Album der Woche: Lydmor & Bon Homme – Seven Dreams Of Fire

Die Rache der Nerds

09.11.2015

Tomas Hoffding ist ein vielbeschäftigter Mann: Mit seiner Band WhoMadeWho ist er ständig auf Tour, nebenbei nimmt er als Bon Homme auch solo Musik auf. Mit der Sängerin Jenny Rossander macht er als Lydmor & Bon Homme bittersüßen Pop Noir.

Jenny Rossander & Tomas Hoffding mögen Drama und Düsternis. Foto: Morten Rygaard

Lydmor & Bon Homme - Seven Dreams Of Fire

Seven Dreams Of Fire

Lydmor & Bon Homme

(Hfn Music, bereits erschienen)

detektor.fm sammelt – für eine neue Sendung am Vormittag


Jenny Rossander und Tomas Hoffding alias Lydmor & Bon Homme entsprechen auf den ersten Blick ganz dem coolen Elektromusiker-Image. Beide ganz in schwarz gekleidet, sie mit knallrotem Lippenstift, er mit Bart und dem unverkennbaren Melonenhut. Da verwundert es doch ein wenig, dass Bon Homme ihr gemeinsames Projekt kürzlich als Rache der Nerds bezeichnet hat.

Naja, Jenny hat früher Klarinette gespielt und ich Akkordeon. Als ich zwölf war, habe ich drei Stunden täglich geübt, hauptsächlich dänische Folklore. Es war total uncool. Aber das ist eine Stärke von nerdigen Typen: Du machst etwas, weil du es magst und nicht um hip zu sein. Es gibt diese britische Band namens Art Brut, die machen Rockmusik und der Frontmann spricht seine Texte dazu. In einem ihrer Songs ruft er immer wieder: Schaut her, wir haben eine Band gegründet! So in etwa fühlt man sich, wenn man von Akkordeon und Klarinette kommt und dann hippe elektronische Musik macht.

Es braucht Magie

Kennengelernt haben sich die beiden vor ein paar Jahren, als Lydmor für Bon Hommes Band WhoMadeWho als Warm-Up gespielt hat. Viele Tequilas und eine durchgefeierte Nacht später war ihnen klar, dass sie gemeinsam Musik machen wollen.

TH: Als Musiker trifft man viele Leute, man arbeitet zusammen, schreibt und produziert die Songs von anderen. Ab und zu trifft man jemanden und es macht Boom! Die Chemie stimmt einfach und bei ihr war das so. Wir sind einerseits sehr unterschiedlich, aber wir haben auch vieles gemeinsam. Alles was sie macht, finde ich super. Es braucht einfach diese Magie, damit man als Band funktioniert.

JR: Ja, es ist diese Kombination aus unterschiedlichen Talenten und der Begeisterung für die Fähigkeiten des anderen.

Lydmor & Bon Homme vereinen ihre Talente zu einer berauschenden Kombination aus treibenden Rhythmen, üppigen Synthie-Teppichen und Ohrwurm-Melodien. Das Ganze tauchen sie in eine melancholisch-gespenstische Atmosphäre, wie in einem David-Lynch-Film. Seven Dreams Of Fire ist ein Album für die Nacht.

JR: Als wir begonnen haben zusammenzuarbeiten, wollten wir etwas Hartes, Tanzbares machen. Wir wollten Europa zu Tode tanzen! Aber wir haben auch beide eine sehr emotionale und nostalgische Seite, das kommt in den Songs durch.

Das Mädchen und der Macho

Lydmor & Bon Homme spielen mit ihren Gegensätzen: sie mädchenhaft und zerbrechlich, er der coole Macho. Im Song Trampoline singt Lydmor „I’ve got a gun in my hand and it’s killing me man“ und man fühlt sich an Bonnie und Clyde erinnert. Drama und Düsternis finden beide faszinierend, sagt Bon Homme.

Wir sind davon fasziniert, aber wir sind ja nicht drogenabhängig oder obdachlos. Es ist aber interessant, sich das vorzustellen. Wenn man Musik macht ist das wie mit gutem Essen: Man braucht etwas Süßes, etwas Saures und auch etwas Salziges. Es muss ausgewogen sein. Musikalisch mögen wir es beide süß. Und wenn man einerseits all diese Lieblichkeit und Milde hat, muss man auch mal Fuck sagen. Man braucht auch ein paar harte Kanten.

Der Albumtitel Seven Dreams Of Fire bezieht sich auf sieben der Songs, in denen es um ähnliche Themen geht, erklärt Bon Homme.

Es geht um Verlangen, Verzweiflung und dass man keine Befriedigung findet. Ich denke, dass alle Menschen überall auf der Welt solche Gefühle haben. Vielleicht hört jemand die Songs und denkt: Jeder fühlt sich manchmal so und das ist ok. Man kann tanzen und so diese Gefühle rauslassen. Und man muss niemanden umbringen.

Mit Lydmor & Bon Homme haben sich zwei kongeniale Partner gefunden. Mit ihrem bittersüßen Pop Noir treffen sie genau die richtige Stelle zwischen Ekstase und Melancholie.