Kalte und nasse Sommer
Ich spreche da nicht von den letzten 10, 20 oder 30 Jahren und auch nicht über die letzten 100, sondern ich blicke 700 Jahre zurück ins Jahr 1345, kurz bevor die Pest, der schwarze Tod, ausbricht. Warum die Pest die Folge eines Vulkanausbruches ist und wie Historiker mit Klimaforschern zusammengearbeitet haben, um das zu beweisen, darum geht es in dieser Folge. Mein Name ist Wieland Mikulajczyk. Wie gut dass ihr zuhört. Das Forschungsquartett in Kooperation mit dem Leibniz Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europas.
Der Ausbruch der Pest
Der Ausbruch der Pest, des schwarzen Todes Mitte des 14. Jahrhunderts gilt als eine der schwersten Katastrophen der Menschheitsgeschichte. Bis zu 30 Millionen Menschen fielen der Pest damals in Europa zum Opfer. Bisher gab es die These, dass sie als eine Art chemische Waffe benutzt und in die Welt gebracht wurde. Dr. Martin Bauch vom Leibniz Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO) sieht die Verbreitung der Pest aber als tragische Rettungsaktion. Darüber rede ich heute mit ihm.
Dr. Bauch, herzlich willkommen im Forschungsquartett. Vielen Dank, dass ich hier sein darf, Herr Mikulajczyk. Ich freue mich, über das Thema zu reden. Herr Dr. Bauch, wie kommt man eigentlich auf die Idee, über die Pest zu forschen? Ich bin von meiner Ausbildung her Mittelalterhistoriker und ich bin es bis heute, auch wenn ich viel Umwelt und Seuchen in den Fokus genommen habe. Ganz traditionell, seit 100, 150 Jahren gilt der Schwarze Tod, also die erste Welle der zweiten Pestpandemie im Mittelalter, als die größte demografische Katastrophe, die es in Europa jemals gegeben hat.
Der Zusammenhang zwischen Pest und Klima
Es gilt als Kernphänomen einer größer gedachten sogenannten Krise des Spätmittelalters. Und von der komme ich tatsächlich her, denn ich habe mich eigentlich lange für die Pest gar nicht interessiert. Ich habe mich für Klima interessiert, Klimaveränderungen, die es im späten Mittelalter, vor allem im 13. und 14. Jahrhundert, auch gibt. Die habe ich in den letzten 10, 15 Jahren erforscht und lange nicht die Pest angefasst, weil ich den Zusammenhang nicht gesehen habe. Natürlich war mir klar, dass das ein fundamental wichtiges Ereignis ist, aber den Zusammenhang zu klimatischen Veränderungen, das hat Jahre gebraucht, bis mir etwas aufgefallen ist.
Wann war denn der erste Moment, an dem Sie dachten: Halt, Stopp, hier stimmt irgendwie die Geschichtsschreibung nicht so ganz oder anders? Ja, da gibt es einen Zusammenhang zwischen Pest und Klima. Also ich habe sehr viel über Hungerperioden in Europa, auch im Mittelmeerraum, geforscht und mir das so für den Zeitraum 1200 bis 1400 genauer angesehen. Mir fiel dann auf, dass eine der zentralen oder vielleicht die größte und die verbreitetste Hungerperiode im 14. Jahrhundert tatsächlich wenige Jahre vor der Pest stattfindet.
Der Mechanismus der Getreidelieferungen
Und da liegt es ja erstmal nahe, zu denken: Okay, was könnte Hunger mit Pest zu tun haben? Und der Groschen ist gewissermaßen gefallen, als ich 2021 einen Artikel gelesen habe von einer amerikanischen Kollegin, Hannah Barker von der Arizona State University, die über Sklavenhandel im Schwarzmeerraum vor allem gearbeitet hat und so als Nebenbefund einen sehr guten Artikel publiziert hat über tatsächlich die Ankunft der Pest im Mittelmeerraum und den Zusammenhang letztlich zu den Getreidelieferungen.
Und das dachte ich: Okay, also sie hat diesen Mechanismus aufgezeigt, eine Entdeckung, wie das zusammenhängt. Aber ich habe sehr viel über diese Getreidelieferungen, die sie da in fokussiert, gearbeitet. Die werden organisiert von italienischen Stadtstaaten, vor allem Venedig und Genua. Und ich hatte gewissermaßen den Hintergrund, warum die auf einmal in solchen Mengen und in solcher Intensität Getreide aus dem Schwarzmeerraum importieren, weil die eben die größte Hungersnot der letzten 100 Jahre mindestens konfrontieren und etwas dagegen tun müssen.
Und ich konnte gewissermaßen da weiterarbeiten, wo die Kollegin Hannah Barker aufgehört hat. Sie endet damit, wenn die Schiffe in Venedig und Genua ankommen. Und ich kann sagen: Ja, aber was war vorher und was passiert eigentlich auch danach? Zusammen mit dem Klimaforscher Ulf Bündgen aus Cambridge haben wir zu dieser Pestkatastrophe dann geforscht und zu dem Wetter. Und wie schon gesagt, die Sommer davor oder die Sommer davor waren sehr kalt.
Nachweis der Kälte vor 700 Jahren
Wie können wir denn heute, 700 Jahre später, so präzise nachweisen, dass es damals im Sommer so kalt war? Und wie kalt war es überhaupt, wenn man kalt sagt? Also ich bin Historiker, ich arbeite also mit Schriftquellen, mit Chroniken, mit Briefen, Aufzeichnungen verschiedenster Art. Gelegentlich schreiben die damaligen Zeitgenossen natürlich auch über das Wetter. Und dann fällt schon auf, dass sich in dieser zweiten Hälfte der 1340er Jahre ungewöhnliche Berichte häufen über starken Regen, über Hochwasser und auch über Wetter, das nicht zur Jahreszeit passt.
Also zu kalte Sommer, zu warme Winter, irgendwie ist alles verschoben. Und das haben wir Historiker lange nicht ernst genommen. Weil wenn das natürlich so eine Waage ist, das sind Beschreibungen. Jedes Hochwasser wird mit der Sintflut verglichen. Also was machen Sie damit? Das ist so ein bisschen, wir sind auf Misstrauen trainiert, und ich war es natürlich auch erst mal und dachte: Ja, okay, gut, das schreiben die aber dauernd. Das schreiben die auch im 13. Jahrhundert. Wie ernst nehme ich das?
Zusammenarbeit mit Dendro-Klimatologen
Und dann hatte ich Kontakt zu dem Kollegen Ulf Bündgen aus Cambridge, der einer der weltweit führenden Dendro-Klimatologen ist. Also der rekonstruiert klimatische Bedingungen aus Baumringen der letzten Jahrhunderte und Jahrtausende. Und tatsächlich haben wir dann entdeckt, dass wir beide finden, dass diese Jahre 1345, 46, 47 absolut außergewöhnlich sind. Er in seinen Baumringen und ich in meinen Schriftquellen. Das haben wir mal zusammengebracht und das hat natürlich einen Effekt.
Seine Baumringe sind eine fantastische Quelle für vergangene Klimabedingungen, aber nur für den Sommer, für die Wachstumsperiode der Bäume. Da kann er fantastische Aussagen treffen über Kälte und Wärme, über Niederschlagsverhältnisse. Und wenn die Bäume nicht wachsen, sagen die Baumringe auch nichts. Das heißt, für die drei anderen Jahreszeiten, Herbst bis Frühjahr, ist man auf meine Quellen angewiesen. Und dann haben wir das zusammengelegt und das passt ja extrem gut zusammen.
Also er hat diese Wachstumsschwäche dieser Baumringe gefunden und zwar mehrere Jahre hintereinander. Das ist sehr ungewöhnlich und ich habe ähnliche Befunde aus den Schriftquellen. Und dann kann man auch optimistischer sein, dass man hier wirklich etwas Reales gefunden hat und nicht nur ein Artefakt in den Quellen.
Der Vulkanausbruch und seine Folgen
Als Ursache für diesen plötzlichen Kälteeinbruch haben Sie einen Vulkanausbruch im Jahre 1345 im Visier. Also ein Vulkan bricht aus, vermutlich irgendwo in der Äquatorregion, und in Europa bricht die Pest aus. Wie genau hängt das jetzt zusammen? Wie ist die kausale Kette? Also der Vulkan, den wir bis heute nicht kennen, wir wissen nur, es muss ein tropischer Vulkan gewesen sein. Von dem wissen wir zum einen aus Eisbohrkernen, die nochmal andere Kollegen, die Eisbohrkernforscher, analysieren.
Und die können in Eisbohrkernen vom Nord- oder vom Südpol nachweisen, dass in gewissen Lagen dieser Eisbohrkerne mehr Sulfat ist als in anderen. Und dieses Sulfat und andere Einträge sind vulkanischen Ursprungs. Und da war eine ziemlich dicke Schicht Sulfat ungefähr in dem Teil, der so Mitte des 14. Jahrhunderts ist. Und wir wissen auch, dass diese klimatischen Anomalien dann eben meistens zwei, drei Jahre anhalten können.
Nicht überall gleich sein müssen, aber da wir parallel in den Schriftquellen diese Fehlernten finden für den gesamten Mittelmeerraum und für Westeuropa, nicht aber für Osteuropa, da sieht es anders aus. Und das sind Muster, die wir von anderen Vulkanausbrüchen auch kennen. Das macht es also sehr wahrscheinlich, dass hier der Vulkanausbruch die Witterung steuert und damit auf die Getreideernten durchschlägt.
Die Hungersnot und ihre Auswirkungen
Und das löst eine überregionale Hungersnot aus, die sehr ungewöhnlich ist, dass man wirklich von Ägypten bis England sehr wenig oder schlechte Getreideernten hat gleichzeitig. Das ist sehr ungewöhnlich. Wenn ich das jetzt so höre, dann klingt es mega plausibel für mich. Allerdings gab es bisher andere Thesen, woher die Pest kommt. Wie wird denn Ihre Annahme jetzt von Ihren Kollegen aufgenommen?
Also wir haben ein Stück weit offene Türen eingerannt. Die besagte Kollegin aus den USA, Hannah Barker, hat ja schon klar gezeigt, dass das, was wir bisher immer geglaubt haben, nämlich: Sie haben es anfangs erwähnt, die Pest ist so eine Art biologische Waffe und kommt dann mit infizierten Matrosen auf den Schiffen nach Italien, das hat sie klar gezeigt, das funktioniert nicht.
Die Rolle der Mongolen
Die Situation ist, es gibt italienische Niederlassungen auf der heutigen Krim und an der Nordküste des Schwarzen Meeres und am Asowschen Meer. Die Region wird aber von den Mongolen beherrscht und die führen mit den Italienern Krieg zu diesem Zeitpunkt und belagern eine italienische Stadt, Kaffa, auf der Krim heute, und werfen dann Pestleichen. Bei den Mongolen ist die Pest schon. Sie werfen Pestleichen mit Katapulten über die Stadtmauern.
Und Hannah Barker hat gezeigt, das klappt erstens nicht, weil die Pestleichen nicht so ansteckend sind, dass das dann einfach schon reichen würde. Außerdem, wenn wir die Geschichte, die aus dem Mittelalter stammt, also aus den 1350er Jahren, über die infizierten Matrosen, die auf ihren Schiffen dann nach Italien fahren und dort dann die Pest verbreiten, das passt einfach nicht. Man guckt mal, wie lange die Schiffe so fahren und die brauchen bis zu sechs Wochen für diese Strecke.
Das heißt, wenn sie mit Pest infiziert sind, sind sie nach drei Tagen in der Regel tot. Das klappt einfach nicht. Da wären Gespensterschiffe auf dem Schwarzen Meer gewesen. Das kann nicht sein. Und das, was man gedacht hat, infizierte Ratten, vielleicht sind die an Bord gekommen, gleiches Problem. Die Ratten wären auch nach einer Woche tot und eine Woche später werden alle Menschen tot. Also es funktioniert nicht. Der Erreger muss anders gesetzt werden.
Die Rolle der Rattenflöhe
Und plausibel ist, dass er in Larven des Rattenflohs ist und die können sich auch im Getreide aufhalten, können sich von diesem Getreidestaub ernähren, dass die Flöhe quasi mitreisen als blinde Passagiere im Getreide. Und sie hat gezeigt, das passt wunderbar. Also erst, wenn das Getreide wieder fließt nach Italien, wenn die Italiener Frieden geschlossen haben mit den Mongolen und sagen: Bitte, wir brauchen das Getreide und zwar jetzt, dann kann man sagen: Okay, nach so und so vielen Wochen bricht dann die Pest aus.
Und das passt relativ gut zu den Zyklen, die wir kennen. Die Pest raffte in vielen Regionen Europas bis zu 60 Prozent der Bevölkerung dahin. Ja, ein ziemlich traumatisches Ereignis, auf jeden Fall. Ich hatte anfangs schon gesagt, dass es als eine der schwersten Katastrophen der Menschheitsgeschichte gilt.
Veränderungen im Weltbild
Wie hat die Pest das Weltbild der Menschen damals verändert? Woran erkennt man das? Also in der Pestforschung gibt es ziemliche Entwicklungen in den letzten Jahren in verschiedenen Disziplinen. Und diese Annahme, dass 60 Prozent der Europäer gleichmäßig überall gestorben sind, die vertreten wir eigentlich schon gar nicht mehr.
Also es ist zweifellos, es gibt Regionen und Städte, die sind massiv betroffen. Da haben wir eine hohe Mortalität, ob das nun 30 sind oder 60 Prozent, das ist wirklich schwer auszusagen. Aber wir haben Städte, die sind massiv betroffen. Und wir haben andere Städte und Regionen, die sind gar nicht betroffen. Das ganze Ostmitteleuropa ist nicht vom schwarzen Tod betroffen. In Böhmen und Polen, also vor allem im inländischen Polen, nichts.
Es ist eine Katastrophe, die sehr regional unterschiedlich zuschlägt. Und vielleicht ist das auch die Antwort auf die Frage. Diese Mentalitätsveränderung, die Sie ansprechen, die können wir auch nicht so gut nachweisen. Man denkt zum Beispiel an so Totentanz-Szenen, dann denkt man, das hätte mit der Pest zu tun. Das ist ganz schwierig zu argumentieren, wissen wir gar nicht.
Stabilität der Gesellschaften
Die Leute sind natürlich trotzdem geschockt. Also wir haben Berichte, natürlich, wenn ganze Familien sterben, das macht was mit den Leuten. Die sind natürlich erschüttert. Aber ich würde lieber etwas anderes betonen, nämlich diese Gesellschaften sind erstaunlich stabil. Die laufen weiter. Also selbst in Städten, wo wir plausibel sagen müssen, hier ist 20, 30, 40 Prozent Mortalität realistisch, sehen wir Stabilität.
Die funktionieren weiter. Die Personen, die zum Beispiel im Stadtrat unterwegs sind, die tauschen sich aus. Also sie wechseln, das sieht man schon. Aber dass da irgendwas kollabiert, dass die Leute handlungsunfähig geworden sind, das sieht man nicht. Also das ist nicht so ganz das Bild, das man gemeinhin von der Pest hat. Das ist natürlich individuell trotzdem eine Katastrophe. Aber für manche Leute, die dies überleben, haben auch große Chancen danach.
Pogrome und Verunsicherung
Und ja, es gibt Verunsicherung. Zum Beispiel am bekanntesten natürlich die Pogrome gegen die Juden, vor allem in Mitteleuropa. Die werden teilweise damit begründet, dass man die Juden als Sündenböcke heranzieht und sagt: Wir haben die Brunnen vergiftet. Das ist aber auch nicht immer so. Und die Pogrome gehen manchmal der Pest sogar voraus.
Lehren aus der Pest
Wir haben vor ein paar Jahren hier die Corona-Pandemie gehabt. Forscher gehen davon aus, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die nächste Pandemie uns erwischt. Was können wir von der Pest damals lernen? Als Corona ganz am Anfang stand, wurde viel über die Pest geredet, weil das ist im kollektiven Gedächtnis einfach die Seuche schlechthin.
Und tatsächlich war die anfängliche Reaktion auf Corona, bevor es effektive Maßnahmen und Impfstoffe und so gab, tatsächlich das, was man in der Pest auch gemacht hat, nämlich Quarantäne. Das ist eine Erfindung kurz nach der Pest, dass man Leute isoliert und hofft, dass die Krankheit ausbricht und damit die Ansteckung zu reduzieren. Also das ist im Prinzip eine mittelalterliche Maßnahme, sehr basic, aber die hat damals funktioniert in gewissem Maß.
Und Corona war es eben auch das Erste, was eingefallen ist. Wir können, glaube ich, lernen, mehr über die Unterschiede. Wie ich gerade gesagt habe, wir können es nicht hoch genug schätzen, dass wir in einer Gesellschaft leben, die eine viel geringere Mortalität als bei der Pest nicht bereit ist zu tolerieren und sehr große Anstrengungen unternimmt, um die zu minimieren.
Sündenbock-Mechanismen
Das können wir schätzen. Lernen können wir, ich habe vorhin von der Judenverfolgung gesprochen, dass wir andererseits als moderne Menschen vielleicht die Suche nach Erklärungen und nach Sündenböcken in solchen Situationen, was das angeht, gar nicht so weit weg sind. Nicht unbedingt rationaler sind. Wir haben eigentlich andere Möglichkeiten, ein anderes Verständnis von Zusammenhängen.
Aber in emotional stark belastenden Situationen ist es eben ein menschlicher Impuls, solche Sündenbock-Mechanismen zu suchen. Das können wir lernen, dass wir da uns nicht sehr viel weiterentwickelt haben.
Interdisziplinärer Ansatz
Institute und Forscher bleiben ja meistens in ihrer Disziplin und haben häufig auch so ein bisschen einen Scheuklappenblick. Sie scheinen als Klimahistoriker über Ihren Historikertellerrand zu gucken. Wo sehen Sie den Mehrwert in Ihrem interdisziplinären Ansatz? Ich glaube, dass wir nur in diesem interdisziplinären Ansatz in gewissen Fragen weiterkommen können.
Ich habe gesagt, die Pestforschung ist sehr aktiv, da hat sich sehr viel verändert in den letzten Jahren und zwar seitdem sie interdisziplinär geworden ist. Seitdem es Paläogenetiker gibt, hier in Leipzig, das MPI für evolutionäre Anthropologie. Die haben erstmal nachgewiesen, dass dieser Erreger wirklich Pest ist aus dem Mittelalter.
Da gab es Diskussionen, weil er sich komisch verhält. Er verhält sich nicht so, wie wir es erwarten würden. Ist paläogenetisch diese Frage beantwortet, müssen sich die Historiker nicht mehr darum kümmern, welche Krankheit das ist. Können wir nämlich eh nicht sagen. Können wir uns interessanteren Fragen zuwenden. Ich habe es an dem Beispiel mit dem Klimatologen aus Cambridge genannt.
Ich kann mir meine Aussagen manchmal sicherer sein, wenn ich unabhängige Daten aus einer anderen Disziplin dazu bekomme. Das verändert meinen Blick komplett auf das, was ich lese und was ich habe. Ich arbeite an einem Leibniz Institut, das ist das GWZO in Leipzig, in einer Abteilung Mensch und Umwelt. Wir sind per Definition interdisziplinär. Wir haben Archäologen, wir haben Historiker, wir arbeiten eng mit Naturwissenschaftlern zusammen.
Das ist ein guter Ort und vielleicht noch ein Stück einfacher als an der Uni, um solche interdisziplinären Kooperationen in Gang zu setzen und in verschiedenste Richtungen am Laufen zu halten.
Abschluss
Das sagt Dr. Martin Bauch vom Leibniz Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO) in Leipzig. Herr Dr. Bauch, ich danke Ihnen vielmals für Ihre Zeit und das spannende Gespräch. Vielen Dank, es hat mir große Freude gemacht. An dieser Stelle möchte ich auch für die Produktion dieser Folge danken. Die kam diese Woche von Clemens Möller.
Das war es mit dem Forschungsquartett für diese Woche. Immer donnerstags erscheint eine neue Episode. Wir freuen uns natürlich, wenn ihr nächste Woche wieder dabei seid und wenn ihr einer wissenschaftsinteressierten Person vom Forschungsquartett erzählt. Mein Name ist Wieland Mikulajczyk. Ich danke euch fürs Zuhören, bleibt neugierig und bis zum nächsten Mal. Das Forschungsquartett in Kooperation mit dem Leibniz Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa.