Es geht los mit dem Singles Day am 11. November. Zwei Wochen später ist dann auch schon Black Friday, Cyber Monday, Travel Tuesday. Tja, und dann sind wir auch schon mitten im Weihnachtsgeschäft. Diese ganzen Konsum- Events versprechen besonders gute Deals, produzieren aber vor allem auch eine ganze Menge Müll. Wie klimaschädlich ist also die Paketflut rund um den Black Friday? Darum geht’s in dieser Folge. Ich bin Jessi Jus. Hi! Detektor FM. Zurück zum Thema Konsum. Events wie die Black Week rund um den Black Friday sorgen in Deutschland regelmäßig für neue Paketrekorde. Im letzten Jahr hat die DHL dabei das erste Mal mehr als 12 Millionen Pakete an einem Tag gezählt. Eine unglaubliche Paketflut also, und für das Klima, so viel kann ich schon mal spoilern, ist das keine gute Nachricht. Vor allem auch, weil in vielen dieser Pakete extrem billig produzierte T-Shirts oder Hosen von sogenannten Ultra Fast Fashion-Anbietern wie SHEIN oder TEMU stecken. Moritz Jäger Roschko beschäftigt sich mit diesem Thema schon lange. Er ist Teil des Teams Konsumwende bei Greenpeace. Und meine Kollegin Ina Lebertjew hat mit ihm darüber gesprochen, was genau eigentlich das Problem ist mit solchen Konsum-Events wie dem Black Friday. Ich habe neulich gesehen, dass selbst Reiseanbieter und Kinos auf den Zug der Konsum- Events aufspringen. Wird denn durch diese Shopping-Events tatsächlich mehr gekauft, oder ballt sich das einfach nur so zeitlich im November oder in der Vorweihnachtszeit? Diese Events sorgen schon dafür, dass einfach neue Kaufanreize gesetzt werden. Und wenn man sich umguckt, gerade so die Fast Fashion-Industrie, die lebt einfach davon, dass künstliche Kaufanreize gesetzt werden, mit viel Werbung, gerade auch auf Social Media. Eine junge Zielgruppe wird erreicht, und es immer heißt: Ja, du brauchst jetzt das Neueste, du brauchst jetzt den neuesten Trend. Und bei normalen Fast Fashion-Anbietern sind das ja, weiß ich nicht, wahrscheinlich so 50 Saisons, so ungefähr eine oder Mikrosaison, also ungefähr eine pro Woche. Bei den Ultra Fast Fashion-Anbietern wie SHEIN oder TEMU sind das ja tausende neue Designs am Tag, mit denen einfach immer wieder und das gezielt mit aggressivem Marketing halt wirklich versucht wird, den Leuten zu vermitteln: Hey, ihr braucht neue Sachen, ihr müsst neue Sachen kaufen. Und ja, an vielen Stellen ist das wahrscheinlich gar nicht notwendig, weil die meisten schon genug Kleidung im Schrank haben und eigentlich gerade jetzt gar nichts mehr bräuchten. Aber dann würde die Industrie halt gar nicht mehr funktionieren, wenn nicht die Leute trotzdem weiter kaufen und kaufen. Ich habe einen Artikel gefunden aus 2018, da wird eine Greenpeace-Sprecherin zitiert mit den Worten: Der Black Friday ist ein schwarzer Tag für die Umwelt. Das ist ja jetzt schon einige Jahre her. Was hat sich denn in den vergangenen Jahren getan? Was haben Sie für einen Eindruck? Spitzt sich die Lage da weiter zu? Auf jeden Fall. Also, wenn man sich umguckt, ist ja das Ziel weiterhin, dass immer mehr gekauft werden soll, immer mehr konsumiert werden soll, damit halt das ganze Wirtschaftssystem, so wie es gerade funktioniert, aufrechterhalten wird. Das ist das eine. Und dazu kommen ja wirklich noch diese beängstigenden Trends, die man sieht mit den Online-Plattformen wie SHEIN und TEMU. Wenn man sich anguckt, wie rasant die wachsen, auch in Deutschland, ist das wirklich beeindruckend. Ich habe vor ein paar Wochen mal einen Vortrag vom Zoll gehört, die nochmal erzählt haben, wie die das gerade sehen und wie die das erleben im täglichen Geschäft. Und da ist es ja so, dass die Zahlen aus dem letzten Jahr ungefähr sagen, dass jeden Tag 400.000 Sendungen, also unter der 150 Euro Zollgrenze, in Deutschland ankommen. Und die erwarten, dass sich das dieses Jahr nochmal verdoppelt. Also dass dieses Jahr sozusagen im Vergleich zum letzten Jahr einfach diese Paketflut über SHEIN und TEMU einfach nochmal verdoppelt. Und wenn man sich dann anguckt, was das für Produkte sind, das ist wirklich katastrophal. Die Arbeitsbedingungen sind schlecht, und wir haben nochmal eine neue Studie veröffentlicht, die auch nochmal zeigt, dass ein Drittel der von uns getätigten Kleidung von SHEIN mit gefährlichen Chemikalien belastet ist, die gesundheitsgefährdend sind, aber auch für die Umwelt ein Riesenproblem sind. Und dazu kommt natürlich noch der immense Ressourcenverbrauch. Also ja, diese Aussage stimmt immer noch: Es ist ein schwarzer Tag für die Umwelt, und meines Erachtens wird es eigentlich jedes Jahr nur noch schlimmer. Diese Anreize, von denen Sie gesprochen haben, die funktionieren offensichtlich. Ist das denn Bequemlichkeit? Ist das Psychologie? Oder also im Sinne von alles wird günstiger sein zu diesen Shopping-Events? Also was verführt uns dazu, oder was verführt junge Menschen vor allen Dingen dazu, so viel zu kaufen? Ich glaube halt, diese großen Konzerne, sei es Amazon, sei es SHEIN oder auch andere, Adidas, Nike, wie auch immer sie alle heißen, es müssen jetzt auch gar keine Bekleidungsfirmen sein, aber die haben wirklich genau verstanden, wie sie uns manipulieren können, wie sie uns dazu bringen können, immer mehr zu kaufen, immer mehr Geld auszugeben, damit halt deren Geschäftsmodell von immer weiter wachsen und immer neue Sachen verkaufen funktionieren kann. Und wenn man sich die Zahlen anguckt, jetzt nochmal zurück zur Bekleidung, ist es halt so, dass seit dem Jahr 2000 die Bekleidungsproduktion ungefähr verdreifacht hat und wir jetzt bei schätzungsweise 180 Milliarden Kleidungsstücken, die pro Jahr produziert werden, sind. Das ist einfach unvorstellbar, und das ist auch mehr, als die Menschheit getragen werden kann. Und das liegt auch vor allem daran, dass die Industrie uns mit InfluencerInnen und mit Werbung bewusst in einen Kaufrausch anheizt oder versetzt, vor allem um so Events rund um Black Friday. Und ja, da hängen gerade auch bei der Kleidung, aber auch bei vielen anderen Plastikprodukten, ist natürlich die Entsorgung ein riesiges Problem, und vieles davon landet in der Umwelt. Und Kleidung besteht immer mehr aus Plastik, und dementsprechend die gefährlichen Chemikalien, die wir erwähnt haben, das Plastik. Und wenn das dann 60 Prozent der deutschen Altkleider werden, tatsächlich exportiert in den globalen Süden. Und auch da ist es so, die Qualität ist mit der Zeit so schlecht von den Klamotten, dass vieles davon nicht mehr genutzt werden kann, weil es halt alles günstige Fast Fashion ist, und die landet dann häufig in der Umwelt, zersetzt sich da zu Mikroplastik, und die gefährlichen Chemikalien verunreinigen die Böden und die Gewässer. Also ja, das ist von der Produktion über den Verbrauch bis zur Entsorgung ein Riesenproblem. Wenn wir jetzt noch mal zu diesen Paketrekorden zurückkommen, welche Rolle spielen denn eigentlich Retouren, wenn es um das Aufkommen der Pakete und Sendungen geht? Also die Retouren spielen eine Riesenrolle, weil man wirklich sieht, dass einfach vieles von den Sachen, die Menschen kaufen, erstmal auf Verdacht, die Sachen, was man ja auch verstehen kann. Woher sollen wir denn wissen, ob die Sachen passen oder nicht, und schicken sie dann zurück? Und in Europa ist es zurzeit so, dass und das finde ich auch krass, wenn man sich das mal vorstellt, dass irgendwas zwischen 20 und 40 Prozent der retournierten Textilien danach vernichtet werden. Und ich glaube, das wissen viele Leute auch nicht, wenn sie das bestellen. Die denken ja, ich kaufe das, und dann schicke ich es wieder zurück, und dann wird es an die nächste Person geschickt, so wie es ja auch ist, wenn man lokal irgendwo einkaufen geht von einem Einzelhändler. Aber tatsächlich ist es häufig zu kompliziert und zu teuer, dann für die Unternehmen, das neu wieder ins Sortiment zu bringen und neu zu verschicken. Glücklicherweise gibt es eine EU-Regulierung, die genau dieses Problem angeht und die es ab nächsten Juli großen Unternehmen verbietet, halt Neuware, also erstmal angefangen mit Kleidung und Schuhen, aber diese Neuware zu vernichten. Und ja, ich hoffe, dass sich dann wirklich was ändert und die nicht irgendeine intelligente Lösung finden, diese neue Regulierung zu umgehen. Zumindest ein kleiner Schritt, um die Klimafolgen von Konsumevents wie dem Black Friday einzudämmen. Moritz Jäger Roschko von Greenpeace im Gespräch mit meiner Kollegin Ina Leberthjeff in unserem Klima-Podcast Mission Energiewende. Die beiden haben noch länger miteinander gesprochen, zum Beispiel auch darüber, wie ein Anti-Fast Fashion-Gesetz aussehen könnte, damit man eben nicht nur die Retouren, sondern auch diese ganze Paketflut insgesamt besser in den Griff kriegen kann. Die komplette Folge Mission Energiewende packe ich euch natürlich in die Shownotes. Bleibt mir noch Wiebke Stark zu danken, die diese Folge hier produziert hat. Wir hören uns hier in einer Woche wieder. Ich bin Jessi Jus. Ich sage Tschau und bis zum nächsten Mal.