Musikvideo der Woche | Years & Years „Real“

Wenn "Q" vortanzen muss

14.01.2015

Ben Whishaw kennt man hierzulande vor allem als neuen "Q" der James Bond-Reihe. Im Musikvideo "Real" von "Years & Years" träumt er als Durchschnittstyp vom Ausbruch aus dem Alltag.

In seiner Heimat England ist Ben Whishaw schon wesentlich bekannter. Nicht nur wegen seiner kultigen Neuinterpretation des Bond-Tüftlers „Q“ gilt der 34jährige Schauspieler, der neben Filmen auch regelmäßig am Theater spielt als vielversprechendes Talent. Unter Beweis stellt Whishaw das auch im Musikvideo des Londoner Elektro-Trios „Years & Years“. Darin spielt er einen Durchschnittstypen, der tagträumend seinem tristen Leben entflieht.

Vortanzen als Flucht

Zu Beginn des Clips sitzt Wishaws Figur gelangweilt und ein wenig deplatziert in einem düsteren Kellerclub herum, während seine Begleiterin sich mehr mit ihrem Smartphone als mit ihm beschäftigt. Auf der Toilette trifft er dann auf Years & Years-Sänger Olly Alexander, der ihn per Spielkarte zu einer Art Vortanzen einlädt. Die Band als blasierte Jury begutachtet dabei die gezwungen coolen Performances der Gäste und lässt Olly und Co. durchfallen. Dann kommt Whishaws großer Moment…

Low Budget-Kunstwerk

Realisert hat das atmosphärisch-dichte Video der britische Regisseur Robert Francis Miller, ein Freund der Band. Die bestand von Anfang an auf einen Club als Handlungsort und Tanzeinlagen. Passenderweise kannten sowohl Miller als auch der Besitzer des Ladens, in dem schlussendlich gedreht wurde, Ben Whishaw, der letzterem noch einen Gefallen schuldete. So konnten Years & Years ganz ohne Budget ihren Wunschclip verwirklichen und den Schauspieler als Protagonisten gewinnen.

Das funktioniert ganz hervorragend, findet Maurice Gajda von Joiz, der bei uns wöchentlich das Musikvideo der Woche vorstellt. Und im Gespräch mit Moderator Andreas Bischof erklärte er ebenfalls, warum selbst er solche Perlen manchmal erst spät entdeckt.

ZHUMan kann in Whishaws Blick so viel lesen. Denn man hat ihn selbst schon mal drauf gehabt.Maurice Gajdaverfällt schonmal ins Musikvideo-Bingewatching, wenn er einen neue Band für sich entdeckt hat.  

Redaktion: Alexander Hertel