Das ist eher wie Worzel, der immer gesagt hat: „Ich suche nicht, ich finde.“ Und das hat mich ja sozusagen gefunden. Also ich war auch zur richtigen Zeit am richtigen Ort und kannte die richtigen Leute. Das sagt Thoralf Krüger, eigentlich Magdeburger Unternehmer und Immobilienmann. Doch was ihn da gefunden hat, hat mit Unternehmertum nichts zu tun. Er stellt nämlich mietfreie Ateliers zur Verfügung. Und das in bester Lage, nämlich in Magdeburg Stadtfeld. In Zeiten von steigenden Mieten und schrumpfenden Freiräumen setzt das ein deutliches Zeichen für die Förderung der lokalen Kulturszene.
Warum Thoralf Krüger das macht, was an diesem Ort passiert und was es mit dem Namen Hard Attack auf sich hat, das besprechen wir heute bei Dazwischen. Bevor wir aber in die Welt der Magdeburger Kunstszene eintauchen, würde ich noch gern mit dir über unsere allererste Live-Veranstaltung in Halle sprechen. Ich konnte leider krankheitsbedingt nicht dabei sein, aber du warst da. Wie war es denn?
Wir haben in der Volksbühne am Kaulenberg eine Veranstaltung gemacht. Am 24. September war das. Und das war auch genau der richtige Ort, finde ich. Also die Volksbühne, die ist gemütlich, würde ich sagen. Nicht so groß. Und wir wollten ja auch, dass da jetzt nicht so ein Event stattfindet, sondern dass da eben wirklich Menschen zusammenkommen und die Möglichkeit haben, sich auszutauschen.
Und wir haben dann erst mal so ein bisschen auch zum Einstimmen Musik gehört von Will The Fox. Und wir haben auch Texte von Domenico Müllensiefen gehört, den wir ja im Podcast auch schon ein paar Mal sozusagen gehört haben. Da wurde auch dann schon mal so ein bisschen zusammen gelacht und tatsächlich auch miteinander gesungen. Das hat auch die Stimmung so ein bisschen aufgemacht.
Und dann haben sich unsere Gäste zusammengefunden an drei Tischen und haben so zu verschiedenen Themen sich miteinander ausgetauscht, nämlich zum Beispiel: Wie finde ich eigentlich die passenden Räume für meine Idee? Wo bekomme ich Geld dafür her? Und wie gewinne ich vielleicht auch Menschen, die dann eben bei diesen Ideen mitmachen? Und das war echt schön.
Du hast gerade schon Gäste gesagt. Wer war denn jetzt so da? Also ich war im Vorfeld so ein bisschen gespannt, wie das läuft. Denn wir haben gar nicht so viele Leute eingeladen, weil wir eben wirklich wollten, dass da auch wirklich ein Austausch stattfindet. Aber es waren dann eben richtig coole Leute, die da waren. Also zum Beispiel von der Metropolregion Mitteldeutschland, vom Miteinander e.V., von Via Halle, vom Gemeinschaftsamt, vom Zukunftszentrum in Halle, aber auch von der Kulturstiftung des Bundes und natürlich auch Leute, die einfach gerne den Dazwischen-Podcast hören oder auch den Newsletter abonniert haben.
Und da sind dann echt so ziemlich angeregte Gespräche miteinander entstanden, sodass wir dann auch zum Schluss die Leute fast rausschmeißen mussten, weil wir eben ja irgendwann auch raus mussten aus dem Abend oder raus mussten aus diesem Raum. Und vorher wollte ich natürlich noch wissen, was die Leute so aus dem Abend mitnehmen. Viele gute Themen und dabei habe ich persönlich festgestellt, dass ich eigentlich doch ziemlich cool lebe. Eigentlich.
In meinem kleinen Ort ist alles ziemlich cool. Wo wohnst du? In Dessau. So klein ist Dessau jetzt aber nicht. Naja, aber ich wohne in einem Vorort von Dessau, denn das ist Kochstedt. Also da habe ich auch eine Geschichte, weil meine Ur-Ur-Ur-Großeltern haben den Ort gegründet. Die waren die ersten Siedler da. Und das heißt, meine Familie lebt da schon immer.
Und ich hatte eigentlich woanders studiert, in Köln, und war dann auch in München, habe meine Firma gegründet und habe gesagt: „Ich komme nie zurück. Ich habe keine Anknüpfungspunkte.“ Und schon mal das erste Kind, da zack zurück. Also das war dann. Und ich bin froh, dass ich es gemacht habe. Und wir haben hier einen Heimatverein. Wir haben eine starke Gemeinschaft.
Ich habe auch von unserer tollen Straße erzählt, wo die ganzen Nachbarn ganz involviert sind, auch mit dem Leben der anderen. Wir haben eine tolle Hausgemeinschaft. Wir wohnen im Mehrfamilienhaus, also mit 40 anderen Parteien, und wir haben Gemeinschaftsräume. Da wird dann Kaffee getrunken und geschnackt ohne Ende. Das sind ganz kleine Sachen, aber jeder hat da irgendwie mitgedacht und das funktioniert alles total gut eigentlich.
Also ich habe primär das Wir-Festival in Halle vorgestellt und Fragen, die kamen, waren: Wie schaffen wir es, dass Leute bei uns bleiben, dass sie sich engagieren und dauerhaft? Das war ein Thema, dass man im Rahmen seiner eigenen Ressourcen immer schauen muss, dass man sich engagiert, also dass man gucken muss: Wie viel Zeit habe ich tatsächlich? Dass man sich aufeinander aufpassen muss. Und der andere vielleicht auch sagt: „Okay, du machst vielleicht gerade ein bisschen viel, vielleicht ein Gag runterschalten ist auch noch okay.“
Also ja, die Zeit hat eigentlich gar nicht gereicht, wir hätten noch weiter reden können. Es war richtig cool. Ja, klingt super. Nächstes Mal bin ich auf jeden Fall dabei, außer ich bin wieder krank, aber ich hoffe nicht. Auf jeden Fall dabei. Und das sage ich nicht nur so, denn wir planen ja noch weitere Veranstaltungen.
Die nächste soll im Spätherbst sein, das nächste Dazwischen live. Das soll dann ein bisschen anders sein als dieses Mal. Wir wollen dann nämlich mit Politikerinnen und Politikern sprechen und zwar dann sehr konkret über Sachsen-Anhalt und wie es da jetzt weitergeht. Wollt ihr, dass wir auch mal zu euch kommen oder habt ihr andere Anmerkungen, Lob oder Kritik? Dann schreibt uns eine Mail und zwar an dazwischen@detektor.fm oder per WhatsApp. Die Nummer findet ihr in den Shownotes.
Marie, letzte Woche hat Leonard uns mitgenommen nach Verben in der Altmark. Für die Folge heute war ich in meiner Heimatstadt in Magdeburg und Ausgangspunkt dafür war eine Sprachnachricht, die wir von Claudia aus Magdeburg bekommen haben. Mein Lieblingsheld ist Thoralf Krüger, der die Kunstszene in Magdeburg wirklich spürbar voranbringen möchte. Das ist wirklich so seine Mission. Der hat eine leere Etage mitten im Stadtfeld gemietet und eben in bezahlbare Ateliers verwandelt.
Also so gibt er halt Menschen einen Raum für Malerei, Fotografie oder auch Bildhauerei, die sich sonst niemals ein eigenes Atelier leisten könnten. Ein wirklich bemerkenswertes Projekt. Klingt spannend und ich verstehe schon, warum dich das erstmal neugierig gemacht hat. Ja, ich musste dann erstmal anfangen zu recherchieren. Ich wollte nämlich rausfinden: Wer ist denn eigentlich dieser Thoralf Krüger?
Und da findet man dann erstmal so Dinge wie Geschäftsführer der GK Verwaltungs GmbH, die vor allem so Immobiliengeschäfte macht. Um die Jahrtausendwende eröffnet er dann gemeinsam mit seinem Co-Geschäftsführer mehrere Sushi-Läden in Magdeburg. Interessant! Alles auch nicht so ganz zusammen. Und jetzt eben dieses Projekt Heart Attack. Und diese Gesamtgemengelage fand ich irgendwie interessant und dachte: Das will ich mir jetzt mal anschauen und irgendwie eben auch rausfinden, warum der das macht.
Also bist du nach Magdeburg gefahren? Genau, nach Stadtfeld. Du hast es ja eben schon gesagt: beste Lage. Zu den Räumlichkeiten kann man vom Bahnhof aus auch laufen. Und dann stand ich erstmal vor so einem ganz normalen Mietshaus. Unten links ein Bäcker, unten rechts ein Blumenladen, aber eben kein Hinweis auf irgendwie Galerie oder Ateliers. Also auch keine großen Fenster, wo schon mal… Nee, nee, nee. Also man hat wirklich von außen nichts gesehen.
Ich hatte aber vorher schon Kontakt aufgenommen mit einem der Künstler, die da arbeiten, mit Tim. Und der hatte mir folgende Sprachnachricht geschickt: „Ja, das findest du auf jeden Fall. Wenn ich komme, dann hol ich ab.“ Ja, also habe ich das dann einfach in Anspruch genommen, habe mich abholen lassen. Tim hat auch gleich noch darauf bestanden, dass wir in einem total netten Café, was da gleich so nebenan ist, dem Herzstückkuchenatelier, ich kann dir sagen, da sind mir gleich so vier bis fünf Kuchenstücke in die Augen gesprungen, die ich gern noch mitgenommen hätte.
Da haben wir uns jemals noch einen Kaffee geholt und dann hat er mich mitgenommen in die vierte Etage. Also deswegen konnte man von unten eben auch nichts sehen. Und das muss ich mir so vorstellen, dass es dann einfach eine Galerie mitten im Wohnhaus ist. Ja, wobei es ist, glaube ich, ein bisschen mehr als eine Galerie. Also das Projekt nennt sich selbst Heart Attack Creative Space, also kreativer Raum. Und das trifft es eigentlich schon ganz gut.
Also wenn man reinkommt, dann steht man tatsächlich erstmal mitten in der Ausstellung, was aber vor allem daran liegt, dass das Projekt gerade erst mit eben dieser Ausstellung eröffnet hat. Aber im hinteren Bereich haben auch mehrere Künstler und Künstlerinnen Ateliers. Da gibt es auch eine Dunkelkammer, also da wird eben nicht nur ausgestellt, sondern auch gearbeitet. Und es geht natürlich auch um Begegnungen untereinander.
Du hast es gerade schon gesagt, das Projekt heißt Heart Attack. Man muss dazu sagen, dass das A R T, Art, also Kunst, mit einem Wort groß geschrieben ist. Trotzdem ein ungewöhnlicher Name. Wie kommen Sie darauf? Das hat mit der Vorgeschichte dieser Etage zu tun, denn vorher war da eine Herzpraxis drin. Und die Kombination aus dem englischen Herz, also Heart, und Kunst, also Art, das war eben ausschlaggebend für diesen Namen. Also ein bisschen Wortspielerei.
Aber der Name ist nicht das einzige, was ungewöhnlich ist an diesem Projekt. Ich habe es ja vorhin schon mal kurz gesagt: Thoralf Krüger, der ist eigentlich eben Unternehmer, der saß dann da in der Galerie auf einer lilanen Couch, hatte sich gerade einen Tee gemacht, seine Tochter Liene sprang da auch noch mit rum. Und nachdem wir uns ein bisschen kennengelernt hatten, wollte ich wirklich erstmal wissen, wie es überhaupt dazu kommt, dass so ein Immobilienmensch da jetzt mietfreie Ateliers zur Verfügung stellt.
Und da hat er mir dann eine ganz persönliche Geschichte erzählt. Ursprünglich zur Kunst kam ich durch eine Situation mit erheblichen emotionalen Problemen, Krankheit und so weiter. Also Gestalttherapie heißt das. Da habe ich das erste Mal gemerkt, dass ich da irgendwie etwas mitmachen kann. Und das ist schon ganz schön lange her. Und seitdem hatte ich eigentlich immer ein Atelier.
Und in meinem letzten Atelier habe ich dann so gemerkt, ich habe gar keine richtige Lust mehr darauf, alleine immer und so. Und dann habe ich mal mit Leuten was zusammen gemacht und das hat mich total begeistert. Und da ist so ein bisschen der Gedanke entstanden: Mensch, ich müsste eigentlich was machen, mehr mit Leuten. Also es befruchtet sich einfach so, Collaborations und so.
Und dann habe ich ganz gute Deals gemacht mit dem Unternehmen, was ich hatte. Da habe ich einen Teil verkauft und habe jetzt dadurch mehr Freiraum und so, zeitlich auch. Und dann ist das jetzt hier irgendwie so gekommen. Und diese Einheit hier gehörte einem guten Freund von mir. Und dann hat er sich dazu entschieden, das mir auf meine Anfrage halt verhältnismäßig günstig abzugeben. Und so ist es entstanden.
Ja, und zum Jahreswechsel hat Thoralf dann mit ein paar Leuten angefangen. Wir haben in der alten Praxis ein bisschen was umgebaut und Anfang September war dann große Eröffnung. Und wenn ihr wissen wollt, wie es da so aussah, dann findet ihr ein paar Fotos davon in unserem Newsletter. Ja, da werde ich auf jeden Fall auch reingucken. Wenn ihr den noch nicht abonniert habt, macht das unbedingt. Den Link dahin findet ihr wie immer in unseren Shownotes.
Aber Katha, du hast jetzt schon gesagt, Thoralf hat es nicht allein gemacht. Wer sind denn die anderen, die er sich mit ins Boot geholt hat? Ja, einen habe ich ja schon namentlich erwähnt: Tim Kamith, der war, als ich da war, eben auch mit dabei. Der kommt eigentlich aus Gießen, hat jetzt lange in Berlin gelebt. Und für den war das Zusammentreffen mit Thoralf Krüger so ein richtiger Glückstreffer.
Ich lebe seit 20 Jahren als freischaffender Künstler in Berlin und habe keinen Bock mehr auf die Stadt. Überzogene Mieten, das macht was mit der Kreativität. Wenn du irgendwann gucken musst, was will der Markt, dann musst du den Markt bedienen, um dein Atelier zu bezahlen. Und das wollte ich nicht. Und deswegen sind wir quasi hier nach Magdeburg zurückgekommen. Meine Frau kommt gebürtig von hier und die kennt Christoph Ackermann, ein recht bekannter Street Artist hier aus Magdeburg. Und der hat das gepostet. Der hat gepostet, dass Thoralf hier noch einen Atelierplatz frei hat.
Und da habe ich mich gemeldet und da haben wir uns getroffen. Und ich müsste eigentlich erst mal weinen gehen vor Glück, dass mir das Leben so jemanden in den Weg stellt wie Thoralf. Ja, man hat es ja gerade schon rausgehört: Thoralf und Tim kennen sich noch gar nicht so lange. Und so ist es auch mit den anderen Mitstreiterinnen von Heart Attack.
Also neben Tim, Thoralf und dessen Tochter Liene, die alle vor allem so auf Leinwand malen, gehören zu Heart Attack die Graffiti-Künstlerin Pauline Ludwig, die Fotografin Katrin Freund, die Modedesignerin Julia Lebedewa und die Malerin Claudia Henning. Und jeder und jede hat eben jetzt dort in Magdeburg Stadtfeld ein eigenes Atelier. Und die Idee war eben, zur Eröffnung eine Ausstellung gemeinsam zu gestalten und sich quasi nebenbei kennenzulernen.
Und das war gar nicht so einfach, hat mir Thoralf erzählt. Das ist gar nicht so einfach, zeitlich zusammenzufinden, auch inhaltlich. Dann hat ja jeder ganz andere Ziele. Und das muss man jetzt irgendwie… sind wir im Prozess, das irgendwie zusammenzufügen, um zu gucken, dass wir dann am Ende ein Gesamtkonzept haben. Aber da haben wir uns auch nicht eilig. Können wir uns locker machen, entspannen durch die Situation, dass es ja auch nichts kostet und dass wir also gar keinen Zeitdruck oder irgendeinen Druck haben.
Mal schauen, ja. Sich treiben lassen. Kennenlernen ist auf jeden Fall immer noch ein Thema, das noch nicht, obwohl es jetzt neun Monate sind, immer noch nicht so richtig geglückt ist, weil man sich auch teilweise nur fünf, sechs, sieben, acht Mal gesehen hat hier oder solche Geschichten. So, das ist ganz okay. Aber da würde ich sagen, kommt noch ein bisschen mehr. Ja, da müssen wir uns noch ein bisschen… da, wo wir uns eben gar nicht kannten, alle noch ein bisschen zusammenraufen.
Ja, also erstmal muss ich sagen, klingt das wirklich nach einem Glücksfall für Sie alle. Gleichzeitig frage ich mich, haben Sie die Eröffnungsfeier richtig über die Bühne bekommen? Ja, also tatsächlich hat dann da eben jede und jeder etwas so beigesteuert und das ist auch irgendwie besonders, weil damit die Ausstellung eben sehr, sehr abwechslungsreich wurde.
Also da hängen sehr große, sehr bunte Leinwände, teils Porträts, teils ganz abstrakte Bilder, teils auch so mit Graffiti-Einflüssen, urbanen Einflüssen. Daneben gibt es aber auch gerahmte Fotos, teilweise eben sehr klassisch fotografiert, sehr leise, also auch so ein bisschen fast schon so wie Stillleben, würde ich sagen. Und was ich ganz spannend fand, die Fotografin Kathrin Freund experimentiert da zum Teil mit Cyanotypie. Das ist so ein Verfahren aus dem 19. Jahrhundert, bei dem die Bilder im Sonnenlicht sozusagen entstehen und dann bekommen die so einen ganz besonderen Blauton.
Also das fand ich ganz interessant. Das haben sie mir vor Ort dann auch gezeigt und erzählt. Das war irgendwie cool. Ja, und dann stehen da eben in den Ausstellungsräumen noch ganz extravagante Kleider, die komplett aus schwarzen Strohhalmen entstanden sind. Also schon eine relativ bunte Mischung.
Okay, das klingt auf jeden Fall nach einer spannenden Ausstellung, in der es viel zu entdecken gab. Wie kam das so bei den Leuten an, die das dann zum allerersten Mal gesehen haben? Also es waren auf jeden Fall fast 100 Leute da. Und wenn ich mir das vorstelle, also ich war ja da, die Räumlichkeiten sind jetzt nicht so groß. Also ich glaube, mit 100 Leuten war der Laden da schon gerammelt voll. Und Thoralf und Tim waren auch echt zufrieden.
Ich habe aber auch so ein bisschen zwischen den Zeilen rausgehört, dass das jetzt nicht unbedingt das Allerwichtigste war, wie viele Menschen da an dem Abend kommen. Schön war es mega, war es viele Leute, die man kannte und doch nicht kannte. Also ich fand es super, ja. Das war genau das. Nee, ich kann nicht sagen, das war das, was ich mir vorgestellt habe, sondern das ist eher das, was ich mir nicht vorgestellt habe, weil ich nicht wusste, dass es so gut kommen könnte.
Auch wie das jetzt hier aussieht. Also ich meine, ich bin stolzer auf das, wie das jetzt hier aussieht und erfreue mich mehr daran als an Leuten, die es jetzt kommen. Das ist sehr schön, aber dass man einen eigenen Bereich hat, wie das hier, eine eigene Galerie quasi, wo man sich selber daran erfreuen kann, das finde ich daran am allerbesten.
Ich fand es total schön. Es waren voll viele Leute da. Für mich ist es ja auch eine komplett neue Crowd. Ich habe ja ansonsten nur die Berliner Crowd, die laufen da immer mit so getönten Sonnenbrillen rum. Und ich finde es miteinander hier schön. Wenn du hier was Neues machst, ist es halt in Berlin, wäre das zum Beispiel so: „Was willst denn du hier?“ Und in Magdeburg ist es so: Das war echt alles. Das war ein richtig toller Abend.
Was ich mich da so frage: Wer war denn da so wirklich da? Also ich meine, diese Kunstszene ist ja gerade, was Ausstellungseröffnungen betrifft, doch ziemlich geschlossener Kreis. Auch hier in Leipzig. Da sind einfach bestimmte Leute aus der Szene immer wieder, Kunstliebhaberinnen und Kunstliebhaber, Menschen, die das sammeln. Aber jetzt so ganz normale Leute, sage ich jetzt mal, tendenziell weniger.
Haben sich da auch Menschen aus Stadtfeld in die Galerie verirrt, um mal gucken, was halt so passiert? Ja, das habe ich mich gefragt und habe ich dann auch Thoralf gefragt, der aber so ein bisschen zugeben musste, dass er an dem Abend es natürlich nicht geschafft hat, mit jedem zu sprechen. Da kommen natürlich auch viele Leute, die man kennt, die wegen einem als Person kommen, die sich natürlich also nicht als Person, sondern für das, was man hier gemacht hat, so für die Kunst.
Auch das hat schon auch überwiegt in meinem Fall. Und mit den meisten, wo ich mich unterhalten habe, waren noch solche Leute. Insofern kann ich das gar nicht so genau sagen. Einen Teil der Leute kannte ich und viele nicht. Ich weiß gar nicht so genau, wer das alles war. Völlig richtig, so eine Kunstbubble. Da rennen immer die gleichen Leute rum. Natürlich ist das hier auch so. Das ist woanders auch so, nur vielleicht größer.
Und hier ist es vielleicht kleiner oder so. Deswegen mal schauen, was für ein Format verschiedene Leute so anspricht. Nicht nur Bilder hinhängen. Deswegen betrachte ich das ja auch nicht als Galerie, sondern das ist, wie wir es nennen, Creative Space. Jetzt ist es gerade mal eine Galerie hier vorne und beim nächsten Mal ist es vielleicht ein Konzertlocation oder ein Schulungsraum für einen Workshop oder keine Ahnung.
Okay, das finde ich eigentlich einen ganz interessanten Ansatz, der das Ganze auch noch öffnen kann. Gibt es da schon ganz konkrete Ideen oder ist es eben nur eine Idee? Naja, ich sag mal, man merkt, dass das Team bisher sehr viel beschäftigt war mit dieser Eröffnung und sich eben a noch nicht so ganz richtig kennenlernen konnte und damit auch noch nicht so richtig eine gemeinsame Vision hat.
Aber Thoralf hat zum Beispiel bei der Eröffnung jemanden getroffen, der in Magdeburg so Wohnzimmerkonzerte organisiert. Und da ist man auch gleich ins Gespräch gekommen und hat gesagt: „Ja, also es wäre schon vorstellbar, dass man eben das auch hier vor Ort macht.“ Oder dass man zum Beispiel sowas wie Zeichenkurse für Kinder und Jugendliche anbietet. Also da sind, glaube ich, schon viele Ideen im Raum, die sind nur noch nicht so ganz konkret.
Was ich ganz interessant fand, war, dass Thoralf da auf der einen Seite immer wieder gesagt hat: „Ja, entspannt, wir haben ja hier keinen Druck, lasst mal gucken und lasst mal treiben.“ Und so. Und dann auf Nachfrage aber doch immer mal wieder so ein bisschen der Unternehmer durchkam. Ich empfinde das als wichtig, dass so ein Bereich dann auch bespielt wird.
Also das ist so mein Lieblingswort: Opportunitätskosten. Wenn das jetzt leer steht, dann wäre das ja so, dass der Gesellschaft oder irgendwelchen Leuten da draußen weniger Kunst, weniger Kultur zur Verfügung gestellt wird, als eigentlich könnte. Und so sehe ich es also als Kosten. Also es kostet irgendetwas, wenn das leer steht. Das sieht natürlich jemand, der keinen BWL-Hintergrund hat und nie hat, ganz anders. Der hat davon noch nie gehört.
Aber ich gehe so ständig durchs Leben und versuche, das, was da ist, auch irgendwie zu nutzen. Nicht irgendwas ewig leer stehen zu lassen oder gar nicht zu nutzen, wie das manche Leute machen. Ja, auch wenn sich das vielleicht finanziell für ihn nicht immer lohnt. Im Gegensatz übrigens zu seiner Tochter Liene. Die hat nämlich nach der Eröffnung mit gerade einmal elf Jahren ihr allererstes eigenes Bild verkauft. Nicht schlecht! Erstes Bild verkauft mit elf Jahren. Ich würde es sehr gerne mal sehen.
Also ich würde wirklich gerne wissen, was das für ein Bild war. Ich empfehle an der Stelle den Instagram-Kanal von Heart Attack. Da kann man es sich angucken. Ist auf jeden Fall spannend. Ja, wirklich spannend. Ich frage mich aber auch noch die ganze Zeit, ob Magdeburg eigentlich so ganz generell eine gute Stadt für Künstlerinnen und Künstler ist.
Also ich muss ganz ehrlich sagen, vor Ort, ich dann doch eher in Halle. Ja, also Magdeburg ist jetzt keine klassische Kunstmetropole wie vielleicht Berlin, Leipzig, Dresden. Aber es gibt ja zum Beispiel mit dem Kunstmuseum Kloster unserer lieben Frauen schon so ein institutionelles Zentrum für zeitgenössische Kunst. Es gibt auch zahlreiche kleinere Galerien und Ausstellungsorte. Es gibt Künstlerateliers und auch so Ateliergemeinschaften.
Und außerdem, und das ist auch eine Besonderheit, schließt die kommunale Kulturförderung auch ganz explizit bildende und angewandte Kunst mit ein. Also es ist auch nicht überall so. Es gibt eine sehr aktive freie Szene und auch verschiedene Kunstvereine. Und trotzdem, und das geht ja so ein bisschen in die Richtung, die du gerade angesprochen hast, sagt auch Thoralf Krüger: Für Galeristen ist Magdeburg nicht immer so eine ganz einfache Stadt.
Insgesamt würde ich sagen, ist das hier schon einigermaßen schwierig. Es ist schon provinziell, und das merkst du auch in der ganzen Geschichte. Die Galerien, die länger da sind und so eine Space, die müssen auch schon sich wirklich drehen. Und die machen ja alle fast nur Kunst. Und wenn du da immer wieder hingehst, merkst du, dass sich das auch ein bisschen verändert. Und das auch nicht unbedingt zum Besseren, finde ich.
Deswegen bin ich jetzt hier nicht so drauf, dass man sagt: „Wir müssen jetzt hier nur Malerei oder irgendwas ausstellen.“ Da bin ich völlig fremd, weil ich glaube, es gibt viel mehr Aspekte, wo man diese Räumlichkeiten nutzen kann. Auch Galerien, die stehen ja auch meistens leer. Im Rahmen der Kunst kann ja auch Musik oder was auch immer es sein, dass man das mehr so antiesert und da mehr Dinge macht.
Insgesamt ist es aber schon Provinz, das kann man schon sagen. In dieser Provinz gibt es aber inzwischen mit der Kunstmitte eine überregional ausstrahlende Kunstmesse. Die war jetzt gerade erst Ende August auf der Messe in Magdeburg und da kamen Kunstschaffende, Galerien, Sammler, Kunstinteressierte zusammen. Und das Ganze ist mit einem Besucherrekord zu Ende gegangen. Also mehr als 4.500 Leute waren da.
Ja, ich glaube aber, den Gedanken, den er hat, der ist schon ganz richtig. Ich glaube, dass man gerade an solchen Orten, wo es vielleicht schwieriger ist, Räume wie Heart Attack öffnen muss, um sich halten zu können. Langfristig auch für die Künstlerinnen und Künstler, die da drin sind. Denn, naja, das Atelier ist ja eigentlich kein Hobby. Die möchten ja ihre Kunst verkaufen. Es ist wahnsinnig schwer, kenne ich auch aus meinem privaten Umfeld, von Kunst zu leben.
Wie ist es denn da so in Magdeburg? Gibt es da ein Publikum, einen Markt, wo man damit Geld verdienen kann? Ja, die Frage ist natürlich gar nicht so leicht zu beantworten. Also Tim zum Beispiel hat mir auch erzählt, er hat eigentlich immer einen Zweitjob. Der macht auch so Interior Design oder Logoentwürfe und so. Einfach, ja, weil es, wie du sagst, weil… Es ist wahnsinnig schwer, von Kunst zu leben. Das war in Berlin nicht anders, und jetzt ist es auch in Magdeburg nicht anders. Ganz allgemein ist es schwer zu beantworten.
Vielleicht eine kleine Anekdote dazu aus Magdeburg: Es gibt da seit März in Bukau den Galerieladen. Da hat man sich auf die Fahne geschrieben, Kunst von Frauen sichtbarer zu machen. Und die Betreiberin sagt zum Beispiel, dass das Interesse für zeitgenössische Kunst in Magdeburg auf jeden Fall da sei.
Sie verkaufen auch ganz gut, so kleinere Dinge wie Drucke oder Postkarten. Aber die großen Werke, die dann vielleicht auch mal, ja, ich sag mal, Preise haben, die vierstellig werden, gehen eben kaum über die Theke. Und das hat auch Tim von HeartAttack bestätigt. Er sagt, solche Dinge verkauft er eben nicht vor Ort, sondern zum Beispiel über Instagram.
Und trotzdem, und das fand ich dann irgendwie auch schön, hat er gesagt, er sieht wahnsinnig viel Potenzial in Magdeburg als Kunststadt. Er hat mir zum Beispiel auch erzählt, dass er viele Menschen aus Berlin kennt, die mittlerweile überlegen, nach Magdeburg zu kommen.
Atelierkosten und Markt
Also, so Businessplan-mäßig würde ich fast sagen, dass es in einer Stadt wie Berlin schwieriger ist, weil natürlich das Atelier dich das Zehnfache kostet. Wir können ja jetzt mal darüber reden. Also, ich meine, du hast Atelierkosten von, wenn du eine gewisse Größe hast. Wenn du natürlich nur einen gewissen Raum brauchst, wenn du aber eine gewisse Größe hast, sagen wir mal Pi mal Daumen, mit allen Fixkosten zwischen 1.000 und 2.000 Euro jeden Monat.
So, da musst du Material einkaufen. Dann wollen die meisten Leute, weil sie das in irgendwelche Praxen, Büros, Restaurants reinhängen, auch noch eine Quittung haben. Das heißt, da kommt der Staat noch. Und da kannst du ja rechnen, was du verkaufen musst, um am Monatsende da irgendwie von leben zu können.
Okay, und ich schätze, dass diese Fixkosten, die er da aufgezählt hat, dann doch einiges günstiger in Magdeburg sind. Ja, und Tim sagt aber auch, dass der Markt eben einfach noch nicht so gesättigt sei wie zum Beispiel in Berlin oder wahrscheinlich auch in Leipzig. Er nimmt die Kunstinteressierten in Magdeburg als wesentlich wohlwollender und auch als offener wahr.
Politische Situation
Apropos offen: Wie blicken denn die Macherinnen und Macher von HeartAttack auf die politische Situation in Sachsen-Anhalt? Man sagt doch immer, alle Kunst ist politisch. Ja, das war interessant. Also, ich hatte ehrlich gesagt erwartet, dass die Wahl bei unserem Treffen ein ganz großes Thema wäre. Es war ja auch noch nicht so lange her.
Aber Thoralf und Tim haben immer wieder betont, dass eben Politik nicht ihr Spielfeld wäre, sondern dass es eben ihre Aufgabe wäre, das Leben etwas bunter zu machen. Und auch auf ihrem Instagram-Account hat HeartAttack zur Wahl geschrieben: „Wir halten unsere Haltung ganz bewusst dort fest, wo sie hingehört, in unseren Werken. Was wir uns wünschen, ist einfach, dass wir einander mit Respekt und Offenheit begegnen, dass wir zuhören, bevor wir urteilen, und dass Räume wie unserer für alle offen bleiben.“
Also, da sind sie schon eher zurückhaltend, sozusagen, mit der eigenen politischen Meinung. Als ich Tim aber nochmal nachgefragt habe, hat er das dann doch so ein bisschen eingeschränkt: „Es ist erstmal jeder herzlich willkommen. Du darfst nur kein Homophob, kein Fascho und nicht denken, dass du irgendwie was Besseres verdient hast als irgendjemand irgendwo auf der Welt. Und wenn du hier so unterwegs bist, dann bitte nicht herkommen.“
Ich würde sagen, da machen wir einen Punkt oder ein Ausrufezeichen dahinter.
Veranstaltungstipp
Katja, ganz vielen Dank für die Infos und den Einblick in HeartAttack in Magdeburg und Torolf Krüger, der uns ja als Held des Alltags geschickt wurde. Ihr seht also, wir nehmen eure Nachrichten ernst, und daraus können auch mal ganze Geschichten, ganze Folgen werden. Wenn ihr auch so einen Tipp habt, dann schickt ihn uns gerne an dazwischen@detektor.fm oder via WhatsApp. Die Nummer findet ihr in den Shownotes.
Heute haben wir noch einen Veranstaltungstipp für euch, passend zum heutigen Thema, und zwar die Kunstkurve. Das ist ein Ausstellungsevent von Magdeburger Künstlerinnen. Was euch da genau erwartet, verrät uns Heide aus dem Orga-Team: „Wir laden Sie und euch ein, vom 9. bis 11. Oktober einen Kunstspaziergang durch Magdeburgs Stadtfeld zu unternehmen. Die Kunstkurve ist ein Format, bei dem die Werke von 25 bildenden Künstlerinnen entlang mehrerer Straßenzüge des Stadtviertels gezeigt werden, in Cafés, Kneipen, kommerziellen und nicht kommerziellen Einrichtungen. Dazu erwartet Sie und euch ein ausgewähltes Kulturprogramm. Weitere Infos sind zu finden unter www.kunstkurve-magdeburg.de und auf Instagram.
In der nächsten Folge kehren wir gewissermaßen zurück zum Anfang unseres Podcasts. In einer unserer allerersten Folgen, genauer Folge 2, haben wir uns gefragt, warum Sachsen-Anhalt den höchsten Krankenstand von allen Bundesländern hat, gemessen an den Krankentagen. Ein Grund dafür war auch die hohe Zahl psychischer Erkrankungen, und dem bist du jetzt nochmal ein bisschen genauer nachgegangen.
Ja, denn am 10. Oktober ist der Tag der seelischen Gesundheit, und ich wollte deshalb wissen: Gibt es wirklich immer mehr psychische Erkrankungen in Sachsen-Anhalt? Wie sieht eigentlich die Versorgungslage aus? Gibt es da Unterschiede zwischen Land und Stadt? Und was machen die aktuellen Diskussionen um Honorarkürzungen und halbe Kassensitze eigentlich mit den Menschen vor Ort? Ein super wichtiges Thema.
Ich bin echt gespannt, was du da mitbringst. Ich freue mich drauf und sage Tschüss bis nächste Woche.
Dieser Podcast ist eine Kooperation von detektor.fm und dem Media Forward Fund. Podcast Hosts: Marie Landes und Katja Schmidt. Podcast Redaktion: Leonard Schubert. Cover Design: Claudia Dörling und Anja Krämer von Sisters of Design. Originalmusik: Florian Sievers. Audioproduktion: Benjamin Serdani, Stanley Baldauf und Tim Schmutzler. Projektleitung: Christian Bollert.