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Foto: Master1305 / Shutterstock
Bild: Master1305 | Shutterstock

Monopol-Podcast | Social Media und Kunst

Warum wir nur noch reagieren, statt zu agieren

Wir leben in einer hyperreaktiven Gesellschaft, sagt die Kulturwissenschaftlerin Annekathrin Kohout. Denn durch Social Media ist man häufig geradezu dazu gezwungen, zu reagieren, entziehen könne man sich dem kaum. Warum?

Social Media und Kunst

Instagram, TikTok und Co. gehören längst zu den Standard-Kanälen der Kunstwelt. Viele Künstlerinnen und Künstler nutzen die Plattformen auch als persönliche Visitenkarte, zeigen Werke und teilen Ausstellungen. Journalistinnen und Journalisten wiederum nutzen Social Media unter anderem für die eigene Recherche. „In unserem Bereich bekommt man die News nicht über dpa“, erzählt Elke Buhr im Podcast, „sondern über internationale und private Kanäle. Insofern macht es auch total Sinn, da unterwegs zu sein.“ Dieses Zusammenspiel aus sehen und gesehen werden hat mittlerweile Dynamiken angenommen, denen man sich kaum mehr entziehen kann, sagt Kulturwissenschaftlerin Annekathrin Kohout. Sie spricht von einer Welt der Reaktionskultur, in der wir leben.

Man kann sich eigentlich gar nicht durch die sozialen Medien bewegen, ohne zu reagieren. Der bloße Konsum, das Scrollen, Liken, Kommentieren, all das hinterlässt messbare Daten.

Annekathrin Kohout, Kulturwissenschaftlerin

Annekathrin Kohout, KulturwissenschaftlerinFoto: Neven Allgeier

Auf diese Art und Weise zahlen wir mit unseren digitalen Spuren auf den Algorithmus ein und bestimmen damit auch, was sichtbar ist und was nicht. Und so reagieren wir oft unbewusst, gehen dem nach, was der Algorithmus bestimmt und den wir durch unser eigenes Navigieren durch die verschiedenen Profile und Posts füttern. Dabei können manche Reaktionen äußerst kreativ sein und erinnern an zeitgenössische Ready-mades. Denn für Memes, Videos und GIF’s werden oft Inhalte aus ihrem Kontext gelöst und neu zusammengesetzt. Eine Praxis, die an Methoden der künstlerischen Avantgarde erinnern, so Kohout, oder an die Appropriation Art und Pop Art.

Man nimmt etwas, setzt es in einen anderen Kontext und geht damit sehr spielerisch, sehr frei und auch provokant um.

Annekathrin Kohout

Debatten in der digitalen und analogen Welt

In manchen Fällen entwickeln sich solche Debatten auf eine Art und Weise, die konkrete Folgen außerhalb der digitalen Welt haben. Oder von bestimmten — oft politischen —  Seite instrumentalisiert werden. Ein Beispiel dafür ist die Debatte um eine Ausstellung der Schweizer Künstlerin Miriam Cahn, die 2023 im Pariser Palais de Tokyo gezeigt wurde. Cahn beschäftigte sich vor dem Hintergrund des Kriegs in der Ukraine in einem Werk mit sexueller Gewalt. Trotz Triggerwarnung und Hinweisschildern Seitens des Museums wurde ein Abbild des Werkes auf X als vermeintliche Kinderpornografie dargestellt. Maßgeblich vorangetrieben wurde das durch den französischen Moderator Karl Zéro, der zugleich auch als Anti-Pädophilie-Aktivist bekannt ist. Sein Post ging viral und führte schließlich dazu, dass ein ehemaliger Front-National-Politiker das Bild in der Ausstellung zerstörte.

Ein anderes Beispiel: 2024 ruft die CDU in Osnabrück zum Boykott einer Ausstellung von Sophia Süßmilch in der Kunsthalle Osnabrück auf. Über diesen Fall haben wir auch in diesem Podcast gesprochen. In ihrer Ausstellung setzte sich Süßmilch mit der Beziehung zwischen Mutter und Kind auseinander  — und mit Kannibalismus. Dem CDU-Politiker Marius Keite war das zu viel, deswegen griff er ein — ohne die Ausstellung zu dem Zeitpunkt gesehen zu haben. Süßmilch wird daraufhin mit einem Shitstorm überzogen und erhält sogar Morddrohungen.

In dieser Folge von „Kunst und Leben“, dem Podcast in Kooperation mit dem Monopol-Magazin, spricht detektor.fm-Moderatorin Sara-Marie Plekat mit der Kulturwissenschaftlerin und Autorin Annekathrin Kohout und Monopol-Chefredakteurin Elke Buhr darüber, wie Social Media die Welt der Kunst beeinflusst. Eine Frage, mit der sich Annekathrin Kohout intensiv in ihrem Buch „Hyperreaktiv – Wie in Sozialen Medien um Deutungsmacht gekämpft wird“ auseinandergesetzt hat.

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