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Trümmer schicken Grüße aus der Interzone. Foto: Alexandra Kinga Feketekleiner
Trümmer schicken Grüße aus der Interzone. Foto: Alexandra Kinga Feketekleiner

Hamburger Band Trümmer im Interview

Im Rausch durch die Interzone

Der Beat-Literat William S. Burroughs entwirft in seinem Roman „Naked Lunch“ eine Art Endzeitstadt: die „Interzone“. Ein wirres Utopia, in dem sich alles um Freiheit, Drogen, Sex und Wahnsinn dreht. Der Rausch spielt auch auf dem gleichnamigen zweiten Album der Hamburger Band Trümmer eine tragende Rolle.

Vor knapp zwei Jahren hat die Hamburger Band Trümmer mit ihrem Debütalbum eine erste Duftmarke gesetzt und dafür gesorgt, dass Begrifflichkeiten wie „Diskurspop-Hoffnung“ und „die neuen Blumfeld“ schnell die Runde machten. Ganz schön viel Druck für eine sehr junge Band, die gerade erst realisiert hatte, dass die Sache mit der Musik jetzt irgendwie ernst wird.

Keine Spur von Druck jedoch auf Album Nummer zwei namens „Interzone“. Trümmer spielen unbeschwert groovenden Indierock und treffen in ihren Songs einen zeitgeistigen Ton.

Schreiben ohne Nachdenken

„Es ist mal wieder nichts klar, außer dass mal wieder nichts klar ist“ – gleich mit den ersten Zeilen des Album-Openers schwingen Trümmer die Generation-Y-Keule. Die Songtexte von Sänger Paul Pötsch entstehen jedoch nicht am Konzeptalbum-Reißbrett, sondern frei nach dem Motto: einfach laufen lassen.

Paul Pötsch von Trümmer - Foto: detektor.fm

Foto: detektor.fm
Im Kunst-Unterricht habe ich als Teenager von den Surrealisten und ihrer Écriture automatique erfahren – schreiben ohne nachzudenken. Das fand ich schon immer geil und kann das nur jedem empfehlen. Da kommen komische Sachen ans Tageslicht.Paul Pötsch von Trümmer

Innerhalb von zwei, drei Nächten habe er die Texte geschrieben, sagt Pötsch. Stundenlang, seitenweise, in rauschhaften Zuständen. Ein Wort, das dabei immer wieder aufplopppte war „Interzone“. Für Pötsch eine Halbwelt, die vorwiegend in der Nacht zum Leben erweckt.

Die Songs erzählen Geschichten von Begegnungen, die allesamt in der Nacht stattfinden. Die merkwürdig und weird sind. So eine Mischung aus verführerisch und gefährlich.

Nazis auf Ecstasy

Die Interzone – eine mit der Realität nur noch fern verwandte Welt – spiegelt sich so auch im Bandkosmos wider: Euphorisch bejubelte Auftritte, Hotelzimmer, Autobahnraststätten, Exzess und Rausch. Folgerichtig hat letzteres auch auf dem neuen Album seinen Platz gefunden. Trümmer laden ein zum „Europa Mega Monster Rave“. Einer großen Party, bei der Flugzeuge Acid über das Berliner Regierungsviertel sprühen.

Ich habe der Band immer scherzhaft erzählt: Ich würde so gerne nach Dresden zu Pegida fahren, dort einen Bierstand aufstellen und mich als Junge Union tarnen. In dem Bier ist aber Liquid Ecstasy drin. Ich wollte schon immer mal wissen: Wie sind Nazis auf Ecstasy? Vielleicht sagen sie: ‚Ich fand die ganze Zeit nur mich selber kacke und deswegen hasse ich Ausländer, jetzt wird es mir klar, kommt alle her!‘ Aus dieser Geschichte ist der Song enstanden.

Sänger und Songschreiber Paul Pötsch von Trümmer über surreale Halbwelten, über Nazis auf Ecstasy und über seiner Vision vom „Europa Mega Monster Rave“:


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