Dann sind wir, bist du in dem Moment sehr im Vergleich und sehr sozusagen auch in einem Mangelgefühl, also in einem defizitären Gefühl.
Also diese Bubble, und da muss man eben bei Instagram auch immer wieder vorsichtig sein. Die spielt einem ja ganz viel vor. Und eigentlich tut man sich selbst ja was Schlechtes. Man, so unter dem Deckmäntelchen der Information und der „Ich hänge mal kurz ab und schau mal, was die Welt, die virtuelle Welt so macht“, guckt man und bleibt dann hängen eben auch bei dem, was einen interessiert. Und aus diesem Interesse wird dann auf einmal ein Vergleich und dann das Gefühl, ich kann diesem Vergleich nicht standhalten. Und dann fühlt man sich minderwertig, klein, keine Ahnung, und muss diese Gefühle irgendwie regulieren.
Mama konkret, der Podcast
Und damit herzlich willkommen bei Mama konkret, dem Podcast von Juli Tan und dem Podcast Radio detektor.fm. Mutter sein heute bedeutet auch, Mutter sein im digitalen Raum. Zwischen Inspiration und Überforderung, zwischen Verbindung und Vergleich. Vielleicht kennst du diesen Moment: Der Tag ist geschafft, die Kinder sind endlich im Bett, die Küche wartet noch, aber erst mal kurz aufs Handy, nur ein paar Minuten scrollen, und plötzlich ist eine Stunde vorbei. Und da ist dieses Gefühl: Warum geht es mir jetzt eigentlich schlechter als vorher? Genau darüber sprechen wir heute. Was macht Social Media mit uns als Mütter und wie finden wir einen gesunden Umgang damit?
Und diese Folge ist nicht nur irgendeine Folge, sie ist das Finale der ersten Staffel von Mama konkret. Eine Staffel voller ehrlicher Gespräche, Perspektiven und Themen, die uns als Mütter wirklich bewegen. Ich bin Juli, zweifach Mama und deine Host. Und wie immer bekommst du hier meinen ehrlichen Blick als Mutter, fundiertes Fachwissen und konkrete Impulse für deinen Alltag.
Katja Saalfrank
Meine Gästin heute ist Katja Saalfrank, Diplompädagogin, Familientherapeutin, Elternberaterin und Mutter von vier erwachsenen Söhnen. Sie arbeitet in Berlin und viele kennen sie auch aus ihrem Podcast Familiensprechstunde. Schön, dass du da bist, liebe Katja.
Hallo, liebe Juli, vielen Dank für die Einladung und dass ich hier beim Staffelfinale mit dabei sein darf. Danke! Gerne, und ich freue mich wirklich ganz, ganz toll. Katja, ich habe direkt so einen ganz typischen Moment mal mitgebracht, den ich dir gerne mal vorlesen möchte. Der Tag ist durch, die Kinder schlafen, man gönnt sich kurz Zeit für sich, landet auf Social Media und fühlt sich danach irgendwie schlechter als vorher. Warum ist das so? Und warum fühlen sich viele Mütter denn auf Social Media nicht besser, sondern warum fühlen wir uns eher erschöpft und unzufrieden? Was sagst du dazu?
Ja, also ich muss ja sagen, natürlich bin ich Mutter weiterhin, aber diesen Moment, dass sozusagen die Kinder im Bett sind und man dann so ein bisschen Freiraum hat und diesen Freiraum dann eben nicht sofort füllt, wieder weiter im Text mit Küche aufräumen, vielleicht dann auch mal was anderes aufräumen, vielleicht sogar nochmal sich an die eigene Arbeit zu setzen, sondern den dann mit Social Media füllt, den kenne ich ja in der Form gar nicht so.
Reflexion über Social Media
Und wahrscheinlich hätte ich erstmal eine Rückfrage, ob das eine Situation ist, die du aus deiner Mutterschaft kennst. Und dann würde ich vielleicht erstmal fragen: Was denkst du denn? Also was heißt denn, du fühlst dich schlechter als vorher und ausgelaugt? Ja, also was für ein Gefühl hast du dann dabei und welche Gedanken hast du dabei? Weil wenn wir dem so ein bisschen auf die Spur kommen, können wir auch nochmal genauer gucken, warum ist das denn vielleicht so?
Ja, ja, also sehr gerne. Ich erlebe das fast jeden Tag oder habe das in der Vergangenheit fast jeden Tag erlebt, weil für mich war Social Media Konsum tatsächlich meine Freizeit. Also wenn dann praktisch die Kinder alle im Bett sind, ist das für mich ein Freizeit- oder ein Hobby gewesen, so wie andere vielleicht ein Buch lesen oder irgendwie eine Sendung im Fernsehen gucken.
Und was man gar nicht so richtig mitbekommt, ist, wenn man bestimmte Inhalte auf Social Media, zum Beispiel auf Instagram, konsumiert, zum Beispiel: Mein Baby ist ein halbes Jahr alt, wie sieht mein Körper jetzt aus? Ja, Postpartum-Körper und so weiter. Dann bewegt man sich ja in so einer Bubble. Das heißt, der Algorithmus spült einem ja auch immer wieder ähnliche Inhalte aus. So ist das. So ist das.
Und dann bist du irgendwann in so einer Bubble drin, zum Beispiel, wo du dann über den weiblichen, mütterlichen Körper dir eine Meinung bildest. Und oft ist es so, dass man dann zu sehen bekommt, dass nach sechs oder acht Wochen Postpartum schon so viele, vermeintlich so viele Mütter einen so flachen Bauch schon haben, dass die wieder so in ihrer Kraft sind. Und dafür bedarf es ja auch nur ein bisschen diszipliniertes, regelmäßiges Training, die richtige Ernährung und so weiter und so fort.
Vergleich und Mangelgefühl
Und warum fühle ich mich danach schlecht? Ja, weil ich dann meinen eigenen Körper angucke, meinen eigenen Bauch und denke: Oh, so sehe ich aber nicht aus. Ich bin ja ganz weit entfernt von diesem Bild, was ich gerade mir zehn Minuten lang auf Social Media angeschaut habe. Ja, genau. Also das heißt, die Frage, warum fühlst du dich schlecht, hast du jetzt schon selbst und das ist ja auch eine wichtige Reflexion, wichtige Herleitung, dir selbst ein bisschen beantwortet.
Und wenn man so ein bisschen auf die abstrakte Ebene geht und überlegt, was ist das eigentlich, dann sind wir, bist du in dem Moment sehr im Vergleich. Genau, und sehr sozusagen auch in einem Mangelgefühl, also in einem defizitären Gefühl. Also so diese, diese Bubble. Und da muss man eben bei Instagram auch immer wieder vorsichtig sein. Die spielt einem ja ganz viel vor. Und eigentlich tut man sich selbst ja was Schlechtes. Man, so unter dem Deckmäntelchen der Information und der „Ich hänge mal kurz ab und schaue mal, was die Welt, die virtuelle Welt so macht“, guckt man und bleibt dann hängen eben auch bei dem, was einen interessiert.
Und aus diesem Interesse wird dann auf einmal ein Vergleich und dann das Gefühl: Ich kann diesem Vergleich nicht standhalten. Und dann fühlt man sich minderwertig, klein, keine Ahnung. Ja, und muss diese Gefühle irgendwie regulieren. Jetzt haben wir ja uns früher, ja, also ich finde, Vergleich ist an sich ja vielleicht auch per se nichts Negatives. Also ich habe mich jetzt auch schon in der Schule schon auch mit Klassenkameradinnen verglichen. Ja, was hat die für einen Sport gemacht? Worin ist die gut? Oder vielleicht bin ich ja besser als jemand anderes.
Vergleich in der Vergangenheit
Jetzt haben wir uns ja früher, du sagtest ja vorhin, so Social Media, Instagram war jetzt auch noch nicht so in deiner Zeit so präsent. Jetzt haben wir uns ja früher so eher… Gar nicht. Ich bin schon uralt. Also das wollte ich jetzt überhaupt so nicht formulieren. Nee, ich habe da überhaupt kein Problem mit. Ich habe schon sehr viele Tage hinter mir und ich freue mich über jeden Tag, der vor mir liegt. Aber das stimmt. Ich habe da noch nicht so gelebt. Früher haben wir uns doch mit viel weniger Menschen verglichen, weil früher gab es diese…
Du scrollst ja in einer halben Stunde, scrollst du 200 Menschen durch. Ja, und früher, du konntest die Bubble halt nicht so halten. Du warst nicht so sehr in einer abgeschlossenen Bubble. Genau, und auch nicht diese Quantität, weil mit wem hast du dich verglichen? Mit Nachbarn, mit Freundinnen, Arbeitskolleginnen, Freunden. So, und jetzt vergleichst du dich ja mit der ganzen Welt. Das heißt, du vergleichst dich zum Beispiel auch mit prominenten Persönlichkeiten.
Warum machen wir das?
Und warum tun wir uns das denn immer wieder an, obwohl wir wissen, dass es uns nicht gut tut? Warum machen wir das denn ständig? Also das müsste man wirklich die einzelnen Personen fragen. Was ist da? Und du hast ja schon eigentlich was Wichtiges gesagt, nämlich für dich in deinem System scheint Social Media besetzt zu sein mit einer Entspannung, nämlich mit dem Gefühl Freizeit, Lücke, Interesse, mal gucken. Ja, und das geht dann eben sehr schnell in diesen Vergleich rein und in eine bestimmte Bubble.
Und das hat ja auch damit zu tun, dass wir manchmal auch sinnlos rumscrollen, also einfach hängenbleiben an etwas, was uns vielleicht gar nicht so interessiert. Und dann aber der Algorithmus uns da zielsicher sozusagen… Ich habe immer gesagt, das ist wie wenn du, wenn du an einem Unfall hängen bleibst und dann guckst du dir diesen Unfall an, denkst: Ach, guck mal, interessant, dieses Video, wie schrecklich.
Und dann aber zu wissen, dass ich jetzt sozusagen vermehrt solche schrecklichen Videos eingespielt bekomme und dann vielleicht auch den Eindruck habe, die ganze Welt besteht nur aus Unfällen. Das muss man eben wissen. Und da denke ich jetzt wieder, also erstmal, du hast gesagt vorhin, Vergleichen an sich ist ja nichts Schlimmes. Ich finde auch, da kann man nochmal differenzieren, mit welchem Ziel vergleiche ich.
Schule und Vergleich
Ja, und ich finde auch, dass die Schule und dort, also Schule ist ja an sich per se schon der Ort des Vergleichens. Da werden ja Noten verglichen, Leistungen verglichen und immer alles ist im Verhältnis zu gut oder schlecht, im Verhältnis zum Ergebnis, im Verhältnis zu der Leistung, die erwartet wird und so weiter. Also insofern finde ich, ist das nochmal schwierig, weil es kein leistungsfreier und damit auch kein vergleichsfreier Raum ist.
Und du bist, auch wenn wir in der Schule sind, sind wir in der Pubertät. Da sind wir auf der Suche nach Identität, nach der Frage: Wer bin ich, wo will ich hin? Und da ist natürlich der Vergleich sozusagen im Sozialen auch so ein bisschen geprägt von Orientierung. Also ich probiere das aus, ich probiere das aus. Ja, ich gehe mal da rein. Und es ist im Grunde nicht so richtig vergleichbar mit Social Media, weil heute bist du eine erwachsene Frau und ich auch.
Reflexion und Entscheidungen
Und wir können heute entscheiden, wir können genau das machen, was wir gerade machen, nämlich dass wir reflektieren, dass wir überlegen, wo kommt es eigentlich her? Und wir uns selbst die Frage auch stellen können: Warum mache ich das immer wieder? Warum ziehe ich mich da immer wieder? Warum lasse ich mich da immer wieder reinziehen? Was ist das für eine Struktur? Und wie schaffe ich das? Und dann gibt es, wenn man dann entscheidet: Ich will das nicht mehr machen, weil Vergleiche, und da gebe ich dir recht, Vergleiche unter Müttern, das ist echt schwierig.
Also das sind auch keine, finde ich, guten Vergleiche, weil sie eben meistens auch mit Leistungen mit vermeintlicher Leistung zu tun haben. Also jemand, der seinen Körper trainiert nach einer Schwangerschaft, er bringt ja eine vermeintliche Leistung und dann ist Schönheit, Schlankheit, wie auch immer, dann diese Leistung, die dann auch ja entsprechend gefeiert wird. Das ist auch nochmal anders, weil Social Media ist eben kein stiller Vergleich, sondern das ist ein sehr lauter Vergleich, weil wir sehen dann Videos, wo, weiß ich nicht, tausende von Likes unten drunter sind und da ist eine Zustimmung.
Mechanismen entlarven
Das macht auch was mit unserem Gehirn, wenn wir schon sehen: Ah, das sind ja 14.000 oder 250.000 Likes drunter. Das ist was, hat viele Menschen angezogen. Da will ich auch dazugehören, deswegen gucke ich mir das dann an. Und diese Mechanismen zu entlarven bei sich, Julie, das finde ich eigentlich die Herausforderung an Social Media und nicht sozusagen immer wieder in die Falle reinzutappen, sondern sich mehr bewusst zu werden, mehr wahrzunehmen und dann auch Entscheidungen zu treffen.
Ich finde auch, ja, ich finde auch, aber weil du gerade gesagt hast, die Mechanismen entlarven, bringt mich jetzt auf so einen Punkt. Und zwar habe ich mal kurz nochmal innegehalten und ich habe dir ja vorhin gesagt, okay, das ist meine MeTime, ist meine Entspannung. Ja, aber dann dachte ich, es ist auch eine Ablenkung. Ich dachte, gut, es klingt jetzt ein bisschen dramatisch, vielleicht soll es auch nicht so dramatisch, ist es auch nicht so dramatisch, aber es könnte auch eine Flucht aus dem Alltag sein.
Mental Load
Also als Mutter ist man ja mit Mental Load, ist ja auch ein geflügeltes Wort auf Social Media übrigens geworden, sehr geflügeltes Wort. Mental Load ist in aller Munde und ich finde es ja eigentlich auch gut, weil es ist ja tatsächlich so, dass wir Frauen wirklich eine enorme Last tragen, diesen Mental Load tragen, das muss ich schon wirklich sagen. Und ich spüre den auch bei mir selber. Aber vielleicht ist es auch eine Flucht aus dem Alltag, dass ich sage, okay, aus meinem Alltag schlüpfe ich jetzt raus und ich schlüpfe jetzt in den Alltag von anderen Müttern oder Frauen, ja, die sich auf Instagram präsentieren.
Da frage ich mich, vielleicht habe ich als Mutti aufgrund meines Mental Loads die Flucht sogar nötiger als ein väterlicher Elternteil. Weiß ich nicht, ob das jetzt eine gewagte These ist. Nee, also ich glaube, Männer flüchten sich dann woanders hin. Ja, also die sind vielleicht dann an anderen Orten. Und ich finde auch diese…
Flucht oder Entspannung?
Also Flucht ist natürlich auch was, was sich sofort ein bisschen mit Gefahr und mit hoher Erregung irgendwie verbindet. Das Wort vielleicht kann man noch mal eher sagen: Du suchst irgendwie einen Raum, wo du mal nichts tun musst, also wo nichts zu tun ist und wo du für dich sein kannst. Und das ist aber vielleicht dann auch Social Media heute nicht mehr, jedenfalls nicht an diesem Ort. Ja, stimmt.
Und das für sich dann auch wieder wahrzunehmen, weil du hast völlig recht. Also ich denke die ganze Zeit so ein bisschen mit und diese Mechanismen, die du beschreibst, die kenne ich genauso. Also wenn ich die Möglichkeit habe, meine Küche aufzuräumen, meine Wohnung sauber zu machen oder irgendeine andere Pflicht, sei es Steuern oder irgendwas vorbereiten, dann sind wir Meister im Prokrastinieren und Social Media hilft uns dabei. Du sprichst mir so aus dem Herzen, Ralia, total.
Ja. Und ich meine, das ist natürlich keine gute Nachricht, weil selbst wenn deine Kinder größer sind, sind die Mechanismen nicht weg, weil das ist ja das, was ich gerade sage. Aber ich will damit sagen, dass früher war das, glaube ich, für mich so ein bisschen das Fernsehen. Also ich bin totales Fernsehkind, 70er Jahre aufgewachsen. Fernsehen, da wurde noch dann so gesagt: viereckige Augen darf man gar nicht gucken. Ja, und wir haben es geglaubt. Ich habe das als Kind wirklich geglaubt. Wie gemein eigentlich.
Fernsehen und Konsum
Ja, ich habe es auch ein bisschen geglaubt, aber ich habe natürlich jede freie Sekunde, Minute heimlich geguckt und habe aber dann eben auch dieses Gefühl gehabt. Und auch später, natürlich mit den Kindern ging das dann nicht mehr. Du kannst dich mit einem Wohnzimmerfernseher anmachen. Aber so, ich glaube, das war so mein Traum, irgendwie mich dann so rauszuspulen, so aus den Pflichten und aus diesem engen Korsett, was man so am Tag spürt.
Und das sind ja total wichtige Sachen, die du sagst, weil die Frage ist ja nicht so sehr, also dass du das brauchst, sondern das wahrzunehmen und dann zu gucken: Aber was tut mir denn wirklich gut? Ja, ja, ist gar nicht so einfach in dem Moment, sich das selber zu fragen: Tut mir denn das jetzt gerade gut, was ich sehe?
Zufriedenheit und Familie
Also ich glaube, da könnte man noch super viel in die Tiefe gehen. Ich habe mal gehört, pass mal auf. Ich habe mal gehört, das ist auch kein Geheimnis: Zufriedene Mütter sind der Schlüssel für eine glückliche Familie. Was hältst du davon? Ja, ist jetzt also, ist auf jeden Fall großschrittig gedacht. Ja, ja, absolut.
Ja, weil aus der Zufriedenheit wahrscheinlich dann sozusagen die Blume der Verbindung, der Beziehung, der Gelassenheit und so weiter sprießt. Aber das stimmt schon, es ist ein guter Nährboden, wenn wir zufrieden sind. Und gleichzeitig ist es ein großes Wort, weil was ist zufrieden? Total. Also total.
Ich finde halt immer auch die Frage: Ich bin total happy und zufrieden mit mir selbst. Mache ich Instagram auf, sehe ich: Mensch, das habe ich nicht. Das könnte ich auch noch gebrauchen oder das könnte ich noch besser machen. Social Media zeigt mir ständig. Aber wirklich? Ja, wirklich. Bist du so? Social Media zeigt mir ständig, was ich angeblich noch brauche. Angeblich, Betonung auf angeblich. Brauche ich das überhaupt nicht? Kann ich mich diesem Druck überhaupt entziehen? Mensch, meine Güte, ich brauche angeblich irgendwelche Sachen in der Küche, womit ich irgendwie noch schneller keine Ahnung, den Boden sauber kriege oder wo ich mir noch einen besseren Kaffee machen kann.
Selbstgestaltung und Bedürfnisse
Ja, also auch da entdecke ich mich wieder bei dir. Also in dem, was du erzählst, dass ich auch doch immer mal wieder einiges bestelle, wo ich dann denke: So, wann hast du denn das gemacht und was hast du dir denn dabei gedacht? Aber ich glaube fest daran, dass wir tatsächlich ja unser Leben selbst gestalten können. Und dass es wichtig ist, dass wir eben, wie du sagst, solche Mechanismen bei uns selbst ergründen und dann aber eben auch zu diesem Schritt kommen: Was brauche ich? Was ist mir wichtig?
Und so dieses Abhängen ist, weißt du, das ist fast so ein bisschen wie man sagt: Ich möchte eigentlich nicht mehr jeden Tag Alkohol trinken oder weniger Alkohol trinken und dann sitzt man mit Leuten zusammen und dann lässt man sich doch wieder reinziehen. Und das ist eine innere Struktur. Das ist eine innere Struktur, klar zu sein.
Mutterschaft und Vergleich
Also und ich muss dir sagen, in meiner Mutterschaft war es wirklich so, dass es viele gab, die mir gesagt haben: Du machst das irgendwie falsch oder du machst das anders. Und ja, das stimmt. Ja, und ich auch, wenn meine Kinder dann gesagt haben: Ja, aber der Max, der darf aber immer Fernsehen gucken oder bei denen gibt es immer Süßigkeiten oder so, dann habe ich gesagt: Ja, so ist das bei anderen Leuten, ist es anders. Bei uns ist es so.
Und ich habe natürlich auch keinen, kein sozusagen, kein, ja, kein Social Media gehabt, aber ich habe eben mich davon auch sozusagen in echten Kontakten nicht abbringen lassen. Ja, total. Und du hast auch vorhin gesagt, Social Media war damals gar nicht präsent oder super wenig, dann präsent im späteren Lebensabschnitt bei dir. Und da ist eben bei der TV eben noch sehr präsent.
Perfekte Mutterschaft
Und das kann ich von mir selber auch sagen. Ich habe früher wirklich auch meine TV-Serien gehabt, die ich auch super gerne geguckt habe und auch Dokumentationen und so weiter. Trotzdem, egal wo man etwas konsumiert, ob es TV ist oder Social Media, manchmal wird eben dann doch ein sehr perfektes Bild von der Mutterschaft gezeichnet. Ganz egal, wo ich das jetzt konsumiere.
Wie können wir denn jetzt mal generell gesprochen, nicht nur ich, sondern wir Mütter, wie können wir denn damit umgehen, ohne uns davon so doll verunsichern zu lassen? Weißt du? Sag mir nochmal, ja, sag mir bitte nochmal, was du mit perfekter Mutterschaft meinst, weil jetzt vielleicht habe ich einen anderen Algorithmus, weil ich auch ein anderes Interesse habe, weil ich gucke ja immer nach Konflikten.
Ehrlichkeit in der Darstellung
Ich finde es ja immer spannend zu sehen, wie… Also es gibt ja sehr viel Content, aber ich sehe da immer wieder, ich sehe da auch immer wieder Mütter, die sehr ehrlich irgendwie fast eher in so eine Tendenz gehen. Alles wird nicht ausgesprochen, wie ehrlich das alles auch ist und wie schwierig das alles ist. Sag mir mal, was meinst du mit perfekter Mutterschaft?
Also ein Beispiel ist jetzt eine Influencerin, filmt sich morgens vom Aufstehen bis sie ihre Kinder in die Schule bringt und dann filmt sie, wie sie ihre Morgenroutine hat und schafft dann in einer dreiviertel Stunde eine Morgenroutine, in der es offensichtlich keinen stressigen Moment gibt. Jedenfalls nicht on camera. Nicht on camera, genau. Aber darum geht es ja, ne? On camera.
Umgang mit Verunsicherung
Also was ich damit meine, ist, alles ist aufgeräumt, die Mutti ist schon hergerichtet, die Kinder sind super happy, das Frühstück schmeckt, noch schnell den Tisch abwischen, jetzt die Sachen anziehen, noch einen Snack für die Schule einpacken und los geht es ins Auto. Ganz ehrlich, ich glaube doch selber nicht, dass was ich da sehe. Aber das ist dieses vermeintlich perfekte Bild und es gibt halt auch Mütter, die lassen sich davon verunsichern.
Und wie können wir denn damit umgehen, dass wir uns eben nicht so doll verunsichern lassen? Also ich muss ganz ehrlich zugeben, mir ist schon klar, dass das fake ist. Ja, auch viele Dinge. Also fake ist ganz böse ausgedrückt jetzt. Vieles ist auch wirklich geschnitten und es ist halt diese Instagram-Bubble, der glaube ich natürlich auch nicht. Aber ich weiß, dass es viele Mütter gibt, die sich dadurch verunsichern lassen. Total.
Eigenverantwortung
Ja. Also das klingt jetzt vielleicht ein bisschen hart, aber es ist ja nicht wirklich eine Einbahnstraße. Also es ist ja nicht, da passiert was mit mir und ich halte mir was vor das Gesicht und dann passiert das, sondern ich bin ja ein eigenständiger Mensch, ein erwachsener Mensch mit einem reifen Nervensystem, mit einem eigenen Organismus, mit einem eigenen Willen. Ja, und das sozusagen sich nochmal klar zu machen und dann wirklich auch zu überlegen: Will ich mich davon beeinflussen lassen? Will ich mich da reinziehen lassen oder kann ich mich ein Stück distanzieren?
Ja, also ehrlich gesagt ist das was, was ich auch… Ich weiß, wir reden heute eher über Mütter und gleichzeitig sind Mütter ja auch Mütter, weil sie Kinder haben. Dass wir auch nochmal… Das sind so die Mechanismen, die ich zum Beispiel bei Medienkompetenz super wichtig finde für unsere Kinder heute, dass sie den Algorithmus kennen, dass sie wissen, wenn sie einmal so einen virtuellen Unfall sich angucken, dass das eben dann auch reingespült wird.
Strategien zur Distanzierung
Das heißt, man muss es überscrollen oder man muss sogar bewusst anklicken: Interessiert mich nicht. Ja, also Abgrenzung sozusagen machen und dass wir wirklich auch Strategien ausprobieren, zu verlangsamen. Also nicht sofort sich ins Verhältnis zu dem, was ich sehe, setzen, sondern das erstmal wirklich zu betrachten, nämlich das, was es ist: durch einen Bildschirm eine ganz andere Welt, eine gemachte Welt.
Ja, und das ein bisschen im System quasi entschleunigen und dann einen kleinen Spalt, einen kleinen Raum schaffen zwischen Reiz und Reaktion. Also es kommt nicht ein Reiz und ich bin sofort sozusagen reingezogen, sondern ich kann diesen Reiz wahrnehmen und ich kann mich distanzieren. Dadurch entsteht ein Raum und dann kann ich entscheiden: Wie bewerte ich das? Will ich das reinlassen? Durch welchen Filter? Oder möchte ich das vielleicht so gar nicht für mich in Anspruch nehmen?
Übung und Bewusstsein
Und das ist natürlich… Das ist Übungssache, ja, und es hat was mit Bewusstsein zu tun und mit Verbindung, auch da eben auch in der Wahrnehmung zu sein: Wie geht es mir damit? Was will ich? Und wir haben vorhin von den viereckigen Augen gesprochen und ich habe das ja auch geglaubt. Und gleichzeitig wusste ich aber irgendwann auch, was meine Mutter meinte, weil viereckige Augen heißt, es ist schon irgendwie, wenn man wirklich viel guckt und nur über die Augen, über diesen einzigen Sinn wahrnimmt und dann auch wahllos sozusagen, dann hat man irgendwie das Gefühl, das Gehirn wird irgendwie ein bisschen matschiger und so.
Und das ist ja eine Erfahrung, die ich offensichtlich erst mal machen musste, um dann selbst auch zu merken: Ist das noch das Fernsehen, was ich eigentlich… Das Fernsehen wird ja nicht schlechter dadurch und meine Lust auch zu schauen nicht. Aber wie will ich es gestalten? Und das glaube ich, Dinge, die wir in der Generation nicht so richtig gelernt haben und jetzt erst mal so erfahren, die wir aber eigentlich brauchen, um unsere eigenen Kinder auch in diese Mechanismen reinzuholen und sie auch in einem Raum experimentieren zu lassen.
Begleitung und Unterstützung
Nicht zu jedem Zeitpunkt, das ist mir schon auch klar. Also ich bin da auch kritisch, weil eben der Algorithmus ja auch was Selbstständiges ist. Da ist Experimentieren dann, weiß ich nicht, mit sechs oder mit acht, finde ich schwierig. Aber das eben zu begleiten und dann eben auch immer wieder zu fragen: Wie geht es dir jetzt und möchtest du das? Ja, und dann Strategien auch zu erarbeiten: Wie kann ich das ein bisschen für mich sortieren?
Also ich weiß zum Beispiel von meinen Söhnen, dass die auch immer wieder regelmäßig Social Media, also Instagram löschen, weil sie sagen: Das ist für mich eine Herausforderung im Alltag. Wenn ich an der Bushaltestelle stehe oder wenn ich irgendwo gerade kurz eine Pause habe, raus aus meinem Leben, möchte dann lasse ich mich da reinziehen. Und ich möchte das nicht, also so doll ist mein Interesse nicht. Dann mache ich das ganz weg. Dann kann ich nur zu Hause irgendwie gucken.
Medienkompetenz
Ja, ich finde das total cool. Medienkompetenz, das Stichwort, nochmal was du ganz am Anfang gesagt hast. Ja, woher sollen wir denn Medienkompetenz für Social Media haben? Woher denn überhaupt? Das gab es ja noch gar nicht bei uns.
Das müssen wir Erwachsenen jetzt lernen in unserer Generation. Und das Gelernte im besten Falle weiter an unsere Kinder geben, damit die von Anfang an diese Medienkompetenz entwickeln können.
Und was ich bei mir persönlich da fängt es ja schon an: Meine Kinder sind ja erst Schulkindkinder, also 1. und 2. Klasse, und ich werde sie lange, lange genug, soweit es geht, vor Handys bewahren. Ja, aber sie sehen natürlich Mama am Handy. Und da habe ich mir auch schon oft Gedanken gemacht.
Meine Güte, ich versuche das so gut es geht, nicht vor meinen Kindern am Handy zu arbeiten. Tatsächlich lege ich das Handy weg, weil ich bin der Meinung, es macht einen Unterschied. Ich bin zwar physisch da, körperlich da, aber ich bin nicht emotional da. Ich bin nicht präsent.
Und auch das Bild, das meine Kinder von mir als Mutter haben, schon fast wie so ein Icon, stelle ich mir das vor: eine Frau mit dem Handy in der Hand, so eine Silhouette. Ja, meine Kinder sehen das so oft, wahrscheinlich, obwohl ich mir schon bemühe, das oft wegzulegen. Ne, ich glaube, ich bin es immer noch viel zu oft. Ja, absolut.
Präsenz und Verbindung
Und also da muss ich mir auch an die eigene Nase fassen, dass als diese Geräte rauskamen, das war ja für uns revolutionär. Und diese Welt dann zu entdecken und gleichzeitig eben im Hier und Jetzt zu sein bei den Kindern. Und wie du sagst, nicht präsent zu sein.
Also ich glaube, es gibt nichts Schlimmeres für Kinder als eine Mutter, die nur körperlich anwesend ist, aber nicht präsent ist, nicht emotional erreichbar ist. Ja, und also das ist tatsächlich auch etwas, was ich ziemlich oft mit Eltern, mit beiden Eltern, da können wir, glaube ich, die Väter mit reinnehmen, bespreche.
Ja, wenn, also dadurch, dass eben auch Arbeitsmöglichkeiten, Arbeitszeiten, Arbeitsräume sich verändert haben, ne, dass es Homeoffice gibt seit Corona und so weiter, ist es sehr schwimmend, diese Grenzen zwischen: Ich bin im Homeoffice und meine Kinder sind da und wann bin ich ansprechbar und wann nicht.
Innere Struktur und Grenzen
Ja, und da geht es wirklich um innere Struktur, also eine Klarheit zu schaffen, einen Rahmen zu schaffen. Da bespreche ich ganz viel, die Tür zuzumachen, auch wirklich dann, dass der andere Elternteil auch wirklich dann sich kümmert und dass das Kind nicht die ganze Zeit vor der Tür hängt, sondern dass man dann wirklich auch Grenzen schützt und klar macht.
Also Grenzen jetzt nicht im Sinne von Konsequenz, sondern wirklich von räumlichen Grenzen. Und dann aber wirklich auch, wenn man nach Hause kommt, dann wirklich auch Eltern-Familienzeit hat und dann auch ansprechbar ist. Ja, und auch mal aushält, wenn gerade mal kein Thema da ist oder so und nicht sofort das Handy zückt, wie man es eben an der Bushaltestelle macht, weil man denkt, jetzt hat man gerade Zeit, die man anderweitig nutzen kann.
Das ist ja so ein Impuls, der in uns drin ist, ne, so eine innere Unruhe und immer doch an der Welt teilzuhaben, mit dabei zu sein.
Fragen und Antworten
Und weißt du, was mir auch noch aufgefallen ist? Neulich dachte ich so: Oh mein Gott, hoffentlich versaue ich das nicht komplett, wenn meine Kinder mich was fragen. Weiß ich nicht, warum ist der Himmel blau? Ja, früher hat man halt eben nachgelesen, da hat man dann entsprechend die Literatur herausgesucht und hat das dann nachgeschlagen.
Hat man sich vermutlich auch die Fragen aufgeschrieben von den Kindern oder versucht, sich zu merken, um es dann herauszufinden, wenn man es nicht selber wusste in dem Moment. Und jetzt zücke ich, wirklich schlimm, oder? Ich zücke mein Handy, mein Kind fragt mich was, ich zücke mein Handy und frage ChatGPT.
Also ich denke, was haben die denn für ein… Also manchmal, wenn ich sage: Okay, das kann ich jetzt gerade gar nicht beantworten, sage ich: Ich schau mal eben nach. Aber ich schaue das dann auf dem Handy auch nach.
Der Umgang mit Informationen
Also ja, ich finde eher die Frage nicht so sehr, was, sondern wie tun wir das, was wir tun? Und du hast recht, wir haben heute nicht mehr nur den Brockhaus oder irgendein Buch, wo wir nach… also Literatur sozusagen, sondern wir haben ein Medium, das Literatur gespeichert hat und uns innerhalb von Sekunden die Möglichkeit gibt, auf eine bestimmte Form von Literatur und Sammlungen zurückzugreifen.
Wo man ja eben auch immer wieder nochmal kritisch sein muss: Ist das jetzt dann auch wirklich eine gute Quelle? Aber die Frage ist ja, musst du sozusagen als Mutter sofort eine Antwort liefern oder kann ich nicht diesen Prozess als etwas Gemeinsames begreifen, indem wir überlegen, was könnte das denn sein?
Und dann zu sagen: Wir setzen uns zu Hause in Ruhe und eben nicht hier zwischendurch vielleicht an den Rechner oder auch ans Handy und schauen mal. Weil auch da bist du ja wieder jemand, der dann Strategien mit deinem Kind experimentiert.
Strategien und Quellen
Welche Quelle ist vielleicht dafür gut? Woran merke ich, dass die Quelle gut ist? Und da kann man immer noch ChatGPT fragen. Man kann ChatGPT auch schön überführen, dass es komische Quellen hat. Also das sind ja alles Sachen, die die Kinder von uns dann erfahren.
Und du hast vorhin etwas ganz Wichtiges gesagt, nämlich wir haben das noch nicht umfangreich. Also ich sage mal so, wir haben es in vielen anderen Bereichen auch nicht so wahnsinnig umfangreich, wie wir tun. Aber jetzt hier ist es halt sehr deutlich.
Selbstbeobachtung und Reflexion
Und das heißt aber eben auch, dass wir uns selbst viel mehr beobachten, viel mehr wahrnehmen, viel mehr die Erfahrungen reflektieren müssen und für uns sortieren müssten. Was nehme ich? Was bedeutet das jetzt für mich, für meine Struktur? Und was ist für mich sinnvoll, um mich selbst zu regulieren und auch einen guten Umgang damit zu finden?
Und was davon ist dann eben auch gut für die Kinder, um weiterzugeben? Also ich habe das mit dem Computer damals. Kam der Computer, oh mein Gott! Und die Handys kamen und so. Also das Smartphone war erst ein bisschen später.
Gemeinsames Lernen
Aber ich habe das so mit meinen Kindern gemeinsam versucht zu begreifen. Und wir haben nicht so sehr über das Ergebnis gesprochen, also wie viel darf jeder, natürlich auch, aber eben auch, was macht es mit uns? Und wie viel Lebenszeit geht da drauf?
Wenn jedes Kind eine Stunde Computerzeit hat, ist der Nachmittag rum. Was machen wir denn jetzt damit? Ja, super wertvolle Impulse.
Abschlussfrage
Ich habe noch eine Abschlussfrage an dich. Die ist jetzt ein bisschen verallgemeiner gehalten, aber ich möchte sie dir trotzdem gerne stellen, weil ich glaube, du kannst für unsere Zuhörerinnen hier noch vielleicht den ein oder zwei wichtige oder schöne Impulse mitgeben.
Und zwar: Mutter sein ist ja oft ein Dauerspagat zwischen To-Do’s und den Bedürfnissen der Kinder. Was hilft uns Müttern denn konkret, sich dabei selbst nicht zu verlieren? Hast du da so spontan ein paar Impulse, die du uns Müttern mitgeben kannst?
Muss auch gar nicht so kompliziert sein oder was lange dauert. Gibt es da so ein paar Kniffe, die wir Mamis vielleicht auch mal einfach ausprobieren können im Alltag?
Bedürfnisse und Wünsche
Also es gibt einen ganz einfachen Satz, den sage ich, aber zum Ende. Ich will jetzt erst nochmal sagen, dass ich es super wichtig finde, zwischen Bedürfnissen und Wünschen und Anliegen zu unterscheiden.
Also es gibt seelische Basis-Grundbedürfnisse, die wir alle haben: Sicherheit, Verbindung und Autonomie. Wir sind Verbindungsmenschen, wir suchen Verbindung. Das heißt, Kinder, die wollen ja ständig was von uns, die suchen keine Aufmerksamkeit, die suchen Verbindung, weil sie sich im Spiegel dieser Verbindung wahrnehmen.
Gerade bei Kindern, die keine Geschwister haben, ist das manchmal ein Thema. Wie können die mit sich selbst sein und wie können die auch in Verbindung sein mit uns? Und da ist es dann auch so ein Thema: Wie kann eine Mutter, ein Vater auch für sich Dinge tun, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, weil das Kind gerade ohne Verbindung ist?
Erfüllung von Bedürfnissen
Also das finde ich einen wichtigen Punkt nochmal. Weil Bedürfnis wird oft synonym verwandt und klingt dann auch so nach Erfüllung. Also ich muss etwas erfüllen, wie ein Glas, das ich bis oben hin vollgießen muss. Da bin ich schon wieder in der Leistung und im Tun.
Und wo bin ich eigentlich? Und ein Wunsch ist erstmal ein Wunsch und ein Anliegen. Und da liegt aber meistens ein Bedürfnis nach Sicherheit, nach Anerkennung, nach Zugehörigkeit, nach Verbindung oder auch nach Selbstwirksamkeit, Autonomie zugrunde.
Und wenn ich das lese, dann kann ich das beantworten. Das ist was anderes, weil ich muss den Wunsch nicht erfüllen. Und das entschleunigt schon mal und bringt uns so aus dieser Hast raus: Ich muss immer nur für die Bedürfnisse meiner Kinder da sein.
Verbindung suchen
Ich finde das total, wenn du sagst, das Bedürfnis. Und ich stelle mir das jetzt so vor: Im Prinzip möchte mein Kind sich mit mir verbinden. Das ist toll, weil ja, es ist jetzt ja… Das ist keine… Ja, also ich muss jetzt gar nichts erfüllen, weil vielleicht ist dieses Verbindungssuchen ja auch gar keine große Nummer.
Weißt du? Vielleicht reicht es ja eigentlich auch schon, meinem Kind in die Augen zu gucken, es anzuschauen, ihm zuzuhören, was es sagt und dann darauf zu reagieren. Also mit einem Antwortsatz oder vielleicht braucht es auch gerade eine Umarmung oder vielleicht braucht es einfach gerade nur mein Nicken und meine Zustimmung für irgendetwas, damit es sich sicher fühlt oder so.
Und dann ist es ja gar nicht so eine große Nummer in dem Moment. Ne, das hilft schon. Ja, genau.
Unterschiedliche Formen von Verbindung
Und es gibt ganz viele unterschiedliche Formen von Verbindung. Ich habe so immer dieses Beispiel, weil das so an meiner Lebensrealität sehr nah war, dass ich immer, also dass ich zum Beispiel ein Kind gestillt habe und das andere oder andere kamen dann und wollten was von mir.
Und da war es für mich irgendwie total hilfreich zu merken: Okay, die suchen Verbindung oder auch Sicherheit. Also bist du noch für uns da? Bist du noch ansprechbar, obwohl ich gerade mit einem anderen Kind sozusagen auch ja in einem sehr persönlichen, intimen Prozess bin?
Ja. Und dann kommt mein Kind mit einem Buch an und sagt: Mama, ich will mit dir lesen. Und jetzt ist so dieses Dilemma da. Jetzt habe ich zwei Kinder da. Das eine hat das vermeintliche Bedürfnis nach Essen. Ja, vielleicht auch, aber es ist erst mal auch Verbindung.
Prioritäten setzen
Ne, Verbindung, Sicherheit. Also stillen, das ist in der körperlichen Nähe. Da habe ich die Priorität jetzt gesetzt. So, jetzt kommt das andere Kind und kollidiert sozusagen mit dem Bedürfnis nach Verbindung und Sicherheit. Hey, ich bin auch noch da! Ich will mich mit dir verbinden.
Und jetzt hast du völlig recht, weil jetzt ist die Frage: Gehe ich jetzt auf den Wunsch ein und das Anliegen, das Buch zu lesen, und dadurch das Bedürfnis nach Verbindung zu erfüllen? Oder kann ich nicht einfach für mich… Also manchmal funktioniert das ja auch.
Ne, also man hat sehr viele Möglichkeiten. Ich kann sagen: Ja, zeig mal her, setz dich mal hin. Wenn ich dann schon merke: Nee, das Kind will aber auch auf den Schoß. Ist ja schon dieser Weg. Merke ich: Okay, muss ich umplanen.
Verbindung ohne Erfüllung
Und dann kann ich aber trotzdem die Hand nehmen von dem Kind und sagen: Du möchtest auch auf meinen Schoß, ne? Und wir machen das gleich. Zeig mal, welches Buch möchtest du lesen? Das heißt, ich gehe in Verbindung, ohne den Wunsch zu erfüllen.
Und zu erfüllen, ne? Also sondern ich beantworte etwas, ja, mit diesem Wissen oder mit diesem Gefühl: Mein Kind braucht gerade Verbindung. Und es gibt gerade gar nicht, wie du sagst, gar nicht so wahnsinnig viel zu tun.
Sondern die Kinder sind sehr happy, wenn wir in Verbindung sind und wenn wir eine Art und Weise finden, wo die Verbindung nährend ist.
Zusammen sein
Wow, danke schön! Das finde ich unfassbar toll erklärt. Also mega Impuls. Ich hoffe, dass wir ganz viele machen. Das freut mich. Danke, danke, danke!
Ich habe noch einen Satz, weil ich habe vorhin gesagt, es gibt einen Satz, der mir dazu einfällt: Wie kann man diesen Spagat zwischen dem Selbst und dem der Kinder? Ich sage den Eltern, mit denen ich zusammenarbeite, immer: Das Ziel von Familie ist es, sich so schön wie möglich zu machen.
Das ist toll! Das klingt total absurd für viele, weil sie so in ihrem Betreiben drin sind. Es klingt banal, es klingt simpel, es klingt vielleicht auch zu einfach für einige. Ja, aber ich sage dir, das war wirklich…
Erkenntnisse aus der Mutterschaft
Also es klingt jetzt so, als ob ich das alles toll gemacht hätte. Nein, aber auch Erkenntnisse aus meiner eigenen Mutterschaft sind damit eingeflossen. Und ich hatte ja ein bisschen Zeit, weil mit vier Kindern ist man ja einige Zeit Mutter. Und ich bin besser geworden.
Und für mich waren wirklich diese Zeiten, wo keine Hobbys waren, wo keine Schule war, wo nichts mehr zu tun ist. Es gibt gerade nichts zu tun. Die Wäsche kann nicht mal, die Küche liegt da brach.
Ja, da kommt vielleicht jemand oder ich mache sie später oder jemand anders macht sie, mein Mann oder wie auch immer. Aber das ist gerade nicht die Priorität, sondern die Priorität ist tatsächlich, im Hier und Jetzt zu sein.
Im Hier und Jetzt sein
Und wir hängen einfach ab zusammen und wir gucken, was passiert. Wir lesen ein Buch, wir bauen irgendwas. Wir gucken vielleicht auch ein bisschen Fernsehen. Das habe ich immer sehr geliebt, auch mit den Kindern zusammen zu gucken.
Aber es sich schön zu machen, sich ein Äpfelchen zu schneiden, einen schönen Kakao zu machen, zusammen zu sein. Das ist doch eigentlich das Wesen des Lebens und auch das Wesen von Familie und Verbindung.
Weißt du, was ich werde ja nach Hause gehen dann später und das nehme ich jetzt für mich mit. Ich mache mir das heute Abend einfach noch schön. Ganz egal, wie es zu Hause aussieht, ist es wurscht.
Mache ich uns einen schönen Tee, ne? Dann schnuffeln wir uns noch ins Bett und egal wie lang. Und irgendwann…
Jeder nach seinen Möglichkeiten
Das klingt gemütlich. Ja, ja. Ja, und es ist ja auch immer die Frage: So schön wie möglich ist ja für dich was ganz anderes als für mich. Also jeder darf das für sich auch in dem Rahmen, den er hat, so schön wie möglich machen.
Das kann auch an einem ganz doofen Tag dann trotzdem so schön wie möglich sich dann auch richtig gut anfühlen. Ja, wie möglich halt. Wie möglich.
Ja, genau. Wie möglich. Vielen, vielen Dank! Das war Katja Saalfrank. Danke dir, Katja, für dieses wirklich ehrliche und wundervolle Gespräch.
Ich danke dir. Ich fand es auch sehr, sehr schön und ich wünsche dir einen Abend, der so schön wie möglich ist und nur so stressig wie nötig. Sehr gut zusammengefasst. Da versuche ich mich jetzt dran zu halten.
Abschluss und Dank
Und an dich da draußen: Wenn du dich heute auch nur einen Moment weniger allein gefühlt hast, dann war diese Folge genau richtig. Mama konkret ist ein Ort für alles, was Mutterschaft wirklich ist. Für die Zweifel, für die Wut, die Liebe, die Überforderung und für das Gefühl, damit nicht allein zu sein.
Danke, dass du hier bist. Wirklich. Ein großes Dankeschön geht auch an das Team hinter den Kulissen für Audio und Video: Tim Schmutzler, Benjamin Serdani und Clemens Möller. Gäste, Recherche und Redaktion: Ina Lebedjew.
Und wenn euch diese Folge gut getan hat, teilt sie gern mit einer Mama, die sie gerade hören sollte. Danke dir und ganz viel Liebe für dich. Mama konkret, der Podcast.