Album der Woche: The/Das – Freezer

Zwischen den Welten

18.08.2014

Den Neuanfang der Bodi-Bill-Mitglieder Anton Feist und Fabian Fenk als The/Das gibt's jetzt in Albumlänge. Der Sound erinnert an die Vorgängerband, führt aber den Zwischenwelten-Pop der Berliner mit krautigen Auswüchsen konsequent weiter.

Anton Feist und Fabian Fenk von The/Das. Fotos: Anna K.O. and Rosa Merk & Crystalmafia

The/Das - Freezer

Freezer

The/Das

(Sinnbus, bereits erschienen)

Eins gleich vorweg: Was sich mit dem Vorboten „My Made Up Spook“ vor ein paar Wochen schon angekündigt hat, bestätigt sich nun auf dem acht Stücke umfassenden Gesamtwerk „Freezer“. The/Das ist kein Bruch mit den musikalischen Biografien seiner beiden Köpfe, sondern die konsequente Weiterentwicklung der Vorgängerband Bodi Bill.

Der Entschluss zum Neuanfang als The/Das reicht drei Jahre zurück. Fabian Fenk erinnert sich an eine Zugfahrt zu einem Festival. Alex Stolze berichtete seinen beiden Bodi-Bill-Kollegen von den Plänen für seine neue Band Unmap.

… und da ist die Idee entstanden, dass man sich ja mal wieder Zeit nehmen und andere Sachen ausprobieren kann. Wir sind dann umgezogen in ein neues Studio, zusammen mit dem Label und ein paar Freunden. Anton und ich wollten weiter zusammenarbeiten. In den sechs, sieben Jahren Bodi Bill wurde schon eine Menge gesagt. Für mich war es ein guter Moment, um mal Abstand zu haben und mit einer anderen Ausgangsposition Musik zu machen.

„Wir wollten gar nicht anders klingen“

Der Sound von The/Das ist beim ersten Hören nicht weit entfernt von den Klangwelten alter Bodi Bill-Stücke. Der Teufel steckt wie so oft im Detail. Die Beats rücken ein bisschen in den Hintergrund und machen Platz für Melodien und Sound-Experimente. Anton Feist sagt, neu sei das gewachsene Selbstbewusstsein, mit dem The/Das zu Werke gehen.

Es war gar nicht das Ziel, anders klingen zu wollen. Uns war bewusst, dass wir immer noch wir selbst sind. Fabian hat die Stimme, die er hat und wir haben noch immer fast dieselben Produktionsmittel. Der Unterschied ist, dass wir in den letzten Jahren mehr Erfahrung gesammelt haben und dadurch mehr auf den Punkt kommen mit dem, was wir wollen. Wir haben kritischer ausgesucht und haben nicht an alten Skizzen gehangen. Früher wollten wir irgendwas zum Funktionieren bringen, obwohl es gar keine Chance hatte. Jetzt haben wir das Selbstbewusstsein: Egal, uns fällt was Neues ein, mach mal weiter!

TheDas_polaroid4_by_crystalmafia

Die neue Arbeitsweise hatte aber auch zur Folge, dass die beiden unzählige Ideen wieder verworfen und neu ersponnen haben, sowohl was den Sound betrifft als auch die Texte von Fabian Fenk.

Ich habe über die Jahre ein Gefühl für die englische Sprache entwickelt, aber bin weit davon entfernt, Lyrics zu schreiben wie ein muttersprachlicher Poet. Insofern ist das für mich ein bisschen mehr Aufwand. Das hat viel mit ausprobieren und wieder wegschmeißen zu tun. Das tut immer mal weh. Du denkst, du hast es schon geschafft, der Text ist fertig. Und dann merkst du, da musst du nochmal ran. „Receiver“ zum Beispiel habe ich komplett neu geschrieben.

Eine richtige Band

Rein numerisch sind The/Das im Vergleich zu ihrer Vorgängerband eigentlich in der Unterzahl. Und doch klingt „Freezer“ mehr nach Band-Album. Folgerichtig haben sich die beiden ein paar Mitmusiker ins Boot geholt, mit denen sie die vielschichtigen Stücke auf der Bühne entsprechend umsetzen. Entscheidend dafür war ein Erlebnis auf dem Appletree Garden Festival letztes Jahr.

Da haben wir auf der Hauptbühne gespielt. Die ist 15 Meter breit und wir standen da zu dritt mit viel zu wenig Krempel. Das wollen wir gerne wieder füllen. Als wir das Album gemacht haben, dachten wir: Wir können doch mal wieder mit einem Schlagzeuger spielen. Das haben wir seit 15 Jahren nicht mehr gemacht. Ein Schlagzeuger, zwei Keyboarder, Fabian ist der Frontmann und singt einfach nur und wir sind eine richtige Band.

TheDas_polaroid1_by_crystalmafia

Pop zwischen den Welten

Das anfängliche Projekt The/Das ist mit „Freezer“ zu dieser richtigen Band herangewachsen. Eine Nischenband zwar, die in irgendwelchen Zwischenwelten existiert. Zu Song-orientiert für den Club, zu elektronisch für die Songwriterbühne. Doch gerade das macht sie so interessant und heterogen. Und auch wenn Fabian Fenk das Album unter keinem Hauptthema einordnen will, der Antrieb, immer weiter Songs zu schreiben, lässt sich dann doch irgendwie auf den Punkt bringen.

Die Sache, die mich am meisten in der Welt interessiert ist, dass jeder Mensch dafür sorgt, dass er mitmenschlich ist. Da bin ich auch naiv. Erste Welt statt dritte Welt. Ich habe keinen Überlebenskampf. Aber trotzdem, dieses Humanistische, auch wenn das ein scheiß Wort ist, das ist es irgendwie. Auch in einem Liebeslied.