Wenn man ehrlich ist, reichen fünf Tage niemals aus, um das gesamte Programm der Berlin Art Week zu durchforsten. Aber darum geht es auch gar nicht. Die Berlin Art Week ist vielmehr eine Einladung, in das vielfältige kulturelle Angebot der Stadt einzutauchen. So empfindet es Elke Buhr, Chefredakteurin des Monopol-Magazins.
An der Berlin Art Week mag ich alles, was ich auch an Berlin mag: dass sie so vielfältig ist, so riesig, dass man sich verläuft und dass man gar nicht weiß, wo man zuerst hin soll.
Elke Buhr, Chefredakteurin des Monopol-Magazins
Foto: MonopolVon Dahlem und Reinickendorf bis Hellersdorf und Lichtenberg, von großen Museen bis zu kleinen Projekträumen: Zum 15. Mal eröffnet die Berlin Art Week gemeinsam mit zahlreichen Institutionen, Galerien und Kunstschaffenden den Berliner Kunstherbst.
Entstanden ist die Berlin Art Week aus einem Moment der Unsicherheit, wie Festivalleiterin Mona Stehle erzählt. Als 2010 die renommierte Kunstmesse art forum berlin zum letzten Mal stattfand, stellte sich die Frage, wie Berlin seine Bedeutung als internationaler Kunststandort bewahren konnte. Mehrere große Institutionen taten sich daraufhin zusammen — darunter das Haus der Kulturen der Welt, die Akademie der Künste, der Hamburger Bahnhof und die Neue Nationalgalerie — und riefen die Berlin Art Week ins Leben.
Was zunächst aus der Not heraus entstanden sei, habe sich zu einer besonderen Zusammenarbeit entwickelt, sagt Mona Stehle. Über die Jahre sei diese Kooperation immer weiter gewachsen. Gerade angesichts aktueller politischer Entwicklungen und massiver Kürzungen im Kulturbetrieb sei es wichtig, daran zu erinnern, dass Kultur keine Selbstverständlichkeit ist.
Für die Zukunft würde ich mir wünschen, dass die Politik sich nicht nur zur Berlin Art Week, sondern auch zur ganzen Kunststadt bekennt.
Mona Stehle, Leiterin der Berlin Art Week
Foto: Clemens PorikysNackte in der Gemäldegalerie
Und was erwartet die Besucherinnen und Besucher? Ersan Mondtag und Nadim Samman inszenieren gemeinsam in der Gemäldegalerie die Performance „Alternde Meister“. Dafür treten nackte Personen den realen Gemälden gegenüber. Die Performance stellt die Frage, warum wir uns in unserer Gesellschaft mitunter so hingebungsvoll um alte Kunstwerke kümmern und uns gleichzeitig so schwer damit tun, alternde Körper anzunehmen.
In der Neuen Nationalgalerie verwandelt der streng katholisch erzogene Maurizio Cattelan den Mies-van-der-Rohe-Bau für seine Ausstellung „NIGHT“ in eine Art Kirche. Zu sehen sind neue und ältere Arbeiten des Künstlers, darunter die Skulptur „HIM“ von 2001: ein kniendes Kind im Anzug. Von hinten wirkt die Figur wie ein unschuldiger Junge. Blickt man ihr ins Gesicht, wird klar: Es handelt sich um Adolf Hitler.
Es ist eine Verbindung des Niedlichen und des Schrecklichen und wirft die Frage auf, ob man dem größten Menschenschlächter aller Zeiten vergeben kann. Auch Fragen von Religion und Glaube spielen da mit rein. Wenn man so will, ist das Werk natürlich auch eine politische Auseinandersetzung mit dem aktuellen Deutschland.
Sebastian Frenzel, stellv. Chefredakteur des Monopol-Magazins
Foto: MonopolAuch die Kunstmesse „Positions“ bietet Gelegenheit, neue Arbeiten und aufstrebende Künstlerinnen und Künstler zu entdecken. Elke Buhr und Sebastian Frenzel suchen dort nach neuer Inspiration. Die Messe findet ab Donnerstag im Hangar des ehemaligen Flughafens Tempelhof statt.
Und das ist nur ein kleiner Ausschnitt: Mehr als 100 Museen, Sammlungen, Galerien und Projekträume beteiligen sich in diesem Jahr an der Berlin Art Week.
In dieser Folge von „Kunst und Leben“, dem Podcast in Kooperation mit dem Monopol Magazin, spricht detektor.fm-Moderatorin Sara-Marie Plekat mit Elke Buhr und Sebastian Frenzel über die Berlin Art Week, die morgen bis Sonntag, den 13. September, in Berlin stattfindet.