Noch gut vier Wochen müssen sich Fußballfans gedulden, bis die Weltmeisterschaften in den USA starten. Hier im Klimapodcast von detektor.fm dreht sich schon jetzt alles um den Lieblingssport der Deutschen. In den nächsten Folgen schauen wir uns an, was sich im Fußball in Sachen Nachhaltigkeit und Klimaschutz tut. Wir starten, indem wir uns ganz genau anschauen, was sich in der deutschen Fußball-Bundesliga tut. Wie sind unsere Profivereine in Sachen Nachhaltigkeit aufgestellt? Darum geht es heute. Ich bin Ina Lebedjew. Hi! Mission Energiewende – der detektor.fm-Podcast zum Klimawandel und neuen Energielösungen in Kooperation mit Lichtblick, Deutschlands größtem reinen Ökostromanbieter mit Solarlösungen, intelligenter E-Mobilität und 100 % Ökostrom.
Die Anfahrt zum Stadion, die Bratwurst vom Kiosk und das Fantrikot – all das produziert CO2-Emissionen und hat Auswirkungen auf unsere Umwelt. 2019 hat der Deutschlandfunk in Zusammenarbeit mit einer Klimaschutzberatung berechnet, dass man 48 Fußballfelder mit mehr als 60.000 Bäumen bräuchte, um die CO2-Emissionen eines einzigen Bundesligaspieltags auszugleichen. Das Fazit damals: Es gibt kein echtes Umweltbewusstsein im Fußballgeschäft. Sieben Jahre später hat sich einiges getan. Seit der Saison 2023/2024 sind alle 36 Profiklubs der 1. und 2. Bundesliga dazu verpflichtet, verbindliche Nachhaltigkeitskriterien zu erfüllen. In der Saison 2025/2026 wurde die Erfüllung von Nachhaltigkeitskriterien auch für die 3. Liga sowie die Google Pixel Bundesliga der Frauen Pflicht. Aber was heißt das in der Praxis? Meine Kollegin Marisa Becker hat sich das genauer angeschaut. Hallo Marisa! Hallo Ina!
Nachhaltigkeitskriterien sind seit drei Jahren Teil der Lizenzierung in der 1. und 2. Bundesliga. Was müssen die Klubs denn ganz konkret tun, um diese Kriterien zu erfüllen? Da ist die Bandbreite tatsächlich groß und reicht von der Verankerung von Nachhaltigkeit in der Satzung bzw. der Geschäftsordnung eines Vereins. Kommt immer so ein bisschen darauf an, wie die organisiert sind. Über den Nachweis einer Nachhaltigkeitsstrategie bis hin zur Ernennung eines Nachhaltigkeitsverantwortlichen. Es gibt aber auch so nachhaltige Digitalisierungsinitiativen als Kriterium. Das heißt, Vereine sollen auch Konzepte vorlegen, wie man die IT zum Beispiel ressourcenschonend nutzen kann. Und auch ein umweltfreundliches Mobilitätskonzept oder die Reduzierung des Wasserverbrauchs sind Themen, die da eine Rolle spielen. Und nicht zuletzt spielen auch Kriterien der sozialen Nachhaltigkeit eine Rolle, also zum Beispiel eine Null-Toleranz-Haltung gegenüber Diskriminierung. Und das zeigt schon, es ist wirklich sehr, sehr breit gefächert.
Okay, und wie verbindlich sind diese ganzen Kriterien, die du jetzt aufgezählt hast? Das ist unterschiedlich. Die Deutsche Fußballliga (DFL) unterscheidet in der Lizenzierung zwischen A-, B- und C-Kriterien. A-Kriterien müssen erfüllt werden, sonst darf man gar nicht erst zum Wettbewerb antreten. Bei B-Kriterien ist das etwas weicher. Die müssen auch erfüllt werden. Wenn man das nicht tut, dann wird man aber nicht ausgeschlossen, sondern muss zum Beispiel Strafen zahlen oder eben Auflagen erfüllen. Und C-Kriterien kann man mehr wie so Empfehlungen verstehen. Die müssen nicht erfüllt werden, aber es ist schon gewünscht, dass das passiert. Das ist so als Hintergrund, glaube ich ganz wichtig zu wissen. Und die Nachhaltigkeitskriterien der DFL sind allesamt B- oder C-Kriterien. Das heißt, kein Klub wird vom Wettbewerb ausgeschlossen, wenn er die nicht erfüllt. Und zu den B-Kriterien im Nachhaltigkeitsbereich zählen zum Beispiel die Nachhaltigkeitsstrategie oder eben auch der oder die Nachhaltigkeitsverantwortliche. Die C-Kriterien sollen aber Schritt für Schritt zu B-Kriterien werden, sodass die Anforderungen für die Vereine in den nächsten Jahren noch steigen werden.
Okay, und jetzt ist eine Nachhaltigkeitsstrategie zu haben, sicher erst mal gut. Wichtig ist natürlich aber, was drinsteht. Wie anspruchsvoll sind denn die Kriterien in ihrer Ausgestaltung? Damit sprichst du einen ganz wichtigen Punkt an. Die DFL sagt zwar, dass die Vereine ihre Emissionen erfassen müssen und auch einen Nachhaltigkeitsbericht brauchen, aber es werden keine konkreten Ziele zur Minderung der Emissionen vorgegeben. Ähnlich ist es auch beim Konzept zum Wassersparen, das als C-Kriterium sowieso nicht verpflichtend ist. Es wird empfohlen, macht mal ein Konzept. Aber wie viel da eingespart werden soll, das wird nicht näher eingegrenzt. Und das ist auch einer der Hauptkritikpunkte, den die Deutsche Umwelthilfe an den Nachhaltigkeitskriterien zur Lizenzierung anbringt. Viele Umweltschutzmaßnahmen in der Lizenzpflicht der DFL sind eben freiwillig und oft nicht besonders ambitioniert. Und wir glauben, da müsste ein bisschen mehr Druck auf den Kessel, dass da auch Sanktionen dann nur fällig werden, wenn bestimmte Maßnahmen nicht umgesetzt werden und dass dann eben auch bestimmte Verbote ausgesprochen werden. Das heißt, es braucht verbindliche und ambitionierte Regeln für alle Vereine für die klimafreundliche Mobilität, für die erneuerbaren Energien und für weniger Müll. Und die Lösung dafür liegt, wie gesagt, längst auf dem Tisch. Und jetzt muss sie flächendeckend eingesetzt werden. Es ist keine Rocket Science. Das war Barbara Metz, eine der Bundesgeschäftsführerinnen der Deutschen Umwelthilfe. Die DUH beobachtet seit vielen Jahren die Bemühungen der Liga und vergleicht auch die Vereine miteinander. Und sie sagt, es tut sich etwas. Es gibt auch viele Positivbeispiele. Aber der Rahmen müsste insgesamt eben viel verbindlicher sein.
Der größte Batzen an CO2-Emissionen fällt im Fußball durch das An- und Abreisen der Fans an. Das kann man sich ja ganz gut vorstellen. Und die Vereine müssen ja auch ein Konzept dazu vorlegen, wie Mobilität nachhaltiger werden kann. Was tun sie denn, um da Emissionen einzusparen? Also im Bereich Mobilität gibt es im Prinzip zwei große Hebel: Einmal die Fan-Mobilität, also die Frage, wie kommen eigentlich die ganzen ZuschauerInnen zum Stadion? Und dann aber natürlich auch die Mobilität der Mannschaften selbst, zum Beispiel wenn es dann eben zu Auswärtsspielen geht. Lass uns doch mit der Fan-Mobilität anfangen. Ich kenne es, dass die Tickets zum Beispiel gleichzeitig auch ÖPNV-Tickets sind, mit denen man kostenlos fahren kann, so wie bei großen Konzerten zum Beispiel. Genau, das ist etwas, was inzwischen eigentlich alle Profivereine anbieten, um eben die Leute in den ÖPNV zu bringen. Dazu kommen oft noch Sonderlinien, die in den Stoßzeiten dann eben von Bahnhof oder so zum Stadion fahren, um die Fans da hin und wieder zurückzubringen. Denn wenn bei 30.000 Fans alle mit dem Auto anfahren, dann sorgt das einfach für sehr viele Emissionen und natürlich auch für totales Verkehrschaos. Und so viele Parkplätze hat auch in der Regel kein Stadion. Deswegen ist es schon wichtig, dass ein Teil der Leute einfach mit dem ÖPNV kommt. Und das soll perspektivisch dann eben auch immer mehr werden, weshalb da auch an Infrastruktur ausgebaut wird. Ein Positivbeispiel ist zum Beispiel der SC Freiburg. In Freiburg gibt es nämlich pro 100 ZuschauerInnen nur drei Parkplätze fürs Auto. Und auf 100 Autoparkplätze gibt es 176 für Fahrräder, also deutlich mehr. Und der SC Freiburg bietet auch einen Shuttle-Service von der Haltestelle zum Stadion für Menschen mit eingeschränkter Mobilität an, weil die ungefähr so 800 Meter Weg zurücklegen müssen. Und das ist eben für manche Leute einfach schwer zu machen. Die sind da also sehr, sehr weit vorne mit dabei. Und auch irgendwie charmant: Die Anzahl der Fans, die an Heimspieltagen mit dem Rad angereist sind, die wird im Stadion durchgesagt, damit diese Form der Mobilität noch mehr Aufmerksamkeit bekommt. Ich glaube, da ist Freiburg auch deshalb ein Vorbild, weil die ja eine ganz große Fahrradhochburg sind. Total! Also ich war noch nie dort, aber ich habe es auch immer als so Fahrradstadt verkauft bekommen, wenn Leute mir davon erzählt haben.
Weitere interessante Ideen dazu, wie man Anreize für mehr Radverkehr schaffen kann, die hat zum Beispiel auch der VfL Wolfsburg. Der Verein wurde von Sport Positive in der Saison 2022/2023 zum nachhaltigsten Verein der Liga gekürt. Es gab auch die letzten zwei Saisons eine App, über die wir Fans incentiviert haben, dadurch, dass es „Money Can Buy“-Preise zu gewinnen gab, wie E-Lastenfahrräder oder eine Ladesäule für zu Hause von unseren Partnern. Und ich musste dafür halt dann über die App sozusagen nachweisen, das wurde getrackt, ob ich mit dem ÖPNV oder zu Fuß zum Stadion gekommen bin. Der Partner ist leider insolvent gegangen, deswegen gibt es es aktuell nicht mehr im Angebot. Wir machen aber auch regelmäßig zum Beispiel Klima-Aktionsspieltage. Den ersten haben wir 2014 gemacht. Da haben wir Fans aufgerufen, mit dem Fahrrad zum Spiel zu kommen. Und man konnte ein Fahrrad gewinnen, wenn man auf den sozialen Medien damals ein Foto von sich auf dem Fahrrad gepostet hat. Es gab einen kostenlosen Fahrrad-Check an der Arena. Also wir versuchen schon darauf einzuwirken, wollen aber auch nicht dogmatisch sein und Verbote aussprechen, letztendlich, sondern eher Anreize setzen. Das war Nico Brieskorn, Leiter Corporate Social Responsibility beim VfL Wolfsburg.
Jetzt haben wir über die Fan-Mobilität gesprochen. Wie sieht es denn bei der Mobilität der Mannschaften selbst aus? Da spielt vor allem eine Rolle, wie die Mannschaften zu Auswärtsspielen kommen, ergo ob sie fliegen oder eben Bus und Bahn nehmen. Die Deutsche Umwelthilfe hat sich das genauer angesehen, und in der Saison 2022/2023 kam kein Verein gänzlich ohne Flug aus. Auf Platz 1 der, ich sag mal, wenig Flieger lag damals der VfL Bochum mit nur drei Flügen. Die meisten Vereine haben sich damals aber tatsächlich gar nicht zurückgemeldet. Und das passt auch zu dem, was Christoph Kessel beobachtet. Er ist seit vielen Jahren Fußballfan und Blogger und beobachtet das, was die Vereine in Sachen Nachhaltigkeit tun, sehr genau und hat dazu auch ein Buch geschrieben. Allerdings ist natürlich das Thema Mobilität ein Thema, wo ich den Eindruck habe, wo Vereine teilweise nicht so gern drüber sprechen, nämlich wenn es um die eigene Mobilität geht, wenn man in der Deutsch zu einem Fußballspiel als Mannschaft reisen muss. Da gibt es ja auch verschiedene Möglichkeiten. Da wird teilweise auch unterschieden zwischen Männern und Frauen. Also es macht einen Unterschied, wenn ein Männerteam aus Mainz in Berlin spielt und ein Frauenteam aus Mainz in Berlin spielt. Die einen fahren nur Bus, die anderen fliegen. Frauen sind da wahrscheinlich einfach robuster und können im Bus einfach auch mal sechs Stunden sitzen. Und das ist Fußballern anscheinend nicht zuzumuten. Also das Thema innerdeutsches Fliegen ist, glaube ich, ein Thema, mit dem sich die Vereine im Moment nicht so gerne beschäftigen. Das ist auch so ein Kritikpunkt. Hier gibt es also noch Luft nach oben.
Zum Fußball gehört wahrscheinlich auch die obligatorische Bratwurst im Stadion. Zumindest kenne ich das so von anderen Großveranstaltungen. Gibt es denn im Stadion inzwischen auch vegane Wurst? Denn das ist ja auch ressourcenschonend. Das kommt tatsächlich ganz darauf an, in welches Stadion du gehst. Und die Unterschiede sind hier tatsächlich sehr groß. Die Tierrechtsorganisation PETA veröffentlicht seit 2023 jedes Jahr ein veganes Ranking fürs Stadion. Und da gibt es Stadien, die tatsächlich nur einen von 100 möglichen Punkten kriegen. Und der Erstplatzierte kann immerhin mit 62 Punkten aufwarten.
Okay, jetzt bin ich neugierig. Wer hat denn Platz 1 belegt und wofür? Also was kriegt man da? Also auf Platz 1 lag 2025 Schalke. Und in der VELTINS-Arena kriegt man vegane Currywurst, vegane Filetstreifen mit Nudeln und Curry-Kokossoße, Gemüseravioli mit Linsengemüse, vegane Hackrolle und veganes Chili Sin Carne. Oh, das ist ja vielfältig und klingt auf jeden Fall ganz lecker. Ja, finde ich auch. Und was man inzwischen in fast allen Stadien kriegt, wofür es aber durch PETA trotzdem nicht wirklich Punkte gibt, das sind so Pommes. Das ist so der vegane Klassiker, auf den man irgendwie dann immer zurückgreifen kann, und Brezeln. Und die Pommes, die gibt es sogar bei Holstein Kiel, die mit nur einem Punkt tatsächlich den letzten Platz belegt haben.
Was ich sehr spannend fand, war, was Blogger Christoph Kessel mir erzählt hat. Er geht nämlich sehr regelmäßig ins Stadion und ist Fan von Mainz 05. Und dort wurde eine CO2-Ampel eingeführt. Mainz 05 hat einmal im Jahr einen sogenannten Klimaverteidiger-Spieltag. Und da war diese CO2-Ampel farblich angegeben mit grün, gelb und rot. Ich habe das Ganze im Netz aufgenommen. Ich habe einen Shitstorm bekommen. Interessanterweise auf Facebook, auf Instagram gar nicht. Aber auf Facebook sind die Leute total ausgeflippt. Am nächsten Spieltag war die CO2-Ampel weg. Da habe ich gedacht, ups, was war das denn? Und zwei oder drei Wochen später kam die CO2-Ampel wieder, aber in Grautönen. Das heißt, man wollte die Menschen, glaube ich, nicht überbelasten. Und jetzt ist es halt so, dass die veganen Speisen hellgrau sind, die Bratwurst ist mittelgrau und die Feuerwurst geht fast in den Schwarzbereich. Ich finde, das Beispiel zeigt sehr gut, hier findet aktuell ein Aushandlungsprozess zwischen Verein, Gesellschaft und Fan statt, wo auch immer wieder neu geguckt wird, was stößt eigentlich auf Akzeptanz und wie kann man das so gestalten, dass es einen Vorteil bringt, aber eben auch von den Fans getragen wird.
Und ein anderes Thema, das im Stadion in Bezug auf die Verpflegung wichtig ist, ist dieses ganze Thema Mehrweg. Bei Bechern ist das Mehrwegprinzip wahrscheinlich inzwischen schon längst Standard, oder? Genau, bei Bechern ist das inzwischen sehr verbreitet. Das bieten fast alle Stadien im Heim- und Gastbereich an. Hier gibt es nämlich teilweise auch Unterschiede, dass es dann im Heimbereich eben Mehrwegbecher gibt und im Gastbereich dann teilweise noch Wegwerfbecher sozusagen. Bei Speisen sieht das aber wieder anders aus. Hier hat sich erst im Dezember 2025 der TSG 1899 Hoffenheim als Vorreiter erwiesen. Die Hoffenheimer haben nämlich als erster Verein ein vollumfängliches Mehrwegsystem für Speisen eingeführt. Was ich total krass fand, einfach von der Zahl her, war, dass damit rund 80.000 Einwegschalen pro Saison eingespart werden. Was einfach, finde ich, eine total krasse Menge ist. Also ich stelle dir mal 80.000 Einwegschalen auf einem Haufen vor. Das fällt dann pro Stadion jede Saison an. Und das ist schon echt Wahnsinn, was da eingespart wird. Und dafür wurden sie auch von der Deutschen Umwelthilfe ausgezeichnet.
Ja, also 80.000 Einweggeschirr einzusparen ist natürlich echt viel. Ja, also in jeder Saison in jedem Stadion so viel anfällt oder vielleicht sogar mehr, dann ist das schon krass gut. Voll, das ist ein total wichtiger Hebel, einfach um da auch so ein bisschen für Awareness zu sorgen. Und ich habe ja eben mit dem Blogger Christoph Kessel gesprochen. Er meinte auch, eigentlich ganz ehrlich, ist die Bratwurst das Beste, was du machen kannst, weil es macht keinen Dreck. Also jetzt einfach so vom Essen, einfach am einfachsten. Wenn du da irgendwie in so einer Kurve stehst, kannst du dir dann halt noch irgendwie eine Bratwurst reinpfeifen. Aber dann anzufangen, Curry zu löffeln, schon ein bisschen schwieriger. Vor allem, wenn dann irgendwie ein Jubel kommt und du dir das dann überkippst oder so. Und brauchst relativ wenig Verpackung. Von daher sagt er, eigentlich ist die Bratwurst, wenn sie auch in vegan gibt, sozusagen das Beste, was du machen kannst, weil da vielleicht wirklich nur die Serviette draufgeht.
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Du hast es ja vorhin schon einmal so eingeschätzt, aber es klingt, als wäre im Fußball einiges in Bewegung in Sachen Nachhaltigkeit, obwohl man ja auf gesellschaftlicher Ebene eher das Gefühl hat, dass der Fortschritt bei dem Thema stagniert. Oder schätzt du das anders ein? Also mein Eindruck ist, dass der Peak, zu dem wirklich viel über das Thema Nachhaltigkeit im Fußball gesprochen wurde und wo auch wirklich viel Medienberichterstattung zu dem Thema stattfand und diese ganzen Rankings angefertigt wurden, dass der schon ein paar Jahre zurückliegt. Also viele der Berichte und Vergleiche, auf die ich so gestoßen bin, die wurden so 2023, vielleicht 2024 veröffentlicht. Und seitdem ist es tatsächlich etwas ruhiger. Also es haben nicht alle dann ein Update bekommen, sozusagen. Das heißt aber nicht, dass die Vereine nicht trotzdem an den Themen arbeiten, denn das müssen sie ja allein durch diese Nachhaltigkeitskriterien der DFL. Und das ist auch etwas, was Nico Brieskorn vom VfL Wolfsburg betont. Also das Thema ist durchaus noch präsent, aber nicht mehr wie vor drei, vier Jahren mit Einführung der Kriterien. Da haben wir den Rückenwind einfach genutzt, diese zu verabschieden. Ja, einstimmig durch alle 36 Clubs dann in der Wolf-Versammlung. Ist auch Teil der Satzung geworden. Und das tut dem Fußball gut. Jetzt ist es ein bisschen aus der Diskussion raus, aus der öffentlichen zumindest. Bedeutet aber nicht, dass die Clubs nicht weiterhin an den Themen arbeiten. Und manchmal tut es der Sache ja auch gut. Ich sage mal, Nachhaltigkeit, Klimaschutz – das sind ja so Themenbegriffe, die dann auch irgendwann die Leute nicht mehr hören konnten. Und jetzt ist es eher so, dass wir im Hintergrund an den Themen arbeiten. Und das würde ich nicht als negativ bewerten. Aber grundsätzlich ist es auch das Learning. Also wir betreiben ja das Thema oder bearbeiten es seit 2010, dass es natürlich eine unterschiedliche gesellschaftliche Akzeptanz zu unterschiedlichen Zeiten gab. Und das natürlich teilweise auch in Wellen geht. Im vergangenen Jahr hat der Verein zum Beispiel die Volkswagen Arena modernisiert. Dort wurden dann neue Wassereffizienzsysteme eingebaut und auch Sitzschalen, die zu 90 Prozent aus Rezyklat bestehen.
Lass uns doch zum Schluss nochmal über ein Thema sprechen, das viele Fans betrifft, nämlich Fanartikel. Ein mega wichtiges Thema, denn im Fußball wird ja nicht nur durch die Tickets Geld verdient, sondern natürlich auch durch den Verkauf von Fanartikeln, insbesondere durch die Trikots, die sich ja fast alle Fans irgendwie holen und dann auch jede Saison wieder Neues rauskommt. Die NGO Kumratione hat sich die Fanartikel, aber auch die Kommunikation der Vereine und auch die Ausrüster der Vereine, also wer macht sozusagen deren Sportkleidung angesehen und auf dieser Basis ein Ranking erstellt. Und dabei haben sie festgestellt, dass sich in Sachen Kommunikation und Nachhaltigkeit beim Merch einiges getan hat. Wer ist denn da eher vorne mit dabei und was machen diese Vereine anders als die anderen? Also es gab quasi drei Vereine, die Platz eins belegt haben, und zwar waren das der HSV, der Hamburger SV, der FC St. Pauli und Werder Bremen, deren Merch überwiegend fair und nachhaltig produziert wird. Mir fällt gerade auf, es sind alles Vereine aus dem Norden. Sehr schön, alle aus einer Region zu sagen. Beim FC St. Pauli tragen die Hoodies und T-Shirts zum Beispiel das Gottsiegel, das Kleidung aus Naturmaterialien zertifiziert, die unter fairen Bedingungen produziert wurden, also wirklich vom Feld bis zum Verkauf letztlich. Und außerdem tragen sie auch das Logo der Fair Wear Foundation, die für sehr strenge Sozialkriterien bekannt ist, wenn es um die Herstellung von Kleidung geht. Außerdem gibt es zum Beispiel die Initiative „Vom Feld in den Fanshop“, die vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie dem Textilunternehmen Brands Fashion ins Leben gerufen wurde. Hier haben sich sieben Vereine zusammengetan, darunter auch Wolfsburg, und die unterstützen KleinbäuerInnen in Indien beim Umstieg auf Bio-Baumwolle und nehmen eben zuverlässig deren Baumwolle ab, sodass die BäuerInnen Planungssicherheit haben. Und darüber hinaus gibt es dort auch so Schulungen in nachhaltigen Anbaupraktiken. Was man aber sagen muss, die Trikots bestehen bei allen Vereinen immer noch aus Polyester, das zwar inzwischen überwiegend recycelt ist, aber eben immer noch der absolute Goldstandard im Trikotbereich ist, dass man auf Polyester setzt. Und das ist auch ein Fortschritt, den Blogger Christoph Kessel anerkennt, aber er sieht da ein ganz anderes Problem. Allerdings wird das oft konterkariert durch die Produktion von unzähligen Sondertrikots. Also normalerweise hast du ein Heimtrikot, du hast ein Auswärtstrikot und ein Ausweichtrikot. Das heißt, es sind schon drei Trikotsätze, die auch zum Verkauf stehen. Und dann fangen die Bundesligisten leider ständig damit an, noch ein Sondertrikot zum runden Geburtstag. Es gibt auch Trikots, die von der Geschichte her natürlich gut sind, wenn man gegen Rassismus aufsteht, aber dass es dann wieder ein Sondertrikot dafür gibt, dass es in Mainz zum Beispiel ein Fastnachtstrikot gibt, das sind natürlich Sachen, wo die Menschen zum Kauf verleitet werden und es dann tatsächlich wieder neue Trikots gibt. Und wir wissen alle, dass neue Trikots mehr Mikroplastik auswaschen als, sage ich mal, schon zehn Jahre alte Trikots. Dann ist das irgendwann mit der Mikroplastik ausgewaschen, denke ich, soweit ich das verstanden habe. Und durch dieses ständige neue Animieren zum Konsum ist das natürlich, das ist jetzt nicht vielleicht so wie auf diesen chinesischen Shopping-Plattformen, aber manchmal geht es tatsächlich in diese Richtung. Das heißt, zu einem nachhaltigen Angebot gehört auch, dass man Fans nicht dazu anregt, sich das fünfte Trikot pro Saison zu kaufen.
Dann lass uns doch zum Ende nochmal zusammenfassen. Wir haben über die Nachhaltigkeitskriterien der DFL gesprochen, über die Mobilität, über Gastronomie im Stadion und auch die Fanartikel. Was meinst du, wo stehen die Vereine insgesamt? Was würdest du sagen? Ja, ich würde sagen, die Vereine sind auf dem Weg, aber es ist noch ein weiter Weg zu gehen, gerade auch im Bereich der Mobilität. Worüber wir jetzt noch gar nicht gesprochen haben, das ist die Energieversorgung. Also es gibt auch Vereine, die durch Photovoltaikanlagen ihren eigenen Strom erzeugen. Andere können das nicht, wie zum Beispiel der VfL Wolfsburg, dessen Stadion ein schwingendes Dach hat und wo die Statik das quasi nicht mitmacht. Aber das ist auch ein Hebel. Außerdem gibt es auch noch den Bereich des Sponsorings, über den man definitiv sprechen könnte. Also die Frage, wer gibt denn den Vereinen eigentlich Geld, um dann da auf dem Trikot zum Beispiel zu erscheinen? Und soziale Nachhaltigkeit ist selbstverständlich auch ein wichtiges Thema. Okay, beim Thema Nachhaltigkeit im Fußball ist also noch viel Musik drin. Meine Kollegin Marisa Becker hat sich angeschaut, was beim deutschen Profifußball in Sachen Nachhaltigkeit geht. Vielen Dank für deine Recherche und für das Gespräch, Marisa. Sehr gerne! Die Audioproduktion für diese Folge hatte Wiebke Stark und die Redaktion hatte ich, Ina Lebedjew. Das war der Klimapodcast von detektor.fm für heute. Wenn ihr über die nächsten Folgen rund um Klimaschutz informiert sein wollt, dann folgt doch dem Podcast in der App eurer Wahl. Ich bedanke mich fürs Zuhören heute. Bis bald hoffentlich! Macht’s gut! Tschüss! Deutschlands größtem reinen Ökostromanbieter mit Solarlösungen, intelligenter E-Mobilität und 100 % Ökostrom.