Endlich! Der Frühling ist da. Und wie könnte man den nicht besser feiern als mit Kunst? Am ersten Mai-Wochenende öffnen, wie jedes Jahr, anlässlich des Gallery Weekends zahlreiche Berliner Galerien ihre Türen und zeigen, woran ihre KünstlerInnen in den vergangenen Monaten gearbeitet haben. Also, wer eintauchen will in diesen reichen Fundus an zeitgenössischer Kunst, der sollte jetzt schleunigst das Telefon zur Seite legen und die Ohren spitzen. Denn in dieser Folge wollen wir euch einen kleinen Vorgeschmack geben auf ein wirklich vollgepacktes Kunstwochenende.
Mein Name ist Sarah Marie Plekat. Hallo! Das Gallery Weekend in Berlin steht vor der Tür. Am kommenden Wochenende, genauer vom 1. bis 3. Mai, zeigen 50 Berliner Galerien, woran ihre KünstlerInnen gearbeitet haben. Elke Buhr und Silke Hohmann vom Monopol Magazin sind schon bestens vorbereitet, denn sie haben sich durch die Programme gearbeitet und im Vorfeld jetzt auch mit einigen KünstlerInnen schon gesprochen. Erstmal hallo, ihr beiden! Hallo! Hallo, Sarah!
Berlin hat eine wirklich große und renommierte Galerienszene. Auch wenn man es wirklich gut plant und durchtaktet, ein einzelnes Wochenende wird da definitiv nicht ausreichen, um sich wirklich alles anzuschauen. Deswegen schon mal vorab Entwarnung: Alle Ausstellungen, über die wir hier dann sprechen werden, in dieser Folge laufen danach noch ein bisschen weiter. Trotzdem wollen wir ein paar Highlights rauspicken. Elke, Silke, worauf freut ihr euch denn am meisten?
Huch! Das ist immer der Moment, da muss man jetzt damit rausrücken. Naja, am meisten freue ich mich natürlich überhaupt auf diesen Prozess des Rumgondelns in der Stadt. Aber wenn ich mir jetzt die Ausstellungen so angucke, wo ich auf jeden Fall vorbei möchte, das sind ganz unterschiedliche. Also, zum Beispiel gibt es in der Konrad Fischer Galerie Daniel Buren. Das ist so ein Altmeister der Kunst, der auch im öffentlichen Raum malt, immer so Streifen. Die Galerie Konrad Fischer ist ein total interessantes Gebäude und ich bin total gespannt, wie das dann aussieht, was er da drin macht, drinnen und draußen. Die haben auch so große Bandgemälde von Lawrence Riener und so. Also ich bin sehr gespannt, wie das sich dann kombiniert. Das ist so ein Klassiker.
Und auf der anderen Seite eher so sehr mobil und jung und ungewöhnlich wird sicherlich Monty Richthofen bei der Galerie Dietrich und Schlechttriem. Der ist nämlich nicht bei dieser Galerie, sondern der bespielt ein Auto. Also das ist so ein Tätowierungskünstler, also der hat so mit Tattoos angefangen, macht so Schriftarbeiten, der sprüht ganz viel, macht so einzelne Worte, ist so ein ganz cooler, ephemerer Typ. Und der lässt halt so ein Auto durch die Gegend fahren und das wird dann an unterschiedlichen Stationen stehen und dann wird man gucken, ob man das erwischt. Und darf ich noch einen? Einen habe ich noch. Also, wo ich auch total gespannt drauf bin, ist Candice Breits bei KOW. Also Candice Breits ist ja eine sehr, sehr streitbare Künstlerin, mit der wir in den letzten Jahren ja auch viel gesprochen haben und viel über sie berichtet haben. Und die hat ja aber leider vor allen Dingen dadurch Schlagzeilen gemacht, dass sie sich gestritten hat um den ganzen Antisemitismuskomplex. Sie ist eine jüdische Künstlerin aus Südafrika und hat da sehr, sehr explizit immer ihre Meinung gesagt. Und jetzt ist es Zeit mal wieder für eine Kunstausstellung und die heißt Hot Potato. Und man kann sich schon vorstellen, dass es darum geht, dass manche Leute fallen gelassen werden. Und sie verkleidet sich, glaube ich, aber auch als Bär, also als Berliner Bär, und wird dann im Fenster der Galerie performen. Also da bin ich auch sehr gespannt drauf.
Okay, wow, sehr vielfältig! Auf jeden Fall. Mein erster Gedanke war, okay, bei den Energiepreisen mit einem Auto, aber vielleicht ist da ein E-Wagen. Bestimmt! Silke, worauf freust du dich?
Also ich bin ziemlich neugierig auf Heimo Zobelnick, einen legendären Wiener, der schon überall ausgestellt hat: Viennale, von Venedig, Dokumenta darauf und drunter, ist in internationalen Sammlungen in New York und so weiter. Seine Kunst springt eigentlich sofort so an, denn er gehört zu einer Generation, an die eigentlich versucht hat, das Kunstmachen so in diesem ganzen genialischen Gestes und so ziemlich zu vermeiden. Bei ihm geht es dann eher so in die Richtung, wie viel Skulptur steckt eigentlich in einem Billigregal? Seine Galerie Nageldraxler ist genau neben der Berliner Volksbühne, wo ja auch Heiner Müller früher war. Und er hat 1977, glaube ich, das Theaterstück Hamlet Maschine verfasst und herausgebracht und war Intendant eben an der Volksbühne. Und Heimo Zobelnick beschäftigt sich sowohl mit Hamlet als auch mit dem Jahr 1977, in dem auch Ikea erstmals in Österreich landete. Also es wird, glaube ich, ein ziemlich komplexes Universum, das sich, glaube ich, lohnt sich mal anzugucken und zu entschlüsseln.
Dann freue ich mich auf Jorinde Vogt, eine Künstlerin, die wir auch schon ganz lang begleiten, die sehr präzise arbeitet, so eher so Notate früher gemacht hat mit einem schwarzen Stift, einfach so die Realität versucht hat festzuhalten in handschriftlichen und gezeichneten Zustandsbeschreibungen auf so eine fast schon buchhalterische Art. Irgendwann ist sie dann so freier geworden, ist in die Farbe gegangen, hat gemalt und jetzt macht sie so Himmelsgemälde, die einerseits total poetisch sind, andererseits aber ist bei Jorinde Vogt immer auch wirklich eine ganz genaue Bemessung dieses Blautons und so weiter. Also sie nimmt das alles sehr ernst und versucht, die Realität so ganz präzise eigentlich einzufangen.
Bei Barbara Wien ist die legendäre österreichische Künstlerin und ehemalige Gastwirtin Ingrid Wiener. Sie war früher, hat sie das Berliner Restaurant Exil gemacht, zwar super wichtig für Künstler, aber in einem Berlin vor unserer aller Zeit. Und sie hat schon immer Gubelhans gemacht, Wandteppiche, und die zeigt sie jetzt. Sie ist jetzt 83 und sie hat eine Menge erlebt und zeigt auch. Es wird auch einen Film laufen, den ihr Mann aus Bad Wiener, der 2021 gestorben ist, gemacht hat über ihre Liebe zum Weben und zum Teppichknüpfen. Also ich denke, das wird auch ziemlich schön und interessant.
Und dann vielleicht noch einen Tipp von jemand, der erst neu ist in der Ausstellungswelt in der Galerienszene in Berlin, und zwar bei Anton Janicewski. Erste Einzelausstellung von Yi Yun Chung, hat am Städel studiert und ist 1990 in Seoul geboren. Eine Künstlerin, die Objekte macht, sich mit Zeichenwelten auseinandersetzt, unter anderem mit Kruzifixen und sowas. Aber sie hat offenbar auch eigens die Fenster der Galerie mit Fingerabdrücken verpatscht, was ich einen ganz schönen Begriff von Malerei finde. Vor allem vor dem Hintergrund so Frühjahrsputz und alles kommt raus und jetzt wird quasi der Blick nochmal ganz anders auf Finger und Hände gerichtet. Sehr, sehr spannend klingt das auf jeden Fall! Auch sehr unterschiedliche Herangehensweisen, Themen sowieso und Materialitäten.
Es machen nicht nur Galerien mit. Eigentlich, Gallery Weekend würde man ja meinen, nur Galerien. Es machen auch große Museen mit, unter anderem auch die neue Nationalgalerie, die eine ganz besondere Art von Hund ausstellt, nämlich mit der immersiven Installation Regular Animals. Da hat der US-amerikanische Künstler Biepel Roboterhunde mit menschlichen Köpfen geschaffen. Und die haben dann Gesichter wie zum Beispiel von Elon Musk, Mark Zuckerberg, Picasso oder auch sein eigenes. Was ist das für ein Rudel, was da zusammenkommt? Was soll das? Ja, was soll das? Das haben sich viele gefragt, als Biepel damit zum ersten Mal an die Öffentlichkeit getreten ist. Ich finde es auch einen interessanten Move von der neuen Nationalgalerie, dass die den jetzt zeigen. Also es ist halt schon so, dass Gallery Weekend ist ja einfach das wichtigste Kunstwochenende, nicht nur für den Kunstmarkt, sondern auch so für die Szene in Berlin. Und da versuchen auch drumherum alle möglichen, was Interessantes zu machen. Also im Hamburger Bahnhof zum Beispiel gibt es auch Talks, in der neuen Nationalgalerie gibt es Talks und so. Es gibt überall Events. Aber die neue Nationalgalerie hat sich wirklich dann wieder was ganz Besonderes überlegt. Also diese Hunde von Biepel oder erst mal so, wer ist eigentlich Biepel? Also Biepel heißt Maike Winkelmann in Wirklichkeit und ist ein Künstler, der bekannt wurde, dass er so das teuerste NFT aller Zeiten verkauft hat. Das ist jetzt schon ein paar Jahre her. Und ja, also irgendwie, man konnte den zunächst mal eigentlich gar nicht so richtig als Künstler ernst nehmen. Der ist halt eher so was wie ein satirischer Grafikdesigner oder so. Also der macht halt jeden Tag so Bilder, wo er so täglich was und den täglichen Müll, den der Algorithmus einem so zuspült, reflektiert und aber auch teilweise reproduziert. Also das heißt, dass da auch der ganze Müll einem so entgegen guckt und das ist ganz schön anstrengend. Und er hat halt jetzt auf der letzten Art Basel in Miami diese Hunde gezeigt. Und das sind halt so kleine Roboter, die so Rudel bilden und so rumrennen und die wirklich sofort viral gingen. Und die haben Gesichter von zum einen wichtigen Künstlern also nicht Künstlerinnen, sondern Künstlern des 20. Jahrhunderts: Picasso, Warhol. Und es sind die Gesichter von den großen Tech Bros unserer Zeit, also Zuckerberg, oder Musk oder so. Und dann ist er auch selber noch in einem Selbstporträt und läuft darum. Und er hat in einem Interview mit unserer Autorin Anne Kathrin Kohut ganz gut erklärt, was er damit eigentlich will. Und ich schaue in der Vergangenheit, wie wir das Weltbild von Künstlern geschafft haben. Es wurde von Leuten wie Picasso geschafft, wie er getestet hat, wie wir das Weltbild gesehen haben. Wie Warhol Kunstarbeit gemacht hat, das hat geändert, wie wir die Künstler und Popkultur gesehen haben. Jetzt, wie wir das Weltbild sehen, wird es von diesen Tech Billionären Elon Musk und Mark Zuckerberg geschafft, die diese Algorithmen kontrollieren, die entscheiden, was wir sehen und was wir nicht sehen. Es ist als ob Elon plötzlich gesagt hätte, dass er nichts von dem sehen möchte, was in Iran passiert. Sie könnten einfach einen Schalter drücken und man würde viel weniger von Iran sehen. Das ist ein enormer Anteil an Macht, die wir bis jetzt nicht wirklich vollständig wahrgenommen haben. Er sagt halt, ja, ja, früher hat man die Welt durch die Augen der Künstler gesehen und jetzt sieht man sie eben durch dieser Tech Billionäre. Ich weiß gar nicht, ob das so stimmt. Ich finde diesen Vergleich schon ein bisschen absurd. Picasso hat vielleicht den Blick auf die Kunst verändert, aber er hat ja nicht einer ganzen Welt den Algorithmus vorgegeben. Ich glaube, das hinkt in verschiedenen Weisen. Aber zu sagen, also diese Gegenwartsdiagnose, wir rennen jetzt hier diesen Algorithmen hinterher und was bedeutet das eigentlich? Da hat er natürlich definitiv einen Punkt.
Das heißt, es ist jetzt eigentlich so eine vielleicht auch Aufforderung zu einem mehr kritischeren Blick auf Social Media oder was steckt noch dahinter. Silke, was sind deine Gedanken? Das glaube ich überhaupt nicht. Ich glaube, dass diese Hündchen eigentlich genau den Algorithmus auch bedienen wollen. Und das wird auch mitgedacht. Ich glaube, der Trick, sich mit Warhol und Picasso und so anzulegen oder sozusagen die mit ins Gespräch reinzubringen, ist ja so ein relativ guter Trick, eigentlich um sich auch selber auf so ein Level zu heben. Also, so wie Josef Beuys ja auch gesagt hat, das Schweigen von Marcel Duchamp wird überbewertet und schon ist Beuys in einem Atemzug mit Duchamp oder Andy Warhol hat Leonardos Abendmahl nachgemalt. Also das ist so ein relativ einfacher Trick in der Kunst, sich irgendwie so ins Gespräch zu bringen. Ich glaube, das Biepel, der ja mit seinem NFT so berühmt wurde, das hat alle sehr überrascht und vor allen Dingen glaube ich, auch ihn selber. Und ich finde, also ich bilde mir eigentlich mehrgemäß eine Überraschung darüber auch immer noch an, auch in seiner Kunst. Diese Schoßhündchen jedenfalls, die betteln mir so ein bisschen zu sehr um Aufmerksamkeit auf Social Media. Die werden sie aber auch bekommen, ganz sicher.
Biepel, so was mache ich hier? Ich fand das auch ganz interessant in dem Interview, was die Anne Kathrin Coet mit ihm geführt hat. Da fragt sie ihn natürlich auch zu seinem Verhältnis zur Kunstgeschichte und da sagt er halt, naja, früher, also am Anfang, als er anfing in die Kunstwelt zu kommen, hat er wirklich totalen Abstand gehalten, weil er irgendwie Angst hatte, er lässt sich dann davon korrumpieren. Und ich glaube, er hatte auch einfach Angst vor der Kunstwelt, weil die ist dann er fand sich, glaube ich, nicht der Gewachsen. Und dann hat er aber Mut gefasst in den Jahren, die er jetzt so ein bisschen umarmt wurde, auch von der klassischen Kunstwelt und hat sich jetzt schon damit auseinandergesetzt. Und ich würde sagen, das ist schon ein Schritt nach vorne, also dass er zumindest verstanden hat, dass er immer erst mal nachgucken muss, was haben eigentlich die Großen auch der Medienkunst vor mir gemacht, bevor er dann irgendwie aus Versehen irgendwas Epigonales dahin legt. Und die Nationalgalerie versucht natürlich auch, das zu kontextualisieren, indem sie ihn in Austausch mit Werken von Nam June Paik zeigt, also wirklich dem Großen der Videokunst des 20. Jahrhunderts. Und die sehr geschätzte Kuratorin Karolin Christoph Bacarger wird eingeflogen für einen Talk mit Biepel und wird das uns dann alles erklären. Und dann, Silke, können wir nochmal gucken, ob wir dann jetzt den Hagen dahinter machen hinter Biepel oder ob wir weiterhin sagen, der soll mit seinen Hunden irgendwo anders spazieren gehen. Nö, der soll da ruhig spazieren gehen, aber ich glaube, er weiß auch selber, dass er nicht der Vordenker ist, für den ihn jetzt so viele halten. Also wie gesagt, die Schusshündchen sehen auch so ein bisschen aus wie so Nackthunde irgendwie oder? Ja, die sehen schon richtig eklig aus. Ich glaube, das ist mega creepy. Also die laufen einem doch auch so hinterher oder so. Also ich bin schon auch neugierig zu gucken, wie das funktioniert, aber das ist halt auch die Frage, ist das eigentlich mehr als nur der Effekt?
Naja, also ich meine, die Tatsache, dass wir jetzt schon ein paar Minuten drüber reden, hat ja gezeigt, dass er zumindest das geschafft hat. Und ich meine, vielleicht ist es ja auch das, könnte man jetzt der Neuen Nationalgalerie auch unterstellen, Menschen ins Museum zu bekommen, die vielleicht vorher noch nicht da waren. Und eben durch solche Projektionen oder einfach Ausstellungen da anderes Publikum nochmal anzusprechen. Mal gucken, ob der Coup so aufgeht. Ich glaube schon! Total, ich glaube auch. Ich glaube, wenn man erst mal vor so einem Wesengeschöpfmaschinenchen da steht, dann guckt man natürlich total neugierig, was macht es jetzt, wo läuft es hin, was hat es für Haare? Was hat es für Haare? Genau! Und ich muss auch noch sagen, wo er wirklich recht hat, er hat halt gesagt, über Kunst unterhalten sich nur Leute aus der Kunstwelt. Über Technologie spricht jeder. Und das müssen wir auch zugeben. Ich meine, wir sind halt immer so ganz zufrieden, wenn wir uns halt so schön über unsere Kunst unterhalten können, weil wir uns da so gut auskennen und so. Aber hey, es gibt halt da draußen große Themen und die wollen auch besprochen werden.
Ein anderes großes Thema hat sich die litauische Künstlerin und Komponistin Lina Lapulité vorgenommen. Du hast den Hamburger Bahnhof schon angesprochen, Elke. Und zwar findet jetzt im Rahmen der Chanel Commission eine zweite Ausstellung statt, nach Clara Hosnedlovar, die dort ausgestellt hat in der Historischen Halle. Und zwar hat Lina Lapulité eine Installation gemacht: We Make Years Out of Hours, in der sie eine riesige Baustelle kreiert hat, mitten in der Hauptstadt. Silke, ist das jetzt mehr als eine wirklich subtile Anspielung oder was hat sie dort vor mit den ganzen Bauklötzen, die sie dorthin schaffen hat lassen? Auf die Dauerbaustelle Berlin meinst du als Anspielung? Ich glaube eher, dass es was sehr Produktives und was sehr Gemeinschaftsstiftendes ist, was sie da vorhat. Und ich bin auch sehr sicher, dass das gelingt. Im Hamburger Bahnhof gibt es ja diese wunderschöne große alte Halle und die wird komplett ausgekleidet der Fußboden mit 400.000, ich glaube, würfelförmigen Holzstücken. Also größeren Holzwürfeln, die einerseits den Boden bilden, aber dann auch da sozusagen lose herumliegen und darauf warten, irgendwie bespielt zu werden, bebaut zu werden. Das hat den Charakter von einem sehr stilsicheren, sehr gut ausgeführten, aber dennoch wirklich Spielplatz oder eine Anregung, gemeinsam was zu schaffen. Die Künstlerin ist bekannt dafür, dass sie kooperative Werke oft auch mit Laien macht. Sie lässt Kinder singen zum Beispiel und es geht auch immer darum, dass man eben die Kunst so ein bisschen ins Machbare und auch ins Machen reinholt. Und worauf es ihr dabei ankommt, ist ein Raum für das Miteinander zu schaffen, sagt sie, und nicht irgendwie ein Ziel vorzugeben. Da soll jetzt irgendwas Bestimmtes draus werden, sondern erstmal überhaupt die Offenheit herzustellen, dass so ein Raum entstehen kann, in dem Menschen einfach gemeinsam anpacken oder auch alleine oder wie sie wollen oder brauchen, um diesen Raum da einfach für die Laufzeit immer wieder umzugestalten. Ich glaube, das ist auch was, das man überhaupt nicht erklären muss, wenn man da mal drin steht.
Ich glaube, was ich auch gelesen habe, ist, dass sie Laiendarstellerinnen angesprochen hat, dort auch eine Performance zu machen, richtig? Also das passt auf jeden Fall zu ihrem ganzen künstlerischen Ansatz. Genau, sie ist auch Komponistin und es gibt halt diese Sänger und Sängerinnen und die Lieder, die sie singen, also die Texte davon, das sind Gedichte. Also sie hat Gedichte und diese Gedichte über diese Gedichte kommen dann auch ein bisschen politische Inhalte mit rein. Also da geht es auch um Krieg, um Leid und Trauer und so. Aber zunächst mal ist es alles total offen. Also es geht auch um so etwas wie Unsicherheit aushalten und es geht auch darum, dass man gemeinsam besser bauen kann. Und La Pedite hat ja vor ein paar Jahren mal den Goldenen Löwen in Venedig gewonnen mit so einer Oper, die vom Klimawandel handelte. Und das weiß ich noch, wie wir damals irgendwie fast eher zufällig in diese Installation reingestolpert sind, die halt irgendwo außerhalb war. Und dann war da auf einmal so ein Sandstrand und da waren dann so Sänger in Badehose und haben dann irgendwie vom Klimawandel gesungen. Und das war wie so ein Instant Hit. Also das war so erstaunlich und ungewöhnlich und auch so im Kunstbetrieb halt ungesehen, also dass die halt wirklich so eine Oper gemacht hat. Und ich finde das wirklich schön, dass die Chanel Commission jetzt zum zweiten Mal auch wirklich eine relativ junge Künstlerin mit einem wirklich experimentellen Ansatz da rein holt in diese große Halle. Aber gleichzeitig mit etwas, was, glaube ich, sehr, sehr anschlussfähig ist. Und wie Silke auch gesagt hat, wo man drinstehen wird und dann wird man es verstehen und man wird Spaß haben. Also hoffe ich. Also für jeden potenziell was dabei an diesem wunderschönen Wochenende.
Kommenden Freitag geht es los. Vom 1. bis 3. Mai findet das Gallery Weekend in Berlin statt. Über Highlights und ja, worauf man sich am meisten freuen kann. Und ja, Inspirationen haben wir besprochen. Vielen, vielen Dank Elke Buhr und Silke Hohmann vom Monopol Magazin. Vielen Dank für das Gespräch. Sehr gerne! Gerne! Tschüss!
Vom 1. bis 3. Mai findet das Gallery Weekend in Berlin statt. Über ein paar Highlights haben wir in dieser Folge schon gesprochen. Alle Teilnehmer in Galerien findet ihr auch nochmal auf der Website des Gallery Weekends, die ich euch in den Show Notes verlinke. Da findet ihr auch nochmal alle Infos zu den verschiedenen Talks, über die wir in dieser Folge gesprochen haben oder die erwähnt wurden in dieser Folge. Und wer ganz neu in der Kunstwelt oder auch in der Galerienszene in Berlin ist, der kann sich für Rundgänge anmelden. Da gibt es dann so bestimmte Führungen in den Bezirken und ja, vielleicht auch eine Möglichkeit, einfach mal reinzuschauen, wenn man sich jetzt nicht einen großen Plan machen möchte, sondern auch vielleicht ein bisschen sich treiben lassen möchte oder zu einem bestimmten Thema eine Erklärung haben möchte. Ansonsten könnt ihr natürlich auch einfach gerne in die Galerien rein spazieren und die Leute dort vor Ort ansprechen. Da entstehen immer sehr tolle Gespräche. Und wie gesagt, das ist jetzt erstmal ein Auftakt. Das bedeutet, die meisten Ausstellungen, die könnt ihr auch noch über das Wochenende hinaus besuchen, solltet ihr das jetzt nicht schaffen zwischen dem 1. und 3. Mai. Viele von ihnen sind sogar kostenlos. Also zieht euch am besten bequeme Schuhe an, packt euch ein Lunchpaket und ab geht’s Kunst gucken! Kunst und Leben, den Podcast in Kooperation mit dem Monopol Magazin, gibt es zweimal im Monat, immer am Dienstag. Wenn euch gefällt, was wir hier machen, dann sagt gerne allen weiter und lasst gerne ein paar Sterne da oder einen Daumen hoch, je nachdem, wo ihr uns gerade hört. Produziert hat diese Folge Benjamin Serdani. Vielen Dank an dieser Stelle. Mein Name ist Sarah Marie Plikart. Ich danke auch euch fürs Zuhören, sage Tschüss und bis zum nächsten Mal! Kunst und Leben, der Monopol Podcast von detektor.fm.