Oft ging es ums Machen, vor allem ums Mitmachen. Der Künstler Christoph Schlingsief hat sein Publikum oft in sein Werk miteinbezogen, wie zum Beispiel 2000, als er eingeladen von den Wiener Festwochen eine Woche lang eine Art Asyl Big Brother neben der Wiener Staatsoper veranstaltete. Unter dem Titel „Bitte liebt Österreich“ standen dort tagelang Container, in denen die vermeintlichen AsylbewerberInnen wohnten. ZuschauerInnen konnten, wie auch in der Reality-Show Big Brother, anrufen und ihren Asylbewerber für eine Abschiebung hinauswählen.
Innerhalb kürzester Zeit musste die Security verstärkt werden. Die Reaktionen auf diese Aktion waren zum Teil entlarvend. Sie zeigen aber, wie Schlingsief gearbeitet hat: direkt provokant und mit einem feinen Gespür für die gesellschaftspolitischen Entwicklungen um ihn herum. Derzeit zeigt das Museum für Angewandte Kunst in Wien die Ausstellung „Christoph Schlingsief – Es ist nicht mehr mein Problem“. Und im Herbst wird er unter ähnlichem Titel im Berliner Gropiusbau zu sehen sein. Was Schlingsief uns heute noch sagt und warum er vielleicht gerade heute in dieser krisengeschüttelten Zeit inspirierend sein kann, darum soll es in dieser Folge gehen.
Mein Name ist Sarah Marie Plekart. Hallo Kunst und Leben – der Monopol Podcast von detektor.fm. Auf welche Art und Weise uns das Werk von Christoph Schlingsief gerade heute vielleicht auch weiterhelfen kann, darüber spreche ich mit Elke Bohr, Chefredakteurin des Monopol Magazins. Hallo Elke. Hallo! Vor vielen Jahren hast du Christoph Schlingsief mal getroffen, hast du mir erzählt, und zwar als er an der Volksbühne in Berlin gearbeitet hat. Erstmal, was war das für eine Begegnung? Was hat er damals da gemacht?
Christoph Schlingsief hat damals, Anfang der Nullerjahre, mehrere Inszenierungen in Zusammenarbeit mit einer Gruppe von geistig Behinderten gemacht. Die hatten ganz unterschiedliche Einschränkungen, und er hat mit denen aber nicht so Behindertentheater gemacht, sondern er hat die einfach so integriert in seine Inszenierungen. Seine Inszenierungen damals an der Volksbühne waren sowieso immer total überbordend, und da passierte irgendwie alles gleichzeitig. Man kann das auch kaum nacherzählen, was das jemals war. Also, wenn man einen fragt, was war das für ein Thema, weiß ich nicht so genau, aber jedenfalls waren dann immer da diese Leute, die dann auch so total spontan irgendwelche Sachen erzählten und über die Bühne rannten und so weiter.
Und er hat das aber einfach so integriert. Und ich habe damals ein Radiofeature gemacht, wo ich mich mit so einem Thema beschäftigt habe, und dann habe ich ein Interview mit ihm gemacht, mit ihm und bestimmt vier, fünf von dieser Gruppe. Und das war so spannend damals, weil ich diese Art, wie er mit denen umgegangen ist, so toll fand. Also, der hat die einfach total ernst genommen und hat dann, aber auch wenn sie ihm zu viel reingeredet haben, hat er gesagt: „So, reicht jetzt, Kerstin!“ und so. Und die waren aber gleichzeitig auch so total lieb alle miteinander. Und es war wirklich, wirklich lustig und interessant und spannend.
Und das war eine tolle Begegnung. Also, ich bin damals ganz viel in die Volksbühne gegangen und habe mir die ganzen Schlingsief-Inszenierungen angeguckt und war einfach immer total fasziniert von seiner Präsenz. Und der hat ja auch am Stück geredet, war total durchgeschwitzt hinterher, kriegte noch allergische Schocks auf der Bühne und weiß ich nicht, einfach weil er sich so reingeworfen hat. Und ich war echt fasziniert.
Wie war das jetzt, wenn du gerade sagst, der hat am Stück geredet? In einer Interviewsituation kann es ja unter Umständen auch mal herausfordernd sein, jemanden dann da auch, sagen wir mal, höflich und bestimmt zu unterbrechen, weil man eine Frage platzieren möchte. Wie hast du das gemacht? War das überhaupt möglich?
Nein, das war insofern ja schon undenkbar, weil er und die Behinderten sich ja schon die ganze Zeit gegenseitig unterbrochen haben und durcheinander geredet haben. Insofern muss man einfach, wie in vielen, wie so oft im Leben, man muss es einfach so kommen lassen, go with the flow, und da kommt auch was Gutes bei raus.
Wie hat er denn, er hat ja unfassbar viel gemacht, auch vielseitig. Wie also kann man irgendwo sagen, wie er gearbeitet hat? Also, weißt du, welche Reihenfolge es war? Inspiration und dann „let’s go“ oder ist er einfach in ein Thema gesprungen? Kannst du was darüber sagen?
Ich weiß nur, dass es halt immer wieder neu war. Also, er hat ja angefangen als Filmemacher, vor allen Dingen. Da habe ich ihn noch nicht so wahrgenommen, weil auch dieser ganze Avantgarde-Zombie-krasse Film, den er da gemacht hat, das war mir doch als junger Mensch irgendwie noch ein bisschen zu viel. Dann habe ich sehr stark mitbekommen, was er im Theater gemacht hat und dann aber auch natürlich für mich besonders interessant, wie er dann in die bildende Kunst drüber gegangen ist.
Und da erinnere ich mich, dass er einfach, also er hat einfach Crossover zwischen allem gemacht. Also bei allem, was er gemacht hat, war auch immer Film mit dabei. Auch auf der Bühne war immer ganz viel Film mit dabei. Und als er dann Kunstausstellungen gemacht hat, kam das wiederum aus dem Theater. Also es gab damals dieses große Projekt „Capro City“. Also das bezog er sich auf Alan Capro, den Performance-Künstler. Und da hat er eigentlich als Grundlage die Drehbühne des Theaters genommen. Das hat er dann praktisch umgewidmet. Das hieß dann „Animatograph“.
Und das war halt dann diese Erfahrung. Man konnte in diese Drehbühne hineingehen, in so verschiedene Abteilungen. Und dann waren dann überall Filme, Inszenierungen und so weiter, Installationen. Und praktisch, man konnte, als würde man in einem Bühnenbild voller Filme herumlaufen. Das war der Animatograph. Das hat er dann in der Volksbühne gezeigt, aber auch in anderen Orten. Später wurde das zur Museumsausstellung. Und das war halt so typisch. Also das, ja, halt eigentlich waren es Filmsets. Es waren Bühnenbilder und die waren dann auf einmal Kunstwerke. Und so ist dann so alles ineinander übergegangen.
Das heißt, nur damit ich mir das auch noch mal konkret vorstellen kann, die Leute aus dem Publikum konnten auf die Bühne und in diesen Animatograph rein, um sich das da anzuschauen? Genau. Also es war auch gar nicht so, dass man erst gesessen hat oder so, sondern man kam eigentlich sofort über so einen Hintereingang auf die Bühne und ist dann auf der Bühne da durchgegangen. Und er hat das aber dann auch noch mal an anderen Orten inszeniert, wo dann gar kein Theater mehr darum herum war, sagen wir mal so. Also es gab es dann auch in Museen oder das gab es auch mal, ich glaube, das war ein alter Flughafen oder so, wo man so rausfuhr. Und dann gab es überall so Performances, Filme und diese Installationen.
Also er hat da ganz, ganz viele verschiedene Formate entwickelt. Und ich glaube, das Prinzip bei ihm war einfach immer, der hatte so, glaube ich, so tausend Ideen gleichzeitig und hat irgendwie versucht, da hinterherzukommen. Und was aber nicht geklappt hat. Also ich glaube, das war so das Grundprinzip seines Arbeitens.
Wie hat er das finanziert? Naja, unterschiedlich. Also ich meine, an der Volksbühne war dann halt erst mal natürlich einfach normale Theaterinszenierung und wie man so Filme finanziert. Keine Ahnung. Also da gibt es dann wahrscheinlich Filmförderung hoch und runter. Und dann hat er ja auch, also das letzte Große, was er gemacht hat, war ja eigentlich die Vorbereitung zum Deutschen Pavillon in Venedig, den er auch gemacht hat. Und da weiß ich noch, er selber war natürlich auch ein sehr, sehr charmanter, spannender Mensch, der so für Fundraising auch ganz gut war.
Also die Leute haben ihn dann auch gerne, obwohl er wirklich krass war und auch wirklich krasse Sachen gemacht hat, hat er es auch geschafft, Gelder einzuwerben. Er hat ja damals auch relativ spät dann dieses Operndorf aufgebaut in Burkina Faso. Und dafür musste er ganz viele Spendengelder einwerben. Und das hat er halt auch eigentlich ganz gut hinbekommen.
Du hast gerade die Venedig Biennale schon angesprochen. Die hat er dann leider nicht mehr erlebt. Er ist im August vorher verstorben, hat aber 2011 dann posthum den Goldenen Löwen erhalten, also eine wirklich große, hohe Auszeichnung. Heute finden ihn viele toll. Du bist voller Begeisterung. Ich weiß aber auch, dass er nicht bei allen so ganz so beliebt war, die auch vielleicht mit ihm so ein bisschen gehadert haben, weil er eben auch den Finger in die Wunde gelegt hat. Wie erklärst du dir das?
Also heute diese große Begeisterung zu Lebzeiten, aber ein großes Hadern auch von vieler Seite? Wie nimmst du seine Rezeption da wahr? Ich weiß gar nicht, ob heute die Begeisterung jetzt so groß ist, wenn die Leute sich das wirklich von Nahem angucken, was er gemacht hat. Also, Schlingsief war schon immer wirklich ein Provokateur, ohne zu sagen: „Ich will jetzt provozieren“ oder so, sondern einfach, weil ihm die Sachen wichtig waren. Und er hat einfach auch Sachen gemacht, die waren krass.
Also ich erinnere mich so, also das ist jetzt so eine Kleinigkeit. Also damals, irgendwie in den 90er Jahren, man kam in die Volksbühne rein und dann wurde man als erstes von irgendwelchen Leuten in Blackfacing begrüßt und man dachte so: „Okay, hallo, also muss das jetzt sein?“ Also er hat auch in alle Richtungen wirklich, ist dem alles völlig egal. Der ist über alle möglichen Tabus getrampelt. Und natürlich fand damals das politische Establishment es schrecklich, dass er auf der Documenta Ende der 90er Jahre geschrieben hat: „Tötet Helmut Kohl!“ Und natürlich fanden die das nicht lustig, dass er alle Arbeitslosen aufgefordert hat, in den Wolfgangsee zu springen, um Helmut Kohls Ferienort zu überschwemmen.
Und dann hatte er damals auch so eine ganz krasse Sache in Wien, wo er Asylbewerber in so eine Big Brother-Situation gebracht hat. Und sowas ist brutal. Also das kann man auch von jeder Seite schlimm finden und man kann es halt total spannend finden. Und ich glaube, das ist so, damals war das so. Und heute ist es eigentlich auch noch so.
Wien hast du gerade schon angesprochen, da wird er ja gerade auch gezeigt. Im Herbst kann man Werke einer Ausstellung von ihm im Gropiusbau sehen und zwar unter dem Titel „Es ist nicht mehr mein Problem, macht eure Scheiße alleine“. Was kannst du uns darüber schon erzählen? Ja, erst mal super Titel, oder? Also das ist ja genau das, was man denkt. Also das ist es eben auch genau, was ich immer empfinde, wenn ich an Schlingsief denke. Ich denke: Mein Gott, er hat ja damals auch schon ganz viel zum Thema Rechtsradikalismus, Ausländerfeindlichkeit gearbeitet.
Er war jemand, das habe ich kürzlich noch mal in der Galerieausstellung gesehen, diese Filme. Der ist irgendwie in die Fußgängerzone gegangen und hat irgendwie mit den Rechten gelabert. Also der hat sich das einfach alles reingezogen, wo man heute auch denkt: „Okay, muss man eigentlich machen. Man muss mit den Leuten sprechen“, aber keiner hat ja Lust dazu. Und er hat es einfach gemacht. Und jedenfalls in Wien, in Wien ist natürlich halt der Ort, wo er damals diese super wichtige Arbeit für die Wiener Festspiele gemacht hat, nämlich dieses Big Brother-Haus für Asylbewerber. Und das wird auch noch mal gezeigt in der Ausstellung.
Aber ansonsten gibt es auch einen Überblick über ganz viele andere Sachen, die er gemacht hat. Es werden natürlich auch immer Filme gezeigt. Es werden Bühnenbilder gezeigt und es wird einfach noch mal versucht, Schlingsief ja also sein Gesamtwerk so ein bisschen auf die Spur zu kommen.
Bei all dem, was du gerade schon genannt hast, bei den wirklich wichtigen Themen, auch die er da bearbeitet hat und die heute ja brennender sind denn je. Warum brauchen wir ihn heute? Ich glaube, was man von Christoph Schlingsief lernen kann, ist einfach immer wieder so eine Unerschrockenheit. Also die Kunst, wir haben ja Riesendebatten geführt darüber in den letzten Jahren. Diese ganze Empfindlichkeit oder dass man, ich meine, es ist ja oft auch sehr polemisch aufgeladen, aber schon, dass dann Leute sagen: „Okay, man darf dies nicht mehr sagen, man darf das nicht mehr sagen.“ Alle sind so empfindlich, alle ständig gibt es Ärger.
Das ist das eine. Und auf der anderen Seite gibt es ja reale politische Probleme, die einfach noch mal viel krasser sind als zu der Zeit, als Schlingsief damals gelebt hat. Und für beides, für beides muss man ja eine mutige Lösung finden. Also man muss einfach dann auch sich selbst vertrauen und sagen: „Okay, ich labere zwar darauf los und da kommt vielleicht dann auch echt Quatsch raus, aber egal, ich muss jetzt hier an die Wunde. Ich muss, so wie Beuys, irgendwie: „Zeige deine Wunde, bohr drin rum und zeig auch der Gesellschaft, was sie für einen Schlamm in sich hat, was sie für einen Dreck in sich hat und zeig irgendwie alle Emotionen.“
Und ich glaube, das ist total wichtig. Und das ist aber einfach auch extrem schwer zu machen. Das ist einfach eine Ausnahmeerscheinung gewesen. Das sagt Elke Buhr, Chefredakteurin des Monopol Magazins. Vielen lieben Dank dir, Elke. Gerne!
Kunst, die erschüttert, aufwühlt, aber auch Menschen zusammenbringen soll, vielleicht sogar zum Handeln anregen. Die Werke von Christoph Schlingsief fallen nach. Mein nächster Gast kennt dieses Werk wie keine andere. Von 2004 an hat sie mit ihm zusammengearbeitet: Eino Laberenz. Die Kostüme und Bühnenbildnerin war bereits an vielen renommierten Häusern, am Schauspielhaus Zürich, der Volksbühne Berlin, am Wiener Burgtheater und am Thalia Theater in Hamburg, um nur einige wenige zu nennen, von den wirklich vielen Häusern und anderen Projekten, die sie natürlich auch realisiert. Außerdem leitet sie das Operndorf Afrika in Burkina Faso, das Schlingsief 2009 gegründet hat. Und als seine Witwe verwaltet sie auch seinen Nachlass.
Hallo Eino, schön, dass du da bist. Erst mal: Hallo, danke für die Einladung. Ich erreiche dich gerade in Berlin. Du warst gerade auf einem Dreh in Italien, fährst dann wieder nach Wien. Hier in Wien zeigt das Museum für Angewandte Kunst gerade die Ausstellung „Es ist nicht mehr mein Problem“. Im Herbst können wir dann in Berlin im Gropiusbau die Ausstellung mit dem vielsagenden Titel „Es ist nicht mehr mein Problem, macht euren Scheiß alleine“ anschauen.
In beiden Werkschauen geht es ums Scheitern, vor allem ums produktive Scheitern, so habe ich es zumindest rausgehört. Warum? Also ich würde jetzt nicht sagen, dass die Ausstellung insgesamt ums Scheitern geht, aber Scheitern ist natürlich ein zentraler Punkt in einigen Arbeiten, also z. B. in der Partei „Scheitern als Chance“, also die Chance „Partei Chance 2000“ mit dem Wahlslogan „Machtfehler“ oder eben „Scheitern als Chance, Scheitern als Produktivkraft“ zu sehen.
Da ist es sehr, sehr zentral drin. Aber diesen Momentum von Scheitern in der Gesellschaft oder auch Fehler, sich mit Normen auseinanderzusetzen, ist etwas, würde ich sagen, ein bisschen weiter gefasst, was sich durchaus in seiner Arbeit durchzieht. Und ja, ich glaube schon, so wie du es auch beschrieben hast, ist Christoph Schlingensief ein Künstler gewesen, der mit seinen Produktionen oder Aktionen das Publikum oder den Zuschauer sehr in eine aktive Haltung eingeladen hat.
Und das denke ich sieht man eben auch an solchen Gedanken, dass du reflektierst oder als Zuschauer oder eben auch als Gesellschaft in Gänze dir die Gedanken machst über den Zusammenhang, in dem du bist. Mir ist jetzt in der Vorbereitung vor allem auch, als ich Wien gehört habe, ich habe mich mit Wien noch mal ein bisschen beschäftigt. Da haben Elke und ich auch im ersten Teil dieser Folge schon drüber gesprochen, und zwar über das Projekt, was er 2000 gemacht hat: „Ausländer raus!“, eine Art Big Brother-Format, wo Anrufer in ihren, sage ich jetzt mal in Anführungszeichen, Migranten abschieben konnten.
Die Reaktionen darauf waren damals sehr geteilt, zum Teil auch sehr entlarvend, muss man auch sagen, vor dem Hintergrund jetzt der aktuellen Migrationspolitik und auch der zunehmenden Polarisierung innerhalb der Gesellschaft. Glaubst du, wäre da so ein Werk heute noch möglich oder gerade erst recht? Ja, das weiß ich nicht. Also ich meine, was bei Christoph Schlingsief natürlich immer der Fall war, dass er sehr schnell reagiert hat auf Situationen, gerade auch politische Zustände, was in dem Moment natürlich akut war, also eine Regierungsbeteiligung.
Das erste Mal der FPÖ mit Jörg Haider damals war natürlich der Moment, wo Christoph direkt reagiert hat. Gleichzeitig eben dieses Big Brother-Format zu nutzen, was in der Zeit eben auch aufkam. Also Christoph war auch jemand, der war jetzt nicht nur der intellektuelle Künstler, der in einem, weiß ich nicht, Bereich sich aufgehalten hat, sondern sich auch sehr dem Mainstream oder Trash bedient hat. Und das eben in diesem Format der Container zusammengeführt hat, wo du dann wirklich täglich Personen abschieben konntest.
Also der Österreicher konnte aktiv abschieben, und das Ganze war eben mitunter permanenter Kamerabeobachtung, wie eben der Big Brother-Container. Und das Ganze, also auch ich spreche Big Brother in dem Moment, weil es aus der Zeit kam, direkt an, weil die Situation Jörg Haider, das erste Mal die FPÖ, das ist 2000, wie du gesagt hast, es ist jetzt 26 Jahre her. Es hat sich auch eine politische Verschiebung in nicht nur Österreich, sondern ganz Europa entwickelt, wo man sagen muss, das Akute, und das sieht man grundsätzlich in seiner Arbeit durchaus, ist jetzt ein anderer Fall.
Und wenn man sein Werk kennt, dann würde ich ihn auch als einen Künstler beschreiben, der in extremer Bewegung war. Also er war ein Künstler, der extrem auf eine Situation, auf eine Zeit, auf einen Zeitgeist oder eine gesellschaftliche, politische Situation zugegriffen hat, eben mit seiner Kunst. Und das hätte er, würde ich jetzt mal sagen, und ich kann das immer alles nicht wissen, ob er sich zur Ruhe gesetzt hätte, weiß ich auch nicht, kann ich mir nicht vorstellen, ich persönlich.
Aber ihn hat nicht losgelassen, als Künstler zu reagieren und eben auch ins Handeln zu gehen mit Kunst, eben auch übergreifend. Also da ist es ganz, ganz klar: eine übergreifende Kunstinstallation, eine politische Intervention, ein mediales Spektakel. Man darf da die Presse nicht rausnehmen. Die Kronzeitung hat eine große Rolle gespielt zu der Zeit. Und er hat natürlich in diesem, was ich sehr, sehr interessant fand, in der Gesellschaft einen Spiegel vorgehalten.
Also er war nicht in diesem Projekt quasi der Moralist, der gesagt hat: „Das darf man nicht“ und „so ist“, sondern der hat im Prinzip gespiegelt und hat auch schlicht und ergreifend aggressive Parolen von Boulevardpresse mit aufgenommen in sein Projekt. Also er hat in dem Moment sehr viel mit den Medien gespielt, mit der Gesellschaft umgegangen und hat, würde ich beschreiben, gespiegelt. Und um auf deine Frage zurückzukommen: Würde er das jetzt so noch machen bzw. würde das heute noch so gehen? Ich kann es nicht sagen, eben aus diesen Gründen, dass er extrem im Jetzt war und die Situation sich jetzt auch wiederholt hat.
Und er war jetzt nicht der Wiederholer seiner eigenen Arbeit. Also ich glaube, er hätte das jetzt nicht unbedingt wieder aus dem Kämmerlein geholt und noch mal gemacht. Du hast gerade auch so ein bisschen schon angesprochen, wie er gearbeitet hat. Also sehr, sehr in dem Moment verhaftet, sehr schnell darauf zu reagieren, was um ihn rum passiert. Ich frage mich gerade so ein bisschen, wie er das praktisch umgesetzt hat.
Weil um jetzt bei dem Beispiel zu bleiben, da sind ja auch sehr viele Akteure mit involviert gewesen, viele Menschen, die mitgemacht haben, dann dieser Container, der aufgebaut wurde und so weiter. Wie ist er an so eine Arbeit rangegangen? Also wie ging es los? Wie kann ich mir das vorstellen? Gab es eine Skizze und dann: „Okay, morgen suche ich mir die fünf Leute oder zehn, oder je nachdem wie viele es dann sind, die involviert sind zusammen, und wir machen das jetzt“? Oder wie war dieser Prozess dorthin?
Also es war natürlich ein Prozess, wie ganz viele Projekte in seinem Schaffen. Anfrage der Wiener Festwochen damals, etwas zu machen. Dann hat Christoph in Teams gearbeitet, also wo es Bühnenbild, Kamera, also verschiedenste Bereiche gab. Die Teams haben sich geändert. Es gab Menschen, die sehr lange mit ihm gearbeitet haben. Also da gab es auch eine feste, sozusagen künstlerische Familie oder eben eine bewegende. Dann gab es die Akteure. Dann kommen natürlich, wie im Theater, wie im Film, Aktionen viele Menschen hinzu. Das war jetzt nicht nur er.
Das ist das eine. Das andere ist, glaube ich, Christoph, man darf nicht vergessen, kam ursprünglich aus dem Film. Das ist natürlich ein Grund, wo man sieht, wie er gearbeitet hat, sehr genau, also im Sinne von Drehbücher geschrieben, Anträge gestellt. Christoph war jemand, der hat von kleinsten Moments alles selber gemacht, so Kamera selber gemacht oder alles selber auch gelernt oder hatte ein Wissen darum, wie eine Produktion aufzustellen ist. Und er hat mit acht, zwölf Jahren angefangen, künstlerisch tätig zu sein.
Und ich glaube, dieser Background von Wissen und er lernt, was eben die verschiedenen Bereiche in Produktion sind, hat ihm natürlich auch seine Arbeitsweise was hinzugetan. Mich interessiert immer, also die Akademie der Künstler hat ja einen großen Teil seines Nachlasses, was man im Archiv einsehen kann, zum Beispiel der Container. Also das Projekt „Bitte liebt Österreich“ sieht man da sehr genau, wie er sich vorbereitet hat, also im Inhaltlichen.
Das heißt, da gab es dann das Parteibuch, was er studiert hat, wie gesagt, mit Medien umgegangen, mit Brickbuzzer. Christoph war jemand, der war immer in Bewegung, der sich wie ein Schwamm, der alles sehr aufgenommen hat. Da hat jemand wie Friede Jelinek teilgenommen, Texte geschrieben, und gibt es natürlich auch einen Austausch mit ihr. Also er hat sich auch gerne mit anderen KünstlerInnen oder SchriftstellerInnen in dem Moment auseinandergesetzt, ist Gespräch gegangen, einen inhaltlichen Diskurs geführt und war jemand, der, würde ich sagen, schon sehr aufgesogen hat.
Und ich glaube, so diese Kombination in allem. Und natürlich ist klassisch ein Film machen, obwohl ich ihn jetzt nicht als den klassischen Filmemacher beschreiben würde, ist nochmal ein anderes Vorgehen als das „Bitte liebt Österreich“-Projekt. Trotzdem gibt es eben verschiedenste Punkte, die ähnlich waren oder wo man sagen kann, das hat was miteinander zu tun, wie er gearbeitet hat.
Du hast gerade schon angesprochen, seinen Nachlass. Wir haben ja am Anfang schon die zwei Ausstellungen im Moor gehabt. Wie ist es jetzt eigentlich, sein Werk in der Kunstszene oder Kunstwelt zu platzieren, zu arbeiten daran, Ausstellungen zu machen? Kommen da die Orte auf dich zu? Gehst du auf die Ausstellungshäuser zu? Wie funktioniert das?
Es ist natürlich unterschiedlich. Gropius Bau, der Gropius Bau, war ich schon relativ lange im Gespräch. Dann kam jetzt das Mark hinzu. Die sind dann wiederum mit den Wiener Festwochen auf mich zugekommen. Ich habe im letzten Jahr der Nationalgalerie eine Arbeit geschenkt aus dem Nachlass, damit sie in die Sammlung übergeht. Da habe ich mit der Filmgalerie 451 wo der filmische Nachlass liegt, zusammen einen Raum gebaut, um diese Arbeit etwas in den Kontext zu setzen.
Was bei ihm natürlich auch immer ganz gut ist, dass man dafür ein Gefühl vieler Arbeiten kennt. Man kennt man aber auch nicht. Es ist ein sehr vielfältiges und großes Werk oder eben großer Nachlass. Ich würde schon sagen, Christoph Schling sie war zu Lebzeiten schon einer der kontrovers diskutierten Künstler-Persönlichkeiten im deutschsprachigen Raum. Das ist auch spürbar im Nachhinein mit dem Nachlass. Es gibt dann schon auch noch die Momente, wie man ihn darf. Darf man das, darf man das nicht? Ist das extrem?
Es ist schon interessant, zu sehen, wie viel immer noch auch innerhalb einer Ausstellung dann ein Außen, was, wer hat, wie ich, und dieser Künstler immer noch auch in Ausstellungen bzw. in der Öffentlichkeit oder in Reaktionen besprochen wird oder aufgenommen wird. Wo man das Gefühl hat, da ist diese Persönlichkeit immer noch irgendwie in der Wahrnehmung sehr spürbar.
Wie würdest du vielleicht daran nochmal kurz anschließend, wie würdest du sein Verhältnis zur Kunstszene bezeichnen? Du hast gesagt, er kommt ja vor allem aus dem Film, hat auch Theater gemacht, noch ganz viele andere Sachen. Vor allem auch, was ich interessant finde, da steckt ja auch immer eine Medienkritik drin oder..
Häufig, zumindest jetzt im Beispiel von den Containern, wie würdest du dieses Verhältnis zur Kunstszene, die sich ja gerne auch als so einen sehr abgesteckten Raum nicht bezeichnet, aber empfindet, sage ich mal so?
Na, ich würde schon sagen, dass Christoph Schlingensief Gattungsgrenzen und Kategorien gesprengt hat. Also, es war ja ein Künstler, der übergreifend gearbeitet hat. Das, was ich angesprochen habe, ist aus dem Film kommend. Also Filmemacher, politischer Aktionist, Theatermacher, Opernregisseur. Er stand auf der Bühne, sowie hinter der Bühne, hat aber eben genauso – und ich glaube, das ist eben auch wichtig zu sehen – sehr, also 2003 mit der Church of Fear. Das ist in der Ausstellung auch so ein bisschen der Knotenpunkt oder Ausgangspunkt mit der Kirche.
Also ein Objekt, wirklich. Da war er in Venedig zur Biennale 2003 und ist in dem Moment natürlich auch noch mal anders in den Kunstmarkt, anders in der mehr als der deutschsprachige Raum in der Kunstszene bekannt geworden. Also die Church of Fear stand direkt in den – beziehungsweise die war in den Arsenale und direkt in den Giardini. Eingang waren die Pfeilsitzer. Da gab es auch die Frage von Hauser und Wirth, dass er in die Galerie kommt.
Also es gab da natürlich einen ganz konkreten Kontakt und beziehungsweise das mit der Kunstszene in dem Sinne umgehen. Er hat zwar schon vorher, war in Kassel, Dokumenta. Da hat er 1999 im PS1 an einer Gruppenausstellung teilgenommen, eben Deutschland suche, wo ich einen Film der Nationalgalerie gegeben habe.
Also es gab natürlich mehr als die Berlin Biennale Ende der 90er. Also es gab auf jeden Fall Kontaktpunkte zur Kunstszene in dem Sinne und auch Theater, was im Prinzip mit den 90ern, also 93 mit der Volksbühne begann. Hat sich bei ihm so dieses Aus dem Film kommend, weil er sich ja immer als ganz klar auch Filmemacher beschrieben hat, hat sich natürlich irgendwie total breit ausgestellt.
Und ich würde nicht sagen, dass da jetzt irgendwie Hauptsache in die Bildende Kunst oder dieses Denken von diesen Kategorien oder in welche Szene bewege ich mich, habe ich nicht wahrgenommen, dass das jetzt so stattgefunden hat, sondern es waren verschiedene Plattformen, die er für sich genutzt hat, seine Kunst letzten Endes halt zu realisieren und letzten Endes auch irgendwie zu gucken, wie sprengt man diesen Körper, wie geht man von da aus weiter, was sind die nächsten Möglichkeiten, wo bekomme ich vielleicht auch einen größeren Raum, wo werde ich vielleicht irgendwie auch breiter gehört oder wahrgenommen.
Ich glaube, da gab es jetzt gar nicht mit dieser Intensität und Überforderung, die er gearbeitet hat. Hat er genauso in der einen wie in der anderen Kategorie funktioniert und hat sich immer mit den Grenzen auch von Institutionen auseinandergesetzt. Und ich würde auch sagen, durchaus gesprengt.
Und da würde ich jetzt keinen Unterschied zwischen Theater oder Kunstszene sehen. Es gab immer das Reflektieren. Die Kritik letzten Endes ist das ein Teil der Gesellschaft von Institutionen, ein Auskommen. Und ich glaube, der Punkt, dass Kunst eben nicht nur für einen bestimmten Teil der Gesellschaft sein sollte, sondern in der Realität stattfinden muss oder beziehungsweise die Gesellschaft erreichen muss, ist ein zentraler Punkt.
Operndorf in Burkina Faso
Ob das im Theater oder ob das in der Bildung und Kunst war. Kunst in der Realität, hast du gerade gesagt, ist ein mini kleiner gedanklicher Sprung, aber ich glaube, doch ganz gut anknüpfend daran, nämlich das Operndorf in Burkina Faso. Dort gibt es, oder also 2009 gegründet, ab 2010, wenn ich es richtig verstanden habe, habt ihr angefangen zu bauen. Eine Schule, eine Krankenstation sind dort entstanden und einer der Leitsätze ist: „Hier von Afrika lernen.“
Was habt ihr bisher gelernt, beziehungsweise auch an das, was du gerade gesagt hattest, anknüpfend? Wie ist dort Kunst in den Alltag oder künstlerische Auseinandersetzung eingeflossen oder fließt ein bis heute? Ich meine, das Operndorf Afrika ist ein Projekt, was er, wie du gesagt hast, 2009 gegründet hat. Der Grundstein wurde im Februar 2010 gelegt und im August 2010 ist er schon gestorben.
Das heißt, das, was dort seither entstanden ist, hat er nicht mehr mitbekommen. Das Operndorf ist aber auch ein Projekt, wo Christoph selber gesagt hat, da geht es nicht um mich. Es geht darum, dass Menschen aus dem afrikanischen Raum in den Vordergrund treten oder anders wahrgenommen werden müssen, zum Beispiel.
Und da kommt natürlich ganz klar eine Kritik von Entwicklungshilfe oder auch Zusammenarbeit mit der Kolonialgeschichte. Christoph war ein Künstler, der nicht nur im Jetzt agiert hat, sondern sich natürlich auch immer sehr mit der Geschichte, ob das jetzt Glaubensfragen oder politische Geschichte einer Gesellschaft, eines Landes, auseinandergesetzt hat, was natürlich bei dem Operndorf auch ein ganz, ganz zentraler Punkt ist.
Wo man dann auch hinkommt, von Afrika lernen, dass sich bestimmte Dinge verschieben oder die Kritik, dass der sehr einseitigen Wahrnehmung Kunst im afrikanischen Raum den gleichen Wert zuschreibt wie im europäischen Raum. Das Operndorf ist im Prinzip ein Projekt, wo man sagen muss, das würde ich rausnehmen oder anders betrachten als den Nachlass.
Trotzdem ist in seiner Arbeit grundsätzlich oder in seinem Werk die sehr frühe Auseinandersetzung mit Ausländerfeindlichkeit, Migrationsfragen, rechtsradikalen Tendenzen in unserer Gesellschaft also grundsätzlich auch gesellschaftliche Konflikte. Was sind Normen, was sind Zuschreibungen? Ja, würde ich schon sagen, ganz, ganz zentral oder wichtig in seiner Arbeit.
Und was heute erschreckend präzise ist und erschreckend seiner Zeit voraus. Und da kann man das Operndorf letzten Endes thematisch auch mit reinnehmen. Also, was ist die Wertung? Wie betrachtet man den afrikanischen Kontinent? Man darf nie vergessen, Christoph war kein Politiker, sondern er war Künstler.
Wenn man das jetzt allumfassend benennen würde, auch wenn er eine Partei mal hatte. Aber da ist das Operndorf sicherlich ein Projekt, wo viele seiner Charakterzüge, nennen wir es mal so, in seiner Arbeit genauso mit reinkommen. Aber schon auch ein unabhängiges Projekt ist, was kein Teil des Nachlasses in dem Sinne ist und was auch von ihm gewollt als eigenständiges Projekt weiterläuft, im Sinne, dass es nicht um ihn ging, sondern dass es um die KünstlerInnen im afrikanischen Raum geht, die dann in dem Sinne, sagen wir mal, praktisch umgesetzt auch Residenzen im Operndorf machen.
Also 2015 habe ich Residenzen ins Leben gerufen, die sich auch über die Jahre entwickeln, wo es darum geht, dass KünstlerInnen in den Austausch gehen, eine Zeit im Operndorf sind. Wir haben immer versucht, Vereine aus dem Umfeld, Menschen, KünstlerInnen einzubeziehen, die um das Operndorf entweder direkt angesiedelt sind, im Sinne von kleinen Nähereien oder dann eben auch politisch, in dem Sinne, was mediale Überlegungen, also sowas wie Radio und politisch versuchend, unabhängige KünstlerInnen einzubeziehen und zu stärken.
Die Grundform ist immer die Auseinandersetzung, dass ein KünstlerInnen aus dem afrikanischen Raum im Operndorf ist und zeitgleich jemand aus dem nicht-afrikanischen Raum. Und dort auch eine Begegnung stattfindet, ein Interesse füreinander, für das Land, für die Menschen, für die Kunst im Sinne des Aufeinandertreffens.
Das ist aber, wenn man so will, meine Überlegung oder unsere Überlegung nach Christophs Tod und der Versuch – und das kommt natürlich aus einem Arbeiten von ihm oder von Gedanken von ihm – wie relevant ist die Kunst in der Realität beziehungsweise Bildung?
Ein anderes großes Stichwort im Operndorf. Wir haben angefangen mit dem Bau, was er eben, wie gesagt, alles nicht mehr mitbekommen hat, eine Schule zu bauen, selbst wenn er das überlegt hatte und auch geplant hatte. Und ich mich ganz am Anfang auch versucht habe, sehr klar daran zu halten, in dem Sinne, was wollte er, was setzt man um.
Aber auch zum Beispiel sehr schnell gelernt habe, es geht ja nicht um ihn. Also so, wie er gesagt hat, wann was – also er hat jetzt auch zum Beispiel keinen Zeitplan gemacht oder so. Aber es geht darum, was ist der Bedarf der Menschen vor Ort. Und der ist sicherlich ein anderer als der, zum einen von Christoph Schlingensief und zum anderen von dem, was er vor, ja, jetzt schon 16 Jahren mal überlegt hat.
Denn nicht nur er war ein, sagen wir mal, sehr beweglicher Künstler, auch die Gesellschaft ist es und auch in dem Moment das Projekt ist es. Und das ist, glaube ich, etwas, das man dann auch über die Jahre gemerkt hat. Wichtig ist, es geht auch in dem Sinne weiterführend nicht um mich, sondern da geht es wirklich darum, zu schauen, was findet vor Ort statt und wie reagiert man miteinander auf etwas, was vor Ort geschieht.
Und Burkina Faso hat sich in den gerade auch letzten Jahren extrem auch politisch verändert. Und natürlich geht man mit solchen Dingen eben genauso um. Und das ist etwas, würde ich sagen, was das Operndorf extrem ausmacht und für mich ein ganz, ganz wichtiger – also für mich persönlich sicherlich, aber auch für unser Team – etwas ist, wo man extrem viel lernt, mit Dingen umzugehen, die man lernt in der Auseinandersetzung und im Austausch, vor allen Dingen.
Also das Zuhören ist ein ganz wichtiger Punkt, ist, glaube ich, etwas, was wir eigentlich alle können, aber vielleicht ein bisschen verlernt haben. Und schlicht und ergreifend, dass man aus einem Bewertungssystem kommt. Mein Background ist ein deutscher Background, Ruhrgebiet, was auch immer. Und so betrachte ich natürlich auch Dinge.
Und das permanente sich hinterfragen oder zumindest versuchen, sich immer wieder auch auf den Prüfstand zu setzen, ist etwas, wo ich persönlich sagen würde, hat mich das Projekt sehr gelehrt. Immer wieder auch zu reflektieren, wo bin ich, woher komme ich und mich auf ein Gegenüber einzulassen.
Und ich glaube schon, dass das für unsere Gesellschaft oder für solche Projekte extrem wichtig ist, wenn wir über Migrationsdebatten sprechen. Wir haben Landtagswahlen vor der Tür. AfD ist ein großes Thema, wo man wirklich merkt, das ist etwas, damit gehe auch ich anders als jetzt vor 16 Jahren hier in meinem Umfeld durch die Welt.
Weil ich merke, das hat was miteinander mit mir gemacht, so ein Projekt. Und das ist natürlich auch die große Hoffnung, dass das etwas ist, was man mitgeben kann, dieses Voneinander Lernen als einen ganz, ganz großen, wichtigen Wert.
Und das würde ich gerade sagen, gerade jetzt in dieser Gesellschaft, in der wir leben, dass das etwas ist, wo es sich wahnsinnig lohnt, für zu kämpfen. Nicht nur einander zuzuhören, sondern auch respektvoll miteinander umzugehen und den Wert in einer gleichwertigen, ja, sich zu verteidigen.
Das sagt Aino Laberenz. Vielen, vielen lieben Dank dir für dieses Gespräch. Danke dir. Warum Christoph Schlingensief vielleicht gerade heute besonders spannend sein könnte, darum ging es in dieser Folge.
Alle Infos zu den beiden Ausstellungen in Wien und in Berlin, die findet ihr auch noch mal in den Shownotes dieser Folge. Und wie immer, wenn euch gefällt, was wir hier machen, sagt gerne weiter, teilt diesen Podcast, liked ihn oder lasst ein paar Sterne da.
Mein Name ist Sarah Marie Plekat. Vielen Dank euch fürs Zuhören. Tschüss und bis zum nächsten Mal. Kunst und Leben, der Monopol Podcast von detektor.fm.