Wenn wir uns fortbewegen, achten wir selten auf den Untergrund. Meist erst, wenn der Rollkoffer laut über das Pflaster rumpelt oder wenn die Steine durch Regen rutschig geworden sind. In Leipzig gibt es jetzt ein Forschungsprojekt, das sich mit den Straßenbelegen und persönlichen Erfahrungen beschäftigt. Warum dort viele Menschen mitmachen können und sollten, warum Citizen Science immer wichtiger wird und welchen Einfluss Geruch auf die Geisteswissenschaften haben kann, darum geht es in dieser Folge. Mein Name ist Wieland Mikulajczyk. Wie gut, dass ihr zuhört. Das Forschungsquartett in Kooperation mit dem Leibniz Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europas.
Wissenschaft findet nicht nur in Laboren statt, denn oft steckt das wertvollste Wissen direkt in unserem Alltag. Unter dem Begriff Citizen Science wird die aktive Einbindung von Bürgerinnen und Bürgern in den Forschungsprozess verstanden. Dabei gelten die Menschen als Expertinnen und Experten für ihre eigene Umgebung, deren Alltagswissen neue Perspektiven für die Wissenschaft eröffnet, die rein akademisches Wissen allein oft nicht abdecken kann. Dr. Stephanie Weissmann ist Kulturwissenschaftlerin am Leibniz Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europas (GWZO) und spezialisiert auf Sensory History sowie die Geschichte von Emotionen. In ihrer Forschung nutzt sie den partizipativen Ansatz von Citizen Science, um Forschung greifbar zu machen und wissenschaftliche Erkenntnisse unmittelbar aus der Lebenserfahrung der Menschen zu gewinnen.
Frau Dr. Weissmann, herzlich willkommen im Forschungsquartett. Ja, hallo, danke für die Einladung. Frau Weissmann, Sie bezeichnen Citizen Science oft als Wissen der vielen. Warum sind gerade die Bürgerinnen und Bürger für Ihre Forschung und die Forschung allgemein so wichtig? Also, es war ja lange Zeit so, dass Alltagswissen, Amateurwissen, Erfahrungswissen unterschätzt wurde oder einfach nicht in Betracht gezogen wurde, nicht in Erwägung gezogen wurde. Und es waren ganz zuallererst die Naturwissenschaften, die damit begonnen haben, als sie erkannt haben, dass es ja unglaublich viele HobbybotanikerInnen, VogelbeobachterInnen, SchmetterlingszählerInnen gibt, die ein unglaubliches Wissen mitbringen, ein lokales Wissen und teilweise ein Erfahrungswissen, das sich über Jahrzehnte erstreckt und eben irgendwann einmal als LokalexpertInnen anerkannt wurden, weil die ja unglaublich viel beitragen können zur Forschung.
Und so hat man sozusagen aus der Naturwissenschaft heraus begonnen, diese BürgerInnen-Beteiligungsprojekte zu starten, also Citizen Science, damit man die Möglichkeit gibt, dieses Wissen sozusagen einzufangen und auch die eigene Forschung damit zu erweitern. Genau, das geht ja mittlerweile ganz einfach, eben per App. Zeitunabhängig, ortsunabhängig kann man mit einem Klick sein Wissen eingeben und damit eben auch an größeren Forschungsprojekten teilnehmen und damit eben auch zur Wissenschaft beitragen. Die Geisteswissenschaften waren ein bisschen später damit dran und natürlich, obwohl natürlich auch gerade dieses Erfahrungswissen ganz wesentlich ist, auch zum Beispiel eben für meine Stadtforschung und gerade für meine sensorische Stadtforschung, die ganz stark auch mit Stadterfahrung und Stadtwahrnehmung arbeitet.
Bei uns ist das natürlich ein wenig komplizierter oder aufwendiger. Ja, bei uns kann man eben nicht mit einem Klick dann irgendwie eine neue Bienenart registrieren oder überfahren einen Fuchs, sondern da geht es ja tatsächlich um persönliche Stadterfahrung. Da muss man schon auch Willen sein, etwas mehr zu erzählen, vielleicht persönlichere Geschichten zu teilen. Und die sind aber eben nicht minder relevant für gerade so ein stadtgeschichtliches Projekt. Und ich bin sehr froh, dass ich hier in Leipzig eben meine Leipziger Pflastergeschichten starten konnte und somit auch den Bürgerinnen und Bürgern Leipzigs die Möglichkeit geben, an einem gemeinsamen Stadtgeschichtsprojekt mitzuwirken.
Leipziger Pflastergeschichten
Leipziger Pflastergeschichten, das ist mein Stichwort. Dabei geht es um die Materialität des Bodens unter unseren Füßen. Was wird denn da genau gemacht und wie kommen da die Citizen Science ins Spiel? Ich gehe davon aus, dass Stein und Asphalt eben nicht nur materielle, physische Oberflächen sind, sondern ich verstehe sie sozusagen als Archiv der Stadt, als Zeuge und Gedächtnis der Stadt und ihrer Transformationen. Und ich muss hier vielleicht erwähnen, dass ich nach Leipzig gekommen bin mit einem Pflasterprojekt zu polnischen Pflastersteinen, eben an ein Institut, das sich sehr viel mit der Kultur und Geschichte des östlichen Europas auseinandersetzt.
Ich bin hier in Leipzig angekommen und war hin und weg vom Leipziger Pflaster. Da habe ich mich sofort verliebt, weil das so schön ist und weil ich das aus meinen bisherigen Stationen, eben Wien und Warschau, so gar nicht kenne. Da ist sehr viel asphaltiert, was natürlich hinsichtlich der Barrierefreiheit wunderbar ist, aber das erzählt halt nichts über die Geschichte. Und hier hat man Geschichte, Stadtgeschichte, die einem buchstäblich zu Füßen liegt, die aus jeder Fuge kommt. Also ich war gleich begeistert von der Vielfalt des Pflasters, des Leipziger Pflasters und habe dann beschlossen, wenn ich hier schon vor Ort arbeite, dann mache ich doch gleich was zu der Stadt, in der ich jetzt wohne.
Und es ist natürlich auch sehr bereichernd, die Stadt für die man zur Forschung gekommen ist, dann auch nochmal anders erleben zu können und sozusagen das eigene Forschungsthema vor der Haustüre liegen zu haben. In Leipzig gibt es eine unglaubliche Vielfalt. Wir haben Granitplatten aus dem 19. Jahrhundert, wir haben Betonfliesen aus DDR-Zeiten, wir haben heute in der Innenstadt einiges Natursteinpflaster, das schon aus China oder Indien kommt. Das heißt, da liegt eine ganze Bandbreite an Industriegeschichte, Infrastrukturgeschichte, Wirtschaftsgeschichte, die hier sozusagen wirklich am Boden liegt und die ich so erforschen möchte.
Ich habe jetzt das Projekt, es ist gerade erst angelaufen. Es gibt jetzt die Möglichkeit, über ein Online-Formular so einen kleinen Fragebogen, eben auch anonym, seine Pflastererfahrungsgeschichten einzugeben. Die sind dann auch auf einer digitalen Leipzigkarte sichtbar. Ich werde aber auch im Herbst thematische Pflasterspaziergänge in unterschiedlichen Stadtteilen veranstalten, wo man sich anschließen kann, um mehr über das Projekt zu erfahren oder was ich da mache, wie ich das mache. Und im Sommer 2027 wird es auch eine Ausstellung dazu geben, deren Inhalt natürlich sich auch aus den Geschichten generieren wird, die da eingeschweißt werden.
Persönliche Stadterfahrung
Sie beschäftigen sich gerade mit Pflaster. Hat sich Ihr Blick auf Straßen, auf Pflaster verändert, seitdem Sie wissen, okay, ich möchte so ein Projekt machen? Haben Sie vorher Straßen einfach auch nur so wahrgenommen oder war das bei Ihnen dieses Wahrnehmen, was Sie gerade auch benannt haben, war das schon vorher bei Ihnen da? Also tatsächlich bin ich ja schon längere Jahre beschäftigt mit Stadtgeschichte und vor allem mit sensorischer Stadtwahrnehmung. Früher ging es um Gerüche, aber natürlich wird man über seine eigenen Projekte sozusagen auch noch mal zusätzlich sensibilisiert.
Auch wenn ich bisher vor allem der Nase nachgegangen bin, habe ich mich natürlich viel durch Städte bewegt, sei es auf dem Weg zu meinen jeweiligen Forschungsinstituten, auf dem Weg ins Archiv, auf dem Weg zu Interviews oder auf dem Weg, um was weiß ich, meinen Sohn vom jeweiligen Kindergarten abzuholen. Das heißt, man bewegt sich ja viel durch die Stadt. Und wenn man dann sozusagen den, ja, das ist falsch, wenn ich das sage, den sensorischen Blick hat, weil es mir eben gerade nicht um das Visuelle geht, ist mir irgendwann einmal aufgefallen, bin ich stehen geblieben und habe gedacht: Wahnsinn, auf welcher Materialitätenvielfalt wir uns eigentlich tagtäglich bewegen.
Und das ist jetzt fast egal, in welcher Stadt, aber es gibt ja so viele Oberflächen und Untergründe, deren ich mir vorher natürlich auch nicht bewusst war. Aber nach dem olfaktorischen kam natürlich zusätzlich dann bald einmal ein Interesse für alles Taktile und eben nicht nur das, was man mit den Händen berührt, sondern eben auch, was man mit den Füßen wahrnimmt. Und dann bin ich sehr schnell beim Pflaster gelandet und war dann aber selbst auch überrascht, was für ein Potenzial da drinnen steckt und wie viel sich aus Pflaster lesen lässt. Eben die große Weltgeschichte, aber auch die kleinen Alltagsgeschichten.
Mitmachen bei den Pflastergeschichten
Wenn wir jetzt bei den Pflastergeschichten sind: Wenn ich aus Leipzig komme, wie kann ich denn da dann ganz einfach mitmachen? Genau, es gibt eine eigene Leipziger Pflastergeschichten-Projektseite. Da kann man einfach über einen Link oder auch einen QR-Code direkt auf das Formular kommen, wo man dann seine kürzeren oder längeren Geschichten eingeben kann. Man kann da tatsächlich auch ein Foto hochladen, wenn man sozusagen die Stelle auch bezeichnen will. Man könnte auch Sprachmemos hochladen, die dann sozusagen auch verortet werden auf dieser Karte. Wenn man mehr darüber erzählen möchte, kann man mich auch gerne kontaktieren und wir machen dann einen gemeinsamen Pflaster-Spaziergang, ein kleines Pflaster-Interview im jeweiligen Stadtviertel. Also ich bin wirklich auch immer offen für Gespräche und freue mich auch immer, wenn jemand mehr darüber erzählen möchte.
Was ist denn der Mehrwert von so persönlichen Geschichten für die Geisteswissenschaften, für die Kulturwissenschaften, dass Sie diese Geschichten einsammeln, die für die einzelne Person vielleicht eine gewisse Wichtigkeit hat, aber für die Umgebung, für die Menschen drumherum vielleicht gar nicht so wichtig erscheint? Also ich verstehe, ich mache eben Stadtgeschichtsforschung, aber Stadtraum ist ja eben niemals nur ein bauliches Vakuum oder das ist eben nicht nur die infrastrukturelle oder architektonische Hülle, sondern Stadtraum wird ja auch immer gelebt, erlebt, erfahren.
Und ich finde, das ist ein ganz, ganz wichtiger Teil, der über Jahrzehnte etwas unterschätzt wurde oder nicht wenig wahrgenommen wurde, dass er die Stadt auch immer von den Menschen lebt, die in ihr wohnen. Ja, und ich kann natürlich ins Archiv gehen, ich kann Daten und Fakten sammeln, die nicht minder wichtig sind, aber bei meiner sensorischen Stadtforschung geht es natürlich auch immer um den emotionalen Bezug, den Menschen zu ihrer Stadt haben. Und das kann man historisch erforschen, also emotionale Bezüge zu seiner eigenen Umgebung hat es immer gegeben, zu seiner Nachbarschaft, aber man kann das natürlich auch im Hier und Jetzt erforschen.
Und das ist natürlich schön, wenn man noch Zeitzeugen und Zeuginnen hat, die jetzt livehaftig daran teilnehmen können, die eben noch mitteilen können, was man nicht mühsam aus dem Archiv rauskratzen muss, sondern die sich selbst noch mitteilen können und über ihre Stadtwahrnehmung ihren persönlichen Bezug zur Stadt erzählen können, weil das ein ganz wichtiger Teil der Stadtgeschichte meines Erachtens ist.
Anekdoten und persönliche Begegnungen
Welche Anekdote aus dem Projekt, die es jetzt schon gibt, hat Sie denn persönlich am meisten berührt oder begeistert? Also das Projekt ist ja erst angelaufen, das heißt, die Geschichten trudeln erst langsam ein, aber ich habe natürlich schon unglaublich viele nette Pflasterbegegnungen erfahren, also menschliche und steinerne. Vielleicht meine erste persönliche Pflasterbegegnung war die mit diesen in Leipzig sehr gängigen Kupferschlackensteinen, mit denen ja noch etliche Straßen gepflastert sind. Das ist etwas, was mir völlig neu war.
Für die, die nicht in Leipzig sind: Wie sehen die aus? Genau, auf den ersten Blick sind das ganz wunderhübsche quadratische Pflastersteine. Wenn man näher hinsieht, sieht man aber, das sind Kunststeine, also das sind keine Natursteine. Man sieht auch noch, eben von der Kupferproduktion, sind das die Schlackenabfälle, die dann in quadratische Würfel gegossen wurden, weil eben sehr viel Schlackenabfall angefallen ist. Man sich überlegt, was könnte man damit machen. Die sind irrsinnig resistent gegenüber Witterung, gegenüber Abnutzung. Und etliche Straßen hier in Leipzig sind noch damit gepflastert. Das ist eben noch aus dem 19. Jahrhundert. Man sieht auch, dass da so kleine Bläschen geworfen werden. Die sind, wie ich bald erfahren habe, berühmt-berüchtigt für ihre Rutschigkeit. Bei Regen legt sie dann auch schnell mal mit dem Fahrrad hin. Und die machen auch ein ganz kurioses Geräusch, wenn man mit dem Auto aus- und einparkt. Das ist ein ganz eigenes quietschendes Geräusch.
Sie hatten schon das Projekt „Wien der Nase nach“ benannt. Sie haben auch gesagt, dass Sie sich vor allem mit Euphatorik, also mit Gerüchen, auseinandergesetzt haben. Wie sind Sie zu den Gerüchen gekommen? Das liegt schon weit zurück. Tatsächlich habe ich einen literaturwissenschaftlichen Hintergrund, über das Habsburgische Galicien promoviert. Das heißt, das ist, was heute die Westukraine und Südpolen ist. Mich, wie gesagt, mit der dortigen ukrainischsprachigen, polnischsprachigen, deutschsprachigen Literatur auseinandergesetzt, wo mir aufgefallen ist, wie viele Geruchstereotypen es eigentlich gibt.
Dass sehr viele ethnische Gruppen über ihre Gerüche bezeichnet wurden. Die habsburgischen Beamten, die von Wien nach Galicien gefahren sind, haben generell gemeint, das ist eine sehr geruchsintensive Gegend, deswegen eben sehr rückständig. Die polnischen Adeligen, die polnische Schlachter, die dort auch ansässig waren, wurden immer mit einem gewissen Ugu des Verfalls beschrieben. Da dachte ich, das ist auch unglaublich spannend, wie Gegenden über Gerüche beschrieben und eben auch verurteilt werden. Also dass es so eine Art olfaktorisches Othering gibt. Ich dachte, es wäre total spannend, so eine olfaktorische Topografie der Region zu schreiben.
Ich habe mich dann aber für die Geruchsgeschichte einer polnischen Stadt entschieden, weil es dann so viele Facetten geboten hat, so eine Geruchsgeschichte. Ich habe auch gesehen, wie gerne ich eigentlich mit Leuten zusammenarbeite. Ich habe dort eben nicht nur historische Geruchsforschung betrieben, sondern auch sehr viele Geruchsspaziergänge im Hier und Jetzt dieser polnischen Stadt, im Lublin, unternommen, um tatsächlich auch die Menschen dafür zu sensibilisieren, wie sehr wir auch immer noch über Gerüche, qua Gerüchen, urteilen. Über ein Stadtviertel, über Menschengruppen, über welche Gerüche wir auch noch immer im Stiegenhaus wahrnehmen und wie sehr wir eigentlich immer noch Gerüche lesen und danach urteilen.
Und natürlich auch, weil Gerüche wahnsinnige Emotionsträger sind und auch Erinnerungsträger. Das ist natürlich ein Potenzial, das für die Stadtgeschichte irrsinnig spannend ist. Und so habe ich mich dann eben auch dazu entschlossen, auch in meinem eigentlichen Lebensmittelpunkt Wien dort ein BürgerInnenbeteiligungsprojekt zu „Wien der Nase nach“ zu machen, wie wir eben unsere Umgebung über Gerüche wahrnehmen.
Herausforderungen und Empowerment
In Wien haben Sie dann auch so Smell Workshops gemacht. Also mit niedrigen Schwellenmethoden haben dann Menschen an Ihrem Projekt teilgenommen. Welche Herausforderungen gibt es dabei und wie trägt dieser Prozess zum Empowerment der Teilnehmer bei, indem Sie merken, dass ihre Wahrnehmung auf einmal wissenschaftlich relevant ist? Ja, das ist mir ein großes Anliegen, um noch einmal auf dieses Alltagswissen zurückzukommen. Das Wissen hat nicht unbedingt mit Bildungshintergrund zu tun. Das in uns allen steckt wahnsinnig viel Wissen, aber ein Wissen, das wir uns oft einfach nicht bewusst sind. Und dazu gehört auch ein gewisses Nasenwissen.
Wir alle sind imstande, unsere Umgebung, die meisten von uns können riechen und riechen besser, als wir denken, und können ganz viel aus Gerüchen lesen. Und dieses Wissen ist eben wahnsinnig relevant für die Forschung, weil es eben sehr viel über unsere emotionale Verhaftung mit unserer Umgebung sagt und weil natürlich auch die Veränderung von Geruchslandschaften in Städten aufgrund der Veränderung der Industrie oder dem Rauchverbot oder unterschiedlichen sich verändernden Kochgewohnheiten oder auch sich verändernden Wohnverhältnissen, wie viel solche Geruchsspuren eben über die Transformation einer Stadt sagen können, die Veränderung eben auch historisch.
Und Gerüche lassen sich ja in dem Sinne nicht archivieren. Das heißt, man muss dann auf das Geruchsgedächtnis der Leute zurückgreifen, das einen unglaublichen Mehrwert für uns hat. Es gibt jetzt dieses Projekt, wo Leute dann aufgerufen werden, ihre Eindrücke, ihre Erinnerungen niederzuschreiben oder einzureichen. Was halten Sie davon, dass Leute das ganz ohne Projekt, also wenn Leute jetzt nicht in Leipzig leben, dann können sie ja nicht hier bei diesem Projekt mitmachen? Sollten Menschen viel mehr ihre Eindrücke aufschreiben? Ja, tatsächlich ist auch das mir ein großes Anliegen. Genauso wie wir alle riechen und fühlen können, so können wir auch alle in gewisser Weise schreiben.
Ich finde, Schreiben ist ja auch eigentlich eine sehr demokratische Methode, denn man braucht eigentlich nur Papier und Bleistift letztendlich. Und deswegen habe ich auch mein damaliges Projekt in Wien, war auch ein großer Teil davon, Geschichten sozusagen zu erzählen über Schreibworkshops. Das heißt, man konnte ganz ohne Schreibvorerfahrung kommen und hat dann einige Anleitungen oder kleine Tricks bekommen, wie man denn zu schreiben beginnen kann, mit kleinen Riechimpulsen. Kann man natürlich auch mit kleinen Pflasterimpulsen machen. Und es sind immer schöne Geschichten rausgekommen. Und ich selbst war leider nicht mehr früher eine leidenschaftliche Tagebuchschreiberin. Und ich finde, das hilft schon, auch Dinge aufzuschreiben. Ist schon auch ein Prozess, über seine eigenen Erfahrungen und Wahrnehmungen mehr zu reflektieren. Man schreibt ja immer langsamer, als man denkt. Und dieser Prozess hilft auch dabei, Dinge zu verarbeiten oder überhaupt mal in Worte zu fassen.
Das sagt Frau Dr. Stefanie Weissmann, Kulturwissenschaftlerin am Leibniz Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europas, Leiterin des Projektes „Leipziger Pflastergeschichten“. Frau Dr. Weissmann, herzlichen Dank für Ihre Zeit und die spannenden Geschichten und das Interview. Vielen Dank für das nette Gespräch und dass ich hier mal ein wenig über mein Projekt und meine Pflasterleidenschaft erzählen durfte.
Außerdem an dieser Stelle vielen Dank für die Produktion dieser Folge. Die kam diese Woche von Paula Böthemann. Das war es mit dem Forschungsquartett für diese Woche. Immer donnerstags erscheint eine neue Episode. Wir würden uns sehr freuen, wenn ihr einem wissenschaftsbegeisterten Menschen vom Podcast erzählt und natürlich, wenn ihr nächste Woche dann wieder reinhört. Mein Name ist Wieland Mikulajczyk. Vielen Dank fürs Zuhören. Bleibt neugierig und bis zum nächsten Mal. Das Forschungsquartett in Kooperation mit dem Leibniz Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europas.