Der Blumenschmuck in den Haaren, die Monobraue und der leichte Oberlippenbart – sie sind zu ihrem Markenzeichen geworden und haben sie zur Ikone gemacht: Frida Kahlo. Bis heute wird sie in aller Welt verehrt. Ihr Werk offenbart immer wieder neue Seiten ihres Selbst, denn mit ihrer Kunst ist sie tief hineingegangen in ihre eigene Gefühlswelt, in ihren Schmerz, ihre Wut, aber auch die Liebe, die sie empfunden hat.
In ihren unzähligen Selbstportraits blickt sie die Betrachtenden direkt an und offenbart und verheimlicht gleichermaßen. Die Tate Modern in London zeigt derzeit die Ausstellung „Frida – The Making of an Icon“, in der es darum geht, wie Frida Kahlo wortwörtlich zur Ikone gemacht wurde und wie sie als solche auch von anderen KünstlerInnen rezipiert wird. Dem wollen wir hier nachgehen in dieser Folge. Mein Name ist Sarah Mariplikat. Hallo Kunst und Leben, der Monopol Podcast von detektor.fm.
Bis heute ist das Interesse und vor allem die Faszination für das Leben und Werk von Frida Kahlo ungebrochen. Warum das so ist und was sie selbst an Frida Kahlo so fasziniert, darüber spreche ich jetzt mit Elke Wurz, Chefredakteurin des Monopol Magazins. Hallo Elke. Hallo.
Biografische Einblicke
Frida Kahlo ist vielen ein Begriff. Ich würde trotzdem zu Beginn kurz biografisch einsteigen, damit wir alle ungefähr auf dem gleichen Stand sind. Geboren wurde sie 1907 in Mexiko-Stadt, und zwar in der Casa Azul, dem Blauen Haus, das man auch bis heute besichtigen kann. Sie ist auch eigentlich direkt nach ihrem Tod von ihrem Mann und einem anderen Verwandten direkt in ein Museum umgewandelt worden. Dort hat sie die meiste Zeit bis zu ihrem Tod 1954 gelebt.
Du warst im vergangenen Jahr in Mexiko und hast das Haus auch besichtigt. Was ist das für ein Ort? Das ist schon ein Ort, der seine Magie behalten hat. Man hat da so ein bisschen Angst, weil das ist so… Ja, Frida Kahlo ist ja der totale Hype. Sie ist super berühmt und das ist eine der großen Attraktionen, auch der kulturellen Attraktion in Mexiko, halt in dieses Blaue Haus zu gehen. Aber es ist jetzt nicht so, dass man da irgendwie zwei Stunden Schlange steht oder so, sondern ich fand es eigentlich ganz okay.
Und es hat eigentlich eine sehr überschaubare Größe, natürlich, weil das ja ein privates Wohnhaus gewesen ist. Und es hat eine wahnsinnig ruhige Atmosphäre. Also dieses Blau ist erstmal wirklich total schön, in dem das gestrichen ist. Dann gibt es einen wunderschönen Garten, in dem ganz viele Kräuter und so wachsen, der wirklich auch sehr, sehr schön gemacht ist.
Und dann gibt es so unterschiedliche Wohnräume, durch die man dann hindurch geht und wo man dann ihr Bett sieht. Man sieht, wo sie gemalt hat, ihre Farben. Es gibt dann auch, was ja ein bisschen traurig ist, aber was die Leute natürlich auch immer sehen wollen: die verschiedenen orthopädischen Hilfsmittel, die sie hatte durch ihre verschiedenen Krankheiten. Da kann man auch sehen, was es da für ein Gerät gab, damit sie vom Bett aus malen konnte, später, als sie bettlägerig war am Ende ihres Lebens.
Und es gibt auch einige schöne Werke von ihr. Es gibt auch von ihrem Mann Diego Rivera einige Werke und es gibt auch deren Sammlungen von präkolumbianischer Kunst. Also die haben sich, ja vor allem Rivera, aber auch sie, haben sich extrem für die indigene Geschichte und auch die indigene Kultur Mexikos interessiert. Und das sieht man halt in ganz vielen kleinen Kunstwerken dort. Und auch ihre Kleider, die ja auch sehr inspiriert sind von der mexikanischen Folklore, sind da auch ausgestellt.
Krankheitsgeschichte und Kunst
Du hast gerade ihre Krankheitsgeschichte schon angesprochen. Es gab zwei große einschneidende Ereignisse in ihrem Leben: einmal eben diesen sehr tragischen und schweren Busunfall und, wie sie selbst sagt, ihr Ehemann und Maler Diego Rivera. Aber genau der Reihe nach. Mit 18 Jahren überlebte Frida Kahlo eben diesen schweren Verkehrsunfall, bei dem sie von einer Eisenstange durchbohrt wurde. Sie schrieb danach sinngemäß: „Jetzt lebe ich in einer Welt des Schmerzes, transparent wie Eis, das nichts verbirgt.“
Diesen Schmerz hat sie vielfach in ihren Werken verarbeitet, so wie sie eigentlich ihr ganzes Leben ihre Gefühle und auch ihre politischen Gedanken in ihrem Werk festgehalten hat. Für das Cover vom Monopol Magazin habt ihr ein Selbstbildnis ausgewählt, und zwar mit dem Titel „Self Portrait Dedicated to Dr. Iluesa“ von 1940. Erstmal: Was ist das für ein Bild? Was sehen wir darauf?
Es ist eines der vielen Selbstbildnisse von Frida Kahlo. Sie hat ja, als sie angefangen hat zu malen, sie hat angefangen damals im Krankenhaus zu malen, weil sie eben nichts anderes zu tun hatte. Und sie hat das gemalt, was sie sehen konnte, nämlich sich selbst mit dem Spiegel. Und Selbstbildnisse machen einen großen Teil ihres Werkes aus. Und das ist auch das, was sie, glaube ich, auch so anschlussfähig und spannend macht für heutige Generationen.
Auf diesem Selbstbildnis, was relativ spät ist, schaut sie einen direkt an, so ein bisschen seitlich. Man sieht die sogenannte Monobraue, also die zusammengewachsene Augenbraue, die sie in ihren Gemälden noch betonte, also die sie extra noch stärker malte, als sie in Wirklichkeit war. Sie hat ihre Hochsteckfrisur mit Blumen im Haar. Sie trägt einen interessanten Ohrring, den Picasso ihr geschenkt hat. Und sie schaut aber sehr, sehr ernst.
Und sie hat ein Halstuch aus Dornen. Also das ist wie so eine christliche Dornenkrone, nur dass sie es um den Hals trägt. Und man sieht wirklich die Blutstropfen laufen. Im Hintergrund gibt es eine Fantasiewelt, die aus Blättern und Bäumen gemacht ist. Da gibt es Natur. Und dann unten drunter steht dann noch, wie auf so einer Fahne, wem dieses Bild gewidmet ist, nämlich dem Arzt, der sich damals sehr um sie gekümmert hat. Das war 1940.
Das war ein schweres Jahr für sie. Sie hatte ja nicht nur die Folgen dieses Unfalls, sondern sie hatte sowieso schon als Kind auch wegen einer angeborenen Wirbelsäulenverkrümmung viele Probleme gehabt, hatte viel im Bett liegen müssen, in Gipskorsetten Zeit verbringen müssen. Und sie hatte dann auch irgendwann, musste ein Fuß amputiert werden usw. Also es wurde immer schlimmer. Und sie widmet dieses Bild halt diesem Arzt.
Symbolik und Rezeption
Was erzählt es jetzt über die Malerin Frida Kahlo, dieses Gemälde? Es sind so unterschiedliche Signale, die sie immer sendet. Also Frida Kahlo ist ja zunächst mal, man könnte ja denken, es ist so ein bisschen naive Malerei, wenn man jetzt also nicht unbedingt auf dem Bild, aber auf anderen, wo auch die Figuren so ein bisschen kleiner sind. Sie hat keine Perspektive. Sie macht das alles immer so flach nebeneinander.
Sie bezieht sich ja auch sehr stark auf Volkskunst. Das ist ja auch sehr wichtig. Und das ist auch etwas, was die Bewegung, der ihr Mann Diego Rivera angehörte, die Wandmaler, die Moralistas, die haben sich halt auch auf diese Volkskunst bezogen und auch so eine Art Unabhängigkeit von der kolonialen Vergangenheit versucht in ihrer Kunst zu zeigen.
Und so kann man das eben auch interpretieren, wie sie dort einfach auch die Attribute in diesen Porträts so kombiniert. Also wirklich, alles hat eine Symbolik. Und mit diesem geschriebenen Text darauf, das ist halt auch ein Element, was es ganz viel in mexikanischer Volkskunst gibt.
Ihr habt in eurem Heft auch einen sehr schönen Text von Mito Sanyal über Frida Kahlo, und da schreibt sie auch: „Die Bilder sind Narrative und erzählen ganz viel.“ In dem Sinne natürlich auch die Tate Modern in London, die zeigt derzeit eine Ausstellung mit dem Titel „Frida: The Making of an Icon“, in der es darum geht, wie Kahlo wortwörtlich zur Ikone gemacht wurde und wie sie auch als solche von anderen Künstlern wiederum rezipiert wird.
Was würdest du sagen, warum fasziniert sie denn bis heute? Ein paar Punkte hast du ja schon angesprochen. Ja, sie ist eben anschlussfähig wegen ganz, ganz vieler Sachen. Also es gibt zum Beispiel Fotos von Frida Kahlo, wo sie einen Männeranzug trägt. Also das heißt, dass sie für so eine feministische Lesart total spannend ist. Dann geht es darum, wirklich gerade dieses Betonen des Indigenen.
Sie überbetont das ja auf eine Weise, weil sie hat indigene Vorfahren, aber eigentlich wirklich nur ganz wenig. Also es gibt ansonsten Spanisch und auch Deutsch in ihrer Familie. Aber sie findet halt dieses Indigene total spannend, weil sie das auch politisch gut findet. Also weil sie findet, dass das indigene Erbe Mexikos viel stärker betont werden soll.
Und deswegen betont sie das auch in ihren Outfits. Also wenn sie keinen Männeranzug trägt, dann trägt sie halt diese Trachten. Sie hat außerdem, also diese Biografie ist natürlich extrem anschlussfähig, weil sie einerseits, also diese Krankheitsgeschichte ist halt spannend.
Also ich glaube, da können sich viele Leute identifizieren, dass sie sagen: „Okay, wir müssen durch das Leid hindurchkommen und dann unsere Werke schaffen.“ Aber sie hatte auch alle möglichen Affären. Also es gibt ganz viel Liebe in der Story drin. Sie hatte Affären mit Männern und mit Frauen.
Also es heißt, es gibt einfach ganz viele Dinge, die da anschlussfähig sind. Und ich finde die Geschichte, wie sie zur Ikone geworden ist, das finde ich wirklich spannend, weil sie zu Lebzeiten schon auch Erfolg hatte, aber sie war schon einfach die Ehefrau von Diego Rivera.
Und sie hat Galerieausstellungen gehabt, aber keine große Museumsausstellung. Der Louvre hat ein Bild gekauft, aber ansonsten hatte sie vor allen Dingen private Sammler, die ihre Werke gut fanden. Aber es war kein Vergleich. Und sie ist eigentlich erst so in den 1970er Jahren, und dann haben die Südamerikaner in den USA, also die haben das praktisch entdeckt.
Da gab es so eine Art Bewegung, dass die ihre Identität anders betonen wollten. Und da fing das eigentlich an, dass Frida Kahlo zu so einer Pop-Ikone wurde. Also das Vehikel waren die Fotos.
Also es gab einen Fotografen, Nicolas Mouray, der hat ganz fantastische Fotos von ihr gemacht. Die beiden hatten natürlich auch eine Affäre miteinander. Und diese Fotos haben einfach so eine Stärke nochmal, dass sie sich ganz toll eignen, einfach dass man Poster draus macht, dass man Siebdrucke draus macht und so weiter.
Und darüber ist es eigentlich gekommen. Die Frida Kahlo-Rezeption spielt immer so Ping-Pong zwischen der Popkultur und zwischen der Hochkultur. Und das ist eigentlich bis heute so. Ich finde es auch interessant, dass man eigentlich nur so einzelne Teile ihres Gesichtes braucht und sofort eigentlich im kollektiven Gedächtnis weiß, wer da gerade gemeint ist.
Also entweder ist es die Monobraue oder der Oberlippenbart oder eben ihr Schmuck in den Haaren mit den Blumen, die sie getragen hat. Das finde ich mega interessant. Es gibt ja auch so Instagram-Filter und man kann sich auch selber… Das haben ja auch so Rihanna oder Madonna. Madonna ist ja auch ein riesiger Frida Kahlo-Fan. Die ist auch Sammlerin, also die besitzt auch Bilder von ihr.
Und also die alle nutzen das ja auch, nutzen diese Zeichen, um sich da zu zeigen, dass sie Fan sind. Diese Frage haben wir auch Mito Sanyal gestellt, warum sie Frida Kahlo so toll findet. Und auch im aktuellen Heft hat sie es beschrieben. Ihre Beziehung zu Frida Kahlo ist ambivalent, wie sie uns ja auch nochmal erzählt.
Und das ist halt auch das Tolle: Man kann ein Bild von Frida Kahlo genießen und dann kommt man wieder und sieht es wieder und entdeckt so viel mehr noch darauf. Ich finde es zum Beispiel total geil, dass in der Regel die Rahmen einfach mit Fläche sind, dass die mit bemalt werden, dass das Bild im wahrsten Sinne die Grenzen sprengt.
Ich finde es total toll an ihr, dass sie so viel mit diesem Aspekt des tatsächlich Sakralen arbeitet, das auch bricht, aber dass man wirklich das Gefühl hat, Kunst kommt aus dem Kult. Und das merkt man ihren Werken einfach noch sehr, sehr an.
Politische Dimensionen
Und natürlich dann irgendwann diese Bilder postkolonial zu lesen und ihre ganzen Versuche, diese verschiedenen mexikanischen Traditionen gegen diese europäischen Bildtraditionen zu setzen und dann irgendwann zu merken: Ja, Frida Kahlo hat total viel Cultural Appropriation gemacht. Und man kommt nicht sauber ins Reine. Und diese Bilder sind im wahrsten Sinne des Wortes einfach auch Schmutz.
Das müssen wir noch mal kurz einordnen und erklären. Kunst kommt aus dem Kult, sagt Mito Sanyal, und sie spricht auch die Cultural Appropriation, also die kulturelle Aneignung an, von der du ja auch gerade schon ein bisschen gesprochen hast, derer sich ja Frida Kahlo bedient hat.
Interessant finde ich auch in dem ganzen Zusammenhang: Ich habe am Anfang gesagt, 1907 ist sie geboren, aber eigentlich hat sie immer 1910 angegeben als ihr Geburtsjahr, einfach weil das das Jahr der mexikanischen Revolution war und das für sie ja ein sehr wichtiges Jahr war. Und wo sie sich auch eingeschrieben hat.
Vielleicht noch mal so ein bisschen zurückgestellt gefragt: Wie zeigt sich denn die kulturelle Aneignung in ihrer Kunst? Kannst du uns darüber noch was erzählen? Ja, ich hatte ja schon gesagt, also ihr indigenes Erbe ist ja eigentlich gar nicht so groß, aber trotzdem betont sie das stark, indem sie einfach diese Kleider anzieht, indem sie diese auch präkolumbianischen Dinge, also sie malt das ja teilweise auch, das kommt auch in ihren Gemälden vor.
Und einfach dieser Stil, das ist ja ein Stil, der so tut, zunächst mal als wäre so die europäische Moderne eigentlich kaum passiert. Also es ist ja auf eine Weise naive Malerei, aber dann ja doch nicht, weil das ja bewusst gewählt ist und weil sie auch gerade in den Selbstporträts wieder darüber hinausgeht.
Also es ist wirklich so, sie spielt so damit. Und ich habe das damals in Mexiko auch, als ich da war, fand ich das auch extrem spannend. Also Diego Rivera hat auch noch ein ganz, ganz großes Museum gebaut für seine Riesensammlung präkolumbianischer Kunst.
Also die Identifikation damit war sehr, sehr stark. Und auf der anderen Seite war die Idee, dass das Appropriation sein könnte, also dass die eigentlich als nicht wirklich indigene Künstler und Künstlerinnen sich da etwas aneignen, was ihnen eigentlich nicht gehört, das ist überhaupt nicht da.
Also das ist in ihrem Bewusstsein nicht da im 20. Jahrhundert, das ist auch in seinen nicht da, sondern da ist so eine ganz ungebrochene Begeisterung dafür. Die stellen sich gar nicht die Frage: Verstehen wir das eigentlich? Haben wir Zugang zu dieser Spiritualität, die diese Objekte auch repräsentieren? Sondern die nehmen die sich einfach und nehmen die selbstbewusst und sagen: „Okay, wir wollen hier eine neue mexikanische Identität schaffen, die eben auf diesen indigenen Zeichen fußt.“
Und das fand ich wirklich total spannend. Interessant, dass du das beschreibst, weil ich habe im Vorfeld eine Dokumentation auch über sie gesehen, die vor allem über Archivmaterial funktioniert. Und da gab es zum Beispiel diese eine Passage, wo sie nach Paris eingeladen wurde von André Breton, den Surrealisten, die sie ja auch sehr, sehr toll fanden und ihr eine Ausstellung dort bereitet haben.
Und dann ihre Werke in Kombination mit mexikanischer Volkskunst zeigen wollten. Und das fand sie wiederum total doof. Naja, sie wollte natürlich auch Anschluss an die europäische Avantgarde. Also das ist ja immer so beides. Kann man ja auch total verstehen.
Also natürlich hat sie sich dann auch als Künstlerin… Sie waren ja auch lange in den USA, sie und Diego. Und natürlich wollte sie auch in der Szene dann Erfolg haben.
Ikonische Aspekte
Wir sind ja gerade in diesem großen Themenkomplex ikonisch und wie sie dahin gekommen ist, wo sie auch anschlussfähig ist von vielen Seiten, wie sie auch vereinnahmt wurde oder auch selbst vereinnahmt hat auf ganz unterschiedlichen Ebenen. Es gibt noch einen anderen Aspekt, der in ihrem Werk im wahrsten Sinne des Wortes ikonisch ist.
Hier auch nochmal Mito Sanyal: „Aber die andere Sache, die wir immer übersehen, ist, dass sie ja auch mit Ikonen, also im wahrsten Sinne des Wortes, mit religiösen Bildern gearbeitet hat. Das sind ja die Vorbilder für diese Retablos, also diese hauptsächlich kleinformatigen, auf Blech gemalten Bilder, die sie gemacht hat.
Das sind so kleine Altäre, die irgendwie so als Danke für Heilige gemalt worden sind, um sich zu bedanken, dass ein Mann aus einer schwierigen Situation, aus einer Krankheit erlöst worden ist, dass man geheilt worden ist. Und das ist halt irgendwie das Ikonische, tatsächlich in der Methode, mit der sie malt, bereitsteckt.
Ja, durch ihre starke Vermarktung rückt das eigentliche Werk von Frida Kahlo in den Hintergrund, sagt Mito Sanyal. Außerdem führe das zu einer Entpolitisierung ihrer Person. Das ist auch einer ihrer Kritikpunkte, wie sie sagt: „Es ist ja einfach immer alle vergessen, dass Frida Kahlo Marxistin war und Kommunistin war, auch mit allen Schwierigkeiten darin.“
Ich glaube, ich habe in dem Artikel nicht mit erwähnt, dass Frida Kahlo auch… Ich habe wirklich ein Problem, das auszusprechen. Sie war nicht wirklich kritisch Stalin gegenüber, wenn wir es diplomatisch ausdrücken sollen. Damit war sie auch nicht die Einzige.
Also Pablo Neruda hat da auch einige wirklich schlimme Gedichte zugeschrieben zu Stalin. Und auch das müssen wir sehen. Bloß weil Menschen in bestimmten Bereichen brillant sind, sind sie das nicht überall. Aber sie war in ganz vielen anderen Punkten politisch wahnsinnig klar.
Für sie war Politik und Kunst untrennbar in einer sehr produktiven Form. Also nicht in einer Form, die Kunst durch Propaganda ersetzt, sondern die eher Kunst nochmal durch den politischen Impetus befeuert. Bis kurz vor ihrem Tod setzte Frida Kahlo sich politisch ein und nahm auch im Rollstuhl an Demonstrationen teil. Allein das ist schon ein politischer Akt.
Fazit
Nochmal abschließend jetzt gefragt: Wie äußert sich die politische Frida Kahlo in ihrem Werk? Naja, man kann zunächst einmal überhaupt dieses Suchen nach einer genuinen mexikanischen Kunst und Identität, was man in ihrem Werk sieht, das ist ja allein schon politisch, weil es geht ja in dieser Zeit wirklich ganz stark darum.
Also das ist ja die Zeit auch der Dekolonisierung überall, also der Unabhängigkeitsbewegung auch in afrikanischen Ländern und so weiter. Und es geht halt darum: Wie werden wir eigentlich, zum Beispiel die US-amerikanische Dominanz los? Wie finden wir unsere eigene Identität?
Also ich finde das auch sehr spannend, dass in der Zeit die sich sehr viel damit beschäftigt haben, ob es eigentlich noch die indigenen Sprachen gibt, die die Azteken gesprochen haben oder die andere Volksgruppen gesprochen haben in Mexiko. Auch damit haben sich diese Generationen, diese Kreise um Frida Kahlo und Diego Rivera beschäftigt, und das findet sich natürlich in ihrem Werk.
Und dann aber so ganz straight, also dieses Mitglied der kommunistischen Partei und so, das sieht man natürlich in dem Werk irgendwie nicht. Ich finde es auch total spannend. Ich finde es sehr lustig, wie Mito Sanyal wiederum richtig Probleme damit hat, das auszusprechen, dass sie Stalin toll fand.
Also nicht Mito, sondern dass Frida Kahlo Stalin zwischendurch oder am Ende ihres Lebens toll fand. Also das ist einfach eine andere Zeit gewesen, und Frida Kahlo hat nicht alles toll gefunden, was wir heute toll finden. Aber dieses Kämpferische, dieses Für das Volk Eintreten, das hat sich irgendwie durchgezogen, und das ist wirklich auch total wichtig für die Rezeption dieser Künstlerin.
Und das ist halt etwas, wo man sich fragt: Geht Madonna da auch mit bei dem Kommunismus? Aber das macht es halt so spannend, dass es halt so vielfältig auch ist.
Ich glaube übrigens gar nicht, dass Mito Sanyal unbedingt so ein Problem damit hat, dass Frida Kahlo so kommerzialisiert wird. Beziehungsweise sie sagt ja eigentlich, also zumindest schreit sie in dem Text bei uns, dass Frida Kahlo selber das wahrscheinlich sogar gar nicht so schlecht gefunden hätte.
Wahrscheinlich hätte sie sich selber eine Frida Kahlo-Tasse gekauft. Also weil es einfach so in alle Richtungen geht. Also wenn man sozusagen sagt, man ist Kommunistin und man möchte was fürs Volk, man kommt aus der Volkskunst, dann ist es auch total in Ordnung, wenn man selber als Bild von ganz, ganz vielen einfach gekauft werden kann und auf einer Tasse rumsteht.
Also dann ist diese Popularität ja eigentlich auch total stringent mit dem restlichen Werk. Das macht ja Sinn. Und das vor allem in dieser Zeit auch als Frau. Ja, also das ist eben auch was. Sie ist ja wirklich auch auf dem Kunstmarkt mittlerweile. Ihr Werk, also ein Bild von ihr, war das teuerste je von einer Frau gemalte und so weiter.
Sie hat ja mega Erfolg. Sie hat sich durchgesetzt. Sie war neben dem übermächtigen Mann, hat sie sich als Künstlerin selbst gefunden. Also das ist ja auch was, wo man als Feministin oder einfach nur als Frau sich wahnsinnig gut identifizieren kann. Also sie ist auch in der Hinsicht eine Ikone.
Das sagt Elke Buhr, Chefredakteurin des Monopol Magazins. Vielen lieben Dank dir, Elke, für dieses Gespräch. Gerne.
Warum fasziniert Frida Kahlo bis heute und wie ist sie eigentlich zur Ikone geworden? Darum ging es in dieser Folge. Wer tiefer einsteigen will in ihr Leben, in ihr künstlerisches Schaffen, dem kann ich sehr den Dokumentarfilm „Frida“ von 2024 von Carla Guterres empfehlen.
Sie hat ausschließlich mit Archivmaterial gearbeitet, also mit Bildern und Videoaufnahmen und zitiert aus den Briefen und unter anderem auch Tagebüchern von Frida Kahlo. Also es ist wirklich ein sehr intimer und auch sehr persönlicher Einblick, den man da gewinnen kann.
Und wer jetzt sagt: „Moment mal, da gab es doch noch einen anderen Film?“ Ja, mit dem gleichen Titel, ein Spielfilm „Frida“ von 2002, also 22 Jahre früher, von Regisseurin Julie Taymor mit Salma Hayek als Frida Kahlo in der Hauptrolle, ist dafür auch ausgezeichnet worden.
Beide Filme sind auf jeden Fall sehr sehenswert, wenn ihr auf der Ebene auf jeden Fall noch einsteigen wollt. Ansonsten kann ich euch natürlich wärmstens das aktuelle Heft empfehlen. Da findet ihr auf jeden Fall auch noch mal einen sehr tollen Text von Mito Sanyal und auch noch mal so einen Überblick über ihr Leben.
„Kunst und Leben“, den Podcast in Kooperation mit dem Monopolmagazin, den gibt es zweimal im Monat, immer dienstags hier mit mir, mit Sarah Marie Plikat, bei detektor.fm. Danke möchte ich sagen an meine KollegInnen. Produziert hat diese Folge Clemens Möller. Und ich bin Sarah Marie Plikat. Ich habe es gerade schon gesagt: Ich bedanke mich bei euch fürs Zuhören, sage Tschüss und bis zum nächsten Mal. „Kunst und Leben“, der Monopol-Podcast von detektor.fm.