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Bild: Christoph Schlingensief erklärt sein Projekt „Kaprow City“. 13.09.2006, Berlin. Foto: 360b | Shutterstock

Monopol-Podcast | Christoph Schlingensief

Ein Künstler in Bewegung

Die Kunst von Christoph Schlingensief wühlt auf, rüttelt wach, verstört zuweilen und legt vor allem den Finger in die Wunde. Was kann sie uns heute sagen?

Eigentlich sagt der Titel schon alles: Der Gropius Bau Berlin zeigt die Ausstellung „Es ist nicht mehr mein Problem, macht eure Scheiße alleine“ im Rahmen der Berliner Festspiele im Herbst. Derzeit kann man auch im Museum für angewandte Kunst in Wien Werke des 2010 verstorbenen Christoph Schlingensief sehen. Der Künstler war in seinem Schaffen direkt, oft auch schonungslos, vor allem mit sich selbst, erinnert sich Elke Buhr, Chefredakteurin des Monopol-Magazins.

Ich war sehr fasziniert von seiner Präsenz. Er hat am Stück geredet, war total durchgeschwitzt und kriegte dann noch so allergische Schocks auf der Bühne, weil er sich immer so reingeworfen hat.

Elke Buhr, Chefredakteurin des Monopol-Magazins

Elke Buhr, Chefredakteurin des Monopol-MagazinsFoto: Monopol

Ursprünglich kam Christoph Schlingensief aus dem Film und wurde hier in den 1990er-Jahren vor allem durch seine Deutschlandtrilogie bekannt, eine Reihe blutiger Avantgard-Horrorfilme. Er inszenierte am Theater, machte bildende Kunst, veranstaltete Happenings und produzierte Filme — immer wieder sprengte er auch die Genregrenzen, wie zum Beispiel beim Projekt „Kaprow City“, inspiriert durch den US-amerikanischen Performance-Künstler Allan Kaprow. Christoph Schlingensief entwickelte hier 2006 eine begehbare Drehbühne, die er Animatograf nannte.

Da waren dann überall Filme, Inszenierungen, Installationen, als würde man in einem Bühnenbild voller Filme herumlaufen.

Elke Buhr

Provokation weniger der Provokation wegen

Mit seiner Kunst hat er aber auch auf die politischen Ereignisse seiner Zeit reagiert. Wie beispielsweise 2000, als ihn die Wiener Festwochen einluden. Vor dem Hintergrund einer damals erstmals möglichen Regierungszusammenarbeit mit der FPÖ unter Jörg Haider inszenierte Schlingensief eine Art Asylbewerber-Big-Brother, bei der das Publikum Asylbewerber abschieben konnte, also — wie in der Reality Show — hinauswählen konnte. Die Reaktionen waren gespalten. „Schlingensief war ein Provokateur, aber nicht weil er provozieren wollte, sondern weil ihm die Sachen wichtig waren“, erzählt Elke Buhr. Unerschrocken stellte er sich den Themen seiner Zeit und versuchte sein Gegenüber und sich selbst ins Handeln zu bewegen.

Christoph Schlingensief war ein Künstler in Bewegung, der alles aufgenommen hat, wie ein Schwamm.

Aino Laberenz, Bühnen- und Kostümbildnerin

Aino Laberenz, Bühnen- und KostümbildnerinFoto: 360b

Themen, die auch nach seinem Tod nachhallen. Noch zu Lebzeiten entwickelte er die Idee für das Operndorf Afrika, das seit 2010 in Burkina Faso entsteht. Es ist zu einem Ort des gegenseitigen Lernens gewachsen. Aino Laberenz, Schlingensiefs Witwe, verwaltet seinen Nachlass und führt das Operndorf weiter.

In dieser Folge von „Kunst und Leben“, dem Podcast in Kooperation mit dem Monopol-Magazin, spricht detektor.fm-Moderatorin Sara-Marie Plekat mit Elke Buhr über den Künstler Christoph Schlingensief. Zu Gast ist außerdem Aino Laberenz. Die Bühnen- und Kostümbildnerin hat lange mit ihm zusammengearbeitet und als seine Witwe verwaltet sie auch seinen Nachlass.

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