in Richtung Wechseljahre. Da kommen wir vielleicht noch zu, wenn das vielleicht auch clasht irgendwann mit Pubertät. Das würde nämlich bei mir so sein. Oh ja, bei mir auch. Aber was, wenn mein Körper mich total gut vorbereitet? Also auch mal die Überlegung: Das sind so die Überlegungen, die ich hatte. Hey, was sind Ähnlichkeiten? Also was wir im Zyklus haben, ist, wenn das Ei quasi gesprungen ist, dann gibt es wie so eine kleine Minischwangerschaft. Also schießt das Progesteron nach oben, es wird alles so vorbereitet. Wie hast du es so vorhin im Vorgespräch gesagt? So polstern. Ja, die Gebärmutter polstert alles schön aus, alles schön gemütlich. Genau, alles ist schön gemütlich. Das Baby, genau. Genau, das kennen wir. Das ist der Nestbau. So, und dann kommt der Hormonabfall und das ist quasi wie eine kleine Minigeburt, die wir auch haben. Und wenn wir überlegen, so hey, unser Zyklus bereitet uns auf alle Sachen, die uns als Frau begegnet im Leben irgendwo vor. Wir haben das alles schon mal erlebt. Also wir haben das alles schon mal durchgemacht. Und auch wir haben eine Schwangerschaft durchgemacht als Mammis, wir haben eine Geburt durchgemacht. Und wie haben wir uns damals im Wochenbett ja auch gefühlt? Das ist so ein bisschen die Sache. So, und wie haben wir uns in den letzten Zügen der Schwangerschaft, was haben wir denn da uns geben können oder wie haben wir uns behandelt? Und ich muss sagen, ich habe mich in der Schwangerschaft sehr häufig anders behandelt als jetzt im Alltag. Aber wenn ich mir das nochmal zurückhole, denke ich mir: Ich kann da ein bisschen liebevoller mit mir sein. Ich kann da gerade ein bisschen, verstehst du, wie ich das meine? Ja, verstehe ich. Also ich bin jetzt da in dieser Schwangerschaft, in meiner Mikroschwangerschaft unterwegs und da esse ich dann jetzt halt einfach das, was ich essen will. Da habe ich vielleicht auch auf etwas anderes Lust und dann wird es irgendwann schwer zum Ende dieser Schwangerschaft hin. Dann kommt der Hormonrausch, der nach unten geht und da bin ich wie kurz vor Geburt. Das ist irgendwie stressig. Oh Gott, wie wird das werden? Weil wir wissen ja auch häufig gar nicht, wann die Periode kommt. Die kann es ja irgendwie auf dem Weg zur Kita, kann die losgehen. Ja, und du weißt ja auch nicht, wie die Geburt wird. Genau, du weißt nicht, wie die Geburt wird. Du bist nervös, bist angespannt und dann fängt es an. Genau, dann fängt es an. Und dann muss man auch dazu sagen, also das, was mich vor allen Dingen um liebevoller mit mir selber zu werden: Was macht der Körper denn eigentlich, wenn wir menstruieren? Wie kriegt der Körper das Blut oder die Schleimhaut eigentlich abgestoßen aus dem Körper? Der initiiert aus sich heraus eine Entzündung, also setzt deine Gebärmutter on fire. Und da wird es nochmal interessant. Ich habe mich dann auch mit Freundinnen unterhalten, die Endometriose haben. Da muss man ja dann überlegen: Okay, da sitzt ja dann auch noch irgendwo anders deine Gebärmutterschleimhaut. Und die Entzündungswerte schießen total nach oben. Und ich bin quasi wie in einer, ich habe eine Verletzung. Ja, oder auch eine Kampfsituation. Genau, das muss ja abgestoßen werden. Und so ist es ja auch zyklisch dann in dem Moment. Jeden Monat haben wir eine Entzündung im Körper, die dazu führt, dass wir putzen, dass wir ausräumen, aufräumen, dass wir aufräumen bei uns, damit quasi wieder was Neues geschaffen wird. Weil wir gerade putzen, aufräumen, gesagt haben, Frauen berichten ja auch, wenn sie ihre Periode haben, dass sie gerne putzen. Ich mache das vorher, Alter. Oder vorher. Das ist wie Nestbau. Guck mal, wie das alles zusammenhängt auch. Also es ist quasi die Story ist immer dieselbe. Ja, es ist wirklich krass, jetzt wo ich darüber nachdenke. Und ja, also man bereitet sich vor, dann kommt der große Moment. Du hast es auch gut erklärt mit diesen Entzündungen. Ich wusste das nicht. Ich finde es total krass. Wahrscheinlich kann man sich natürlich über dieses Thema, was genau dann im Körper passiert, darüber könnten wir uns jetzt natürlich noch Stunden unterhalten. Das weiß ich auch. Aber es hilft, wie du schon gesagt hast, wirklich immens, den Zyklus als etwas Schönes, also ihn dankbar anzunehmen. Zu sagen: Hey, was der Körper für mich macht, ist toll. Dankeschön, dass er von alleine so funktioniert. Und zwar jeden Monat. Der sagt nicht so: Heute mal nicht, in acht Wochen dann wieder. Ne, und das war es. Was du auch nochmal gefragt hast: Jeden Monat ist er zur Stelle und hilft dir, diese Phasen zu meistern, durchzumanövrieren. Durchzumanövrieren, ja. Und du hattest so ganz am Anfang die Frage gestellt: Warum ist es vielleicht nach Schwangerschaft und Geburt auch nochmal intensiver? Und dann ist ja, ich habe jetzt… Gerade diese Story aufgemacht oder dieses Storytelling: Wir haben ja jeder schon eine kleine Mikroschwangerschaft, dann haben wir eine kleine Geburt, die wir haben. Dann haben wir eine kleine Wochenbettphase, wo wir uns eigentlich ausruhen sollten, was wir sehr häufig ja auch nicht machen als Mamis. Ja, das hatte ich neulich in der Folge. Oh, ein sehr wichtiges Thema. Wo wir uns in dem Sinne ja meist dann auch schon ein bisschen wieder überfordern. Für mich war es ganz, ganz anstrengend, mich dann wirklich mal hinzulegen. Da kam das Blaming dann auch nochmal so: Ich bin gerade nicht in der Lage, so viel zu leisten. Und ich möchte meiner Tochter trotzdem ein Vorbild und auch meinem Sohn vor allen Dingen. Der soll schon sehen, es gibt Unterschiede in den Phasen und ich bin nicht jeden Tag gleich. Und da mich hinzulegen und zu sagen, ich bleibe jetzt hier liegen, ist jetzt wirklich wichtig. Ich kann gerade nicht mehr. Und wie reagieren deine Kinder darauf? Easy. Die legen sich meistens dann da dazu und finden es total cool. Ja, aber ist doch geil. Und guck mal, ich habe auch gesagt: Du, die Mama fühlt sich wirklich schlapp. Ich muss mich jetzt eine Runde ausruhen. Und sie sind jetzt ja auch nicht in meinem Alter, in dem Kleinkindalter, wo man gucken muss, dass das Kind jetzt nicht gerade auf den Schrank krabbelt und dann runterfällt oder so. Nein, ich kann mich tatsächlich hinlegen. Und Kinder verstehen das super. Also wenn man das denen auch so erklärt oder auch kindgerecht erklärt, was da in dem Körper von der Mama eigentlich passiert. Und ich weiß nicht, wie das bei euch ist, aber wenn ich blute, also ich schäme mich da jetzt auch nicht. Also wenn ich jetzt meine Binde wechsle, zum Beispiel, oder meinen Periodenschlüpfer wechsle und ihn auswasche und meine Kinder da zufällig auch ins Bad kommen, ja, dann ist es so: Die sehen das auch. Die sehen auch, wie ich da mein Blut aus dem Periodenschlüpfer wasche. Ist das schlimm? Nö. Aber wenn ich jetzt mal zurückdenke, also ich habe bei meiner Mutti nie gesehen, wie die… Ich habe sowas nicht gesehen. Eine Binde, die voll geblutet ist, habe ich nie gesehen. Nee, wenn ich jetzt so darüber nachdenke. Und meine Jungs, ja, die sehen das halt, wie das auch aussieht da im Schlüpper von der Mama. Ist halt manchmal so. Ja, mein Gott, wir haben halt ein Bad. Ja, wir tummeln uns da halt manchmal auch zeitgleich. Und ich glaube, das ist auch so ein Denken, was auch etwas moderner ist. Also ich glaube, Kinder heutzutage bekommen dann doch schon noch viel mehr mit von der Mama, die ihre Periode hat, als früher. Genau. Und auch der entspanntere Umgang dann damit. Also wenn wir entspannt werden, können ja auch die Kinder damit entspannt umgehen. Und genau, also dann nochmal die Frage: Warum ist es vielleicht auch in der Nachschwangerschaft und Geburt nochmal intensiver? Weil wir ja ständig wiederholen, was wir schon mal erlebt haben. Also wir haben es in der Intensität erlebt und dann wiederholen wir das die ganze Zeit in Mikroform. Und da erlebe ich das schon so, dass es da dann nochmal… Also der Körper erinnert sich dann in dem Moment: Ah ja, das Muster kenne ich. Jetzt gehen die Hormone hoch und die Hormone runter. Und dass das schon auch so eine Körperweisheit ist, die dann jeden Monat wiederholt wird. Und das ist dann… Also vorher war es für mich weniger intensiv, aber da hatte ich die Erfahrung ja auch noch nicht. Also da war ich ja auch noch vorher nicht schwanger gewesen. Da war ich vorher auch noch nicht in einem Wochenbett. Da habe ich noch keine Geburt hinter mir gehabt. Und was du auch zuvor nochmal gesagt hast: Wenn ich das Wissen, was ich heute habe, schon damals gewusst hätte, ja, dann wäre ich ja auch nochmal ganz anders in meinem Körper umgegangen und auch so viel verständnisvoller mit mir selber. Aber diese Mini-Schwangerschaften, hast du es genannt, ne? Genau. Also das ist ja quasi wie so eine Idee von Körperbereitschaftsform. Das ist halt super verbildlich. Ich finde, das kann man sich gut vorstellen. Also so habe ich das auch noch nie gesehen, muss ich sagen. Und ich finde das total einleuchtend. Und ja, das hilft uns, glaube ich, schon allen, nicht nur Müttern, auch dem Umfeld, auch der Familie, das anders zu betrachten. Und was habe ich vorhin zu dir in der Küche noch gesagt, als wir unser Vorgespräch hatten? Warum sind wir immer so sauer auf unsere Periode? Mann, ey, die hilft uns doch! Die hilft uns doch, Mann! Hör doch auf, immer sauer auf deine Regel zu sein und auf deinen Körper. Ja, der hilft dir doch total! Also wir haben… Ich hatte dieses Gespräch vor fünf Jahren mit einer Freundin und da haben wir gesagt: Ja, dann lass uns doch jeden ersten Tag einfach feiern! Also wir haben mittlerweile eine kleine Gruppe von, glaube ich, mittlerweile acht Frauen oder so. Und da schreibt dann jeder immer rein: Happy Birthday! Oh mein Gott, wie gut! Also wir haben Geburtstag, weil wir… weil dieses Bild von: Naja, wir haben Geburtstag in dem Moment. Es ist da wieder was Neues und jetzt kommt wieder ein neuer Zyklus. Darf ich auch in die Gruppe mit? Ja, klar! Genau. Und dann gibt es dann immer so ein bisschen Austausch, auch schon vorher, so: Ich glaube, es geht jetzt los und so Zeug. Genau. Und es ist so eine Community, so eine kleine Mini-Community. Ich hatte ein Gespräch mit einer anderen Frau, Claudia Neubert, und wir haben vorhin noch darüber gesprochen, wie ein sich treffen, physisches Treffen oder auch ein Austausch mit anderen Menschen, zum Beispiel in so einer Gruppe, dazu führt, dass man sich koreguliert. Also was ihr macht, ist im Prinzip unter anderem: Ihr koreguliert euch über diesen Austausch und unterstützt euch damit, selbst wenn ihr es nicht bewusst macht, macht ihr es unbewusst. Das machen wir schon ganz bewusst. Ne, das machen wir schon ganz bewusst. Ich tausche mich manchmal auch mit Freunden aus, gar nicht mit dem Sinne: Ich will mir damit helfen und mich irgendwie ausgleichen, sondern mein Gefühl sagt mir, ich muss darüber sprechen. Und so, Thema weiblicher Zyklus, damit könnte ich jetzt eigentlich noch Stunden mit dir quatschen. Aber auch ein Gespräch, auch wenn es ein sehr schönes Gespräch ist, hat irgendwann mal ein Ende. Aber ich glaube, uns ist allen klar, dass das Thema weiblicher Zyklus für uns Mütter definitiv kein Nebenthema ist, sondern ein sau wichtiges, interessantes und vor allem noch viel zu ergründendes Thema ist. Ich glaube, da wird sich noch einiges tun in den nächsten Jahren, zumindest hoffe ich das. Also die schönste Übersetzung für PMS ist vielleicht auch ein schönes Schlusswort: Was ich gelernt habe auf meiner Reise ist: PMS, please make space. Oh, das nehme ich jetzt sofort mit für mich zu Hause. Also an meinen Mann: Please make space, finde ich geil. Dankeschön! Auch Dankeschön für unser Gespräch. Ja, ich danke dir für die Einladung.
Und das war’s mal wieder mit dieser Folge von Mama konkret, dem Podcast über Mutterschaft von Jüli Tan und dem Podcast Radio detektor.fm. Ein großes Dankeschön ans Team hinter den Kulissen. Für Audio und Video waren Tim Schmutzler und Benjamin Serdani verantwortlich. Und ich bin Jüli Tan, deine Host. Danke dir von Herzen fürs Zuhören. Und wenn dir gefällt, was du hier hörst, erzähl gerne anderen davon. Teile die Folge oder den Podcast mit Müttern, Freundinnen, Kolleginnen, einfach mit allen, für die diese Themen wichtig sind. Ich danke dir und ganz viel Liebe für dich.