Serie zum islamistischen Terrorismus (4) | Al-Qaida

Netzwerk Terror

19.03.2015

Viele Jahre galt das Terrornetzwerk Al-Qaida als die gefährlichste Terrorgruppe der Welt. Mit dem Rückzug und späteren Tod Bin Ladens, hoffte die Weltgemeinschaft auf eine entscheidende Schwächung des Netzwerkes. Anschläge, wie das Attentat auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo im Januar 2015, haben dieser Hoffnung jedoch ein jähes Ende bereitet.

Al-Qaida und Osama bin Laden

Bin Laden ist nicht nur Gründer des Terrornetzwerks gewesen, sondern er war auch wichtiger Geldgeber in den ersten Jahren (Ende der 1990er Jahre) der Organisation. Als Millionärserbe konnte er so seine politischen Ideen vorantreiben. Al-Qaida strebt unter anderem eine Vernichtung Israels und die Vertreibung der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten aus der arabischen Welt an. Langfristig möchte die Terror-Organisation, ebenso wie der Islamische Staat, ein Kalifat errichten. Bis zu seiner Tötung durch amerikanische Elitesoldaten ist Bin Laden der unbestrittene Führer von Al-Qaida gewesen. Doch bei der Organisation handelt es sich keineswegs um eine homogene Gruppierung.

Das Netzwerk Al-Qaida

Al-Qaida setzt sich aus zahlreichen Einzelgruppierungen zusammen, die aus verschiedenen Ländern kommen.

„Es ist die Spitze eines Netzwerkes und versteht sich als Avantgarde einer weltweiten politisch-religiösen Bewegung“ – Joachim Krause, Institut für Sicherheitspolitik Kiel

Al-Qaida sind unter anderem Gruppierungen aus Afghanistan, Pakistan, Somalia und auch Nordafrika zuzurechnen. Seit 2003 haben sich ihr mehrere regionale Gruppierungen aus der arabischen Welt angeschlossen und benannten sich entsprechend um: al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel – Saudi Arabien (2003), al-Qaida in Mesopotamien – Irak (2004), al-Qaida im Islamischen Maghreb – Algerien (2007) und die neue al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel – Jemen (2009).

„Nebenbuhler“ IS

Al-Qaida sei das gefährlichste Terrornetzwerk der Welt, aber es habe mit dem Islamischen Staat (IS) einen starken Nebenbuhler und Konkurrenten bekommen,  so Joachim Krause. Dabei geht es nicht nur um die militärische Stärke und Relevanz der Organisationen, auch die mediale Aufmerksamkeit spielt eine zentrale Rolle. Der IS hat Al-Qaida aus den Schlagzeilen verdrängt, die für den Terror zentral sind. Abschreckung und Aufmerksamkeit erfolgen schließlich in erster Linie über die Medien und auch über soziale Netzwerke, die der Islamische Staat geschickt für seine Zwecke nutzt. Trotz der aktuellen Vorherrschaft des IS bleibt Al-Qaida eine große Gefahr, wie die Anschläge in Paris deutlich gezeigt haben.

Im Interview mit detektor.fm-Moderatorin Teresa Nehm stellt Prof. Dr. Joachim Krause den Konflikt zwischen dem IS und Al-Qaida, sowie die Ziele und Geschichte von Al-Qaida dar. Krause ist Direktor und Geschäftsführer des Instituts für Sicherheitspolitik der Universität Kiel.

Joachim_Krause_2014bLetztendlich ist es nicht Ziel von Al-Qaida auf ewig eine Terrororganisation zu sein, sondern wie IS auch ein Kalifat zu haben. Möglichst die gesamte islamische Welt umfassend und möglicherweise sogar die gesamte Welt [...]. Terrorismus ist ein Instrument auf dem Weg dorthin.Prof. Dr. Joachim Krause ist Direktor und Geschäftsführer des Instituts für Sicherheitspolitik der Universität Kiel 

Redaktion: Robin Theodor Schäfer