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Bild: ErreChPhotos | shutterstock

Forschungsquartett | Pest

Was ein Vulkanausbruch mit der Pest zu tun hat

Lange Zeit hielt sich die inzwischen veraltete These, dass die Pest im 14. Jahrhundert als biologische Waffe eingesetzt wurde und der „Schwarze Tod“ so nach Europa kam. Neue interdisziplinäre Forschung zeigt: Hinter dem Ausbruch steckt eigentlich eine gut gemeinte Rettungsaktion.

Das Forschungsquartett — dieses Mal in Kooperation mit dem Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO)

Die Pest als Folge von Kälte und Hunger

Jahrhundertelang hielt sich die kontrovers debattierte geschichtliche Hypothese, die Pest sei im 14. Jahrhundert quasi als biologische Waffe durch Mongolen nach Europa gelangt. Als wahrscheinlicher galt, dass die Pest den damaligen Handelsrouten folgte. Neue interdisziplinäre Forschungen zeichnen nochmal ein differenzierteres Bild dieser historischen Katastrophe: Ein gewaltiger Vulkanausbruch in den Tropen löste um das Jahr 1345 globale Klimaschwankungen aus. Von Ägypten bis Großbritannien folgten ungewöhnlich kalte und feuchte Sommer, die zu schweren Missernten und einer kontinentalen Hungersnot führten. Sowohl historische Schriftquellen als auch naturwissenschaftliche Untersuchungen an Baumringen belegen diesen abrupten Kälteeinbruch eindrucksvoll.

Eine Rettungsaktion mit tödlichen Folgen

Um die eigene Bevölkerung vor dem Verhungern zu bewahren, organisierten demnach italienische Stadtstaaten wie Venedig und Genua umfangreiche Getreideimporte aus dem Schwarzmeerraum. Mit den ersehnten Schiffsfrachten kam jedoch die Pest nach Europa. Entgegen alten Mythen überlebten weder infizierte Matrosen noch Ratten die wochenlangen Seereisen über das Schwarze Meer. Stattdessen reisten Rattenflöhe als blinde Passagiere mit, die sich im Getreidestaub ernährten.
Die Ausbreitung der Seuche war somit die unbeabsichtigte Nebenwirkung einer gut gemeinten Hilfsaktion.

Dr. Martin Bauch vom Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO) betont, wie wichtig die Zusammenarbeit von Geschichts- und Naturwissenschaften für die Erforschung dieser Zusammenhänge ist.

Ich glaube, dass wir nur in diesem interdisziplinären Ansatz in gewissen Fragen weiterkommen können.

Dr. Martin Bauch, Nachwuchsgruppenleiter am Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO) in Leipzig

Dr. Martin Bauch, Nachwuchsgruppenleiter am Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO) in LeipzigFoto: privat

Erkenntnisse für die moderne Welt

Der „Schwarze Tod“ traf die Regionen Europas sehr unterschiedlich, manche Gebiete wie Teile Polens oder Böhmens blieben sogar völlig verschont. Aus den historischen Ereignissen lässt sich auch für heutige Krisen lernen. Neben medizinischen Quarantänemaßnahmen offenbart der Blick in die Vergangenheit vor allem psychologische Muster: In emotional belastenden Ausnahmesituationen neigen Menschen weiterhin dazu, nach unbegründeten Sündenböcken zu suchen.

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