Also, uns hat es leid getan, dass wir halt so viele Rohstoffe, die wir halt demontieren, auch bei unseren Kunden wegschmeißen müssten oder sollten. Natürlich könnte man die Sachen auch verheizen, aber die Qualität und die Substanz von den Brettern ist so gut, dass wir einfach gesagt haben: Lasst uns doch probieren, daraus eine neue Verwertung zu finden. Und das haben wir halt gemacht.
Damit zusammen am Esstisch aus Eichenholz Gesellschaftsspiele spielen, die historische Wandvertäfelung im denkmalgeschützten Fachwerkhaus bewundern oder barfuß über eine Treppe aus massiver Esche laufen. Holz macht was mit uns. Und Fachleute schwärmen, denn der nachwachsende Rohstoff hat im Vergleich zu anderen Baumaterialien eine ausgezeichnete Ökobilanz. Aber geht da vielleicht noch mehr? Das ist das Thema dieser Folge. Ihr hört den Klima-Podcast von detektor.fm. Ich bin Ina Lebedjew. Hi! Mission Energiewende. Der detektor.fm-Podcast zum Klimawandel und neuen Energielösungen in Kooperation mit Lichtblick, Deutschlands größtem reinen Ökostromanbieter mit Solarlösungen, intelligenter E-Mobilität und 100 Prozent Ökostrom.
Holz in Hotels, Büros und Wohnungen hat für viele Menschen einen Wohlfühlfaktor. Es sorgt für ein besseres Raumklima, es fühlt sich im Vergleich zu Stahl, Glas oder Plastik angenehm, natürlich und warm an. Andererseits schätzte eine Studie des World Wide Fund for Nature (WWF) schon 2022 ein, dass wir nicht weiter einfach unendlich alles aus Holz haben können. Denn der Studie zufolge verbrauchen wir tatsächlich einfach mehr Holz, als nachwächst. Dabei ist Deutschland ein Hochkonsumland. Menschen hierzulande verbrauchen demnach doppelt so viel Holz wie Menschen in anderen Ländern im globalen Durchschnitt. Eine mögliche Lösung: Altes Holz, das ein zweites Leben bekommt. Welches Potenzial Altholz mit sich bringt, das schauen wir uns heute an.
Für diese Folge unseres Klima-Podcasts war ich zu Gast in einer Bau- und Möbelwerkstatt in Sachsen. Einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen, nachhaltig wachsen, etwas nachhaltig verändern. Nachhaltigkeit, das ist ein Begriff, der heutzutage in aller Munde ist und der in allen möglichen Kontexten verwendet wird. Was viele nicht wissen: Der Begriff Nachhaltigkeit stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft und meinte vor mehr als 300 Jahren nur so viele Bäume zu fällen, wie nachwachsen können, damit der Wald auf Dauer seinen Wert behält. Nachhaltigkeit ist aber nicht nur im Wald ein Thema, sondern auch danach bei der Verarbeitung von Holz, wie Matthias Greichen erklärt. Er ist Tischler in siebter Generation und betreibt zusammen mit seiner Schwester eine Möbelwerkstatt im sächsischen Frohburg.
Also, als Tischler ist man eh sehr nachhaltig, und das Material, was wir verarbeiten, ist halt nachwachsender Rohstoff. Aus den Hölzern bauen wir halt Möbel und Innenausbauten. Seit 1799 gibt es das Unternehmen. Im Meetingraum, dessen Herzstück ein großer Konferenztisch aus Holz ist, zeugen Urkunden, historische Entwürfe, Artefakte und Fotos von langer Tradition. An ausladenden Schreibtischen im offenen und lichtdurchfluteten freundlichen Büro entstehen heute Konzepte und Entwürfe für Museen und Hotels mit großem Renommee, für mittelständische Unternehmen, aber auch für private Kundschaft. Direkt nebenan werden in der Werkstatt aus Ideen Tresen, Schränke und Oberflächen sowie besondere Einzelstücke.
Matthias Greichen und sein Team bauen in der Werkstatt auch Neues aus Altholz. Und das kam so: Wir hatten vor ein paar Jahren den Auftrag, beim großen Hotel mal die Terrassenböden zu erneuern. Das heißt, die alten Terrassenböden, die vielleicht 10 bis 15 Jahre dort verwendet wurden, waren halt schon in Teilbereichen etwas angegriffen. Und der Hotelbesitzer war der Meinung, wir müssen eine Kunststoffdiele einsetzen. Und das Grundmaterial war halt so gut, dass wir gesagt haben: Ja, wir müssen es eh abbauen und einer Entsorgung zuführen. Aber wir haben uns überlegt: Na ja, bevor wir es entsorgen, lass uns doch mal probieren, bei der Menge, die wir haben, daraus was zu bauen.
Und dann ist das so entstanden: Dielen, die auf der Terrasse eines Hotels auf der Insel Sylt Wind, Sonne und Sand ausgesetzt waren, sollten damals einer ganz anderen Zukunft zugeführt werden und dort verbaut werden, wo Menschen wieder den vollen Durchblick erhalten. Wir haben hier in Sachsen einen Optiker, der hat mehrere Filialen, und für den haben wir ein Konzept entwickelt, wo wir aus diesen Althölzern, verbunden mit ein paar modernen Mineralwerkstoffen und auch ein paar Schichtstoffen, ein Ladenkonzept entwickelt haben, was sich so als Konzept von A bis B durchzieht. Und dort verwendet man das besonders an den Brillenwänden oder an Tresen oder an Besprechungstischen oder an Unterkonstruktionen.
Aber bevor alte Terrassendielen bereit sind für ein zweites Leben, braucht es doch einige Handgriffe, erklärt der Fachmann. Wir haben das Material, die Holzdielen, genommen, haben diese halt erst einmal ganz klassisch aufgestapelt, mit Stapelhölzern eingelagert und haben dann so nach, ich sage mal drei, vier Monaten das Material genommen, haben das in unserer Halle halt getrocknet, damit am Ende diese Holzfeuchte sich zumindest annähernd an die Holzfeuchte für Innenräume angepasst hatte. Und ab dann haben wir angefangen zu schleifen, zu bürsten, nachzuarbeiten, auch die Hirnflächen nachzuarbeiten.
Aber das Allerwichtigste ist, man muss halt diese Oberflächen richtig bürsten und auch mit einer speziellen Bürste behandeln, damit halt die dunklen und hellen Jahrringe und auch die dunklen und hellen Stellen an den Hölzern einigermaßen egalisiert werden. Und dann halt mit einem pigmentierten Öl in eine neue Oberfläche aufzutragen. Das zeigt mir Matthias Greichen an einer speziellen Maschine in der Werkstatt. Wenn du jetzt Öl drauf machst, ist das wie, also kommen die Punkte hier viel mehr raus. Und in die Tiefe kommst du nicht rein, weil in der Tiefe ist eben halt auch noch so dieser Sand und so. Aber die kannst du halt ein bisschen mit dem Lappen dann auswischen, und dann ist das wieder total schick.
Bitte widmet eure Aufmerksamkeit doch kurz unserem Werbepartner. Ihr wollt 100 Prozent Ökostrom? Dann wechselt jetzt zu Lichtblick, Deutschlands größtem reinen Ökostromanbieter. Hier bekommt ihr Ökostrom aus Sonne und Wind, intelligente E-Mobilität und Solaranlagen für günstigen Strom vom eigenen Dach.
Matthias Greichen und seine Tischler-KollegInnen nehmen also altes Holz, behandeln es vor, analysieren, welches zweite Leben dazu passen könnte, suchen nach Lösungen und packen das Holz schließlich in eine neue Form, kombinieren es mit modernen Materialien und schaffen aus Holz, das ursprünglich entsorgt werden sollte, eine ganz eigene Atmosphäre an einem anderen Ort. Und dann hängt es eigentlich nur noch an dem handwerklichen Geschick, das Holz an der richtigen Stelle auszusuchen, wo die Äster sind, wo vielleicht Fehlstellen sind, wo man das Holz ausprobieren kann und zu überlegen, wie man das verwendet.
Und dann haben wir das halt weiter zusammengebaut. Und jetzt haben wir mittlerweile so viel Erfahrung, dass die Menschen, die das tun müssen, auch mitdenken und überlegen, wie kann man das am sinnvollsten verarbeiten? Wo hat man am wenigsten Verschnitt? Wie sieht es am schönsten aus? Und welchen Effekt möchte ich dadurch erzielen? Und dann wird das halt durchdacht. Und wenn wir fertig sind mit dem Denken, dann geht es ans Handwerk. Und das Handwerk bedeutet dann: zuschneiden, ablängen, verleimen, verkleben, konstruktiv zusammenfügen. Und dann entstehen halt daraus unsere Möbel und Innenausbauten.
Neues aus Altholz, das ist kein großes Business, sagt Matthias Greichen, sondern eher ein Nischenprodukt. Es ist vielleicht, wenn es mal ein Jahr 10 Prozent von unserem Jahresumsatz sind, das nächste Jahr sind es vielleicht bloß 5 Prozent. Aber es wird immer so eine Nische bleiben, die bedient wird. Aber das ist halt so die Größenordnung, über die wir nachdenken, was auch so eine gewisse Grundlast und wiederkehrende Arbeit ist, die uns auch Spaß macht. Rohstoffe wertschätzen, gutes Holz wiederverwenden und neu denken, auch wenn es alt ist. Bei der Bau- und Möbeltischlerei Greichen in Sachsen ist das gelebter Klimaschutz.
Der Klimaschutz ist natürlich im Kopf mit drin. Und jeden Baum, den ich nicht fällen muss, der tut weiterhin CO2 aus der Luft filtern. Und im Hinterkopf zu haben, dass man sagt: Ich nehme ein Material, was schon mal verwendet wurde und tue das nur aufarbeiten, nur in Anführungsstrichen, gibt ja alleine schon der Sache genug Grund, das zu tun, weil der Baum muss nicht gefällt werden, den ich jetzt wieder hier verwende. Und die Energie, die ich trotzdem reinpacke in so ein Produkt, ist trotzdem relativ hoch. Und ich denke, die Nachhaltigkeit an der Stelle ist schon relativ groß für das, was wir da tun.
Und dann wären da noch die Leidenschaft und die Liebe zum Handwerk, sagt mir Matthias Greichen noch, bevor ich gehe. Wichtig ist für mich eigentlich, dass du weißt, dass wenn wir Tischlerei betreiben, dass das halt ein Job ist, den man halt gerne macht, wo im Prinzip Herz und Seele dranhängen. Zu sagen: Ich mache nicht stur heil irgendwas, was mir vorgegeben wird, sondern ich habe jeden Tag die Aufgabe, mich reinzudenken, mir zu überlegen, was ich tun will und kann es dann mit meiner eigenen Arbeitskraft, also mit meinen Händen, so gestalten, dass ich am Ende des Tages so eine gewisse innere Zufriedenheit habe und sagen kann: Guck mal, das habe ich mit meinen Händen erschaffen. Und jetzt gibt es vielleicht noch einen Kunden, der erfreut sich vielleicht noch daran und hat noch ein lobendes Wort für mich. Vielleicht hat auch das lobende Wort mal mein Chef oder mal irgendein Vorarbeiter. Aber wenn man irgendwas mit Holz gut gemacht hat und man hat es selber für sich gut erschaffen, dann ist das zumindest, gibt es mir so eine innere Befriedigung, dass man sagt: Das ist schon gut geworden. Und meistens, und das gibt uns unser Erfolg, den wir an der Stelle haben, auch recht. Ist es auch, dass es anderen gut gefällt?
Matthias Greichen betreibt zusammen mit seiner Schwester eine Möbeltischlerei in siebter Generation. Er und sein Team machen unter anderem Neues aus Altholz und leisten damit ihren ganz eigenen Beitrag für den Klimaschutz. Und das war der Klima-Podcast von detektor.fm für diese Woche. Wenn euch gefällt, was wir hier machen, dann lasst uns doch ein Abo da und teilt den Podcast mit Menschen, die sich für Klimathemen interessieren könnten. Danke fürs Zuhören. Produziert hat diese Folge Stanley Baldauf und die Redaktion hatte ich, Ina Lebedjew. Und wenn ihr mögt, dann hören wir uns nächste Woche wieder. Macht’s gut! Tschüss. Mission Energiewende. Der detektor.fm-Podcast zum Klimawandel und neuen Energielösungen in Kooperation mit Lichtblick, Deutschlands größtem reinen Ökostromanbieter mit Solarlösungen, intelligenter E-Mobilität und 100 Prozent Ökostrom.