Klimaschutz und globale Verantwortung
Klimaschutz ist eine Aufgabe, die nur global gelöst werden kann und bei der wir davon profitieren, zu schauen, wie andere Länder sich zur Netto Null bewegen. Und weil es wichtig und spannend ist, über den Tellerrand zu gucken, machen wir das in der zweiten Jahreshälfte auch immer mal wieder und nehmen uns den Klimaschutz in anderen Ländern vor. Dafür werden wir in Zukunft unterschiedliche Staaten genauer unter die Lupe nehmen, um zu verstehen, wie Klimaschutz dort funktioniert oder eben auch nicht. Den Anfang macht Schottland. Ihr hört den Klimapodcast von detektor.fm und ich bin eure Host Ina Lebedjev. Schön, dass ihr da seid!
Mission Energiewende
Mission Energiewende. Der detektor.fm Podcast zum Klimawandel und neuen Energielösungen in Kooperation mit Lichtblick, Deutschlands größtem reinen Ökostromanbieter mit Solarlösungen, intelligenter E-Mobilität und 100 % Ökostrom. Schottland hat sich vor allem mit seinem Whisky, bzw. Scotch, wie man ihn nur nennen darf, wenn er tatsächlich aus Schottland kommt, international einen Namen gemacht. Aber auch für die markanten Klänge des Dudelsacks und das Tragen von Kilts ist das Land bekannt. Und seit dem Erfolg der Serie Outlander reisen jedes Jahr viele Menschen in den Norden der britischen Insel, um auf den Spuren von Jamie und Claire zu wandeln.
Schottlands Klimaziele
Was die wenigsten wissen: Schottland ist dabei, zum Klimachampion zu werden und nimmt innerhalb des Vereinigten Königreichs eine Vorreiterrolle ein. So will Schottland zum Beispiel bis 2045 klimaneutral sein, während das Ziel für das Vereinigte Königreich bei 2050 liegt. Welche geografischen Besonderheiten sich das Land dabei zunutze macht und wo es trotzdem noch hakt, darüber spreche ich mit meiner Kollegin Marisa Becker. Hi Marisa!
Hallo Ina! Lass uns am besten mit einem kleinen Länderporträt einsteigen, denn das ist oft wichtig, um zu verstehen, warum ein Land in einem bestimmten Feld erfolgreich ist oder eben auch nicht. Was sollte man an so Hard Facts über Schottland denn wissen?
Ja, Schottland liegt nordwestlich von Deutschland, im oberen Drittel der Insel Großbritannien und gehört auch politisch zum Vereinigten Königreich. Das Land hat 5,5 Millionen EinwohnerInnen bei einer Bevölkerungsdichte von 70 EinwohnerInnen pro Quadratkilometer. Vielleicht mal zum Vergleich: Deutschland liegt da bei 236 EinwohnerInnen pro Quadratkilometer. Das heißt, dort gibt es auf jeden Fall sehr, sehr viel Raum. Und noch ein kleiner Fun Fact: In Schottland gibt es mehr Schafe als Menschen. Und wenn man da durchfährt, merkt man das auf jeden Fall auch. Das erinnert mich so ein bisschen an Schleswig-Holstein. Da ist das, glaube ich, auch ziemlich ausgeprägt.
Ich bin so selten durch Schleswig-Holstein gefahren, tatsächlich. Ich kann das gar nicht sagen. Aber in Schottland gab es auf jeden Fall sehr viele Schafe. Sehr gut, vor allem abseits der Städte natürlich. In den Städten war das Bild dann andersrum. Aber wenn man so in den Highlands unterwegs war, hat man auf jeden Fall gemerkt, sehr viele Tiere mit Wolle.
Wetter und Landschaft
Das Land hat je nach Region, so wie man das ja auch klassischerweise von der britischen Insel kennt, bis zu 265 Regentage pro Jahr. Und es ist das windigste Land Europas. Und ja, besonders kennzeichnend für die Landschaft sind im nördlicheren Teil des Landes die Highlands, die wahrscheinlich die meisten kennen und die sehr charakteristisch auch dort sind. Die Highlands waren übrigens mal so hoch wie der Mount Everest, also etwas mehr als 8000 Meter. Aber der höchste Berg, der Ben Nevis, ist durch die Erosion im Laufe der Zeit heute nur noch 1300 Meter ungefähr hoch. Und der Vollständigkeit halber vielleicht noch: Die Hauptstadt ist Edinburgh.
Eindrücke aus Schottland
Okay, du warst ja selbst gerade in Schottland, also vor kurzem zumindest im Mai. Wie war denn dein Eindruck von dem Land?
Also ich war und bin ehrlich gesagt ziemlich begeistert von Schottland und möchte auf jeden Fall nochmal hinfahren, weil wir natürlich in den zwei Wochen nur einen Bruchteil des Landes sehen konnten und es da, glaube ich, schon noch deutlich mehr einfach zu sehen und zu erkunden gibt. Wir wurden wirklich überall sehr herzlich in Empfang genommen und haben auch sehr viel Hilfsbereitschaft erlebt. Wir hatten nämlich mal eine Panne und dort waren einfach sehr, sehr viele Menschen, die uns da zur Hand gegangen sind. Und wir haben vor allem auch sehr lecker gegessen. Und das war eigentlich auch der Grund, warum wir dort hingefahren sind.
Wir haben sehr, sehr viel sehr schöne Natur gesehen. Die Highlands sind wirklich so verwunschen, wie sie halt auch irgendwie so auf Bildern und in den Geschichten so scheinen. Und ja, war einfach ein sehr, sehr schöner, runder Urlaub und eine ganz, ganz tolle Erfahrung. Macht gleich ein bisschen Fernweh. Ich habe so diese grünen Hügellandschaften so in meinem Kopf vor Augen. Also ja, spannend.
Klimaschutz und Nachhaltigkeit
Wie sah es denn mit Klimaschutz und Nachhaltigkeit aus? Da hast du ja dann immer ein Auge drauf geworfen unterwegs.
Also tatsächlich habe ich als Touristin so von den Feldern, in denen Schottland wirklich sehr stark ist, wenig mitbekommen. Darüber sprechen wir ja gleich noch etwas ausführlicher. Aber was mir aufgefallen ist, so gerade beim Thema Coffee to go, den man ja als Touri dann doch immer mal trinkt, wenn man irgendwie unterwegs ist. Ja, da habe ich ein bisschen die Mehrwegbecher, die in Deutschland ja inzwischen durch diese Mehrwegangebotspflicht, vor allem bei großen Ketten, ja quasi überall zu kriegen sind, die habe ich doch sehr vermisst.
Weil die habe ich dort eigentlich nicht gefunden. Du kannst dir zwar deinen eigenen Becher auffüllen lassen, aber wenn du keinen dabei hast, dann gibt es dort jetzt nicht wie bei uns so einen Pfandbecher, den du für einen Euro oder sowas dann mitnehmen und irgendwo dann wieder abgeben kannst. Das habe ich, wie gesagt, ein wenig vermisst. War schade.
Was mir sonst noch aufgefallen ist, war, dass es relativ wenig so Biomärkte und generell auch so ein Bio-Angebot im Supermarkt gab. Das war relativ überschaubar, ehrlich gesagt. Also auch in Glasgow, was ja die größte Stadt des Landes ist, haben wir mal Ausschau gehalten und relativ lang gebraucht, bis wir dann auf so einen reinen Biomarkt gestoßen sind. Und da haben wir in Deutschland echt einige Ketten. Ja, das war für mich ein sehr großer Unterschied, der mir so aufgefallen ist.
Und es war ja auch so, dass die Bioprodukte, die wir gefunden haben, die waren eigentlich in der Regel im Plastik verpackt. Also wir hatten ja auch vor ein paar Jahren mal in Deutschland diese Diskussion über die Gurke im Plastikmantel. Das habe ich dort auch erlebt und zwar sogar doppelt verpackt. Also die war nicht nur einmal im Plastik eingewickelt, sondern zweimal. Und deswegen ist mir das dann, weil das so eine typische Diskussion aus Deutschland war, total im Kopf geblieben.
Und ja, dieses Thema Müll war wirklich hatte ich das Gefühl, noch ein bisschen größer als bei uns. Ich musste gerade an, ist auch schon, glaube ich, fast zehn Jahre her, aber an den Urlaub in Amsterdam denken und habe da zum ersten Mal gesehen, wie viel Convenience in Holland schon verfügbar war zu der Zeit. Also was wahrscheinlich in den vergangenen Jahren nochmal mehr zugenommen hat. Das war wirklich ein großes A und O im Supermarkt, muss ich sagen.
Supermärkte und lokale Produkte
Ja, ich finde generell, in Supermärkte zu gehen, wenn man in einem anderen Land ist, ist eigentlich das Spannendste, was es gibt. So die Produkte zu kaufen, die die Leute dort einfach ja jeden Tag irgendwie benutzen. Das ist für mich immer echt ein absolutes Highlight. Ja, und man ehrlicherweise isst man auch ein bisschen anders, wenn man mal was ausprobiert oder was aus dem Supermarktregal nimmt, wo man sagt, das habe ich, das kosten wir jetzt mal oder so.
Das haben wir uns echt fest vorgenommen gehabt, mal wirklich nur die Sachen einzupacken, die wir halt zu Hause nicht kaufen konnten. Jetzt mal abgesehen von solchen Basics wie eben mal eine Gurke, aber richtig coole Sachen, die man dann eben auch wirklich mal probiert.
Schottlands Klimaziele und Herausforderungen
Wie sieht es denn aus? Du hast gerade schon so ein bisschen gesagt, wir gucken da nochmal tiefer rein. Welche Ziele hat sich denn Schottland in Sachen Klimaschutz überhaupt gesetzt?
Du hast das Hauptziel eigentlich eingangs schon erwähnt: Schottland will bis 2045 klimaneutral sein. Eigentlich war das Ziel, die Emissionen bis 2030 so als Zwischenziel um 75 Prozent zu senken. Dieses Ziel wurde aber vor zwei Jahren gekippt, weil die Regierung sich eingestehen musste, dass das Ziel einfach nicht zu halten ist. Und statt jährlichen Zielen hat sich die Regierung jetzt ein System von so fünfjährigen CO2-Budgets überlegt, die sie jetzt eben einhalten müssen.
Und dieser Schritt wird aber von NGOs wie Friends of the Earth Scotland stark kritisiert. Ich denke, wir haben sehr große Verpflichtungen und Verpflichtungen gemacht und viel darüber gesprochen, was wir als Welt auf der Bühne haben, was toll ist, und wir wollen andere Länder besser machen. Aber wenn es um das Einhalten der Verpflichtungen geht, denke ich, dass die Aktion nicht da ist.
Wir haben also geplant, bis 2045 klimaneutral zu sein. Und dann hatten wir auch Ziele für 2030 und diese jährlichen Ziele. Letztens hat der Staat das 2030-Ziel abgeschafft. Und wir haben in der Tat neun von den 13 jährlichen Zielen verfehlt, seitdem sie diese Gesetzesänderung vorgenommen haben. Und sie haben sie verpasst. Und statt Polizisten in den Platz zu stellen, um sicherzustellen, dass wir sie treffen, haben sie diese Ziele abgeschafft und sich an ein anderes Modell verankert. Also ja, es ist wirklich enttäuschend.
Das war Katrina Randall, die sich bei Friends of the Earth mit der Just Transition, also einem gerechten Übergang zu einer fairen und nachhaltigen Art des Wirtschaftens, beschäftigt. Sie findet es eben kritisch, wenn eine Regierung, die ihre Ziele nicht einhält, einfach das Ziel ändert, statt Maßnahmen zu verabschieden, die dann eben dafür sorgen, dass man dieses Ziel, was man sich gesetzt hat, doch erreichen kann.
Energieversorgung in Schottland
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Wenn wir jetzt mal auf das Thema Energieversorgung gucken: Du hast schon erwähnt, dass Schottland das windigste Land in Europa ist. Machen sich die Schotten das denn zunutze?
Ja, absolut! Die Schotten sind richtig stark bei den erneuerbaren Energien. Ich habe in meiner Recherche auch gelesen, dass Schottland als Saudi-Arabien der Windenergie bezeichnet wird, und das ehrlicherweise auch zu Recht. Denn schon heute werden mehr als 73 Prozent des Strombedarfs aus erneuerbaren Energien gedeckt, der Großteil eben aus Windenergie. 17 Prozent kommen aus Atomkraft und so bleibt wirklich nur noch ein kleiner Teil, der tatsächlich aus fossilen Energieträgern produziert wird. Was echt richtig, richtig gut ist.
Aber im Bereich der Wärmeversorgung zeigt sich ein anderes Bild. Denn hier dominieren nach wie vor fossile Energieträger. Deshalb liegt der Anteil der Erneuerbaren am Gesamtenergiebedarf bei nur 30 Prozent. Und woran liegt das?
Ja, das hat unterschiedliche Gründe. Einmal hat das Land jahrzehntelang davon profitiert, dass sie selbst auch in der Nordsee nach Öl und Gas gebohrt haben. Und die fossilen Energieträger waren daher einfach relativ günstig verfügbar. Deshalb nutzt ein Großteil der Bevölkerung fossile Energieträger zum Heizen, quasi aus einer Art Gewohnheit raus.
Jetzt gehen die leicht erschließbaren Bestände an Öl und Gas in der Nordsee aber merklich zurück, was die Notwendigkeit, auf andere Energieträger umzusteigen, nochmal unterstreicht, aber gleichzeitig eben zu Jobverlusten führt. Und dann kommt erschwerend hinzu, dass ein großer Teil des Gebäudebestands so historische Altbauten sind, die eher schlecht isoliert sind. Das heißt, dass die Umstellung auf erneuerbare Heizsysteme, wie es zum Beispiel eine Wärmepumpe ist, das erfordert einfach sehr hohe Investitionen in einmal eben die Dämmung, aber auch andere modernere Heizkörper. Und damit sind viele Menschen finanziell überfordert, auch obwohl es staatliche Zuschüsse gibt.
Herausforderungen und öffentliche Meinung
Ja, das war auch so ein Gedanke, den ich hatte, dass das ja ein Punkt ist, den man nicht mal eben so wechseln kann, wie weiß ich nicht, den Stromanbieter oder so. Also das ist ja dann einfach eine große Investition, viel Geld, viel Nachdenken, wie die Systeme sind, was es für Möglichkeiten gibt. Das kennen wir ja aus Deutschland auch, dass das ein komplexes und kompliziertes Thema ist.
Ich hatte da auch im Interview ganz oft das Gefühl, dass wir eigentlich auch sehr ähnliche Reibungspunkte haben in Deutschland und Schottland tatsächlich. Wie ist denn die Stimmung in der Bevölkerung, was das angeht? Also es klingt, haben wir ja gerade gesagt, als gibt es da auch natürlich Konfliktpotenzial.
Auf jeden Fall! Ich habe mit Katrina Randall von der NGO Friends of the Earth Scotland gesprochen und sie sagt, ein Hauptproblem, was sie sieht, besteht darin, dass die Menschen in Schottland einfach aktuell nicht wirklich von den Veränderungen, die es gibt, profitieren. Sie kritisiert also, dass die Bevölkerung bisher nicht davon profitiert, dass Schottland zum Beispiel so viel Windenergie produziert, weil diejenigen, die damit Geld verdienen, am Ende eben einige wenige Firmen sind.
Die Energiewende ist in Schottland einfach bisher nicht in BürgerInnenhand. Das heißt, die Firmen haben zwar die Möglichkeit, die lokale Bevölkerung zu beteiligen, aber sie tun das nicht immer und dann eben auch nicht so, dass die Gemeinden davon so einen merklichen Vorteil hätten, indem sie dann zum Beispiel Angebote wie einen kostenlosen ÖPNV finanzieren.
Anfang Mai ist ja in Schottland gewählt worden und die schottischen Grünen haben ein richtig gutes Ergebnis eingefahren, indem sie 15 Sitze gewonnen und damit ihr Ergebnis im Vergleich zur letzten Wahl verdoppelt haben. Rechnet Katrina Randall damit, dass sich die Klimapolitik dadurch verbessert und die Bevölkerung dann mehr beteiligt wird? Sie ist da tatsächlich nicht so optimistisch.
Wir sehen hier ein bisschen eine Rückkehr der Diskussion, wo wir die Wünsche, die wir schon hatten, um wegzudröhnen von fossilen Brennstoffen und insbesondere für Öl in der Nordsee. Wir sehen jetzt ein bisschen eine Rückkehr und eine Erhöhung von Anrufen, um mehr zu bohren. Und die Idee, dass das vielleicht mit Zahlen helfen wird, was es in Wirklichkeit nicht wird. Aber das ist ein großes Thema.
Die neue Regierung kommt in diesen Kontext und wir sehen einige Veränderungen, was die Mitglieder im Parlament betrifft, aber die gleiche Partei ist immer noch in der Pflicht. Sie hat die meisten Sitze. Sie sagt eben, dass sich die Diskussion in Schottland während des Wahlkampfs, gerade auch eben bedingt durch den Ukraine-Krieg, eher wieder zugunsten der fossilen Energieträger verschoben hat. Und da letztlich wieder die Scottish National Party die Mehrheit der Sitze geholt hat, die auch schon die letzte Regierung angeführt hat, ist sie einfach weniger optimistisch, dass da wirklich große Veränderungen kommen.
Notwendige Veränderungen
Okay, und was wäre dann aus Sicht von Friends of the Earth Scotland nötig, jetzt zu tun? Also ein Kritikpunkt der Non-Profit-Organisation ist ja, dass die Erneuerbaren nicht nur nicht in BürgerInnen- oder Gemeindenhand sind, sondern auch vor Ort kaum Jobs schaffen. Das bedeutet, nämlich, die Öl- und Gasfelder in der Nordsee, die sind langsam aufgebraucht. Da werden Menschen arbeitslos, die finden aber keine Alternative im Energiesektor, weil es da einfach keine Jobs bei den Erneuerbaren gibt.
Und das ist etwas, was die Regierung aus der Sicht von Friends of the Earth Scotland eben ändern müsste, indem sie zum Beispiel die Fertigung für Windräder ja vermehrt ins Land holt, damit dort eben die Jobs wieder ausgeglichen werden können, die aktuell wegfallen. Denn ansonsten ist es einfach für die Leute schwer, irgendwie so eine positive Energie aus dieser Veränderung zu ziehen, wenn sie eben sehen, mein Job fällt ersatzlos weg.
Und außerdem ist für Friends of the Earth Scotland eben die Frage zentral, wer am Ende von der Energiewende profitiert. Aber dann nochmal, vielleicht ähnlich wie in Saudi-Arabien: Die Vorteile, die wir davon sehen, gehen nur zu einigen Leuten. Sie gehen zu privaten Unternehmen und oft internationalen Unternehmen, und diese Profite werden in Schottland nicht gespürt.
In manchen Ländern haben sie mehr öffentlichen Besitz von ihren Erneuerbaren, sie bekommen mehr Vorteile von ihren Erneuerbaren, die in die öffentliche Hand gehen, und sie können auf Dinge spendieren, die den Gemeinschaften nutzen. Wobei wir hier in Schottland wirklich nicht viel davon sehen. Es ist also eine unglaublich privatisierte Industrie. Wir produzieren Energie, aber wir bekommen keine Arbeit, weil wir nicht viel von der Herstellung hier in Schottland haben, wo viel der Arbeit aus Windenergie kommt.
Wir sehen also Leute, die wie Gemeinschaften die Windräder sehen, um sie herumlaufen, und sie sehen keine Vorteile davon. Es gibt keine lokalen Arbeiten, sie bekommen keine teuren Zahlen. Und ich denke, das ist ein großer Wettbewerb. Es ist ein Wettbewerb, aber wir möchten einen Wettbewerb sehen, und die schottische Regierung hat die Möglichkeit, darauf zu reagieren.
Moore als CO2-Senken
Das Land hat neben dem Wind noch eine andere geografische Besonderheit, nämlich sehr viele Moore. Rund 20 % der Flächen in Schottland sind mit Moor bedeckt. Vielleicht als Vergleich: Im weltweiten Durchschnitt sind es nur 3 % der Flächen. Ja, krass! Das ist natürlich richtig viel. Voll!
Und Moore sind vor allem auch richtig gute CO2-Senken. Sie speichern weltweit gesehen rund doppelt so viel Kohlenstoff wie die gesamte Biomasse aller Wälder der Erde zusammen, obwohl sie nur etwa 3 % der globalen Landfläche einnehmen. Zum Vergleich: Wälder bedecken ungefähr 30 %. Das heißt, da sieht man, wie groß der Hebel von Mooren wirklich ist.
Ja, und natürlich haben wir hier im Klimapodcast dazu auch immer wieder schon mal Folgen gemacht. Wir verlinken euch auf jeden Fall Inhalte zum Thema in den Shownotes dieser Episode hier.
Mobilität in Schottland
Ja, und weil intakte Moore ebenso wichtig fürs Klima sind, arbeitet Schottland sehr engagiert daran, die Moore wieder zu vernässen, die einst trockengelegt wurden, zum Beispiel, um daraus Torf zum Heizen zu stechen. Sehr, sehr spannend!
Und wie sieht es im Bereich Mobilität aus? Ich habe das Eingang schon erwähnt: Schottland ist relativ spärlich besiedelt. Das heißt, gerade in den Highlands, abseits der Städte, ist das Auto nach wie vor das Verkehrsmittel der Wahl, einfach auch weil die ÖPNV-Alternative dort fehlt. Das ist doch etwas, was Friends of the Earth Scotland sehr, sehr stark kritisieren.
Sie setzen sich deshalb landesweit für einen flächendeckenden, bestenfalls auch kostenlosen ÖPNV ein, insbesondere mit Bussen, weil sie das einfach als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge wahrnehmen. Meine Top 3 würden im Moment die besseren Busse, besseren öffentlichen Verkehr, unsere Bus-Daseinsvorsorge, sie unter öffentlichem Daseinsvorsorge zu nehmen, die Reiseverluste zu verbessern, sie in vielen Fällen frei zu machen, wärmere Häuser zurückzuführen, Insolationen in ganz Schottland zu verbessern, Menschen aus dem Kohlenstoffschutz zu heben.
Und drittens eine Energieveränderung, die so aussehen muss, dass die Arbeiter nicht aus ihrem Job weg sind, dass sie von der Fossilfuel-Industrie zu der Erneuerbaren flüchten können und dass die Gemeinden nicht hinterlassen werden müssen und dass die neue Industrie, die wir in den Erneuerbaren bauen, im öffentlichen Interesse wird.
Elektromobilität in Schottland
Fahren viele Leute in Schottland heute schon elektrisch? Tatsächlich noch nicht, aber der Anteil der steigt. Im Bestand sind es aktuell so rund 2 % aller Pkw, die vollelektrisch fahren. Bei den Neuzulassungen sind es aber immerhin 20 %. Und was in dem Zusammenhang finde ich sehr spannend, ist: Ab 2030 ist der Verkauf von neuen Verbrennern im gesamten UK verboten und ab 2035 dürfen auch keine Hybride mehr verkauft werden. Das heißt, der Anteil von Elektroautos auf Schottlands Straßen dürfte in den nächsten Jahren deutlich steigen.
Krass, das ist ja wirklich ein Schritt nach vorne! Was würdest du sagen, gibt es etwas, was wir hier uns in Deutschland von Schottland abgucken, was wir lernen können?
Ich glaube, dass wir insgesamt vor ähnlichen Herausforderungen stehen, was die Akzeptanz von Erneuerbaren und insbesondere auch der Windenergie betrifft und dass für beide Länder eigentlich das zutrifft, was Katrina Randall beschrieben hat, nämlich dass wir dafür sorgen müssen, dass die Gemeinden und die Bevölkerung am Ende von der Windenergie oder generell von den Erneuerbaren profitieren.
Und außerdem dürfen wir uns, glaube ich, auch den Mut zum Ausstieg vom Verbrenner abgucken, denn soweit waren wir ja auch schon mal, bevor wir das dann wieder zurückgedreht haben.
Fazit und Ausblick
Ja, ich bin auf jeden Fall gespannt, welches Land du für den nächsten Blick über den Tellerrand aussuchen wirst. Auf jeden Fall erstmal bis hierhin vielen Dank fürs Unterwegssein und für diesen gedanklichen Ausflug in den Norden.
Sehr, sehr gerne! Und das war’s für diese Woche mit dem Klimapodcast von detektor.fm. Wenn ihr mögt, was wir hier machen, dann lasst uns doch bitte gern ein Abo da und schickt diese Folge oder einen Link zum Feed an jemanden weiter, der sich dafür interessieren könnte. Ein Dank geht natürlich raus ans Audio-Team, produziert hat diese Folge Paula Bültemann. Und die Redaktion für diese Folge hatte ich, Ina Lebedjev, und ich freue mich auch, wenn wir uns nächste Woche hier wieder hören. Bis dahin macht’s gut, alles Liebe, tschüss!
Mission Energiewende
Mission Energiewende. Der detektor.fm Podcast zum Klimawandel und neuen Energielösungen in Kooperation mit Lichtblick, Deutschlands größtem reinen Ökostromanbieter mit Solarlösungen, intelligenter E-Mobilität und 100 % Ökostrom.