Auf dem afrikanischen Kontinent boomt die Energiewende. Für dieses Jahr wird ein Wachstum der Kapazität um 17 Gigawatt prognostiziert. Rund 100.000 Solarpaneele werden auf dem Kontinent jeden Tag auf Dächern und Freiflächen installiert. Kein Wunder, denn in Afrika scheint die Sonne deutlich mehr und auch intensiver als in Mitteleuropa. Beste Voraussetzungen also, um von den neuen Technologien zu profitieren.
Aber wie kommt der Ausbau in einzelnen Ländern voran und wo hakt es noch? Darum geht es heute im Klimapodcast von detektor.fm. Ich bin eure Host Ina Lebedjew. Hi!
Mission Energiewende
Mission Energiewende – Der detektor.fm Podcast über Klimawandel und neue Energielösungen in Kooperation mit Lichtblick, eurem Energieanbieter mit einfachen Lösungen für Energie, Wärme und E-Mobilität. Lichtblick Energie – echt einfach.
Wir hatten es ja schon vergangene Woche in der Überblicksfolge: Afrika umfasst 55 Länder. Kein anderer Kontinent der Erde hat mehr. Deshalb ist es einfach ziemlich unmöglich, eine Geschichte über die Energiewende in Afrika zu erzählen. Denn die Voraussetzungen, die Politik und auch die geografischen Rahmenbedingungen sind in jedem Land anders. Klar! Und gerade das macht es so spannend, auf Afrika zu schauen. Denn was dort gerade passiert, ist ziemlich beachtlich.
In 19 Ländern liegt der Zuwachs der Solarkapazität teilweise bei deutlich über 100 Prozent. Spitzenreiter ist die Demokratische Republik Kongo mit 544 Prozent Wachstum. In diesem Jahr soll der Solarstrom 14 Prozent der Stromerzeugung abdecken. Zum Vergleich: 2020 spielte Solarstrom quasi noch keine Rolle. Die Transformation ist also in vollem Gange und wir wollten wissen: Wie funktioniert die Energiewende auf dem afrikanischen Kontinent?
Südafrika
Meine Kollegin Marisa Becker hat das recherchiert und nimmt uns in dieser Folge mit in drei Länder. Hallo Marisa! Hallo Ina! Ja, ich bin gespannt, was es gibt. Über welches Land sprechen wir denn zuerst? Ich dachte, wir starten mit Südafrika, denn das Land steht tatsächlich an einem ähnlichen Punkt wie viele europäische Länder.
Okay, erklär mal, inwiefern. Südafrika hat im Unterschied zu vielen anderen Ländern in Subsahara-Afrika früh eine stark industrialisierte Wirtschaft entwickelt und ein entscheidender Ausgangspunkt dafür waren so die großen Mineralfunde. Im 19. Jahrhundert wurden hier Diamanten und Gold entdeckt und daraufhin flossen große Mengen ausländischen Kapitals ins Land und Städte wie Johannesburg entstanden.
Und es wurde Infrastruktur aufgebaut, um die Minen zu betreiben, also sowas wie Eisenbahnen, Straßen und Hafenanlagen. Und dann sind auch Banken entstanden und später eine verarbeitende Industrie. Das heißt, hier wurde schon sehr früh aus einer überwiegend landwirtschaftlich geprägten Wirtschaft eine industrielle Ökonomie.
Woran liegt das? Die Entwicklung war eng mit der europäischen Besiedlung Südafrikas verbunden. Das Land hatte bereits einige europäische Siedlungen, insbesondere in der Kap-Region und in Natal, als eben diese Diamant- und Goldvorkommen entdeckt wurden. Und dadurch wurde dieser ganze Prozess, den ich eben beschrieben habe, in Gang gesetzt.
Wichtig ist aber, diese Industrialisierung beruhte zu einem wirklich erheblichen Teil auf einem rassistisch organisierten Arbeits- und Landregime. Die Minen waren auf eine Vielzahl billiger Arbeitskräfte angewiesen und die wurden vor allem in der schwarzen Bevölkerung ausgemacht. Und im Zuge dieser Industrialisierung wurden auch Landbesitz und Arbeitsmarkt entlang von rassistischen Grenzen organisiert.
Und das ist etwas, was die soziale wie auch wirtschaftliche Entwicklung des Landes bis weit ins 20. Jahrhundert, teils sogar bis heute, geprägt hat und immer noch prägt.
Aktuelle Situation in Südafrika
Wo steht denn Südafrika heute? Ja, Südafrika ist ein Land der Extreme und der großen Gegensätze. Das Land ist der größte CO2-Emittent des Kontinents in absoluten Zahlen und der CO2-Fußabdruck pro Kopf liegt so ungefähr auf dem Niveau von Deutschland. Und damit belegte Südafrika 2024 nach Daten des Statistischen Bundesamtes Platz 3 nach Libyen und den Seychellen.
Und das Land von Präsident Cyril Ramaphosa ist auch die zweitgrößte Volkswirtschaft des Kontinents. Aber die Schere zwischen Arm und Reich geht wirklich sehr weit auf. Und das zeigt sich auch beim Thema Energie: 90 Prozent der Bevölkerung haben Zugang zu Elektrizität, was erstmal eine sehr hohe Quote für Subsahara-Afrika ist.
Aber vor allem in ländlichen Gebieten sind viele Haushalte von Energiearmut betroffen. Das bedeutet, sie geben mehr als 20 Prozent ihres Einkommens für Energie aus. Die NGO Climate Scorecard schätzt den Anteil der Haushalte, die von Energiearmut betroffen sind, auf 40 Prozent der angeschlossenen Haushalte. Das bedeutet, dass diese Haushalte sich den Strom ganz real einfach nicht stabil leisten können.
Sie sind zwar angeschlossen, aber greifen de facto dann eben auf andere Energiequellen zurück, um ihre Wohnungen zu heizen oder eben zu kochen. Und wenn man da in die offizielle Statistik zu den Haushalten in Südafrika reinschaut, da sieht man auch, es gibt zum Beispiel eine Provinz, in der ungefähr 40 Prozent der Menschen nach wie vor mithilfe von Brennholz kochen.
Stromerzeugung in Südafrika
Wie wird denn der Strom in Südafrika erzeugt? Der südafrikanische Strommix wird ziemlich von der Kohle dominiert. Und die ist tatsächlich auch der Grund dafür, warum die CO2-Emissionen so hoch liegen und der Treibstoff für die Industrialisierung schon damals gewesen. 2024 wurden 83 Prozent des Stroms aus Kohle erzeugt. Erneuerbare Energien kamen auf ungefähr neun Prozent.
Und dann gab es noch ein paar kleinere Prozente für Kernkraft und Diesel. Und mit den alten Kohlekraftwerken hatte das Land in der Vergangenheit tatsächlich auch ziemliche Probleme, weil die oft ausgefallen sind. Das ist jetzt aber weitestgehend in den Griff gekriegt durch bessere Wartungen.
Und da gab es Anfang des Jahres die Meldung, dass es in Südafrika erstmals seit wirklich langem 300 Tage ohne Low Chadding, also ohne den ungeplanten Ausfall von Kraftwerken, gab. Das heißt, um das mal zusammenzufassen: Südafrika steht bei der Energiewende vor der Herausforderung, seine Stromversorgung weiter zu stabilisieren und gleichzeitig aber auch von Kohlekraftwerken auf Erneuerbare umzurüsten.
Und das Thema, das da in Südafrika dominiert, ist die Just Transition, also der gerechte Übergang. Das ist ja ein Begriff, den wir hier bei Mission Energiewende schon ein paar Mal gehört haben, zum Beispiel auch im Länderporträt zu Schottland. Gemeint ist, dass der Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft sozial gerecht ablaufen soll.
Konfliktlinien in Südafrika
Wo verlaufen denn da in Südafrika die Konfliktlinien? Ein großes Problem ist, dass die Kohlekraftwerke in Südafrika vor allem im Nordosten des Landes stehen und die besten Bedingungen für Erneuerbare finden wir aber im Süden des Landes. Das heißt, wir haben da eine ähnliche Strukturwandelfrage wie auch in Deutschland.
Was passiert denn eigentlich mit diesen Menschen im Nordosten des Landes, die durch die Energiewende ihren Job verlieren und eben nicht in ihrer Heimat einen neuen Job in den Erneuerbaren finden? Und das betrifft eben zehntausende Arbeitsplätze.
Mit welchen Strategien versucht die Regierung denn aktuell, diesen Herausforderungen zu begegnen? Eine Strategie bezieht die internationale Staatengemeinschaft mit ein. Die soll da helfen. Anfang der 2020er Jahre wurde die Just Energy Transition Partnership ins Leben gerufen. Und da ist auch Deutschland dabei.
Dabei unterstützen, ich setze mal in Anführungszeichen, reiche Industrieländer ein Schwellenland finanziell und technologisch beim Ausstieg aus der Kohle. Und Südafrika wurde da Ende 2021 auf der Weltklimakonferenz der COP26 als weltweites Erstlingsprojekt präsentiert. Worum geht es da?
Einmal um die Stilllegung der Kohlekraftwerke und dafür eben dann den Ausbau der Erneuerbaren, aber auch um den Aufbau einer Export- und Eigenverbrauchindustrie für grünen Wasserstoff und die Transformation der Automobilindustrie hin zur Produktion von E-Autos.
Aber es gibt doch Kritik daran, denn ein großer Teil dieser Gelder besteht aus Krediten und anderen Finanzierungsinstrumenten und eben nicht aus reinen Zuschüssen. Das heißt, Südafrika muss sich für einen erheblichen Teil der internationalen Unterstützung verschulden.
Und genau daran entzündet sich gerade auch so eine Debatte der Klimagerechtigkeit. Wer trägt denn eigentlich die Kosten für diesen Umbau, wenn der Klimawandel historisch vor allem durch die Industrialisierung anderer Länder verursacht wurde? Das ist ein Thema, das wir in unseren anderen Folgen zum Themenschwerpunkt Afrika auf jeden Fall auch beleuchten.
Die Klimagerechtigkeitsperspektive, beziehungsweise genauer gesagt die des grünen Kolonialismus. Wenn euch da draußen das Thema interessiert, dann hört unbedingt auch nächste Woche in den Klimapodcast rein.
Madagaskar
Du hast dir aber noch zwei andere Länder genauer angeschaut, darunter auch Madagaskar. Und dazu hast du mir vorher schon gesagt, dass die Herausforderungen hier sehr anders gelagert sind. Erklär mal, inwiefern. Madagaskar startet mit ganz anderen Ausgangsbedingungen als Südafrika in das Projekt Energiewende.
Was beide Länder gemeinsam haben, ist, dass sie ein großes Potenzial für Erneuerbare haben. Madagaskar liegt nah am Äquator, sodass man dort das ganze Jahr über eine sehr breite Solarausbeute hat. Da hört es aber im Prinzip schon auf, denn im Vergleich zu Südafrika haben in Madagaskar nur wenige Menschen überhaupt Zugang zur Elektrizität.
Insgesamt sind es laut Weltbank im Jahr 2024 42,5 Prozent der Bevölkerung. In ländlichen Gegenden sind es aber teils auch nur so 26,5 Prozent. Und selbst bei denen, die theoretisch Strom haben, ist die Versorgung nicht sicher. Einen Eindruck davon habe ich bekommen, als ich mit Moritz Brauchle von Quintana gesprochen habe. Quintana ist eine von mehreren Organisationen, die in Madagaskar eine Konzession für den Ausbau des Stromnetzes haben.
In Madagaskar hat ungefähr ein Drittel der Bevölkerung Zugang zu Energie, also zu Strom. Davon ist nur ungefähr die Hälfte, also ein Sechstel der Gesamtbevölkerung, an das nationale Stromnetz angebunden. Das hat eine ganze Reihe an Ursachen. Eine davon ist, dass das Land sehr groß und relativ dünn besiedelt ist.
Also Madagaskar ist eineinhalb Mal so groß wie Deutschland, hat aber weniger als die Hälfte der Einwohner. Das heißt, die Distanzen zwischen Städten und Ortschaften sind relativ groß. Also es ist schwierig, da ein nationales Stromnetz aufzubauen. Dann von den Leuten, die jetzt über das nationale Stromnetz angebunden sind, ist ein sehr großer Teil noch über Dieselgeneratoren abgedeckt und ganz wenig über Erneuerbare Energien.
Also wir sprechen ungefähr von 60 Prozent über Dieselgeneratoren. Und auch da, wo die Elektrifizierung stattgefunden hat und wo die Leute Zugang haben, ist es extrem instabil. Also tatsächlich auch jetzt während dem Interview ist gerade hier ein Stromausfall und ich kann das Interview nur führen, weil wir hier Gott sei Dank ein Solarsystem mit einer Batterie haben. Nur als ein Beispiel.
Und ich sitze in der Hauptstadt, wo man eigentlich denken sollte, da sollte die Stromversorgung stabil funktionieren. Dass die Stromversorgung im Moment so unzuverlässig ist, das liegt unter anderem daran, dass Madagaskar sich gerade am Ende der Trockenzeit befindet und deshalb wenig Wasser in den Stauseen ist. Moritz Brauchle hat geschätzt, dass es aktuell so zwei bis drei Mal pro Woche zu Ausfällen kommt, je nachdem, wo genau man lebt.
Strommix in Madagaskar
Jetzt hast du gerade schon die Wasserkraft angesprochen. Wie sieht es denn beim Strommix aus? Was dominiert da? Madagaskars Strommix war im Jahr 2024 zu rund 60 Prozent fossil. Vor allem Öl, Diesel und Kohle spielten da eine Rolle, und 40 Prozent des Stroms kamen bereits aus erneuerbaren Quellen. Und hier dominiert ganz klar die Wasserkraft.
Für Madagaskar ist die Frage der Energiewende aber auch eine Frage der Unabhängigkeit. Denn das Land hat zwar zum Beispiel im Westen der Insel beträchtliche Schwerölvorkommen, deren Förderung ist aber technisch anspruchsvoll und bislang wirtschaftlich auch nur begrenzt nutzbar. Deshalb ist Madagaskar bei der Versorgung mit fossilen Energieträgern stark von Importen abhängig.
Okay, also um das nochmal zusammenzufassen: Es gibt in Madagaskar zwei große Herausforderungen, höre ich daraus. Also einmal die Bevölkerung überhaupt mit Strom zu versorgen und dann eben möglichst eine Energiewende auch durchzuführen. Genau!
Zielmarken in Madagaskar
Welche Zielmarken hat sich denn das Land dafür gesetzt? Die Ziele sind ambitioniert. Madagaskar will bis 2030 80 Prozent der Bevölkerung Zugang zu Elektrizität verschaffen. Und nach Angaben von Moritz Brauchle soll gleichzeitig die Solarerzeugung von aktuell rund 50 Megawatt auf 560 Megawatt steigen. Also ein sehr, sehr großes Wachstum, das da angestrebt wird.
Die staatliche Stromversorgung steht dabei vor einer besonderen Herausforderung. Denn in den dünn besiedelten ländlichen Regionen ist es sehr aufwendig, überall ein klassisches zentrales Stromnetz aufzubauen. Und genau da kommen Unternehmen wie Quintana ins Spiel. Denn sie haben eine Konzession dafür, ländliche Gemeinden dezentral durch Solaranlagen in sogenannten Mini- oder Nano-Grids mit Strom zu versorgen.
Das heißt, sie ziehen die ganze Infrastruktur hoch und sind nachher auch der Stromanbieter. Okay, das musst du jetzt nochmal ein bisschen genauer erklären. Was sind denn Mini-Grids? Mini-Grids sind kleine, vom überregionalen Stromnetz unabhängige Stromnetze, die eine begrenzte Anzahl von Haushalten oder Betrieben versorgen.
Bei Quintana werden dafür Solaranlagen mit Batteriespeichern kombiniert. Und Moritz Brauchle sagt, so ein Mini-Grid umfasst ungefähr eine Ortschaft mit 200 bis 600 Anschlüssen. Anschlüsse, das ist wichtig, sind aber nicht gleich Haushalte. Das heißt, in den Städten wohnen in der Regel mehr Menschen, als es sozusagen Anschlüsse gibt. Und die größte Stadt, die Quintana so angeschlossen hat, hat so ungefähr 12.000 EinwohnerInnen.
Du hast vorhin gesagt, dass Quintana eine Konzession für den Aufbau von Stromnetzen hat. Kannst du nochmal erklären, wofür genau gilt diese Konzession? Der Staat in Madagaskar vergibt Konzessionen an private Unternehmen, um in bestimmten Regionen die Stromversorgung aufzubauen und zu betreiben. Und diese Konzessionen, die laufen dann über einen festgelegten Zeitraum.
Bei Quintana ist es so, dass sie ein Konzessionsgebiet haben, das ungefähr 340.000 EinwohnerInnen entspricht. Und zusätzlich haben sie die Aufgabe bekommen, ein Wasserwerk zu bauen. Moritz Brauchle sagt aber, selbst das ist eine ebenfalls wieder ambitionierte Zielsetzung. Und das, obwohl deren Konzession über 25 Jahre läuft.
Das heißt nicht, dass wir jeden Einzelnen von denen anschließen können. Das ist technisch und finanziell einfach nicht machbar. Wir haben in 2021 angefangen, hier Systeme zu bauen. Das heißt, wir stehen jetzt noch am Anfang von der Entwicklung, haben es aber tatsächlich geschafft, jetzt in den ungefähr fünf Jahren seit Gründung ein super tolles Team aufzubauen.
Wir haben ganz starke Leute hier im Team, die auch stark intrinsisch motiviert sind, denen das wirklich ein Anliegen ist, bei der ländlichen Elektrifizierung mitzuwirken. Das heißt, wir haben jetzt eine ganz viel Erfahrung gesammelt. Wir haben drei Ortschaften elektrifiziert und drei weitere Mini-Grids sind gerade im Bau.
Und für weitere ungefähr 20 führen wir gerade die finalen Finanzierungsgespräche. Das heißt, bis Jahresende, um das nochmal einzuordnen, werden wir ungefähr 10.000 Menschen Zugang zu Strom gewährt haben oder die Möglichkeit geschaffen haben, dass sie Zugang zu erneuerbaren Energien haben. Und das heißt, es ist noch ein weiter Weg zu gehen, aber wir haben jetzt eine stabile Basis, auf der wir jetzt die nächsten Jahre skalieren werden.
Finanzierung der Anlagen
Wie wird der Bau dieser Anlagen finanziert? Das ist eine gute Frage, denn der Verdienst in Madagaskar ist relativ gering und eine Solaranlage im Vergleich ziemlich teuer. Und Quintana arbeitet damit unterschiedlichen Säulen. Der eine ist das Eigenkapital. Das kommt bei uns von der Gesellschaft Polarstern aus München. Die halten 100 Prozent von unseren Aktien. Also die sind der einzige Investor bei uns und halten alle Anteile.
Und die investieren jedes Jahr einen fixen Betrag, der wiederum aus deren Stromeinnahmen kommt. Damit haben wir das Eigenkapital, um die Investition zu starten. Und dann ist der zweite große Bestandteil eine öffentliche Förderung. Die kommen meistens von großen internationalen Gebern, Weltbank, Entwicklungsbanken und manchmal auch private Stiftungen.
Und das Ziel ist dann quasi, innerhalb von dieser Laufzeit von den 25 Jahren die Investitionen wieder zu tilgen. Das heißt, mit dem Stromverkauf, mit den Einnahmen aus dem Stromverkauf verdienen wir dann das Geld, um diese Investitionen wieder zu tilgen. Aber ein Teil ist eben Förderung. Das heißt, die muss nicht zurückbezahlt werden.
Brauchle sagt, dass man aktuell für die Anfangsinvestitionen an Geldgebern wie der Weltbank nicht vorbeikommt, aber dass der Betrieb der Anlagen dann über die Stromeinnahmen bezahlt werden kann.
Kenia
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Marisa, du hast ja noch ein drittes Land mitgebracht, nämlich Kenia. Warum ist es spannend, in Fragen der Energiewende nach Kenia zu gucken? Kenia ist insofern total spannend, als dass die Regierung unter Präsident William Ruto Klima- und Energiepolitik stark auf die politische Agenda gesetzt hat.
2023 war Kenia zum Beispiel Gastgeber des ersten Africa Climate Summit in Nairobi, den Ruto gemeinsam mit der African Union ausgerichtet hat. Auf dem Gipfel wurde unter anderem die Nairobi Declaration verabschiedet, mit der die afrikanischen Staaten ihre Forderungen nach mehr Klimafinanzierung und einem stärkeren Ausbau der Erneuerbaren formuliert haben.
Und auch beim eigenen Stromsystem ist Kenia schon ziemlich weit. Wo steht denn Kenia jetzt gerade in der Energiewende? Je nachdem, welche Statistik und welchen Zeitraum man betrachtet, liegt der Anteil der Erneuerbaren an der Stromerzeugung bei 80 bis 90 Prozent. Für 2024 weist die kenianische Regierung 91 Prozent der heimischen Stromerzeugung als erneuerbar aus.
Betrachtet man aber den gesamten Strommix, inklusive importiertem Strom, dann liegt der Anteil etwas niedriger. Der Großteil davon geht auf Geothermie zurück, gefolgt von Windkraft, Wasserkraft und dann Solarenergie. Und das Ziel ist es, dass der Strom bis 2035 zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen kommen soll.
Herausforderungen in Kenia
Die Stromversorgung in Kenia war in den 1990er Jahren relativ grün, vor allem mit einem hohen Anteil an Wasserkraft. 1990 lag der Anteil zum Beispiel bei rund 92 Prozent. Dann hat allerdings der Klimawandel zugeschlagen, d.h. Dürren und Niederschlagsausfälle haben dafür gesorgt, dass weniger Strom aus Wasserkraft erzeugt werden konnte, weshalb es dann eben in Folge zu häufigen Stromausfällen kam.
Und in Konsequenz wurden dann aus der Not heraus, weil einfach schnell Energie her musste, Kraftwerke gebaut, die mit importiertem Erdöl und Diesel betrieben wurden. Das zeigt sich auch im Strommix. Im Jahr 2000 machten diese Kraftwerke ungefähr 50 Prozent des Strommixes aus. Also da hat sich schon ziemlich was verändert.
Die Konsequenz dieser Politik war, dass die Strompreise total explodiert sind, weil diese Kraftstoffe eben importiert werden mussten. Und um sich daraus zu befreien, wurde dann ab 2008 die Vision 2030 entwickelt. Die Regierung hat beschlossen, sich aus dieser fossilen Abhängigkeit zu befreien und Geothermie zur tragenden Säule zu machen.
Ungenutzte Potenziale in Kenia
Klingt ja, als würde es eigentlich laufen. Aber gibt es auch Herausforderungen, vor denen Kenia da steht? Kenia hat riesige ungenutzte Potenziale, aber der Ausbau scheitert in der Praxis an ganz anderen Fragen. Zum Beispiel an so etwas wie Landrechten.
Und ein gutes Beispiel dafür ist der Windpark am Lake Turkana. Das ist der größte Windpark Afrikas mit 310 Megawatt Leistung und auch das größte Investitionsprojekt des Landes, weil hier einfach wirklich perfekte Bedingungen herrschen. Ich habe mir dazu ein paar Dokus angeguckt und mir das eben mal angesehen, wie das dort aussieht.
Da gibt es einfach zwei Bergzüge, die bündeln den Wind. Und wenn du dann quasi in diese Schneise Windräder stellst, dann ist das einfach eine sehr hohe Ausbeute. Aber als der Spiegel zum Beispiel 2023 über das berichtet hat, gab es Schwierigkeiten, weitere Flächen um den Park herum zu erschließen. Denn Firmen sind hier auf ein komplexes Netzwerk aus traditionellen Gemeinschaften mit eher unübersichtlichen Landrechten gestoßen.
Und dazu kamen dann auch Konflikte mit lokalen Gemeinschaften. Und das zeigt auch so ein grundsätzliches Problem beim Ausbau der Erneuerbaren, ein Klammern auf dem afrikanischen Kontinent, weil das sehen wir auch hier. Auch Windparks und Geothermie brauchen einfach Fläche.
Und die Frage, wem dieses Land gehört und wer darüber entscheiden darf und wer am Ende auch von dieser Nutzung profitiert, das kann eben zu Konflikten führen und hängt im Fall von Afrika auch oft mit kolonialen Kontinuitäten zusammen. Man spricht da auch vom Energiekolonialismus, beziehungsweise grünen Kolonialismus.
Und was das genau bedeutet, darüber sprechen wir nächste Woche in der nächsten Folge von Mission Energiewende.
Fazit
Jetzt hast du dir ja drei Länder angeguckt. Du warst auf einem Kontinent unterwegs, sag ich mal, zumindest in der Recherche, den du sonst noch nicht so im Blick hattest. Wie ging es dir denn mit der Recherche zu dem Thema? Ich fand es tatsächlich schwierig, da so Verallgemeinerungen zu treffen, weil einfach wirklich jedes Land so unterschiedliche Voraussetzungen mit sich bringt und auch einfach eine ganz eigene Geschichte hat.
Und da in der Komplexität irgendwie einzusteigen und durchzusteigen und diese Geschichte dann irgendwie zu rekonstruieren, das war schon eine Herausforderung. Aber sehr, sehr spannend, weil ich auch auf sehr, sehr viele interessante Fakten gestoßen bin.
Ich wusste zum Beispiel nicht, dass die Energie in vielen Ländern einfach schon sehr, sehr früh aus Wasserkraft kam, zu großen Teilen. Das fand ich total interessant und war etwas, was ich vorher so überhaupt nicht auf dem Schirm hatte. Und insofern war das eine sehr perspektivöffnende Recherche.
Ich danke dir ganz doll für deine Mühen und deine Arbeit und für das Gespräch und die Informationen. Gerne! Das war der Klimapodcast von detektor.fm zum Stand der Energiewende in einzelnen afrikanischen Ländern.
Wenn ihr über die nächsten Folgen rund um Klimathemen und unseren aktuellen Schwerpunkt Afrika informiert sein wollt, dann folgt doch dem Podcast in der App eurer Wahl. Und wenn ihr einzelne Folgen oder unseren Feed liked, teilt und bewertet, dann sorgt ihr dafür, dass noch mehr Menschen entdecken, was wir hier so machen.
Also vielen, vielen Dank für eure Unterstützung. Und ein dickes Danke geht natürlich auch raus ans Team. Audio produziert hat diese Folge Paula Bültemann. Und ich bin Ina Lebedjew und ich freue mich, wenn ihr auch beim nächsten Mal wieder mit dabei seid oder Folgen lauscht, die euch in unserem Feed ins Auge springen. Wir freuen uns. Macht’s gut! Bis bald! Tschüss!
Mission Energiewende – Der detektor.fm Podcast über Klimawandel und neue Energielösungen in Kooperation mit Lichtblick, eurem Energieanbieter mit einfachen Lösungen für Energie, Wärme und E-Mobilität. Energie – echt einfach.