In Pferdekutschen, zu Fuß gestützt oder auf dem Rücken, werden die Alten und Gebrechlichen zum Wasser getragen. In dem Gemälde „Der Jungbrunnen“ von Lukas Kranach, nach dem Älteren, steht eben dieser im Zentrum. Er zeigt die Verwandlung alter und gebrechlicher Frauen in ihre jüngeren Ebenbilder. Manche steigen zögerlich ins Wasser, andere mit mehr Selbstbewusstsein, um dann erfrischt und verjüngt aus dem Wasser wieder hervorzugehen. Von einem natürlich bekleideten Kavalier werden sie in ein Zelt geleitet, das sie prunkvoll gekleidet wieder verlassen, um dann den meist älteren Herren zu Tisch oder beim Tanz Gesellschaft zu leisten. Dieses Gemälde von 1546 spiegelt die Sehnsucht nach ewiger Jugend und Unsterblichkeit wider.
Für Ersan Montag und Nadim Saman war es Ausgangspunkt für ihre Performance „Alternde Meister“ in der Gemäldegalerie in Berlin, die im Rahmen der Berlin Art Week Anfang des Monats gezeigt wurde. Insgesamt 25 PerformerInnen, unter ihnen SchauspielerInnen, KünstlerInnen, SängerInnen und TänzerInnen, traten in dieser Performance „Alternde Meister“ in Dialog mit den sie umgebenden Werken. Welche Fragen sich Ersan Montag bei der Vorbereitung und Konzeption dieser Arbeit gestellt hat, wie für ihn die Arbeit bei der Biennale in Venedig vor zwei Jahren war und was er sich von der Berliner Politik so kurz nach den Wahlen erhofft, darum geht es in dieser Folge.
Mein Name ist Sarah Marie Plekart. Hallo, Kunst und Leben, der Monopol-Podcast von detektor.fm. Gemeinsam mit Yalba Tana vertrat Ersan Montag vor zwei Jahren Deutschland auf der Biennale in Venedig und tauchte dafür tief in seine eigene Familiengeschichte ein. Der Regisseur, Bühnen- und Kostümbildner arbeitet derzeit am Berliner Ensemble. Zuletzt inszenierte Montag im Rahmen der Salzburger Festspiele die Oper „Ariadne auf Naxos“ von Richard Strauss. Elke Buhr, Chefredakteurin des Monopol Magazins, hat Ersan Montag zum Gespräch getroffen. Es ging unter anderem ums Verschwinden, das Altern, Vergänglichkeit, Geburt und Sterben.
Ersan, ich freue mich total, dass wir sprechen, und ich möchte als erstes mit dir über deine Performance sprechen, die du zu Berlin Art Week gemacht hast. Die hieß „Alternde Meister“ in der Gemäldegalerie und die war wirklich einer der Höhepunkte der Woche. Es war total schade, dass sie relativ kurz nur stattgefunden hat. Ich erinnere mich, ich bin gleich am ersten Abend da durchgegangen und habe zum Beispiel West Bam getroffen, der da auf so einer Bank rumlag und ein bisschen Musik gemacht hat, einen sehr lustigen Song über alte Meister. Dann waren da nackte Menschen, dann war ein ganz rührendes älteres Ehepaar, die zusammen getanzt haben und so.
Worum ging es da bei diesen „Alternden Meistern“? Es ging eigentlich um die Frage, wie Menschen aus unserem Gedächtnis verschwinden und auf welche Art sie verschwinden und was mit den Körpern passiert und was mit den Menschen, also mit ihren Positionen passiert. Eigentlich ging es also, die Inspiration oder die erste Idee dazu hatte ich, als ich bei einer Veranstaltung war, wo eine Performance war und aber das, was da eigentlich gesehen wurde, kaum behandelt wurde, sondern die Leute sich in ihren typischen Gesprächen und Netzwerken befanden.
Und ich dachte, was wäre, wenn da jetzt statt dieses sehr coolen jungen Paares, das wir irgendwie auf Gitarren und Feuer irgendwas gemacht haben, so eine sterbende alte Person sitzen würde und man dieser Person zuschauen würde und ob sich dann dieser ganze Kreis um die Menschen herum weiterdrehen würde. Also ob das einen Unterschied machen würde, dass das, was man dort sieht, eigentlich so am Endstadium des Lebens ist und dadurch weit verschwindet und dadurch eine andere Dringlichkeit bekommt.
Und so entstand die Idee, da eigentlich Menschen in so einem musealen Kontext einfach erstmal als Körper hinzustellen und sie auch skulptural zu betrachten. Und durch die Betrachtung auch diesen Moment, wann wird aus einem Menschen oder aus einem Moment ein Bild und ab wann endet die Zeit und ab wann wird etwas festgehalten als Vorstellung oder ab wann verschwindet etwas. So damit haben wir uns eigentlich beschäftigt.
Es war ja auch immer so eine Korrelation von den Gemälden und von den Menschen. Hast du dir eigentlich ausgesucht, die Gemälde? Ja, wir sind, Nadim und ich, hab die Arbeit ja zusammen mit Nadim Saman gemacht, sind durch die Gemäldegalerie gelaufen. Also das erste Gemälde, worauf wir uns bezogen haben, ist natürlich der „Jungbrunnen“ von Kranach. Es liegt ja auch auf der Hand, da gehen junge ältere Frauen rein in ein Bad und kommen als junge Frauen wieder raus, während die Herren rechts stehen und einfach nur über die Verjüngung der Frauen selber auch jung werden.
Also auch gewissermaßen ein ziemlich frauenfeindlicher Blick eigentlich auf den weiblichen Körper. Aber diese Sehnsucht, nicht alt zu werden, jung zu werden, umständlich zu sein, ist in diesem Bild sehr stark drin. Und das haben wir als Uhrwerk genommen, um diese ganze Performance zu strukturieren. Da sind wir durchgelaufen und haben eigentlich so Raum für Raum versucht, Themen auszumachen. Ganz viel um Geburt und um Sterben, um die ganze christliche Ikonografie, die da drin steckt.
Aber auch der Blick von der heilige Sebastian spielt eine ganz große Rolle in unterschiedlichen Blickwinkeln ja von unterschiedlichen Epochen, aber auch von unterschiedlichen Malern, auch ganz unterschiedlich dargestellt. Von Botticelli, bei ihm sieht man beispielsweise einen ganz würdevollen Menschen, der irgendwie einen in die Augen schaut, während die Gewalt über ihn ergeht. Und es gab ganz viele unterschiedliche Inspirationen und Bilder, die uns da interessiert haben.
Und dann haben wir da eigentlich ziemlich, also auch gewissermaßen ohne Konzept, uns auf bestimmte Motive geeinigt und dort ein bestimmtes Thema für uns gefunden. Vergänglichkeit ist ja eines der ganz großen Themen in der Kunstgeschichte. Und wir leben jetzt in so einer alternden Gesellschaft. Eigentlich hast du, du bist noch total jung, zumindest aus meiner Perspektive. Hast du dabei auch viel darüber nachgedacht, über den Tod, über das Alter, über diese Dinge?
Ja, ich bin zwar jung, also jung ist ja immer relativ. Ich fühle mich gar nicht mehr so jung. Ich bin jetzt auch schon bald 40 und bin auch schon… Naja, aber ich habe vor allem viele ältere Freunde gehabt. Auch ich glaube, es gab für mich während Corona einen ganz großen Schub, wo ich einige Freunde verloren habe. Und auch in den letzten zwei Jahren sind irgendwie zwei sehr wichtige Personen von mir gegangen, wo ich mich auch gerade noch mal so ein Tier habe.
Ich habe jetzt einen Tipp bekommen, sich jetzt auch jüngere Freunde zu suchen. Im Alter macht das mehr Sinn, weil dann verliert man etwas später auch Freunde. Also deswegen ist also der Todesatmosphäre, was mich tatsächlich beschäftigt in meinem näheren Umfeld. Aber Sterben, also für mich geht es nicht nur primär um Sterben, sondern es geht für mich eigentlich auch um, also wie reden wir über alternde Körper eigentlich? Was sind das eigentlich?
Also das sind ja keine dysfunktionalen Menschen in dem Sinne. Also sie sind vielleicht aus einem Blickwinkel nicht mehr produktiv als Handwerker, wenn die 80 Jahre alt sind. Also die Art und Weise, wie wir mit alternden Menschen umgehen und wie wir sie auch gewissermaßen aussortieren, auch aus einem bestimmten Diskurs aushebeln und sie nicht mehr als relevant betrachten, das macht mir ein bisschen Angst. Auch weil ich selber altere.
Und man sich auch die Frage stellt, auch in einer Gesellschaft, also wir sind ja perspektivisch, wenn ich 70 bin, ist ja glaube ich fast jeder zweite Mensch offiziell alt. Und wie so eine Gesellschaft sich organisiert, also wer kümmert sich um diese Menschen? Also wie wird diese Gesellschaft finanziert? Ich weiß nicht, ob du den Film von Ari Aster kennst, „Midsommar“. Nee, das ist ein ziemlich krasser Film, wo eine Sekte am Ende sagt, ja, mit 71 gibt es einen Moment, wo dann die alten Menschen auf den Stein springen und sich selbst umbringen müssen, weil sie ab da nur noch eine Last für die Gesellschaft sind.
Und deswegen wird ein ritualisierter Suizid begangen, damit das Leben beendet wird. Und diese Frage stelle ich auch: Gibt es irgendwann ein Ablaufdatum fürs Leben? Also wie wird unsere Gesellschaft in der Zukunft mit dem Alter umgehen, wenn es das Alter nicht versorgen kann? Und das sind schon Fragen, die mich beschäftigen.
Und ich habe mal vor zehn Jahren ein Stück im Altersheim recherchiert und im Sterberospiz und war dann ziemlich viel auch in Kontakt mit sterbenden Menschen. Und was mich da total fasziniert hat, ist, das sind ja alles auch so Ärzte, also ein bestimmter Zeitpunkt ihres Lebens eine ganz große und wichtige Funktion. Und diese Funktion hat ihr Leben erfüllt, hat sie auch im Sozialen getragen und hat den Menschen ja auch einen Sinn gegeben.
Aber sobald diese Arbeit oder diese Funktion aufhört, verschwindet ein bestimmter sozialer Kreis und auch eine bestimmte Aktivität. Und wenn man sich anschaut, wie das Alter immer größer zu einer Last wird und gleichzeitig wir auch immer weiter danach schauen, jung zu bleiben, also auch sowohl im Körper wie auch für unsere Körper. Also wir haben einen wahnsinnigen Fetisch nach Jugend und nach Nicht-Altern, also nach Unsterblichkeit.
Ja, da kippt das Alter tatsächlich raus und es wird immer mehr zu einem Problem. Es wird wie zu so einer Art Krankheit, also Alter als Krankheit. Und es kriegt etwas Mobiles und dementsprechend meint man auch. Also das finde ich schon. Und deswegen fand ich das ganz schön, einfach die Schönheit dieser Menschen einfach rauszustellen, ihnen jetzt nicht irgendwelche Bühnenbilder zu bauen, groß Kostüme zu geben, einfach zu sagen, also das alte Paar zum Beispiel, Birgit und Günther, sind 85 und 86 Jahre alt.
Birgit ist 1942 geboren, hat mit zwei Jahren ihre beiden Eltern verloren und ist dann in einer Pflegefamilie groß geworden nach dem Nazireich und hat erst mit 16 Jahren herausgefunden, dass das ihre Pflegeeltern waren. Hat dann aufgehört mit der Schule, um zu arbeiten, damit sie diesen Pflegeeltern etwas zurückgibt. Hat dadurch nie eine akademische Laufbahn gemacht. Also diese Frau ist durch vier Reiche gegangen, also durch vier unterschiedliche Gesellschaftsmodelle, von dem deutschen Faschismus zur Bundesrepublik, zur DDR und dann zum wiedervereinigten Deutschland.
Wie viel Geschichte und wie viel Wandlung und was in so einem Körper alles an Information drin steckt und wie standhaft und wie reich dieser Körper ist. Und die beiden haben zu mir zum Beispiel gesagt, die haben den letzten Walz getanzt. Das war ihr großer Wunsch. Ich habe sie gefragt, wie stellt ihr euch denn jetzt euer Sterben vor? Ihr seid ja bald dran. Und sie meinten, ja, das beschäftigt uns schon sehr. Aber für uns ist das Schlimmste, dass jeweils der andere vorher stirbt.
Und dann habe ich gesagt, und was wäre dann für euch die optimale Vorstellung? Dann meinten sie, am liebsten würden wir beide einschlafen und beide nicht wieder aufwachen. Also eine ganz, ganz menschliche Vorstellung, also verlassen zu sein, also die Nähe zu verlieren. Das hat mich so berührt. Und so kam die Idee, die beiden als letzten Walz auch gemeinsam sterben zu lassen.
Wir haben am Ende dieses Beerdigungsritual, wo alle einmal vor diesem selbstspielenden Klavier beerdigt werden. So habe ich die beiden dann zusammen beerdigt und habe ihnen sozusagen diesen Moment geschenkt. Jetzt könnt ihr zumindest rituell vor Publikum gemeinsam sterben. Das ist nämlich was Kunst kann. Wir können Leute halt gewissermaßen ihre Wünsche erfüllen.
Ja, das stimmt. Also ich glaube, du hast mit der Performance zumindest auch ganz viele Wünsche von Leuten erfüllt, die da waren. Es waren auf jeden Fall alle total verzückt. Ich meine, für dich ist das ja glaube ich so eine… Das war jetzt auch nur nicht so lange gelaufen. Das war ja auch glaube ich fast eher so eine Fingerübung für dich, oder? Also im Verhältnis zu dem, was du sonst machst, so eine riesige Oper oder so.
Also wie ist es denn für dich, im Kunstbetrieb zu arbeiten? Du bist ja eigentlich wirklich in der Bühnenkunst zu Hause, hast gerade Salzburger Festspiele gemacht, hast Rieseninszenierungen, Riesenprojekte gemacht. Wie ist es in der Kunst? Kunst ist für mich so ein komisches, also so ein diffuses Feld. Also es gibt zwei Institutionen und es gibt Verabredungen.
Aber es ist jetzt nicht so das Theater, wo du weißt, ich gehe ins Berlin Ensemble oder ich gehe ins Burgtheater, also wo du so eine feste Größe hast, sondern es gibt eigentlich so ganz unterschiedliche Verabredungen. Also vor allem, was so Performance Kunst angeht. Performance in der Kunst. Und jetzt, also beispielsweise die Sache mit der Gemäldegalerie, das ist ja zustande gekommen. Da habe ich Oliver Reeser angerufen und gesagt, ich habe die Idee, und er hat Dagmar Hirschfelder angerufen. Und so kam diese Zusammenarbeit zustande.
Aber das ist ja erst mal keine institutionelle Struktur, wo man irgendwie engagiert wird, um eine Performance zu machen, sondern das ist alles ziemlich… Es ist einfach anders. Und deswegen gibt es für mich die Kunst in dem Sinne gar nicht als Wort, wo man hingeht und Karriere machen kann, sondern die Kunst entsteht eigentlich in dem selbst engagierten und auch doch recht mit wenig Mitteln.
Was der Unterschied ist, ist, dadurch gibt es auch keine Infrastruktur, also keine Infrastruktur im Sinne von, weiß, wenn der Oper haben wir tausend feste Mitarbeiter. Wir haben Hutmacher, wir haben noch Schuhmacher. Du kannst irgendwie jedes einzelne, was du machen willst, musst du entwerfen, musst du Handskizzen machen, du musst Figurinen bauen. Und für jedes Feld gibt es eine Werkstatt, die dir exakt das umsetzt, wie du es haben willst.
Das heißt, es ist ein ganz großes Handwerk. Also es ist neben der Kunst erst mal ein Handwerk. Du gehst an einen Ort, wo du wirklich handwerklich arbeitest und wo ganz viele Leute involviert sind. In der Kunst ist das viel selbstverwalteter, es ist viel fluider. Also man organisiert sich jeweils für die Projekte immer wieder neu. Und das ist erst mal so für mich ein struktureller Unterschied.
Es purifiziert die Arbeit, die man macht, auf eine Art. Also die Gemäldegalerie zum Beispiel, wenn man sich meine Arbeiten anschaut, sonst ich arbeite ja viel mit Bildern, mit Konstruktionen, mit Architektur, mit eben mit Dingen, die ich dazu baue. Da gab es eigentlich nur die Körper. Es waren ja nur die Körper in dem Raum.
Das heißt, man ist gezwungen, also erst mal in der Gemäldegalerie könntest du gar nichts bauen wegen der Auflagen. Auch wenn ich Geld gehabt hätte, wenn ich das gewollt hätte, könnte ich das gar nicht tun. Der Raum ist bereits die Bühne, also die Bilder. Und das ist ja alles bereits. Aber man ist gezwungen, noch mal seine Methodik und das, was man erzählen will, auf das Wesentliche zu reduzieren.
Und dadurch kriegt man noch mal einen ganz, ganz anderen Blick und eine ganz andere Methodik auf seine eigene Erzählweise. Und das finde ich irgendwie erfrischend, weil man viel purer arbeiten muss und dadurch viel, viel einfacher an den Kern rankommt, als wenn ich mal in Salzburg fest bin für drei Millionen Euro eine Produktion stemmen muss und am Ende scheitere ich dran mit allen Mitteln, die ich zur Verfügung habe.
Also das ist gescheitert. Nein. Naja, das scheitert immer wieder tatsächlich. Also das ist einfach was ganz anderes. Und dann kann man manchmal, weiß nicht, manchmal erzählt sich dann halt in so einem Moment, wo der Körper nur da ist in dem Raum, das, was man erzählen will, viel schöner. Und das finde ich.
Also deswegen zieht mich das auch gerade hin, weil ich so gewissermaßen auch befreit werde von diesem ganzen Apparat, den ich um mich herum gebaut habe, auch als Künstler des Theaters oder der Oper. Natürlich auch dieses Spektakuläre und Überwältigende und dieses Spektakel zu bauen, mit Anfang und Ende, wo tausend Leute auf eine Zentralperspektive schauen und am Ende klatschen.
Und so hast du einfach viel mehr. Also allein durch ein Museum zu gehen, das fand ich auch damals, als ich die Ausstellung im MMK gemacht habe, wo man einfach die Werke hat und entscheidet selber, wie lange man bleibt und man verbindet die Geschichten selber. Und dann hat jeder irgendwie einen ganz eigenen Blick.
Und vor allem die eigene Perspektive hat eine viel größere Rolle als hier am Theater. Am Theater kriegen wir alle im Grunde durch die Zentralperspektive eine ähnliche Erzählung, die wir jetzt teilen können. Im Museum durch einen Raum zu laufen, wo 35 Personen involviert sind, da kann ich ja nur einen Bruchteil mit erfassen. Und ich projiziere natürlich wahnsinnig viel hinein.
Und das ist einfach was ganz anderes. Und das finde ich. Also ich finde prinzipiell andere Sachen immer erfrischender. Und dann hast du ja parallel in der Galerie Dietrich und Schlechtriem auch noch mal eben so eine richtige Ekstase inszeniert oder produziert. Das war so ein bisschen wie so ein Parallelprojekt von der Gemäldegalerie.
Das war ein bisschen die andere Seite der Medaille. Also es ging schon auch um Lebensmüdigkeit. Also die Vorlage für die Arbeit in der Galerie war Ferdinand Hutlers „Die Lebensmüden“. Das ist ein Werk auf dem Berang zu Moderne, wo Hutler eigentlich so die Erschöpfung in der Zeitenwende erzählt, dass die Menschen da nicht mehr mitkommen.
Aber er zeigt auf diesem Gemälde fünf oder sechs ältere Männer, die am Lebensende stehen und sitzen und eigentlich nur noch warten, bis sie sterben, weil sie einfach so erschöpft sind vom Leben und von allem, was die Zeit für den abverlangt. Und ich habe das ein bisschen umgedreht und habe aus den Werken Holzgelernt gemacht, wo man eigentlich vier oder fünf junge Männer sieht, die im Sexualakt sind, aber die genau dieselbe Erschöpfung haben.
Das heißt, die Lebensmüdigkeit am Anfang des Lebens zu erzählen, das war so die andere Seite. Und bei der Gemäldegalerie stand der Fokus schon auf älteren Körpern. Und bei der Ausstellung ging es tatsächlich um eine Jugendkultur, auch um eine spezielle. Also das beobachte ich schon stark, dass viele Leute einfach wegen der Ereignisse und auch wegen der Voraussetzungen, die sie hineingeboren werden, einfach schon so erschöpft sind, weil sie eine Zukunft gar nicht mehr vorstellen können.
Und das ist schon echt beängstigend. Also ich habe neulich wieder mit jemandem gesprochen, der ist 22, der kommt auch aus Berlin. Haben wir unsere jeweilige Zeit beschrieben, wie es für mich war als 18- bis 20-Jähriger in Berlin. Damals gab es ja diesen ganzen Hype in Berlin gar nicht. Gar keiner hat gerade erst aufgemacht. Balenciaga, das mit Jemna, das gab es noch gar nicht. Das war alles so gar nicht cool.
In Berlin hat man German Bass gehört und überall war Leerstand. Das heißt, man konnte einfach Wohnungen mieten. Ich habe für 350 Euro meine erste Drei-Zimmerwohnung mit 80 Quadratmetern in Neukölln mieten können. Und ich musste mich darum gar nicht bewerben, weil es gar keine Konkurrenten gab. Das heißt, wir konnten mit 18 Jahren für, weiß nicht, für 2 Mark 20 Bier trinken. Und die teuersten Clubs waren 5 Euro.
Und wir hatten unsere eigene Wohnung und konnten uns entfalten. Und jetzt dieselbe Voraussetzung war wahrscheinlich noch früher, noch viel, viel einfacher für die. Aber für die Generation jetzt, die können ja gar nicht ausziehen. Die können gar nicht ihre eigene Wohnung haben. Diese Menschen haben eine Klimakrise, die sie so erschlägt, der Vorstellung, wie ihre Zukunft aussehen soll. Und sie können sich auch dieses Leben, wenn sie gar kein Geld haben.
Sie können weder in Clubs gehen, noch können sie ein Bier trinken. Ist alles viel zu teuer. Das heißt, es ist eine ganz andere Voraussetzung. Und mit dem ganzen Faschismus, der droht, mit dem Rechtsbruch der Gesellschaften, mit der AfD und mit Trump und mit allem, was passiert, das erschlägt diese Jugend so sehr, dass sich da so eine Lebensmüdigkeit einstellt.
Und das wollte ich thematisieren bei der Ausstellung bei Schlechtreden, so als Pandore, wie sich so eine Müdigkeit, die sich eigentlich am Ende eines Lebens bereit macht, jetzt als Symptom am Anfang eines Lebens bereit macht bei einer Generation.
Ja, das war sehr eindrücklich, auch wie du das beschreibst. Jetzt warst du gerade schon bei dir selbst als 18-Jährigen. Du kommst aus Neukölln, kommst aus einer türkischen Familie. Wie bist du in dieser ganzen Theaterwelt gelandet? Eigentlich komme ich aus Kreuzberg. Ich weiß, es steht immer in der Presse Neukölln. Ich weiß, es hat sich immer mal so verselbstständigt. Genau, aus der Zossener Straße, Bergmarkt, geht es aus einem guten Kreuzberg.
Genau, also 61 36 war ein No-Go-Area für uns eigentlich. Also ich bin in Kreuzberg groß geworden, war auf der Grundschule und habe eigentlich Theater gespielt in der Theater-AG. Mit acht Jahren ging das los. Da habe ich wie weil ich vier Jahre Zeit in eine Blume gespielt. Meine erste Berührung. Und seitdem bin ich so, habe ich mich sehr fürs Spielen interessiert und fürs Theater.
Ich war damals im Grippstheater im Jugendclub ganz lange und habe dann Amateur- Theater gemacht. Dann war ich als Austauschschüler in Washington, D.C. mit 17 Jahren und bin dort dann auch mit High School Musical und so semi-professionellen Opern als Sänger in Berührung gekommen und konnte über meinen Gastvater, der war der Chef der Housing Authorities und war dadurch ein recht großer Mensch in der amerikanischen Politik.
Und er hatte im Kennedy Center immer Ehrenkarten für die Philharmonie und für die Oper. Und ist aber nie hingegangen. Deswegen habe ich die immer bekommen und konnte im Kennedy Center mir die ganzen krassen Aufführungen anschauen. So bin ich in diese Hochkultur reingekommen mit 17 Jahren in Washington, D.C. Und es hat mich dann total fasziniert, weil also ich kam ja aus Kreuzberg und also ich war noch nie in der Oper.
Und meine Familie sind ja auch Arbeiter. Also wir kannten das. Das ist jetzt kein Teil meines Repertoires gewesen, wo man in Ausstellungen gegangen ist oder in die Oper. Oder das hat man einfach nicht gemacht. Das kannte ich aber nicht. Plötzlich war ich da in so einer amerikanischen Familie, wo das ganz normal war. Es hat mich einfach begeistert, wie Menschen einfach ihre Zeit verbringen.
Also was für Themen sie haben. Weil für uns waren die Themen immer sehr praktisch. Also es war mal alles sehr Es ging immer so, wer macht das? Da musst du das machen. Und dann ging immer ums Machen. Man musste immer etwas erledigen. Und da saß man und dann hat man über Dinge gesprochen, die einfach also mit dem Nützlichen nichts zu tun hatten. Und das war so eine… Ich dachte, Wahnsinn.
Das war für mich gar nicht denkbar, dass so etwas, dass man so seine Zeit verbringen kann. Abgefahren. Ja, aber manchmal denkt man so, ich bin ja heute drin in diesen Kreisen und ich bin ja selber, ich beschäftige mich ja nur noch mit Kunst. Aber ich erinnere mich manchmal eben zurück, wo das für mich gar keine Option war.
Und da verstehe ich auch, wie schwierig dieser Zugang ist, weil man einfach bestimmte Dinge gar nicht lernt. Also sich ein Bild anschauen und dieses Bild erst mal zu verstehen. Da gibt es so viele Kurz- und Hürden, bis man was für dich und mich wahrscheinlich die einfachsten Interpretationen mittlerweile sind, einfach Dinge zu verstehen. Und das fand ich so.
Es hat mich einfach interessiert damals und ich wollte unbedingt das so auch als Teil meines Lebens wissen. Deswegen habe ich angefangen, die Opern zu hören. Und irgendwann konnte ich Mozart von Beethoven unterscheiden. Irgendwann habe ich Wagner entdeckt. Und das war dann so. Es hat mich einfach so total geflasht.
Einfach, ich konnte immer noch keine Popmusik mehr hören, weil die klassische Musik so hochkomplex ist. Wenn du dir einmal da so eine Matthäus-Passion anhörst und dann wieder zum Glück ins Spiel zurückgehst, dann ist es einfach so. Da wurde ich auch gewissermaßen so ein komischer Snob. Aber es hat sich einfach so eine Welt aufgemacht bei mir in meinem Kopf.
Und deswegen war für mich, ich wollte immer an die Oper irgendwann mal. Und irgendwann saß ich dann jetzt und zuletzt habe ich eine Wiener Stadthuber inszeniert. Und das war für mich verrückt. Ich saß dann plötzlich dort als Regisseur und habe mit den Wiener Philharmonikern gearbeitet und sehe mich dann immer noch so als dieses Kind, das zum ersten Mal gesehen hat. hat als Zuschauer und dachte: „Das ist aber eine fremde Welt.“ Ich wusste gar nicht, dass diese Welt existiert. Und ich bin total begeistert davon. Deswegen brenne ich auch dafür.
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Der Moment des Orchesters
Also dieser Moment: Wie unwahrscheinlich ist es, dass ein Orchester sich zusammenbildet? Also ein Orchester, das aus unterschiedlichen Instrumenten besteht. Jedes Instrument hat eine technische Entwicklung. Das aus Holz eine Geige wird, aus einem Klangkörper einen Ton herausbringt.
Dass ein Mensch auf die Idee kommt, aus einem Ton, aus Tonabfolgen Emotionen zu machen und dann über eine Stunde hunderte Instrumente miteinander musizieren, auf den Takt des Dirigenten oder der Dirigentin. Und dass all das zusammen mit Architektur, mit Mode, mit Literatur auf der Bühne zu einem Gesamtkunstwerk wird.
Über drei Stunden dann bis zu 500 Personen auf diesen Takt reagieren. Wie unwahrscheinlich ist das, dass das überhaupt existieren kann?
Kunst und Oper
Okay, ich gehe auch mal in die Oper. Du hast mich überzeugt. Ja, ich dachte, wir waren uns gerade irgendwie einig, dass Kunst, die Bildende Kunst, ja auch cool ist, weil man immer rein und raus gehen kann. Während mir in der Oper drei bis vier Stunden lang festgenagelt wird.
Ja, das stimmt auch. Da habe ich immer Angst. Naja, Angst, also jetzt Leiden auf hohem Niveau, aber ja, oftmals ist es ja auch pain in the ass. Also ich könnte auch komplett anders darüber sprechen. Natürlich, nein, aber natürlich ist das diese Begeisterung. Das ist natürlich total faszinierend.
Familie und Verständnis
Konntest du das deiner Familie vermitteln oder kannst du es ihr heute vermitteln, warum das toll ist? Also meine Mutter, meine Eltern kommen immer zu meinen Berliner Premieren an. Und meine Mutter war bei „Antichrist“, das weiß ich noch. Und ich dachte mal so: Okay, was wird meine Mutter sagen?
Weiß nicht, ob du „Antichrist“ gesehen hast, von mir an der Deutschen Oper. Es ist also eine dänische Oper aus den 20ern. Da habe ich so eine explosivistische Stadtgewalt von Taxi vom Himmelfeld mit so Monstern. Also völlig bizarr. Das läuft im Mai wieder an der Deutschen Oper.
Und dann hat meine Mutter angeschaut, sie meinte: „Ich wusste, dass du bekloppt bist.“ Meint: „Ich, was meinst du? Du bist doch mein Sohn. Ich habe dich auf die Welt gebracht.“ Sie hat einfach alles verstanden. Es gab einfach so eine… Ja, sie hat es auf so einer emotionalen Ebene konnte sie.
Emotionale Verbindung
Sie meinte: „Ich natürlich verstehe das. Ich habe dich doch auf die Welt gebracht. Ich wusste immer, dass du so wirst,“ hätte sie gesagt. Und sie fand das ganz toll. Also sie konnte das irgendwie. Und ich hätte niemals gedacht, da kommt so die große hohe Babylon als Figur auf.
Ich habe die abgeleitet von Miriam Kahn, in so ein Kostüm gebaut. Auch für das Gesicht ist so eine ganz dicke gebaut, mit ganz großen Brüsten, mit einem riesen Penis, der da hängt. Und dann gibt es da also völlig absurde Gestalten. Kannst du dir mal anschauen.
Kreative Prozesse
Ich sagte so: „Was wird meine Mutter denken?“ Aber sie meinte: „Ja, genau, so habe ich mir vorgestellt, dass du so werden wirst.“ Das ist so lustig. Ich hoffe, dass ich irgendwann auch alles verstehen werde, was meine Kinder machen. Das sind riesige Frauen.
Aber du baust die Sachen immer selber. Du machst deine Kostüme, Bühne und so weiter. Da bist du auch immer ganz intensiv mit dran. Genau, ich bin ja auch Bühne- und Kostümbildner. Also ich gebe das manchmal ab, aber oft, meistens mache ich, entwerfe ich die Bühne und Kostüme selber.
Übergang zur Bildenden Kunst
Also ich begreife mich auch eigentlich eher als Bühnen- und Kostümbildner, der seine Räume selber bespielt, als Regisseur, der Bühne und Kostüme macht. Deswegen war für mich auch so oft der Schritt in die Bildende Kunst jetzt kein erzwungener, sondern ich komme ja auch zum Handwerklichen und aus Bühnen und Kostümen, also aus der skulpturalen und architektonischen Arbeit.
Deswegen ist das für mich jetzt kein ungewöhnlicher Schritt, da jetzt mehr in der Gegend zu arbeiten.
Erfahrung im deutschen Pavillon
Was war das für dich für eine Erfahrung, den deutschen Pavillon zusammenzumachen mit Yael Bartana und den Soundkünstlerinnen und -künstlern und Challa Ilg als Kuratorin? Was war das, sich da plötzlich Deutschland zu repräsentieren in Venedig vor zwei Jahren?
Also das war abgefahren, dass wir sind ja durch unterschiedliche Stadien gegangen. Also ich weiß noch, am 6. Oktober waren Challa und ich bei Yael in der Villa Massimo in Rom und haben irgendwie einen Plan gemacht. Und wir hatten damals noch was anderes vor.
Und wir haben am 7. Oktober aufgewacht und Challa und ich sind ganz früh nach Berlin geflogen. Und als wir gelandet sind, passiert das am 7. Oktober in Israel. Und das hat alles geändert. Also auf einen Schlag.
Politische Veränderungen
Also nicht nur, also natürlich hat sich aber für uns hat sich alles geändert. Haben wir die Pressekonferenz mussten wir damals weiter nach hinten schieben. Und dann brach eigentlich wie die Hölle über uns herein. Also mit großen Angriffen und irgendwie auch so Unterstellungen.
Ja, als hätte da die Kuratorin jetzt richtig politisch korrekt jetzt eine israelische Künstlerin eingestellt, was ja völlig absurd ist. Und so hat sich unsere gesamte Arbeit erst mal komplett verschoben. Plötzlich waren wir politische Akteure und das hat uns bis zum Schluss sehr belastet.
Zusammenarbeit und Mentorship
Aber wir haben trotzdem irgendwie versucht, unsere Arbeit da rauszunehmen. Und es hat mich damals schon sehr entsetzt, auch diese Kollegen und mit Boykottaufrufen und mit Protesten gegen uns. Also was so alles passiert ist, war so eine Schiene, die das Ganze überschattet hat.
Aber ich liebe Yael. Ich habe so alles gelernt bei ihr. Sie ist so für mich eine Mentorin. Und ich bin Challa auch so dankbar, dass sie uns zusammengeführt hat, weil sie hatte eine gewisse Vision.
Organische Entwicklung
Und wir haben auch irgendwie nicht genau verstanden, was sie meinte. Aber irgendwann hat sich das irgendwie eingestellt und das war dann so organisch. Und Challa ist halt so eine instinktive Person. Sie arbeitet so aus dem Gefühl heraus und ohne das beschreiben zu können, kann sie einen mitreißen.
Und das war dann so. Und das war dann einfach für mich eine der verrücktesten Erfahrungen meines Lebens, da in Venedig hinzugehen. Also vor allem dieser Moment, wo dann plötzlich Leute kommen.
Begegnungen in Venedig
Also bis dahin ist man da ganz alleine. Venedig ist ja auch wirklich eine Provinz, ist ja ein Dorf. Da passiert ja gar nichts. Und man ist da dann so bis spät in der Nacht. Man trifft die anderen Künstler und im Paradies trifft man Kaffee.
Dann hängt man da mit Leuten ab. Die sind auch alle Künstler. Und jeder hat so seine Werkstatt. Und bei uns ist es halt der Deutsche Pavillon. Bei den anderen sind es die anderen. Und man trifft sich immer wieder. Und man ist so unter sich.
Eindrücke und Gedächtnisverlust
Und plötzlich bricht da die Welt herein. Und das ist so. Es ist so eine Belagerung. Das ist so, was da in diesen fünf Tagen los war. Also es hat bei mir zu einem Gedächtnisverlust geführt. Ich verstehe. Ja, das war super.
Und ich fand die Zusammenarbeit mit Yael ganz besonders, weil wir sind auf eine komische Art ähnlich, aber sehr, sehr unterschiedlich. Arbeiten mit ähnlichen Mitteln, aber auch ganz, ganz anders.
Lernen und persönliche Entwicklung
Also ich habe einfach wahnsinnig viel gelernt. Auch wie diese innere Ruhe, die sie hat, und diese Größe, diese Großzügigkeit, die sie als Mensch auch hat. Und die Idee, auch den Pavillon von meiner Perspektive so zu machen, die hätte ich ohne Yael auch nie geschafft.
Weil ich habe die ganze Zeit überlegt: Okay, was mache ich da? Und was ist meine Position dort? Sie meinte: „Du musst bei dir bleiben. Es geht um dich. Es geht um etwas, was aus dir kommt. Du kannst dich nicht verstellen.“
Biografische Inspiration
Und dann meinte sie: „Schau doch mal, schau doch mal in deine eigene Biografie rein. Da ist doch so viel.“ Und so kam ich dann überhaupt auf diese Idee. Also das war dann schon so Yael, die mich da hingeführt hat. Und da bin ich sehr dankbar.
Emotionale Bilder
Das ist toll. Ja, das war sehr ergreifend. Die Geschichte deines Großvaters war es dann ja eigentlich der Ausgangspunkt von dieser Installation und auch der Inszenierung mit den Schauspielern.
Und ich glaube auch das Bild von dem deutschen Pavillon, der mit der Erde zugeschüttet wird, der Erde aus der Heimat deiner Familie, das wird man auch nicht vergessen. Es war schon ein extrem gutes starkes Bild.
Erinnerungen und Symbolik
Ja, das, das danke. Da freue ich mich sehr drüber. Es gibt eine Sache, die glaube ich die meisten gar nicht wissen: Maria Eichhorn hat ja dieses Loch hinterlassen und wir mussten es zumachen.
Und da haben wir, das war Charlas Idee und das fand ich super. Wir haben ein Stück aus dem Grab meines Großvaters Erde in dieses Loch reingeschüttet und dann erst den Boden versiegelt. Und das ist jetzt immer noch drin. Das wird für immer da drin sein. Das wird für immer da sein, ja.
Reflexion über Kunst
Etwas, was du machst, ja, das fand ich. Also es gab so ganz viele Dinge, die man gemacht hat. Ich habe hier hinten zum Beispiel noch Bodenplatten vom deutschen Pavillon. Ach cool. Hat auch nichts eh dazu zu sagen zu Hause. Nee.
Also da ist irgendwie etwas entstanden. Irgendwie auch nochmal über Performance neu zu denken und über Raum und Emotionen nachzudenken, auch in der Bildungskunst. Das ist für mich so alles in Venedig entstanden.
Politische Erwartungen
Gerade hatten wir Wahlen in Berlin. Was versprichst du dir von Elif Eralp, wenn sie Bürgermeisterin wird? Versprichst du dir da was von?
Also mich interessiert natürlich die Kulturpolitik am meisten. Und zumindest hat die Linke angekündigt, die Kürzungen zu egalisieren. Und das verspreche ich mir, dass das eingehalten wird.
Kulturelle Investitionen
Dass man auch wieder den wirtschaftlichen Faktor auf die Kultur legt und den Nutzen der Kultur anerkennt und da wieder investiert, statt abzubauen. Weil ich glaube, das war ein Riesenfehler.
Es hat mich sehr überrascht, dass die CDU diesen Fehler begangen hat, weil eigentlich mit Monika Grütters ja eine der privilegiertesten Kulturpolitikerinnen des Landes in der CDU ist. Und Monika Grütters ja auch in der Berliner CDU ist.
Hoffnungen für die Zukunft
Hätte man damals Frau Grütters gefragt, Kultursenatorin zu werden, hätten wir den Ganzen schon massenlich gehabt. Und ich hoffe und ich wünsche und ich erwarte von den Linken, dass sie das wieder korrigieren. Das ist doch ein schöner Wunsch.
Aktuelle Projekte
Was probst du gerade? Letzte allerletzte Frage. Ich probe gerade „Hamlet“ am Berliner Ensemble in einer Neuschreibung von Wilke Wermann. Und da habe ich am 5. November Premiere.
Sehr gut, dann sehen wir uns hoffentlich da. Super. Vielen Dank, lieber Ersan. Danke dir, Elke Buhr, Chefredakteurin des Monopol Magazins.
Hier ein Gespräch mit Ersan Montag. Der Theatermacher und derzeitige Regisseur am Berliner Ensemble hat zur Berlin Art Week die Performance „Alternde Meister“ gezeigt.
Abschluss
Mehr von Kunst und Leben gibt es zweimal im Monat, immer am Dienstag, und zwar hier bei detektor.fm und natürlich überall da, wo es Podcasts gibt. Produziert hat diese Folge Benjamin Serdani. Vielen Dank an dieser Stelle.
Und mein Name ist Sarah Marie Plekat. Ich bedanke mich bei euch fürs Zuhören. Macht’s gut und bis zum nächsten Mal. Kunst und Leben, der Monopol Podcast von detektor.fm.