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Foto: Tomasz Warszewski | shutterstock
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Forschungsquartett | Citizen Science

Das Wissen der Vielen: Was Pflastersteine über die Vergangenheit verraten

Meist achten wir erst auf den Untergrund, wenn er zum Hindernis wird. Dabei können Pflastersteine und Straßenbelag mithilfe der „Citizen Science“ ein Schlüssel zu einer völlig neuen Art der Stadtgeschichte sein.

Das Forschungsquartett — dieses Mal in Kooperation mit dem Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO)

Citizen Science: Partizipative Wissenschaft

Oft verbirgt sich wertvolles Wissen direkt vor unserer Haustür in den Erfahrungen der Menschen. Dr. Stephanie Weismann, Kulturwissenschaftlerin am Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO), widmet sich prägenden Eindrücken von Bürgerinnen und Bürgern. Ihr Forschungsfeld ist die sogenannte Sensory History, die Geschichte der Sinne und Emotionen. Im Zentrum ihrer Arbeit steht der partizipative Ansatz der Citizen Science. Für Weismann ist dies das „Wissen der Vielen“. Während in der Forschung lange Zeit vor allem akademische Daten zählten, rückt heute die Alltagsexpertise der Bürgerinnen und Bürger in den Fokus.

Zuallererst haben die Naturwissenschaften damit begonnen, als sie erkannt haben, dass es ja unglaublich viele Hobby-Botanikerinnen oder Vogelbeobachterinnen gibt, die ein lokales Wissen mitbringen.

Dr. Stephanie Weismann, Leiterin des Forschungsprojekts "Leipziger Pflastergeschichte/n" am GWZO

Dr. Stephanie Weismann, Leiterin des Forschungsprojekts "Leipziger Pflastergeschichte/n" am GWZOFoto: privat

Zeitzeugen der Transformation

In den Geisteswissenschaften nutzt sie diesen Ansatz nun, um persönliche Stadterfahrungen zu sammeln, die nicht im klassischen Archiv sind. In ihrem aktuellen Projekt „Leipziger Pflastergeschichte/n“ wird der Untergrund zum Untersuchungsobjekt. Ob Granitplatten aus dem 19. Jahrhundert, Kupferschlackesteine oder Betonfliesen aus DDR-Zeiten — das Pflaster ist für sie ein Zeuge städtischer Transformationen.

Hier hat man Stadtgeschichte, die einem buchstäblich zu Füßen liegt, die aus jeder Fuge kommt.

Dr. Stephanie Weismann, Leiterin des Forschungsprojekts "Leipziger Pflastergeschichte/n" am GWZO

Über Online-Formulare, Fotos oder sogar Sprachmemos können Leipzigerinnen und Leipziger ihre eigenen Erlebnisse dokumentieren und so Teil eines digitalen Stadtarchivs werden. Der Mehrwert dieser Methode liegt für Weismann in der emotionalen Ebene. Stadtraum sei niemals nur eine architektonische Hülle, sondern werde von den Menschen gelebt und erfahren. Durch Citizen Science werden die Teilnehmenden zu Expertinnen und Experten ihres eigenen Alltags und helfen dabei, eine Geschichte der Stadt zu schreiben, die auf der lebendigen Wahrnehmung der Stadtgesellschaft basiert.

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