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Bild: Die spanische Sängerin Rosalía bei der Vanity Fair Oscar Party 2025. | AFP/Michael Tran

Monopol-Podcast | Mystik

In anderen Sphären

Der Vatikan ehrt die Mystikerin Hildegard von Bingen auf der Biennale in Venedig und die spanische Sängerin Rosalía widmet ihr aktuelles Album „LUX“ verschiedenen Mystikerinnen. Woher kommt diese neue Begeisterung für die Mystik?

Zwischen mystischem Nebel und göttlicher Erfahrung

Die Mystik — also das Streben nach einer göttliche Erfahrung — gibt es in fast allen großen Religionen und spirituellen Traditionen. „Im Christentum zum Beispiel bei Meister Eckhart oder bei Theresa von Avila“, sagt Daniel Völzke, „im Islam vor allen Dingen im Sophismus und im Judentum in der Kabbala, auch im Hinduismus und Buddhimsus.“ Ihre Gemeinsamkeit bestehe darin, dass die transzendentale Erfahrung unmittelbar ist.

Die Erkenntnis wird als direkt beschrieben und nicht durch Vernunft oder Sinne vermitteltes Erleben.

Daniel Völzke, Monopol-Magazins

Daniel Völzke, Monopol-MagazinsFoto: Monopol

Es geht also um eine Erfahrung, die eigentlich kaum in Worte zu fassen ist. „Manche haben es als eine Auflösung zwischen Ich und Welt beschrieben“, so Völzke. In ihren Schriften haben Mystikerinnen und Mystiker dennoch immer wieder versucht, diese unbeschreibliche Erfahrung in Worte zu fassen. So auch Hildegard von Bingen. Die Mystikerin lebte von 1098 bis 1179 und verfasste zahlreiche Schriften über ihre Visionen, Musik und Heilkunde. Mitte des 12. Jahrhunderts gründete sie ihr eigenes Kloster.

Die „neue“ Mystik

Eine, die den Mystik-Diskurs in der Popkultur gerade sehr vorantreibt, ist die spanische Sängerin Rosalía. Auf ihrem aktuellen Album „LUX“ widmet sie jeden Song einer anderen Mystikerin. Auf dem Cover sieht man sie in einem weißen Novizinnen-Gewand. Gleichzeitig arbeitet Rosalía auf ihrer Album-Tour mit vielen religiösen Symbolen. Besonders wichtig ist der Musikerin dabei, dass ihre Musik ohne technisches Zutun, etwa durch KI, entstanden sei, sondern aus einer menschlichen Erfahrung heraus.

Einen etwas anderen Umgang mit Mystik haben der Künstler Matt Dryhurst und die Künstlerin Holly Herndon. Sie verwenden in ihrem Werk „Starmirror“ bewusst Künstliche Intelligenz, um eine transzendentale Erfahrung zu erzielen. Dafür haben sie u. a. eine KI mit Ausschnitten aus dem Werk „Ordo Virtutum (1151)“ von Hildegard von Bingen trainiert. Auf dieser Grundlage hat die KI ein Liederbuch verfasst. Die Dabei entstandenen Werke wurden schließlich von Chören und Gästen der Ausstellung eingesungen. Dieser vielschichtige Chor wurde Teil einer immersiven Klanginstallation. „Dieser Moment des choralen Singens“, sagt Donna Schons, „bei dem quasi viele Stimmen zusammenkommen und dann ein größeres Ganzes entsteht, ein Überschuss an Bedeutung, der mehr ist als die Summe seiner Teile und dann metaphorisch auf die KI übertragen wird.“

Das ist ein ganz interessanter Ansatz, der irgendwie diese zwei eigentlich sehr unterschiedlichen Momente von Mystizismus und KI zusammenbringt.

Donna Schons, Monopol-Magazin

Donna Schons, Monopol-Magazin Foto: Privat

Aber woher kommt die aktuelle Begeisterung für die Mystik? „Was allem zugrunde liegt ist, denke ich, auch so eine Sehnsucht nach diesen unmittelbaren körperlichen Erfahrungen“, sagt Donna Schons. „Gerade in einer Zeit der digitalen Lebensrealitäten, in der KI immer präsenter wird, hat die Mystik noch mal eine ganz andere Attraktivität als Form des Erkenntnisgewinns. Es ist etwas, dem man sich wirklich vollkommen hingeben kann, wo man Dinge erlebt, die man nicht sofort entschlüsseln und nummerieren und erklären kann.“

In dieser Folge von „Kunst und Leben“, dem Podcast in Kooperation mit dem Monopol-Magazin, spricht detektor.fm-Moderatorin Sara-Marie Plekat mit Donna Schons und Daniel Völzke vom Monopol-Magazin über die Begeisterung der Kunst für die Mystik. Die Installation „Starmirror“ von Holly Herndon und Matt Dryhurst kann man noch bis zum 11.10.2026 in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen K21 besichtigen.

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