Sie ziehen sich durch den hellblauen, wolkenfreien Himmel. Sie zu entdecken, verursacht bei den einen vielleicht Fernweh, die anderen werden durch sie daran erinnert, dass anderswo gerade Menschen ein ganz anderes Leben leben, etwas ganz anderes tun als man selbst, nämlich irgendwo hinfliegen. Die Rede ist natürlich von Kondensstreifen. Um sie ranken sich übrigens auch jede Menge Verschwörungsmythen. Wir beschäftigen uns aber heute mit sehr konkreten neuen Erkenntnissen und mit der Frage, welche Auswirkungen Kondensstreifen aufs Klima haben.
Ihr hört den Klimapodcast von detektor.fm. Ich bin eure Host Ina Lebedjew.
Mission Energiewende
Mission Energiewende – der detektor.fm Podcast zum Klimawandel und neuen Energielösungen in Kooperation mit Lichtblick, Deutschlands größtem reinen Ökostromanbieter mit Solarlösungen, intelligenter E-Mobilität und 100 % Ökostrom.
Antonia Sabri ist Strategin und Umsetzungsexpertin bei der gemeinnützigen Kommunikationsagentur Beyond Content. Sie organisiert Workshops, entwickelt Strategien und kennt sich mit Kondensstreifen aus. Herzlich willkommen im Klimapodcast!
Hallo, voll schön hier zu sein. Ja, ich freue mich, auch, dass das klappt. Was ich weiß bisher: Es gibt normale Kondensstreifen, sage ich mal in Anführungsstrichen, und dann gibt es sozusagen krasse Kondensstreifen, so habe ich es mir notiert, die sich eben besonders aufs Klima auswirken. Was hat es mit denen auf sich?
Ich liebe die Bezeichnung. Ja, das trifft eigentlich ziemlich gut. Man kennt es: Man schaut in den Himmel, man sieht ein Flugzeug. Manchmal hat es gar nichts dahinter, manchmal hat es einen Streifen dahinter, der während das Flugzeug wegfliegt, auch schon wieder weggeht. Und manchmal schaut man in den Himmel und sieht so einen Kondensstreifen und kein Flugzeug.
Ich denke, auch wegen diesen krassen Unterschieden sind da viele Mythen entstanden. Die Wahrheit ist: Ein Flugzeug fliegt, ein Flugzeug stößt dabei immer Rußpartikel aus, und wenn es durch sehr kalte Luft fliegt, dann kondensieren diese Rußpartikel, also sie frieren in dieser kalten Luftschicht, die wirklich minus 50 Grad da oben hat, und dann bleiben die.
Und wenn die nur kurz bleiben, dann war es kalt, aber nicht mega kalt. Und wenn es richtig, richtig kalt war, da kommen natürlich noch komplexe andere Wetterbedingungen zusammen, aber dann bleibt der Kondensstreifen. Und zwar über zwei Stunden bis zu zwei Tage. Also der kann auch sehr, sehr lange bleiben. Und nur diese, nur diese krassen, wie du es genannt hast, die lange bleiben, sind das große Klimaproblem.
Das passiert auch nicht bei vielen Flügen. Also bei zwei bis drei Prozent aller Flüge passiert das, weil dafür muss es eben sehr kalt sein. Dafür muss es auch eine gewisse Höhe haben. Also man denkt: Was ist dann das Problem? Es sind ja nur zwei bis drei Prozent aller Flüge. Aber tatsächlich haben diese bleibenden Kondensstreifen einen extrem erwärmenden Effekt.
Also man schätzt, ungefähr zwei bis drei Prozent der gesamten menschengemachten Erderwärmung sind diese Kondensstreifen. Die bleiben. Die nennt man auch Zirruswolken, weil es eben wie eine Art Wolke fungiert. Man schaut ja auch hoch, man sieht: Es ist ein Kondensstreifen, weil es eben so länglich ist, aber es hat auch was von einer Wolke, ein bisschen.
Neue Erkenntnisse
Also ist sozusagen über diesen Gedanken, dass man sagt: Fliegen an sich ist klimaschädlich, ist das eine neue Erkenntnis oder ist das einfach noch heftiger, was man da jetzt über diese Kondensstreifen weiß?
Also man kennt den normalen Klimaeffekt, den CO2-Effekt des Ausstoßes von Kerosin, der bleibt, und das andere kommt jetzt on top. Und wenn man jetzt überlegt, was macht das mit unserer Welt, dann kann man so ungefähr sagen, dass über das man bisher spricht, den CO2-Ausstoß durch den Kerosinverbrauch, das ist so ein Drittel der klimaschädlichen Wirkung von Flugzeugen.
Also Fliegen bleibt klimaschädlich, aber wenn man diese Kondensstreifen wegbekommen würde, wäre schon zwei Drittel der klimaschädlichen Wirkung vom Fliegen weg.
Okay, das klingt erstmal auf jeden Fall nach einem Ausblick. Aber kann man denn jetzt etwas gegen diese, ich glaube, ihr nennt sie auch persistierenden Kondensstreifen, gegen diese bleibenden Kondensstreifen tun?
Ja, tatsächlich gibt es da schon ziemlich viel Forschung zu. Ich sage mal, die in Umgangssprache einfache Lösung ist: drüber oder drunter fliegen. Das ist ein Höhenunterschied von vielleicht 600 Metern. Die Studien haben auch gezeigt, dass es quasi keinen statistisch relevanten Mehrwert an Kerosin braucht. Also es kostet die auch nicht wirklich mehr. Bei so einem Langstreckenflug kommst du dann zwei Minuten später an. Also der Unterschied ist minimal.
Was es in der Realität so komplex macht, ist natürlich die Flugsicherung. Auch irgendwo fliegt da über oder unter mir jemand? Wie sind über oder unter mir gerade andere Wetterphänomene unterwegs? Aber die Lösung an sich ist maximal simpel: drüber oder drunter fliegen.
Das heißt aber, das musst du jetzt nochmal genauer erklären. Man müsste sozusagen wissen, in welcher Konstellation diese schwerwiegenden Kondensstreifen entstehen würden und müsste dann die Flugbahn anpassen oder wie?
Absolut. Aber auch wenn man einen Flug plant, dann entscheidet es nicht der Pilot, wie er fliegt, sondern tatsächlich gibt es vorher eine Flugplanung. Die planen die Routen. Und auch da wurde schon mitgetestet mit American Airways, dass in dieser Flugplanung quasi schon die Wetterdaten, da gibt es ja Prognosen und und und, mit einbezogen wurden.
Und bei Flügen, die in dieser Höhenrichtung fliegen, das quasi einbezogen wurde. Und da wurde auch dann gesagt, bei, ich sage mal, 1000 Flügen, die sich angeschaut haben: Hey, 190 davon sollten den Umweg fliegen, um diese Kondensstreifen zu vermeiden. Das wurde dann gesagt, und bei diesen 190 haben das 112 auch tatsächlich gemacht, weil der Alltag der Piloten ist halt dann doch, ja, das waren die halt auch noch nicht so richtig gewohnt.
Und dabei hat man dann auch gesehen, da sind 70 Prozent weniger Kondensstreifen entstanden. Das muss ich natürlich noch perfekt finden, wie viel drüber oder drunter muss ich fliegen. Aber an sich konnte man dadurch schon 70 Prozent dieser Kondensstreifen vermeiden.
Also da gab es auch schon reale Tests. Und ein wichtiger Teil ist eben schon die Flugplanung. Der Pilot steigt da nicht ein und fliegt einfach, sondern vorher am Boden wird eine Flugplanung gemacht. Dann spielt noch die Flugsicherung mit rein, die da immer entscheiden muss: Okay, kommt jetzt aber ein Militärflugzeug oder was weiß ich spontan angeflogen, sodass ihr eben nicht drüber oder drunter fliegen könnt?
Das sind dann eben die Ausnahmen, wo es dann ab und zu halt doch nicht nach der normalen Route geht. Aber im Normalfall fliegen die schon.
Status Quo der Erkenntnisse
Also jetzt interessiert mich vor allen Dingen: Wie neu sind denn diese Erkenntnisse? Wie hat man das überhaupt rausgefunden, dass die Kondensstreifen sich so krass auswirken können?
Also es gibt schon Studien, die echt gar nicht so neu sind. Aber so die letzten fünf Jahre hat das Thema wissenschaftlich gesehen noch nicht öffentlich, aber wissenschaftlich gesehen sehr abgehoben. Also da gibt es inzwischen ganz, ganz viele, die sich damit beschäftigen, weil es aus wissenschaftlicher Perspektive, deshalb war es auch vorher nicht die breite Öffentlichkeit nicht so leicht ist.
Wir brauchen dafür natürlich Satellitendaten. Und die waren früher halt einfach noch nicht so verfügbar, um das überhaupt verfolgen zu können. Wie entstehen die? Wie erwärmt sich dann das drunter? Das kannst du inzwischen alles in den Satellitendaten sehen. Da gibt es schon recht viel Forschung.
Die Airlines würden sagen: nicht genug, weil die wollen das natürlich nicht umsetzen. Es ist für sie ja doch ein kleiner Schritt, mehr, wenn auch kein großer, darüber oder drunter zu fliegen. Und darum wünschen die sich natürlich gern noch mehr Forschung. Und es ist tatsächlich schon einiges da.
Und auch sehr, sehr große Institute und auch Firmen, auch Google, hat einen eigenen Bereich zu Contrails, weil die eben auch die Satellitendaten sehr gut einsehen können. Und da arbeiten echt viele auch weltweit zusammen in der Wissenschaft.
Wissen bei den PilotInnen
Das heißt, wie ist denn jetzt eigentlich der Status Quo? Also du hast gesagt, die Fluggesellschaften sehen das naturgemäß wahrscheinlich einfach anders, erst mal. Aber wie ist der Stand vom Wissen, das bei den PilotInnen ankommt? Und was kann da jetzt passieren?
Also aktuell ist es leider eben noch sehr wissenschaftlich. Es gibt aber auch schon viele Tests mit ein paar Airlines. Es gibt schon bei den Flugplanungssoftwaren, ist es schon ziemlich angekommen. Da gibt es schon einige wie Flightkeys, die haben es wirklich schon integriert.
Also sprich, wer auch immer die Flugplanung macht, wenn er dieses System nutzt, kann einfach – ich will es nicht sagen – einfach anklicken: Kondensstreifen vermeiden. So einfach ist die Realität nicht. Aber doch, ich habe das Tool gesehen. Es ist wirklich okay. Du kannst sagen, ich will halt nur mittelmäßig weniger oder mehr Kerosinverbrauch. Und dann kannst du dich da durchklicken.
Also es ist in der Flugplanung schon halbwegs angekommen. Tatsächlich aber noch nicht bei den PilotInnen. Also auch die versuchen wir, ich sage mal, zu informieren. Da gibt es keinerlei Informationspflicht. Also klar, es ist irgendwie nicht Teil ihres Alltags. Sie wissen schon, dass hinter ihnen da irgendwas entsteht.
Aber tatsächlich wissen die sehr, sehr wenig. Und auch in der Flugsicherung hängt es eher an Einzelpersonen, die sich, weil sie irgendwie über das Thema gehört haben, jetzt dafür interessieren und das versuchen zu pushen. Aber an sich ist es alles Eigenleistung von den Leuten, auch von den WissenschaftlerInnen.
Ich meine, wer steckt da Geld rein? Die Airlines wollen es lieber nicht pushen. Auch wenn es eine coole Geschichte eigentlich für sie ist, dass du zwei Drittel weniger Erderwärmung jetzt machen kannst, dadurch, dass die das einfach umfliegen.
Das entspricht nur, um mal ein Gefühl zu haben, der Größenordnung, in der Deutschland zu den globalen CO2-Emissionen beiträgt. Also wenn wir morgen den Schalter umlegen könnten, indem wir einfach drüber oder drunter fliegen und sagen würden: Okay, Deutschland macht jetzt keine CO2-Emissionen mehr, würden wir es ja tun.
Es ist ein Teil, dass sie wirklich einfach uninformiert sind, sowohl in der Flugsicherung als auch die PilotInnen, was schon auch beabsichtigt ist, glaube ich, ein bisschen. Also das ist einfach ein Thema, wir haben öffentlich nicht drüber gehört.
Und ähnlich kann man sich auch die Verteilung tatsächlich von den Leuten, die in dem Sektor arbeiten, vorstellen. Da haben auch sehr viele wenig Wissen darüber.
Einfluss der Kondensstreifen
Also du hast es ja gerade nochmal genannt: Es wäre einfach ein massiver Impact, wenn alle den Schalter umlegen würden oder beziehungsweise was ändern würden im Flugverhalten oder mit Blick auf die Kondensstreifen. Stimmt’s?
Ein Riesenschalter! Also wirklich, wenn man sagt, ungefähr 2 bis 3 Prozent der gesamten globalen Erderwärmung sind das. Und es entspricht einfach ganz Deutschland.
Also ich denke mir, als wir das das erste Mal gehört haben bei uns im Team von Beyond Content, war es so richtig: Hä, okay, wir müssen darüber zählen, weil wenn man doch nur drüber oder drunter fliegen muss. Es ist natürlich komplexer, will ich ja nicht sagen. Aber im Endeffekt ist es das.
Und warum tun die das nicht? Und am Ende fehlen halt einfach die Anreize. Den Piloten und Pilotinnen wurde schon ihr Leben lang erzählt: Hey, ihr müsst Kerosin sparen, Kerosin sparen, weil es gibt eine CO2-Steuer, die die Airlines zahlen müssen.
Es gibt aber eben keine Kondensstreifensteuer, weil das am Ende des Tages kein CO2 erstellt, sondern was da passiert, ist das Gegenteil, was man damals gehört hat, als es doch dieses Ozonloch gab.
Ich weiß nicht, wer sich daran erinnert. Aber im Endeffekt halten die die Wärme wie so eine Decke, die von der Erde wieder abgestrahlt werden würde, halten die fest. Und dadurch ist es eine aktive Erwärmung im Hier und Jetzt.
Und das macht eine ziemlich krasse Wirkung. Und ja, da denken wir: Ey, fliegt einfach drüber oder drunter und wollen da ein bisschen Druck machen. Deshalb haben wir auch eine Petition an den Start gebracht: Liebe Lufthansa, ändert doch mal bitte eure Routen ein bisschen.
Man muss es auch sehen: Es trifft nur zwei bis drei Prozent aller Flüge. Also die müssten jetzt nicht plötzlich ihren ganzen Betrieb ändern, sondern bei diesen Flügen die Flugplanungssoftware, die ja schon da ist, einfach auch nutzen.
Da gab es schon Tests und es hat bewiesen, dass es funktioniert. Also wäre es schon cool, die würden es auch einfach machen. Und dafür brauchen sie natürlich auch irgendwie den öffentlichen Druck, den politischen Druck, dass sie da einfach Anreize haben, das dann auch zu tun.
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CO2-Fußabdruck
Was bedeutet das denn kostentechnisch? Also ich denke jetzt so: Man kann ja seinen CO2-Fußabdruck als Reisender zum Beispiel jetzt verringern, indem man eben Zertifikate kauft und Sachen wieder ausgleicht, die man verursacht hat. Wäre das bei Flügen dann genauso? Würden Flüge dann überhaupt noch bezahlbar sein?
Also das sind zwei verschiedene Sachen. Das eine ist wirklich das CO2, was die Flüge ausstoßen. Das sind auch diese Zertifikate, von denen du sprichst, sogenanntes CDR, dass du CO2 wieder aus der Luft holst. Das würde ich jedem empfehlen.
Das fühlt man sich richtig gut, wenn man das zahlt. Das ist tatsächlich ziemlich teuer, wenn man das machen will. Aber wie gesagt, CO2 ist ein Drittel der klimaschädlichen Wirkung von Flugzeugen. Und diese Kondensstreifen, das würde es keinen Cent teurer machen, also vielleicht einen Euro, weil am Ende des Tages ist es kein CO2.
Das heißt, du musst dafür kein Zertifikat kaufen, sondern es ist wirklich wie so eine Decke, die einfach über die Welt gelegt wird und die Wärme hier hält. Und das ist nicht das Gleiche wie CO2. Darum kann ich das auch schlecht wieder aus der Luft holen. Da brauche ich dann auch keinen Rechner für.
Aber das würde die Firmen vielleicht ein zwei Euro mehr kosten. Also das Flugticket, wenn es ein Euro mehr kostet wegen dem bisschen mehr Kerosin, was die verbrauchen. Aber statistisch konnte nicht mal bewiesen werden, dass sie überhaupt mehr Kerosin brauchen. Also an sich dürfte es gar nicht teurer werden.
Wenn man jetzt sagt: Okay, die Flugplanung dauert fünf Minuten länger, dann wird das Ticket halt ein, zwei Euro teurer. Weiterhin, wenn ich auch noch CO2 weg will, dann wird es wirklich ein bisschen teurer, weil diese Zertifikate kaufen fürs CO2 ist aktuell schon noch recht teuer.
Persönliche Reiseerfahrungen
Sollte aber jeder machen, weil dann wird das Thema wissenschaftlich auch gepusht und dann wird es auch günstiger, das zu machen. Wir hatten im Vorgespräch uns darüber unterhalten, dass du selber früher ganz viel gereist bist, dass du also auch aus Erfahrung sprichst, weil du Work and Travel in Australien gemacht hast und Backpacken warst in Südostasien und einen Master gemacht hast in Schottland.
Und auf dem Jakobsweg warst du auch. Also ganz viele unterschiedliche Ziele und Weltentdecken war auf jeden Fall dein Ding. Wo gab es denn da für dich so einen Shift oder warum siehst du das heute anders?
Also ich habe mich da einfach, als ich jünger war, noch nicht mit beschäftigt. Ich bin mit 18 gleich los, Work and Travel. Und die Welt ist groß und wunderschön, deshalb ja auch so schützenswert. Und ich habe die Welt und ihre Kulturen und auch vor allem ihre Natur schon immer sehr geliebt.
War mir aber ehrlich gesagt viel zu dem Zeitpunkt noch gar nicht bewusst und habe mich schon nach dem Studium wirklich mehr angefangen, damit zu beschäftigen. Und vor allem, als meine Kinder auf die Welt kamen, war für mich klar: Okay, ich will, dass die die Welt so sehen können wie ich. Ich will, dass die die Natur so sehen können wie ich. Und das bedeutet auch, dass wir die schützen müssen.
Und das war für mich so der Startschuss in: Ich muss auch meine Freizeit, meine Arbeitszeit da reinstecken, dass wir diese wunderschöne Welt gemeinsam erhalten.
Falls das nicht so weit wird, erzähl doch mal, wie reist du denn dann?
Ja, meistens. Wir wandern einmal im Jahr. Da fahren wir nach Österreich. Das ist wunderschön für die Kinder oder in die Fränkische Schweiz. Also es ist schon alles wesentlich regionaler geworden. Oder an der Ostsee waren wir jetzt in den Pfingstferien.
Es ist schon wirklich regionaler geworden. Heißt aber auch nicht, dass ich nicht gar nicht mehr die Welt sehen will. Wir sind schon einmal mit den Kindern auch geflogen, tatsächlich. Und da habe ich mich halt danach hingesetzt und mir diese ZDR-Zertifikate gekauft, Carbon Dioxide Removal.
Also um das wieder aus der Luft zu holen. Weil ich habe es schon mit einem sehr schlechten Gewissen gemacht, kann man nicht anders sagen. Und darum versuche ich es auch so selten wie möglich. Aber tatsächlich ist es etwas, was ich nicht komplett aus meinem Leben streichen kann.
Ich respektiere jeden, der es tut, dass unser Team das macht. Wirklich ein bisschen schlechtes Gewissen. Aber die Welt ist so groß und schön. Ich verstehe jeden, der sie sehen will und das auch tut.
Das heißt, wir müssen uns gemeinsam überlegen: Wie können wir uns dabei ein bisschen weniger schlecht fühlen? Einmal, indem wir die Kondensstreifen vermeiden können, wir uns schon zwei Drittel weniger schlecht fühlen. Und einmal, indem wir im besten Fall noch die Zertifikate kaufen. Da müssen wir wirklich in die Tasche greifen.
Aber für mich zumindest führt es dazu, dass ich es auch mehr schätze. Also dass ich dann eben nicht dreimal im Jahr fliege. Gut, das habe ich jetzt noch nie getan. Aber dass ich dann wirklich schaue: Auf drei Jahre oder so, komm einmal und dann kaufen wir auch die Zertifikate, um es mit einem okayen Gefühl zu machen und trotzdem das Reisen einfach genießen zu können.
Beyond Content
Ich fand auch euren Hintergrund ganz spannend. Ich habe gelesen, dein Chef hat sozusagen aus einer klassischen Kommunikationsagentur ein gemeinnütziges Unternehmen gemacht. Und ihr beschäftigt euch bei Beyond Content mit Nachhaltigkeitsthemen und eben auch mit diesen Kondensstreifen. Wie und warum macht ihr das denn eigentlich?
Also witzigerweise kamen wir alle vorher aus einem Softwarekontext sogar. Auch unser Chef, wir haben bei einer Softwarefirma gearbeitet. Also wo ganz anders her. Und was wir jetzt tun, ist wirklich: Wir wollen mit den Geschichten, die wir erzählen, ob das Videos sind, YouTube, auch Podcasts oder Artikel, Geschichten erzählen für eine lebenswerte Welt.
Also die richtig Lust auf, ich nenne es mal, Klimaerhaltung machen. Die richtig Lust auf unsere Welt machen. Richtig Lust machen, da mitzumachen. Und wo man auch sieht: Hey, da wird an ganz vielen Ecken gearbeitet.
Weil da ist ja auch ganz viel Druck, da ist ganz viel Schwarzmalerei. Aber am Ende gibt es so viele Leute, die da schon an Lösungen arbeiten. Und diese Lösungen wollen wir gerne zeigen.
Weil ich sage mal, auch da jetzt bei dem Kondensstreifen-Thema, die Wissenschaftler, die da dran arbeiten, sind wirklich nicht die Pros darin, diese Geschichte auch endkundentauglich zu erzählen. Und am Ende wollen wir diese Geschichten erzählen.
Und zwar nicht nur zu Kondensstreifen. Wir machen auch ganz viel Richtung Energiewende, Richtung gesellschaftlicher Wandel. Und Kondensstreifen ist eben ein Teil davon. Alles, wo wir einen Hebel sehen, ist die Geschichte, die wir euch erzählen wollen. Da bin ich voll froh, dass du mir dafür auch die Plattform gibst.
Aufmerksamkeitsbedarf
Ich finde es total spannend, das Thema. Kannst du was dazu sagen, wie ihr überhaupt auf diese Kondensstreifen gekommen seid? Weil das ist ja so ein ganz spezielles Thema auf den ersten Blick.
Es ist so speziell. Es ist tatsächlich auch nur, weil wir uns extrem viel mit Klimathemen beschäftigen. Also dass wir in ganz vielen Gremien mit drin sind, dass wir ganz viel mit Leuten uns unterhalten, natürlich auch über den Flugverkehr reden.
Und dann rein zufällig, wirklich mal an jemanden gekommen ist, an einen Piloten, der in einer dieser Studien mit teilgenommen hat, wo sie die vermieden haben. Und ab da sind wir so ein bisschen reingepurzelt und kennen inzwischen wirklich auch aus Amerika die ganzen Wissenschaftler, die daran arbeiten, arbeiten mit denen regelmäßig dran an den Geschichten dazu.
Und das war wie für alle, die in diesem Thema sind, reiner Zufall. Also nur, weil wir uns viel über diese Themen unterhalten. Und das ist das, was ich so schade finde. Es sollte kein Zufall sein bei so einem einfachen großen Hebel.
Das sollte man wissen. Man sollte die am Himmel sehen und sich denken: Ja, wieso ist der da? Das finde ich jetzt nicht so toll. Den hätte die Erde dann jetzt auch vermeiden können. Wieso ist denn da nicht drüber oder drunter geflogen? Das ist, was das weiß keiner. Oder ja, im Alltag keiner.
Ich wusste vorher auch nicht mal so richtig, was. Wieso weiß das keiner? Wir müssen diese Geschichte groß machen. Und das fand ich auch so schön, als wir uns das erste Mal getroffen haben und da zufällig irgendwie auch über das Thema gesprochen haben, warst du auch gleich so: Was? Ja, lass einen Podcast drüber machen. Das müssen wir erzählen.
Und das ist tatsächlich die Reaktion der meisten Menschen, die das das erste Mal hören. Es ist ein Riesenhebel, der relativ einfach umsetzbar ist. Das hat man in unserem Bereich sehr, sehr selten. Und den sollte man dann auch drücken. Und dafür müssen Menschen einfach drüber wissen.
Abschluss
Gibt es noch irgendwas, Stichwort Wissen, wo du sagst, das gehört so nochmal in das Thema rein? Das muss ich noch mitgeben.
Also für mich ist: Unterschreibt die Petition an die Lufthansa. Schaut euch mal die Seite an bei uns. Wir haben eine extra Kondensstreifen-Website, wo man sich einfach informieren kann und teilt das Wissen mit anderen.
Damit einfach möglichst viele wissen, dass das überhaupt ein Problem ist. Weil ich glaube, wenn wir es alle wüssten, wäre der öffentliche Druck so groß, dann würde die Politik da auch Regeln für schaffen, dass die Airlines das einfach vermeiden müssen.
Und das wäre so der Wunsch, der Wunsch an das, was passiert. Teilt diese Information mit möglichst vielen. Contrails, das nennt man diese Kondensstreifen englisch. Das ist nicht das gleiche wie Camp Trails. Camp Trails sind diese Verschwörungstheorie hinter dem Ganzen.
Die Wahrheit ist wirklich einfach nur: Das stößt Ruß aus, dieses Flugzeug, und wenn es sehr kalt ist, dann kondensiert das da aus, diese feuchte Luft, die da aus dem Flugzeug kommt. Und das ist das, was ihr da seht. Und teilt die Information, was für ein Riesenhebel das ist.
Das sagt Antonia Sabri. Sie ist Strategin und Umsetzungsexpertin bei der gemeinnützigen Kommunikationsagentur Beyond Content. Hab ganz vielen Dank für die Einblicke in eure Arbeit und das spannende Gespräch.
Danke dir ganz schön, dass ich hier war. Und das war der Klimapodcast von detektor.fm für diese Woche. Wir freuen uns, wenn ihr den Podcast mit Menschen teilt, die sich für diese Kondensstreifen oder eben aber auch andere Klimathemen interessieren könnten und die spannend sein könnten für sie.
Produziert hat diese Folge Wiebke Stark. Und die Redaktion für diese Folge hatte ich, Ina Lebedjew. Und ich sage danke für eure Aufmerksamkeit. Macht’s gut, bis nächste Woche. Tschüss.