Album der Woche | Planningtorock – Powerhouse

Mit Musik geht alles besser

12.11.2018

Die britische Musikerin Jam Rostron alias Planningtorock hat sich in der Vergangenheit vor allem mit Genderfragen beschäftigt. Auf ihrem vierten Album „Powerhouse“ schaut sie auf ihre eigene Vergangenheit und die Menschen, die in ihrem Leben wichtig gewesen sind.

Wendet den Blick nach innen: Planningtorock.
Foto: Goodyn Green

Planningtorock - Powerhouse

Powerhouse

Planningtorock

(DFA, bereits erschienen)

Das Titelstück Powerhouse ihres neuen Albums hat Jam Rostron alias Planningtorock ihrer Mutter gewidmet. Sie ist das Powerhouse in ihrem Leben gewesen; sie hat ihr die Wirkung von Musik gezeigt. Mit Hilfe ihrer Platten hat sie Kraft gesammelt, unter anderem um sich gegen die Vorurteile zu wappnen die Rostrons autistischer Schwester immer wieder entgegenschlugen. Mit diesem Song gibt Rostron einen kleinen Einblick in ihr Leben als Heranwachsende in der Kleinstadt Bolton nordwestlich von Manchester. War ihr letztes Album All Love’s Legal eine nach außen gerichtete Kampfansage, schaut Jam Rostron auf „Powerhouse“ eher nach innen.

„Trans“ und „awesome“

Bekannt geworden ist Planningtorock als Kämpferin für Geschlechter-Neutralität. Sie setzt sich nicht nur in ihren Texten damit auseinander. Sie zieht auch Masken oder Perücken an und verfremdet ihre Stimme. Ihren Vornamen hat sie von Janine in das geschlechterlose Jam abgeändert. Selbst wenn es nicht mehr der alles bestimmende rote Faden ist, kommt sie auch auf Powerhouse nicht um das Thema Geschlechter-Neutralität herum. Das zeigt sich zum Beispiel im Albumcover. Darauf zu sehen ist ein Zeichen, das die Geschlechter-Symbole ineinander verschlungen darstellt . Aber auch in der ersten Single Transome – einer Kombination der Wörter „trans“ und „awesome“.

Aufgenommen hat Planningtorock das Album in London, Los Angeles, New York und ihrer Wahlheimat Berlin. Die Musik ist ein gutgelaunter Mix aus House, Elektropop und R’n’B. Es erklingen jede Menge Sytnhies, im abgehackten Stakkato, aber auch als melancholische Flächen. Auch Querflöten hüpfen hier und da durch die Songs, während der Gesang über mal geraden, tanzbaren, mal experimentellen sphärischen Beats schwebt.

Das Haus hat gewackelt

Rostrons Stimme ist immer noch mit Autotune und anderen Effekten verfremdet. Ausnahme ist das Stück Beulah Loves Dancing, in dem Rostron von ihrer Schwester erzählt, die mit ihrem Walkman Housemusic-Kassetten hört und so wild tanzt, dass das ganze Haus wackelt.

Auf Powerhouse versucht Planningtorock auch alte Wunden zu heilen und zu vergeben. Schmerz wird hier in tanzbare, lebensbejahende Songs verwandelt. Mit seinen persönlichen Einblicken macht das Album Mut und bestärkt in der Erkenntnis: mit Musik geht alles gleich viel besser.