detektor.fm-Session mit Odd Beholder

"Pop kann man nicht unpolitisch denken"

14.11.2017

Odd Beholder klingen ruhig und dabei doch irgendwie gewaltig. Daniela Weinmann und Tim Wettstein, die Musiker hinter dem Bandnamen, schaffen dieses Kunststück zu zweit. In der detektor.fm-Session spricht das Schweizer Duo über politischen Pop und China und spielt außerdem zwei Stücke live im Studio.

Tim Wettstein und Daniela Weinmann sind zusammen Odd Beholder. Foto: Kati Zubek | detektor.fm

Durch die Augen eines Sonderlings

„Odd Beholder“, das heißt übersetzt so viel wie „Sonderbarer Betrachter“. Sonderbar klingt die Musik des Züricher Duos nicht wirklich. Doch hört man die neue EP „Atlas“ kann man schon das Gefühl bekommen, dass die Welt um einen herum etwas Sonderbares hat. Oder dass man in dieser Welt vielleicht selbst der Sonderling ist. Ob inmitten einer weiten Leere, in der nichts als ein paar ferne Synthie-Sounds klingen oder vor gewaltigen Klangwänden: Die sanfte Stimme von Sängerin Daniela Weinmann fühlt sich immer sehr nah, fast intim an. So als würde man durch ihre Augen das Rauschen der Welt in weiter Ferne an sich vorbei ziehen lassen.

Pop & Politik

Odd Beholder lassen sich Zeit in ihrer Musik und halten sich weder an klassische Songstrukturen, noch an inhaltliche Normen. Das Musikvideo zum Song „Coins“ etwa spielt gekonnt mit Gender-Klischees. Und auch wenn Sängerin und Kunstlehrerin Daniela Weinmann die Inhalte bei Odd Beholder eher hinten anstellt, eine Dringlichkeit gibt es da trotzdem.

Ich hatte neulich ein langes Gespräch mit einem Musiker aus den 68ern. Die Grundfrage war: Gibt es heute noch Protestsongs? Ich denke, die Kunst kann kein Träger für Aktivismus sein. In der Popmusik ist das nochmal was anderes. Eigentlich finde es schwierig, zu sagen, dass Inhalte direkt mit der Musik transportiert werden sollten. Aber es ist schon so: Pop kann man nicht unpolitisch denken.

Gemeinsame Fragezeichen

Vor kurzem waren Odd Beholder auf großer China-Tour. Eine Reise, die viele Eindrücke hinterlassen hat. Vor allem jene Beobachtung, dass sich – mal abgesehen vom exotischen Essen in Fernost – unsere Generation, egal ob Ost oder West, doch in vielem sehr ähnlich ist.

Uns liegen ja globale Themen vor der Nase. Jede Jugend auf der Welt, die Mittel zum Nachdenken oder Recherchieren hat, wird sich Gedanken über künstliche Intelligenz oder Umweltverschmutzung machen. Da findet man extrem viele gemeinsame Fragezeichen.

In der detektor.fm-Session plaudern Odd Beholder über ihre Anfänge, über die Erlebnisse in Fernost und spielen die Songs „Landscape Escape“ und „Lighting“ live im Studio.

Redaktion: Gregor Schenk, Julian Christ