Nachhaltigkeit im Fußball
Nachhaltigkeit im Fußball – ist dir das wichtig? Im Fußball nicht, aber im Leben schon. Und dann kann man es ja auch im Fußball. Also egal wohin – Fußball ist ja auch nur Teil des Lebens und ein schöner. Also insofern gehört das doch dazu. Ist hier auch cool mit den Parkmöglichkeiten. Also, dass hier so viele Fahrradständer sind und man nicht irgendwie das irgendwo anschließen muss. Und wir waren jetzt auch noch nie mit dem Auto hier. Also mit den Öffis irgendwann mal, glaube ich. Aber ansonsten – also beim Fußball ist es ja heute das erste Mal hier. Und wir wohnen halt hier. Wir hatten Glück. Also ich wollte auf keinen Fall mit dem Auto kommen oder mit der Bahn, weil wir nur eine Viertelstunde mit dem Fahrrad herbrauchten. Und die Parksituation danach ist ja furchtbar. Auch die Bahnsituation. Naja, klar, alleine schon was jetzt die Parkplätze und so angeht. Und man sieht ja, wie voll das jetzt schon überall ist. Von daher macht das auf jeden Fall Sinn, die Öffis zu benutzen. Und so weit wie die zu Fuß zu gehen.
Red Bull Arena
47.800 – so viele Menschen passen in die Red Bull Arena in Leipzig. Sie kommen für Heimspiele des RB Leipzig, aber auch für Fußballspiele der deutschen Fußballnationalmannschaft. Und übrigens auch für große Konzerte wie zum Beispiel von Coldplay, Depeche Mode, Elton John, Herbert Grönemeyer und Helene Fischer. Aber was treibt die Menschen hinter dem Fußballklub um, wenn es um das Thema Nachhaltigkeit geht? Wie schaut der Verein auf die An- und Abreise von Fans? Welche Ideen und Projekte gibt es für mehr Klimaschutz? Das klären wir heute. Ihr hört den Klimapodcast von detektor.fm. Ich bin Ina Lebedjew, eure Host. Hi! Mission Energiewende – der detektor.fm Podcast zum Klimawandel und neuen Energielösungen in Kooperation mit Lichtblick, Deutschlands größtem reinen Ökostromanbieter mit Solarlösungen, intelligenter E-Mobilität und 100 % Ökostrom.
Fan-Mobilität
Uli Wolter ist Chief Relations and Sustainability Officer beim RB Leipzig und ist dort unter anderem für das Thema Nachhaltigkeit verantwortlich. Wenn sich mehr als 47.000 Menschen in Bewegung setzen, sagt er, um ein Fußballspiel im Stadion zu sehen, dann gibt es einiges zu bedenken. Ich habe ihn als erstes gefragt, welche Aspekte das Thema Fan-Mobilität beinhaltet. Also, Fan-Mobilität beinhaltet, dass wir uns natürlich angucken, wo kommen unsere Fans her. Ungefähr 50 % kommen direkt aus dem städtischen Umfeld und der Rest kommt aus dem Umkreis von 100 bis 150 Kilometern. Und daraus ergibt sich dieser sogenannte Modal Split: Wo kommen die Leute her? Wie reisen sie an?
Sperrkreis und Verkehr
Und wir haben seit vielen Jahren einen Sperrkreis rund um das Stadion, rund um das Waldstraßenviertel, um die Anwohner zu schützen, aber auch den fließenden Verkehr und insbesondere den ÖPNV am Fließen zu halten. Denn wenn ein Stau ist, ist natürlich bei so einem schienengebundenen ÖPNV, den wir in Leipzig haben mit den Straßenbahnen, das ist natürlich immer schlecht. Deshalb versuchen wir, die Straßen um das Stadion so freizuhalten, dass die Bahnen immer zügig fahren können. Und wir haben vor drei Jahren nochmal diesen Sperrkreis erweitert. Wir haben die Europameisterschaft vor zwei Jahren so ein bisschen zum Anlass genommen, haben den Sperrkreis nochmal deutlich vergrößert, mehr Menschen sozusagen mit reingenommen, sodass die Menschen, die im unmittelbaren Umfeld leben, sozusagen auch vom Parksuchverkehr von Leuten, die individuell mit dem Pkw anreisen, nicht so betroffen sind und dass eben die Bahnstrecken frei sind.
ÖPNV-Nutzung
Wir haben nochmal mehr Geld in die Hand genommen und wir können jetzt mittlerweile so konstatieren, wir haben zu den Spielen etwa immer so 48 bis 49 Prozent der Leute, die tatsächlich mit dem ÖPNV reisen, also mit der Bahn gegebenenfalls bis zum Hauptbahnhof und nehmen dann die Straßenbahn zum Stadion hin und zurück. Ich kann so sagen, ziemlich genau immer 9 oder 10 Prozent fahren Fahrrad. Dann gibt es ein paar, die halt laufen oder irgendwie mehrere Leute kommen, und der Rest fährt Auto, hält in der Innenstadt und läuft dann oder nimmt dann auch den ÖPNV. Aber das ist so ungefähr der Modal Split, wie wir bei uns die Fan-Anreise organisieren.
Umfragen zur Fan-Mobilität
Und ich hatte gehört, Sie machen Umfragen dafür oder wie kommen Sie auf die Zahlen? Wie können Sie das erheben? Genau, wir machen nach jedem Spiel eine Umfrage und wir arbeiten eng mit den Leipziger Verkehrsbetrieben zusammen, die natürlich wissen müssen, wie viele Fahrzeuge sie zur Verfügung stellen. Wir haben so einen Tarif ausgehandelt, der immer so einen Schnitt im Grunde bezahlt, dass wir ungefähr wissen, dass wir Ableitungen treffen können, wie viele Menschen fahren zu der Uhrzeit, bei dem Wetter, bei den Temperaturen, nutzen den ÖPNV. Wenn es wärmer wird, laufen mehr Menschen, nutzen mehr Menschen das Fahrrad und andersrum. Und danach richtet sich so ein bisschen die Kapazität, die die Verkehrsbetriebe zum Einsatz bringen.
Nadelöhr in Leipzig
In Leipzig gibt es so ein Nadelöhr, das ist der Ring rund um die Innenstadt. Da passt eben nur eine gewisse Anzahl von Fahrzeugen überhaupt drauf. Und wenn diese Kapazität erreicht ist, mehr Fahrzeuge gehen eben nicht. Und jetzt im Moment läuft ja bei uns am Stadion der Ausbau an der Janerle, an dieser Zufahrtsstraße. Da werden die Schienen verbreitet, um eben diese größeren Fahrzeuge einsetzen zu können, die dann deutlich mehr Kapazität haben. Das wird uns sicherlich helfen. Wir bauen gerade eine Haltestelle der Zukunft. Das ist im Grunde eine Haltestelle, die deutlich größer, deutlich moderner ist und so ein bisschen erinnert vielleicht an diese japanischen Schnellzüge, wo über so LED Leuchten am Boden klar ist, wo der Einstieg ist. So etwas wird jetzt hier alles eingebaut, damit einfach der Verkehr bei der An- und vor allem bei der Abreise noch leichter und besser organisiert wird.
Fahrrad-Abstellmöglichkeiten
Und für die Menschen, die mit dem Fahrrad kommen, gibt es auf der Festwiese 2.700 Fahrrad-Abstellmöglichkeiten an so einer Fahrradgarderobe. Da kann ich mein Fahrrad abstellen, das ist bewacht. Ich bin sehr nah an den Einlässen, das hat dann nur noch 200 Meter Luftlinie bis zur Tür. Und im gesamten Stadionumfeld gibt es auch nochmal so ungefähr 700 Fahrradbügel für Fans, die sie nutzen können. Also kann man sagen, roundabout sind so 3.500 Fahrrad-Abstellmöglichkeiten, die wir im direkten Stadionumfeld haben.
Logistik im Fußball
Ich denke mir so naiverweise, ein Fußballclub, da geht es um Fußball. Aber wenn ich mir das so anhöre, geht es doch wahnsinnig viel um Logistik. Mit was für Experten arbeitet ihr, wenn ihr sagt, ihr macht die Haltestelle der Zukunft und solche Projekte? Naja, wir sitzen sehr mit dem Mobilitäts- und Tiefbauamt in Leipzig zusammen, mit der Polizei, mit dem Ordnungsamt, mit Verkehrsplanern, auch mit Fans im Übrigen. Es gibt aus dem Fanrat heraus eine Arbeitsgruppe, die sich mit dem Thema Mobilität befassen, die sehr dezidiert Vorschläge machen, wo man Sonderlinien braucht, wo man mehr P- und R-Plätze einsetzen kann. P- und R-Platz heißt, ich fahre irgendwo am Stadtrand, parke ich mein Auto und fahre mit der Bahn.
Herausforderungen bei der Anreise
Und da gibt es eben immer das große Problem, wenn dann die Linie nicht direkt zum Stadion führt, dann schreckt das viele ab. Dann fahren sie doch näher ans Stadion ran und verursachen Stau etc. Solche Sachen versuchen wir in großen Runden mit allen möglichen Fachleuten, die wir in der Stadt haben, anzugehen. Polizei spielt eine wichtige Rolle und dann finden wir meistens gute Lösungen, die dazu führen, dass am Ende dafür, dass wir ein Innenstadtstadion haben, der Verkehr tatsächlich einigermaßen gut funktioniert. Wenn wir das mit anderen Standorten vergleichen, wenn ich beispielsweise an München denke, die haben einen außerhalb der Stadt die Allianz Arena. Da gibt es ein Parkhaus für 15.000 Parkplätze. Wenn ich Pech habe, stehe ich zweieinhalb Stunden nach Abpfiff immer noch in diesem Parkhaus. Und ich würde sagen, bei uns, gerade wenn du mit dem Fahrrad fährst, ist es natürlich am allerentspanntesten. Aber auch mit dem ÖPNV kommst du hier gut weg. Und selbst würde ich sagen, mit dem Auto eine halbe Stunde nach Abpfiff kannst du eigentlich frei in alle Richtungen fahren. Von daher ist das mittlerweile in Leipzig ziemlich gut organisiert.
Anreise von St. Pauli-Fans
Sie haben gerade gesagt, so 50 Prozent kommen aus der Gegend. Welche Rolle spielen denn, wenn ich jetzt zum Beispiel an das Spiel gerade denke, die St. Pauli-Fans? Die haben ja eine sehr weite Anreise. Welche Rolle spielt das, wenn Leute von noch weiter weg kommen als 100 bis 150 Kilometer? Das wird generalstabsmäßig vorbereitet. St. Pauli zum Beispiel ist jetzt mit einem Sonderzug angereist zum Hauptbahnhof. Knapp 1.000 Fans, die steigen dort in Shuttlebusse, die wir zur Verfügung stellen. Die bringen die direkt zum Eingang am Gästeblock, sodass sie gar nicht in den Anreiseverkehr eingreifen und dort entsprechend auch kein Stau oder sowas entsteht. Wir versuchen die Leute dann davon abzuhalten, jetzt einen Fanmarsch durch die Stadt zu machen. Wenn eine der Verkehrsadern dadurch lahmgelegt wird, ist das natürlich für die Anreise für alle schwierig. Solche Dinge versuchen wir. Es gibt im unmittelbaren Stadionumfeld große Abstellmöglichkeiten für Fanbusse, sodass die schnell dann auch zu ihren Einlässen kommen. Das ist gut organisiert und gut vorbereitet mit den Sicherheitsträgern der Stadt.
Vegane Ernährung im Stadion
Jetzt hatte ich gesehen, RB Leipzig ist nach dem Skippen Peter Ranking für vegane Ernährung in Stadien. Und da ist der RB Leipzig auf Platz zwei im Moment. Also Nachhaltigkeit ist ja noch mehr als Fanmobilität. Darauf wollte ich hinaus. Also was macht ihr denn sonst noch oder wie wichtig ist Nachhaltigkeit für den Verein? Naja, Nachhaltigkeit ist zum einen wichtig, weil es lizensierungsrelevant mittlerweile ist. Du kriegst deine Lizensierung für die Bundesliga nicht, wenn du nicht gewisse Kriterien erfüllst. Da gibt es sogenannte A-, B- und C-Kriterien. Manche sind verpflichtend. Die musst du erfüllen, ansonsten kriegst du Auflagen oder Bedingungen in deine Lizenz. Das will keiner haben. Dann gibt es mittlerweile ja deutsche und europäische Gesetze, an die wir uns halten müssen, die wichtig sind.
Soziale und ökologische Nachhaltigkeit
Und dann gibt es tatsächlich ganz ureigene Themen im Bereich der sozialen, der ökonomischen und der ökologischen Nachhaltigkeit, die wir als Verein als wichtig empfinden. Also das Thema, ein Pfandsystem zum Beispiel aufzubauen im Stadion. Wenn pro Spiel irgendwie 120.000 Becher als Einheiten verkauft werden, wenn wir diese Müllberge produzieren, würden, wäre das ein riesen Eigentor. Also gibt es schon seit Jahren ein großes Pfandsystem, das eingeführt und etabliert ist. Und bis vor zwei Jahren war das tatsächlich nicht möglich, diese Becher, die dann zurückkamen, vor Ort zu reinigen. Das heißt, das war dann nicht so wahnsinnig sinnvoll. Die wurden dann per LKW weggefahren oder woanders gereinigt und wieder hergefahren. Das haben wir mittlerweile geändert und haben dort jetzt mittlerweile eine sehr, sehr gute und sehr nachhaltige Lösung vor Ort.
Mülltrennung und soziale Verantwortung
Mülltrennung ist ein wichtiges Thema im Stadion. Restmüll, die Plastikabfälle, das Recycling ist ein ganz, ganz großes Thema für uns. Und ich würde sagen, das Thema, was uns im Verein am meisten bewegt, ist das Thema soziale Nachhaltigkeit. Was können wir tun für die Gesellschaft, für Kinder, für Jugendliche? Wie können wir den Public Value in Leipzig steigern? Welche Aufgaben kann RB Leipzig hier übernehmen? Und ich will vielleicht ein Beispiel mal nennen, was ich immer so am treffendsten finde für uns. Das nennt sich die Förderoffensive. Das ist eine Möglichkeit, wo wir in 30 Grundschulen und mittlerweile 15 Kitas in Leipzig sind und dort für die Kinder Sport anbieten.
Sportangebote für Kinder
Also wir haben ein eigenes Team, das glaube ich mittlerweile 10 Trainerinnen und Trainer umfasst, die entweder in der Fußballschule in den Schulferien unterwegs sind oder eben während der Schul- und Kitazeit in den Schulen und Kitas und gar nicht so sehr jetzt nur Fußball anbieten, sondern Kinder einfach in Bewegung bringen. Dass Kinder wieder lernen zu springen, zu laufen, ihren Körper kennenzulernen, zu verstehen, dass Bewegung Spaß machen kann. Und wenn davon dann am Ende Kinder in Leipziger Vereinen landen, ist das toll. Aber was wir da machen, ist sozusagen ein ganz niederschwelliges Angebot, dass Kinder einfach teilhaben können am Thema Sport und Bewegung. Das ist für uns ein ganz essentieller Bestandteil im Bereich soziale Nachhaltigkeit.
Familienfreundliche Fankultur
Ich habe mich am Wochenende ums Spiel herum ein bisschen umgesehen und ich glaube auch, dass es dieses Image gibt, dass Fußballspiele beim RB Leipzig was für Familien sind. Und war wirklich überrascht, dass Leute richtig mit kleinen Kindern zum Fußballspiel kommen. Ist das auch so ein Aspekt, der da mit rein zählt? Absolut. Ich glaube, das ist einer der Gründe, warum Menschen damals entschieden haben, RB Leipzig Fan zu werden, weil wir seit vielen Jahren diese friedliche, fröhliche, familiäre Fankultur leben. Was nicht heißt, dass es bei uns keine aktive Fanszene gibt, die Choreos macht. Und natürlich gibt es auch bei uns offizielle Fanclubs, also Fans, die das ganz besonders leben. Aber wir haben viele Kinder im Stadion und glaube auch, dass wir einen sehr hohen Anteil zum Beispiel an Mädchen und Frauen haben, die zu unseren Spielen kommen.
Angebote für Kinder
Und es ist so, bei uns kannst du als Familie genauso in den Stehplatzbereich gehen und entspannt dort dein Spielerlebnis haben wie in den Sitzplatzbereichen. Es gibt viele Angebote für Kinder vor dem Spiel. Wir haben, davon abgesehen, wir wollen nicht, dass Kinder sozusagen während des Spiels betreut werden. Wir wollen ja, dass die Kinder Fans werden und das Spiel sehen. Das haben wir vor ein paar Jahren anders entschieden. Wir haben keinen expliziten Familienblock im Stadion eingeführt, sondern haben gesagt, es gibt eigentlich überall ermäßigte Preise für Kinder, damit die überall hin können, wo die Eltern hin können. Aber es ist ein wichtiger Bestandteil, absolut.
Energiemanagement und Nachhaltigkeit
Wie ist das über die Spiele, über die Spieltage hinaus? Welche Nachhaltigkeitsaspekte spielen im Club eine Rolle? Ja, wir lassen zum Beispiel unser Energiemanagement jedes Jahr zertifizieren. Das heißt, wir haben externe Berater, die sehr genau hingucken, wie wir Strom verbrauchen, wie wir Fernwärme verbrauchen, wie wir Kraftstoffe verbrauchen. Wir steuern das, wir tracken das. Ein großer Treiber bei uns ist die Rasenheizung im Winter im Stadion, aber auch in unserer Akademie. Und wir gucken uns das an: Wie kann man das automatisieren? Wie kann man das verbessern, damit wir Energie sparen? Das ist zum Beispiel ein Thema. Oder beim Bau der Geschäftsstelle haben wir sehr viel in regenerative Energien gesetzt, haben Solar aufs Dach gebaut, haben eine Anlage eingebaut, die das Brauchwasser wiederverwertet, zum Beispiel für Toilettenspülung, zum Beispiel für das Bewässern unserer ganzen Pflanzen.
Positive Effekte der Nachhaltigkeit
Da gibt es viele Stellschrauben, aber ich würde sagen, überall da, wo Nachhaltigkeit natürlich am Ende dazu führt, dass man Geld spart, macht es natürlich umso mehr Sinn und umso mehr Spaß. Und auch jeder versteht, dass es eine gute Geschichte ist. Also in dem Sinne ist es nicht mehr so viel Überzeugungsarbeit zu leisten, um zu sagen, Nachhaltigkeit ist wichtig. Oder gibt es Stellen, wo es noch anstrengend ist oder wo es Kraft kostet? Also ich glaube, als Fußballverein in einer Stadt bist du gut beraten, dass dieses Thema über die soziale Nachhaltigkeit, dass das Teil deiner Club-DNA ist, dass du dich kümmerst, dass du dran bist an den Menschen, dass du den Menschen zeigst, dass der Club für die Stadt da ist und dass du als Club für die Menschen da bist.
Überzeugungsarbeit im Verein
Und ich glaube, das hat sich vor ein paar Jahren, als das Thema immer wichtiger wurde, ich glaube, dass mittlerweile das nicht mehr in Frage steht. Es ist auch lizensierungsrelevant. Also auch die Bundesliga, unsere Dachorganisation, hat sich ja Gedanken gemacht und hat das als so wichtig empfunden, dass es jetzt klare Regularien gibt. Also von daher, nee, ich glaube, Überzeugungsarbeit müssen wir im Verein da nicht mehr leisten. Es geht eher darum, immer die richtigen Stellschrauben zu drehen und zu gucken, welche Priorität man setzt.
Team für Nachhaltigkeit
Wie groß ist das Team, das sich darum kümmert? Also sind Sie es allein oder haben Sie Leute, mit denen Sie Nachhaltigkeit umsetzen? Also es gibt ein Team, das sind vier Personen im Moment, die sich ganz konkret ausschließlich um das Thema Nachhaltigkeit kümmern. Und da gibt es natürlich in unseren operativen Bereichen, Facility Management, im Bereich Greenkeeping, also diejenigen, die sich um den Rasen kümmern. Wir haben über zehn Plätze, die die zum Beispiel im Blick haben. Ein sehr kostspieliges Thema. Überall dort sind diese Themen verankert und überall dort werden diese Themen genauso mit Ernst genommen und mit betrachtet. Oder ob es die Fanbetreuung ist oder ob es das Ticketing ist, die sich um das ÖPNV-Ticket kümmern und so weiter. Das ist zum Grunde kein Silo, sondern es ist eine kostfunktionale Aufgabe, die über ganz viele Bereiche im Verein geht.
Digitalisierung im Ticketing
Und Sie haben es gerade angesprochen, Ticketing. Also ist das auch ganz viel digital geworden in den vergangenen Jahren? Ne, alles nicht. Unser Kerngeschäft ist ja auch sehr analog. Wir spielen ja nach wie vor auf dem grünen Rasen mit den Menschen, die kommen da hin. Wir essen ganz analog ihre Bratwurst oder ihre vegane Bratwurst. Wir haben schon, ein großer Teil des Zaubers von Fußball funktioniert natürlich, weil es analog ist, immer noch vor Ort. Und ein anderer Teil befindet sich in der digitalen Welt für Menschen, die nicht hier sind, für Fans, die im Ausland sitzen. Die nehmen aber trotzdem natürlich wahr und wollen wahrnehmen, ob sich ein Klub für seine Stadt, für seine Fans engagiert und dort aktiv ist. Also von daher findet in beiden Welten statt, würde ich das beschreiben mittlerweile.
Vorbilder für Nachhaltigkeit
Gibt es Vorbilder, was Nachhaltigkeit im Fußball angeht? Also ich glaube, es gibt in Großbritannien einen Klub, der irgendwie sehr auf Nachhaltigkeit achtet und so eine grüne Mentalität an den Start bringt. Gibt es so Menschen, wo Sie auch hingucken und sagen, das könnte auch für uns interessant sein? Oder vielleicht andere Branchen, die irgendwas machen, wo Sie sagen, wenn man das umfunktioniert, könnte das auch hier funktionieren? Also absolut. Wir tauschen uns immer mit anderen Branchen aus. Ich sage jetzt mal mit Freizeitparks, mit Festivals, gucken, was machen die, was können wir machen? Die gucken sich bei uns auch Sachen ab, zum Beispiel ans Thema Inklusion. Ich denke, ich glaube, das bleibt sich in vielen Stellen sehr weit vorn. Da schauen sich andere bei uns Dinge ab.
Austausch mit anderen Klubs
Da sitzen wir beispielsweise vor vielen Jahren mal zusammengesetzt mit den Kollegen aus Wacken, die für sich Ableitungen treffen wollten. Andererseits nehmen wir auch Dinge, die bei Festivals gut funktionieren, da bei uns mit rein. Und in der Fußballwelt, klar, wir beobachten, was andere tun, was andere machen. Es gibt mittlerweile auf europäischer Ebene im European Club Association die Möglichkeit, dass man sich austauscht unter den Klubs. Ich bin hier zum Beispiel in der Bundesliga in der Kommission Nachhaltigkeit, wo wir mit anderen Klubs zusammensitzen und Themen diskutieren, uns anschauen, den Nachhaltigkeitsbericht der Bundesliga. Du guckst dir natürlich an, was die anderen Klubs veröffentlichen, was sie für Themen machen.
Recycling von Stadionmöbeln
Und jeder versucht für sich die Kriterien zu erfüllen, also erstmal die Must-Haves zu erfüllen und natürlich darüber hinaus tolle Themen zu bedienen. Und vielleicht ein Punkt, den ich noch anmerken möchte: Wir haben vor vielen Jahren, jetzt vor mehreren Jahren, unsere Stadionsitze rausgenommen, weil wir einfach gesagt haben, wir wollen die in unserer Kernfarbe in rot haben. Und dann viele Sitze haben wir verschenkt an Vereine, die das für ihre kleinen Sportanlagen genutzt haben, an Fans, die das für sich nutzen. Aber wir haben auch den Kunststoff recycelt und haben lange daran gearbeitet, ein Produkt herzustellen, was am Ende geeignet ist, mobile Fußballplätze daraus erstellen zu können, also sprich Bannentore. Und es hat dann am Ende geklappt. Jetzt haben wir einen Wettbewerb durchgeführt. Wir haben zwei Plätze am Ende jetzt rausbekommen. Einen Platz haben wir jetzt vergeben an eine Grundschule in Grunau. Und da steht jetzt diese Anlage aus dem recycelten Kunststoff, die wird benutzt von den Kindern. Und es ist ein tolles Projekt, einfach super beispielgebend, dass sowas funktionieren kann, wenn man sich bemüht. Und jetzt haben wir noch einen zweiten Platz. Da werden wir uns jetzt im Sommer mal Gedanken machen, was wir mit dem machen, wer den bekommt.
Nachhaltigkeit im Bau
Wir sind gerade durch so eine ganz besondere Atmosphäre gelaufen in der neuen Geschäftsstelle, weil hier so viel Holz im Gebäude verbaut ist. Ich hatte gelesen, dass hier Nachhaltigkeit auch eine große Rolle gespielt hat bei dem Bau. Können Sie da ein paar Beispiele nennen oder so ein bisschen Einblicke geben? Ja, wir sitzen jetzt gerade hier in der neuen Geschäftsstelle, sind im letzten November hier eingezogen. Und es ist der größte Holzbau Mitteldeutschlands. Und auch da kann man wieder sagen, das ist so gelebte Nachhaltigkeit. Es ist am Ende tatsächlich eine Entscheidung gewesen: Ja, sieht gut aus. Es ist richtig schön. Es ist tolle Luft. Es riecht gut. Es ist ein angenehmes Arbeiten. Aber am Ende ist es tatsächlich auch so, dass ein Holzbau tatsächlich auch günstiger ist als ein Bau aus Vollbeton und tatsächlich auch schneller ging zu erstellen.
Positive Auswirkungen der Nachhaltigkeit
Also manchmal hat Nachhaltigkeit auch ganz ganz klare positive Business Cases und das ist hier der Fall gewesen. Und jetzt haben wir eine Arbeitsatmosphäre geschaffen für über 250 Beschäftigte, die hier jetzt bei uns sind. Also alle aus den Business-Bereichen, außer Sport und Medien, sind hier. Und ich glaube, ja, es ist eine tolle Arbeitsatmosphäre, getragen von diesem Holz, Fichte aus dem Bayerischen Wald, die hier eingebaut ist. Über 1.000 Pflanzen, die überall eingebaut worden sind und die dem Ganzen so einen ganz hellen, warmen Charakter geben. Wir haben eine Solaranlage auf dem Dach mit Brauchwasserstationen, die wir eingebaut haben, mit vielen Gimmicks, wie das Gebäude gekühlt wird. Also es gibt schon viele Dinge, die man machen kann, wenn man will und die dazu führen, dass die Leute sich am Ende wohlfühlen und hier gerne arbeiten.
Fazit zur Nachhaltigkeit im Fußball
Gibt es irgendwas, was ich Sie jetzt noch nicht gefragt habe, wo Sie sagen, das ist ein Aspekt, der sollte auf jeden Fall noch mit rein, wenn man über Nachhaltigkeit im Fußball spricht, insbesondere beim RB Leipzig? Ich glaube, das Wichtigste ist, sich einfach immer wieder zu vergegenwärtigen: Es ist ein Thema, was vor vielen Jahren, glaube ich, im Fußball keiner so richtig gesehen hat und auch nicht für notwendig befunden hat. Es ist so schleichend gekommen und mittlerweile einfach fester und normaler Bestandteil von der Bundesliga und von den Klubs. Und soweit ich das wahrnehme, hat jeder Klub eigentlich so eigene USPs, die sie herausbilden, die für sie für sich, für den Standort gut passen, die zur Stadt passen, die zum Klub, zu den Fans passen.
Verantwortung im Fußball
Und ja, mittlerweile leben es die Vereine und wir als Normalität auf eine ganz entspannte, natürliche Art und Weise. Und es ist in vielen Bereichen letztendlich ein vernünftiger Business Case entstanden. Und auf der anderen Seite ist es ein großer Teil von sozialer Verantwortung, der wir in der Stadt und den Fans gegenüber gerecht werden. Ja, man kann es wahrscheinlich so vielen Menschen gegenüber, die Anhänger sind und Fans sind und kommen zu den Spielen, auch nicht verantworten, zu sagen, wir ignorieren das Thema oder. Absolut, in der Bundesliga tatsächlich ist das auch wirklich kein Thema mehr. Überall achten wir auf diese Themen. Ökologische Themen, ökonomische Themen, soziale Themen spielen für alle in der Fußballfamilie eine wichtige Rolle. Und gerade wenn du auf der einen Seite jetzt die Champions League erreichst und wir haben wahnsinnig viele Spiele, viele Themen, die wir angehen, die wir einfach durchführen müssen, um unseren Betrieb aufrechtzuerhalten. Und das ist ganz wichtig, dass wir uns Gedanken machen, wie wir Dinge kompensieren können, wie wir Dinge vernünftig einsparen können, wie wir Dinge für die Menschen so erlebbar machen, dass sie merken, wir nehmen uns der Themen an.
Und wenn man so den Weg abläuft, wie ist das Stadionerlebnis eines Fans bei RB Leipzig von der Anreise bis zur Abreise, was erlebt er dort alles, dann kann man unglaublich viele Dinge machen, ganz niederschwellig, die den Menschen das Thema Nachhaltigkeit irgendwie ganz entspannt und einfach bringen und gar keinen Nachteil in irgendeiner Anwendung haben, sondern einfach ganz normal integriert sind.
Ob das dann der Fahrradabstellplatz ist, direkt am Eingang, ob es die Bahn ist, die direkt vom P-R-Platz fährt, ob es das Angebot ist, dass ich genauso vegan essen kann, wenn ich das will, im Stadion. Das ist, glaube ich, wichtig, dass die Rasenheizung, die dort eingesetzt wird, so gesteuert wird, dass sie möglichst effizient läuft, dass wir versuchen, den Strom, den wir für die Rasenbeleuchtung einsetzen, möglichst effizient zu nutzen.
Das sind Sachen, das kriegen die Fans im Zweifel gar nicht mit. So ist aber was, was wir als Verein natürlich steuern.
Projekte und Ziele
Gibt es irgendein Projekt oder irgendein Ziel, was Sie in der nächsten Zukunft haben, was spannend ist, was Sie schon verraten können? Also ich glaube, das Spannendste wird sein, wenn beim Thema Fan-Mobilität, wenn die große Zubringerstraße vor der Festwiese vor dem Stadion fertig ist und diese neuen großen Bahnen in deutlich größere Frequenz kommen, diese Haltestellen fertig sind, die Prozesse einfach noch besser werden.
Wir haben im Moment gut 25.000 Fans, die über die Festwiese zutreten und ganz viele von denen, die auch die Straßenbahnen dort nutzen, um dann in beide Richtungen zu fahren. Und davon versprechen wir uns unglaublich viel, dass da nochmal ein Schub kommt. Das ist vielleicht noch mehr, dass wir dann die 50-Prozent-Quote knacken können von Menschen, die den ÖPNV nutzen.
Abschluss
Vielen Dank für die Einblicke und das Gespräch. Ja, sehr gerne. Danke, dass Sie da waren. Ich war zu Gast bei Uli Wolter. Er ist Chief Relations and Sustainability Officer beim RB Leipzig.
Und in der nächsten Folge mit dem Schwerpunkt Fußball und Nachhaltigkeit widmen wir uns der sogenannten Fahrradgarderobe. Was die genau kann, das erfahrt ihr dann nächste Woche. Wenn ihr das nicht verpassen wollt, dann folgt doch einfach dem Klimapodcast von detektor.fm in der Podcast-App eurer Wahl.
Die Audioproduktion für diese Folge hatte Wiebke Stark und die Redaktion hatte ich, Ina Lebedjew. Habt vielen Dank fürs Zuhören und bis nächste Woche hoffentlich. Macht’s gut. Tschüss!
Mission Energiewende – der detektor.fm Podcast zum Klimawandel und neuen Energielösungen in Kooperation mit Lichtblick, Deutschlands größtem reinen Ökostromanbieter mit Solarlösungen, intelligenter E-Mobilität und 100 % Ökostrom.