Kunst live erleben
Kunst wieder vermehrt live erleben. Das ist eines der Versprechen der diesjährigen Art Basel, die vom 18. bis 21. Juni wieder Kunstbegeisterte aus aller Welt in die Schweiz lockt. Messeleiterin Maike Kruse setzt auf die persönliche Begegnung mit dem Werk, um den Vorortmoment noch mehr zu stärken. Mit 290 der führenden Galerien weltweit ist die Art Basel eine der wichtigsten Kunstmessen weltweit. Mittlerweile hat sie vier Ableger, und zwar in Miami Beach, Paris, Hongkong und seit Anfang des Jahres auch in Katar. Über die Art Basel in Basel, wie es auf dem Kunstmarkt gerade generell eigentlich so aussieht und auf welche Werke ihr euch freuen könnt, darum geht es in dieser Folge. Mein Name ist Sarah Marie Plekat. Hallo Kunst und Leben, der Monopol Podcast von detektor.fm.
Kunstmarkt und aktuelle Entwicklungen
Was die diesjährige Art Basel inhaltlich alles bereithält und wie es dem Kunstmarkt generell so geht, darüber spreche ich jetzt mit dem Leitungsteam des Monopol Magazins, Elke Buhr und Sebastian Frenzel. Erstmal hallo, ihr beiden. Hallo! Überall heißt es momentan sparen. Gilt das jetzt eigentlich auch für den Kunstmarkt? Wie geht es dem eigentlich gerade? Also dem Kunstmarkt geht es sehr durchwachsen. Die letzte Nachricht, über die wir uns in der Redaktion interessiert unterhalten haben, war zum Beispiel, dass die große Pace Gallery, das ist eine Galerie in New York, eine der Mega-Galerien, gesagt hat, sie schmeißen ein Drittel ihrer Künstler und wie viel Prozent ihrer Mitarbeiter? Also auf jeden Fall ganz, ganz viele, also 20 oder 30 Prozent ihrer Mitarbeitenden einfach mal raus. Das ist also eine richtig krasse Bereinigung des Marktes.
Der Chef von Pace hat in einem Interview dann auch gesagt, sie hatten vor ein paar Jahren ein ganz teures, riesen Ding in New York eröffnet. Das würde man unter den heutigen Bedingungen nicht mehr machen. Und das sagt schon, wie die Lage ist. Also die Lage ist nicht so einfach. Ja, ich glaube, er hat das Galeriesystem an sich in Frage gestellt und sagt, irgendwie in den vergangenen Jahren haben wir alle noch so ein bisschen geflickt und geschustert und versucht, die Lücken irgendwie zu dämmen, aber das System ist eigentlich unrettbar kaputt, laut Glimcher. Naja, das ist hart, weil ich meine, er ist ja Teil des Systems, er hat es mit aufgebaut. Aber man muss auch sagen, dass er auch immer wieder Experimente gemacht hat und Sachen halt aufgemacht und wieder zugemacht hat. Und so soll es ja auch sein.
Auktionen und Käuferverhalten
Auf der anderen Seite ist es aber so, dass die letzten Auktionen, also die Frühjahrsauktionen in New York, eigentlich sehr gut gelaufen sind. Und da waren also zumindest im hochpreisigen Segment waren dann auf einmal doch wieder Käufer da. Denn wenn man sich mal umschaut auf der Welt, aufgrund des funktionierenden Kapitalismus und der Umverteilung von unten nach oben, gibt es ja viele Leute mit Geld, und die kaufen halt auch weiterhin Kunst. Ähnliches beschreibt ja auch Maike Kruse, Leiterin der Art Basel. Wir hören sie hier auch nochmal im O-Ton: „Nach zwei rückläufigen Jahren hat sich der Kunstmarkt im letzten Jahr eher wieder erholt und vier Prozent zugelegt. Wir beobachten seit einigen Jahren einen Kunstmarkt, auf den sich die Weltlage, die Zölle, die Kriege auswirken. Die Leute warten ab, die Preise für Transporte und Reisen steigen, und die Märkte werden aufgrund dessen regionaler. Trotzdem erleben wir gerade wieder einen Aufwärtstrend, der sich bereits letztes Jahr angedeutet hat und in den starken Mai-Auktionen in New York weitergeführt wurde. Was wir gesehen haben, ist, dass hochkarätige Arbeiten einen starken Markt haben. Und zur Art Basel haben die Galerien nicht nur exzellente Werke angekündigt, sondern es kommen auch zahlreiche Sammlerinnen aus über 90 Ländern, und vor allem aus Asien kommen seit einigen Jahren jedes Jahr mehr Gäste nach Basel. Wir sehen der Art Basel und dem Kunstmarkt also momentan sehr optimistisch entgegen.“
Galerien und Marktveränderungen
Genau, und auch die Galerien. Diese Erzählung von der Galerienkrise hat sich auch nicht so bestätigt im vergangenen Jahr. Es haben genauso viele Galerien geschlossen wie auch aufgemacht. Das heißt, einen generellen Trend kann man daran nicht erkennen, außer dem, was Elke gerade angedeutet hat. Also ganz oben am oberen Ende des Marktes läuft es gut. Im unteren Segment auch. Die Mitte muss ein bisschen mehr kämpfen, sowohl was den Auktionsmarkt als auch was die Galerien anbelangt. Und dann hat der Art Basel Market Report aber auch noch herausgefunden, dass der Onlinehandel nicht mehr so gut läuft. Also dessen Volumen ging um 11 Prozent im vergangenen Jahr runter. Und auf der anderen Seite werden gerade hochpreisige Transaktionen wieder eher im persönlichen Austausch gemacht.
Reaktionen der Art Basel
Okay, also der Onlinehandel geht runter. Der Trend geht mehr wieder in Richtung Live-Treffen. Wie reagiert denn jetzt die Art Basel darauf? Na, das hat uns auch Maike Kruse im Interview erzählt. Basel Exclusive ist eine neue Initiative, in der Galerien darauf verzichten, einzelne Werke bereits vor der Messe online zu promoten oder auch zu verkaufen. Nachdem während der Pandemie die Galerien mehr und mehr Onlinekunst verkauft haben, sind diese Zahlen mittlerweile wieder rückläufig. Das heißt, Verkäufe finden eher dann statt, wenn man dem Werk persönlich begegnet. Und unsere neue Initiative Basel Exclusive verstärkt also diese analoge Strategie der Galerien und ist damit auch eine Rückbesinnung auf Basel als Ort der Entdeckung von Kunstwerken und des persönlichen Austauschs.
Die Galerien bringen unter dieser Rubrik bedeutsame Werke mit von Künstlerinnen und Künstlern wie Picasso, Yves Klein, Joan Mitchell, Louis Bourgeois, Bridget Riley, aber auch von zeitgenössischen Künstlerinnen wie Zoe Leonard, Arthur Jaffer, Alvaro Barrington. Und um eben zu erfahren, welche Werke dieser Künstler zu sehen sind oder wie sie aussehen, muss man nach Basel kommen. Es feiert aber auch noch eine andere Plattform seine Europapremiere auf der Art Basel, und zwar die Zero Ten. Was verbirgt sich denn dahinter? Das ist eine Digitalinitiative, über die Maike Kruse uns auch erzählt hat: „Ja, Zero Ten ist eine globale Initiative, die wir auf unseren Messen in Miami und in Hongkong gelauncht haben, Anfang des Jahres, und die Künstlerinnen zusammenführt, die Digitalarbeiten. Die Ausstellung in Basel wird erstmalig von Künstler Trevor Paglen und dem Kurator Eli Scheinmann kuratiert und findet in einer eigenen Halle auf dem Messeplatz statt, gegenüber von der Halle, in der die Unlimited gezeigt wird. Es werden hier 20 historische und zeitgenössische Positionen vorgestellt und zusammengeführt, wie unter anderem Arbeiten von Vera Mollner, einer Pionierin der Computerkunst. Das HEC, also das Haus der elektronischen Künste Basel, präsentiert bei Zero Ten Werke früher Netzkunst aus seiner eigenen Sammlung. Und Esther Schipper und Andrew Krebs zeigen eine experimentelle Installation von Hito Steyerl.
Digitale und analoge Strategien
Ich finde das mit Zero Ten interessant, weil wir ja gerade darüber sprachen, dass das Digitale ein bisschen rückläufig ist und diese Exclusive Sache eingeführt wird, wo die Menschen also wirklich vor Ort sein müssen. Gleichzeitig gibt es quasi diese Europapremiere dieser Digitalplattform. Und dann kam auch vor ein paar Tagen, Elke, du hast das vielleicht auch bekommen, so eine Einladung von der Art Basel First Look. Und da kann man nur über die Art Basel App wiederum vorab sich einige Werke in der App anschauen. Also man merkt daran, dass die Art Basel eigentlich auch so ein bisschen in alle Richtungen testet, was jetzt eigentlich möglich ist. Man will das Live-Erlebnis wieder stärken und wirklich Werke haben, die es nur da gibt. Aber man will natürlich auch mit der Zeit gehen und digital natürlich auch alle Möglichkeiten den Sammlern geben. Und eigentlich in Zeiten von so einem unsicheren Markt muss eine Messe auch genau so agieren, dass man alle Optionen offen hält und dass man die bespielt mit neuen innovativen Formaten.
Also ich will so wenig App wie möglich, wenn man mich fragt. Aber bist du auf First Look? Ich weiß nicht, ich muss nur in meinen E-Mails gucken. Oh Gott, habe ich die First Look Einladung verpasst? Oh nein! Das ist ja auch so lustig. Die haben ja schon gar keine Begriffe mehr, um deutlich zu machen, wie privilegiert man ist. Also First und VIP und Exclusive und Pre-Pre-Pre irgendwas. Die kommen da schon gar nicht mehr hinterher. Aber es ist natürlich toll. Es gibt immer wieder Neues, und da sind wir immer dabei und freuen uns, das auch zu entdecken.
Kunst erleben und kaufen
Ich habe mich auch gerade so ein bisschen gefragt, naja, wie ist das denn? Also gucken sich dann Leute das an, um zu sagen, okay, ich überlege, ob es sich überhaupt lohnt, hinzufahren? Denn eigentlich ist es ja grundsätzlich erstmal ein Erlebnis, so großartige Kunst dann auch zu sehen, jetzt ungeachtet dessen, ob man jetzt First Look hatte oder nicht. Oder? Auf jeden Fall! Also ich kann mir generell nicht vorstellen, wie Menschen Kunst kaufen, die sie nicht wirklich gesehen haben. Du, Elke? Ja, ich hoffe, dass Menschen das tun, weil wir verkaufen ja selber unsere Editionen an Leute, die die hoffentlich nur angeklickt haben. Ne, aber ich empfinde auch, ich würde das auch nicht so gerne machen. Es sei denn, man kennt halt die Künstler total gut und kann sich das halt super gut vorstellen, wie das aussieht. Aber eigentlich finde ich es auch zum Angucken immer besser. Gut, wir kaufen ja eh nichts bei der Art Basel, ist ja nicht unsere Preiskategorie.
Art Basel in Katar und die Bedeutung von Basel
Anfang des Jahres feierte ja der Ableger der Art Basel in Katar seine Premiere. Ist das Original in der Schweiz jetzt immer noch die wichtigste Messe der Welt oder verschiebt sich das gerade in andere Regionen der Welt? Also Basel, Basel, wie man sagt, bleibt einfach die wichtigste Messe der Welt oder für den zumindest westlich orientierten Kunstmarkt. Und da rüttelt sich auch nichts dran. Also auch für die Messe selber ist Basel immer noch so der Goldstandard. Das heißt, wir haben Glück, wir müssen nicht so weit reisen, wir können einfach nach Basel und haben da die Top-Veranstaltung vor der Nase.
Zentrale Werke und Künstler
Lass uns im zweiten Teil dieser Folge noch ganz konkret über die Kunst sprechen, die dann dort zu sehen sein wird. Im vergangenen Jahr wurden die iranisch-deutsche Künstlerin und Bildhauerin Nairi Bagramian und der ghanaische Künstler Ibrahim Mahama mit dem Art Basel Award ausgezeichnet. In diesem Jahr bespielen sie deswegen zwei zentrale Plätze in Basel. Was wisst ihr da eigentlich schon über diese Werke? Also Nairi Bagramian ist eine ganz renommierte Bildhauerin und bespielt den Messeplatz, das heißt den zentralen Ort, den man da nur haben kann. Sie hat jetzt aber gesagt, dass sie das nicht so auf super Spektakel drehen will, sondern so ein bisschen subtiler angehen will. Bei ihren Skulpturen muss man generell sagen, das ist so die Art Kunst, wo man hinkommt und denkt, hä, ich verstehe es gar nicht. Und dann bleibt man halt ein bisschen länger und schaut sich das nochmal an und nimmt vielleicht auch die Materialien wahr, weil das so ein irrer Mix eigentlich ist. Das erinnert an Gliedmaßen, manchmal an organische Körper, ist dann aber auch futuristisch, sieht aus irgendwie wie so der Schutt der Moderne, ein bisschen kaputt. Dann sind es geometrische Formen und das alles bleibt so wunderbar in der Schwebe und eigentlich vermittelt das einen guten Eindruck für den Irrsinn der Gegenwart, in der wir leben. Da braucht man auf jeden Fall Zeit, aber das macht sie ganz bewusst auch am Eingang der Messe, wo man eigentlich keine Zeit hat, damit man sich die vielleicht gerade dann doch mal nimmt. Und das ist ja auch direkt an einem Brunnen, wo sie das installiert, ne? Das wird jetzt, glaube ich, wirklich ganz anders. Also das wird jetzt so total reduziert und vielleicht auch so ein bisschen zugeknöpft. Mal gucken.
Ibrahim Mahama und seine Installation
Und Ibrahim Mahama ist auf dem Münsterplatz. Das ist der zentrale Platz in der Altstadt, also so ein paar Schritte weiter weg, aber ein sehr, sehr schöner Platz. Also diese Altstadt von Basel ist ja so super sauber, renoviert und ganz toll. Und da macht er eine abstrakte Skulptur, so eine Rauminstallation. Das wird so ein Raum, der ist aus gewebten Stoffen, die aus Ghana stammen und dann auch aus ganz vielen gefundenen Materialien. Also wie das ganz konkret aussieht, hat er nicht so richtig verraten, aber Ibrahim Mahama ist bekannt geworden mit Installationen aus so Kohlesäcken. Und er hat so ganze Gebäude damit verhängt, auch mal bei einer Documenta und in Venedig die Gänge zum Arsenale. Und bei ihm geht es immer darum, dass er die Materialien nimmt, die die globalisierte Wirtschaft benutzt, also mit den Säcken oder anderen Sachen, die halt hin und her transportiert werden zwischen Europa und Afrika. Und wo man dann praktisch an den Materialien so die Geschichte dann erkennen kann, wenn man weiß, wie es funktioniert.
Symbolik und Materialien
Genau, ich glaube, bei der Schweiz wird auch eine Rolle spielen. Also er hat oft diese Jute-Säcke, in denen Kakao oder Reis oder so transportiert wird. Und die Schweiz ist ja bekanntermaßen berühmt für ihre Schokolade, und die muss ja auch irgendwo hinkommen. Ich weiß jetzt nicht, ob das da direkt auch eine Rolle spielen wird, aber das Thema hat er auch schon mal bearbeitet. Auf jeden Fall. Also wir haben ja so ein Sonderheft zur Art Basel gemacht, und dafür hat unser Autor Oliver Körner von Gustav mit Ibrahim Mahama gesprochen. Und da hat er ihm auch erklärt, was das eigentlich für ein Material ist, was er da benutzt in seiner Installation. Das Hauptmaterial für die Installation sind diese traditionellen handgewebten Textilien, die traditionell in der nördlichen Ghana gewebt sind. Die wurden als Realsatzmittel gemacht und anschließend als Handtuch für den Alltagsmenschen. Und in Ghana, um die Zeit der Unabhängigkeit, als unser erster Präsident die Unabhängigkeit erklärte, hat er dieses Material zusammen mit seinen Freunden getragen. Es heißt das Batakari, das Smog-Material, und es ist sehr symbolisch in Ghana.
Kollektive Geschichte und Zusammenarbeit
Ja, also er sagt, hier eines der zentralen Werke sind diese traditionellen handgewebten Textilien, die vor allem in den nördlichen Teilen des Landes in Ghana hergestellt wurden. Und ursprünglich für die Royalty, also für die Adligen, und dann später in der Folge halt auch für alle anderen Menschen, die eben nicht royal sind. Und vor allem in der Zeit rund um die Unabhängigkeit, als der erste Präsident von Ghana die Unabhängigkeit erklärt hat, hat er Kleidung aus diesem Material getragen mit seinen MitstreiterInnen. Und das wird Batakari genannt, das Material. Das ist so gesmogt und ist halt sehr symbolisch für Ghana, sagt er hier. Mahama, du hattest es auch gerade schon gesagt, Elke, arbeitet vor allem viel mit gefundenen Sachen. In dieser Installation sind es vor allem eben diese Textilien, Gummireste und auch sogenannte Headpants und alte Planen. Im Zentrum steht dieser Arbeit, weil es sind ja immer sehr große monumentale Werke, die er da auch schafft. Steht außerdem auch immer das Kollaborative, wie er hier im Gespräch mit Oliver Körner von Gustav nochmal erzählt. Er sagt, da geht es eben nicht darum, ein Objekt alleine zu machen, sondern dass immer ganz, ganz viele Leute dabei sind, dass da Schulkinder dabei sind, weil es auch eine Geschichte trägt, die eine gemeinsame Geschichte ist. Es ist halt die kollektive Geschichte, die er verhandelt. Deswegen soll das auch mit dem Kollektiv gemacht werden.
Kunstzentrum in Ghana
Und es gibt ein ganz schönes Foto, wo man sieht, wie das hergestellt wird. Diese Arbeit, The God of Small Things, heißt die, nach einem Roman von Arundhati Roy. Und das sieht total schön aus. Da liegt so ein riesiges Stück Textil auf dem Boden, und sitzen so ganz viele Leute drauf, die daran arbeiten. Und genau so kann man sich das vorstellen. Und dieses kollektive Arbeiten, das passt halt auch zu dem, was er sich in Ghana aufgebaut hat. Also ich habe mal mit Ibrahim Mahama gesprochen über sein Kunstzentrum da im Norden von Ghana. Und da hat er so eine alte Fabrik gekauft und hat da so permanente Installationen drin, macht aber ganz, ganz viel mit den Leuten vor Ort. Also da kommen dann halt immer Schulklassen hin, und er macht Workshops und er lädt auch Künstler zu Stipendienaufenthalten ein und so weiter. Und das ist also das muss man sozusagen als Kontext immer sehen von allen Arbeiten, die er macht. Und was er da ganz konkret macht und welche Verstrickungen das auch einfach mit den globalen Handelsstrukturen, aber auch vor allem mit der Kolonialgeschichte hat, das erklärt er hier auch nochmal selber.
Handelsbeziehungen und Kunst
Ja, Ibrahim Mahama sagt hier, die Schweiz gehört ja zu den wichtigsten Handelspartnern und kauft einen großen Teil des Kakaos aus Ghana. Sie zählt ja damit zu den größten Abnehmern des Landes. Und mit diesen Einnahmen wurde auch ein Teil der Infrastruktur errichtet. Und als Künstler verwendet er jetzt nun ja womöglich die Überreste jener Säcke, in denen eben der Kakao für die Schweiz transportiert wurde und nutzt sie, um auf dem westlichen Kunstmarkt eine neue Form von Überschusskapital zu generieren. Ja, und dieses Geld das benutzt er dann, um die Überbleibsel jenes Versprechens der Zeit nach der Unabhängigkeit zu erwerben, zu bekommen, zu kaufen. Nämlich zum Beispiel dieses industrielle Versprechen, das letztlich gescheitert ist und sich zusammengebrochen ist. Also es ist im Grunde, sagt er hier zum Schluss, man kauft sich also die Träume und Potenziale über die verbliebene Materialität dieser Dinge. Also wirklich ein sehr vielschichtiges Werk, was er dort schafft, auf ganz unterschiedlichen Ebenen. Sehr interessant, sicherlich auch anzusehen, sehr monumental bestimmt auch.
Weitere Highlights der Art Basel
Was gibt es denn noch zu sehen? Also worauf freut ihr euch jetzt noch, wenn ihr nach Basel fahrt und sagt, okay, mit diesem Werk im Kopf muss ich auf jeden Fall zurückkommen? Oh Gott, das ist so viel. Große Frage! Ja, ich bin total gespannt einfach auf die Messe selbst. Das ist halt immer so ein schöner Moment, wenn die aufmacht und alle so ein bisschen aufgeregt sind. Also das ist eher so sozial irgendwie so ein interessanter Moment. Und was immer toll ist, ist ja die Unlimited. Das ist ja die Halle mit den ganz, ganz großen Installationen. Ich weiß gar nicht, ob die in diesem Jahr so spektakulär wird, weil ja alle nicht so viel Geld haben und so weiter. Aber das ist auf jeden Fall immer was wert. Und nebenbei, ich gehe auf jeden Fall zum Basel Social Club. Das ist die lustigste Nebenveranstaltung, und das ist diesmal von ein paar unabhängigen Galerien und auch Sammlerinnen und Sammlern und Künstlern organisiert. Und das ist immer so eine Mischung aus Ausstellung, Party und Event und Performance und so. Und das ist diesmal in einem alten Bürogebäude, und es geht ums Thema Büro. Das ist jetzt mal irgendwie komplett unsexy als Thema, aber ich glaube, das wird trotzdem gut. Und außerdem soll es diesmal auch mehr zu essen geben als beim letzten Mal. Das war nämlich beim letzten Mal ein echtes Problem.
Essen und Veranstaltungen
Oh, seid ihr nicht satt geworden? Nee, es gab diese ganze Riesenschlange, und dann versuch mal in Basel abends um neun noch irgendwo was zu essen zu bekommen, wenn du nichts gekriegt hast, wo du gerade warst. Es geht leider nicht. Ja, okay, Sebastian, du? Ja, also der Social Club auf jeden Fall. Dann gibt es noch den Parcours. Das ist ja so auf der Klarastraße, so einer alten Shoppingstraße, die aussieht wie so 80er-Jahre-Shoppingstraßen aussehen. Und da gibt es halt viele Installationen oder Projekte in Geschäften, in Banken, manchmal auch in leerstehenden Gebäuden. Und das ist irgendwie auch immer toll. Und dann am Samstagabend gibt es noch eine Mega-Party. Bisschen geheim, aber wir können es andeuten. Also Julian Chayer, der Künstler, und Thomas Bangalter, ein Teil von Daft Punk, machen da so eine immersive Installation gegenüber der Messehalle. Die wird am Samstagabend mit einer Party eröffnet, und es gibt ein Secret Act, der da als DJ auftreten wird. Und man kann sich ja vielleicht denken, wer das sein könnte. Wer wird das sein? Also das dürfte auf jeden Fall die beste Party in diesem Jahr werden.
Leerstand und Urbanität
Ja, was ich mich gerade noch gefragt habe, auf der Klarastraße, die leerstehenden Orte, die bleiben, aber nicht mit Absicht leer, damit da auch tolle Kunst sein kann. Das ist schon wirklich ein echtes Problem, der Leerstand in der Innenstadt, oder? Ja, genau. Das ist eigentlich immer auch Thema vom Parcours, so Urbanität. Wie gehen wir um, wie gestalten wir die Innenstädte jenseits von Shoppingmöglichkeiten? Und dass die Geschäfte nicht mehr da sind, liegt einfach wie überall am Strukturwandel, am Onlinehandel und so weiter. Und die Frage, was man mit solchen Orten macht, ist aber natürlich total wichtig und relevant. Ja, durch den Parcours sieht man halt auch, was man da machen könnte, nämlich irgendwie Kunstprojekte. Leute kommen zusammen und haben eine gute Zeit und nehmen Anregungen mit. Es sind aber auch viele Sachen vom Parcours in Läden, die noch funktionieren. Es gibt auch zum Beispiel so einen Afro-Shop, wo immer was drin ist. Oder es gibt so ein Restaurant. Oder es gibt irgendwie ein Hinterzimmer von irgendwas. Man sieht dadurch auch echt lustige Orte in Basel, unter einer Unterführung, irgendeine Garage. Also das lohnt sich total.
Abschluss und Ausblick
Dann wünsche ich euch auf jeden Fall sehr, sehr viel Spaß bei diesem längeren Wochenende. Vom 18. bis zum 21. Juni findet in der Schweiz die Art Basel statt, und zwar in Basel. Darüber gesprochen habe ich mit Elke Buhr und Sebastian Frenzel vom Monopol Magazin. Euch vielen lieben Dank für das Gespräch. Gerne! Gerne! Kunst und Leben, den Podcast in Kooperation mit dem Monopol Magazin, den gibt es immer zweimal im Monat. Und zwar am Dienstag immer hier bei uns bei detektor.fm und natürlich auch überall da, wo ihr sonst gerne Podcasts hört. Sagt also gerne allen Menschen, die Kunst mögen oder vielleicht auch gerne sich das erste Mal mit Kunst beschäftigen möchten, was wir hier machen. Da freuen wir uns auf jeden Fall sehr. Ist auf jeden Fall auch ein schöner Einstieg. Aber es gibt auch immer schöne Hintergrundgespräche mit GaleristInnen, mit KünstlerInnen und so weiter. Also genau, wenn ihr eintauchen wollt in die Welt der Kunst, die ja wirklich sehr groß und auch sehr vielschichtig ist, dann ist das auf jeden Fall eine Empfehlung. Macht auch immer sehr, sehr viel Spaß, hier diese Gespräche zu führen. Und genau an dieser Stelle auch ein großes Dankeschön an meine KollegInnen aus der Audioproduktion, denn diese Folge hat Benjamin Serdani produziert. Und mein Name ist Sarah Marie Plekat. Ich bedanke mich bei euch fürs Zuhören, sage Tschüss und bis zum nächsten Mal. Kunst und Leben, der Monopol Podcast von detektor.fm.