Album der Woche: The Dodos – Individ

Die Zahlendreher

26.01.2015

Es gibt auf jeden Fall coolere Vögel als den Dodo. Der sieht zwar ganz witzig aus, ist aber längst ausgestorben und konnte noch nicht mal fliegen. Zwei Herren aus San Francisco haben trotzdem ihre Band nach ihm benannt und die Musik ist so gut, dass „Individ“, die fünfte Dodos-Platte, unser Album der Woche ist.

Meric Long und Logan Kroeber: die beiden Vögel von The Dodos. Foto: Chloe Aftel

The Dodos - Individ

Individ

The Dodos

(Morr (Indigo), bereits erschienen)

Es ist noch keine eineinhalb Jahre her, dass „Carrier“ erschienen ist, das vierte Dodos-Album. Nach den Aufnahmen dafür war die Band so euphorisch, dass es gleich weitergehen musste mit der nächsten Platte – noch bevor „Carrier“ überhaupt erschienen war. Es gab keine Tour, keinen ausgedehnten Südseeurlaub, dazu lief es im Studio einfach zu gut. Einen Monat Pause haben sich die beiden Dodos gegönnt zwischen den Aufnahmen für „Carrier“ und „Individ“.

Wir hatten genügend Zeit um zu sagen: Das war die eine Phase, jetzt kommt die nächste. Wir hatten auch keine weiteren Songs fertig, in die Arbeiten zu „Individ“ sind wir vollkommen frei gestartet. Ich glaube, man muss eine ganze Platte machen, um sich ans Aufnehmen, an das Studio und an die Menschen drumherum zu gewöhnen. Die beste Zeit zum Aufnehmen ist direkt nachdem man ein Album fertiggestellt hat – so lange die Begeisterung präsent und der Tank noch nicht leer ist. Man muss ein Album machen, um zu lernen, wie man ein Album macht.

Der Enthusiasmus ist auch gefährlich

Es entsteht eine Art naiver Enthusiasmus, wenn man sich eine Aufnahme zum ersten Mal anhört. Sie kommt aus den Boxen und du denkst dir: Oh mein Gott, das klingt fantastisch, ich kann gar nicht glauben, das gemacht zu haben. Aber so denkst du nur, weil du gerade aus dem Nichts etwas erschaffen hast. Du bist begeistert von dir selbst, auch wenn das Ergebnis gar nicht so gut ist.

„Individ“ ist keine leicht zugängliche Platte, vor allem rhythmisch nicht. Nur ungefähr die Hälfte der Songs steht grob im 4/4-Takt, alles Andere versucht sich im 3er- oder gleich in noch weniger verbreiteten Taktarten. Und wenn es dann doch mal ein 4er wird, dann ist der meistens so voll von Synkopen und rhythmischen Stolperfallen, dass man genau hinhören muss, um ihn zu erkennen.

Höhere Takt-Mathematik

Und das Spiel geht noch weiter: The Dodos scheinen es witzig zu finden, bei fast allen Tracks einen Zusammenhang zwischen Nummer auf der Trackliste und Taktart herzustellen. Zumindest bei den Tracks 2, 3, 4, 5 und 6. Die stehen nämlich im 2er-, 3er-, 4er-, 5er- und 6er-Takt. Allerdings mischt sich bei Nr. 6 zwischendurch auch schon mal ein 7er-Takt dazu, bei Track 7 dagegen fehlt der komplett und in Track 9 liegen mal eben 3er- und 4er-Takt übereinander. Klingt ganz schön nerdig? Ist es auch.

Was The Dodos da machen ist längst nicht mehr der Psychedelic Folk von früher. Meric Long und Logan Kroeber spielen Indie Rock der mutigen und interessanten Sorte. Auch mit „Individ“ werden sie nicht die ganz große Öffentlichkeit erreichen, dafür verstrickt sich der Sound zu sehr in verkopften Ideen. Wem der Standard-Indie aber schon länger zu langweilig ist und wer sich mit Musik lieber auseinandersetzt als sich berieseln zu lassen, der kann an The Dodos seine wahre Freude haben.

Redaktion: Konrad Spremberg