Bevölkerung und Renten
Wir haben eine massiv eignende Bevölkerung, deren Renten wir jetzt alle bezahlen müssen. Das reduziert die Löhne und verringert den Spielraum der Unternehmer, um zu investieren. Es löst auch Druck aus, dass Unternehmer vielleicht lieber woanders billiger produzieren wollen. Also gibt es jetzt lauter Spannungen.
Das sagt Schlotte Bartitz, Professorin für Finanzwissenschaft an der Universität Leipzig. Sie beschreibt, was wir derzeit wohl alle irgendwo erleben, sei es im Alltag oder bei der Debatte um die Vergesellschaftung von Wohnraum, wie wir es in Berlin erleben. Es geht um die Frage der Vermögensverteilung und auch Ungleichheit. Eine Frage, die brisanter ist denn je, bei uns in Deutschland, aber auch in ganz Europa, wenn wir zu den Protesten nach Frankreich oder auch Spanien schauen.
Und sie hat Folgen, nicht nur ganz individuell, sondern auch für die gesamte Gesellschaft, sagt Clara Löffler vom Munich International Stone Center für Inequality Research der Universität München. Menschen, die über geringere Rücklagen verfügen, können natürlich Schocks wie Arbeitslosigkeit, Einkommensausfälle oder unerwartete Ausgaben schlechter abfedern. Das zweite ist aber, dass Vermögen eine andere Form der Zukunftsplanung ermöglicht.
Vermögensungleichheit in Sachsen-Anhalt
Was hat das mit Sachsen-Anhalt und überhaupt Ostdeutschland zu tun? Eine Menge. Denn die Vermögensungleichheit ist bis heute ganz besonders zwischen Ost und West ausgeprägt. Welche Gründe es dafür gibt, wie sich die Vermögensungleichheit auf Sachsen-Anhalt auswirkt und welche Lösungsmöglichkeiten es gibt, unser Thema heute bei Dazwischen.
Zuerst werfen wir aber noch einmal einen Blick auf die Lage in Sachsen-Anhalt. Dort steht weiter die Frage aus, wie eine Regierung gebildet werden kann. Ulrich Sigmund gibt sich weiterhin siegesgewiss, dass er im Dezember für die AfD zum Ministerpräsidenten gewählt werden wird. Woher die nötigen Stimmen kommen, ist weiterhin unklar. Das BSW sagt immer noch, ihn nicht wählen zu wollen, und die AfD alleine hat nicht die nötigen Stimmen.
Ja, und ob das BSW wirklich nicht Sigmund wählt, das werden wir dann sehen im Dezember. Für Aufruhr jetzt vorab hat auch noch etwas anderes gesorgt, nämlich eine Sondersitzung im Landtag. Für diejenigen, die das nicht mitbekommen haben: Das BSW und die AfD hatten diese Sondersitzung einberufen und dort einen gemeinsamen Antrag eingereicht.
Diskussion im Landtag
Und zwar ging es um das Ende der Waffenlieferungen an die Ukraine und auch um ein Ende der Russlandsanktionen. Darüber wurde heftig diskutiert, zum einen von der Opposition, dass dieses Thema ja kein Landesthema ist und eigentlich überhaupt gar nichts im Landtag zu suchen hat und einfach nur Symbolpolitik ist. Und naja, am Ende haben AfD und BSW diesen Antrag wenig überraschend auch durchgebracht, weil sie zusammen die meisten Stimmen eben hatten.
Wir sehen darin ja einen nächsten Schritt der Zusammenarbeit, der vielleicht auch schon einen Hinweis darauf gibt, wie eben die von dir gerade angesprochene Ministerpräsidentenwahl im Dezember ausgehen könnte. Genau, das ist in Sachsen-Anhalt gerade los.
Feedback zur letzten Folge
Und ansonsten gab es natürlich auch noch Feedback zu unserer letzten Folge. Wir haben zum Beispiel ganz viele Glückwünsche bekommen zu unserer Nominierung für den Grimme Online Award und freuen uns da immer noch total drüber. Ich habe es auch immer noch nicht 100 realisiert, aber es ist schon echt eine coole Geschichte.
Und dann gab es auch noch eine ganz tolle Rückmeldung auf unseren Newsletter. Franziska hat uns nämlich geschrieben: „Hallo ihr Lieben, dieses Mal ist mir euer Newsletter auf ganz andere Weise sehr nützlich geworden. Am Abend vor der Wandertour im Harz mit meiner besten Freundin habe ich noch zufällig im Newsletter gelesen, bei den Veranstaltungstipps ist mir der Harzlauf aufgefallen. Schnell noch eine neue Tour rausgesucht und sehr, sehr froh gewesen, diese Info vorher bekommen zu haben, anstatt sich am Tag darauf dann zu ärgern. Vielen Dank dafür!“
Schön! Genau, also ich denke, genau so sollte das doch sein mit unserem Newsletter. Und wenn ihr den noch nicht abonniert habt und euch nicht ärgern wollt, weil ihr etwas Tolles verpasst, dann macht das doch noch. Jede Woche kostenlos und liebevoll zusammengestellt und geschrieben von Christian.
Lebenshaltungskosten und Einkommensungleichheit
Die Lebenshaltungskosten sind zum Teil unterschiedlich, aber auch nicht überall. Und wenn das genau die 10.000 sind, die man dann vielleicht übrig hat oder von denen man sich dann mal irgendwie etwas Besonderes leisten kann oder eben auch nicht, das ist natürlich schon ein ziemlich großer Unterschied immer noch. Absolut.
Einkommensungleichheit ist Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung immer noch ein großes Thema, obwohl wir eigentlich auch sehen können, dass sich da einiges verbessert hat. Also ich und auch eine Vielzahl in meinem Umfeld, die stehen, würde ich sagen, zumindest auf dem Papier finanziell durchaus besser da als unsere Eltern in den 90er Jahren.
Wir hatten einen besseren Zugang zu höheren Bildungsabschlüssen, viele haben studiert und mittlerweile auch ganz gut bezahlte Jobs. Und das lässt sich tatsächlich auch erstmal statistisch belegen. Nicht nur in Gesamtdeutschland ist der Bruttojahresverdienst gestiegen, sondern auch im Osten. Es gab früher eine riesige Lohnlücke, und die ist zwischen Ost und West in den letzten Jahrzehnten wirklich erheblich kleiner geworden.
Lohnlücke und Vermögensverteilung
Vielleicht hier auch nochmal Zahlen zum Verantwortlichen: 2012 lag diese Lohnlücke noch bei 26 Prozent, was ich wirklich krass finde, und die war noch größer Jahrzehnte davor. 2024 liegt sie nur noch bei etwa 14 Prozent. Ja, so ist es. Irgendwie eine schöne Nachricht, dass es weniger geworden ist, aber ich finde es schon auch immer noch erstaunlich, wie viel es doch noch ist.
Trotzdem würde ich auch grundsätzlich sagen, dass die Generation vor mir selbst, wenn ich jetzt das Gefühl habe, ich verdiene, glaube ich, mehr oder weiß es auch als weite Teile meiner Familie im gleichen Alter, dass ich trotzdem den Eindruck habe, dass sie sich mehr leisten konnten. Also ich gehe sehr, sehr stark davon aus, dass ich mir eher kein Haus oder eine Wohnung kaufen werden kann, wenn das nicht gerade irgendwo im Nirgendwo ist, weil die Preise so krass gestiegen sind, dass ich mir selbst mit meinem guten Gehalt – und ich erlebe das auch in meinem kompletten Umfeld – dass wir uns das gar nicht leisten können.
Vermögensungleichheit und Definition
Und da kommt etwas anderes ins Spiel, nämlich Vermögensungleichheit. Einkommen und Vermögen sind nämlich nicht das Gleiche. Genau. Aber was wird eigentlich wirklich unter diesem Begriff Vermögen verstanden? Ich glaube, in der Gesamtheit, wie es berechnet wird, weil eben dann doch Begrifflichkeiten ganz oft irgendwie in so einer Debatte schnell in einen Topf geworfen werden.
Und deshalb wollte ich das noch einmal ganz am Anfang dieser Folge klären und habe bei Clara Löffler vom Munich International Stone Center for Inequality Research nachgefragt. Wenn man über Vermögen spricht, denken viele zuallererst an das Geld, das auf dem Konto liegt. Ganz entscheidend ist aber die Frage danach, wem Eigentum gehört. Das heißt, wem gehören zum Beispiel Immobilien oder Unternehmen.
Einkommen vs. Vermögen
Und da ist es erstmal ganz wichtig, zu unterscheiden zwischen Einkommen und Vermögen, auch wenn Einkommen und Vermögen natürlich nicht völlig entkoppelt voneinander sind. Wir bezeichnen Einkommen in der Forschung als Stromgröße. Das heißt, es handelt sich um regelmäßige Einnahmen, wie für die allermeisten das Gehalt, aber auch Dividenden aus Aktien oder Mieteinnahmen.
Und Vermögen ist eine Bestandsgröße. Das heißt, es ist der Wert von dem, was Menschen besitzen. Davon ziehen wir dann die Schulden ab und sprechen dann in der Forschung von Nettovermögen. Man kann zusammenfassen: Es geht also um viel mehr als nur das Einkommen durch mein Gehalt. Genau.
Unterschiede zwischen Ost und West
Und jetzt könnten wir uns ja die Frage stellen: Naja, vielleicht ist ja beim Vermögen der Unterschied zwischen Ost und West dann wiederum gar nicht so groß wie eben bei der beschriebenen Lohnlücke. Aber auch da lassen sich deutliche Unterschiede erkennen. Wenn wir uns zum Beispiel das Nettohaushaltseinkommen anschauen, im ersten Moment könnte man auch da denken, hier geht es eigentlich nur um das Einkommen im Sinne von Lohn eines Haushaltes.
Tatsächlich fließt in die Berechnung aber viel mehr ein, nämlich das Gehalt oder Einkommen durch Selbstständigkeit, Unterhaltszahlungen, Bürgergeld, Elterngeld, Renten, Pensionen sowie die Einkünfte aus Vermietung und Kapitalanlagen. Und abgezogen werden dann zum Beispiel noch Steuern und Sozialabgaben.
Nettohaushaltseinkommen im Vergleich
Und wie ist es da im Vergleich zwischen Ost und West? Sieht es da auch anders aus? Ja, also mit 7.247 Euro wirkt die Lücke da ja ein bisschen kleiner, wenn wir uns einfach nur auf diese Zahl fokussieren. Aber die Zahlen, die das Statistische Bundesamt veröffentlicht hat, zeigen einfach, dass sich die Lücke zwischen Ost und West, anders als bei der Lohnlücke, nicht verkleinert hat, sondern vergrößert.
Also tatsächlich liegen auf den ersten drei Plätzen Bayern, Baden-Württemberg und Hessen. Bayern ganz weit vorne mit einem Nettohaushaltseinkommen von 53.067 Euro. Und auf den letzten Plätzen, auf dem allerletzten Platz, liegt Sachsen-Anhalt, gefolgt von Sachsen. Und Sachsen-Anhalt hat da ein Nettohaushaltseinkommen von 38.284 Euro. Und man sieht schon, dann doch sehr deutlich, es sind einfach dann doch die Westländer und auch die, an die man immer denkt, die da ganz weit vorne sind und der Osten eben ganz weit hinten.
Vermögensverteilung innerhalb der Gesellschaft
Und dann ist dieses Vermögen auch nochmal nicht nur innerhalb von Ost und West, sondern auch zwischen gesellschaftlichen Schichten unterschiedlich verteilt. Okay, und was bedeutet das dann? Naja, Klara Löffler sagt ganz allgemein für die Mittelschicht sind eigentlich vor allem Immobilien in Form von Wohneigentum, also eine eigene Wohnung oder ein Haus, von besonderer Bedeutung für das Vermögen.
Und für die oberen Vermögen sind es dann eben Unternehmensvermögen und Kapitalanlagen. Und da fällt gerade mit Blick auf Sachsen-Anhalt und auch Ostdeutschland auf, dass diese Sachen da eine untergeordnete Rolle spielen. Für die Menschen hier spielt eben ganz besonders das Ersparte eine große Rolle.
Persönliche Erfahrungen mit Vermögen
Und ich finde, das klingt jetzt alles irgendwie auch so ein bisschen aus der Ferne erzählt. Aber wenn ich dann nochmal auf meine Freundinnen und Freunde zurückblicke, dann muss ich schon sagen, ich kenne in meinem privaten Umfeld, wenn ich so an Vermögen denke, da ist jetzt niemand reich. Aber ich kenne bei denjenigen, die einfach im Westen sozialisiert sind, viel mehr Menschen, die sich einfach mal easy 10.000, 15.000, 20.000 Euro leihen könnten von ihrer Familie.
Und bei denen, die wie ich im Osten sozialisiert sind, gibt es das eben kaum bis gar nicht. Und ich finde, das ist schon krass. Wie nimmst du das wahr? Ja, das macht einen ganz großen Unterschied aus. Also ich bin ja im Westen sozialisiert und ich kenne auf jeden Fall beides. Ich kenne Familien, wo das eben, wie du sagst, ganz gut möglich war, sich auch mal relativ viel Geld zu leihen oder wo auch mal, wenn mal was schiefgegangen ist, es nicht ganz so schlimm war.
Sorgen um finanzielle Sicherheit
Und ich kenne genauso die Menschen, die irgendwie jeden Euro eigentlich umdrehen mussten. Und ich erinnere mich sehr gut an dieses Gefühl, was da immer da war, diese Sorge davor, wenn was schiefgeht. Was, wenn irgendwie eine unerwartete Zahlung kommt? Was, wenn jemand krank wird? Was ist wenn wir im Alter dann doch nochmal was brauchen?
Und eben auch natürlich als Jugendliche oder Kinder, dass man diese Reise vielleicht nicht machen kann oder nicht so entspannt mal irgendwie, weiß ich nicht, sich dann einen Laptop besorgen kann oder so. Das macht natürlich total viel aus. Ja, ich will auch gar nicht dem absprechen, dass es das nicht gibt.
Immobilien und Vermögenswerte
Also ich kenne genauso die anderen Fälle, aber ich glaube, in der Gesamtheit ist dieses Beschriebene auch, dass da etwas mehr Vermögen, was nicht bedeutet, dass man reich ist, dass es das einfach mehr gibt und sich an vielen Stellen auch zeigt. Und gleichzeitig muss man auch sagen, haben sich so ein paar Sachen ja gar nicht so schlecht entwickelt.
Wenn wir mal auf Immobilien kommen: Ich hatte ja mal in einer Folge erzählt, dass die Wohneigentumsquote in Sachsen-Anhalt 2022 bei etwa 42 lag, gleich mit der Bundesebene, also kein schlechter Wert. Und jetzt muss man sich das aber nochmal genauer angucken, denn tatsächlich ist dieses Eigentum dann wiederum einfach insgesamt nicht so wertvoll wie in anderen Regionen Deutschlands.
Wertsteigerung von Immobilien
Also klar, wenn ich jetzt, nehmen wir mal Leipzig, in Leipzig eine Wohnung habe, Jackpot! Hier haben sich die Immobilienpreise krass entwickelt. Du hast mega davon profitiert, wenn du hier vielleicht in den 90ern günstig eine Wohnung kaufen konntest. Aber wenn wir uns mal Sachsen-Anhalt anschauen, weite Teile sind ländlich geprägt. Da gab es in der Form einfach keine Wertsteigerung.
Also, und das ist eben nicht nur in Sachsen-Anhalt, sondern auch in anderen ländlichen Regionen, die vielleicht nicht auch von wachsenden Städten profitieren könnten, einfach der Fall. Und diese Art von Vermögensungleichheit, die setzt sich aus ganz unterschiedlichen Elementen zusammen. Schlotte Bartels, Professorin für Finanzwissenschaft an der Universität Leipzig, mit der habe ich auch über dieses Thema gesprochen.
Vergleich von Vermögenswerten
Sie fasst das Ganze nochmal so zusammen: Wenn wir also so durchschnittlich Finanzvermögen, Immobilienvermögen und Unternehmensvermögen vergleichen, schneiden die ostdeutschen im Vergleich zu den westdeutschen Haushalten bei Finanzvermögen am besten ab, weil sie da eben doch proportional auf Ersparnisse bilden konnten, während sie beim Immobilienvermögen, eben weil die Quadratmeterpreise bis heute niedriger sind, schlechter dastehen.
Dann die größten, wenn man es jetzt nicht an absoluten Größen, also an Euros, bemisst. Unterschiede gibt es aber bei den Unternehmensvermögen. Strukturell sind die Unternehmen, die die ostdeutschen Haushalte besitzen, kleiner und seltener international vernetzt und weniger profitabel, wenn man sich anguckt, was man damit so verdient, als die Unternehmen von den westdeutschen Verhältnissen.
Erben und Vermögensverteilung
Und das hält sich jetzt auch nach den mehreren Jahrzehnten nach der Wiedervereinigung leider. Naja, und zu diesem Ganzen kommt noch eine weitere Komponente hinzu, die dazu führt, dass Vermögen eben auch nicht nur sehr unterschiedlich verteilt ist, sondern auch, ich würde sagen, sehr unterschiedlich weitergegeben wird. Und das ist eben Erben.
95 Prozent des vererbten und verschenkten steuerpflichtigen Vermögens in ganz Deutschland entfällt laut Statistischem Bundesamt auf Westdeutschland. Gut, ich meine, Westdeutschland hat natürlich auch eine insgesamt größere Fläche, mehr Einwohner, aber trotzdem klingt es natürlich nach einem total krassen Unterschied.
Zahlen zu Erbschaften
Ja, 95 Prozent. Was heißt das denn konkret in Zahlen? Naja, also einfach ausgedrückt: Im Westen wurden im Jahr 2026 durchschnittlich pro Kopf etwa 2.100 Euro vererbt und verschenkt, im Osten 500 Euro. Und naja, weil diese Zahlen pro Jahr und pro Kopf runtergerechnet sind, kann man sich das vielleicht noch nicht so ganz gut vorstellen.
Einfacher ist da vielleicht nochmal, was das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung schreibt: Menschen in den ostdeutschen Bundesländern erhalten nicht nur seltener Erbschaften und Schenkungen als Westdeutsche, auch sind die erhaltenen Summen deutlich kleiner. Die durchschnittliche Erbschaft beträgt im Osten Deutschlands rund 52.000 Euro. Im Westen liegt sie dagegen bei 92.000 Euro.
Schenkungen im Vergleich
Ob auch die Zeit schreibt, bei den Schenkungen fällt der Unterschied zwischen Ost und West drastischer aus. So lag der Durchschnittswert einer Schenkung im Westen zuletzt, also im Jahr 2023, bei gut 60.000 Euro. Im Osten lag der Durchschnittswert bei weniger als 20.000 Euro. Halten wir also fest: Die Vermögensungleichheit in Deutschland, gerade in Bezug auf Ost und West, ist immer noch stark ausgeprägt und zwar in verschiedenen Bereichen, die unter Vermögen fallen.
Ein Grund dafür sind sicherlich auch die in vielen Bereichen noch immer großen Lohnunterschiede, aber eben vor allem auch die Fragen nach Immobilienvermögen und Unternehmenswerten. Ja, und genau diese Frage, die hat verdammt viel mit dem Ende der DDR und der Wiedervereinigung zu tun.
Privatisierung und Treuhand
Klar, die großen Betriebe, egal in welchem Bereich, waren in staatlicher Hand. Mit dem Ende der DDR wurden diese privatisiert und in das westdeutsche System überführt. Stichwort Treuhand. Ganz genau. Vielleicht da ein kleiner historischer Exkurs: Am 17. Juni 1990 verabschiedete die letzte Volkskammer der DDR das Treuhandgesetz.
Und die Idee war, eine eigens gegründete Anstalt sollte die ostdeutsche Wirtschaft so umstrukturieren, dass sie von der Planwirtschaft auf die soziale Marktwirtschaft wechseln konnte und auf ein gemeinsames Deutschland vorbereitet wird. Ist ja jetzt erstmal keine schlechte Idee. Wir wissen ja, aber funktioniert hat das Ganze nur bedingt.
Schließungen und Verkäufe
Zahlreiche Betriebe mussten geschlossen werden, auch weil sie nicht wettbewerbsfähig waren. Eine ganze Reihe wurde aber auch einfach sehr, sehr günstig verkauft. Und eben größtenteils an den Westen. Ja, ich habe dazu nochmal Zahlen mitgebracht, die ich bei der Bundeszentrale für politische Bildung gefunden habe: 80 Prozent der ehemals volkseigenen Betriebe gingen bis 1994 an Westdeutsche. Nochmal 14 Prozent ans Ausland und nur 6 Prozent an ehemalige DDR-Bürgerinnen und DDR-Bürger.
Also ich meine, allein diese Zahlen zeigen ja schon, dass hier eine massive Verschiebung von Vermögen stattgefunden hat. Und da brauchen wir uns ja nicht wundern, warum heute zum Beispiel Unternehmensvermögen so viel anders ausgeprägt ist.
Unternehmensstruktur und Investitionen
Und Clara Löffler beschreibt das so: Vor allem produktivere Unternehmen fielen häufiger in westdeutsche Hände, was natürlich auch damit zu tun hatte, dass Ostdeutschen das notwendige Kapital fehlte. Aber man darf natürlich auch nicht vergessen, dass diese Investoren aus Westdeutschland massiv staatlich auch subventioniert worden sind.
Und diese Entscheidungen aus den 90er Jahren prägen die Unternehmensstruktur in Ostdeutschland bis heute. Das heißt, größere Unternehmen in Ostdeutschland haben ihre Zentralen meist im Westen. Und diese Zentralen bringen natürlich einerseits Produktivvermögen mit sich. Das heißt, auch hier geht es um die Frage: Wem gehören die Unternehmen, aber natürlich auch einkommensstarke Jobs.
Jobverluste und Betriebsvermögen
Während natürlich der massive millionenfache Jobverlust im Zuge der Transformation dazu geführt hat, dass viele Ostdeutsche auch gar kein Geld über lange Zeit zurücklegen konnten. Das heißt aber nicht, dass sich kein ostdeutsches Betriebsvermögen gebildet hat. Tatsächlich ist Betriebsvermögen in Ostdeutschland fast genauso häufig vertreten wie in Westdeutschland.
Es hat sich ein breiter Mittelstand aufgebaut, aber dieser Mittelstand ist deutlich kleinteiliger und verfügt damit eben auch über einen deutlich geringeren Vermögenswert. Naja, und genauso wie Unternehmen nach 1990 oder Unternehmensvermögen nach 1990 neu geordnet wurden, betraf das dann eben auch Immobilien.
Privatisierung von Immobilien
Circa 1,2 Millionen Immobilien in Ostdeutschland wurden bis zum Ende der 90er Jahre privatisiert. Das betraf dann circa 20 Prozent des gesamten Wohnungsbestands in Ostdeutschland. Und auch hier ging natürlich ein großer Teil an Westdeutsche. Einerseits natürlich im Zuge der Restitutionsverfahren, aber auch im Rahmen der Altschuldenhilferegelung, die dann dazu führte, dass staatliche Wohnungsbestände an Privatinvestoren verkauft worden sind.
Und hinzu kam dann natürlich auch die Subvention von Wohnungskäufen im Osten, von der ebenfalls überwiegend Westdeutsche profitierten, wenn auch natürlich damit Modernisierungen einhergingen. Ja, wenn man das so hört, dann kriegt man ja schon eine Idee davon, dass die Auswirkungen davon, wie das damals geregelt worden sind, heute immer noch total wirksam sind und für viele, viele Probleme sorgen.
Kritik an der Privatisierung
Und auch damals gab es ja schon viel Kritik daran. Warum hat man sich denn trotzdem entschieden, das so zu lösen? Und hätte es da vielleicht auch andere Alternativen gegeben? Das habe ich mich auch gefragt, weil jetzt mal als Beispiel: Wir leben beide in Leipzig und ehrlicherweise also ich glaube, die meisten Leute haben einen Vermieter aus München.
Also ich könnte bestimmt zehn Leute aufzählen, nur als Beispiel. Aber wie krass das natürlich ist. Clara Löffler sagt, es ist ziemlich spekulativ, tatsächlich, wenn man jetzt fragt: Naja, was wäre denn passiert, wenn 1990 und auch in der Zeit danach? Man muss ja schon sagen, die Leute hatten auch hier keine Kohle, um Großhäuser zu kaufen.
Alternativen zur Privatisierung
Also wer hätte es denn sonst machen sollen, wenn damals anders gehandelt worden wäre? Aber sie sagt auch, es hat durchaus Ansätze gegeben, und die wurden so nicht genutzt. Laut Clara Löffler schlug beispielsweise die IG Metall damals eine öffentlich finanzierte Industrieholding vor, in der sanierungsfähige Betriebe über drei bis fünf Jahre modernisiert werden sollten.
Und daneben gab es dann wohl auch noch Vorschläge für Beschäftigungsbeteiligungen oder Bürgeranteile am ehemaligen Volkseigentum. Ich bin gerade so ein bisschen an dem Punkt „sanierungsfähige Betriebe“ hängen geblieben, weil das kam ja auch eben in dem Ton schon mal vor.
Sanierungsfähige Betriebe
Manche Betriebe waren vielleicht wirtschaftlich gar nicht so richtig in der freien Marktwirtschaft sozusagen konkurrenzfähig. Wie war das denn? Ging es dann darum, dass dann bestimmte Standards erst eingehalten werden mussten oder aufgebaut und sozusagen Unternehmer auch ein Risiko eingegangen sind oder erst mal Betriebe finanzieren mussten? Oder worum geht es da genau bei sanierungsfähig?
Ich hatte tatsächlich, also das war so ein Papier von der IG Metall, und ich muss ehrlich sagen, dass ich so davon vorher noch nicht gehört hatte. Und ich habe da nochmal nachgelesen, unter anderem in einem längeren Beitrag, kann ich wirklich empfehlen, des Geschichtsprofessors Detlef Brunner, der wurde veröffentlicht in „Gewerkschaften und Ostdeutsche Transformation“ von der gewerkschaftsnahen Hans Böckler Stiftung.
Kriterien für Sanierung
Und da ist das nochmal ein bisschen konkreter beschrieben, wie das gemeint war. Die Idee war eben, diese Treuhand-Industrieholding zu gründen, und diese sollte etwa zwei Drittel der teuren Industriebetriebe, die nicht sofort aus eigener Kraft eben wirtschaftlich waren oder rentabel genug, um sie zu verkaufen, übernehmen.
Und die Idee war: erst sanieren und wenn sie stabil sind, verkaufen. Für eben maximal fünf Jahre sollte diese Sanierungsphase dauern. Und was ich da echt spannend finde, die Kriterien, nach denen du ja gerade gefragt hast, für die sich entschieden werden sollte für oder gegen eine Sanierung, und da lese ich mal vor: „Sind die gesellschaftlichen Folgekosten für Arbeitslosenunterstützung, Steuer- und Versicherungsfälle sowie verlorene Wertschöpfung höher als eine Subventionierung der Produktion, sollte die Sanierung auf jeden Fall versucht werden.“
Gesellschaftlicher Wert von Unternehmen
Also da wurde wirklich über den gesamtgesellschaftlichen Wert dieses Unternehmens und was es langfristig bedeuten würde, wenn man jetzt, ich sag mal, nicht den langen Weg geht, sondern einfach das Unternehmen schließt. Total spannend, und ich muss auch sagen, dass ich dann immer merke, dass ich da so eine kleine Wissenslücke habe, weil ich natürlich davon gehört habe, aber es mir trotzdem schwerfällt, mir diese Zeit ganz konkret vorzustellen und wie das so war, als dann auf einmal so ganze Fabrikhallen und Landstriche so halbleer waren und man gar nicht wusste, geht es hier weiter, wird unsere Industrie ganz geschlossen oder wird das irgendwie gerettet und erhalten und unter welchen Bedingungen.
Politische Anreize für ostdeutsche Produkte
Naja, und zusätzlich sollte dann auch der Bund noch politische Anreize schaffen, dass eben ostdeutsche Produkte weiter gekauft werden, wie zum Beispiel, dass auf diese Produkte eine Zeit lang die Mehrwertsteuer weggelassen wird. Es klingt jetzt erstmal, ja, was die IG Metall vorgeschlagen hat und auch was du gerade nochmal erklärt hast, ja, eigentlich gar nicht nach so schlechten Optionen, die da auch im Raum standen als Alternativen.
Warum hat man sich nicht dafür entschieden, das so zu machen? Clara Löffler hat da zwei Gründe. Sie sagt, einerseits wollte man die Privatisierung eben so schnell wie möglich vollziehen und gleichzeitig wollte man eben auch diese massive Abwanderung, die da bereits im Gange war, die wollte man in gewisser Weise verhindern, indem so schnell wie möglich die Wiedervereinigung vollzogen wird und man eben auch so schnell wie möglich die Industrie transformiert.
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Und da muss man schon sagen, dieses Konzept der IG Metall, das wäre auf jeden Fall zeitaufwendiger gewesen.
Andererseits glaube ich, dass es auch mit dem Zeitgeist damals zusammenhängt, der gewissermaßen bis heute andauert, und zwar einem neoliberalen Zeitgeist, der staatliche Eingriffe stark abgelehnt hat und die Vorstellung hatte, dass der Markt sich von alleine regelt.
Private Investoren arbeiten am effizientesten und wissen am besten, was gut für eine erfolgreiche Unternehmensführung ist. Naja, und so wurde eben während der Zeit der Wiedervereinigung Vermögen, sei es in Form von Immobilien oder eben auch Unternehmen, neu verteilt.
Es ist bis heute mehrheitlich im Westen geblieben und sorgt dadurch auch generationsübergreifend für andere Staatsbedingungen. In der Soziologie nennen wir das den Matthäuseffekt.
Das heißt, wer hat, dem wird gegeben. Wer Eigentum hat, kann aus diesem Eigentum, je nachdem, um welche Art von Eigentum es sich handelt, Einkommen erzielen, was dann wiederum langfristig zu Vermögen wird.
Wer in den eigenen vier Wänden wohnt, kann mehr sparen und profitiert langfristig von Wertsteigerungen. Er kann seinen Status in gewisser Weise auch an die nächste Generation weitergeben.
Wir können also feststellen, es gibt immer noch große Vermögensunterschiede zwischen Ost und West. Diese Vermögensunterschiede und wie sie damals entstanden sind, sorgen sozusagen für einen Effekt, dass sie sich auch eigentlich aufrecht erhalten.
Es ist ziemlich schwierig, diese abzubauen. Jetzt kann man sich natürlich fragen, warum es denn wichtig ist, darüber zu sprechen und sich diese Unterschiede bewusst zu machen.
Wollen wir hier einfach nur rumjammern? Nein, ich finde, das lässt sich eigentlich auch aus dem, was bereits gesagt worden ist, ableiten.
Wer Vermögen hat, hat ganz andere Staatsvoraussetzungen und Zugänge im Leben. Man hat eine ganz andere Chance, sich zu beteiligen, vielleicht auch selbstwirksam zu fühlen.
Man hat vielleicht andere Sorgen und Probleme. Man kann auch auf Veränderungen besser reagieren.
Und ich glaube auch, dass das natürlich etwas mit einem Gefühl macht und mit einer Zugehörigkeit zu Deutschland. Wenn man mit der Wiedervereinigung eben so ein ungleiches Gefühl verbindet und auch diesen Ausverkauf und das Gefühl hat, dieser Prozess hat vielleicht auch die Demokratie gar nicht so viel für mich getan, kann ich mir vorstellen, dass das auch andere große Auswirkungen hat und auch einfach darauf, welche Handlungsmöglichkeiten man hat.
Ganz genau. Und was du eben beschreibst, das unterscheidet nicht nur Clara Löffler, sondern auch die Forschung, eben in individuelle und gesellschaftliche Folgen.
Vermögen ist einfach entscheidend dafür, wie ich mich gegen Krisen absichern kann und am Ende auch, wie ich Krisen begegne. Menschen, die über geringere Rücklagen verfügen, können natürlich Schocks wie Arbeitslosigkeit, Einkommensausfälle, unerwartete Ausgaben schlechter abfedern.
Das zweite ist aber auch, dass Vermögen eine andere Form der Zukunftsplanung ermöglicht. Vermögen ermöglicht Entscheidungen, die wir als High Risk, High Reward bezeichnen würden.
Das heißt, Entscheidungen, die erstmal mit einem größeren Risiko verbunden sind, sich dann aber langfristig finanziell stärker auszahlen. Vermögen spielt natürlich in einer alternden Gesellschaft auch zunehmend eine größere Rolle, in der der Sozialstaat stärker unter Druck steht.
Es spielt natürlich auch eine erhebliche Rolle in Großstädten, in denen die Wohnungen immer teurer werden. Und ich finde, was sie beschreibt, ist eben einfach das, was wir gerade an so vielen Stellen erleben und auch ganz am Anfang der Podcast-Folge beschrieben haben.
Dieser Druck, gerade auf Wohnraum und auf Mieten, den man nochmal in Großstädten auch in ostdeutschen Großstädten gerade sehr, sehr stark spürt, weil dann die Löhne doch eben nicht so mitgestiegen sind und alles teurer wird.
Und dieser Druck wirkt sich aber dann eben auch noch auf die Gesellschaft aus. Ich denke, ganz wichtig ist aber auch, darüber nachzudenken, welche Folgen Vermögensungleichheit für die Demokratie hat, aus Sicht der Nicht- oder Wenigervermögenden.
Hier ist nicht allein entscheidend die tatsächliche Situation der Menschen, sondern auch, wie diese Situation wahrgenommen und gedeutet wird. Das heißt, welche Ursachen Menschen der Vermögensungleichheit zuschreiben und ob diese Ursachen oder das Ausmaß der Ungleichheit als gerecht oder ungerecht ist.
Ein Beispiel wäre das meritokratische Versprechen, das ein ganz zentrales Versprechen in demokratischen Gesellschaften ist, dass Leistung sich lohnt. Damit verbunden ist eben auch das Versprechen, durch Leistung zu Immobilieneigentum zu gelangen.
Das Erreichen von Immobilieneigentum im Laufe eines Lebens ist nach wie vor ein zentraler Anker für viele Biografien oder für die Lebensplanung. Da sind wir doch eigentlich bei einer Frage, die auch im Rahmen der Wahlen viel besprochen wurde.
Also das Gefühl vieler Menschen in Ostdeutschland, dass ihre Leistung weniger wert ist und die Sorge davor, dass das Erreichte wieder verschwindet. Auch das Gefühl, dass einem irgendwie was übergestülpt wird.
Frusterfahrung mit Demokratie und Politik, ein Gefühl von weniger Selbstwirksamkeit. Das kann sich vermutlich ja auch auf die Wahlentscheidung auswirken oder die Unzufriedenheit mit der aktuellen Politik.
Ja, tatsächlich, sagt Tara Löffler, dass der ganz konkrete Einfluss von Vermögensungleichheit auf die Demokratie bislang noch gar nicht so gut erforscht ist, weil die Vermögensforschung dann doch eine noch relativ junge Wissenschaft ist.
Aber man kann zum Beispiel auch aus der Selitenforschung ableiten, dass große finanzielle Mittel großen Einfluss auf politische Entscheidungen haben, Stichwort Lobbyarbeit.
Und wir merken, dass Wohnen, Einkaufen, überhaupt Leben immer teurer wird. Selbst diejenigen, die eigentlich ein gutes Gehalt haben, das hast du am Anfang ja schon mal gesagt, fühlen sich finanziell immer stärker unter Druck gesetzt.
Psychologisch kann man auch begründen, dass solche Sorgen und Ängste begünstigen, dass man mehr auf sich selbst schaut und mehr in so eine Art Überlebensmodus verfällt.
Weniger offen wird dadurch. Lässt sich daraus ableiten, dass die Ungleichheit gerade noch größer wird? Ich hätte jetzt tatsächlich von meinem Gefühl heraus und von dem, was ich weiß, ja gesagt.
Ja, interessanterweise sagt Charlotte Bartitz von der Universität Leipzig, da nein. Wir haben hier keine explodierende Ungleichheit. Die ist immer schon da gewesen.
Aber es ist uns nicht aufgefallen, weil alles andere anders war. Ja, weil die Lebensmittel, die Lebenshaltungskosten eben nicht so hoch waren, war das nicht so schlimm.
Ja, und jetzt leben die meisten Menschen ja auch in Wohnungen, wo die Miete gar nicht morgen erhöht wird. Aber sie erleben, dass bei anderen drumherum die Miete erhöht wird.
Und das löst Ängste aus, dass, falls man das selber erlebt und aus seiner Mietwohnung ausziehen muss, man viel mehr bezahlen muss und dass dann die Rente nicht reicht oder dass dann das Einkommen, wenn man zu den unteren 50 Prozent der Einkommensverteilung gehört, nicht reicht.
Ja, wenn man sich verändern möchte, kann man das eben nicht mehr so einfach, weil man dann, wenn man eine neue Mietwohnung ziehen will, viel mehr bezahlen muss.
Also, was ich sagen möchte, ist, die Vermögensverteilung ist eigentlich stimmig, ungleich und stabil. Ja, und das haben wir lange aber nicht thematisiert, weil es trotzdem den Menschen ja gut ging, weil die lange Zeit Löhne und Renten, die sind ja gestiegen, weil wir Wirtschaftswachstum hatten.
Genau. Das hat sich jetzt aber ja geändert. Wir haben gerade kein oder nur ein sehr, sehr viel geringeres Wirtschaftswachstum.
Die Ungleichheit, die immer da war, kommt dadurch jetzt stärker zum Tragen. Ganz genau.
Und zu dieser Ungleichheit, die immer da war, wie es auch Charlotte Bartels erklärt, kommen dann ja eben auch noch eine ganze Reihe von Krisen in der Welt, die beispielsweise zusätzlich die Spritpreise in die Höhe schießen lassen, was Menschen mit Vermögen, das ihnen Sicherheit und Stabilität gibt, einfach sehr viel besser abpuffern können als andere.
Obendrauf kommen dann auch noch strukturelle Herausforderungen. Wir haben eine massiv alternde Bevölkerung, deren Renten wir jetzt alle bezahlen müssen, was die Löhne reduziert, was den Spielraum der Unternehmer auch reduziert, um zu investieren.
Es löst auch Druck aus, dass Unternehmer vielleicht lieber woanders billiger produzieren wollen.
Also, es gibt jetzt lauter Spannungen, die die wirtschaftlichen Prozesse der letzten Jahre auslösen, die die Vermögensverteilungsfrage wieder risanter oder wieder mehr in den Fokus rücken, weil es zeigt, es gibt Leute, die haben mehr Ressourcen als andere.
Das abzufedern. Ja, und das, was Charlotte Bartels da beschreibt, trifft ja auch ganz besonders stark auf Sachsen-Anhalt zu. Darüber haben wir ja schon in diversen unserer Podcast-Folgen gesprochen.
Könnte ich jetzt verschiedene nennen. Es ist halt einfach verwoben mit ganz vielen Themen und darum kommen wir auch immer wieder darauf zu sprechen, weil es eben so weitreichende Auswirkungen hat.
Jetzt klingt das ja alles in allem ziemlich negativ. Gibt es denn Ansätze, wie sich die Vermögensungleichheit überwinden bzw. zumindest ein Stück weit verkleinern lässt?
Mir fällt da beispielsweise die in den letzten Monaten immer wieder aufflammende Diskussion rund um die Erbschafts- und Vermögenssteuer ein. Vorschläge, die ja vor allem von links immer wieder eingebracht werden.
Ja, das ist auf jeden Fall ein Thema. Charlotte Bartels und Clara Löffler sagen da beide, das hat mich auch überrascht, dass aus wissenschaftlicher Perspektive die Effekte auf die Vermögensungleichheit als gar nicht so groß eingeschätzt werden.
Auch dass diese Steuer keinen großen Einfluss haben dürfte auf die tatsächliche Verteilung von Vermögen. Die Frage ist natürlich, inwiefern das ein gesellschaftliches Problem darstellt oder nicht.
Denn natürlich könnten die Einnahmen, die aus diesen Steuern generiert würden, zu einer Art öffentlichen Vermögen beitragen bzw. könnte damit etwa der Wohlfahrtsstaat finanziert werden.
Es geht also auch hier um die Frage, inwiefern wir die Abhängigkeit von Vermögen als privater Vorsorge im Alter etwa minimieren können.
Ein starker Sozialstaat, bezahlbarer Wohnraum, gute Bildung, Finanzierung von Pflege machen Menschen weniger abhängig davon, ob ihre Familie Vermögen hat oder nicht.
Also, ich finde, das ist ein ganz entscheidender Punkt, was sie da am Ende sagt. Das hat vielleicht keinen direkten Einfluss auf die Vermögensungleichheit sofort, aber natürlich, wenn man einen stärkeren Sozialstaat hat, wenn Menschen sich selbst privat weniger absichern müssen, haben sie vielleicht auch ganz andere Möglichkeiten zur Teilhabe und vielleicht auch ein eigenes Vermögen langfristig aufzubauen.
Ganz genau. Um jetzt aber wirklich diese Vermögensungleichheit anzugehen, da sagt zum Beispiel Charlotte Bartels, müssen Menschen viel mehr dazu in die Möglichkeit versetzt werden, Selbstvermögen aufzubauen.
Mir fällt da zum Beispiel als eine Idee eine Initiative ein, die ein Grunderbe für alle fordert. Was hält denn Charlotte Bartels von solchen Ideen?
Naja, sie sagt, dass diese Idee eigentlich politisch gerade umgesetzt wurde, nur unter einem anderen Namen: die Frühstartrente. Hast du davon schon gehört?
Ehrlicherweise nicht. Gut, dann erkläre ich es dir jetzt und auch allen, die noch nicht davon gehört haben.
Also, diese Frühstartrente tritt zum 1. Januar 2027 jetzt in Kraft. Die Idee ist, Kindern soll frühzeitig Gelegenheit gegeben werden, eine Art Vorsorgevermögen aufzubauen.
Gestartet wird erstmal mit zwei Geburtsjahrgängen, und zwar allen Kindern, die 2020 und 2021 geboren wurden. Diese Kinder erhalten vom 6. bis zum 18. Geburtstag monatlich 10 Euro vom Staat, insgesamt 1 440 Euro pro Kind.
Das Geld wird angelegt von der Bundesbank in Aktien. Das war eine Forderung von Ungleichheitsforschern schon vor vielen Jahren.
Das ist eigentlich ein Schritt in die richtige Richtung, dass man sagt, wir haben hier eine gesellschaftliche Herausforderung, dass nicht alle Gruppen gleichen Zugang haben zu Finanzmärkten und da eine gewisse größere Distanz für bestimmte Gruppen besteht und wo der Staat aktiv helfen kann, sowohl finanziell, aber auch mit der Anlageentscheidung selber.
Das hat sich auch empirisch schon in vielen Studien gezeigt, dass es hilft, wenn man die Entscheidung abnimmt, wo man investieren soll, weil viele Menschen eben davor zurückschrecken, sich überhaupt zu informieren und dann diese Entscheidung zu treffen.
Es geht nicht darum, dass die Leute keine Mathe können und nicht einen Zinseszins ausrechnen können, sondern es macht einfach Mühe.
Als ganz großes gelungenes Beispiel nennt sie da Schweden, wo diese Form von rentenaktienbasierten Renten noch sehr viel ausgeprägter ist.
Sie sagt eben, es ist sehr viel wirkungsvoller, Menschen, die wenig haben, dazu verhelfen, etwas aufzubauen, als denjenigen, die viel haben, etwas wegzunehmen.
Sie sieht da auch nochmal mit Blick auf den Osten ein größeres Potenzial im Finanzvermögen. Wir haben ja schon gesagt, dass es genau das in Ostdeutschland einfach eine größere Rolle spielt.
Da wird viel gespart. In den Gesamtsummen ist das nicht unbedingt mehr, aber dort könnten Menschen mit dem Geld, was dort liegt, sag ich mal, einfach es schaffen, Vermögen zu vermehren.
Clara Löffler sieht das auch ganz ähnlich und ich sehe auch die Idee dahinter. Allerdings bleibt bei mir dann trotzdem noch so ein bisschen die Frage: Wenn ich aber nichts habe, wie soll ich denn dann davon Vermögen aufbauen?
Wir haben noch eine Sache offen: Immobilien. Es wurde sehr viel über Immobilienvermögen gesprochen. Was das betrifft, wie man das auflösen könnte, da haben jetzt weder Charlotte Bartels noch Clara Löffler direkt etwas dazu gesagt.
Aber einen Hinweis gab es dann da schon. Nun ist Eigentum aber auch nicht nur finanzielle Sicherheit, sondern auch die Möglichkeit der Mitbestimmung über große Fragen der eigenen Lebensgestaltung.
Ich denke deshalb, dass, wenn wir Demokratie als ein Versprechen von Freiheit und Gleichheit zu Ende denken wollen, dass wir dann auch Fragen von Mitbestimmung an Eigentum stärker in den Blick nehmen müssen.
Da muss ich jetzt direkt wieder an die derzeitige Diskussion bzw. an ein großes Wahlversprechen der Berliner Linken denken, nämlich große Wohnungskonzerne zu vergesellschaften.
Ja, da denkst du auch tatsächlich an das richtige Thema. Clara Löffler sagt in Bezug auf diese Debatte da in Berlin, dass es zumindest zu diskutieren ist, ob es denn gerecht ist, dass eine Bevölkerung, die zur Attraktivität eines Ortes beiträgt, in dem Sinn ja auch zum Sog, den Berlin einfach ausgelöst hat, und dass diese Attraktivität des Ortes zur Wertschätzung von Immobilien beigetragen hat in bestimmten Vierteln oder eben ganzen Städten.
Ob diese Bevölkerung dann nicht eigentlich finanziell auch davon profitieren sollte, statt eben nur diejenigen, die Immobilien halten.
Und das geht ja nicht nur für Berlin, das geht auch für viele, viele andere Städte in ganz Deutschland.
Ich glaube, die Frage der Vermögensungleichheit, um das mal abzuschließen, an der Stelle, lässt sich gar nicht so einfach beantworten, ob wir die lösen können und wie.
Ich denke, es gibt verschiedene Ansätze und manche sollten wir vielleicht auch bereit sein, einmal auszuprobieren.
Denn wenn wir es nicht ausprobieren, können wir ja gar nicht wissen, ob wir so Vermögensungleichheit überwinden könnten.
Einiges hat sich durchaus verbessert. Das sehen wir eben einfach in Generationen, in meiner beispielsweise, die heute eine viel bessere Chance auf höhere Bildung hatte und auch eine bessere Chance auf Jobs mit besseren Verdiensten.
Aber Clara Löffler sagt abschließend auch, natürlich ist die Frage, wenn man jetzt nochmal zurück zum Osten kommt, diese Personen, die einfach diese Möglichkeiten hatten, wie bleiben die auch langfristig im Osten, um dann diese Region zu stärken?
Ich denke, es ist auch wichtig, die Unternehmen vor Ort zu stärken und die Anstellungsbedingungen vor Ort zu verbessern, damit dann im Endeffekt auch das Vermögen bzw. die Bildung, die gut Ausgebildeten vor Ort bleiben und damit dann auch dazu beitragen, die Region als Ganzes zu stärken.
Vermögen, wie gesagt, wird nicht im luftleeren Raum gebildet. Um nochmal auf das Beispiel Immobilien zurückzukehren: Wertsteigerungen von Immobilien haben immer auch etwas mit der Attraktivität einer Region insgesamt zu tun.
Diese Attraktivität entsteht natürlich durch die Aktivitäten der Menschen vor Ort. Ja, ich glaube, das Thema Vermögensungleichheit wird uns noch sehr, sehr lange beschäftigen und wahrscheinlich auch immer wieder.
Das habe ich ja eben schon mal gesagt. Das kommt in vielen, vielen Facetten vor und hat einfach auch Auswirkungen auf fast alle Themen, über die wir sprechen.
Es ist eben auch nichts, was sich über einen ganz kurzen Zeitraum lösen lässt oder wo es nur einen Grund oder eine richtige Antwort gibt.
Aber es ist wichtig, darüber zu sprechen.
Also danke, Marie, dass du uns das Thema für diese Folge mitgebracht hast.
Und zum Abschluss der Folge nach dieser Druckbetankung mit vielen Informationen um Vermögen gibt es jetzt noch einen Lieblingsort, und zwar einen, den man auch ohne viel Vermögen genießen kann.
Der kommt von Franziska Dusch aus Halle und ist zur Abwechslung auch mal nicht in Magdeburg.
In Halle gibt es das Rabab, das ist auf dem Geigenbergen, ein ehemaliges Gartenlokal. Es sind halt zwei neue BetreiberInnen seit letztem Jahr.
Die machen auch ein ganz cooles Kulturprogramm und versuchen, da auch die verschiedenen Menschen zusammenzubringen.
Also die älteren Kaliber aus der Kleingartensparte, die früher da halt Schnitzel und Pommes gegessen haben und jetzt froh sind, dass das wieder offen hat, aber trotzdem unzufrieden sind, dass sie da keine Bockwurst mehr kriegen.
Plus die ganzen vielen jungen Kulturschaffenden, die einfach diesen Ort entdeckt haben, der wunderschön ist und wo coole Livemusik-Acts spielen.
Das klingt auf jeden Fall so, als sollte man sich das mal in Halle anschauen, wenn man dort ist.
Ganz herzlichen Dank für diesen Tipp, und wir freuen uns natürlich auch noch auf viele weitere, die ihr uns schickt.
Gerne auch bald wieder aus Magdeburg. Die Magdeburg-Sperre ist vielleicht ab der nächsten Folge auch schon wieder aufgehoben von mir.
Aber sehr gerne aus egal welcher Region in Sachsen-Anhalt. Ihr könnt uns die per WhatsApp schicken oder eben auch per E-Mail an dazwischen@detektor.fm.
Genau, nächste Woche ist dann auch Katja wieder zurück. Die freut sich ja immer über Magdeburg-Tipps, und gemeinsam beschäftigen wir uns dann mit der Mobilität der Zukunft.
Ich bin wirklich gespannt, was sie da alles zu erzählen hat und mitbringt. Ihr hoffentlich auch.
Bis dahin, macht’s gut!
Dieser Podcast ist eine Kooperation von detektor.fm und dem Media Forward Fund.
Podcast-Hosts Marilandes und Katja Schmitt. Podcast-Redaktion Leonard Schubert. Cover-Design Claudia Dölling und Anja Kriemer von Sisters of Design.
Originalmusik Florian Sievers. Audioproduktion Benjamin Serdani, Stanley Beidauf und Tim Schmutzler. Projektleitung Christian Bollert.