Feierabend! Jetzt geht’s nach Hause zur zweiten Schicht. Wer Kinder hat, kennt diesen Spruch bestimmt. Die Lohnarbeit mag für den Tag abgeschlossen sein, aber zu Hause wartet noch jede Menge Care-Arbeit auf einen. Für viele ist diese sogenannte zweite Schicht irgendwann auch der Grund, sich mit der ersten nicht mehr so ganz wohl zu fühlen.
Wer nach der Elternzeit wieder beginnt zu arbeiten, merkt nämlich oft, dass sich Arbeiten mit Kindern ziemlich anders anfühlt als vor den Kindern. Wie geht man damit um, wenn der alte Job nicht mehr zum neuen Leben passt? Darum geht’s hier heute. Ich bin Jessi Jus.
Wer versucht, Berufsleben und Familie unter einen Hut zu bekommen, merkt ziemlich schnell: Wenn Kinder in unser Leben kommen, ändern sich möglicherweise Bedürfnisse und auch Prioritäten können sich verschieben. Vielleicht ist ein Job, bei dem Überstunden unvermeidbar sind, jetzt überhaupt nicht mehr leistbar. Die Kinder müssen pünktlich aus der Kita abgeholt werden. Oder der befristete Arbeitsvertrag bietet einfach nicht mehr genug Sicherheit. Vielleicht animiert aber auch gerade das Kinderhaben dazu, jetzt diesen einen Karriereschritt zu machen, der mehr Selbstbestimmung ermöglicht, damit sich Arbeitszeiten flexibler gestalten lassen.
Wenn der Job plötzlich nicht mehr zum Leben passt, kommt Katrin Wilkins ins Spiel. Sie ist Jobprofilerin aus Hamburg und unterstützt Mütter und Väter nach der Babypause dabei, einen Job zu finden, der wirklich zu ihnen passt. Zu Gast ist sie in unserem Podcast Mama konkret bei Julie Tan, besser bekannt als Content Creatorin Kokoli Rokoli.
Ich kenne das gar nicht anders. Meine Mama war schon immer berufstätig. Die hat auch in Schichten gearbeitet, und mein Papa war auch berufstätig, immer voll. Ich kannte das gar nicht anders. Und auch die Mama von meiner Mama hat das immer so gemacht. Und für mich hat sich zum Beispiel nie die Frage gestellt, dass ich mal als Mutter nicht berufstätig bin. Weißt du, was ich meine? Also, ich habe das so praktisch einfach übernommen, behaupte ich jetzt mal. Ich bin gar nicht auf die Idee gekommen zu sagen, ich bin Mutter und Hausfrau. Ich meine, das ist ein krasser Job, Mutter und Hausfrau sein. Aber ich bin nie auf die Idee gekommen zu sagen, ich möchte das machen. Ich möchte nicht noch einen anderen Job haben dazu als Zweitjob sozusagen. Ich sage immer, Zweitjob, weil wir Mütter machen ja schon einen Job, sozusagen.
Und das ist mir erst mal irgendwann bewusst geworden, als ich dann so betrachtet habe, wie es bei mir immer abgelaufen ist, die Generationen davor. Und jetzt stell dir eine junge Frau vor, die mit einer Mutter aufgewachsen ist, die immer gesagt hat und die vorgelebt hat durch frisch gedeckten Apfelkuchen und vielleicht die Kostüme, die sie für die Theateraufführung genäht hat. Eine gute Mutter ist für ihre Kinder da. Diese Frau ist schon am Anfang ihrer Mutterschaft in einem ganz wahnsinnigen Konflikt. Darf ich auch arbeiten und bin ich dann auch eine gute Mutter? Also, wir übernehmen schon viel von den Narrativen, den ausgesprochenen und den unausgesprochenen, unserer Kindheit und Jugend.
Viele Frauen spüren ja auch manchmal, dass ihnen etwas fehlt als Mutter. Die können das aber nicht so richtig benennen. Welche Rolle spielt denn das Berufsleben für Mütter heute wirklich? Und welche sollte sie deiner Erfahrung nach spielen? Na, ich finde erst mal immer spannend, in der Beratung rauszukriegen, was fehlt denn? Mit welcher Währung möchte ich gerne bezahlt werden und welche fehlt mir? Ich sage mal ganz platt: BWLer haben eine einfache Währung. Viel Geld ist besser als wenig Geld. Die sind sehr digital, zahlenmäßig. Dann gibt es aber welche, die legen auf Anerkennung viel mehr Wert als auf Geld. Dann gibt es welche, die legen auf Selbstwirksamkeit viel mehr Wert. Das sind die Kreativen, das sind die, die etwas erschaffen wollen, die etwas Dingliches vielleicht sehen wollen. Dann gibt es welche, die legen auf Macht viel mehr Wert. Also, es gibt ja Konzerne, wo so ganz genau der Parkplatz verteilt wird. Und wenn man da dann zwei Parkplätze nach hinten rutscht, ist das eine Kränkung. Ja, was gibt es denn noch? Also, es gibt verschiedene Währungen. Es gibt auch die Währung Resonanz. Ich möchte gerne in Kontakt mit jemandem sein, in einem echten Kontakt.
Ich glaube, bei mir hat früher die Anerkennung gefehlt, weil du hast gerade von Anerkennung auch relativ schnell aufgelistet. Mir hat die Anerkennung gefehlt. Also, als ich aus der Elternzeit oder noch in der Elternzeit war, sage ich jetzt mal, als ich die Frage gestellt hatte bei uns und meinem Mann: Wann steige ich denn jetzt wieder ein? Will ich vielleicht noch das eine Jahr Elternzeit ein Stückchen verlängern? Oder will ich jetzt wirklich nach dem Jahr sagen: So, cut, es geht weiter? Ich glaube, ja, dass du Anerkennung bekommen hast, aber eben die von deinen Kindern und nicht die, die dir in dem Moment was wert gewesen wäre, nämlich die Anerkennung auf Augenhöhe. Genau, ich wollte nämlich gesehen werden, nicht nur als Mutter von meinen Kindern und von meinem Mann oder von anderen noch, sondern ich wollte als Frau gesehen werden, als Mensch, sagen wir als Mensch. Nicht in Anführungsstrichen nur als Mutter. Und ich glaube, das war mir auch ganz besonders wichtig, dass ich dann wieder anfange zu arbeiten. Da habe ich wirklich damals das Gefühl gehabt, das möchte ich gerne unbedingt tun. Das war so ein inneres Bedürfnis von mir.
Es liegt ja auch nicht immer alles an uns selber. Es kommt ja auch immer auf die Bedingungen an, unter denen wir arbeiten. Also, nehmen wir mal dich. Du berätst seit 15 Jahren. Das ist ja schon ein recht langer Zeitraum. Das heißt, du hast viel schon gesehen, du hast viel erlebt, du hast mit sehr vielen Frauen gesprochen. Was hat sich denn deiner Meinung nach stärker verändert? Haben sich die Berufsbilder stärker verändert oder die Bedürfnisse der Frauen? Ah, das ist eine tolle Frage. Tatsächlich die Bedürfnisse der Frauen. Als ich angefangen habe, war noch ganz stark der Wunsch nach einer Selbstständigkeit, nach einem Müttercafé, nach irgendwas Eigenem. Und wir hören wirklich seit zwei, drei Jahren ganz verstärkt: Haben Sie nicht was in der Behörde? Also, so Sicherheit ist ganz toll. Sehr sicherheitsorientiert. Ja, wer weiß, wo das überall hingeht mit der Wirtschaft? Die sinkt, die rauscht gerade in den Keller. Behörde wäre doch was. Ja. Das finde ich interessant, dass sich die Bedürfnisse noch schneller verändern als die Berufe. Das ist krass.
Ich habe früher mal gedacht, Hauptsache spannend. Also, ich wollte immer einen Beruf haben, der spannend ist. Und jetzt wollte ich einen Beruf haben, der tragfähig ist. Na ja, da würde ich erst mal bei dir nachfragen: Was heißt denn spannend? Ich glaube, du meinst gar nicht unbedingt spannend. Du meinst eher abwechslungsreich. Ja, danke. Dankeschön. Und du meinst eher so ein bisschen vital und inspirierend. Genau. Also, was ich jetzt nicht wollte, ist, dass die Tage einander immer sehr gleichen, weil das wäre mir zu langweilig gewesen. Ich wollte immer gerne unterschiedliche Projekte bearbeiten. Ja, so. Ich hatte immer das Gefühl, dass ich das brauche, damit mir einfach nicht langweilig wird und dass ich die Zeit auch gut rumkriege und dass es mich fordert. Und ich wollte auch daran wachsen. Und jetzt ist es irgendwie so, dass ich sage, es muss gar nicht der vielseitige, abwechslungsreiche Job sein, sondern er soll tragfähig sein.
Was bedeutet tragfähig für mich? Ja, die Arbeitszeit soll passen. Es muss flexibel sein, die Arbeitszeit. Das Geld sollte natürlich passen und ich möchte auch abgesichert sein. Also, es ist jetzt eher an solchen Faktoren, wie ich das ausmache. Also im Prinzip das, was du gerade schon so ein bisschen beschrieben hast, dass Frauen teilweise wirklich ihre Bedürfnisse geändert haben und in die sicherheitsorientierten Berufe gehen wollen. Ja, zum Teil greift die Politik ja auch da genau ein. Ich habe gelesen, der Acht-Stunden-Tag soll abgeschafft werden. Man darf jetzt, glaube ich, bis zu, oder es ist so geplant, dass man bis zu zehn Stunden am Tag arbeiten darf, aber in der Woche nicht mehr als 40 Stunden. Das hilft natürlich ganz wahnsinnig, wenn ich mich mit meinem Partner austausche und sage, dann mache ich mal einen langen Tag oder zwei lange Tage. Da habe ich schon einen Großteil meiner Teilzeit abgearbeitet und kann in den restlichen zwei, drei Tagen den kleineren Teil weiter abarbeiten. Man ist flexibler. Man kann sich die Zeit flexibler einteilen.
Arbeiten mit Kindern fühlt sich oft komplett anders an als vor dem Kinderkriegen. Das wissen Julie Tan und Katrin Wilkins selbst. Ihr habt hier gerade einen Zusammenschnitt gehört ihres Gesprächs aus dem Podcast Mama konkret. Katrin Wilkins leitet in Hamburg die Agentur IDo. Dort unterstützt sie Menschen, die Eltern geworden sind und sich beruflich neu orientieren wollen. Mit Hostin Julie Tan bzw. Kokoli Brokkoli spricht sie im Podcast auch über Altersarmut, ein Thema, das nämlich vor allem Mütter betrifft. Ihr könnt den Podcast ja noch zu Ende hören bzw. in voller Länge nachhören. Ich verlinke ihn euch in den Shownotes.
Auch für mich beginnt heute noch eine zweite Schicht und daher bleibt mir jetzt gerade noch Zeit, schnell Danke zu sagen an euch fürs Zuhören und auch an Stanley Baldauf für die Produktion dieser Folge. Wir hören uns auch in einer Woche wieder. Bis bald! Zurück zum Thema. Ich bin Jessi Jus. Macht’s gut, detektor.fm. Zurück zum Thema. detektor.fm.